Einmal Zugspitze und wieder zurück

Im Anfang war …, nein, nicht der Wasserstoff, wie Hoimar von Ditfurth geschrieben hat.
Im Anfang war der Wetterbericht für das lange Wochenende mit Christi Himmelfahrt, also mit dem Vater- und dem Muttertag.
Und fast zwangsläufig fragt man sich, was man an einem solchen Wochenende denn anstellen will.
Mit dem Bollerwagen auf Sauftour gehen ist nicht so „mein Ding“ und zu Hause bleiben wollte ich auch nicht. Marita konnte einen Brückentag nehmen, alles war bereit für ein langes Wochenende draußen.
Und dieses „draußen“ sollte in Bayern stattfinden.

So lange schon wollte ich wieder mal auf die Zugspitze rennen. Von der Sprungschanze in Garmisch-Partenkirchen auf die Zugspitze und wieder zurück war also der Plan für den Freitag. Für den Vatertag stand nur die weite Anreise auf dem Plan. Und ein Anruf.
Ich wollte nach Möglichkeit nicht alleine auf den Berg gehen, also fragte ich den langjährigen Freund und Lauf- sowie Wanderveranstalter Michael „Michi“ Raab, der bei München wohnt, ob er nicht vielleicht spontan Lust hätte, mitzukommen.
Er hatte, aber er fragte mich, wie es denn mit dem Schnee aussehen würde. Schnee? Tja, dachte ich, die Wege werden frei sein, Schnee gibt es halt neben den Wegen. Ein Irrtum, wie sich herausstellen sollte.
Ich bin da dort zu viel „Flachland-Touri“, der sich die falschen Fragen stellt.
Wir haben uns für 6.00 Uhr vor der Sprungschanze vereinbart, aber verunsichert durch Michis Frage habe ich dann doch noch einmal die Webcams der Zugspitze angesehen, ich sah aber nur Nebel und viel Weiß.
Egal, dachte ich, ich brauche diesen Aufstieg für mein Selbstvertrauen, das mich ja am nächsten Wochenende auf dem Ruhr-Radweg begleiten soll. In meinem Trainingszustand läufst Du, wenn überhaupt, eine solche Monsterstrecke nur mit dem Kopf, mit dem Selbstvertrauen und der Gewissheit, diese 230 Kilometer schon zwei Mal gepackt zu haben. Zweifelst Du, gibst Du Deinen Gedanken Raum, dann wird das nichts geben.
Knapp 6 Stunden von Garmisch über die Partnachklamm auf die Zugspitze und knapp 5 Stunden für den Rückweg, das sind die Zeiten, die ich anstrebe und die ich „früher“ geschafft habe. Diese Zeiten waren auch letzten Freitag unsere Ziele. Aber es kam anders.

Wunderbar Wandern auf La Gomera

Fünf Tage Wandern auf La Gomera – Wahnsinn, was für eine Insel! Mit Europas letztem Urwald, den riesigen Nebelwaldflächen, ein wenig Madeira. Mit den Lavafeldern ein wenig Lanzarote und mit dem Wüstenflächen ein wenig Gran Canaria. Alles in Einem und das auf kleinstem Raum.
Ob es die „rote Erde“ war, oben beim Aussichtspunkt Mirador, der weit hinüberhängt über das Tal, wo die Felsen fast senkrecht Hunderte von Metern runtergehen, so steil, dass ich erst gar nicht glauben wollte, dass wir dort hinunter gehen können oder ob es die Flechten waren im Nebelwald, die mir halfen, mich in diese zweitkleinste der sieben Hauptinseln der Kanaren zu verlieben, weiß ich nicht. Vielleicht war es aber auch einfach die hoch auf dem Berg, stolz auf einer riesigen Säule stehende, Skulptur von Cristobal Colon (Christopher Kolumbus), die in der Nacht weiß auf die Hauptstadt San Sebástian de La Gomera herunterscheint, so, als ob sie schweben würde. Diese Statue erinnert daran, dass Kolumbus zum letzten Mal vor der großen Atlantiküberquerung nach „Indien“ vor La Gomera lagerte, um dort Wasser und Proviant zu laden. Das war am 12. August 1492, die Älteren unter uns werden sich vielleicht daran erinnern.

Auf jeden Fall ist es eine großartige, wunderschöne und begeisternde Insel, auch, weil die 25.000 Einwohner, mehr Einwohner hat die Insel nämlich nicht, die pure Lebensfreude ausstrahlen und jede Gelegenheit feiern, die sich ihnen bietet. Ob das auch schon 1492 so war?
Heute jedenfalls ist es ein Anziehungspunkt auch für viele deutsche Aussteiger, von denen es vor allem in der Stadt Valle Gran Rey immens viele gibt. Sie dominieren das Stadtbild, ob sie nun einfach trommeln, Gitarre spielen, singen, Schmuck verkaufen oder einfach nur chillen. Viele dieser Aussteiger sind älter, aber eben nicht alle. Vielleicht sollte man hier neidisch werden, weil es eben diese Menschen gibt, die Dir zeigen, wie einfach das Leben sein kann und die immer nur den Augenblick leben.

Ich mag ja die Veranstaltungen von Michi Raab und seiner Webseite www.laufcoaches.com. Da tickt keine Uhr, es gibt keine Wettkämpfe, das Erreichen der täglichen Etappenziele ist der Erfolg. Deshalb ticken die Teilnehmenden dort auch anders als bei den anderen Stage Races. Lachen, fotografieren, die Aussichten genießen, auch mal auf eine Palme klettern oder wie blöd auf einem Rundkurs auf dem höchsten Berg der Insel, dem 1.487 Meter hohen Alto de Garajonay, rumrennen. Alles wird getan, um die Tagesetappen mit Freude zu füllen.
Und Freude hatten wir jeden einzelnen Tag.

Schade war nur, dass es aufgrund mehrerer Absagen nur eine sehr kleine Truppe war, die sich die fünf Wandertage gegönnt haben. Direkt danach im Anschluss waren es immerhin 10 Läufer, die die Insel an drei Lauftagen zu entdecken versuchten. Ich sollte und wollte der Elfte sein, aber daraus wurde leider nichts. Micha und Linda waren also meine ständigen Begleiter und „Höschenfotos“ von Happy Undies wurden permanent geschossen. Und auch das Stoff-Faultier „Fauli“ wollte oft fotografiert werden, soweit zu der Truppe der Wanderer.

Fünf Wandertage also, einer schöner als der vorhergegangene Tag, wunderschöne Strecken, steile Aufstiege mit ebenso steilen Abstiegen. Flach gibt es nichts auf La Gomera, außer vielleicht meine wenigen Witze. Wir hatten, wie bei Michi Raab üblich, immer nur unseren Daypack dabei, ein oder zwei Mal pro Tag stand er uns liebevoll betreuend an der Strecke, damit wir Wasser auffüllen konnten. Das geriet immer zu einer willkommenen Pause, für die ich stets dankbar war.
Ganz besonders war der Gang durch den schmalen und niedrigen Tunnel, hoch oben in den Bergen. Dass ich mich bücken musste, vor allem zu Beginn, das dachte ich mir. Dass Wasser im Tunnel steht, ebenfalls. Ich dachte aber nicht, dass selbst mir das Wasser teilweise bis zur Hüfte reichen würde und auch nicht, dass an vielen Stellen 30 Zentimeter tiefer Morast lag, durch den es zu waten ging. Wir hatten uns für Flip-Flops entschieden, was bedeutete, dass Du bei jedem Schritt das hintere Bein mit dem Flip-Flop aus dem Morast ziehen musstest, angestrengt darauf achtend, dass die Schuhe an den Füßen blieben. Wer hätte denn in dem Morast nach den Schuhen suchen wollen?
Zum Glück waren nicht die ganzen 800 Meter, die der Tunnel lang ist, so schwierig und auch dieser Weg, der kein leichter war, endete irgendwann. Im Nachhinein war es dennoch ein Highlight, auch weil irgendwann eine kleine Steinlawine den Durchgang so klein gemacht hat, dass wir ohne unsere Rucksäcke und nur auf allen Vieren da durchkamen.

Ich erspare Dir die Beschreibung der einzelnen Etappen, Du wirst sie sicher auch mal Wandern wollen. Gute Entscheidung, sage ich dann dazu, wenn Du Dich dafür entscheidest, Du wirst es nicht bereuen. Und wenn Du Dich für die Veranstaltung von Michi Raab entscheidest, dann bist Du gut aufgehoben, gut betreut und Du genießt auch die täglichen gemeinsamen Abendessen. Wir hatten dabei das besondere Glück, einmal die „Beerdigung und Verbrennung der Sardine“ mit anschließendem Feuerwerk und großer Party auf den Straßen erleben zu dürfen, es war ja auch der Aschermittwoch, das Ende des Karnevals. Aber am darauf folgenden Samstagabend war schon wieder Party angesagt, wieder waren die Leute verkleidet mit liebevoll gestalteten Kostümen, meist selbst gemacht, ob als Cupcake, als Bantu-Frau oder als Matrone. Dazu Livemusik der besseren Art, sodass Du die Lebensfreude der Insulaner fast mit Händen greifen konntest.

Aber auch diese fünf wunderschönen Tage sind vorbei gegangen und nach dem Highlight des Wanderns und Genießens kommt dann „der Blues“, wenn Du realisierst, dass es wieder nach Hause geht. Weg von den heißen Temperaturen hin ins usselige kühle Regenwetter Deutschlands.
Aber eines weiß ich gewiss: La Gomera ist ein Wanderparadies, das ich bestimmt nochmal sehen werde.

Es bleibt mir nur noch, Dank zu sagen an Michi Raab für die Organisation und Betreuung des Events, an meine zauberhaften Mitwanderer und erneut an Michi Raab, weil seine Drohnenaufnahmen einfach fantastisch sind und er mir damit eine Idee in den Kopf gesetzt hat, der ich vielleicht irgendwann nachgehen werde.

Halt, zwei Dinge noch:
Am Aschermittwoch aßen wir im Restaurant La Taska. Der Sohn des Inhabers ist Skyrunning Weltmeister gewesen und er hat so ziemlich alles gewonnen oder auf einem Podestplatz abgeschnitten, was man gewinnen kann. Unzählige Trophäen stehen im Restaurant herum und Du kommst aus dem Staunen nicht mehr heraus.
Und es soll auch erwähnt sein, dass es auf der Insel eine einzigartige Pfeifsprache gibt („El Sibo“), die vermutlich einst auf allen Kanarischen Inseln zur Verständigung diente und heute nur noch auf La Gomera gepflegt wird. Sie ist auf La Gomera sogar seit Jahren Unterrichtsfach an Schulen. Begünstigt durch die schallreflektierende Wirkung der Bergwände ist hier Verständigung über Distanzen von bis zu 10 Kilometern möglich, die mit Rufen oder Schreien nicht überbrückt werden können.
Als ich mit dem Taxi zum Flughafen am Playa Santiago fuhr, berichtete und zwitscherte der deutsche Radiosender davon. Ich jedenfalls konnte die einzelnen gepfiffenen Sätze nicht unterscheiden, umso bemerkenswerter, dass die Insulaner dies beherrschen.

Das Finale: https://www.facebook.com/michael.raab.566/videos/1133178904357431/

Ab in den Süden, der Sonne hinterher …

Ich wollte schon lange nach La Gomera, auf die zweitkleinste Insel der Kanaren. Spätestens, seit mir mein langjähriger Freund Michi Raab von www.laufcoaches.com erzählt hat, wie schön es dort ist.
Als bekennender Fan kanarischer Inseln, allen voran natürlich Gran Canaria, wollte ich La Gomera also kennenlernen.
Michi bot seit einigen Jahren ein langes Laufwochenende dort an, ähnlich locker wie ich es bei ihm auf Mallorca (GR221) und auf Korsika (GR20) erlebt habe. Kein Wettkampf, dafür Gemeinschaft und gemeinsames Erleben schöner Laufrouten.
Es hat aber zeitlich bislang nie gepasst. Da waren der Job, die vier Takte des „Kölnpfadwandern im 4/4 Takt“, private Termine …
Aber manche Menschen machen halt schöne Dinge, andere Menschen haben Ausreden.

2024 hatte ich keine Ausreden mehr, vor allen nicht, weil erstmals zum Lauf (https://www.laufcoaches.com/gr132-around-la-gomera) auch Wanderungen (https://www.xn--knigsmarsch-rfb.de/la-gomera) angeboten wurden.
Also stand ich vor der „Gretchenfrage“: Wandern oder Laufen?

Das hatte ich dann auf Facebook gefragt, viele Antworten erhalten und ich habe dann abgewogen, was mir wichtiger ist, was ich mir eher zutraue und worauf ich mehr Lust hätte.
Und die Antwort war: Beides.
Also erst fünf Tage lang wandern, danach drei Tage lang Laufen, inklusive eines kleinen Bergultras.
Und auf diese insgesamt 8 Sporttage auf der Insel freue ich mich sehr.

Heute ist mein Anreisetag.
La Gomera liegt nicht gerade „kurz hinter Kassel“, sondern Du fliegst erst entweder nach Teneriffa Süd und nimmst dann eine Fähre nach St. Sebastian auf La Gomera oder Du machst es wie ich es für mich entschieden habe. Du fliegst nach Gran Canaria und nimmst dann einen Binter-Flug nach La Gomera.

6.00 Uhr morgens, der Wecker klingelt, der Zeitplan ist eng.
Der Koffer ist schon weitgehend gepackt – und das war schon eine riesige Aufgabe. Was nimmt man mit auf solch einen Trip. Es ist warm auf La Gomera, natürlich. Die Insel liegt neben der Sahara, neben Afrika. Aber es gibt auch Berge dort, nicht allzu hoch, rund 1.470 Meter hoch ist der ___ , die höchste Erhebung der Insel.
500 Höhenmeter niedriger als der Pico de las Nieves auf Gran Canaria, aber dort bin ich im Februar auch schon in dickem Schnee gelaufen.
Für die Wanderung also eine Wanderhose, aber nicht die dickere, die ist zu warm. Dazu die Socken, zur Sicherheit Sport-Unterhemden, die Funktionsshirts. Ein Fließpulli muss mit, eine Regenjacke, eine Laufjacke. Zwei Paar Laufschuhe, auch zum Wandern. Bei der Größe meiner Schuhe sind drei Paar Treter einfach nicht drin.
Und noch die Laufhosen, drei kurze Höschen, zur Sicherheit aber auch zwei Dreiviertelhosen, man weiß ja nicht, wie es kommt, weitere Socken, noch mehr Laufshirts. Armlinge, ganz wichtig. Und Pflaster, schon um die Brustwarzen abzukleben.
Zwei Kappen, Sonnenmilch, Sonnenbrille, Sportbrille, ein paar Riegel gegen den kleinen Hunger auf den Strecken, die leichten Laufstöcke – es hört nicht auf.
16,5 Kilogramm zeigt die Waage, super. 23 Kilogramm darf ich nach Gran Canaria mitnehmen, aber nur 20 Kilogramm erlaubt Binter. Da ist ja gewichtsmäßg noch viel Luft nach oben.
Also noch mal nachsehen, es gibt doch noch Dinge, die Du am liebsten bei Dir hättest.
Am Ende sind es 21,2 Kilogramm und ich hoffe, dass Binter da deswegen keinen Stress macht.
Duschen, anziehen, den Koffer fertig packen und ab damit ins Auto.

6.45 Uhr, Abfahrt. Es geht zum P+R Parkplatz des Bahnhofs Erkelenz. Um 7.21 Uhr den Zug nehmen nach Mönchengladbach, dort umsteigen nach Düsseldorf HBF, erneut umsteigen nach Düsseldorf Flughafen.
Alles klappt planmäßig, in den Flieger eingecheckt hatte ich schon, nur noch eine Gepäck-Banderole erstellen, anstehen, Koffer aufgeben. Das mit dem Koffer ist mein „Problem des Tages“, weil ich hoffe, auf Gran Canaria nicht allzu lange auf den Koffer warten zu müssen, sonst wäre mein Weiterflug in Gefahr. Eine Stunde und 10 Minuten Zeit habe ich nur, wahrlich kein Luxus. Wenn dann schon ein paar Minuten für die Verspätung draufgehen und dann musst Du bei ca. 240 Fluggästen noch lange auf Deinen Koffer warten musst, dann rennt die Zeit nochmal schneller.

11.00 Uhr, Abflug, fast pünktlich. Ich hatte mich für Eurowings entschieden, wie schon so oft. Verspätet gelandet, wie schon so oft. Und wie schon so oft bekamen wir nur einen Landeplatz außerhalb, also mit einem Bustransfer. Und herrje, bis mal die ersten Koffer kamen – und bis meiner kam! Warten kann nervenzerfetzend sein, wenn Du Zeitdruck hast.
Als der Koffer dann kam, etwas mehr als 60 Minuten nach dem Touchdown, schnappte ich ihn mir und rannte los. Aus dem Baggage Claim heraus, an den Zöllnern vorbei, nach rechts, bis endlich die Rolltreppe nach oben kam. Und dann den gesamten Flughafen entlang bis in die hinterste Ecke.
Noch 12 Minuten bis zum Start. Ich stelle meinen Koffer beim Check-In aufs Band, der Kollege dort lächelt und nickt. Ich denke, alles wird doch noch gut. Aber dann schüttelt er mit dem Kopf, ruft seinen Supervisor, der sieht sich das an und sagt, dass man nichts mehr für mich tun kann, außer den Flug auf morgen zu verschieben.
„Morgen, wann dann?“ frage ich. Es sollte der gleiche Flug sein, das aber ist mir viel zu spät. Also verhandeln. Ich wäre ja über Teneriffa geflogen, wäre dort umgestiegen, es gibt aber einen Direktflug nach La Gomera, um 8.30 Uhr morgen früh. Perfekt, sage ich, den nehme ich.
Also zum Schalter, das Organisatorische abgewickelt, über WhatsApp die Wandertruppe informiert, bei Booking.com eine Bleibe gesucht, ein Taxi genommen und ab nach Agüimes.

Ich kannte das Städtchen schon, ich bin oft da durchgefahren, mal mit dem Auto, mal mit dem Fahrrad. Aber wenn Du nur die Hauptstraße kennst, dann weißt Du nicht, was für eine zauberhafte Altstadt dieses Städtchen hat. Bronzefiguren überall, Bars, Restaurants, große Plätze mit wunderschönen Bäumen – und all das bei perfekten Temperaturen. Nicht heiß, aber warm, perfekt für einen Stadtbummel. Was war der schön!
Auf dem Marktplatz an der Rosario Kirche sind viele Buden aufgebaut, aber es sieht verlassen aus. Ob das der Rest vom Karneval ist? Oder geht da heute Abend noch was? Ich werde sehen …
Egal, auf jeden Fall habe ich mir aus der „Zitrone“, die das Leben mir serviert hat, eine „Limonade“ gemacht.
Und werde mich auf morgen früh freuen. Um 7.00 Uhr werde ich abgeholt, deutsche Zeit 6.00 Uhr. Wieder früh aufstehen, aber kein Risiko eingehen, erneut zu spät zu kommen.
Und morgen geht es dann auf den Trail.
What a wonderful world! Qué mundo tan hermoso!

Irgendwo in den Bergen …

3 1/2 Monate habe ich an dieser Stelle nichts mehr geschrieben. Umso unsicherer bin ich, ob heute der richtige Tag für den Wiedereinstieg ist.


Es ist aber in dieser Zeit nicht allzu viel passiert bei mir, zumindest nicht läuferisch. Einzig die 63km auf dem Kölner Grüngürtel, dem G1, war erwähnenswert. Weil wirklich alles gepasst hat.
Entstanden ist der Lauf aus einer „Schnapsidee“, in Vorbereitung auf den JUNUT und die TTdR noch einen langen und flachen Lauf in unser Programm einzubauen, ohne dafür allzu weit reisen zu müssen.
Und „25 Läufer*innen“ finden, die da dabei sind, das sollte doch nicht allzu schwer sein, dachten wir.
Und wir trafen einen Nerv der Läuferfamilie und aus einer Maximalteilnehmerzahl von 25 wurden bald 30, 50, 60 und am Ende sogar 100!

Da ich ja meine zarte Gesichtshaut während der gesamten Vorbereitung auf Gran Canaria dunkel einfärben durfte, blieb die meiste Arbeit an meinem Partner Thorsten hängen. Und er hat das großartig gemacht. Alles passte am Eventtag perfekt, auch das Wetter.
Reichlich Sonne, nicht allzu kühl, der 24. Februar, er war tatsächlich ein perfekter Wintertag, perfekt zum Laufen.
Auch die Finisher-Präsente waren etwas ganz Besonderes. Personalisierte Kacheln im Rahmen, persönlicher geht es kaum. Und die Reaktionen der Läufer*innen waren durchweg großartig, motivierend, inspirierend.
Auf jeden Fall freue ich mich da auf eine Wiederholung, aber dann werde ich einen größeren Teil der Arbeit auf meine schmalen Schultern legen.

Ansonsten habe ich mich relativ intensiv mit der Planung des Laufjahres 2018 beschäftigt. Da fielen Läufe raus, die ich gerne auf der Agenda gesehen hätte. Dazu gehört der „Hertog Limburgpad Ultra – Helipad 148km“ am 28. April, einem Datum, an dem ich wohl arbeiten muss.
Und auch das „DreamTeam“ mit Michi Raab und Christian Hofmann auf der Spitzhaustreppe in Radebeul wird es so nicht geben, weil Michi Raab sich eine Muskelfaser gerissen hat. Aber wir haben schon Ersatz gefunden, ich selbst muss mich nur noch geistig mit der neuen Situation anfreunden.
Auch das Elbrus Race, das ich 2017 schon verpasst habe, wird wahrscheinlich nicht auf meiner Laufagenda bleiben können, das kann ich heuer weder zeitlich noch finanziell stemmen, leider. Also hoffe ich in dieser Sache auf das Jahr 2019.
Und zuletzt musste ich auf mein Losglück verzichten und den möglichen Startplatz beim TOR („Tor des Géants„) im italienischen Aostatal sausen lassen. Dafür wurde ich auch gescholten, bis hin zum Vorwurf, gar nicht in der Lage zu sein, ein 200 Meilen Berglauf wie den TOR zu stemmen.
Die Wahrheit aber ist, dass ich nur dann leiden kann, wenn ich unbelastet laufen kann. Und das geht weder aktuell durch den Unfall meiner Gabi noch voraussichtlich Anfang September, wenn wir wieder mit Wochenendarbeiten zugestopft werden.
Und falls das nicht so sein sollte, dann fehlen halt die entsprechenden Einnahmen. Und das ist auch keine beruhigende Aussicht.

Ich habe aber in den letzten Wochen auch noch einige Bergläufe dazu genommen.
Es werden also auf jeden Fall ausreichend Höhenmeter sein, auf denen ich heuer schwitze.
Der JUNUT ist da noch mittelgebirgsflach, der GR-221 in mallorquinischen Tramuntanagebirge schon nicht mehr. Auch der GR-20 auf Korsika geht kaum als „topfeben“ durch. Und da ist auch noch der Mitic in Andorra mit seinen 9.700 HM, der Dolomiti Extreme mit seinen 7.150 HM und, ganz neu, auch noch der TDS von Courmayeur nach Chamonix, auch 7.600 HM stark.
Der TDS ist ein Bewerb der UTMB Berglaufbewerbe, mit 119 Kilometern eher „Mittelmaß“.
Dass ich dafür noch einen Rest-Startplätzchen bekommen habe, dafür danke ich herzlich. Und ich bin darüber sooooo glücklich …
Irgendwo in den Bergen, da sollte ich sein, da gehör‘ ich hin. Zwar finde ich nicht, dass der Satz „Flat is boring“ die einzige Wahrheit ist, dennoch gibt es für mich kaum etwas Schöneres, als abgekämpft irgendwann endlich oben auf dem Grat zu sein, auf dem Gipfel, auf dem Pass. Um von dort aus ins Tal runter schauen zu können. Und um zu wissen, dass es ab jetzt erst mal etwas einfacher wird und das geht dann solange, bis der nächste Berg kommt.
Und damit ich mir meiner Wahrheit sicher bin, muss ich immer wieder nach Hause, um das zu überprüfen, immer so lange, bis die Sehnsucht nach Bergen wieder so groß ist, dass es mich dort wieder hin zieht, rauf auf diese Grate, diese Gipfel, diese Pässe. Weil runter schauen so schön ist.
In den Bergen lernte ich die Natur lieben. In den Bergen lernte ich mich selbst kennen. Und in den Bergen lernte ich, zu fühlen und zu lieben. Und dieses Gefühl, diese Liebe, will ich nicht vermissen, zumindest nicht für eine längere Zeit.

Aber jetzt schaue ich erst mal auf die nächsten zwei Monate und auf elend lange und relativ flache Läufe. Dieser April und jener Mai werden zeigen, wo ich zurzeit rein läuferisch stehe.
Der JUNUT, den ich 2014 zuletzt ganz finishen konnte – auch schon wieder vier Jahre her – und bei dem im 2017 den „bequemen Ausstieg“ als Finisher 170 nach 170 km gewählt hatte, ist dabei die erste große Hürde.
Ohne ein Finish dort würde mein Selbstbewusstsein weiter erodieren. Das wären sehr schlechte Voraussetzungen für die beiden Hürden, die danach kommen, für die TorTOUR de Ruhr (TTdR), zuletzt gefinished 2010 und für das Grand Union Canal Race (GUCR), zuletzt gefinished 2014.
Die bergige Strecke des GR-221 auf Mallorca wird dabei zwischen dem JUNUT und der TTdR eine willkommene und die Muskeln entspannende Übung sein. Und da ich dort nur mit guten Lauffreunden unterwegs bin, wird dieser Weg auch meinen Geist entspannen.

Ab dem GR-221 auf Mallorca heißt es dann wieder:
Irgendwo in den Bergen, da sollte ich sein, da gehör‘ ich hin …

Wer zu früh geht, der verpasst das Dessert …

„Ein freies Wochenende!“ So hieß es plötzlich in der vergangenen Woche.
Die Reise nach Russland, um am Elbrus Race teilzunehmen, musste ich ja leider absagen. Mit argem Bedauern, einem gewissen Neid und größtem Interesse lese und schaue ich, was die Truppe um Michi Raab, vor allem unser Freund Gerald Blumrich, im Kaukasus anstellen. Großartige Geschichten, fantastische Fotos, jeden Tag gibt es neue Fotos von Michi und Co.

Ich also hatte frei, musste nicht arbeiten und war auf der Suche – nach einem Lauf. Ein Ultralauf sollte es schon sein, also schieden der Düsseldorf Marathon und der OEM, der Oberelbe-Marathon, schon aus.
Gefunden habe ich den Helipad, einen 140 K Landschaftslauf auf GPS Basis,

„een ultraloop door Nederland, België en Duitsland“,

dennoch nur einer holländisch-sprachigen Webseite (http://www.helipad.tk/).
Auf der Starterliste fand ich einige Bekannte: Wim Reumkens zum Beispiel, den KÖLNPFAD-Läufer Herman Krijnen, die RheinBurgenWeg-Läufer Renske und Ernst-Jan Vermeulen und nicht zuletzt den JUNUT-Läufer Arno Lux.
Ich verstand einige Details aus der niederländischen Beschreibung nicht, deshalb schickte ich eine kleine Mail über die deutsch-niederländische Grenze, die aber wahrscheinlich an den neu eingerichteten Grenzkontrollen hängen blieb.

Ich fand die drei Bewerbe am Brocken, den Hexenstieg, den Hexentanz und den Hexenritt. Aber der Brocken ist weit und der Hexenstieg noch viel, viel weiter. Und für so viel Länge und Höhe fühlte ich mich nicht ausreichend vorbereitet. Weiterlesen