Von Schmerzmitteln, vom reinen Glück, von Freunden und von mir …

Im Nachhinein ließt sich meine Geschichte zur Deutschen Meisterschaft im 100km Straßenlauf wie die reine Geschichte vom Glück.

Als ich im Frühjahr gehört hatte, dass der TuS Ahrweiler, also der Verein meines Sohnes, 2009 Ausrichter der Deutschen Meisterschaften wird, da wusste ich schon: DA MUSS ICH EINFACH HIN. Ich habe so viele Läufe in der Fremde gemacht, aber eben noch keinen langen Lauf in meiner Wahlheimat, dem Ahrtal. Dort, wo mich so viele Menschen kennen, wo ich als 2.Vorsitzender des SC07 Bad Neuenahr so glückliche Jahre verbracht habe, wo scheinbar jeder Unternehmer mir jedem Unternehmer eine loyale Einheit bildet – dort wollte ich laufen gehen.
Sabine Strotkamp von der LG Ahrweiler, meine Freundin und Pacemakerin bei der DLV-Challenge des 24-Stunden-Laufs in Delmenhorst, erfolgreiche Ultra-Läuferin im Nationalteam des DLV, war eine der treibenden Kräfte, dass dieser Wettbewerb vom Ultramarathon zum UltrAHRmarathon wurde, immerhin wohnt sie fast direkt an der Laufstrecke. Und ich wollte mich schon sehr früh anmelden, zu früh, wie ich merkte.
Eine Anmeldung über den DLV hatte ich noch nie gemacht und ich konnte erst eine Woche vor dem Lauf kontrollieren, dass ich auch wirklich auf der Starterliste stehe. Aber Sabines beruhigende Worte halfen mir, Vertrauen zu haben und zu wissen, dass dies „mein Tag“ werden sollte.

Cheerleader-Mädchen motivieren die Läufer

Cheerleader-Mädchen motivieren die Läufer

Aber wie bei allem, auf das man sich zu sehr freut, rächt sich das Leben. Du bekommst einen Termin in die Agenda gedrückt, der wichtiger ist als die private Freude – oder Du wirst krank. Das Leben kann manchmal grausam sein. Mich erwischte es ohne Vorwarnung am Dienstag vor dem Lauf, also 96 Stunden vor dem Start. Ich fühlte mich wohl, ich war nicht verkühlt und guter Dinge. Ich setzte mich auf den Rand unseres Bettes im Schlafzimmer, um mir die Hose auzuziehen, da stach es in den Rücken und ich wurde innerhalb von Sekunden zum alten Mann.
Mein Weg ins Büro, der nur vielleicht 50 Meter weit ist, dauerte ewig und ich lief tief gebeugt und von Schmerzen geplagt dorthin. Das muss für die Kolleginnen ein Bild gewesen sein! Noch am gleichen Tag ließ ich mir einen Termin bei meinem Lieblings-Sportarzt Dr. Roman Bauer in Bad Neuenahr geben. Dort ist alles perfekt, außer die Parkplatz-Situation. Immer schwanke ich zwischen einem Knöllchen und dem langen Fußweg bis in die Praxis. Und dieser Fußweg dauert!
Ich komme gleich dran, der Arzt ist mein Freund, schon aus alter Verbundenheit zu unserer gemeinsamen Zeit beim SC07 Bad Neuenahr, und ich bekomme eine Spritze in die linke Po-Backe und ein Rezept über Schmerzmittel, die ich drei Mal am Tag und ein Muskellösungsmittel, das ich jeweils am Abend nehmen soll.

Die Stunden vergingen und es wurde stets besser, ohne gut zu werden. Noch am Tag vor dem Start ging ich noch einmal zum Doc, ich bekam eine neue Spritze, wurde mit 10 schmerzhaften Stichen „gequaddelt“ und meine Chancen, zu starten, stiegen. Am Freitag Abend ging ich zur Startnummern-Ausgabe und ich überlegte, ob ich die Startnummer wirklich abholen sollte oder nicht. Und ich redete mit jedem, den ich kannte, über meinen Rücken.

Da gab es aber keine „Weicheier“. Niemand sagte, dass ich in der Situation vorsichtig sein solle und mich erst auskurieren möge. Die meisten sagten, ich solle es einfach versuchen, locker angehen und dann nach einer Stunde oder zwei entscheiden, ob ich dabei bleiben wolle. Und ein Freund aus dem DLV-Team sagte mir, dass auch das Gegenteil passieren könne: dass die Muskeln sich durch das Laufen entspannen könnten. Das hat mich überzeugt und ich beschloss, zu starten.

Der Samstag vor dem Start war richtig hektisch. Kennst Du das, dass diejenigen, die am wenigsten weit von einem Ereignis weg wohnen, stets die letzten sind?

Um 6.30 Uhr sollte der Start sein, ich stellte meinen Wecker auf 5.30 Uhr. Mein Frühprogramm ist schon Routine, das geht schnell. Die Brustwarzen müssen getaped werden, ein wenig Melkfett muss verschmiert werden, die Zehen bekommen ein paar COMPEED Streifen, der Pulsgurt darf genausowenig vergessen werden wie der GARMIN 305, der Buff am linken Arm, eventuell die Armlinge, die Mütze und die Sonnenbrille. Ob ich immer alles brauche? Eher nicht, aber ich fühle mich „nackt“, wenn davon etwas fehlt.

Die wichtigste Entscheidung aber treffe ich schon immer am Tag vor dem Lauf: worin willst Du laufen? Worin willst Du starten, wie oft ziehst Du Dich um und worin finished Du? Ich fühle mich häßlich und kann nicht gut laufen, wenn ich mich nicht auch „schön“ finde …

Für den Samstag habe ich mich entschieden, weitgehend mit einer SKINFIT-Oberjacke zu laufen, um den Rücken warm zu halten. Ich lief auch mit einem ABC-Pflaster und startete mit einem engen schwarzen NIKE-Oberteil, mit dem ich zurzeit sehr gerne laufe, weil es meinen Oberkörper so schön betont. Wenn einer wie ich schon keine Muskeln hat, dann muss man etwas tragen, das wenigstens so tut, als wäre das was …
Finishen wollte ich mit dem Finisher-T-Shirt des TransAlpine Run. Nur eine Runde lang trug ich dieses schwarze Shit mit dem tollen Aufdruck und am Ende lief ich dann auch ohne die SKINFIT-Jacke, die ich vor dem Einlauf in die Versorgungszone meiner Tochter zuwarf. So konnte man das Shirt hervorragend sehen.

Als ich nach der Vorbereitung auf die Uhr gesehen habe, war es schon 6:14 Uhr. Regulär nach Bad Neuenahr fahren hätte nicht mehr funktioniert, also griffen wir zu einem kleinen illegalen Trick und fuhren über einen Parkplatz direkt auf die Autobahn auf. Meine Frau Gabi fuhr so schnell es ging und sie setzte mich eine Minute vor dem Start vor der Schule ab. Als ich ankam konnte ich noch einen Freund begrüßen, der zufällig da stand, aber dann ging es auch gleich los. Zeitlich enger hätte es nicht sein können …

Gabi sagte, dass sie eine Runde lang auf mich warten würde, nur für den Fall, dass ich aussteigen wolle, aber die erste Runde war ein wenig schmerzhaft, aber es ging. Die zweite Runde war schlimmer und noch immer war sie da. Da ich aber nicht darauf eingestellt war, hatte ich keinen weiteren Gedanken auf das Aufgeben verwendet und nach der dritten Runde, zweifellos der schlimmsten, war sie erst einmal weg.

Ich hatte mir vorgenommen, alle drei Stunden je eine Schmerztablette und eine dieser Nachttabletten zur Muskellösung zu schlucken und meine Lauffreundin Huberta besorgte mir noch zwei weitere Schmerztabletten, die ich auch noch zu mir nahm. „Viel hilft viel“, dachte ich und die Rückenschmerzen waren weg, komplett weg. Ich merkte nicht einmal die wärmende Wirkung des ABC-Pflasters mehr, aber nach wenigen Runden spürte ich, wie mein linkes Bein komplett hart und steif wurde. Wahrscheinlich habe ich eine „Schonhaltung“ eingenommen, die dann auf den Bewegungsapparat gewirkt hat.

Um den Lauf kurz zu skizzieren: 50 Kilometer lang ging alles gut, 50 Kilometer tat alles weh. Ein paar Schritte gehen, wieder anlaufen, gehen, laufen, alles schön im Wechseln. Und dennoch verbesserte ich mich auf den letzten 50 Kilometern um über 20 Plätze. Es soll also Läufer gegeben haben, die noch mehr Probleme hatten wie ich.
Richtig schön war aber, dass ich nahezu jeden Streckenposten kannte – oder der zumindest mich. Und jeder feuerte mich an. Und bei keinem wollte ich Schwäche zeigen, auch nicht bei denen, die unmittelbar vor einer steilen Brücke standen. Da musste gelaufen werden …

Zwei Freunde vom LT Grafschaft kamen vorbei, viele private Freunde, die dann in der Versorgungszone warteten, die ehemalige Torhüterin des SC07 Bad Neuenahr, Andrea Schaller mit ihrer „besseren Hälfte“, der Geschäftsführer der Ahrtal-Touristik Andreas Wittpohl und auch mein Journalistenfreund Gerd Weigl, der auch zwei Fotos von mir machte und sie mir auch sofort mailte. Und viele Zuschauer am Rande nickten und winkten mir und ich war oft nicht sicher, ob die dem „unbekannten Läufer“ zuwinkten oder eben mir und ich erkannte sie einfach nicht …
Und der Moderator erwähnte gleich zwei Mal meinen „sensationellen Lauf“ über 166km mit 9.400 Höhenmetern, ohne das Wort „UTMB“ zu erwähnen. Trotzdem tat das richtig gut und die anderen Ultra-Läufer werden gewusst haben, wovon er sprach.

Dass ich mein ursprüngliches Ziel, unter 10:30:00 Stunden zu laufen, nicht schaffen werde, war mir schon klar, als ich das ABC-Pflaster aufklebte. Aber es musste ein Ergebnis unter 11:00:00 Stunden sein, weil bei der DM in den Kategorien M40 und M45 nur diese Ergebnisse gewertet werden. In Biel hatte ich beim ersten Mal 11:19 Stunden gebraucht, beim zweiten Mal 10:43 Stunden. Die 10:47:32 Stunden vom Samstag sind für mich also alles andere als schlecht – ich war zufrieden. Und meine Qualifikation für den Spartathlon muss ich jetzt eben bei der TorTOUR de Ruhr holen.
Die Forderung der Veranstalter des Spartathlon ist ja entweder ein 100km-Lauf in unter 10:30 Stunden oder ein Nonstop-Lauf über 200 Kilometer. Und da ist dan die Zeit egal. Ich glaube, dass ist eher meins.

Bitte, bitte, bitter, am bittersten …

Eigentlich sollte ich mich ja freuen.
Meine Morgenzeitung, die „RHEIN-ZEITUNG“ meinte es gut mit dem Ultra-Lauf. Und sie meinte es gut mit mir. Einen Vorbericht über die Deutschen Meisterschaften im 100km-Lauf hatte ich gar nicht erwartet, schon gar keinen so ausführlichen.
Und dann wurde ich sogar neben der National-Läuferin Sabine Strotkamp und meinem Lauffreund Hans-Peter Gieraths, die beide für die LG Ahrweiler laufen, sogar explizit und lobend erwähnt. Wie schon geschrieben: ich sollte mich eigentlich freuen!

Deutsche Meisterschaft im 100km-Staßenlauf in Bad Neuenahr-Ahrweiler

Deutsche Meisterschaft im 100km-Staßenlauf in Bad Neuenahr-Ahrweiler (zum Vergrößern bitte klicken!)

Wenn da nicht mein Rücken wäre! Gestern morgen hat mich „die Hexe geschossen“ und seither laufe ich vornübergebeugt schief und langsam durch die Gegend. Mein Lieblings-Sportarzt Dr. Roman Bauer, Bad Neuenahr, hat sich das gestern schon angesehen und mir noch eine Spritze gegeben, seither geht es besser.
Aber es geht halt noch nicht annähernd gut.

Noch habe ich 60 Stunden Zeit, um ein Wunder wirken zu lassen, aber meine Hoffnung schwindet von Stunde zu Stunde. Morgen nachmittag gibt es wieder eine Spritze und am Freitag werde ich meinen Lieblings-Physiotherapeuten Roger Steiner wirken lassen, alles in der Hoffnung, vielleicht doch noch starten zu können.

Ich erinnere mich an 2008, an die letzte Woche vor dem TransAlpineRun (TAR). Der startete am Samstag und ich musste am Samstag zuvor noch bei den internen Tennis-Clubmeisterschaften spielen. Mitten während des zweiten Spiels begann es zu regnen, der Rücken wurde kalt und ich wurde schief und krumm. Trotz der warmen Badewanne war alles zu spät: Das Höhentraining, zu dem ich am Sonntag aufgebrochen bin, fiel den Schmerzen zum Opfer, die ABC-Pflaster-Branche jubelte ob der steigenden Verkäufe und erst am Mittwoch konnte ich wenigstens wieder gehen.
Dann konnte ich leicht tippeln und abwärts laufen und – da gab es das Wunder – pünktlich zum Start war alles wieder gut. Ich lief zwar drei Tage lang sicherheitshalber mit einem wärmenden ABC-Pflaster auf dem Rücken, aber ich lief. So ein Wunder brauche ich jetzt wieder!

Und wenn nicht? Dann werde ich mir den Lauf als Zuschauer ansehen, ein paar Tränen vergießen und mir vorstellen, wie es wäre, wenn ich da laufen würde. Wie ich da versuchen würde, meine Qualifikation für den Sparthatlon zu erlaufen und wie ich in der Heimat so viele Zuschauer kennen würde …

Bitte, bitte, gib mir ein Wunder, bitte, bitte, sonst wäre es bitter …

Mt. Everest Treppenmarathon 2010 …

Mt. Everest Treppenmarathon 2010

Mt. Everest Treppenmarathon 2010

Seit dem 1. September kann man sich für den „Mt. Everest Treppenmarathon 2010“ anmelden, schon jetzt sind 19 von 60 Startplätzen vergeben.
Und schon jetzt fallen mir zwei Namen auf:

Lars Schläger aus Bünde und Walti Schäfer St. Gallen in der Schweiz.

Lars begleitet mich dabei schon mehr als ein Jahr. Zuerst sind wir beim TransAlpineRun 2008 (TAR 2008 ) zusammen gelaufen. Zusammen? Natürlich lief jeder in seinem Zweier-Team, ich mit meinem lieben Laufpartner Heiko und Lars mit seinem getreuen Laufpartner Hans.
Hans und Lars habe ich dann beim „Mt. Everest Treppenmarathon 2009“ wieder getroffen und die Freude war groß. Beim TAR haben wir nur wenig Zeit gehabt, miteinander zu reden, das ist beim Treppenmarathon schon anders, immerhin sieht man sich auf jeder der 100 Runden zwei Mal, einmal aufsteigend, einmal absteigend.
Am Anfang grüßt Du noch artig jedes Mal, aber das legt sich dann …

Beim Rennsteiglauf habe ich Lars und Hans dann wieder gesehen, wie immer eher zufällig als geplant. Und beim 24-h Lauf in Delmenhorst waren die beiden dann auch am Start. Beide liefen damals in der offenen Wertung mit (Burginsel-Lauf), ich lief auf der anderen Bahn in der DLV-Challenge, aber wie zwei Ringe gab es einen Teil, der parallel lief und wo man sich regelmäßig sehen und austauschen konnte.

Dass ich Lars und Hans dann in Chamonix wieder traf – oder besser: die beiden sahen und riefen mich aus der Pizzeria heraus zu sich – war die Krönung von langen gemeinsamen Lauferfahrungen, die dann dadurch gekrönt wurden, dass Lars und ich den letzten Berg vor Chamonix gemeinsam heruntergelaufen sind.

Und nun treffen wir uns spätestens wieder beim „Mt. Everest Treppenmarathon 2010“, die Läuferwelt ist doch wirklich klein!

Und Walti Schäfer? Er ist einer von zwei Organisatoren des wunderschönen Etappenlaufs „TransSwiss“, der 438 Kilometer lang durch die schöne Schweiz geht. Gerne wäre ich dieses Jahr dabei gewesen, aber das Mammut-Programm hat mir einen Strich durch die Rechnung gemacht. Nicht nur, dass mir das alles nach dem SwissJura und dem UTMB zu viel geworden wäre, meine gelegentliche Präsenz im Büro ist auch von Nöten. Zuletzt habe ich auch noch mehr Wünsche als Geld – und der „TransSwiss“ wird mich sicherlich noch irgendwann sehen.

Ich war also bei Walti für den „TransSwiss 2009“vorangemeldet und mit ihm und bei ihm habe ich die Entscheidung getroffen, trotz toller Mitläufer nicht dabei zu sein. Und wenn ich also schon nicht in die Schweiz komme, um mit Walti zu laufen, dann kommt Walti eben nach Deutschland, um mit mir zu laufen. Das ist ja auch nicht schlecht, oder?

Ich jedenfalls fiebere den kommenden 8.848 Höhenmetern und den anstrengenden 84,4 Kilometern in nur 24 Stunden maximale Laufzeit entgegen. Und ich weiß eines:

2010 werde ich diesen Lauf schaffen! Garantiert!

Heute startet der TAR …

… der TransAlpineRun 2009 und mit dabei sind neben einer ganzen Reihe von Lauffreunden auch mein Laufpartner vom TAR 2008 Heiko.

Panorama des GORE TEX TransAlpine Run 2008

Und wieder geht es über die Alpen, 2009 wieder auf der alten und angeblich schöneren Strecke auf der West-Route.
2010 geht es dann wieder auf der Ostroute über 300 Kilometer weiter, vielleicht dann auch wieder mit mir!

Heiko Bahnmüller

Der Start ist im deutschen Oberstdorf, dann geht es nach Lech Zürs, anschließend nach St. Anton am Arlberg, nach Galtür und dann nach Scuol, nach Mals, nach Schlanders und am Schluss zum Ziel nach Latsch-Martell.

Die Ostroute führt „nur“ über 250 Kilometer und hat am Mittwoch einen kurzen Bergrun auf dem Programm, ansonsten ist der Mittwoch ein Relax- und Regenerationstag. Ganz bestimmt ist das hilfreich. Mal sehen, was Heiko so erzählen wird …

Thomas Eller Tom Wingo

Lauf gut, Heiko!
Und komme gesund wieder zurück …

Davos K78 – da wo’s schön ist!

K78, C42, K42, K31, K21, K11, dazu noch Walk K11 und Mini A, Mini B und Mini C
… so viele Zahlen!

Und gleich noch eine: die 75!

Davos

An den legendären Lauf in Davos habe ich eigentlich keine guten Erinnerungen.
Im Vorjahr war ich für den K78 angemeldet, aber ich wurde eine Woche davor beim Nachtlauf Baiersbronn nach Baden-Baden krank, richtig krank.
Von Versorgungsstelle zu Versorgungsstelle wurde es schlimmer, ich wurde schlapper, die Augen wurden glasiger und das Fieber stieg.
Getröstet hat mich nur der Umstand, dass ich mal wieder mit meinem Lauffreund Dirk Joos laufen durfte. Da er am Bodensee wohnt und zudem meist eher kürzere Rennen absolviert, ist es eher selten, dass wir uns live beim Laufen sehen.
So bleibt mir nur, ihn aus der Ferne zu beobachten, seine ständig neuen persönlichen Bestzeiten zu bewundern und zu hoffen, ihn hin und wieder irgenwo zu treffen.

Ein weiterer Motivator war, dass ich bei diesem Lauf nach Baden-Baden den „Cool Runner“ Bernie Conradt kennen gelernt habe. Und gleich haben wir uns schon zu Beginn des Laufs für Davos K78 verabredet.

Aber meine Krankheit war so schlimm, wie ich sie schon lange nicht mehr erlebt habe. Drei Tage musste ich anschließend im Bett verbringen und ich blieb schwach bis Davos.
Mein Büro und alle Freunde rieten mir dann dringend, auf den Start in Davos zu verzichten und ich stimmte zu. Am Freitag Nachmittag, also direkt vor dem Lauf, war ich dann dabei, meine gepackten Laufsachen wieder auszupacken, als sich Träne um Träne aus den Augen schlich. Da wusste ich, dass ich einfach starten muss.

Also fuhr ich um 16 Uhr los Richtung Davos und erreichte Davos kurz vor Mitternacht. Ich glaube, ich habe das letzte freie Zimmer bekommen, nachdem mir ein Mitarbeiter der Reception eines großen Davos Hotels einen Tipp gegeben hat. Das letzte Zimmer, bezogen endlich um 0.30 Uhr, aufstehen um 5 Uhr!
Viel Geld für wenig Schlaf, aber ich war glücklich. Und das TURMHOTEL hatte ein Läuferfrühstück mit Nudeln und Tomatensauce und allem, was das Läuferherz erfreut.

Beim Start ging es mir noch gut. Schon bald fand ich Bernie Conradt und dort lernte ich auch Kurt Süsser kennen, den ich dann spätestens beim TransAlpineRun 2008 (TAR) noch viel besser kennen und schätzen gelernt habe. Ich schloss mich den beiden an, bis zu der „Stelle der Entscheidung“ kurz vor dem km 30. Da geht es nach links ab in die Berge. Ich fühlte mich schwach und hatte Angst, noch nicht wieder fit zu sein, die Zeitlimite nicht zu schaffen oder sogar ein echtes körperliches Problem zu bekommen.
Da geht es nach rechts das Tal entlang, das ist der C42, die Versuchung. Ich bin ihr erlegen. Geärgert habe ich mich aber spätestens im Ziel, weil ich in einem kleinen Dörfchen ohne Atmosphäre ankam, mit dem Züglein wieder nach Davos gebracht wurde und das schönste des Davoser Laufs, den Einlauf ins Stadion, nicht erleben durfte.
Und mir fehlten die Höhenmeter für das Training für den bald folgenden TAR, auch etwas, was mir Sorgen machte.

Diesem Umstand ist zu verdanken, dass ich das GONDO EVENT kennen gelernt habe. Genau eine Woche später und der schönste Lauf, den ich in 2008 gemacht habe. Viele Läufer des folgenden TAR waren da und ich konnte die Höhenmeter in die Beine bekommen, die mir eine Woche zuvor in Davos abgegangen sind. Für mich war das das große Glück und ich bedauere, dass ich dieses Jahr dort nicht mehr dabei sein kann. Wirklich schade!

Der legendäre Berglauf in der Schweiz

Der legendäre Berglauf in der Schweiz


Und dieses Jahr? Die Geschichte wiederholt sich. Wieder habe ich glasige Augen, ich huste sehr viel und ich schwitze in der Nacht drei Garnituren Nachtwäsche durch.

Ob mich das wieder den K78 kostet?

Aber eines weiß ich sicher: wenn ich mir den K78 nicht zutraue, dann starte ich nicht in Davos, sondern in Bergün.
Dort startet der K42, eine Marathon wie der C42, aber eben gebirgig und wunderschön – und der Zieleinlauf findet auch da im Davoser Stadion statt.

Ich will, ich will, ich will!

Mal sehen, wie ich mich entscheide. Leider werde ich Dich vermutlich lange nicht darüber informieren können, weil meine liebe Familie und ich direkt im Anschluss an den Zieleinlauf weiterfahren nach Istrien / Kroatien, um den Urlaub dort zu verbringen. Kein Asien, kein Amerika, mal wieder Europa.

Ob ich dort häufig online gehen kann und will?

Was aber war mit der Zahl 75?

Na ja, Davos wird ein kleines Jubiläum sein, es ist mein 75. Marathon und länger … ach was, jetzt schon?