Von Koblenz nach Bonn – Rheinsteig extrem schön …

Vor vielen Jahren in einem Seminar der Dale Carnegie Gesellschaft hörte ich diese Geschichte zum ersten Mal:

Ein Wanderer ging seinen Weg entlang, seinen Esel mit Satteltaschen auf jeder Seite an der Hand führend. Es war schon später Abend, der Wanderer war müde und traurig. Da stand plötzlich ein merkwürdig gekleideter bärtiger Mann neben dem Weg.
Der Wanderer war froh, endlich wieder einen Menschen zu Gesicht bekommen zu haben, hielt an und unterhielt sich mit dem Mann am Wegesrand. Und nach einem längeren Gespräch wollte der Wanderer sich verabschieden und weiter ziehen, um noch eine Bleibe für die Nacht zu finden. Er haderte ein wenig mit seinem Schicksal und er zeigte, dass er deprimiert war.
Der altem Mann am Wegesrand aber sagte: „Sei nicht betrübt, alles wird gut. Du sollst ein Geschenk von mir haben. Bücke Dich und sammle so viele Steine hier vom Boden auf wie Du tragen und in Deine Satteltaschen packen kannst. Dann verspreche ich Dir, dass Du morgen zugleich glücklich und auch traurig sein wirst!“

Der Wanderer war etwas in Eile und wollte nicht allzu viel Zeit mit dem Aufsammeln von Steinen vergeuden, immerhin hatte er ja noch keine Bleibe für die Nacht. Er wollte aber auch das Geschenk des Bärtigen nicht ausschlagen und so entschied er sich, einen Kompromiss einzugehen.
Er nahm einige Steine, packte sie in die Satteltaschen, aber er bemühte sich nicht, so viel Zeit aufzuwenden, bis diese randvoll wären. Dann dankte er dem Mann und zog weiter.

Er fand keine Bleibe mehr für die Nacht, schlief im Freien unter einem sternenklarem Nachthimmel und als er am nächsten Morgen aufwachte, hatte er die Steine in den Satteltaschen des Esels schon fast vergessen. Dann aber erinnerte er sich daran, wurde wieder neugierig und griff in die Satteltaschen, um sich diese Steine mal genauer anzusehen. Und er stellte fest, dass sich die Steine über Nacht in kostbare Edelsteine verwandelt hatten.
Und er war glücklich über diesen Schatz.
Gleichzeitig war er aber auch traurig, nicht mehr von den Steinen eingepackt zu haben.

Trail laufen ist ähnlich wie das Sammeln von Steinen am Wegesrand. Jessica Junker aus Koblenz ist ein gutes Beispiel dafür.
Sie sprach mich während meiner roh-veganen Phase an, weil sie selbst erst seit kurzem auf vegane Ernährung umgestellt hatte und wir hielten eifrig Kontakt zueinander. Sie erzählte mir von ihren Läufen bis hin zum Marathon. Und diese Läufe machte sie durchweg sehr ordentlich, schnell und ambitioniert. Da war beispielsweise ein Marathon dabei, den sie in rund 3:45 h bewältigte, aber ein Marathon, der zudem noch 800 Höhenmeter im Aufstieg bot.
Nicht schlecht, dachte ich und ich dachte an die Anstrengung, der ich ausgesetzt wäre, wenn ich diese Zeiten wieder einmal laufen müsste.
Ich lud sie dann ein, beim RheinBurgenWeg-Lauf mit mir zu starten. Es ist ja immer so, dass man, wenn es nicht mehr geht, aussteigen und den Zug am Rhein entlang nach Hause nehmen kann. Weil sie aber an diesem Wochenende etwas Anderes vorhat, vertagten wir unseren kleinen gemeinsamen Lauf auf „irgendwann“.

Dann planten Andreas Haverkamp und ich, uns für den TransGranCanaria-Lauf vorzubereiten. Nachdem wir schon im Herbst gemeinsam den gesamten Hermannsweg von Rheine bis Horn – Bad Meinberg gegangen waren, wobei ich ihn ab Bielefeld habe alleine ziehen lassen, sollte es ein Lauf bei mir in der Nähe sein. Lang sollte der Weg sein und reichlich Höhenmeter sollte der Weg bieten. Was bietet sich dann besser an als der Rheinsteig zwischen Koblenz und Bonn?
Meine Gabi bot sich an, den Support für uns zu machen, es ist ja nicht so schrecklich weit von uns weg, wenn da nicht dieser Fluss zwischen unserem Örtchen und dem Rheinsteig wäre. Und über diesen Fluss gibt es zwischen Bonn und Neuwied keine Brücke. Zwar gibt es Fähren, aber die fahren nicht in der Nacht, sind nicht wirklich planbar und zudem riecht es darauf immer deutlich nach Diesel und Motorenöl.
Bis zum zweiten Weltkrieg gab es noch eine Brücke. Die „Brücke von Remagen“ verband die beiden Rheinufer, sie wurde aber nach der Zerstörung zwar verfilmt, aber nie wieder aufgebaut und ist auch heute noch als Mahnmal gegen den Krieg zu bewundern.

Ich erzählte Jessica von dem Vorhaben und lud sie ein, uns zu begleiten. Auch auf der anderen Rheinseite, liebevoll auch die „schäl sick“, die „schlechte Seite“ genannt, kann man ja jederzeit aussteigen und mit dem Zug zurück nach Koblenz fahren. Jessica hatte etwas Sorge vor der Strecke, immerhin war ihr Limit bislang 42,195 km gewesen und so wollte sie 50 km „plus X“ mit uns laufen.
Sie wiederum brachte eine Freundin mit, Antje Überholz, die wiederum nur 15 km mitlaufen wollte und Thomas, einen Freund, mitbrachte.  Schlussendlich schlug auch Frank Nicklisch vor, uns ein Stück zu begleiten. Für ihn als WiBoLT-Läufer war die Herausforderung natürlich eher gering, für Jessica aber war es schon echtes Neuland, das da betreten werden sollte.

Jessica und Frank blieben am Ende deutlich über 50 km bei uns und Jessica verhält sich seither wie der Wanderer, der am Abend die Steine aufgehoben und mitgenommen hatte. Sie ist glücklich, diese Strecke bewältigt zu haben, gleichzeitig ist sie aber auch traurig, dass es nicht noch mehr Kilometerchen waren, die sie da mitgelaufen ist.
Und weil Trail laufen eben auch süchtig macht, wird sie am 12. Februar ganz alleine eine weitere Etappe auf dem Rheinsteig laufen und dann, bei nächster Gelegenheit, eine weitere. Und abschließen wird sie mit dem Rheinsteig Ende November, wenn sie ganz offiziell den „Kleinen KoBoLT“ laufen wird, 104 km auf dem Rheinsteig.

Ich erzähle diese Geschichte so gerne, weil sie mich auch an mich selbst erinnert, an meine ersten Versuche im Ultramarathon-Bereich und auch daran, wie die Sucht bei mir entstanden ist. Und auch heute, wo ich 60 km Trail ohne Vorbereitung als Trainingslauf verstehe, weiß ich noch genau, dass am Anfang ein Halbmarathon mein sportliches Ziel war, wie weh der erste Marathon 2004 in Frankfurt getan hat und welche Schmerzen ich bei meinem ersten Ultra in Ratingen-Breitscheid, beim leider nicht mehr durchgeführten „Ratinger Rundlauf“, auszuhalten hatte.

Wir starteten also zu sechst bei der Koblenzer Festung Ehrenbreitstein und folgten stets dem Rheinsteig. Antje und Thomas verließen uns genau dort, wo die Läufer des KoBoLT ihr erstes „Beweisfoto“ machen müssen, wohl auch, um die Neigung, nicht den schönsten, sondern den schnellsten Weg nach Sayn zu nehmen, einzudämmen.
Zu viert ging es dann weiter bis zur ersten Verpflegung, wie beim KoBoLT auch in Rengsdorf gelegen. Gabi fuhr uns dabei ein kleines Stückchen entgegen, was aber einen Bewohner von dort veranlasst hat, seine Gedanken über gesperrte Wege und darüber preis zu geben, was passieren würde, wenn jeder diese zweihundert Meter auf geteertem Grund, aber mit ganz neuen Halteverbotsschildern geschmückt, befahren und beparken würde.
Um den Herrn glücklich zu machen und auch, um jedem Streit aus dem Wege zu gehen, ist Gabi dann doch so weit wieder zurück gefahren, bis der Herr zufrieden genickt hatte. Ich begleitete das Auto mit nacktem Oberkörper, da ich mein X-BIONIC Shirt schon ausgezogen hatte, um es gegen ein trockenes und frisches einzutauschen. Ich habe nicht übermäßig gefroren, zwei oder drei Grad fühlen sich in solch einer Situation durchaus annehmbar an, annehmbarer jedenfalls als die Vorstellung, das wärmende Blinken von blauen Lichtern auf Polizeiwägen, die zu rufen dieser um Gerechtigkeit besorgte Mitbürger gedroht hatte, zu erleben.

Der „eineinhalbte“ VP folgte dann schon wenige Kilometer später und der kam vollkommen ungeplant und überraschend. Eine Wandergruppe, hauptsächlich Rentnerinnen und Rentner, hatte auf einem Teilstück des Rheinsteigs eine ähnliche Idee und ließ sich auf demselben aus einem Auto mit Getränken versorgen. Und es war genug da für alle, auch für uns. Wir erzählten von der Strecke, die wir schon hinter uns hatten und von der langen Strecke, die wir noch vor uns hatten.
Die große Auswahl an sicherlich bekömmlichen Schnäpsen haben wir ausgelassen, aber Wasser und Cola machten diese zusätzliche Pause neben der gefühlten Bewunderung durch drei Dutzend Wanderer zum echten kleinen Highlight.
Aber irgendwann dankten wir, verabschiedeten uns und gingen unseren Weg weiter.

Nach dem zweiten VP, an dem sich Jessica und Frank verabschiedeten, waren Andreas und ich dann alleine. Und wir beschlossen, auf den dritten VP in der tiefen Nacht zu verzichten, dafür aber in Linz noch etwas zu essen. Frank schätzte, dass wir gegen ein Uhr in Linz sein würden und bis zwei Uhr, da war er sich sicher, war in Linz am Samstagabend noch etwas los.
Frank hatte dabei die Linzer Gastronomen richtig eingeschätzt, aber unsere Geschwindigkeit hat er wohl deutlich falsch eingeschätzt. Wir erreichten Linz erst kurz vor drei Uhr und wir fanden eine Kneipe, in der noch die Funkenmariechen für ihren großen Auftritt im Karneval probten und eine Art Disko, in der es auch um 3 Uhr noch Flammkuchen gab.

Aber so ein Flammkuchen ist dann doch nicht die optimale Läufernahrung und wir wurden schnell wieder hungrig. Und dann, so gegen 7.00 Uhr, rief Gabi an und meldete sich ausgeschlafen zurück. Wir diskutierten einen Treffpunkt, das ausgewählte Örtchen wurde dann zwar auf den Wegweisern erwähnt, der Rheinsteig aber lief nicht durch diesen Ort.

Nur keine unnötigen Meter, dachten wir und richteten uns auf die nächste Ortschaft, auf Rheinbrohl, ein. Aber dann merkten wir, dass auch Rheinbrol nur auf Schildern stand und von Zubringern erreicht werden konnte, der Rheinsteig aber läuft 2,5 km an der Ortschaft vorbei. Also zum nächsten Ort?
Aber der Hunger war groß, die Nacht zu Ende und so beschlossen wir, diese 2,5 km Richtung Rhein abzusteigen und dann dort so lange im Tal weiter zu laufen, bis der Rheinsteig wieder zum Rhein runter kam. Nicht aber, ohne ordentlich gefrühstückt zu haben, das war klar.
Diese Wegänderung verkürzte unsere Wegstrecke auf rund 129 Kilometer und unsere Laufuhren zählten nur 4.200 statt der geplanten 4.446 Höhenmeter. Aber wer fragt danach bei einem Trainingslauf?

Als wir dann auf dem Drachenfels auf Bonn blickten, war es schon etwas wärmer, auf dem Petersberg oben war es dann beim nächsten VP, dem „zweiten Frühstück“ scho fast angenehm warm. Dann folgten noch rund 19 Kilometer und als wir dann in Bonn ankamen stand die Januarsonne hoch am Himmel und wir waren deutlich zu warm angezogen. Entscheidend war aber, dass wir angekommen waren, deutlich später als gedacht und deutlich gestresster als geplant.

Aber dieser Stein, der Rheinsteig, hatte sich auch für uns in einen Edelstein verwandelt und wir waren glücklich, es geschafft zu haben. Gleichzeitig waren wir aber auch traurig, dass es nicht noch etwas mehr gewesen war. Andreas beschloss deshalb für sich, die 130 km voll zu machen und lief noch 700 Meter weiter Richtung Bonner Innenstadt.

Trail laufen macht eindeutig süchtig …

Misty Lake statt iTheme 2

ScreenShotKennst Du diesen, meinen Vorsatz für 2014:
„Einige Sachen sollen sich im neuen Jahr ändern!“
Oft gehört, aber nicht immer folgen dann auch Taten daraus.

Auch ich habe mir vorgenommen, in 2014 einige Sachen zu ändern, klar, im „sich-etwas-vornehmen“ sind wir ja alle ganz routiniert. Aber was soll ich denn ändern?

Da war doch der alte Mann, der noch auf dem Totenbett vom Katholizismus zn den Protestanten konvertiert ist. Der altvertraute katholische Pfarrer war entsetzt und fragte nach, warum er das denn getan hätte, noch dazu so kurz vor dem wahrscheinlichen Tod. Und die Antwort war einfach und verblüffend: „Es ist doch besser, es stirbt einer von denen, statt einer von uns!“

Gut, sollte ich also das Rauchen wieder anfangen, damit ich es mir zum Vorsatz nehmen könnte, eben das wieder aufzugeben?
Oder sollte ich doch wieder Alkohol trinken, nur, um das wieder einschränken zu können. „Ab heute keinen Alkohol mehr“ ist ja doch etwas hart, ein einfaches „ab heute will ich weniger Alkohol trinken“ reicht doch auch aus, oder?
Immerhin kann ja keiner kontrollieren, was „weniger“ ist. Weniger trinken, weniger rauchen, gesünder essen, alles ist halt relativ. Und in der eigenen Gegenüberstellung mit dem Vorjahr ist für Andere nun wirklich nicht greifbar.
Was also auch immer da passiert, Du stehst vor Dir selbst und den Deinen immer einigermaßen gut da.

Dieses kleine Blog betreibe ich ja nun seit 2009, seit kurz nach meinem ersten 24h-Lauf in Delmenhorst und kurz vor der ersten UTMB-Teilnahme. Es gab seither ein klitzekleines optisches Relaunch, das aber war so klitzeklein, dass es eigentlich gar nicht aufgefallen ist. Mir zumindest nicht.
Und deshalb soll die erste Änderung des Jahres 2014 sein, diesem kleinen Blog ein neues Mäntelchen anzuziehen.
Ich habe dieses Mäntelchen, liebevoll „Misty Lake“ genannt, in der mittlerweile richtig großen Theme-Gallerie von WordPress gefunden. Es löst das „iTheme 2“ ab, das meine Beiträge bisher gewärmt und ummantelt hat.

Es ist bei neuen Mänteln ja oft so, dass die hier oder da am Anfang noch etwas enger oder etwas schlapprig sitzen. Hier ist das natürlich genauso. Und weil ich ja alles selber mache wird das vielleicht auch noch ein paar Tage lang so sein, aber ich passe an, wo es geht und wo ich es finde.
Manche Bilderchen müssen kleiner gemacht werden, andere sollten noch wachsen und manche müssen sogar komplett neu gestylt werden. Und vor allem bei den alten Beiträgen werde ich nicht umhin kommen, festzustellen, dass die halt nicht alle optisch optimiert werden können, wenn der zeitliche Einsatz dafür im Rahmen bleiben soll.
Egal, es sollte ja im Leben sowieso mehr um Inhalte gehen als um Formen.

So soll „Misty Lake“ mich und Dich zumindest durch das Jahr 2014 begleiten. Wenn Du willst, dann schreibe mir doch, wie Du diesen „nebligen See“ findest, was Dir daran gut gefällt und was Dich eher stört: thomas.eller@marathonundlaenger.de.
Ansonsten wünsche ich Dir und mir ein wenig Freude mit neuen Farben und einer leicht geänderten Anordnung. Und ich verbinde für mich mit dem Wechseln des Mantels noch die Hoffnung, dass es auch zusätzliche Optionen gibt, durch die sich ungeahnte neue Möglichkeiten auftun.

„Einige Sachen sollen sich im neuen Jahr ändern!“
Dieses Blog beginnt jetzt damit, genau jetzt …

Dream a Little Dream with Me …

Dream a Little Dream of Me …

Ob es das Original von Doris Day ist, oder die Version von Robbie Williams mit Lily Allen oder Emma Bunton, ob sich Michael Bublé an diesen Zeilen versucht hat, Ella Fitzgerald, Louis Armstrong oder die Mamas & Papas, oder ob Du mit mir die wunderschöne Version von The Beautiful South aus dem großartigen Film „French Kiss“ favorisierst, die Version, die es auch in einer französischen Variante gibt: es ist ein wunderschöner Song, der die Zeit überdauert hat und ständig wach und präsent ist.
Geschrieben wurde der Song übrigens von Gus Kahn, Wilbur Schwandt und Fabian Andre und er erinnert uns ständig daran, dass wir alle einen kleinen Traum haben, unseren kleinen Traum.
DreamUnd dieser kleine Traum kann materiell sein. Da träumt der Eine von dem Großauftrag, der sein Unternehmen retten kann.
Dieser kleine Traum kann und darf gerne auch immateriell sein. Mancher träumt davon, einmal im Ferrari auf der Nordschleife des Nürburgrings zu fahren oder davon, einen Zwei-Zentner-Fisch aus einem Baggerloch zu ziehen.
Dieser kleine Traum kann flach sein und der Träumende sieht sich mit einer neuen persönlichen Bestzeit bei einem Marathon auf ebenstem Geläuf über die Ziellinie fliegen, dieser kleine Traum kann aber auch schroff und bergig sein.
Und das ist mein kleiner Traum und ich vermute, das ist auch Deiner. Und den würde ich gerne an dieser Stelle hier in den nächsten Monaten mit Dir teilen.

Mein kleiner Traum 2014 ist der kleine Spaziergang des Léon und ich lade Dich ein, diesen kleinen Traum mit mir mitzuträumen.
Weil ich darin schon ein wenig erfahren bin.
Zwei Mal habe ich schon diesen Traum angeträumt, aber zwei Mal bin ich dann leider wach geworden und konnte den Rest des Traums nicht zu Ende träumen. Dabei ist bemerkenswert, dass dieser kleine Traum immer länger wird, von 230 Kilometern und 21.000 Höhenmetern über 280 Kilometer und 24.000 Höhenmeter auf jetzt 306 Kilometer und 28.000 Höhenmeter.
Wenn beim Hochsprung die Latte höher gelegt wird, obwohl Du die alte Höhe noch gerissen hast, dann ist der Hochspringer sauer. Wir Läufer aber träumen einfach etwas mutiger.MB

Der Traum fängt immer gleich an:
Stelle Dir vor, Du bist in Chamonix, in einem der ganz besonders interessanten Berg-Städtchen dieser kleinen Welt. Rechts oben schaut eine Gletscherzunge zu Dir herunter und wohin Du schaust geht es nur steil und weit bergauf. Du stehst auf einem zentralen Platz mitten in der City, vor Dir hängt etwas weiter oben eine bunte Banderole, die Deinen Lauf ankündigt.
Mit Dir stehen 300 weitere Läufer herum, alle ähnlich ausgestattet, mit Rucksäcken, Kopflampen und Stöcken bewaffnet. Und alle sind ganz merkwürdig ruhig und konzentriert, gleichzeitig aber auch sehr aufgeregt. Und dann beginnt die laute Musik, der Countdown auf Null wird runtergezählt und dann setzen sich diese 300 Menschen in Bewegung.
Beim UTMB geht es nach rechts, beim PTL, dem kleinen Spaziergang des Léon, geht es nach links, aber der Weg ist gesäumt von Hunderten, von Tausenden von Menschen, die jubeln und Daumen drücken, die Tröten klingen lassen und die Dir und Deinen Mitstreitern „bonne chance“ wünschen. Nach vielleicht Hundert Metern oder etwas mehr macht dann die Straße einen scharfen Knick nach links und Du läufst an den gleichen jubelnden Menschen wieder vorbei, die in der Zwischenzeit ihre Position einige Höhenmeter nach oben verlegt haben.
Kinder recken ihre kleinen Hände raus und freuen sich, wenn Du die abklatschst. Es ist lärmig und laut und Du siehst nicht allzu viel, weil die Augen feucht sind von den Tränen, die Du wegen dieses begeisternden Anfangs vergossen hast. Aber Du bist glücklich wie selten im Leben und Du bist stolz, diesen Anfang eines schönen Traums mit diesen Menschen um Dich herum träumen zu dürfen.

Diese Menschen um Dich herum tragen häufig Ehrfurcht einflößende Namen, manche aber sind auch eher Rookies, ambitionierte Amateurläufer wie ich, aber alle wissen, dass sich die nächsten Tage und Nächte nur noch in den Bergen rund um das „Dach Europas“ abspielen werden. Sie alle wissen, dass sich die Temperaturen, die es beim Start gab, in diesen nächsten Tagen und Nächten noch deutlich nach unten oder oben verändern können, verändern werden.
Wenn es nass war, wird es trocken werden und vielleicht auch wieder nass. Und was trocken begann endet häufig im Regen. Oder im Schnee. Und Du gehst, während Du an den grölenden Zuschauern vorbei läufst, im Kopf zum Hundertundelften Mal durch, ob Du alles dabei hast, ob Du alle Eventualitäten bedacht hast und ob Dein Konzept, dass Du in warmer Stube bei heißem Tee, trockenem Wetter und vollkommen ausgeschlafen geschrieben hast, funktionieren kann.
Du schüttelst Dutzende von Händen, die der kleinen und großen Zuschauer, die etlicher Mitstarter und auch die für Dich und Deinen Traum wichtigsten Hände, die in den nächsten 141 Stunden über darüber mitentscheiden, ob ich 2014 diesen Traum endlich bis zum Ende träumen darf, die Hände Deines oder Deiner Teamkollegen.

Jeder Traum ist nur so gut wie der Mensch, der ihn träumt. Und bei Teamläufen kann ein Traum nur so gut sein wie die zwei oder drei Menschen, die ihn zusammen träumen. Wie eine Kette, bei der das schwächste Glied die Stärke des Ganzen definiert, so ist das auch bei diesem kleinen Spaziergang, weit um den weißen Berg herum. Und wie es im Song „Dream a Little Dream of Me“ heißt, so startet auch der erste Abend und die erste Nacht bei diesem außergewöhnlichen Lauf:
„Sterne scheinen hell über dir, Nachtbrisen scheinen <Ich liebe dich> zu flüstern“ und „Vögel singen im Platanebaum,“ während Du mit dem Tross der anderen Läufer langsam, aber stetig Deinen Weg durch das Dunkel nimmst. In den ersten 24 Stunden bleiben alle Läufer fast noch zusammen und in der Nacht siehst Du vor Dir ein langes Band kleiner Leuchten die Wege hinauf auf die Pässe und Gipfel und hinter Dir, wenn Du Dich umdrehst, siehst Du auch ein langes Band ebensolcher Leuchten von denjenigen, die diese Herausforderung etwas langsamer angehen als Du.
Es ist ein so eindrückliches Bild, das Dich niemals mehr verlassen wird.

Dieser Traum, ob Du ihn zu Ende träumen darfst oder nicht, wird Nacht für Nacht immer wieder kommen, später dann, zu Hause. Und das geht dann wohl so lange, bis Du diesen Traum wirklich mal bis ganz ans Ende träumen darfst, bis zu dem Punkt, an dem Du, übermüdet, mit Schmerzen am ganzen Körper, humpelnd die Straßen von Chamonix entlang gehst, vielleicht ein paar Laufschritte versuchend und wo Du dann gar nicht die Beachtung der Zuschauer erhältst, die dieser Leistung angemessen wäre. Aber Du machst Dir nichts daraus und siehst auf die Finisher des CCC, des TDS oder des UTMB, nimmst wahr, wie in diesem Jahr die Westen aussehen, die Du dann gleich in Empfang nehmen darfst, wenn Du dann endlich die Ziellinie überquerst.
Und wenn Du die dann überquert haben wirst, dann gibt es auch kein Halten mehr und Du wirst einen ganzen Fluß weinen, minutenlang – und das wird so gut tun.

Dann werden 306 Kilometer abgelaufen sein, unzählige Leitern und Kletterpassagen werden bewältigt sein, 28.000 Höhenmeter wirst Du auf- und auch wieder abgestiegen sein, Du wirst durch 6 Nächte gelaufen sein, wovon Du in zwei Nächten wohl nicht geschlafen haben wirst und in den anderen vier Nächten hast Du mit Schlaf gegeizt und Du willst dann, wenn Du die Weste hast, nur noch eines: ins Bett. Schlafen, ausschlafen bis zum nächsten Morgen.
Du wirst dann pralle Sonne, aber auch eisigen Schnee erlebt haben, prasselnden Regen, dicken Nebel und wohl auch strammen Wind. Du wirst viel zu wenig gegessen haben, weil Du gar nicht so viel essen kannst, wie Du bräuchtest, aber Du hattest wahrscheinlich die schönste Zeit in Deinem Leben. Und Du hast einen oder zwei Freunde neben Dir, mit denen Du eine Erinnerung teilen kannst, wie es nur wenigen Menschen auf dieser Welt vergönnt ist, eine Erinnerung, die Du auch noch Deinen Enkeln erzählen kannst.
Vielleicht kannst Du dann nicht mehr laufen, aber Deine Enkel werden wissen, dass Du mal einer von denen warst, die solche Läufe gemacht haben.

Noch wissen Jörg Kornfeld und ich nicht, wer uns als Teampartner begleiten wird. Eine kleine Vorliebe aber haben wir schon. Noch sind es 231 lange Tage bis zum Start des PTL in Chamonix, lange genug, um mich wieder in Form zu bringen, wieder ein paar Kilos zu verlieren, wieder ein paar Längen- und Höhenkilometer zu absolvieren, um mich vorzubereiten auf diesen kleinen Traum.

Und dann, nach dem 31. August, hoffe ich, dass dieser Traum auch die Zeit überdauern wird und ständig wach und präsent bleibt, dass ich in jeder Nacht wieder Teile dieses Traums neu erleben darf, dieses Traums, in dem die Sterne hell über dir scheinen, in dem Nachtbrisen <Ich liebe dich> zu flüstern scheinen und in dem Vögel im Platanebaum singen.
Und dieser Traum wird wispern: „Halt mich fest und sag mir, Du vermisst mich,“ während ich allein bin und traurig, wie man sein kann, weil der echte, der reale Traum dann eben vorbei ist.

Das wird dann gehen, bis erneut die Einschreibungen für den UTMB, den PTL oder den TdG möglich sind und Du erneut von Deinem kleinen Traum träumen darfst …
„Sweet dreams“ wünsche ich Dir!

Ein wenig kürzer auf dem Hermannsweg …

In Rheine starten und dann über Hörstel-Bevergen, einem wirklich zauberhaften Dorf, das schon mal „Bundesdorf“ der Ausschreibung „Unser Dorf soll schöner werden“ wurde, weiter durch die Fachwerkstatt Tecklenburg mit ihrem faszinierenden Stadtzentrum, dann nach Bad Iburg, nach Borgholzhausen und Bielefeld laufen. So war der Plan und so wurde es gemacht.
Für die Realisierung des weiteren Plans, dann über Oerlinghausen und Lage bis nach Horn-Bad Meinberg zu laufen, fehlte mir aber das notwendige Zeitfenster und die entsprechende Motivation.Hermannsweg Aber ich tröste mich mit dem Gedanken, dass ich Andreas Haverkamp wenigstens auf einer Strecke begleiten durfte, die bei einem Anbieter von Wanderveranstaltungen immerhin 6 Tage beansprucht. Wir hatten das in rund 22 Stunden ablaufen können.
Für den Rest der Strecke, also von Bielefeld bis nach Horn-Bad Meinberg, veranschlagen die Oberwanderer dann weitere zwei Tage. Es geht also auch gemütlich zu auf diesem Wanderweg. Gemütlich, aber auch teuer.
So nimmt dieser Veranstalter mindestens 529 EUR und wenn man nur zu zweit reist und in Doppelzimmern schläft, dann sind es immerhin 617 EUR für diese 8 Tage – pro Person, versteht sich. Es rechnet sich also, Läufer zu sein.

Überhaupt war alles ein wenig kürzer auf diesem Lauf „Hermannsweg komplett nonstop“. Es begann mit der TomTom Laufuhr. Ich hatte ja geschrieben, dass ich die TomTom dort zum ersten Mal auf einer längeren Strecke ausprobieren will. Dank des Hinweises von Laufhannes habe ich schon vorher in der Uhr nachgesehen, wie es sich denn mit so etwas Nützlichem wie einer Höhenmetermessung verhält. Er hatte da nichts gefunden, ich leider auch nicht. Für die Berge, dachte ich dann, ist diese Uhr dann wohl eher „suboptimal“.

Aber sie hat einen enormen Vorteil. Sie zwingt Dich, zügig zu laufen. Den City-Marathon solltest Du nicht allzu lasch angehen und manche von uns in der lieben großen Ultraläufer-Familie würden auch noch die 50K von Rodgau damit bewältigen können, aber auch die müssten dann schon ein wenig Druck auf das Tempo machen.
Ich hatte die TomTom Uhr vor dem Start voll geladen und ich wusste, dass sie ohne GPS und nur mit der Nutzung als Handgelenksuhr durchaus mehr als eine Woche lang funktioniert. Wenn sie aber das tut, wofür sie erschaffen wurde, dann verlässt sie Dich schon nach gut 4 1/2 Stunden. Ich muss gestehen, dass ich ein wenig enttäuscht war.
Gleichzeitig aber war ich aber auch froh, weil ich nach der Frage von Laufhannes doch etwas skeptisch wurde und deshalb sicherheitshalber doch meine Garmin 310 XT an den anderen Arm geschnallt hatte. Die hält knapp 20 Stunden lang und das ließe sich noch etwas ausdehnen, wenn ich ein paar Erinnerungsfunktionen ausschalten würde.
Das ist auch nicht allzu viel, aber für einen City-Marathon reicht es allemal.

Wenn ich mir vorstelle, wie das war, als ich mit dem Laufen angefangen habe! Die erste Laufuhr war eine einfache Polar-Uhr. Die konnte kaum mehr als den Puls und die Geschwindigkeit messen, kostete aber 129 EUR. Eine unvorstellbar hohe Summe für etwas Plastik, dachte ich damals. Erst danach lernte ich mühsam, wie teuer Laufuhren sein können und wie viele davon ich in den wenigen Laufjahren noch kaufen würde.
Diese Anfängeruhr fristet seit Jahren ihr Dasein am Handgelenk meiner Mutter, die damit ihr „Nordic Walking“ Programm absolviert. Gute Lösung.
Dann kam die Polar 610 mit Fliehkraftmessung. Ein wirklich edles Teil, das mein Sohn seit etwa sechs Jahren verwendet. Diese Uhr war wirklich schon richtig gut, alleine der Makel mit der nicht so genauen Fliehkraftmessung ärgerte mich oft.
Und dann, als ich meinem Sohn etwas Gutes tun wollte – und mir auch – holte ich mir die Garmin 305 mit GPS, sehr exakt und so wunderschön. Mit ihr wurde mein Tempo bei den Mehrstundenläufen ruhiger und konstanter, die Ergebnisse wurden besser. Ihr erster Makel war die Akku-Laufzeit, obwohl ich die beiden Läufe in Biel damit noch problemlos bewältigen konnte. 10 – 12 Stunden hält der Akku, hieß es damals. Und ich dachte:
Wer braucht schon mehr als das?
Insgesamt hatte ich drei dieser Garmin 305 Uhren und keine funktioniert mehr, die Feuchtigkeit hat alle dahingerafft, das war ihr zweiter Makel.

Und dann, wenn Du merkst, dass 12 Stunden noch eher als Kurzstrecke durchgehen, wenn die Laufzeiten länger werden, dann suchst Du weiter. Die Garmin 310 XT zum Beispiel. 18 – 22 Stunden, offiziell, immerhin. Und das kombiniert mit einem aufladbaren Akku bedeutet, dass ich sogar die etwas längere Strecke des Thames Ring Race komplett mit der Garmin abbilden konnte, immerhin 94 Stunden und 44 Minuten lang. Auch hier habe ich mittlerweile meine zweite Uhr davon und auch hier hat die Feuchtigkeit des Himalaya der ersten Uhr den Todesstoß versetzt. Triathlon damit? Ja! Aber Regen? Wohl eher nicht.
Und die TomTom Uhr? Sie ist etwas ganz Besonderes. Sie ist schön am Handgelenk anzusehen, zweifellos. Und sie ist gemacht für die Millionen von Läufern, die zwei Mal die Woche 30 bis 60 Minuten lang ihre Hausstrecke abtraben, um dann einmal, vielleicht zwei Mal im Jahr sich an einen Marathon zu wagen, immer mit Blick auf die ominöse 4-Stunden-Marke. Für die ist das wirklich eine nette Alternative, für uns „harte Mädels“ und „harte Jungs“ ist die TomTom aber sicher nicht mehr als ein netter Anblick.
Die rund 1.500 Kilometer des „Millenium Quest“ Wettbewerbs jedenfalls würden sich mit dieser Uhr auch in der Kombination mit etlichen Notfall-Akkus wohl nicht abbilden lassen.
Fazit: Tom wird wohl in der Zukunft wieder ohne TomTom auskommen müssen.

Rheine

Aber ich wollte ja vom Hermannsweg erzählen und bin etwas abgeschweift.  Also den Faden wieder aufnehmen …
Andreas Haverkamp hat sich im Vorjahr schon daran versucht, gemeinsam unter anderem mit Sascha Horn. Der hat die gesamte Strecke gepackt, für Andreas aber blieb eine offene Wunde und der „Hermannsweg komplett nonstop“ als nonstop Lauf ein Ziel, die Motivation schlechthin. Ich bin froh, dass er das nun hinter sich hat. Für mich aber war dieser Weg nicht mehr als ein weiterer deutscher Fernwanderweg, ganz nett, vor allem die Städtchen, die man durchläuft, aber eben kein großes Ziel.

Nach dem Einstieg in die Strecke über die Straße „Hermannsweg“ in Rheine ging es noch im Dunklen flach voran. Wir hatten geplant, um 6 Uhr zu starten, ich hatte auf 5 Uhr gehofft, aber auch einen vorgezogenen Start um 22 Uhr am Vortag vorgeschlagen, aber es war dann 7.20 Uhr, bis wir wirklich auf der Strecke waren.
Und gleich verliefen wir uns einige Male.
Es dauerte einige Stunden, bis wir in einen vernünftigen Laufrhythmus kamen, aber dann klappte auch das Wege finden recht gut. Aber ich ärgerte mich doch die ganze Zeit über mich selbst, weil ich mich entschieden hatte, den Garmin Oregon mit dem Track des Hermannsweges zu Hause zu lassen, ein törichter Fehler, wie wir mindestens an zwei Stellen am Abend feststellen mussten. Wozu habe ich denn so ein tolles Teil, wenn ich es dann doch nicht bei mir trage?
Die ersten Kilometer sind ja im Wesentlichen flach, wenig aufregend und unspektakulär. Es ging über Feldwege, teilweise auch über nennenswerte, aber eher unschöne Straßenpassagen, oft jedoch über wunderschöne Waldwege, die angesichts des hervorragenden Wetters und des verfärbten Herbstlaubs, das sich schon heftige Gefechte mit der Gravitation lieferte, eine ganz neue Dimension des Laufens zeigten.

Wir versorgten uns im Wesentlichen über Verpflegungspunkte, die Andreas im Vorfeld angelegt hatte. Getränke und etwas Nahrung, die immer in schwarzen Müllbeuteln neben der Strecke deponiert waren, selbstverständlich alles vegan und gesund. Aber dennoch fehlte mir da etwas.
Schon in Tecklenburg hätte ich gerne eine Bar besucht, in Bad Iburg dann kam ich aber nicht an einem EDEKA-Laden vorbei.  Ich musste etwas eiskalte Cola haben, eine große Dose Energy-Drink, ein paar Cashew-Nüsse und ein Mandelhörnchen. So viel Sünde darf einfach sein, finde ich.
Und dann saßen wir auf dem Parkplatz in der Sonne, genossen diese kleinen Sünden und ich erinnerte mich an den Lauf im Herbst 2009 mit Susanne Alexi und dem Ultrayogi Jörg Schranz auf dem „schrägen O.“ rund um Oberhausen und dabei an die Pausen vor den Einkaufsgeschäften, wo wir uns auch etwas kauften und das im Sonnenschein tranken und aßen. Wie schön ist so ein Trainingslauf, wenn es nicht ausschließlich um Zeiten und Tempo geht, wenn man solche Situationen nutzen kann und einfach das Leben genießt!
In solchen Momenten schicke ich gerne ein Stoßgebet nach oben und bedanke mich dafür, ein Läufer zu sein, ein Läufer über längere Distanzen, bei denen genug Zeit bleibt für solche Erfrischungen.

Der Hermannsweg ist meistens ein Kammweg über die Höhen des Teutoburger Waldes. Du siehst also rechts und links ins Tal hinab. Die Höhen sind nicht allzu hoch, aber in der Summe des Weges kommen dann doch fast 4.000 positive Höhenmeter zusammen. Die Ausschilderung war wahrscheinlich mal fantastisch, als Hermann der Cherusker dort gelaufen ist. Im Laufe der folgenden 2.000 Jahre aber ist die eine oder andere Markierung aber abgefallen. Anders formuliert: selten habe ich mich so oft verlaufen wie auf dem Hermannsweg. Das hat schon unsere Mütchen gekühlt und hat mir immer wieder mein Hauptproblem des Laufs in Erinnerung gebracht.

Mein Hauptproblem während des gesamten Laufs aber war die etwas kürzer bemessene Zeit, die mir zur Verfügung stand. Ich musste am Samstag spätestens um 6 Uhr in der Grafschaft wieder losfahren, um dann noch vor 9 Uhr, vor der Ladenöffnung des Würzburger Neubert-Möbelhauses, im Laden zu sein. Wenn wir also am Freitag zu lange brauchen würden, dann hätte ich kaum mehr Möglichkeiten, ordentlich zu schlafen. Die Fahrt von Horn-Bad Meinberg nach Bielefeld, dann müsste ich noch drei Stunden nach Hause fahren, schlafen, duschen, all das schien mir nach zwei nächtlichen Verlaufern, die uns jeweils mindestens eine Stunde gekostet hatten, schwer machbar zu sein. Der verspätete Start und die vielen zeitraubenden Verlaufer verschärften dann noch mein Problem.
Aus diesem Grund stoppte ich die Begleitung von Andreas in Bielefeld auf der Habichtshöhe, ich duschte, aß und schlief dann bei ihm in der Wohnung, um ihn anschließend im Ziel abzuholen und nach Bielefeld zurück zu bringen. Es war eine gute Entscheidung, eine gute Lösung für uns beide.
Andreas konnte sein großes Ziel, das ihn ein Jahr lang beschäftigt hatte, erreichen, ich kam zu einem langen Lauf durch die Nacht, ohne meine Arbeit zu gefährden, alles war perfekt.Bismarckhöhe

Dass ich in Bielefeld noch einige Zeit mit Andreas Freundin Cordula über Ehe und Familie, über Verwandtschaft und Ernährung und über Gott und die Welt reden konnte, rundete den Freitag sogar noch ab. Ich hatte während des Laufs mit Andreas über die gleichen Themen geredet, aber oft andere Antworten erhalten. Vielleicht konnte ich hier und da meinen Anteil dazu beitragen, dass sich in der Zukunft manche dieser Antworten gleichen werden?

Es bleibt die Frage, ob ich das Ganze noch einmal wiederholen würde. Ich glaube nicht, dass ich diesen Weg erneut angehen würde, aber mit Andreas Haverkamp würde ich so einen ausgedehnten Trainingslauf sicher erneut wagen, dann aber vielleicht über den Westfalenweg?

TomTom und Tom

Eine „eierlegende Wollmilchsau“ ist es natürlich nicht, das TomTom Lauführchen, aber sollte das einen Vegetarier stören? Eier? Milch, Dairy Products? Schweinefleisch? Muss ich alles nicht haben. Ich will es in der Ernährung eher so, wie es die Amerikaner für ihr ganzes Leben empfehlen:
„K I S S“ – „Keep it simple, stupid“.

Ich war erstaunt, als mir angedient wurde, die brandneue TomTom Laufuhr zu testen. Zwar war und bin ich nicht der Erste, der das tut, aber eine solche Uhr selbst einem solchen Test unterziehen zu dürfen hat mich doch sehr gefreut. Und sie kam dann auch per Post, gleich am nächsten oder am übernächsten Tag.

20130919_134701_resizedSchon beim Auspacken dachte ich, dass die Uhr anders ist. Feiner, schöner, farbenfroher, variabler, Und sie ist auch leichter.
Eigentlich ist sie ideal auch als ganz normale Uhr zu tragen, dachte ich. Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich seit mindestens einem Vierteljahrhundert – ja, ich bin schon so alt – keine normale Uhr mehr trage. Ich schaue lieber auf mein Mobiltelefon, wenn ich die Uhrzeit wissen will. Und die, wie ich finde, oft peinliche Protzerei, die sich oft mit dem Uhrenkauf und Uhrenbesitz verbindet, brauche ich auch nicht, will ich auch nicht.

Mir ist es stets ein Rätsel geblieben, wie jemand 20.000 EUR für ein mörderschweres und abgrundhässliches Zuhälterteil von Rolex ausgeben kann. Und selbst die feinen, edlen Nobeluhren. wie die berühmte Wendeuhr „Reverso“ von Jaeger-LeCoultre beispielsweise, erwecken in mir nicht einmal ein Zucken.
Nein, sage ich, Uhren, Rennautos, Zigarren und all diesen Kram überlasse ich den echten Männern unter uns.

Aber die TomTom Laufuhr ist da anders. Vielleicht ist es schon der Name, der mich fasziniert, vielleicht ist es auch einfach das moderne und geradlinige Design, das anspricht, aber diese Uhr habe ich seither nicht wieder ausgezogen. Nicht beim Laufen, nicht im privaten Leben, nicht auf der Arbeit und auch nicht in der Nacht beim Schlafen.

20130919_134739_resizedDie TomTom Laufuhr ist ja eigentlich gar keine Laufuhr. Sie ist eine Multifunktionsuhr, ideal auch zum Radfahren geeignet. Wenn ich mir da ansehe, wie kompliziert das Anschnallen der Uhr bei Garmin und Co. funktioniert und wie logisch und einfach es bei diesem Modell ist! Der Grund liegt im Wesentlichen daran, dass man sich erst einmal des eigentlichen Armbandes entledigt. Das ist nämlich immer das, was stört. Und man ersetzt es durch ein leider weit weniger schönes Gummiteil, das aber sehr funktional ist.
Das Schwimmen mit der Uhr werde ich aber erst in den nächsten Tagen und Wochen testen können, das aber wird nachgeholt. Und da freue ich mich darauf.

Ich habe seither zwar jeden meiner wenigen Läufe mit der Uhr bestritten, aber in meinem Regenerationsmonat September war ich ja eher körperschonend unterwegs. Ich werde die TomTom Uhr aber beim langen Lauf über den Hermannsweg dabei haben. Da werden sich auch Sachen zeigen wie Speicherkapazität und auch die Akkuleistung.
Aufgefallen ist mir bisher, dass die Bedienung anders ist wie man das von anderen Uhren kennt. Ich finde sogar, dass sie nicht wirklich intuitiv ist. Aber dennoch habe ich das Ding dann schon am ersten Abend nach Erhalt beim Trainingsläufchen mit dem TV Altendorf-Ersdorf dabei gehabt. Und es wurde gleich bestaunt.

Mein erster Eindruck nach kurzer Zeit ist, dass ich den einen angezeigten Wert, den ich sehe, sehr gut finde. Das Umschalten auf die anderen Werte allerdings finde ich kompliziert. Wie das gehen soll, ohne langsam zu werden, wenn der Läufer am Limit läuft und die Atemfrequenz hoch, die Intelligenz aber situationsbedingt niedrig ist?
Aber so sind sie halt, die alten Männer. Neue Techniken lernen die eben nur noch sehr schwer.
Und man muss eben auch einräumen, dass beides eben nicht geht: eine schlanke Uhr mit nicht überdimensioniertem Display und alle wichtigen Daten im „first view“ Bereich.
Bei meiner Garmin Forerunner 310 habe ich stets vier Werte im Blick, meist die gleichen, manchmal aber stelle ich die Darstellung um.
Vor allem die Information, in welcher Höhe über dem Meeresspiegel ich gerade bin, brauche ich beim üblichen Trainingslauf nicht, aber die Laufzeit, die Laufgeschwindigkeit, die kumulierte Laufgeschwindigkeit und die zurückgelegte Strecke sind mir schon einigermaßen wichtig. Aber in den Bergen muss dann meist die Laufgeschwindigkeit eine Etage tiefer in den „second view“ Bereich rutschen, weil mir da das Wissen um die Höhe schon wichtig ist, damit ich mir die wenigen Kräfte noch so einteilen kann, dass ich es noch bis zum nächsten Gipfel schaffe.
All das fällt bei der TomTom Multifunktionsuhr aber schwer, dafür aber ist sie optisch ansehnlich und sie macht auch mit einem Sportsakko eine gute Figur.

Keine „eierlegende Wollmilchsau“ ist sie also. Aber das wäre ja auch ein wenig zu viel verlangt.

Von jetzt an werde ich sie fünf Wochen lang intensiver testen als bislang, die Laufumfänge werden sich ja nun auch wieder steigern. Und dann berichte ich erneut.
Egal aber, wie dieser Test ausgehen wird, eines bedauere ich schon jetzt.
Tom muss die TomTom wieder abgeben. Am 18. November, an Tom’s Geburtstag.

Ab dann wird Tom wieder ohne TomTom unterwegs sein müssen …TomTom Runner_grau_Herzfreuqenzmonitor