Fünf Tage Wandern auf La Gomera – Wahnsinn, was für eine Insel! Mit Europas letztem Urwald, den riesigen Nebelwaldflächen, ein wenig Madeira. Mit den Lavafeldern ein wenig Lanzarote und mit dem Wüstenflächen ein wenig Gran Canaria. Alles in Einem und das auf kleinstem Raum.
Ob es die „rote Erde“ war, oben beim Aussichtspunkt Mirador, der weit hinüberhängt über das Tal, wo die Felsen fast senkrecht Hunderte von Metern runtergehen, so steil, dass ich erst gar nicht glauben wollte, dass wir dort hinunter gehen können oder ob es die Flechten waren im Nebelwald, die mir halfen, mich in diese zweitkleinste der sieben Hauptinseln der Kanaren zu verlieben, weiß ich nicht. Vielleicht war es aber auch einfach die hoch auf dem Berg, stolz auf einer riesigen Säule stehende, Skulptur von Cristobal Colon (Christopher Kolumbus), die in der Nacht weiß auf die Hauptstadt San Sebástian de La Gomera herunterscheint, so, als ob sie schweben würde. Diese Statue erinnert daran, dass Kolumbus zum letzten Mal vor der großen Atlantiküberquerung nach „Indien“ vor La Gomera lagerte, um dort Wasser und Proviant zu laden. Das war am 12. August 1492, die Älteren unter uns werden sich vielleicht daran erinnern.






Auf jeden Fall ist es eine großartige, wunderschöne und begeisternde Insel, auch, weil die 25.000 Einwohner, mehr Einwohner hat die Insel nämlich nicht, die pure Lebensfreude ausstrahlen und jede Gelegenheit feiern, die sich ihnen bietet. Ob das auch schon 1492 so war?
Heute jedenfalls ist es ein Anziehungspunkt auch für viele deutsche Aussteiger, von denen es vor allem in der Stadt Valle Gran Rey immens viele gibt. Sie dominieren das Stadtbild, ob sie nun einfach trommeln, Gitarre spielen, singen, Schmuck verkaufen oder einfach nur chillen. Viele dieser Aussteiger sind älter, aber eben nicht alle. Vielleicht sollte man hier neidisch werden, weil es eben diese Menschen gibt, die Dir zeigen, wie einfach das Leben sein kann und die immer nur den Augenblick leben.
Ich mag ja die Veranstaltungen von Michi Raab und seiner Webseite www.laufcoaches.com. Da tickt keine Uhr, es gibt keine Wettkämpfe, das Erreichen der täglichen Etappenziele ist der Erfolg. Deshalb ticken die Teilnehmenden dort auch anders als bei den anderen Stage Races. Lachen, fotografieren, die Aussichten genießen, auch mal auf eine Palme klettern oder wie blöd auf einem Rundkurs auf dem höchsten Berg der Insel, dem 1.487 Meter hohen Alto de Garajonay, rumrennen. Alles wird getan, um die Tagesetappen mit Freude zu füllen.
Und Freude hatten wir jeden einzelnen Tag.



Schade war nur, dass es aufgrund mehrerer Absagen nur eine sehr kleine Truppe war, die sich die fünf Wandertage gegönnt haben. Direkt danach im Anschluss waren es immerhin 10 Läufer, die die Insel an drei Lauftagen zu entdecken versuchten. Ich sollte und wollte der Elfte sein, aber daraus wurde leider nichts. Micha und Linda waren also meine ständigen Begleiter und „Höschenfotos“ von Happy Undies wurden permanent geschossen. Und auch das Stoff-Faultier „Fauli“ wollte oft fotografiert werden, soweit zu der Truppe der Wanderer.
Fünf Wandertage also, einer schöner als der vorhergegangene Tag, wunderschöne Strecken, steile Aufstiege mit ebenso steilen Abstiegen. Flach gibt es nichts auf La Gomera, außer vielleicht meine wenigen Witze. Wir hatten, wie bei Michi Raab üblich, immer nur unseren Daypack dabei, ein oder zwei Mal pro Tag stand er uns liebevoll betreuend an der Strecke, damit wir Wasser auffüllen konnten. Das geriet immer zu einer willkommenen Pause, für die ich stets dankbar war.
Ganz besonders war der Gang durch den schmalen und niedrigen Tunnel, hoch oben in den Bergen. Dass ich mich bücken musste, vor allem zu Beginn, das dachte ich mir. Dass Wasser im Tunnel steht, ebenfalls. Ich dachte aber nicht, dass selbst mir das Wasser teilweise bis zur Hüfte reichen würde und auch nicht, dass an vielen Stellen 30 Zentimeter tiefer Morast lag, durch den es zu waten ging. Wir hatten uns für Flip-Flops entschieden, was bedeutete, dass Du bei jedem Schritt das hintere Bein mit dem Flip-Flop aus dem Morast ziehen musstest, angestrengt darauf achtend, dass die Schuhe an den Füßen blieben. Wer hätte denn in dem Morast nach den Schuhen suchen wollen?
Zum Glück waren nicht die ganzen 800 Meter, die der Tunnel lang ist, so schwierig und auch dieser Weg, der kein leichter war, endete irgendwann. Im Nachhinein war es dennoch ein Highlight, auch weil irgendwann eine kleine Steinlawine den Durchgang so klein gemacht hat, dass wir ohne unsere Rucksäcke und nur auf allen Vieren da durchkamen.




















Ich erspare Dir die Beschreibung der einzelnen Etappen, Du wirst sie sicher auch mal Wandern wollen. Gute Entscheidung, sage ich dann dazu, wenn Du Dich dafür entscheidest, Du wirst es nicht bereuen. Und wenn Du Dich für die Veranstaltung von Michi Raab entscheidest, dann bist Du gut aufgehoben, gut betreut und Du genießt auch die täglichen gemeinsamen Abendessen. Wir hatten dabei das besondere Glück, einmal die „Beerdigung und Verbrennung der Sardine“ mit anschließendem Feuerwerk und großer Party auf den Straßen erleben zu dürfen, es war ja auch der Aschermittwoch, das Ende des Karnevals. Aber am darauf folgenden Samstagabend war schon wieder Party angesagt, wieder waren die Leute verkleidet mit liebevoll gestalteten Kostümen, meist selbst gemacht, ob als Cupcake, als Bantu-Frau oder als Matrone. Dazu Livemusik der besseren Art, sodass Du die Lebensfreude der Insulaner fast mit Händen greifen konntest.








Aber auch diese fünf wunderschönen Tage sind vorbei gegangen und nach dem Highlight des Wanderns und Genießens kommt dann „der Blues“, wenn Du realisierst, dass es wieder nach Hause geht. Weg von den heißen Temperaturen hin ins usselige kühle Regenwetter Deutschlands.
Aber eines weiß ich gewiss: La Gomera ist ein Wanderparadies, das ich bestimmt nochmal sehen werde.
Es bleibt mir nur noch, Dank zu sagen an Michi Raab für die Organisation und Betreuung des Events, an meine zauberhaften Mitwanderer und erneut an Michi Raab, weil seine Drohnenaufnahmen einfach fantastisch sind und er mir damit eine Idee in den Kopf gesetzt hat, der ich vielleicht irgendwann nachgehen werde.
Halt, zwei Dinge noch:
Am Aschermittwoch aßen wir im Restaurant La Taska. Der Sohn des Inhabers ist Skyrunning Weltmeister gewesen und er hat so ziemlich alles gewonnen oder auf einem Podestplatz abgeschnitten, was man gewinnen kann. Unzählige Trophäen stehen im Restaurant herum und Du kommst aus dem Staunen nicht mehr heraus.
Und es soll auch erwähnt sein, dass es auf der Insel eine einzigartige Pfeifsprache gibt („El Sibo“), die vermutlich einst auf allen Kanarischen Inseln zur Verständigung diente und heute nur noch auf La Gomera gepflegt wird. Sie ist auf La Gomera sogar seit Jahren Unterrichtsfach an Schulen. Begünstigt durch die schallreflektierende Wirkung der Bergwände ist hier Verständigung über Distanzen von bis zu 10 Kilometern möglich, die mit Rufen oder Schreien nicht überbrückt werden können.
Als ich mit dem Taxi zum Flughafen am Playa Santiago fuhr, berichtete und zwitscherte der deutsche Radiosender davon. Ich jedenfalls konnte die einzelnen gepfiffenen Sätze nicht unterscheiden, umso bemerkenswerter, dass die Insulaner dies beherrschen.




Das Finale: https://www.facebook.com/michael.raab.566/videos/1133178904357431/















