Seit fast 600 Jahren: der K-UT ist der älteste UltraTrail der Welt

Es war der 15. Mai 1426 in Köln. Der Himmel war wolkenverhangen an diesem Samstag, nur wenig Licht drang in die Stadt. Kein Wunder, immerhin war es die Zeit des dunkelsten Mittelalters. König Eric der Dritte wollte etwas Licht ins Dunkel des mittleren Alters bringen und beschloss, in Köln den ersten Ultra-Marathon der Welt einzurichten.
König Eric der Dritte nannte den Lauf „Kölner Ultra-Trail“, kurz K-UT.

Die Strecke ging rauf und runter durch das alte Köln, vorbei an den stark nach Gerbchemikalien riechenden Gerbereien, über den Fischmarkt, durch die Leprastation bis hin zu dem Bauwerk, das einmal der Kölner Dom werden sollte. Noch war er nicht fertig gestellt, obwohl die Bauarbeiten bereits Mitte 1248 begonnen wurden, aber im Wesentlichen war er schon als das Wahrzeichen erkennbar, das der Kölner Dom heute ist.
Zum Mitlaufen eingeladen waren nicht nur die vielen Zünfte der Stadt, sondern auch die Bettler, die Totengräber, die Nachtwächter und auch die Tagediebe. König Eric rief und alle kamen zum Laufen.

Über Jahrhunderte hinweg etablierte sich so ein trailiger Ultra-Marathon der Extra-Klasse und der „Kölner Ultra-Trail“ fand Eingang in den Olymp der Kölner, ins „Kölsche Grundgesetz“. Dort hieß es bald in Artikel 2: Es K-UT, wie es K-UT.


Später dann, als der Lauf nach ein paar Hundert Jahren dann doch vergessen wurde, weil die Kölner mit ihrem Klüngel, ihren Hochwassern und mit ihren Karnevalszügen ausgelastet waren, wurde dieser Artikel in Es kütt, wie es kütt abgewandelt, die ursprüngliche Version, die Älteren unter uns mögen sich erinnern, war aber schöner.

Erst 2009 kam Eric, der Niederländer und griff die Idee des Laufs wieder auf. Aber Eric verlegte den K-UT heraus aus Köln und hinein in die wunderschöne Landschaft rund um den Keufelskopf im saarländisch-pfälzischen Grenzgebiet. Keine Gerbereien, dafür weite Wiesen, statt des Fischmarkts ausgedehnte Wälder, drei Mal das Örtchen Reichweiler, beim Start, nach der ersten, knapp unter der Marathondistanz liegenden Schleife und wieder zum Schluss hin und alles garniert mit über 2.000 Höhenmetern. Eric rief und fast alle kamen zum Laufen.
Nur ich kam nicht, trotz einer Einladung, die mich über Bernie Conradt erreicht hat.

Also hat Eric, der Niederländer, für 2010 noch einmal ein paar Höhenmeter draufgepackt und jetzt, wo es 2.800 davon waren, lief ich mit. Erst waren 60 Läufer zugelassen, doch schnell war die Warteliste voller als die Starterliste und Eric erhöhte das Teilnehmerlimit so, dass rund 110 Trailbegeisterte auf die nun 85 Kilometer lange Strecke durften. Dazu kamen noch rund 40 Läufer, die sich für die mit 22 Kilometern auch nicht einfache Trail-Kurzstrecke entschieden haben.

Die meisten Namen auf der Starterliste waren mir bekannt, also war der K-UT 2010 auch wieder ein Familientreffen der kleinen Familie der Ultra-Läufer und die Namen, die ich las, machten mir große Freude, weil reihenweise große und bekannte Trail-Läufer dabei waren.
Aus meinem engsten Freundeskreis der Läufer freute ich mich besonders auf Kurt Süsser, mit dem ich so gerne durch die Wüste der Sahara gelaufen wäre und der mir das kleine NICI-Kamel geschenkt hat, ohne dass ich es bestimmt viel schwerer gehabt hätte in Marokko. Kurts Leben und das seiner beiden Söhne ändert sich durch den Schicksalsschlag vom April zurzeit sehr, so war der K-UT der erste Lauf  nach diesem Ereignis.
Bernie Conradt wiederum, der sich für die kurze Strecke entschieden hat, bereichert die Welt ganz bald um einen weiteren Erdenbürger. Ihn und seine Sabine habe ich seit dem Braveheart Battle nicht mehr gesehen. Und auch Achim Knacksterdt war dabei, mit dem ich nicht nur durch die Wüste laufen durfte, sondern mit dem ich in letzter Zeit etliche Läufe gemeinsam bewältigt habe.

Aus dem erweiterten Freudeskreis erwähne ich nur wenige, ich will niemanden übergehen, aber die Liste wäre einfach zu lang für dieses kleine Blog. Du kannst die Läuferliste der Helden hier ansehen. Ein paar Namen von Läufern, die überhaupt nicht repräsentativ für den Laufbekanntenkreis sein sollen, will ich dennoch nennen.
Da war beispielsweise Gerhard Börner angetreten, dessen Bericht vom PTL („Es gab Überlebende!“) meinen Wunsch, auch dieses Abenteuer zu bestehen, geweckt hat. Ihn habe ich schon beim Pfefferkarpfen-Lauf persönlich kennen gelernt und so war es eine Freude, gegen Ende des K-UT ein paar Kilometer mit ihm gemeinsam zu laufen.
Er wiederum kam mit Armin Wolf angefahren, mit dem ich schon den SwissJuraMarathon 2009 hinter mich gebracht habe.

Bei den Teilnehmern der Kurzstrecke sei vor allem Gerald Baudek erwähnt, auch einer derjenigen, mit denen ich den SwissJuraMarathon 2009 gelaufen bin. Läuferisch befindet sich Gerald sicherlich eine oder zwei Ligen über mir, er ist schnell und zäh. Gerald hat zuletzt den mega-anstrengenden Lauf „Trans GranCanaria“ hinter sich gebracht und auch einer seiner Marathons, den er in nur 2:52 Stunden absolviert hat, verdient Beachtung.


Und der Lauf selbst?
Er war schön, sehr trailig, selten habe ich so wenig Asphaltanteile erlebt. Wir gingen über vom Regen der letzten Tage aufgeweichten Waldboden, teilweise richtig steil, glitschig, schmutzig, über Wiesen und Hügel, es ging immer entweder rauf oder runter. Es war ein Trail, der alles hatte, nur keine Anzeichen von Zivilisation, einfach nur Natur. Wenn teilweise nicht das Geräusch der Autos aus dem Tal da gewesen wäre, dann hätte man glauben können, im „Niemandsland“ zu sein. So sollten alle Trails sein …

Und der Trail-Lauf war liebevoll organisiert. Was mich besonders fasziniert hat, war die Ausschilderung. Nicht nur, dass Eric, der Holländer, hübsche Schildchen gemacht hat, es standen sogar immer auch die bislang gelaufenen Kilometer drauf. Da steckt mächtig viel Arbeit drin und ich glaube, dass die größte Leistung von allen nicht die Läufer, sondern die Organisatoren, allen voran Eric, erbracht haben.

Einige der Schilder haben mich besonders gefreut. Das Schild bei km 35,0 zum Beispiel. Da stand: „Und wenn nichts mehr geht … 50 km gehen immer noch!“

Oder das Schild bei km 42,8 als weiteres Beispiel. Das motivierte mit den Worten: „Nur noch ein Marathönchen!“


So liebevoll wie die Schilder war die gesamte Organisation. Im Ziel gab es zwei Getränke und ein deftiges Läuferessen. Eine Lyonerpfanne, frisch gemacht auf einem Riesengrill, ähnlich einem asiatischen Wok. Bestimmt ganz lecker, aber eben nichts für mich. Du weißt ja, wegen dem Fleisch …
„… kein Problem!“ hieß es gleich und ich bekam Gemüse, vor allem Paprika und Kartoffeln gebraten, frisch, lecker, liebevoll. Auch an solchen Dingen erkennt man, dass Erics Gedanken sich vor allem um das Wohl der Läufer, seiner Gäste, gedreht haben.

Etwas ganz Besonderes war auch die Medaille. Eine große, wunderschöne und schwere Platte, garniert mit dem Logo des Laufs. Schon dafür würde ich den Lauf erneut machen. Aber ich würde versuchen, unter der Zeit von 11:27:40 Stunden zu bleiben. Ich bin wohl etwas verhalten gestartet. Zumindest konnte ich am Ende noch einige Plätze aufholen und richtig Tempo machen.
„Gute Renneinteilung“ sagen die Einen, „zu viel geschont am Anfang“ sagen die Anderen. Aber darum ging es mir ja gar nicht. Für mich war wichtig, dass dieser letzte längere Test vor der TorTOUR de Ruhr gut abgewickelt werden konnte. Und das habe ich erreicht.

Im Ziel sagte ich dann: „Jetzt den Trail noch einmal zurück und dann noch 50 Kilometer!“ Das wäre dann die Streckenlänge der TorTOUR de Ruhr, 230 lange, aber flache Kilometer. Dann wäre ich in Duisburg-Rheinorange angekommen, am Ende der Ruhr-Radwegs und im Ziel des längsten Ultra-Laufs in Deutschland, in Jens Vieler’s Lauf-Olymp.

Beim K-UT bleibt mir nur, „Danke“ zu sagen. Danke, Eric, für diesen Trail-Lauf … wir beiden sehen uns spätestens im August wieder, beim PTL.

Viel weiter und höher ist der ja auch nicht …

Reichweiler im saarländisch-pfälzischen Grenzgebiet, ein schönes Stück Erde!

Von Königstein nach Elb-Florenz – Laufen in wunderschöner Landschaft

Stressig und bemerkenswert, zwei Attribute, die auf den Oberelbe-Marathon (OEM) vom Sonntag, 25. April, passen.

Begonnen hat der OEM für mich schon am Freitag Abend. Nach zwei Stunden Tennis-Doppel in der Halle bin ich noch zum Mannschafts-Trainingsspiel auf den Außenplatz gefahren. Der rote Sand dort ist noch frisch und weich, viel zu weich für ein ordentliches Spiel. Ich spielte keine zehn Minuten, bis ein so starker Schmerz in mein rechtes Knie fuhr, so stark, dass ich nur noch humpeln konnte. In diesem Moment fragte ich mich, ob es das schon gewesen war mit dem Marathon in Sachsen. Am Samstag, dem Termin meines Abfluges nach Dresden, waren die Schmerzen im Knie noch immer da, nicht mehr so stark, aber dennoch wahrnehmbar.

Diese Schmerzen, verbunden mit dem Umstand, dass ich seit Mittwoch Strohwitwer und quasi alleinerziehender Vater bin, ließen mich ständig überlegen und rechnen, wie ich alle meine Verpflichtungen am Samstag unter einen Hut bekommen würde. Ich dachte auch daran, den OEM notfalls abzusagen, weil zum Einen das Knie noch nicht wieder intakt war und zum Anderen man ja auch mal für die Familie zurückstecken muss.


Und die Aufgaben für den Samstag waren gewaltig:

– ich musste noch etwa drei Stunden im Büro wichtige Mails schreiben, die ich am Vortag zugesagt hatte
– unser Sohn Pascal hatte um 14 Uhr einen Cross-Duathlon-Wettbewerb in Andernach und musste um 13 Uhr dort sein
– unsere Tochter Milena musste vier Kuchen für ein Spenden-Event zu Gunsten des Tanzania-Schulprojektes backen
– die Kuchen sollten um 12 Uhr am Eventort sein
– eine Mitarbeiterin sollte in Langenfeld noch Ware von mir bekommen
– Pascal wollte gegen 17 Uhr in Andernach wieder abgeholt werden

Hektische Betriebsamkeit im Hause Eller, eifrige Diskussionen, wie wir all das koordinieren können und am Ende hatten wir einen Plan:
Erst habe ich meine Büroarbeit gemacht, Milena hat sich als Bäckerin versucht, dann haben Pascal und ich die Kuchen weggebracht und sind anschließend gleich nach Andernach gefahren. Dort habe ich Pascal und sein Fahrrad ausgeladen und bin gleich weiter nach Langenfeld gefahren, nicht aber, ohne zu Hause noch die Autos zu tauschen. Eigentlich bin ich mehr „tief geflogen“ als gefahren, aber die Polizei hatte glücklicherweise ein Einsehen und hat auf die Aufstellung von Radarfallen an diesem Tag verzichtet. Vor allem aber war ich dankbar, dass Milena, seit einigen Wochen mit einem eigenen Auto „bewaffnet“, die Abholung von Pascal zugesagt hatte. Diese Sorge war ich also los.
Nun ging es auch gleich zurück Richtung Flughafen Köln-Bonn und ich erreichte den Check-In-Schalter fünf Minuten vor der Boardingzeit. Alles war perfekt.
Und mein Knie? Ich hatte es einfach vergessen, aber jetzt hat es wieder geschmerzt. Also einfach nicht mehr daran denken!

Am Kölner Flughafen hat mir die Sicherheitskontrolle nicht nur mein Haarspray aus dem Hangepäck in die „Gelbe Tonne“ entsorgt, auch mein Shampoo musste verschwinden. Haarspray läuft auch unter „Flüssigkeiten“ und dass das Shampoo fast leer war und nur noch die Mengenangabe für gefüllte Flaschen die 100ml-Grenze überstieg, interessierte niemanden. Übersehen haben die strengen Herren in dunkelblau, dass ich ein Messer in der Kulturtasche hatte. Ob mit Haarspraydosen schon Flugzeuge entführt wurden, weiß ich nicht, kleine Messer aber sind definitiv ein geistig-moralischer Anschlag auf die US-Sicherheitsgesetze. Das kleine Messerchen war übrigens das Messer, das ich beim Marathon des Sables (MdS) mitgenommen hatte und dort zur Pflichtausrüstung gehörte und ich wusste bis zur Rückreise nicht, dass es sich dort im Kulturbeutel versteckt hat. So ein Schlingel, aber ein Messer ist ja auch nur ein Mensch.

Welcher unselige Geist mich dann in Dresden geritten hat, als ich mich entschloss, nicht in Dresden zu nächtigen, sondern gleich den Zug nach Königstein zu nehmen, weiß ich nicht. Dieser Geist bescherte mir aber das mitleidige Kopfschütteln eines Hotelangestellten, der mir sagte, dass in Königstein wohl kein einziges Bettchen mehr zu bekommen wäre. Aber der Sachse war nett und er kümmerte sich dahingehend um mich, dass er ein paar Hotels in Nachbarorten anrief, um für mich eine bezahlbare Nächtigungsmöglichkeit zu finden.
Fündig wurde er in der schönen Kurstadt Gohrisch, etwa vier Kilometer weit entfernt. Ich hatte keine Lust, ein Taxi zu bitten, auch, weil es in Königstein gar keinen Taxistand gibt und die Taxen aus Pirna hätten geholt werden müssen. Und all das wegen vier Kilometern?
Wenn ich aber gewusst hätte, dass Gohrisch auf dem Berg liegt und drei dieser vier Kilometer steil ansteigend verlaufen, dann hätte ich es mir wohl überlegt, dorthin laufen zu wollen. Andererseits hilft Dir dieses Profil am nächsten Tag auf dem Rückweg.

In Gohrisch wechselten sich Ferienwohnungen mit Pensionen, Villen und Hotels ab und ich bekam im Parkhotel Margaretenhof ein nettes kleines Einzelzimmer, eigentlich mehr, als ich erhofft hatte. Und ich konnte ein wenig Carbo-Loading betreiben und habe zum Abendessen die chinesischen Mie-Nudeln gewählt und dazu eine große Flasche fast stilles Mineralwasser.
Das Frühstück war leider nicht läufergerecht, aber dennoch lecker und ausgiebig. Sicher habe ich wieder zu viel gegessen und meine Fettpölsterchen weiter verstärkt, aber das musste sein, um die Frühstücksmusik vergessen zu machen. „MDR 1“ lief da und ich hoffte, dass sich ein anderer Gast über diese Musik beschweren würde. Leider war ich so früh am Morgen der einzige Gast, also musste ich die Musik ertragen und immer beruhigend auf meine Ohren einreden.

Als ich dann beim Start ankam, war es noch immer kühl. Und es war noch einigermaßen leer dort. Von den rund 1.000 Marathonis waren noch keine 200 auf dem Platz und der Moderator bemühte sich mit Kräften, diese kleine Truppe bei Laune zu halten. Er interviewte einen Läufer in dem auffälligen Gelb des „100 Marathon Clubs“ und fragte ihn, der wie vielte Marathon das denn nun für ihn sei. „So Gott will, dass ich hier durchkomme,“ sagte er, „ist es mein 411 ter Marathon!“
Nun suchte der Moderator jemanden, der seinen ersten Marathon läuft und er wurde fündig bei einer Dame, die von ihrem ersten „Halben“ berichtet hat, den sie in 2009 in 2:12 Stunden gelaufen war. Ich weiß nicht, wie es ihr am Ende beim „Ganzen“ ging, aber ich habe mich gefragt, warum jemand den OEM als Premieren-Marathon auswählt. Üblich sind doch eher Stadtmarathons wie Frankfurt, Köln oder Berlin.
Nun sah mich der Moderator an und fragte mich nach meinen Läufen und ich antwortete artig, dass es mein 91. Marathon sein würde. Die nachfolgende Feststellung von ihm, dass ich es dann wohl in 2010 noch nicht in den „100MC“ schaffen würde, beantwortete ich mit dem Versprechen, dass es irgendwann im Sommer schon soweit sein sollte. Allein die Läufe, bei denen ich schon zugesagt habe, rechtfertigen diese Annahme.
(Kurz überlegt: der Brocken-Ultra am Wochenende bringt am Samstag die Nummer 92 und am Sonntag die Nummer 93, dann kommt der K-UT (Keufelskopf Ultra) als Nummer 94 und die Nummer 95 sollte die „TorTOUR de Ruhr“ bringen. Der Mittelrhein-Marathon und dann der Canyon du Verdon, die 24 Stunden von Rockenhausen, dann sollten es 98 sein – und der kleine Rest ergibt sich noch)

Ich habe dann noch ein wenig von der bevorstehenden TorTOUR de Ruhr erzählt und auch davon, dass es auch kürzere Strecken als die übermächtig erscheinenden 230 Kilometer gäbe. Aber als ich den Ausdruck „Bambini-Lauf“ für den 100km-Lauf verwendet habe, musste er schon ein wenig lachen. Ich durfte mich entfernen, so schien es zumindest.
Nun erzählte der Moderator, dass ja gerade eben erst der Wüstenlauf „Marathon des Sables“ geendet hätte und ich zeigte kurz auf und bekannte mich schuldig. Also musste ich wieder zu ihm und von der Wüste erzählen.
Später dann, als Achim auf das Startgelände lief, sagte ich zum Moderator, dass er auch in der Wüste gewesen wäre und so war auch sein Statement erwünscht. Warum er das eigentlich überhaupt nicht wollte? Na ja, vielleicht schreibt er das ja mal auf seinem BLOG.

Der Marathon selbst war eigentlich recht nett gemacht. Zumindest die ersten Kilometer sind traumhaft schön, wenn Du rechter Hand auf das Elbsandstein-Gebirge schaust, linker Hand ist die Festung Königstein, Du läufst Anfangs durch Waldpassagen mit ganz wenigen Häusern und es gibt ein einigermaßen welliges Profil. Später dann wird es flacher, die Bäume verschwinden und mit der zunehmenden Sonne wurde es heiß, richtig heiß. Und ich wurde braun. Die Grundfarbe aus der Wüste wurde aufgefrischt und mein Gesicht verwandelte sich innerhalb der wenigen Stunden in ein solariumverwöhntes Aufreisser-Gesichtchen.
Die Versorgung hätte besser sein können, dachte ich mir gelegentlich während des Laufs, vor allem die erste Wasserstelle ließ lange auf sich warten. Glücklicherweise blieb meine Sorge, dass die nächste Wasserstelle auch so weit entfernt sei, unbegründet und am Ende reihte sich Wasserstelle an Wasserstelle, immer eine gute Gelegenheit für mein „sprechendes Weichei“ in mir, es ein wenig gemütlicher angehen zu lassen.

Es war sowieso fatal: erst wollte ich langsam traben und hatte dem Moderator eine Zeit „knapp unter 4“ angekündigt, dann dachte ich, dass vielleicht doch etwas mehr drin wäre. Aber irgendwann wusste ich, dass ich definitiv nicht über die 4-Stunden-Marke kommen würde, eine gute Zeit aber auch nicht drin sei und ich mal wieder zeitlich im „Niemandsland“ enden würde. Und mein mit mir „sprechendes Weichei“ im Kopf sagte: „Ob 3:50 oder 3:59 ist egal – lauf locker weiter und schone Dich!“ Ich schonte mich also auf den letzten acht Kilometern und endete mit 3:57:23 Stunden, keine gute Leistung, wenn man bedenkt, dass ich eine Halbmarathon-Durchgangszeit von 1:50:12 Stunden hatte.

Interessant fand ich am Ende noch die wunderschönen Villen von Elb-Florenz. Hier siehst Du Jugendstil-Architektur vom Feinsten und das gepaart mit Grundstücksgrößen, die Du sonst nur in Hollywood erlebst, einfach zauberhaft. Je näher wir dem Zentrum kamen, desto mehr Menschen standen an der Strecke und applaudierten. Phasenweise hatten die Zuschauer aber wirklich gefehlt, außer in Pirna, wo wir eine große Ausgleichsrunde durch die Stadt zogen und diese Runde gesäumt war mit Menschen.

Und da war ein einsamer Brückenpfosten und wenn Du da ganz nach oben geschaut hast, dann hast du da eine Markierung erkannt. Die Markierung zeigte die „Gerhard-Schröder-Rettungslinie“, die Linie des Elbhochwassers aus dem August 2002, das den Sachsen so viel Leid und dem damaligen Bundeskanzler die Wiederwahl gesichert hat. Mann, war die Linie weit oben. Ich habe ja vieles über das Elbhochwasser gehört, aber diese hohe Linie hat mich doch erschreckt, auch jetzt noch, bald 8 Jahre nach diesem Jahrhundert-Ereignis.

Im Ziel war dann richtig Party. Das Wetter sorgte für gute Laune und zu den 1.000 Marathonis gesellten sich viele Tausend Halbmarathonis, 10km-Läufer und Walker, es gab Nudeln mit Tomatensauce, Erdinger Weißbier alkoholfrei, richtig gute und warme Duschen und eine Medaille, die wirklich schön ist. Schön und außergewöhnlich, ein Schmuckstück in meiner wirklich nicht allzu kleinen Sammlung.
Und es gab ein inspirierendes und motivierendes Gespräch mit einem anderen Ultra-Läufer, mit dem von mir so bewunderten Norman Bücher. Er war einer der Redner auf dem Läufer-Symposion vom Vortag, ich bin mit ihm den UTMB gelaufen und er war und ist immer einer, der seinen Weg im Ultra-Lauf geht. Gerade vom 160 Kilometer Himalaya-Lauf gekommen, ist er schon fast bei seinem langen Chile-Trip, der ihn in ganz besondere Gebiete der Erde bringen wird. Und spätestens in solchen Gesprächen weißt Du, dass es einerseits noch viel gibt, das auf Dich wartet und dass andererseits das, was Du tust, wirklich nur ein Anfang sein kann …

Das Messerchen im Kulturbeutel haben die Kolleginnen am Dresdner Flughafen gefunden. Aber während Du in Frankfurt oder Köln nur formale Antworten bekommst, schlug mir die Sicherheitsfrau vor, im Geschäft nebenan einen gefütterten Umschlag zu kaufen, eine Marke aufzukleben und mir dieses Messerchen an die Heimatadresse zu senden. Ich fand die Idee freundlich und kundenorientiert und habe in dem Laden die Kollegin gelobt. Die Verkäuferin in dem Laden lächelte nur und sagte: „Wir Sachsen sind eben nette Menschen!“
Ob beim Treppenmarathon in Radebeul oder beim OEM in Dresden – wo die Verkäuferin Recht hat, hat sie Recht.

Wirklich keine Petitesse: der „La Petite Trotte à Léon“!

Vorgestern war der letzte Tag der Einschreibung für den „PTL“, für den „La Petite Trotte à Léon“ gewesen. Ursprünglich sollten sich maximal 60 Teams aufmachen, die Umrundung des Mont Blanc in der schwierigeren Version zu versuchen, aber die Veranstalter haben die Teilnehmergrenze auf 80 Teams erhöht.
Ein Glück auch für uns, weil es die Chancen, dass Carsten Quell, Bob Lovegrove und ich dabei sein dürfen, erhöht. Am Vorabend des letzten Einschreibetags waren 64 Teams gemeldet, also gehe ich davon aus, dass wir auf dieses Mega-Event hintrainieren dürfen.

Mindestens zwei andere Teams aus dem Freundeskreis werden dabei sein: Eric Türlings, der Veranstalter des Keufelskopf Ultras, des „K-UT“, wird mir zwei Saarländern starten und Jens Vieler, der Veranstalter der „TorTOUR de Ruhr“, wird mit Wolfgang Olbrisch und einem dritten Läufer ebenfalls ein Team stellen. Natürlich laufe ich neben dem „K-UT“ auch die „TorTOUR de Ruhr“, genug Gelegenheit also, über den „PTL“ zu diskutieren und Strategien zu besprechen, die dann sowieso nicht funktionieren, denn eines ist sicher: am Berg ist jedes Team für sich alleine!

(Klicken zum Vergrößern!) Die Strecke des PTL 2010

Ein Lauf, der in etwa so viele Höhenmeter zu bieten hat wie diese Erde ingesamt von den Tiefen des japanischen Grabens bis zu den Höhen des Mount Everest – und das verteilt auf 240 Laufkilometer – wird mir sicher alles abverlangen, wird alles von mir nehmen, aus mir herausnehmen. Vielleicht auch mehr. Viel mehr.

Aber Carsten, Bob und ich haben auch viel zu geben. So werden wir aus diesem Lauf, aus diesen 3x 240 Kilometern, aus diesen 3x 18.000 Höhenmetern einen Spendenlauf machen. Wahrscheinlich für UNICEF. Oder für eine andere Organisation, die sowohl in Kanada, in England als auch in Deutschland einen guten Ruf hat und die diese Welt ein wenig besser machen will, als sie ist.
Also wird jeder Schritt für einen guten Zweck sein und die Muskelverhärtung in den Oberschenkeln, die ich wahrscheinlich wie beim TransAlpineRun 2008, dem SwissJuraMarathon 2009 und dem UTMB 2009 wieder bekommen werde, wird mich während der 100 Stunden, die wir für diesen Lauf Zeit haben, permanent daran erinnern, dass wir uns und anderen an diesem verlängerten Wochenende im August etwas Gutes tun wollen.

Etwas Gutes sollen aber auch unsere Augen bekommen. Schon im August 2009 habe ich mich in den Anblick des Mont Blanc verliebt, bei Ski fahren in La Plagne sah ich den „weißen Riesen“ wieder ganz nah vor mir stehen. Erfurcht und Respekt muss diesem Berg gezollt werden und Du wirst Dir Deiner Bedeutungslosigkeit bewusst, wenn dieser Berg, dieses Massiv aus Dutzenden von hohen und höchsten Bergen, auf Dich hinabschaut.
Und nun darf ich mir diesen Berg gleich 100 Stunden lang ansehen – aus allen Perspektiven! Was wird das für ein Erlebnis sein!


Aber nach dem UTMB 2009 und hoffentlich dem PTL 2010 will ich noch etwas anderes, noch etwas Neues von diesem Berg: ich will ihn besteigen. Ganz hinauf auf den Gipfel!
2011 – vielleicht mit Dir?

Zwar gehört er nicht zu den „Seven Summits“, aber zumindest früher wurde er in Westdeutschland als „höchster Berg Europas“ bezeichet. Erst der Mauerfall und die objektivere Sicht der Geographie Europas hat ihn auf Platz 2 abrutschen lassen und er musste den Spitzenplatz der höchsten Berge Europas dem Elbrus überlassen. Aber auch da streiten sich die Geographen der Welt, ob der Elbrus nun asiatisch oder europäisch ist.
Zu den „Seven Summits“ jedenfalls gehört der Elbrus für Europa dazu – macht aber nichts. Der „weiße Riese“, der Mont Blanc, der will bestiegen sein.
2011.
Ein Ziel.
Mein Ziel.