Wer verkauft Leitungswasser?

Michael Frenz (Neues vom Hexer) fragte über Facebook an, ob ich Zeit hätte, mit ihm die Erkundung eines Teils der Strecke seines Barbarossa-Etappenlaufs durchzuführen.
Es ist ja nicht so, dass ich vor lauter Langeweile nie weiß, was ich mit mir anfangen soll, aber so ein Scouting ist es allemal wert, ein paar weniger wichtige Aufgaben vorzuziehen oder auf später zu verschieben. Zudem sollte es mit dem Mittwoch und dem Vatertag am Donnerstag sowieso nur ein Bürotag und ein Feiertag sein, das schien machbar.
Bei der Überprüfung des Bollerwagens stellte ich sowieso fest, dass die Vatertagstour mangels Bollerwagen und mangels alkoholischer Getränke hätte ausfallen müssen, also beschlossen Michael und ich, gemeinsam 140 Kilometer an zwei Tagen zu laufen. So weit, so gut und leicht.

Schwieriger aber wurde es dann, als es in die Detailplanung ging.
Sollten wir erst nach Sondershausen fahren und dort den Zug nach Rotenburg an der Fulda nehmen oder sollten wir nach Rotenburg an der Fulda fahren und nach den Läufen von Sondershausen mit dem Zug zurück?
Gegen die erste Variante sprach, dass wir nach der langen Autofahrt und der langen Zugfahrt kaum noch Zeit zum Laufen gehabt hätten, gegen die zweite Variante sprach, dass der letzte Zug von Sondershausen am Vater-Feiertag um 19 Uhr ging. Und 80 K auf dem Trail bis 19 Uhr? Da tickt dann irgend etwas in Deinem Läuferhirn – und das meist nicht mehr richtig.

Wir entschieden uns dann für die Variante drei, die Michael kurzfristig entwickelt hatte. Wir fuhren nach Eschwege, ganz früh am Morgen. Aufstehen um 4 Uhr, quasi mitten in der Nacht! So aber konnten wir früh in Eschwege starten, um die 80 K, die wir bis Sondershausen vor uns hatten, einigermaßen entspannt laufen zu können.
Rechtzeitig aufgestanden ist aber noch nicht rechtzeitig losgefahren und schon gar nicht rechtzeitig losgelaufen! Statt um 6 Uhr wie erhofft starteten wir tatsächlich erst um 7.45 Uhr, quasi kurz vor Mittag. Und weil der letzte Zug aus Sondershausen nach Eschwege sogar schon um 18 Uhr gefahren wäre, hatten wir rund 10 Stunden Zeit für diese 80 K, 7 1/2 Minuten pro Kilometer Trail, Gespräche über das Ausrichten von VPs, Essenspausen und sonstige Ruhezeiten inklusive.

Wir irrten uns gewaltig mit der benötigten Zeit und beschlossen nach einem guten Marathon in Mühlhausen/Thüringen, dass wir jetzt müde wären und dass Micha, der sowieso noch die letzten beiden Etappen zu erkunden hatte, auch noch die zweite Hälfte der Königsetappe mit erkunden könnte, auch deshalb, weil das schöne, wellige, waldreiche Gebiet nun durch platte Landschaft ersetzt würde.
Bei EschbornEschwege ist tatsächlich eine schöne Stadt mit tollen und riesigen Häusern, meist noch aus der Gründerzeit und die Laufstrecke Richtung Thüringen, die sich erst 10 Kilometer lang relativ flach durch ein Tal zieht, ist auch schön. Und dann kommt Wanfried.
Gleich am Ortseingang gibt es ein Restaurant, das von einer netten blonden Niederländerin geführt wird, die zudem „Frau Holland“ heißt. Kein Scherz, Tatsache.
Sie macht das noch nicht sehr lange, aber dafür ist es dort wunderschön. Ein Kanal liegt vor der Haustüre, ein Segelschiff liegt dort vor Anker. Planwägen hübschen die Terrasse vor der Restauranttüre auf und Holzfässer stehen dort herum. Bei einem Wetter wie der Hitze des Mittwoch vergangene Woche ist das ein unwirkliches, aber wunderschönes Bild.
Und danach ging es nach oben in die Berge, bis hin zu einem hohen Aussichtsturm aus Holz, von dem aus Du die gesamte Landschaft überblicken kannst.

Wenn bei Michael irgendwo Trail drauf steht, dann ist auch Trail drin, ganz sicher. Und so trailten wir Kilometer für Kilometer, erst gegen die Uhr und dann in dem Bewusstsein, dass es eben noch eine andere Lösung geben muss. Und die gab es dann ja auch, glücklicherweise.
Mir blieb in besonders guter Erinnerung der VP kurz vor Mülhausen/Thüringen. Es ist ein Demeter Laden, in dem es allerlei gesunde Sachen rund ums Essen gab. Und es gab dort auch besonders nette Leute. Der Chef dort war so nett, dass es nun dort einen VP geben wird, der auch mit gesundem Demeter Obst aufwarten wird.
Alle Barbarossa-Läufer vom Juli dürfen sich schon ab jetzt auf gesunde Vitamine freuen.

Weil wir also „nur“ einen guten Marathon gelaufen sind, waren wir auch sehr früh wieder in Eschwege. Wir blieben dann in der Jugendherberge, in der auch die Läufer untergebracht sein werden. Und auch wir standen sehr früh auf. Aber die langsameren Läufer des Etappenlaufs werden an dieser Stelle angesichts der anstehenden Königsetappe sogar noch früher aufstehen müssen als wir es taten.
Dann fuhren wir nach Rotenburg an der Fulda, um dort früh starten zu können. Je früher wir starten, dachten wir, desto früher sind wir wieder zu Hause, desto früher dürfen sich unsere Frauen wieder an uns und wegen uns freuen. Oder für uns, wer weiß das schon so genau?

Das Wetter am Donnerstag war schon deutlich kühler und in der Ausprägung ab Nachmittag auch eher feucht. Und wir glätteten die Etappe ein wenig, sodass aus den geplanten 60 K effektiv gute 50 oder 52 K wurden.
An diesem Tag trafen wir eine überforderte Bäckerin, deren Auffassungsgabe wir ein paar Mal strapazieren mussten, aber am Ende stand eine gute Bestellung für einen VP mit leckeren ISO Getränken und Kuchenstücken, die ich am liebsten alle testgegessen hätte.
Ferner trafen wir eine engangierte Klostermitarbeiterin, die sich sofort und engagiert für unsere Belange einsetzte, dem Motto des Klosters, Bedürftige aufzunehmen und zu bewirten, folgend.

Und wir trafen nach einem sehr, sehr steilen Berg ganz oben an der Burgruine auf ein unglaublich frequentiertes Fest, in dem das Bier in Strömen floss, die Menschen wie in einer Prozession in Massen hinpilgerten und das nahezu niemanden nüchtern hinterließ, außer uns Läufer und außer den Kindern, die sich eher an Fanta oder Cola hielten, ihre Bibelfestigkeit aber durch den massiven Gebrauch von Kinderwaffen (Pistolen und Maschinengewehre) bewiesen.
Wenn diese Waffen wie die „My first rifle“-Waffen für Vierjährige in den USA echt gewesen wären, dann hätten wohl am Ende ein paar Leichen verscharrt werden müssen, so aber erlebte jeder der vielen Festbesucher, wie ein starker Platzregen mutmaßlich das Festgelände innerhalb von Minuten menschenleer gemacht hat. Wir aber erlebten es nicht, weil wir zu diesem Zeitpunkt schon ein gutes Stück weiter waren.

Bevor aber das Burgruinen-Fest kam, gab es eine wirklich skurrile Szene. Wir waren schon nahezu „trocken“ und entschlossen uns, einen im Garten sitzenden Herren zu bitten, uns mit Wasser zu versorgen oder uns den Zugang zum Wasserhahn zu gewähren.
Er hörte sich das eifrig an, dachte intensiv nach und antwortete laut und deutlich, langsam und bestimmt: „Nein, brauche ich nicht …!“
Wir wiederholten unsere Bitte und er dachte noch länger nach als vorher. Aber er antwortete fast gleich wie zuvor: „Nein, brauche ich nicht …!“

Wer verkauft denn Trinkwasser in 0,75 Liter Plastikflaschen? Nein, wir wollten nichts verkaufen, wir wollten nehmen. Und das durften wir dann endlich auch irgendwann:
Anschließend schüttelten wir erst den Kopf und dann die Wasserflaschen.
Kurz vor dem Ziel in Eschwege kamen wir auch in diesen enormen Platzregen und wir genossen es danach, die letzten Kilometer bis zum Eschweger Bahnhof in sehr gemäßigtem Tempo zurück zu legen.

Wir quatschten viel in diesen beiden Tagen und ich habe auch sehr viel von und über Michael gelernt.
Aber was das war, darüber erzähle ich in einer anderen Geschichte …

New 60 K extreme – Mount Everest Extreme Ultra Marathon

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(Link zur Eventseite)

Schon seit Jahren war der „Mount Everest Marathon“ eines meiner Lauf-Lebensträume. Ich war in diesen Lauf schon verliebt, als ich von einer Mitte 50 Jahre alten Dame von der anderen Rheinseite gelesen habe, die ihn erfolgreich hinter sich gebracht hat. Langsam, aber immerhin.

Sie beschrieb in dem Presseartikel, dass sie mit einer Gruppe von 30 Läufern nach Kathmandu kam. Von diesen 30 Läufern haben es aber nur knapp über 20 überhaupt bis zum Basecamp 1 des Mount Everest, dem Start des Marathons, geschafft. Und nur 14 haben letztendlich das Ziel erreicht.
Manche hatte die Höhenkrankheit ereilt, andere hatten Probleme mit dem Magen. Diese Probleme mit dem Magen sind übrigens auch Ursache dafür, dass auch bei den Mount Everest Besteigern viele schon krank zu dieser Expedition aufbrechen.
Vernünftigerweise sollten diese Menschen gar nicht starten, weil das Wasser, das sie getrunken haben, belastet war, weil der Salat, der mit unsauberem Wasser gewaschen wurde, zu Brechreiz geführt hat oder weil schlicht das Fleisch oder die Eiscreme krank gemacht haben. Aber man startet dann doch, bei einer Mount Everest Besteigung, für die man alleine für das Permit schon 10.000 USD bezahlt hat und die weiteren Startkosten mit weiteren, mindestens den doppelten Kosten dieses Betrags, zu Buche schlugen, sowieso.

Den nächsten Kick bekam ich dann vorletztes Jahr, als wir mit Jeffrey Norris in Brugg/CH beim 24-Stunden Lauf waren und einer der anderen Guides just dort am höchsten Berg der Welt gewesen war. Er war hellauf begeistert, erzählte auch von dem gemütlichen zweiwöchigen Trecking vor dem Marathon und seine Begeisterung ließ meine Flamme für diesen Bewerb noch höher lodern.

2013 haben dann Julia und Jens Vieler für diesen Bewerb gemeldet und so dachte ich, dass dieses Jahr das richtige Jahr für diesen Trip sein müsste.
Und nun werde ich diesen Marathon doch nicht laufen …

map2013 ist das Jubiläumsjahr dieses Laufs, schon die sechzigste Austragung. Und zum Jubiläum schenkten die Veranstalter uns Teilnehmern eine Wahl, die eigentlich gar keine ist. So wird in diesem Jahr 2013 erstmals ein 60 Kilometer langer „60 K extreme“ Ultra angeboten und Du kannst kostenfrei den Startplatz für den Marathon gegen den beim Ultra eintauschen. Wer mich kennt, der weiß, dass ich keine zwei Minuten gebraucht habe, um meine Wahl zu treffen.

Start dieses Laufs wird ebenfalls am 29. Mai, dem Tag der Erstbesteigung des Mount Everest, sein, am Basecamp 1 auf 5.364 Metern über dem Meeresspiegel, genauso wie beim Marathon, direkt beim berühmten Khumbu Icefall. Und das Ziel ist dann weit, weit drunten auf 3.720 Metern in Syangboche.
Klingt einfach, bis auf die Höhe, in der gelaufen wird?

Aber schon beim Marathon hast Du neben dem Gefälle auch große, steilere und längere Anstiege zu bewältigen und beim „60 K extreme“ kommt dann noch „the World’s highest uphill trail running section“ von Phortse auf 3.820 Metern bis Nha-La auf 4.440 Metern dazu.
Die gesamte Strecke geht über lange Gletscherwege, teilweise auf der historischen Route des Erstbesteigers Sir Edmund Hillary und seinem Sherpa Late Tenzing Norgay. Näher kann Geschichte kaum sein. Glücklicher kann ein Läufer kaum werden. Aber einfach wird das mit Sicherheit für keinen von uns.

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(Klicken, um den Film von Michele Ufer auf VIMEO zu sehen)

Überhaupt klingt alles an Streckenbeschreibung, das ich bisher gelesen habe, fantastisch. So führt die Strecke „durch einen Rhododendren Wald, einen Hain wilder Orchideen und die malerischsten Landschaften der Welt, die von den legendären Sherpas bewohnt werden“.
Ob ich da vor lauter Fotografieren wirklich noch zu Laufen kommen werde?
Ich denke oft an die beiden Kilimanjaro-Besteigungen, die ich hinter mir habe, „Aufwärmübungen“ eigentlich, weil Du es weder mit Eis noch mit echter Kälte zu tun hast. Die Besteigungen des Rinjani, des Cotopaxi und vor allem des Chimborazo hatten da schon mehr Leistungsbereitschaft abverlangt. Und dennoch war ich nach der Chimborazo-Besteigung ernüchtert. Bei diesem Trip am Gipfeltag starteten wir gegen 1 Uhr in der Nacht und waren erst gegen Mittag wieder im Lager, aber die Uhr stand danach nur auf für uns Läufer lächerlichen 12,5 Kilometern.

Wenn Du beim „Mount Everest Marathon“ zwischen 7 und 8 Stunden benötigst, dann bist Du schon bei den besten Europäern dabei, bis zu 12 Stunden sind dort keine Seltenheit. Noch 18 Kilometer mehr, eben diesen höchstgelegenen Anstieg hinauf und wieder hinunter, das wird schon zu Laufzeiten führen, die wir bei anderen 60 K Läufen nicht kennen.
Aber ich bin gewarnt und werde vorbereitet sein.

Bis zu meinem Abflug nach Kathmandu am 15. Mai ist ja noch ein wenig Zeit. Zeit für andere Läufe, für den RheinBurgenWeg-Lauf, den JUNUT, den „Sächsischen Mt. Everest Treppenmarathon“ (als Einstimmung auf den „Berg der Berge“?) und vielleicht noch auf den einen oder anderen Lauf, zu dem ich kurzfristig nachmelden kann, wenn ich weiß, ob ich dafür Zeit haben werde.
Aber egal, wo ich vor dem 15. Mai sein werde, ein paar Gedanken sind immer schon auf dieser höchstgelegenen Laufstrecke der Welt.

Yamaste!

On my way to … India!

Ein wenig spät ist es schon für den Vorbericht über das Ultra India Race, immherhin liegt die Finishermedaille ja schon direkt neben mir, aber versprochen ist versprochen …
„Warum nach Indien?“ wurde ich oft gefragt, als ich mich für dieses Event entschieden hatte. Genau, warum eigentlich nach Indien?UltraIndia-315_klein
Salman Rushdie hat einmal gesagt: „Der Mensch drei große Fantasien: Geld, Gott und Indien.“ Ist das nicht schon Grund genug?

Nach Indien wollte ich schon immer mal. Schon als Teenie, als ich noch in Schorndorf, meiner Abitursstadt, im °Hammerschlag° in Hippie-Klamotten die Abende verbrachte und jeden bewunderte, der gerade aus Indien kam, entweder auf der Suche nach Erlösung, meist aber auf der Suche nach individueller Freiheit und einer gewissen Bewusstseinserweiterung.
Während die Glücklicheren unter uns dort den Baghwan oder einen anderen Guru suchten, begnügten wir uns später damit, in den Baghwan-Discos gegen Mitternacht Walzer zu tanzen und über die Geheimnisse hinter den Kulissen dieser Organisation zu philosphieren.
Ich jedenfalls habe es nie geschafft, es denen gleich zu tun, die sich einfach ein Fahrrad geschnappt haben, um die vielen Tausend Kilometer nach Indien zu radeln.

Überhaupt hat Indien die Welt schon lange reich gemacht. Da waren die fahrenden Gewürzhändler, die anfangs über den Landweg Safran zu Goldstaub machten, wenn sie nicht in einer der Wüsten auf dem Weg überfallen wurden, später dann kam der Seeweg dazu.
Die Engländer verdankten lange Zeit einen Großteil ihres Wohlstandes der indischen Kolonie und das Ende dieses Teils des Kolonialismus wurde dann nicht mit einer „stiff upper lip“ ertragen, sondern versucht, mit geradezu bestialischer Gewalt zu zerschiessen.
Aber da hat die Welt dann gesehen, dass die Inder vor allem eines sind: ungeheuer leidensfähig. Der hinduistische Glaube half damals den Menschen, trotzdem friedlich gegen die Engländer stehen zu bleiben.

FarbenIndien? Was ist das eigentlich für ein Land?
°Eine Form wie ein Diamant° sagte mein Zimmer-und Zeltnachbar Sriri poetisch. Ein Land mit 20 offiziell bestätigten Sprachen, aber mit unzähligen davon abweichender Dialekte. Sriri unterschied auch stets zwischen dem wohlhabenderen Südindien und dem bevölkerungsreicheren und ärmeren Nordindien, aber wie soll das denn auch ein Land einigermaßen einheitlich sein, wenn es dort rund 14 Mal so viele Menschen gibt wie bei uns im größer geworden Deutschland?
Jedes Restaurant macht diese Unterscheidung übrigens auch, weil die südindische Küche wesentlich stärker reisbasiert ist, während die nordindische Küche auch stark auf Weizenprodukte setzt.

Richtig erstaunlich aber fand ich eine andere kulinarische Unterscheidung. Während wir zwischen Vegetariern und Veganern unterscheiden, Ovo-Lacto-Vegetarier kennen und selbst Menschen, die keine Fleisch, aber dennoch Fisch essen, suspekt empfunden werden, gibt es in Indien nur zwei Küchen.
In der einen Küche bekommen die Fleischgerichte einen roten Punkt und die fleisch- und eilosen einen grünen Punkt. Und dann gibt es noch etwas, was in Deutschland ganz, ganz selten ist.

Kids°100% Pure Vegetarian Cuisine° heißt dabei, dass in dieser Küche kein Fleisch, kein Fisch, kein Ei zur Verwendung kommt, es also keine Kontaminierung durch nicht-vegetarische Speisen geben kann.
Wahnsinn, finde ich, großartig. In den meisten deutschen vegetarischen Restaurants wird für die weniger Konsequenten dann doch ein Dessert angeboten, das mit Eischnee aufgepeppt wurde.

Also, riesig ist dieses Indien – und Dank der Qualität der Straßen eigentlich noch riesiger. Kurz davor, der bevölkerungsreichste Staat der Welt zu sein ist dieses Indien (Sriri war schon etwas stolz darauf, bald die Chinesen eingeholt zu haben), heiß und schwül ist dieses Indien und es ist ein Traum in Bezug auf Kunsthandwerk (der Metallelefant, den ich nach Hause gebracht habe, ist einfach zu schön), in Bezug auf alle erdenklichen Farben und in Bezug auf wirklich alle Arten Gewürzen. °Spice Supermarkets° gibt es ja in allen Größen und Qualitäten.

Und trotzdem fühle ich mich jetzt, wo alles vorbei ist, wie jemand, der in einem riesigen Keller mit einer kleinen Taschenlampe ein Ecken beleuchtet hat und zu wissen glaubt, wie es in diesem Keller aussieht.

Also muss ich noch einmal hinunter in diesen Keller. Und da versuche ich dann, ein anderes Eckchen auszuleuchten, noch einmal frische Gewürze holen, die „Indian Vegetarian Cuisine“ genießen und noch einmal die Herzlichkeit und Freundlichkeit der Inder erleben.
Vielleicht gelingt es mir dann, auch die volle Freude an den indischen Farben zu erleben. Das indische „Farbenfest“, das „Holi“, wird ja im Wesentlichen im Norden Indiens gefeiert. Wär doch was, oder?
Holi

Alles neu macht der Januar …

Drei Monate ohne Schreiben, drei Monate nahezu ohne Laufen, drei Monate, die ich so nicht wiederholen will. Aber „Alles neu macht der Januar …“ heißt es ja, also nicht nach hinten sehen, sondern voraus schauen. Und dort wieder anknüpfen, wo ich im Spätsommer 2012 aufgehört habe. Aber wie beginnt man den ersten Blog-Beitrag nach so einer langen Pause?

Reinhard Mey sang vor vielen Jahren:

„Ich weiß gar nicht, wie ich beginnen soll, so viel Gedanken und mein Herz ist übervoll, so viel Gefühle drängen sich zur selben Zeit:
Freude und Demut – und Dankbarkeit.“

Mir geht es da sehr ähnlich. Ich freue mich, dass Du trotz meiner langen Abstinenz noch da bist in meinem Leserkreis und ich empfinde Demut und ein wenig schlechtes Gewissen, dass ich noch nicht vorher wieder schreiben konnte, wieder schreiben wollte. Mancher von Euch hat mich schon gebeten, das wieder zu tun – und manchem von Euch habe ich einen früheren Wiedereinstieg versprochen.
Und da ist auch Dankbarkeit, gegenüber Dir und den anderen Lesern, den Läufern, den Veranstaltern, den Partnern!

clip_image001Es ist ja so viel passiert in dieser Zeit. Joe Voglsam hat mir schon Anfang November ein Musterpaket „FitRabbit“ zum Testen geschickt, nicht wissend, dass ich für Wochen nicht mehr zu Hause sein würde.
Ein BIO Sport Drink des führenden BIO-Fruchtsaftherstellers aus dem schönen Österreich, auf Basis meiner geliebten Rote Bete-Knolle, ob das etwas hilft?
Ich habe ihm nun versprochen, die Säfte ab morgen täglich zu probieren, also fünf Tage vor dem nächsten Lauf, um dann in Indien beim Ultra India, meine zu vielen Pfunde zu kompensieren.

Gesund und wohlschmeckend - die rote Knolle, die ich so sehr liebe!

Gesund und wohlschmeckend – die rote Knolle, die ich so sehr liebe!

Apropos „zu viele Pfunde“. Auch das ist passiert in den letzten Monaten: Ich habe Muskeln ab- und Fett aufgebaut. Nicht allzu tragisch, aber der kleine Rettungsring um die Lenden nagt soch sehr an meinem Selbstbewusstsein. Und deshalb habe ich beschlossen, dass ich mich von mindestens 5 meiner vielen Kilos trennen werde. Und ich habe gleich vorgestern mit der Diät begonnen. Mal wieder „BCM“, wie damals, als alles angefangen hat.

Auch andere haben mich kontaktiert und noch nicht jeden konnte ich zurückrufen, aber all das folgt noch in diesem Monat, auf den ich voraus schaue, voraus schauen muss, wenn ich auf das Jahr voraus sehe.
Und dieses Jahr hat es doch wirklich in sich. Entweder ich werde am Jahresende der frustrierteste Läufer der westlichen Hemisphäre sein oder ich kann die mir selbst gesteckten Hürden überwinden.

Indien ist da dabei, mein schon Jahre alter Traum, Nepal, auch ein Jahre alter Traum von mir, Gran Canaria, England, die schönen Länder Schweiz und Österreich sowie auch ein paar Wiederholungsläufe, die Treppe in Radebeul zum Beispiel, der JUNUT und … auch der UTMB.
Nach 2009 muss es 2013 doch mal wieder der UTMB sein!

Und auch das hat sich in diesen drei Monaten läuferischer Abstinenz getan. Dr. Reuther, der Arzt, der mir zuletzt einen Stapel von vier ärztlichen Bescheinigungen auf einmal unterschrieben hatte, ist in den Ruhestand getreten. Und der Neue in der Praxis, Dr. Thomas Kemkes, durfte mir gleich zwei dieser neuen Bescheinigungen unterschreiben, eine für das Ultra India Race, gepaart mit einem EKG und eine für den UTMB.
Und das Beste daran: Dr. Thomas Kemkes ist auch ein Marathoni. „Nur einem im Jahr,“ sagte er mir, aber besser als gar keiner. Wichtig für mich ist ja nur, dass wir hier eine gemeinsame Sprache sprechen. Wer Marathons läuft, der weiß halt, wie Marathonis ticken. Und Ultramarathonis ticken ja genau gleich, vielleicht noch ein wenig lauter und intensiver.

Reinhard Mey singt dann weiter über sein Kind:

„Du bist ein Licht in ungewisser Zeit, ein Ausweg aus der Ausweglosigkeit, wie ein Signal, den Weg weiterzugeh‘n, Herausforderung weiter zu besteh‘n.
Wo vieles voller Zweifel, manches zum Verzweifeln ist, da macht ein Kind, dass du alle Zweifel vergißt.
Es sind in einer Welt, die ziel- und ratlos treibt, die Kinder doch die einz‘ge Hoffnung, die uns bleibt!.“

Das gilt eben auch für das Laufen: nachdem die Kinder groß sind, sind in einer Welt, die ziel- und rastlos treibt, die Läufe doch die einz’ge Hoffnung, die mir bleibt.
Beim Laufen vergesse ich alle Zweifel und beim Laufen ist die Welt überschaubar, klein und fair.

Morgen gibt es dann etwas über meine Vorbereitungen zum Ultra India Race zu lesen.

Alles neu macht der Januar …

Viel lernen von den Vielers

Ich weiß, dass mancher schon lange auf eine kleine Geschichte wartet, die zu erzählen ich bei meinem eintägigen Gastspiel beim TransAlpineRun 2012 versprochen habe.
Dank der Einladung durch Uta Albrecht, der Racedirektorin des TAR, die immer um die Vielzahl der laufenden „Schäfchen“ bemüht ist, kam ich ja nach vier Jahren wieder in den Genuss, wenigstens einen Tag lang diese vielleicht am besten organisierte Strapaze über mich ergehen lassen zu dürfen. Ein echter Hochgenuss, nicht nur, weil das Team von Plan B dort Dinge macht, die wirklich bemerkenswert sind, Dinge, wie beispielsweise die Einrichtung des Rescue Teams, stahlharte Burschen, die ständig auf ihren Motocross-Motorrädern unterwegs sind und die Dich von überall herunter holen, wo auch immer Du Dich verletzen könntest, sondern auch, weil ich mich mit „Pferdesalbe“ umgeben durfte.
„Pferdesalbe“ in Form von zwei Mädels aus unserer engsten Familie. Aber von Betti Mecking und Susanne Alexi will ich ja heute gar nicht erzählen.

Es war eben auch mein Ziel, die beiden wieder zu treffen, die zwar manchmal TorTOURen planen, die sich aber selbst noch viel öfter TorTOURen stellen, bei denen jeder halbwegs durchschnittliche Ultraläufer neidvoll und bewundernd aufblickt. Dass es hier also um „die Vielers“ geht, iss klar, wa … und gerade Jens erhöht dann auch noch seine Taktfrequenz in diesem Bereich.
Nach dem vielleicht heißesten Rennen der Welt, nach Badwater, war jetzt der Spartathlon dran. Und alles schafft er scheinbar mühelos und stets in atemberaubender Geschwindigkeit.
Dabei schätze ich Julias Leistungen der letzten Monate sogar fast noch mehr. Von der Gelegenheitsläuferin suchte sie ihren Weg zur Ultraläuferin – und das in kürzester Zeit. Noch Mitte 2011 waren die 78 Kilometer des K78 SwissAlpine in Davos eine hohe Hürde für sie, die sie geduldig bewältigt hat. Die Schwelle von 100 Kilometern nahm sie dann nicht in Biel, sondern sie wählte dafür eine besonders schwere Variante. Der TransGranCanaria mit seinen harten 123 Kilometern war Anfang März ihre erste Strecke über eine dreistellige Laufdistanz. Man hätte es sich viel leichter machen können, viel leichter aber ist keine Option für eine Vieler.

Aber noch mehr als Julias Leistung bewundere ich, was die beiden Vielers zusammen machen. Und wie sie es zusammen machen. In Davos kümmerte sich Jens so liebevoll um Julia, die ihren ersten Lauf über die Marathondistanz machte. Er, der Schnelle, verbreitete keinerlei Anzeichen von Hektik oder Eile und nutze die Gunst der Situation, statt seiner Schuhe eben mal seine Fotokamera zu strapazieren.
Ich bin damals irgendwann auf die beiden aufgelaufen und durfte einige Minuten diese Ruhe und diese Entspanntheit genießen. Und da war es auch, wo ich zum ersten Mal hörte, dass sich die beiden für 2012 das gemeinsame Ziel TAR gesetzt haben.
Kann es etwas Schöneres geben, als sich seine gegenseitige Liebe mit so einem Gemeinschaftserlebnis zu zeigen?
Statt eines Blumenstraußes gibt es bei Vielers eben viel mehr: eine Startkarte für den TransAlpineRun 2012! Einfach himmlisch, diese Idee.

Und auch beim TransGranCanaria, der nächsten Trainingshürde für Julia, war Jens wieder tiefenentspannt. Ich konnte noch auf den ersten Kilometern im Sand mit ihm quatschen, normalerweise wäre et mir hier schon um Längen enteilt gewesen. Aber er war geduldig auf der Suche nach Fotomotiven, die er auch reichlich fand. Und auch im Ziel durfte ich wieder das Glück der beiden teilen und wieder dabei sein.

Und dann also der TAR. Und wieder durfte ich zusehen und begreifen, wie hier Liebe weiter wächst. Julia litt merklich unter den Strapazen, immerhin war es schon die sechste von acht Etappen. Das Laufen im Flachen fiel ihr sichtlich schwer und Jens versuchte stets, sie zu bremsen. Spätestens aber, wenn es wieder die Berge hoch ging, war Julia wieder ihre Schmerzen los und ich hatte Mühe, hinterher zu kommen. Und Jens war stets die Ruhe selbst.
Trotz der vielen Jahre, die ich die Vielers jetzt schon kenne, war ich froh, an diesem Tag auf dieser Etappe mal mehr von den beiden erfahren zu können als man das üblicherweise am Rande der einzelnen Laufevents sonst tun kann.

Und da gibt es für mich so vieles, was ich schon wusste und so vieles, was auch neu war für mich. Während viele in der Familie gerade in den Jahren, wenn die Laufgeschwindigkeiten langsamer und die Laufstrecken länger werden, nach neuen Lebensinhalten suchen und nach neuen Partnern, mit denen sie die diese neuen Inhalte teilen können, setzten die Vielers Tag für Tag neue Zeichen.
Ganz genau weiß ich nicht, wie lange die beiden schon zusammen sind und wie lange sie schon verheiratet sind, man munkelt aber, dass damals die Eiszeit noch nicht lange vorbei gewesen war. Cäsar noch regiert hat oder dass zumindest der Webstuhl noch nicht erfunden war. Und dennoch, großmütterlich und großväterlich wirken die beiden nun wirklich nicht. Und während die Aussicht, selbst irgendwann Opa zu werden, mich erschreckt und ängstigt, haben die beiden diese Situation für einen weiteren Schritt aufeinander zu genutzt.

„Meine Liebe ist tief und sie hält für ein ganzes Leben,“ habe ich mal auf einer Karte gelesen. Das gilt mit Sicherheit auch für die beiden. Jens schreibt über sein Spartathlon-Abenteuer:
„Jeder Meter und jede Sekunde waren es wert!“ Und damit meint er auch seine Beziehung zu Julia.
Und dann zeigt er ihr das nach acht schweren Etappen des TransAlpineRun 2012 mit einer ganz einfachen Geste. Er machte das, was jeder von uns ganz am Anfang der Ehe auch getan hat. Man trägt seine Partnerin über die Schwelle, die neues Glück verheißt …
Und 2013, wenn die beiden in Nepal den nächsten großen Schritt miteinander tun, darf ich dann auch wieder dabei sein und wieder viel lernen von den Vielers.
Danke, Julia und Jens, für dieses Beispiel!