Hinterm Horizont geht`s weiter …

Mit Dietmar Mintgen ging uns ein ganz Großer voraus

Gleich zwei Mal durfte ich Abschied nehmen von einem der ganz Großen im Lauf- und im Ultrawandersport. Dietmar Mintgen, geboren am 2. Juni 1954, erlag am 29. November 2025 bei einer Weitwanderung einem Herzfehler, als dieses einfach stehenblieb, trotz aufwändiger Versuche der Reanimation.
Letzten Sonntag, am 14. Dezember 2025 machten sich die Helferinnen und Helfer, die diese Reanimation versucht hatten, gemeinsam auf, um den Ort noch einmal aufzusuchen, an dem die Tragödie passiert ist. Ich war dazu eingeladen und ich wiederum lud meinen Freund, Christoph Mintgen, Dietmars Sohn, ebenfalls dazu ein.
Ziel war es, noch einmal Dietmar zu gedenken und an dieser Stelle ein kleines Kreuz aufzustellen.
Es war eine ruhige, besinnliche, Viertelstunde im Wald von Herdecke. Ein paar Worte wurden zu Ehren von Dietmar gesagt und Christoph dankte sichtlich bewegt dafür.

Und gestern, am Donnerstag, den 18. Dezember 2025, fand die Beisetzung der Urne von Dietmar statt. Christoph hatte mich dazu eingeladen, eine Einladung, die ich sehr gerne angenommen habe. So hatte ich ausgiebig Zeit, mich gedanklich und körperlich von Dietmar zu verabschieden. Zudem lernte ich Dinge aus Dietmars Leben, die mir bislang unbekannt waren.

Die Trauerrede hielt die Trauerrednerin Sophia Dietrich, mit der ich einen Tag zuvor noch telefoniert hatte. Sie verglich Dietmars Leben mit einem Marathonlauf, den man voller Euphorie beginnt und der dann Höhen und Tiefen bringt. Welcher Läufer kennt das nicht?
Und sie erwähnte die Handgelenkbänder, die bei den meisten Weitwanderungen vergeben werden. Und als persönliche Erinnerung daran bekam jeder Trauergast ein weißes Handgelenkbändchen. Eine wirklich schöne Geste, die ich in Erinnerung behalten werde.

Ich kannte Dietmar zuerst von Zeitungsberichten her, in denen der „Dauerläufer“ Dietmar gewürdigt wurde, immerhin hatte er im Juni 2024 zu seinem 70. Geburtstag auch seinen 1.000sten Marathon bewältigt und wurde dafür bewundert und geehrt. Für mich ist es alleine schon ein kleines Wunder, dass ein Körper diese immense Leistung bewältigen kann.
Einmal um die Erde herum, zusätzlich zu allen Trainingskilometern, den Läufen unterhalb der Marathonschwelle und den täglichen Kilometern im privaten Bereich.
Später dann habe ich viele Läufe mit Christoph bewältigt. Da waren große Dinge dabei wie die Tage auf dem GR221 auf Mallorca, dem GR20 auf Korsika, aber auch kleine Dinge wie der Quellenlauf, den wir ganz einfach zu zweit gegangen sind. Dabei haben wir oft über Dietmar gesprochen.
Ich erinnere mich noch gut daran, dass ich es als eine große Ehre angesehen hatte, als sich Dietmar zum ersten Mal bei einer unserer Veranstaltungen in und um Köln angemeldet hatte.
Eine Anmeldung, die er danach oft wiederholte.

Dietmar wurde also 2019 zum ersten Mal Mitglied der „Kölnpfadfamilie“, er ging damals auf die 100km Strecke und natürlich konnte er finishen.

Was ich jedoch nicht wusste und was ich gestern gelernt habe, ist, dass er ein unermüdlicher Helfer war, immer dort, wo Hilfe benötigt wurde.
So wurde er ein wichtiger Baustein der Ahrtal-Hilfe. Nach der Katastrophe, die das Ahrtal heimgesucht hatte, wurden Hilfen organisiert und systematisiert. Über die Seite www.helfer-shuttle.de wurden die Helfer zu Abholpunkten gebeten und zielgerichtet zu Hilfsprojekten im Ahrtal gefahren und anschließend auch wieder abgeholt.

Es waren überwiegend junge Menschen, die dort Hilfe leisteten und Dietmar stach schon durch sein Alter heraus. Und diese jungen Menschen entdeckten einen Dietmar, der Wände gestemmt hat und in seiner Arbeit ein Vorbild für den Rest der Helfenden dargestellt hat.
„Ihr ballert aber ganz schön wild“ hieß es dann. Und so wurde ein Name geboren, das „Team Ballern“.

Bildunterschrift: Dietmar findest Du rechts hinten in der blauen Jacke.

Und viele Menschen aus dem „Team Ballern“ fanden sich auch gestern ein, bei der Andacht, bei der Beisetzung und danach noch beim Zusammensein im Rittersaal in Nickenich.
Ich bin froh, diese Menschen gestern kennengelernt zu haben. Darunter war auch eine junge Dame, auf die ich irgendwann einmal separat eingehen möchte.

Dietmar war Ehemann, Vater von zwei Jungs, bodenständig und verlässlich.
Und Dietmar hatte ein Hobby: Das Laufen, das für ihn schon in sehr jungen Jahren begann. Die Strecken wurden dann immer länger und irgendwann war die Marathonstrecke die Streckenlänge, die ihn am meisten fasziniert hat. Zwar lief er auch einige Ultras, aber der Marathonlauf war das Größte für ihn.
Nach seinem 1.000sten Marathon aber riet ihm der Arzt, mit dem Marathonlauf aufzuhören und er wechselte zu den Märschen, die er zwar auch schon vorher besucht hatte, aber sie wurden nun sein neuer Lebensinhalt.
Vormittags ging er lange mit dem Hund durch sein Heimatareal und am Wochenende ging er meist auf eine lange Wanderung, wenn es nirgendwo etwas zu reparieren oder zu helfen gab.
Und sein Leben endete bei seinem Hobby auf einem Waldstück oberhalb von Herdecke.

Dietmar, Du bleibst unvergessen. Für die Läufer- und Wandererszene, für die Kölnpfadfamilie und für mich. In mir verbleiben Demut und Trauer, aber auch der Glaube, dass es gut ist, sich für die Gesellschaft zu engagieren. Wir wissej ja, dass ein Tod ja nicht das Ende ist, es ist nur eine Transformation in ein neues Kapitel des ewigen Lebens. Denn hinterm Horizont geht’s weiter …


Das Weihnachtswunder und die Kölnpfadfamilie!

Am Anfang war die Idee. Sie kam aus dem Kreis der Teilnehmenden und sie war noch sehr jung, noch ein sehr kleines Pflänzchen.
„Was wäre, wenn wir 2025 eine Wanderung durchführen würden, bei der Erlöse teilweise oder ganz dem „WDR2 Weihnachtswunder“ zugute kommen?“
Wir werden ja fast wöchentlich mit Ideen konfrontiert, was wir alles machen könnten oder sollten. Ideen gibt es viele, aber erst dann beginnt die eigentliche Arbeit.
– Passt diese Idee zu unserer Familienphilosophie?
– Sind wir personell und finanziell in der Lage, eine (bestimmt oft großartige) Idee umzusetzen?

Und erst wenn diese Fragen positiv beantwortet werden können, dann folgen die Fragen im Detail.
Im Fall der Wanderung für das „WDR2 Weihnachtswunder“ war zuerst zu klären, wie lange solch eine Wanderung sein soll. Da wir „aus Gründen“ die Zahlen 1, 7 und wieder die 1 lieben gelernt haben, entschieden wir uns für die Länge von 17,1km.
Danach entschieden wir die Frage, wo wir enden wollen, mit dem Kölner Dom, mit der Kölner Innenstadt. Für den Startpunkt haben wir dann zwei Szenarien entwickelt, entweder wir gehen vom Norden runter oder vom Süden rauf bis zur Hohenzollernbrücke, um diese wunderschöne Brücke mit den Tausenden von Liebesschlössern als Abschluss der Wanderung zu erleben. Wir entschieden uns für die zweite Variante und wählten die Endstation der Straßenbahn der Linie 7 in Köln Zündorf als Startpunkt.
Um aber nun wirklich 17,1km hinzubekommen mussten wir zwei Verlängerungen einbauen. Also zuerst ein paar Meter in den Süden gehen, das war das Eine. Und zwei zusätzliche Brücken einbauen war das Andere. Wir entschieden uns für die Südbrücke, eine reine Eisenbahnbrücke, bei der allein der Aufstieg durch die vielen Graffiti-Bilder ein Genuß ist und für die Deutzer Brücke, um auch eine längere Strecke linksrheinisch zu haben.

Die nächste Frage, die sich stellte war, wie wir es mit dem Spendengeld halten wollten. Wir haben die Möglichkeit diskutiert, einen festen Betrag jeder Anmeldung für das „WDR2 Weihnachtswunder“ zu verwenden, das schien uns aber nicht prägnant genug zu sein, kann da doch der Eindruck entstehen, dass man die Startgelder eben um jenen festen Betrag erhöht. Somit hätte man selbst keinen echten eigenen Beitrag geleistet.
Auch die Überlegung, „den Überschuss“ diesem sozialen Zweck zur Verfügung zu stellen, erschien uns nicht plausibel, weil es unser Ziel war, einen eigenen Beitrag zu dieser Veranstaltung zu leisten.
Also entschieden wir uns, das gesamte Startgeld als Spendenbetrag zu betrachten und die Kosten der Veranstaltung selbst zu tragen.
Um das Ganze für uns bezahlbar zu halten, entschieden wir uns, maximal 171 Teilnehmende zuzulassen.
Damit aber auch eine nennenswerte Summe für das „WDR2 Weihnachtswunder“ zusammenkommen konnte, baten wir um eine Mindestspende von 17,10 EUR pro Person. Dankenswerterweise haben die meisten Teilnehmenden diese Mindestspende aufgerundet, teilweise sogar signifikant. Das war ein Erlebnis, das ich wohl niemals vergessen werde.
Soweit, so gut.
Wir entschieden, einen VP einzurichten, der aber nicht im „Kölnpfadstandard“ ausgestattet sein sollte, sondern nur eine Grundversorgung ermöglichen sollte. Im Ziel sollte es einen Weckmann und ein Glas Glühwein für jeden Finisher geben.
Bei den benötigten maximal 171 Weckmännern fanden wir in der Bäckerei BOLTEN, Duisburg, einen Partner, der uns preislich entgegenkam, das war also einfach. Den Glühwein wollten wir selbst herstellen, so die Idee.
Nun kam aus dem Kreis der Kölnpfadfamilie die Nachfrage, ob wir diese Spendenwanderung auch virtuell anbieten könnten, damit hatten wir ursprünglich gar nicht gerechnet. Also neu überlegen und weitere 171 Startplätze zur Verfügung stellen.
Virtuelle Wanderer können aber keinen Weckmann und keinen Glühwein von uns bekommen, also müssen Urkunden her und Medaillen, damit der virtuelle Wanderer etwas „handfestes“ bekommt, um diese Veranstaltung gut in Erinnerung zu behalten. Beides musste designed und bestellt werden, aber das gehört dann eher in die Abteilung „macht doch Spaß“.

Und da war natürlich auch noch die Korrespondenz mit dem „WDR2 Weihnachtswunder-Team“. Die Teammitglieder mussten informiert und inspiriert werden, ein halbes Dutzend Mails gingen also Richtung WDR, bis wir die Zusage erhielten, dass eine Moderatorin des WDR, Katharina, sich bei uns wegen einen kleinen Interviews melden würde. Dieses Interview am Donnerstag, 11.12.2025, also zwei Tage vor dem Event, war großartig und brachte nochmal einen riesigen Schub in die Anmeldungen, vor allem für die virtuelle Wanderung. Vor allem aber brachte es Teilnehmende, die bisher noch nie ein Event von uns besucht hatten. Danke WDR2!
Den Mitschnitt dazu findest Du auf unserer Webseite https://koelnpfad.com/13-12-2025-die-koelnpfadfamilie-wandert-fuer-den-guten-zweck/.
Als Ziellocation hatten wir ein Hotel am Dom im Blick. Dort haben auch schon andere Laufveranstaltungen geendet. Wir waren also ziemlich sicher, dass das funktionieren würde.
Es war dann am Dienstag vor der Veranstaltung, dass uns dieses Hotel abgesagt hatte. Merde! Shit!

Was nun, dachten wir und ich begann „Klinken zu putzen“. An einem Adventssamstag kurz vor Weihnachten, zudem am Abend, war es schwer, überhaupt offene Ohren für solch eine Aktion zu finden ist schwierig, das habe ich bei den vielen Anfragen gelernt. Linksrheinisch in der ersten Reihe ging gar nichts, also weiter in der zweiten Reihe, vom Rhein aus gesehen. Auch hier – Fehlanzeige.
Der Blick ging dann über den Rhein, da gibt es den Landschaftsverband Rheinland mit einem großen Gebäude und … da ist doch ein Pop-up Glühweinstore. Da frage ich doch einfach mal nett nach.
Schnell wurden wir uns einig, wenngleich natürlich mit der Prämisse, dass der Shop seinen sehr guten Glühwein verkaufen kann, wir aber bekommen die Location mit einem atemberaubenden Blick auf die Hohenzollernbrücke und auf den Kölner Dom.

Die Bestätigung durch die Geschäftsleitung folgte einen Tag später – Bingo! So soll es sein.
Und als Belohnung für die Steckenänderung gab es für die Teilnehmenden der Präsenzwanderung einen neuen Track und die Zusage, ebenfalls eine Medaille zu erhalten.
Nun dachten wir über den VP nach und die Bestückung. „Nur ein Wasser-VP“ war ausgeschrieben, aber wer mich kennt, der weiß, dass es bei uns immer ein wenig mehr sein darf. Also gab es neben Wasser, still und mit Kohlensäure, auch einen warmen Zitronentee, Coca-Cola und weihnachtliche Spekulatius.

Was wir bekommen haben, das waren 280 Teilnehmende, davon 146 Teilnehmende in der Präsenzveranstaltung und stolze 134 Teilnehmende in der virtuellen Variante. Es gab eine Großspende einer befreundeten Wanderveranstaltung und es gab Personen, die zwar nicht wandern, aber helfend beitragen wollten. Großartig, wer hätte das gedacht?
Und diese 280 Teilnehmenden haben dann, zusammen mit der Großspende und den Gönnern, 7.079,20 EUR als Spendensumme eingebracht.

Für den 16. Dezember 2025 hatten wir geplant, den symbolischen Scheck an das „WDR2 Weihnachtswunder-Team“ zu übergeben. Also erst solch einen Riesenscheck besorgen, nach Essen fahren, ein wenig zeitliche Sicherheit einbauen. Aber wir waren pünktlich, sogar etwas überpünktlich.
Dort auf dem Bugplatz in Essen herrschte allerdings Karneval, Weihnachten und Ostern zusammen. So viele Menschen, Kameras, die das Ganze live ins Netz übertrugen, Schlangen von Menschen, die ihr Scherflein beitragen und einen Musikwunsch ergattern wollten und die Hauptschlange stand vor dem WDR2 Glashaus. Sie reichte über den ganzen Platz, um die Kurve herum und weit in die Nebenstraße hinein. 150 Minuten Anstehzeit waren vorhergesagt – und das mit einer bestenfalls minimalen Chance, im Radio wieder Gehör zu finden.
Also haben wir uns entschlossen, einen alternativen Plan zu entwickeln und wir haben uns mit der schönen Kölnpfad UltraWandern 2025 Rückwand vor eine große blaue „WDR2 Weihnachtswunder-Säule“ zu stellen, dort ein paar Fotos zu machen und machen zu lassen, die Überweisung des Geldes findet dann ganz banktechnisch mittels SEPA statt.

Was wirklich beeindruckend war, ist, wie viele Menschen, Gruppen, Vereine, Schulklassen dabei waren. Und welche Summen hier generiert wurden. Auf der Hinfahrt erzählte man im WDR2 von einer Schulklasse, die ein Sponsorenschwimmen veranstaltet hatte. Jede 25 Meter Bahn brachte Geld für das „WDR2 Weihnachtswunder“. Und die Kids schwammen mal 38 Bahnen, mal 45 Bahnen und sie schafften es, stolze 13.000+ EUR zusammenzuschwimmen.
All das zeigt, dass der WDR2 mit diesem Programm einen Nerv der Bevölkerung getroffen hat. Auch wenn wir uns eine schönere Scheckübergabe gewünscht hätten, angesichts dessen, dass wir nicht einmal ein Promille zur Gesamtspendensumme beitragen konnten, war es ein echtes Erlebnis, das Treiben auf dem Essener Bugplatz zu erleben, natürlich bei bestem „Frühlingswetter“ mit Sonne und 14 Grad Temperatur.
Alles richtig gemacht, denke ich und ich verneige mich in Demut vor allen Personen, die Teil dieser Spendenwanderung waren, ob als Teilnehmende, als Gönner oder auch als Partner.
Danke und auf ein Neues in 2026!

Einmal Zugspitze und wieder zurück

Im Anfang war …, nein, nicht der Wasserstoff, wie Hoimar von Ditfurth geschrieben hat.
Im Anfang war der Wetterbericht für das lange Wochenende mit Christi Himmelfahrt, also mit dem Vater- und dem Muttertag.
Und fast zwangsläufig fragt man sich, was man an einem solchen Wochenende denn anstellen will.
Mit dem Bollerwagen auf Sauftour gehen ist nicht so „mein Ding“ und zu Hause bleiben wollte ich auch nicht. Marita konnte einen Brückentag nehmen, alles war bereit für ein langes Wochenende draußen.
Und dieses „draußen“ sollte in Bayern stattfinden.

So lange schon wollte ich wieder mal auf die Zugspitze rennen. Von der Sprungschanze in Garmisch-Partenkirchen auf die Zugspitze und wieder zurück war also der Plan für den Freitag. Für den Vatertag stand nur die weite Anreise auf dem Plan. Und ein Anruf.
Ich wollte nach Möglichkeit nicht alleine auf den Berg gehen, also fragte ich den langjährigen Freund und Lauf- sowie Wanderveranstalter Michael „Michi“ Raab, der bei München wohnt, ob er nicht vielleicht spontan Lust hätte, mitzukommen.
Er hatte, aber er fragte mich, wie es denn mit dem Schnee aussehen würde. Schnee? Tja, dachte ich, die Wege werden frei sein, Schnee gibt es halt neben den Wegen. Ein Irrtum, wie sich herausstellen sollte.
Ich bin da dort zu viel „Flachland-Touri“, der sich die falschen Fragen stellt.
Wir haben uns für 6.00 Uhr vor der Sprungschanze vereinbart, aber verunsichert durch Michis Frage habe ich dann doch noch einmal die Webcams der Zugspitze angesehen, ich sah aber nur Nebel und viel Weiß.
Egal, dachte ich, ich brauche diesen Aufstieg für mein Selbstvertrauen, das mich ja am nächsten Wochenende auf dem Ruhr-Radweg begleiten soll. In meinem Trainingszustand läufst Du, wenn überhaupt, eine solche Monsterstrecke nur mit dem Kopf, mit dem Selbstvertrauen und der Gewissheit, diese 230 Kilometer schon zwei Mal gepackt zu haben. Zweifelst Du, gibst Du Deinen Gedanken Raum, dann wird das nichts geben.
Knapp 6 Stunden von Garmisch über die Partnachklamm auf die Zugspitze und knapp 5 Stunden für den Rückweg, das sind die Zeiten, die ich anstrebe und die ich „früher“ geschafft habe. Diese Zeiten waren auch letzten Freitag unsere Ziele. Aber es kam anders.

Mein Freiburg Marathon – eine Zeitreise …

Ich weiß gar nicht mehr genau, wann ich zum ersten Mal vom „Mein Freiburg Marathon“ gehört habe. Aber ich wusste sofort, dass ich auch diesen Marathon einmal absolvieren werde, trotz der zwei Runden. Zwei-Runden Marathons sind ja nicht unbedingt das, was sich ein Läufer wünscht, aber für manche Städte mache ich gerne eine Ausnahme. Für Freiburg, zum Beispiel.

Es war Winter, als ich das erste Mal in Freiburg war. Es war im Januar 1986, ich hatte gerade die ALDI Filialen in Freiburg und Freiburg-Land zu Betreuung erhalten, wohnte noch in der schönen Stadt Rottweil, sehr zentral am Schwarzen Tor, und ich fuhr täglich durch den Schnee des Höllentals, morgens runter, abends rauf.
Ich brauchte nicht lange, um mich in diese Stadt zu verlieben. Die Stadt mit den kleinen Bächlein, die die Fußgängerzone durchziehen, die Stadt mit den niedrigen Häusern auch in den Haupteinkaufsstraßen. Gut, dass man dort in den Fünfzigern dem Drang widerstanden hat, schnell, billig und hoch wiederaufbauen zu lassen. Die Stadt im Dreiländereck, dort, wo mediterranes Klima herrscht, wo guter Wein wächst und wo die Uhren immer noch ein wenig anders gehen als anderswo, auch im Fußball. Freiburg, die grüne Stadt, die deutsche Großstadt, die als erste grün regiert wurde, schon damals, 2002, lange vor Fukushima.
Zwar regiert aktuell ein parteiloser Bürgermeister die Stadt, die Grünen stellen aber noch immer mit 14 der 48 Sitze die stärkste Fraktion im Freiburger Gemeinderat.
So viele Gründe also, warum Freiburg nach München die beliebteste Wohnstadt Deutschland ist.

Wir suchten damals eine neue Bleibe, auch um der täglichen Fahrerei zu entkommen und wir sahen uns nach Eigentumswohnungen rund um den Freiburger Seepark um. Das war damals auch das Gelände der Landesgartenschau. Dass wir letztlich dort doch nicht gekauft haben, das bedauere ich bis heute. Stattdessen haben wir uns eine Maisonette-Wohnung in der „Villa Palladio“ in Bad Krozingen gekauft, einfach, weil viel weniger Geld zu finanzieren war. Heute weiß ich, dass 1a Lagen immer besser sind und sich besser entwickeln als andere, reproduzierbare, Lagen.

Aber als ich letzten Sonntag den „Mein Freiburg Marathon“ als Pacer für 4:45 Stunden lief, da kamen wir ziemlich früh am Seepark vorbei. Natürlich hat sich vieles verändert in den fast 40 Jahren, die seither vergangen sind, über 35 Jahre, seit ich dort nicht mehr arbeite und in den Westen gezogen bin, aber dennoch erwischten mich die Erinnerungen, auch, als wir die Günterstalstraße überquerten, dort war auch einer meiner Läden und auch bei zwei weiteren Adressen. Was war das doch dort für eine schöne Zeit gewesen!
In etwa bei Kilometer 17 ging es dann durch das Stadttor in die kopfsteingepflasterte Innenstadt, die vielen Geschäfte, von denen ich kaum noch welche wiederfand.
Die Enoteca, in der mein Bruder eine Weile gearbeitet hatte, gibt es noch, aber vieles ist eben auch verschwunden. Wie schnell sich doch die Geschäftswelt in 35 Jahren verändert!
Aber der Charme der Stadt hat sich nicht verändert, obwohl ich schon immer mehr ein Fan der kleinen Gassen neben den Haupteinkaufsstraßen war, wo kleine Läden, pittoreske Restaurants und schräge Kneipen zu Hause sind.

Aber zum Freiburg Marathon … 9.30 Uhr ist der Start, so die Ausschreibung. Aber es wurde in Blöcken gestartet und selbst der Block A durfte nicht pünktlich los, weil noch zwei Autos abgeschleppt werden mussten. Das Lesen ist halt nicht jeder Person gegeben, die einen Parkplatz sucht.
Dann, als Block A gestartet war, geschah erst mal lange nichts mehr. Wir sahen die schnellen Läuferinnen und Läufer etwas entfernt zu unserer Rechten, weil die Strecke gleich zwei Mal nach rechts abbog. Es war ein schönes Bild, das diese schnelle Läuferschar abgegeben hat.
Dann startete der Block B, wieder eine lange Pause, dann startete der Block C. In diesem Block standen alle, deren Zeitziel unter 4 Stunden lag. Und nach der nächsten Pause, es war schon ein paar Minuten nach 10.00 Uhr, durfte Block D starten. Block D, das sind die Marathonis mit einer Zielzeit von über 4 Stunden, der „Partyblock“ wie der Moderator es despektierlich nannte.
Hier darf durchaus Kritik an dieser Moderation geäußert werden, denn für viele ist ein „sub 5h“ Marathon schon ein hehres Ziel und es hat weiß Gott nichts mit „Party“ zu tun.
Da ich als Pacer für 4:45 Stunden erst die Gruppe um die 4:00 Stunden Pacer abwarten musste, auch die Gruppe der 4:15 Stunden Pacer und der 4:30 Stunden Pacer, konnten wir uns im „Partyblock“ erst spät auf die Reise machen.

Wir waren zu dritt als Pacer für die 4:45 Stunden unterwegs und das war gut so, denn ab Kilometer 30 etwa tat ich mich sehr schwer. Ich musste immer mehr tun, um das Tempo zu halten, obwohl 6:45 Minuten pro Kilometer ja eigentlich keine große Sache für mich sein sollten.

In meiner Erinnerung bin ich noch schneller, eine Grundgeschwindigkeit von 5:20 Minuten pro Kilometer ist perfekt, ich bin noch gut in den 50ern und noch 8 Kilogramm leichter – in der Erinnerung halt.

In der Realität angekommen ist es schon so, dass ich froh bin, nicht mehr für schnellere Pacings als 4:30 Stunden zur Verfügung zu stehen. Und auch die sind weder „Party“ noch „Ponyhof“ für mich.
Die Strecke ist schnell beschrieben: Es sind 21,1 interessante, wunderschöne, Kilometer mit ziemlich vielen Zuschauern, mit 38 Bands an der Strecke, mit einer hervorragenden Marathonverpflegung (Wasser, Iso, später auch alkoholfreies Weizen – Bananen, Dextro Energy Flüssiggel), aber einer wirklich entscheidenden Schwäche.
In etwa bei Kilometer 16 gab es Dextro Energy Flüssiggel, ich nahm mir eines, spritzte es mir in den Mund und freute mich 21 Kilometer lang darauf, in der zweiten Runde erneut ein Päckchen nehmen zu können.
In der zweiten Runde aber war da … nichts mehr.
Warum, liebes Orga-Team, gebt Ihr das den Halbmarathonis für die letzten 5 Kilometer, vergesst aber, dass die Marathonis fünf Kilometer vor deren Ziel nicht weniger kaputt sind?

Überhaupt, Halbmarathonis und Marathonis. In Freiburg ist es wie in den anderen Städten, wo zwei gleiche Runden angeboten werden: 7.710 Halbmarathonis standen rund 1.124 Marathonis entgegen.
Dass die zweite Runde, dann ohne Halbmarathonis, erheblich ruhiger und leerer war, ist damit schon klar. Zu diesen Zahlen addierten sich 10 km Läufer, die Personen der Marathonstaffeln und die vielen Mädchen und Jungen der Schülerstaffeln, man tut halt alles, um der Öffentlichkeit und den Sponsoren möglichst hohe Teilnehmerzahlen nennen zu können, in diesem Fall waren es „über 14.000 Teilnehmer“.
Fakt ist aber, dass es also nur rund 8% der Teilnehmenden beim „Mein Freiburg Marathon“ waren, die wirklich den Freiburg Marathon gelaufen sind, ein Trend, den es auch in Bonn, in Mainz und bei den letzten Marathons von Mönchengladbach zu sehen gab.

Der „Mein Freiburg Marathon“ ist ein sehr schöner Lauf, aber kein schneller Lauf. Der Sieger brauchte 2:25:30 Stunden für den Kurs, die Siegerin 2:43:47 Stunden, häufige und teils enge Kurven, insgesamt mehr als 200 Höhenmeter und das Kopfsteinpflaster in der Innenstadt bremsten die Teilnehmerschar aus. Kein Marathon also, um an seiner „PB“ (persönlichen Bestzeit) zu schrauben, aber ein Marathon, um seinen Schatz an schönen Erinnerungen zu erweitern.

Es war dann in etwa bei Kilometer 38, als meine Mitpacer mich von hinten überholten, ich befand mich gerade in einem physischen und psychischen Loch, als ich Robin, einen der Mitpacer, bat, meine Fahne aus dem Rucksack zu ziehen. Ich nahm sie dann auseinander und trug sie in der Hand Richtung Ziel.
Ich wollte einfach nicht, dass sich noch jemand an mir orientierte und ich rechnete mit einer Verlangsamung auf über 7 Minuten pro Kilometer, das Zeitziel 4:44:59 Stunden schien nicht mehr erreichbar.
Aber dann, ohne den psychischen Druck des Pacers, ging es plötzlich wieder. Erst hielt ich den Abstand zu den Mitpacern, der durch das Auseinanderbauen und Einwickeln der Fahne entstanden ist, dann verkürzte ich den Abstand und schließlich passierte ich die beiden irgendwann.
„Nur noch rein ins Ziel“, dachte ich. Langsamer werden wollte ich nicht mehr, nur noch rein, nur noch rein, nur noch rein ins Ziel …
Meine Zielzeit von 4:43:06 Stunden war letztlich knapp zwei Minuten „zu schnell“, meine Mitpacer Allyn und Robin kamen mit 4:45:06 Stunden etwas genauer ins Ziel – und sicherlich mit weniger Schmerzen.

Im Ziel gab es dann die Medaille, eine große, sehr schöne Medaille, mit einem Innenteil, das man rotieren lassen kann. Vielen Dank dafür.
Und es gab alkoholfreies Bier, alkoholfreies Weizen, leicht alkoholhaltiges Radler und noch einmal ein alkoholfreies Weizen.
Mehr wollte ich nicht. Nicht die Bananen, nicht den Joghurt, nicht die Maultaschen mit Kartoffelsalat, wobei ich sowieso nicht wusste, ob es überhaupt vegetarische Maultaschen gab. Ich wollte möglichst schnell nach Hause, immerhin waren ja noch rund 500 Kilometer zu fahren.
Das aber übernahm dankenswerterweise Marita, sodass ich mich auf der Autofahrt ein wenig entspannen konnte, auch eine kleine „Mütze Schlaf“ war drin.

Mein Fazit: Freiburg ist eine Reise wert, Freiburg ist einen Lauf wert, ob hier der Halbmarathon genügt, muss jeder selbst entscheiden. Für mich war der „Mein Freiburg Marathon“ aber auch eine Reise in meine frühen Erwachsenenjahre.
Es war eine sehr, sehr schöne Reise.

Im Bienwald – immer geradeaus!

Ich hatte in den letzten Jahren viel gehört vom Bienwald-Marathon. Und ich hatte mir im Kopf auch schöne Bilder gemacht. Bilder von Trails durch einen weitgehend naturbelassenen Wald, überall finden sich Bienenstöcke, die Wege sind voller Tannennadeln, aber weich und voller Wurzeln.
Und dann wurde ich gefragt, ob ich als Pacer für die Zeit „Sub 4:45 Stunden“ zur Verfügung stehen würde.
3 1/2 Stunden Anfahrt, Start um 10:00 Uhr, also den Wecker auf 5:00 Uhr stellen, sich auf „Katzenwäsche“ einstellen, mit Ellah kurz rausgehen, dann ab ins Auto und runter nach Kandel, zur Bienwaldhalle.
Passt, geht.

Und das Pacing macht mir immer wieder große Freude. Du kontrollierst jeden Kilometer und versuchst, Dich schnell auf die geforderte Laufzeit einzugrooven. Für mich ist es immer so, dass ich die Geschwindigkeit der ersten 10 Kilometer dann nicht mehr ändern kann, außer ich würde einbrechen, dann muss ich Gehpausen einschieben. Es gelingt mir dann aber nicht mehr, einfach langsamer zu Laufen.
Da ist die eingestellte Geschwindigkeit und der Körper will sie haben.
Dass ich mit 4:42:46 Stunden ins Ziel kam, ist OK, gerne hätte ich mir noch zwei Minuten mehr Zeit gelassen. Dabei habe ich auf den letzten vier Kilometern schon ein wenig eingebremst, zumindest wollte ich das. Mein Körper allerdings wollte das nicht, er war ja schon so eingestellt, wie ich das oben beschrieben habe.

Der Bienwald-Marathon geht aber fast gar nicht durch den Bienwald, sondern eben nur daran vorbei. Die Laufstrecke ist zu 100% asphaltiert und es sind die elend langen Geraden, die Dich verwirren. Ein Kurz zum „ballern“, für ziemlich schnelle Zeiten, wenn man das will.
Einzig die beiden 360 Grad Wenden sind Zeitkiller, ansonsten geht es immer schnurstracks geradeaus.
2.200 Teilnehmende waren da, mehr geht nicht, weil die Genehmigungen der Stadt nicht mehr hergeben. Davon war die überwiegende Zahl der Teilnehmenden beim Halbmarathon gemeldet, mehr als 1.600 Personen. Knapp 600 Personen hatten sich für die Marathonstrecke eingetragen.
Das Aufgebot an Pacern war dafür immens, die Organisation des Events war herausragend, die Verpflegungsstände waren reichlich bestückt, meist mit Elektrolyt-Getränken, Wasser, Tee, später auch mit Cola. Es gab Bananen und Orangen, einmal sogar Schokoladenstückchen. Wie nett ist das denn?

Die ersten 14 Kilometer ging es für die Halbmarathonis und die Marathonis auf der gleichen Strecke los. Die Strecke war natürlich ziemlich voll, das Feld hatte sich noch nicht allzu weit auseinander gezogen, bis dann die Halbmarathonis ihren Wendepunkt hatten. Vorher kamen uns natürlich schon die ersten Halbmarathonis entgegen. Schnelligkeit, Kraft und Eleganz war zu bestaunen, kein Vergleich mit dem elefantenartigen Trampeln von mir, leider geht es halt bei mir nicht besser. Aber wer langsam geht, der kommt auch ans Ziel und die Lasterjahre, nee, die Last der Jahre, hat mich ja auch deutlich langsamer, aber auch gewichtsmäßig schwerer, gemacht.

Das Fehlen von über 1.600 Teilnehmenden machte sich nach dem Wendepunkt deutlich bemerkbar, die Strecke wurde übersichtlich leer. Irgendwann kam dann ein Streckenteil, wo uns die schnelleren Marathonis entgegen kamen, das passierte später dann noch einmal- Dabei waren es da nicht die Cracks, die Allerersten, die uns entgegen kamen, die waren schon weiter und wieder abgebogen, es waren die LäuferInnen, die zwischen 3:30 Stunden und 4:15 Stunden ankommen wollten.
Einige Freunde waren dabei, Georg Hilden, mit dem ich im Ziel noch gefachsimpelt habe, Holger Hedelt, unverkennbar mit seinem weißen Bart, Thomas Rößler, mit dem ich über das Kölnpfad-Event im Juni gesprochen habe.

Zwei Wendepunkte auf der Marathonstrecke waren es also, alles genau durch RaceResult Matten und mobile Zeitnahmesysteme kontrolliert. Gut so, dachte ich.
Wir Pacer für 4:45 Stunden, das war außer mir noch Arnt Scheidler aus Aschaffenburg, haben ein recht konstantes Tempo vorgeben können. Rechnerisch 6:45 Minuten pro Kilometer, aber immer ein klein wenig schneller, um Zeit für die Verpflegungsstände und auch mal für eine Toilettenpause zu haben. Diese war aber nicht notwendig, vielleicht der Grund, dass wir etwas zu früh eingelaufen sind?
Aber die kleine Truppe, die sich anfangs um uns geschart hatte, wurde immer kleiner und am Ende war eben niemand mehr dabei, schade eigentlich.
Aber auf den letzten Metern stockten wir noch einmal kurz, um einem sehr engagierten Läufer noch die Gelegenheit zu geben, durch unsere Mitte zu rennen, um in einem fulminanten Schlussspurt noch all dass gut zu machen, was bis dahin versäumt wurde.
4 Stunden, 42 Minuten und 42 Sekunden, so die offizielle Zeitmessung, ich war sehr zufrieden.

Und nach dem Motto „Run now – Beer later“ gab es im Ziel für mich zwei Flaschen Bitburger 0,0, eine mit Grapefruit, eine neutral, aber beide sowas von lecker und erfrischend.
Und mit dem Bier in der Hand, selbstredend alkoholfrei, ging der Blick voraus zum nächsten Pacing, dann für 4:30:00 Stunden, in Freiburg beim Freiburg-Marathon.
Arnt wird wieder mein Partner im Pacing sein und ich hoffe, dass wir wieder die gleiche Schrittfolge hinbekommen, das es wieder so perfekt rundlaufen wird, nur dass die langen Geraden nicht mehr da sind, dafür vielleicht der eine oder andere Zuschauer mehr.