Über Vorfälle, Vorwölbungen und Vorbeugen

Genau eine Woche vor dem Start des TransAlpineRun 2008 ging es los. Ein letztes Tennisspiel um die Vereinsmeisterschaft in meinem Ringener Tennisclub, ein gewonnener erster Satz und eine Führung im zweiten, ein Regenguss aus kaltem Regen, ein nasses Shirt, ein Stich, die Aufgabe, wie immer: zu spät!
Trotz eines heißen Bades half nichts mehr, ich ging wie ein alter Mann gebückt durchs Leben.

Am Montag darauf ging ich als erstes zum Doc und ich bekam eine Spritze. Danach fuhr ich wie gebucht ins Lauf-Höhentraining in die Alpenrepublik Österreich. Von Laufen aber konnte keine Rede sein. Der mitleidig schauende Pensionswirt in dem Hochtal, in dem ich die Übernachtungen gebucht hatte, dachte wahrscheinlich nur, dass ich ein Irrer bin. Der krumm und schief laufende Kerl erzählt, dass er ab dem kommenden Samstag 300 Kilometer über die bayrischen, österreichischen und italienischen Gipfel laufen will…
Keiner glaubte daran, ich auch nicht.

Zwei Tage und unzählige ABC-Pflaster später, am Mittwoch, konnte ich wenigstens wieder spazieren gehen und das tat ich dann auch ausgiebig und schon am Donnerstag konnte ich moderat den Berg hochlaufen. Sehr engagiert überholte ich immer wieder Wanderer auf Wanderer und ich wurde nicht müde, von den 15.000 Höhenmetern zu erzählen, die vor mir lagen. Bergab aber konnte ich nur gehen, der Schmerz auf der Wirbelsäule war einfach noch zu groß. Der Freitag dann war mein Transfer-Tag. Von dem Hochplateau zum Münchner Flughafen, einen Freund treffen und dann weiter nach Fürstenfeldbruck zu meinem Laufpartner Heiko, keine Zeit zum Laufen.
Am Samstag dann, mit dem Startschuss, war das Wunder perfekt. Die permanenten ABC-Pflaster hatten geholfen, ich war vollkommen schmerzfrei!

Am Dienstag vor dem Start der Deutschen Meisterschaft im 100km Straßenlauf in Bad Neuenahr passierte es wieder. Beim Setzen auf die Bettkante gab es einen Stich in den Rücken, die Muskeln verhärteten sich, die Schmerzen kamen und ich ging wieder gebückt wie ein Alter. Mein Freund und Doc, Dr. Roman Bauer, ein Sportarzt und ein wahrer Meister seines Fachs, spritzte mich zwei Mal. Gleich am Dienstag und erneut am Freitag. Am Freitag wurde ich dann auch noch „gequaddelt“ und noch am Freitag Abend, als ich die Startunterlagen abgeholt habe, glaubte ich nicht an einen Start.
Nur der Hilfe von ein paar Pfund Schmerzmitteln war es dann zu verdanken, dass ich am Samstag doch noch starten konnte, um das reine Glück mit vielen Freunden zu erleben.

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Und nun am vergangenen Samstag das gleiche Lied. Bis Freitag war ich noch Ski fahren in den Höhen von La Plagne, dort musste ich aber wegen einer Erkältung einen Tag aussetzen und ich startete danach wieder, wie immer: zu früh!
Vielleicht war es mein einziger Sturz auf den Rücken am Freitag, vielleicht die Nachwirkungen der Erkältung, auf jeden Fall passierte es wieder. Schon nach dem Aufstehen merkte ich, dass der Rücken schmerzt und ab der ersten Tankpause auf der Rückfahrt war es klar.
Es hatte mich mal wieder erwischt!

Kein Tennis am Sonntag, weder das Doppel am Morgen noch das Einzel am Abend und am Montag wieder zu Dr. Roman Bauer. Wieder gab es eine Spritze und ich wurde auch gleich wieder „gequaddelt“. Wieder 10 Stiche in die Muskelstränge im Rücken, aber wieder war das ungeheuer effektiv. Schon nach wenigen Stunden ging es mir besser und gestern konnte ich schon wieder normal gehen. Nur den Nierengurt, den Gabi mich verpflichtet hat, zu tragen, den habe ich auch heute noch an. Damit der Rücken warm bleibt.

Heute war dann eine kurze Besprechung meiner körperlichen Situation. Das obige Röntgenbild und die Ergebnisse der „Röhre“ zeigen zwei leichte Vorwölbungen der Bandscheiben, aber es ist definitiv kein Bandscheiben-Vorfall. Ein wenig Arthrose an den Knochen, nicht schlimm, aber für mein Alter und meine sportliche Ausprägung ungewöhnlich, alles in allem aber nicht besorgniserregend, so meinte Dr. Roman Bauer zu mir.

„Was ist eigentlich der Unterschied zwischen einem Bandscheiben-Vorfall und einer Bandscheiben-Vorwölbung?“ wollte ich von Dr. Roman Bauer wissen. Er erklärte mir das so, dass die Vorwölbung häufig ist und nicht bis ans Rückenmark reicht. Beim Bandscheiben-Vorfall jedoch drückt die Bandscheibe direkt auf das Rückenmark, was die Ursache für permanente Rückenschmerzen ist.
Die Schmerzen aber, die ich akut hatte, waren bedingt durch eine Muskelverhärtung der Muskelstränge in der Lendengegend. Deshalb hat die Spritze auch so schnell geholfen. Sind die Muskeln wieder entkrampft ist der Schmerz auch gleich wieder weg.

Also keine Panik, TOM, dachte ich. Ich kann weiter laufen und ich kann auch weiterhin die „langen Kanten“ machen. Gut zu wissen, denn die TorTOUR de Ruhr, der Marathon des Sables und der PTL würden sonst in meiner Lebenslauf-Agenda sicherlich fehlen. Und was hätte ich dann zu erzählen, wenn irgendwann die Enkelchen auf Besuch sind und ich denen erzählen will, was für ein toller Hecht ich doch mal gewesen bin, damals, als ich noch jung war und noch laufen konnte?

Und ich werde vom Laufen erzählen, von der puren Lust an der Natur und an der frischen Luft, von Nachtläufen, von der totalen Erschöpfung und vom vollkommenen Glück. Und, wenn alles passt, dann werde ich auch von den Sanddünen der Sahara erzählen, von der Wahnsinns-Strecke entlang der Ruhr und zum Schluss von den 18.000 Höhenmetern und den 100 Stunden Strapazen des PTL, den ich mir mit zwei Lauffreunden angetan habe.
Und vielleicht, ganz vielleicht, geht diese Geschichte dann auch noch weiter, denn es gäbe noch viele Geschichten zu erzählen, schöne Geschichten, vom Sparthatlon, von Badwater, von der „Diagonale der Verrückten“ auf La Réunion, von der „La Grande Traversée des Alpes“ oder vom Deutschland-Lauf oder sogar vom „Trans European Footrace“ …

Aber Dr. Roman Bauer hat mich verurteilt. Verurteilt zu zwei Mal Rückenübungen pro Woche im Fitness-Center unter Anleitung und Aufsicht eines Physiotherapeuten. „Der Rücken,“ so Dr. Roman Bauer, „wird von allen Läufern vernachlässigt. Trainiere diese Muskeln und Du wirst in der Zukunft weniger oft Schmerzen haben!“

Ich habe dieses Urteil angenommen und beginne schon morgen damit. Im Heimersheimer „AreVital“ werde ich mir ein Programm zusammenstellen lassen, dass ich dann konsequent abarbeiten und einhalten werde. So viel Vorbeugung muss sein, damit aus der Vorwölbung kein Vorfall wird.

Der Bad Arolsener Waldmarathon …

… modern ist was anderes!

Seit dem KiLL50 bin ich keinen „Marathon und länger“ mehr gelaufen. Trainiert habe ich auch viel zu wenig. Und ich merke, wie unausgeglichen ich geworden bin und wie ich dem nächsten langen Lauf entgegen fiebere. Aber die Schmerzen beim Laufen, die ich beim Hachenburg Marathon, beim „schrägen O. Weg“ rund um Oberhausen und nicht zuletzt beim KiLL50 rund um Hildesheim hatte, machen mir noch immer Angst. Angst davor, dass sie wieder kommen und ich mich wieder Kilometer für Kilometer quälen muss. Angst aber auch davor, dass sich so etwas einläuft, was am Ende chronisch wird.

Heinrich Kuhaupt beim Briefing vor dem Start

Zwar hat der Doc Arndt Kirchner aus Köln die Schiefstellung des Beckens weitgehend repariert und ich habe seither auch beim Tennis keine Schmerzen mehr, aber ich traue diesem Frieden, den mir mein Körper angeboten hat, nicht wirklich weit. Am Montag, 15 Uhr, beginnt in Bad Neuenahr-Heppingen bei meinem Freund Roger Steiner meine Physiotherapie. Nach maximal 6 Therapie-Einheiten und eventuell weiteren 6 Wärmetherapie-Einheiten sollte alles wieder sein wie früher. Aber bis dahin bleibt die Angst, bleiben die Sorgen.

Aber das sollte mir egal sein, dachte ich vorgestern Abend und suchte mal nach einem Marathon am Samstag. Den einzigen Marathon, den ich fand, war der Bad Arolser Waldmarathon. Es ist ein legendärer Lauf, mit dem mich verbindet, dass ich dort schon im Vorjahr nach meiner Laufpause nach dem TransAlpineRun 2008 getestet habe, ob ich wieder laufen kann, um sicher zu sein, dass ich mich zum „Unter-Tage-Marathon“ in Sondershausen traue.
Im Vorjahr bin ich nach dem Halbmaratathon ausgestiegen, aber ich wusste, dass ich eine Woche später zumindest finishen kann. Aber mir ist in Erinnerung geblieben, dass ich Bad Arolsen als den „Marathon der alten Männer“ erlebt habe, weil so viele Seniorenläufer des 100MC anwesend waren, als eine Personality-Show des Heinrich Kuhaupt, aber eine Show, die von der überwiegenden Mehrzahl der Läufer geliebt wird. Ich erinnere mich an Schneefall am Tag zuvor und an Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt und ich erinnere mich daran, dass ich damals für mich gesagt habe, dass ich diesen Lauf irgendwann einmal finishen muss.

Am gestrigen Freitag Nachmittag entschied ich mich, dass meine Gier zu laufen größer ist als mein Respekt vor den möglichen Schmerzen und ich schaute mir die Homepage des Waldmarathons an. Eine schöne Webseite ist das nicht wirklich, aber sie bietet alle notwendigen Informationen und sie ist werbefrei, immerhin. Aber die Homepage verrät, dass Nachmeldungen am Starttag nicht möglich sind. Für mich gilt so etwas ja nicht, dachte ich, und ich rief die Familie Kuhaupt an, um meinen Start anzukündigen und nach ein paar Minuten der Verhandlung wurde mir gestattet, mich doch noch am Starttag einzuschreiben, weil ich nicht schon am Freitag Abend anreisen will. Bad Arolsen ist nur 150 Autominuten weg, da will ich dort nicht übernachten.

Um 11.00 Uhr am Samstag soll der Start sein, mir wurde aber gesagt, dass ich spätestens um 9.00 Uhr vor Ort sein muss, sonst wäre eine Einschreibung nicht mehr möglich. Ich wies darauf hin, dass meine Daten dort vorhanden wären, es half nichts. Ich bot an, meine Daten eben noch per eMail zu senden, weil ich das Gefühl hatte, dass es keine Läufer-Datenbank gibt. Und ich erfuhr, dass die eMail gar keine gute Idee ist.
Und ich erinnerte mich wieder an das Vorjahr, wo ich ähnliche Probleme hatte. Der „Marathon der alten Männer“ wird nicht nur von alten Männern gelaufen, sondern auch von alten Männern organisiert, schade. Deshalb gibt es auch keine Starterliste, die man online abrufen kann, es gibt nicht die Möglichkeit einer Online-Anmeldung, auch nicht, wenn ich früh genug an diesen Lauf gedacht hätte, es geht technisch schlichtweg nicht und dass es überhaupt eine Webseite gibt, grenzt an ein Wunder.

Auf der Webseite steht: „Meldungen: werden ab sofort angenommen auf beigefügtem Anmeldeformular, können aber auch formlos mit sämtlichen Angaben (Jahrgang!) gemacht werden. Sie haben jedoch nur Gültigkeit bei gleichzeitiger Zahlung der Startgebühr, durch Scheckbeilegung oder bar. Keine Meldebestätigung.“

Einen Scheck der Anmeldung beilegen geht nur, wenn ich die gute alte Post bemühe und einen Umschlag ausfülle. Ist das nicht wirklich mittelalterlich? Wenn Du so etwas tust, dann hoffst Du inständig, dass der der Anmeldung beiliegende Scheck möglichst bald Deinem Konto belastet wird, damit Du weißt, dass Dein Brief angekommen ist. Tagelang denkst Du über die Anmeldung nach anstatt Dich online zu registrieren und sofort eine Bestätigungs eMail zu erhalten … dass es so etwas noch gibt!

Und ich erinnerte mich wieder an das Vorjahr, wo der Veranstalter mir vorgeschlagen hatte, die Startgebühr in bar in einen Umschlag zu stecken und zuzusenden. Ich habe das damals gemacht, aber ich hatte ein wirklich blödes Gefühl und hatte gehofft, dass die Sendung nicht verloren geht, dass sie rechtzeitig ankommt und dass ich auf der Starterliste sein werde. Es ging damals gut, aber dieses Erlebnis unkonventioneller Startgeldzahlung war schon einmalig.

Gut, wenn ich am Samstag um 9.00 Uhr in Bad Arolsen sein muss, dann muss ich um 6.15 Uhr losfahren, also irgendwann zwischen 5.00 Uhr und 5.15 Uhr aufstehen, meine Sachen fertig packen, eine Kleinigkeit essen und alles noch einmal kontrollieren. Ich hasse es, wenn ich etwas vergessen habe. Ein Lauf ohne Startband oder mit einem Laufshirt, das ich nicht wirklich schön finde, geht nicht. Ich denke dann die ganze Zeit an das vergessene Teil und bemerke, was für ein Spießer ich in dieser Beziehung sein kann.

Mein Terminplan am gestrigen Freitag war eng gestrickt. Um 16.30 Uhr hatte ich ein Meeting mit den Tennisspielern einer neuen Tennisgruppe, zu der ich über den Winter für Freitags, 17.00 Uhr bis 19.00 Uhr eingeladen wurde. Ich kann ja nicht „nein“ sagen, wer mich besser kennt, der weiß das. Also 2 Stunden Tennis Doppel mit alten Männern am Freitag Spätnachmittag, 2 Stunden Tennis Doppel mit der üblichen Tennistruppe am Sonntag Vormittag und eine Stunde Tennis Einzel am Sonntag Abend. Warum tue ich mir so etwas an?
Das Meeting diente dazu, damit wir uns alle mal kennen lernen und das war gut so.
Um 17.00 Uhr begann also das Tennisspiel und am Ende zog ich den Tennisdress aus, um in meine Skinfit Laufsachen zu steigen. Keine Zeit für eine Dusche, es ging gleich rüber nach Ahrweiler, weil um 19.30 Uhr meine freitägliche Spinning-Stunde, die von meinem Freund Rainer Kehrbusch vom TuS Ahrweiler angeboten wird, beginnt. Rainer macht auch den Instructor und das sorgt für reichlich Schweiß rund um mein Trainingsfahrrad. Ich liebe es!

Diese Spinning-Stunde gab mir auch die Möglichkeit, das erste Mal „mein Liebchen“ auszuführen. Erst diese Woche konnte ich die GARMIN 310XT laden, die neue Software auf meinem Rechner installieren und überhaupt mal probieren, wie denn hier alles geht. Und gestern abend schmeichelte sie also meinem Handgelenk. Verliebt war ich ja schon, aber jetzt bin ich erst recht verstrickt in tiefen Gefühlen für meine neue Liebe!

Nach der Spinning-Stunde fuhr ich sofort nach Hause, weil ich mit meiner Frau Gabi vereinbart hatte, dass ich zu Hause dusche und sie in der Zeit ein paar Sachen ins Auto packt, die wir noch einem Mitarbeiter übergeben wollten. Also kurz geduscht und dann sind wir zum Spätabend-Shopping in das Bornheimer porta! – Möbelhaus gefahren, das gestern bis 23.00 Uhr geöffnet war. Gekauft haben wir nichts, aber dennoch war der Shoppingbesuch sehr nett.
Nun noch kurz nach Erftstadt zu einem Mitarbeiter, dort etwas abgegeben und dann nach Hause. Es war fast 1.00 Uhr in der Nacht, als wir zu Hause ankamen und mich beschlichen die Zweifel, ob ich wirklich nach Bad Arolsen fahren sollte. Immerhin habe ich den Wecker im Handy auf 5.15 Uhr gestellt, aber mein Unterbewusstsein hat dafür gesorgt, dass ich das Handy im Wohnzimmer vergessen habe und nicht mit ans Bettchen genommen habe.

Als ich heute um 7.15 Uhr aufgewacht bin, wusste ich, dass Bad Arolsen ohne mich glücklich werden muss. Ich bin nicht sicher, ob ich mich darüber freuen darf oder ob ich mich statt dessen lieber abgrundtief ärgern sollte …

Auf jeden Fall habe ich heute dann deutlich mehr Zeit als geplant, ein langes Trainingsläufchen durch den Wildschwein-Wald bei Altenahr sollte es dann schon sein heute. Aber mein „MuL“ Nummer 84 muss noch eine Woche warten …

Dezember: gleich ein doppeltes Familientreffen in Offenburg!

Gengenbach im Kinzigtal ist ein wunderschönes kleines Städtchen im Badischen. Gengenbach ist nicht deshalb schön, weil Wolfgang Schäuble dort wohnt und auch nicht, weil dort alljährlich ein ganz besonders großer Adventskalender zu bewundern ist, bis vergangenes Jahr gemacht mit Bildern des weltbekannten Künstlers Tomi Ungerer und ab 2009 bis 2011 gestaltet durch den Künstler  Jan Peter Tripp, der den Adventskalender mit bekannten und beliebten Motiven seines Vaters dekoriert, sondern, weil meine Eltern auch dort wohnen.

Der Gengenbacher Adventskalender - immer einen Besuch wert!

Der Adventskalender ist aber wirklich eine Reise wert und wenn Du den Künstler Jan Peter Tripp nicht kennst, dann kennst Du zumindest seinen Vater, Franz Josef Tripp.
Franz Josef Tripp
hat die Bücher von Michael Ende und Otfried Preußler illustriert und das gibt es Charactere, mit denen wir alle aufgewachsen sind:

Jim Knopf
Lukas, der Lokomotivführer
Räuber Hotzenplotz

Das kleine Gespenst

In den Jahren zuvor wurde der Gengenbacher Adventskalender schon von Künstlern wie Otmar Alt, Quint Buchholz, Marc Chagall und Tomi Ungerer gestaltet, ich finde, das ist eine erstaunliche Serie prominenter Künstler, die diesen Adventskalender immer wieder zum Ziel vieler Reisenden machen. Schau selbst mal hin, wenn Du in der Gegend bist!

Also, meine Eltern wohnen dort und weil Gengenbach eher weit ist, bin ich nicht allzu oft im schönen Baden. Aber wenn, dann bin ich auch stets aufs Neue begeistert – und das nicht nur wegen der schönen Laufstrecken dort! Und wenn ich also Mitte Dezember wieder dort sein werde, dann gibt es ein kleines Familientreffen.

Aber dieses Familientreffen wird noch übertroffen von einem Familientreffen der besonderen Güte, einem Familientreffen der Läufer!
Gerne bin ich ja dem Ruf meines lieben Freundes und Lauf-Organisators R(ud)olf Mahlburg gefolgt und laufe zum insgesamt 4. Mal den „Eisweinlauf“ von Offenburg nach Baden-Baden. Ich mache das stets gerne, teilweise aus Dankbarkeit gegenüber Brigitte und Rolf Mahlburg, aber auch, weil ich dort Jahr für Jahr immer wieder neue und interessante Menschen kennenlernen durfte. Und mit manchen davon habe ich dann auch andere große Läufe bestritten und mit einem dieser Läufer werde ich nächstes Jahr in der marokkanischen Wüste starten.

Der „Eisweinlauf“ ist ein Gruppenlauf und so hast Du ausgiebig Zeit, die meisten Läufer dort kennen zu lernen. Und heute habe ich mal auf die Teilnehmerliste gesehen und ich konnte mir ein paar Tränen der Freude nicht verkneifen.
Die Liste ist voll mit Lauffreunden der ganz besonderen Art, Menschen, die mir mehr bedeuten und die gerade in den letzten 1 1/2 Jahren für mich besonders wichtig waren.
Da sind zum Beispiel die „Geschwister Fürcherlich“, Steffi Effelberg und Andrea Falkus, vielleicht die liebsten und interessantesten Schwestern unter den Ultraläufern. Ich habe beide schon Anfang 2008 kennen gelernt und bin in Biel und anderen Orten Ultras mit ihnen gelaufen, aber richtig toll wurde es, als wir zusammen den TransAlpineRun 2008 bestritten haben. Lange Läufe ohne die beiden sind langweilige Läufe!
Und da ist auch mein badischer Freund Peter Wiedemann, den ich meistens bei den badischen Gruppenläufen treffe, der aber unbestritten ein ganz Großer bei den Ultraläufern ist. Er startet für die LG DUV, also der Gruppierung, für die ich bald auch starten will, wenn da nicht auch noch die Entscheidung für die DUV zu treffen wäre – und mit der tue ich mich sehr schwer. Peters Laufliste der Ultramarathons beim DUV ist riesig. Ich bewundere und beneide ihn.
Ich freue mich auch auf Heidi Stöhr aus Freiburg, auch mit ihr habe ich neben dem GONDO EVENT 2008 einige Gruppenläufe gemeinsam bestritten. Ich mag ihre Fröhlichkeit und bewundere, wie sie nach einem glatten Knochenbruch (war es der Wadenknochen?) mit Stahlschrauben im Bein den GONDO EVENT 2008 geschafft hat. Eine unglaubliche Willensleistung. Dieses Jahr war sie beim TransAlpine Run 2009, ein Lauf, den ich nur aus der Ferne beobachten konnte.

Die Liste wäre nicht komplett, wenn ich nicht noch zwei LäuferInnen erwähnen würde, die mich dieses Jahr besonders bewegt haben. Heinrich Dahmen ist einer davon. Der Mitorganisator des Erft Spendenlaufs und seit jeher ein eifriger Spendensammler zu Gunsten kranker Kinder hat mir die Idee vermittelt, bei dem „Sächsischen Mt. Everest Treppenmarathon“ dabei zu sein. Heinrich ist 2008 kontrolliert nach 50 Runden dort ausgestiegen, 2009 aber hat er mit großen körperlichen Problemen zu kämpfen gehabt und hat mühevoll 51 Runden bewältigt. Dafür hat er die volle Zeit gebraucht, ich wünsche ihm, dass es beim nächsten Versuch dann auch wirklich klappt. Heinrich ist als Kerpener fast ein „Nachbar“, so viele Ultraläufer gibt es ja nicht in der Kölner Bucht und er ist immer da, wenn man ihn braucht.
Die andere ist Wilma Vissers. Ich habe schon einmal einen Blogbeitrag über sie geschrieben: „Wilma, der Liebling aller Läufer und Betreuer…“ Wir sind zusammen die 7 Tage und die 350 Kilometer des SwissJuraMarathon (SJM) von Genf nach Basel gelaufen und die in der deutschsprachigen Schweiz lebende Holländerin (oder heißt das „Niederländerin“?) hat uns allen so viel gute Laune gemacht, dass ich es kaum abwarten kann, bis wir uns wieder sehen.

Alles in allem wird das Wochenende um den 12. Dezember herum ein tolles Wochenende. Die Eltern besuchen, einen wunderschönen langen Lauf machen, Freunde treffen und das beim letzten langen Lauf des Jahres – so darf ein tolles Laufjahr 2009 für mich zu Ende gehen.

Schon jetzt sehe ich uns wieder im Dunklen in Baden-Baden, durch den Wald kommend, die Straße bergab laufen. Vor uns im Tal leuchtet die Innenstadt und der hell erleuchtete riesige Weihnachtsmarkt. Wir laufen dort immer an der Seite ein, der Weg ist für uns abgesperrt und wir laufen auf eine Bühne zu, wo wir vom Bürgermeister empfangen werden. Traditionell gibt es da einen Spenden-Scheck von Brigitte und R(ud)olf Mahlburg für die „Aktion Benny & Co.“, für an der Duchenne-Krankheit leidende Kinder. Für uns Läufer gibt es immer einen Weckmann und Glühwein.
Um den abgesperrten Teil herum stehen erwartungsvoll einige Dutzend Menschen und der Bürgermeister begrüßt uns immer warmherzig und weist darauf hin, dass diese Gruppe von Offenburg aus nach Baden-Baden gelaufen ist. Für die meisten Zuschauer eine ungeheuere und kaum vorstellbare Distanz: 65 Kilometer, 1.800 Höhenmeter! Der Applaus der Zuschauer wärmt dann genauso wie der Glühwein.

Später dann, in Bühl, wo die meisten Läufer auch die Nacht davor und die Nacht danach verbringen, trennen sich dann die Wege der Läufer wieder und ich werde mit ein paar Tränen in den Augen wieder nach Gengenbach zu meinen Eltern fahren, auch, um in der Gengenbacher Altstadt den Adventskalender zu bewundern und dort noch mit meiner Familie und meinen Eltern ein Restaurant zu besuchen.

So schön kann die Adventszeit sein!

17. Oktober 2009, Entlastungstag für das Heilfasten und ein Marathon?

Geht denn das zusammen? Passt das?

Die meisten Marthonis haben ihre Rituale. Ich auch.
Meine wichtigsten Rituale vor einem langen Lauf sind:

– Kohlenhydrate zum Frühstück. Meine Frau sorgt immer dafür, dass frisch gekochte Nudeln oder frischer Reis zum Frühstück vorhanden sind. Idealerweise nehme ich dazu eine Tomatensauce, aber wenn es die nicht gibt, dann esse ich die Nudeln auch mal trocken. Eine kleine Anekdote zum Nudelfrühstück:  beim 75km Lauf in Celje 2007 ging ich am Vorabend noch zu meiner privaten Pastaparty in ein italienisches Restaurant in dem Vorort von Celje, in dem meine Pension war. Es war preiswert und wirklich lecker. Als ich meine Teller aufgegessen hatte, bestellt ich eine zweite Portion der Spaghetti, aber ohne Sauce und in einem Doggybag. Der Kellner war verwundert, aber er tat, was ich wollte. Am nächsten Morgen war der Start schon um 7 Uhr und ich musste spätestens um 6 Uhr dort sein, weil ich noch nicht dazu gekommen war, meine Startnummer abzuholen. Irgendwann während der Stunde des Wartens aß ich dann meine Spaghetti vom Vorabend, ohne Gabel, einfach so aus der Hand.

– ein leerer Darm. Glücklicherweise kann ich mich so steuern, dass mein Körper mir bisher immer noch rechtzeitig zur Darmentleerung vor dem Lauf verholfen hat. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie es wäre, wenn ich mit vollem Darm starten und während des Laufs irgendwo anhalten müsste …

– die richtige Bekleidung. Für mich ist die Frage, was ich anziehe, vor allem, welche Farben ich anziehe, wichtiger als die Frage nach dem richtigen Training. Ich entscheide schon am Vorabend eines Laufs, welche Hose und welches Shirt ich trage, ob ich Wechselklamotten mitnehme oder nicht und wenn ja, welche das sind und wann ich welches Shirt anziehe. Ich lege mein Startband, die Uhr, den farblich passenden Buff und alles, was ich brauche, schon auf den Boden und die Verpflegung und die Wechselklamotten kommen in die Sporttasche. Das ist wichtig für mich, weil es mir Sicherheit gibt. In Hachenburg hatte ich mein Startband vergessen und ich konnte dort keines erwerben, das war schon eine kleine Hypothek für mich.

– viel trinken. Ich nehme immer einen halben Liter eines (per Unterlassungserklärung nicht genannt werden wollenden) Sportdrinks zu mir und dann noch eine ganze 1,5 Liter Flasche Volvic, die ich bis zum Start leere. Die ausreichende Flüssigkeitsaufnahme halte ich für elementar wichtig, auch deshalb, weil ich nur ungern älter werde. Und Flüssigkeitsmangel lässt den Menschen schneller altern. Daher trinke ich, ob ich laufe oder nicht, stets sehr viel, vor allem natürlich stilles Wasser.

loewenlauf

In Hachenburg musste ich nun auf ein paar Dinge verzichten. Das Startband war vergessen und zum Frühstück aß ich nur eine weiche reife Birne, nicht allzu viel Grundlage für einen, wie Achim Achilles es nennen würde, „gepflegten Dauerlauf“.

Aber meine Ziele waren sowieso bescheiden, ich wollte den Marathon nur traben und keinen Blick auf die Uhr werfen. Ich hatte in der Startliste gesehen, dann neben dem Vielläufer und Senior-Lauffreund Volker Berka auch zwei Lauffreundinnen dabei waren, die ich von einigen Gruppenläufen her schon kannte, nämlich die Birte aus Lübbeke und die Alexandra aus Wiesbaden. Um ganz sicher zu gehen, dass ich keine Ambitionen auf eine respektable Zeit habe, beschloss ich am Start, mit den beiden zu laufen.

Mit Birte redete ich auch über Lars Schläger, den UTMB und den TransAlpineRun. Lars hatte in der Bielefelder Zeitung gelesen, dass zwei Läufer, die beim TransAlpineRun 2009 gestartet waren, „die ersten Läufer aus der Region Bielefeld beim TransAlpineRun“ waren – waren sie aber nicht. Lars und Hans bildeten schon 2008 ein Laufteam und Lars hat darüber die Zeitung informiert. Das Resultat war ein neuer Bericht, ein Interview und sogar ein Interview im WDR, der diese Geschichte aufgenommen und dokumentiert hat. Lustig, oder?

Nach der ersten Verpflegung gesellte sich eine neue Läuferin zu uns, Sonja aus Steinberg bei Dietzenbach, die mich sehr beeindruckt hat. Sie lief ihren 8. Marathon, aber alle Marathons wurden in 2009 gelaufen. Nicht schlecht ambitioniert, die Dame. Wenn ich da an mich denke und daran, wie lange die Abstände zwischen den langen Läufen bei mir am Anfang waren, dann denke ich, dass da eine neue Kandidatin für den „100er Marathon Club“ heranwächst. Aber Vorsicht Sonja, höre immer auf Deinen Körper! Sonja und ich haben uns dann läuferisch ein wenig von Birte und Alexandra abgesetzt, weil wir so ins Gespräch vertieft waren, dass wir gar nicht gemerkt haben, wie wir uns langsam davon geschlichen haben.

Später bekam ich dann ein unbekanntes Ziehen ins linke Bein und ich begann, die Kilometer runterwärts zu zählen. Und ich litt. In dieser Form und in dieser Situation wollte ich nicht den KiLL50 laufen, also muss bis dahin etwas geschehen.
Diese Woche geht wegen des Heilfastens wohl nur wenig, aber ich habe ja dann noch weitere 14 Tage Zeit, um wieder belastbarer zu sein. Gerne gebe ich zu, beim Hachenburger Marathon ein wenig „rumgememmt“ zu haben, aber schimpfe nicht mit mir, das habe ich schon selbst erledigt.

Sonja und ich liefen auch gleichzeitig ins Ziel in der wunderschönen Hachenburger Altstadt. Dort lernte ich auch die beiden Töchter von Sonja kennen, die beide bei den Kinderläufen gestartet waren und die mir stolz ihre Startnummern gezeigt haben, die sich noch immer auf deren Shirts befunden haben. Es ging für mich gleich zurück zum Auto, um wieder schnell zu Hause zu sein.

Die Laufzeit waren 4:31:37 Stunden, ich glaube, das war mein langsamster Marathon außerhalb der echten Berge, aber er hat dennoch Spaß gemacht. Gelernt habe ich aber aus diesem Lauf, dass auch ein langsames Laufen anstrengend sein kann und auch weh tun kann – und trotzdem schön ist!

DSF, heute 9.00 Uhr

Faszination Sport, Faszination Laufen, Faszination TransAlpineRun!

Heute um 9.00 habe ich mir auf DSF einen Bericht über den TransAlpineRun 2009 angesehen. Kaum mehr als ein Jahr ist es her, als ich den TAR mit meinem Laufpartner Heiko Bahnmüller hinter mich gebracht habe. Heiko hat diesen Lauf dieses Jahr gleich wiederholt, ich habe mich auf den SwissJuraMarathon eingerichtet, um noch mehr Kilometer in die Beine zu bekommen. Aber die Schönheit des Trails des TAR ist so faszinierend, dass ich mich am liebsten gleich wieder anmelden würde für den TransAlpineRun 2010!

DSF

Es hat keine fünf Minuten gedauert, bis ich wieder infiziert war. Infiziert vom Virus des Berglaufens, vom Virus des „grandiose Landschaften – Schauens“ und vom Virus der größeren Höhe. Und ich hoffe, dass dieser Virus ansteckend ist, weil es mein größter Traum wäre, diesen Lauf in vielleicht 5 Jahren auch mit meinem Sohn Pascal zu machen. Er wäre dann 20 Jahre alt und ich wäre 52 Lenze jung, zusammen also 72. Das passt noch für die Kategorie „MEN“. Mit Heiko musste ich in der Kategorie „MASTERS MEN“ starten, die Altersklasse für Läufer, die zusammen über 80 Jahre alt sind.

Mit Pascal in der Kategorie „MEN“ starten – wäre das nicht eine tolle Sache?