100 Geschenke auf einmal …

Es ist der 24. Dezember, der Tag, an dem es Geschenke gibt.
Ich bin freudig gespannt, obwohl meine Gabi und ich uns fest versprochen haben, uns dieses Mal gegenseitig wirklich nichts zu schenken. Die großen Kinder werden nicht vergessen, wir selbst aber haben eigentlich alles, was wir brauchen.

Zumindest sagt das meine „beste Ehefrau von allen“.
Ob ich das glauben soll?

Also habe ich mich kurzerhand selbst beschenkt und ich habe mir 100 Geschenke auf einmal gegönnt. So einfach, lieber Weihnachtsmann, kommst Du hier nicht an mir vorbei …

Am 26. September habe ich beim 24-h Lauf in Brugg meinen 100. „Marathon und länger“ gelaufen, nein, ich habe ihn zelebriert!
Ich war stundenlang der Speaker der Veranstaltung und durfte die großen Namen immer und immer wieder verkünden, stets aufs Neue ein paar persönliche Worte an die Läufer richten und mich mit den Jungs und Mädels dort freuen, die Runde um Runde durch den schweizerischen Regen gedreht haben.
Und ich war knapp drei Stunden lang der Guide von Jeffrey Norris. Nachdem ich wegen der Nachtruhe um 21 Uhr als Speaker die Nachtruhe verordnet bekommen habe, bin ich gemütlich mit Jeffrey einige Kilometer gelaufen, ohne Wertung und ohne Startnummer, um dann, eigentlich zu Mitternacht, effektiv aber in etwa 20 Minuten später, tatsächlich mit Startnummer beim 12-h Lauf zu starten.
Immer noch sehr gemütlich und nur mit dem Ziel, einen Marathon, meinen Marathon Nummer 100, zu laufen.

Ich habe dabei mit einigen der Läufer ein paar Runden gedreht und da die schon 12 Stunden auf den Beinen war, war das Tempo insgesamt doch sehr, sehr moderat. Mir war es egal. Und dann, so nach weiteren drei Stunden, habe ich mich erneut Jeffrey und seinem neuen Guide angeschlossen und dann wurde es noch langsamer, wir haben häufig Gehpausen eingelegt, es war entspannt und entspannend, ein echter Jubiläumslauf.

Nachdem ich den Marathon voll und die nächste Runde beendet hatte, ging ich unter die Dusche, schlief ein Stündchen und nahm dann meine Arbeit als Speaker wieder auf. Ein ganz besonderes Wochenende, das ich mit meiner „Nummer 100“ verbinde.

Danach aber hatte ich wenig Zeit, vielleicht auch einfach wenig Lust. Ich sollte …, ich müsste …, aber diese Woche ganz bestimmt … mich endlich dafür anmelden, wofür ich so lange gekämpft habe. Aber ich war wie ein schwerer Stein und ich bewegte mich nicht.
Nicht kurz vor meinem Geburtstag, um mich mit der Mitgliedschaft im „100 Marathon Club“ („100MC“) zu belohnen und auch nicht in den vier Wochen danach.
Aber jetzt vor Weihnachten sollte es denn sein: ich meldete mich an und hatte vorgestern diesen Brief in der Post:

(Klicken zum Vergrößern!)

Meine Mitgliedsnummer im „100MC“ ist als die 304 – ein Zeichen?

Ich hatte in einem der früheren Blogbeiträge geschrieben, dass mir vielleicht nach dem Erreichen der 100er Marke die Ziele ausgehen würden – jetzt habe ich ein Neues: die nächste Hürde, die nächste Messlatte, die ich habe, ist das Erreichen der 304er Marke – 107 davon habe ich schon.

Für mich kommt dieser Brief natürlich genau zur richtigen Zeit, es sind 100 Geschenke auf einmal und das zur Weihnachtszeit.

Gott muss ein Läufer sein …

Wer das Ziel nicht kennt, kann den Weg nicht finden!

Irgendwann Anfang Oktober hat „Runningfreak“ Steffen mich gefragt, ob ich am 27./28. November beim ICE AGE 24-Stunden-Lauf in Bad Berleburg dabei wäre. Es war noch lange hin bis zum Event, also ließ ich meine Antwort offen.
Bad Berleburg? Wo ist das denn?


Der Tag kam, an dem ich entscheiden musste, ob ich nun in Bad Berleburg laufen würde oder nicht. Ein letzter Test, ein paar weitere Kilometer vor dem „Kleinen KOBOLT“ wären schon gut, dachte ich. Und dieser Lauf wäre auch gut mit meinem Tennistermin am Sonntag um 10 Uhr zu kombinieren, dachte ich.
Ich hatte mein sonntägliches Tennisdate schon in der Vorwoche absagen müssen, was bei einem Doppel immer zu Problemen führt. Zwar hatten meine Mitspieler kurzfristig doch noch einen Ersatz für mich gefunden, aber mit zu vielen solcher Aktionen verlierst Du schnell Deine Freunde und spielst alleine Tennis. Auf Dauer ist das auch keine gute Lösung.

Der legendäre Lauf Olne-Spa-Olne, der am 28. November stattfand, schied also aus. Der „Marathon der alten Männer“ in Bad Arolsen wurde ja kurzfristig abgesagt und auf das Pfingstwochenende verschoben, nur, weil die Stadt Bad Arolsen nicht begreift, wie wichtig so ein gut organisierter Marathon für eine Kleinstadt wie Bad Arolsen sein kann, was Bekanntheit und Sympathiewerte angeht.
Ich bemerkte, wie vergleichsweise nah Bad Berleburg von uns ist, also entschloss ich mich fast einen ganzen Tag vor dem Event doch für diesen Lauf.

Ich war planmäßig kurz vor 9 Uhr am Start, rechtzeitig, um Steffen und Melanie sowie Bernd Nuss zu begrüßen, mich einzuschreiben und meine Startnummer auszuwählen. Es waren Nummern in den 400 ern, die Nummer 444 aber war schon vergeben. Ich entschied mich für die 456 und dachte mir, dass 20 Runden für mich perfekt wären.

Jede Runde hatte 4,416 Kilometer Länge, zu viel für einen guten Lauf. Zudem war das Höhenprofil anspruchsvoll, ein kurzes Stück nach der zweiten Versorgung musste sogar gegangen werden. Das Teilnehmerfeld von kaum mehr als einem Dutzend Ultraläufern und einigen Rundenläufern versprach, viel Zeit für Gespräche während des Laufs zu lassen.

20 Runden, also rund 88,5 Kilometer … ist das ein Ziel?


Du kennst das vielleicht: Du hast keine Möglichkeit, die volle Zeitdistanz abzulaufen, sondern kaum für die Hälfte. Du weißt, dass Du mit dem, was Du in dieser Zeit laufen kannst, sowieso weit hinten platziert sein wirst. Und dann sinkt bei mir stets die Erwartung, die ich an mich selbst habe.
In Bad Berleburg war es nicht anders. Aus 20 Runden wurden am Ende 10 Runden plus einer Talk-Runde mit Bernd Nuss als Abschluss. Aber es ist schon erstaunlich zu bemerken, wie Du Dich sukzessive, Stück für Stück, zurücknimmst.
Wenn Du also kein herausforderndes Ziel hast, dann kannst Du den Weg nicht finden und irrst irgendwo im Niemandsland herum.

Ich lief in Bad Berleburg einige Runden mit dem DUV-Mitglied Norbert Ebbert und mit Steffen Kohler, länger und zügiger, als mir eigentlich lieb war, weil die Rennaufteilung dadurch gelitten hat. Andererseits dachte ich mir, dass ich sowieso nicht vor hatte, allzu lange zu laufen, dann musst Du nicht so pedantisch auf Deine Geschwindigkeit am Anfang achten.
Gerade am Anfang, in den ersten drei Stunden eines langen Laufs, „nordest“ Du Dich ja auf die Tagesgeschwindigkeit ein.
Jeder Läufer kennt das, glaube ich. Du startest langsam bei einem Marathon und willst irgendwann schneller werden, aber es gelingt Dir kaum. Oder Du startest zu schnell und willst dann das Tempo reduzieren, aber auch das gelingt Dir nicht. Du fällst immer wieder in den Trott, in dem Du begonnen hast.

Vielleicht war das damals der Schlüssel zu meinen 177,520 Kilometern bei der DLV-Challenge in Delmenhorst 2009. Wir liefen auf einer 1 Kilometer langen einigermaßen flachen Strecke und ich entschied mich, mit meiner Freundin Sabine Strotkamp zu laufen. Wir wollten eine 7er Zeit laufen und wurden jedes Mal geschimpft, wenn wir am Trainerzelt vorbei liefen: „Ihr seid zu schnell!“
Und wir waren es. Wir hatten eine Runde unter 6:50 Minuten absolviert. Und ich weiß noch genau, wie ich nach zwei Stunden, als wir mittlerweile zweieinhalb Runden hinter dem Vorletzten platziert waren, zu Sabine sagte, dass ich nicht vor hätte, hier Letzter zu werden.
Und Sabine antwortete trocken mit einer Frage: „Wie weit willst Du laufen?“

Ich antwortete ihr, dass die Männer der Altersklasse M40 und M45 nur gewertet werden, wenn sie mindestens 150 Kilometer laufen. 150 Kilometer! Das war damals die mit Abstand weiteste nonstop-Strecke, die ich gelaufen war. Und Sabine sah mich mitleidig an und antwortete: „Für 150 Kilometer sind wir zu schnell!“

Und es stimmt. Mit einer 7er Zeit kommst Du auf gut 200 Kilometer, genau auf 205,7 Kilometer – ein phantastischer Wert für Hobbyläufer, wie wir es alle sind. Ich weiß noch, wie beeindruckt ich war und glücklich war, mich von da an ihrem „Diktat“ unterwerfen zu dürfen. Ich hielt es damals bis km 104 an ihrer Seite aus, dann musste ich etwas langsamer machen. Sabine aber spulte Runde um Runde ab, immer in der gleichen Geschwindigkeit. Und sie endete wie ein Uhrwerk bei 200 Kilometern und 400 Metern.

„12 Stunden zügig laufen ist einfach,“ sagte sie immer zu mir. „Aber dann kommen weitere 12 Stunden!“ Und wenn Du da dann nicht mehr laufen kannst, sondern Dich von Kilometermarkierung zu Kilometermarkierung schleppst, dann verlierst Du viel mehr als Du in den ersten Stunden gewinnen konntest.
Ich habe mich für Anfang Juni 2011 wieder für Delmenhorst angemeldet, für den Burginsellauf, da es die DLV-Challenge nicht mehr gibt. Die Strecke wird etwas länger sein, eine Meile lang statt nur einen Kilometer lang, aber sie bleibt flach und das Wetter bleibt einigermaßen warm. Dazu kommt, dass eine ganze Facebook-, Blogger- und Twitterer-Gemeinde dort am Start sein wird – das wird vielleicht sogar der Saisonhöhepunkt 2011 – zumindest, was den Spaßfaktor betrifft.

Und die Betreuung, die ich dort genießen kann, wird erheblich besser sein als in Bad Berleburg, weil meine Gabi ihr Zelt permanent direkt neben der Strecke aufbauen kann und die technische Ausstattung beim Lauf wird so sein, dass Du Deine Rundenzeiten schnell, einfach und gut vergleichen kannst. Damit Du nicht zu schnell läufst und damit Du sofort merkst, wenn Deine Rundenzeiten schlechter werden.

Und die Versorgung wird wieder den Standard vom letzten Jahr haben, mit frischem warmen Milchreis und allem, was sich ein vegetarisch gefärbtes Läuferherz erträumt. In Bad Berleburg war eine leichte Eisschicht auf dem Trinkwasser im Becher. Ich bin sicher, das mir das noch deutlicher in Erinnerung geblieben wäre, wenn ich tatsächlich die Nacht durchgelaufen wäre.
Dennoch dachte ich in Bad Berleburg immer auch an den 6-h Lauf in Troisdorf. Die MUTler haben ja auch mit kalten Temperaturen zu kämpfen, aber sie wärmen den Läufern liebevoll nicht nur das Wasser an, sogar die Cola wird in warmem Wasser temperiert. Das ist so angenehm, wenn Du trinkst und Du musst Dich um nichts kümmern, musst nicht das Wasser mit warmem Tee aufheizen und Dir Gedanken machen, die Dich vom Laufen abhalten.

Die Strecke in Bad Berleburg war ebenfalls eher unterdurchschnittlich. Vor allem die lange Gerade an der Bundesstraße verlangt Dir mental alles ab. Es riecht unangenehm dort, wahrscheinlich, weil sich die Gerüche der Autos und LKWs dort stauen. Im Vorjahr muss es ebenso gewesen sein, sagte Norbert. Das ist schade, aber da die Nase bekanntlich ja ein phasisch-tonisches Organ ist, gewöhnt sie sich an alles und Du merkst selbst in einem Ziegenstall den Geruch nach einer Weile nicht mehr. Ein Glück für viele Menschen in den Schlafzimmern dieser Welt!


Was ich bewundert habe in Bad Berleburg war, dass drei Straßen- und Parkplatzeinmündungen, die überquert werden mussten, permanent mit Helfern besichert waren. Es war ja bitterkalt und so hatten die Helfer wahrscheinlich einen wesentlich schwierigeren Job als die Läufer. Und da es keine elektronische Erfassung der Rundenzeiten gab, musste ein Helfer 24 Stunden lang Läufer für Läufer Runde für Runde einzeln abhaken.
Es war wohl eine kluge Entscheidung des Organisationsteams, dort auch eine Klingel hinzustellen, damit die Läufer den Helfer bei Bedarf wecken konnten. Tauschen mit ihm hätte ich aber nicht wollen, vor allem nicht in der Nacht.

Nach etwa drei Stunden entschied ich mich, nur einen Marathon zu laufen und eben die Runde noch zu Ende, also nach 10 Runden Schluss zu machen. Ich wollte mir noch auf dem Weg nach Hause die Fußball-Bundesliga im Radio anhören, am Abend für die Familie da sein und ausgeruht bleiben, um am nächsten Vormittag noch ein gutes Tennis spielen zu können.

Eigentlich kann ich ja kein Tennis spielen, „Aufschlag“ ist ein Fremdwort für mich, aber ich schaffe es zum Glück leidlich, meine spielerischen Schwächen durch Laufbereitschaft und Kondition auszugleichen. Wenn ich aber nicht laufen kann, dann wird es sehr leicht, gegen mich im Tennis zu gewinnen.

Ich hatte gerade meine Startnummer abgegeben und war auf den ersten Metern zur Sporthalle, als Bernd Nuss mich sah und sagte, dass er gerne noch mit mir gesprochen hätte. Bernd Nuss, der „Erfinder“ und Organisator des 24-h Seilersee-Laufs in Iserlohn, erfolgreicher Unternehmer und unermüdlicher Ultraläufer, will mit mir reden?
Ich trabte also mit ihm wieder zurück zum Start/Ziel Zelt, ließ mir meine eben erst abgegebene Startnummer wieder aushändigen und lief noch eine interessante Runde noch mit Bernd.
Es war die schönste Runde von allen, entspannend für die Muskeln, belebend für den Geist und motivierend für die Seele.

Bernd fragte mich, ob ich ihn beim 24-h Lauf am Seilersee im April unterstützen könne. Es wäre mir eine große Ehre, Bernd! Aber noch habe ich nicht die Rückflugdaten von unserer Hochzeitsreise, also weiß ich nicht, ob ich im Lande sein werde. Sobald aber klar ist, dass die Terminierung passt, freue ich mich, lieber Bernd, Dir assistieren zu dürfen.

„Du gehst auf eine Hochzeitsreise?“ fragst Du Dich vielleicht. „Bist Du nicht schon lange verheiratet?“ Aber klar doch. Und dennoch geht es Anfang April nach Tansania auf die Hochzeitsreise.

Aber das ist ein anderes Thema …

Es ist nicht immer leicht, ich zu sein …

Du sollts Dich immer da abholen, wo Du bist. Und wenn Du nicht da bist, wo Du Dich hinwünschst und nicht da, wo Du mal gewesen bist, dann gilt das immer noch: Du sollst Dich da abholen, wo Du bist.

Selten wurde mir so deutlich vor Augen geführt, dass regelmäßiges Training einen Sinn hat, dass lange Läufe schwer werden, wenn Du nicht regelmäßig läufst. Sechs Wochen lang bin ich also nicht gelaufen. Zuerst war da der Wunsch nach etwas Regeneration nach den drei Läufen Ende September / Anfang Oktober, gepaart mit chronischer Unlust, vermeintlich zu viel Arbeit und dem latenten Wunsch, ein paar Tage lang die Kartoffel auf dem Sofa spielen zu dürfen.


In Afrika aber sollte alles wieder anders werden.
Aber außer den guten Vorsätzen und einer mit Laufklamotten randvoll gepackten Tasche war das nicht möglich. Auch bei meinem letzten Kilimanjaro-Trip blieb es bei einem einzigen Trainingslauf, dieses Mal fiel sogar der aus. Und dann, wieder in Deutschland, war der Schreibtisch voll, die chronische Unlust wieder da und dann blockierte mein ISG, mein Iso-Sakral-Gelenk. Also wieder nichts mit dem Laufen. Das schlechte Gewissen aber nahm ständig zu, ganz im Gegensatz zum Fitnesszustand.

Und in diesem Zustand zum KiLL50? 50 Meilen durch die kalte und nasse Hildesheimer Nacht, mit Gepäck auf dem Rücken? Was ist, wenn ich nach 20, 40 oder 60 Kilometern nicht mehr kann? Dann stehe ich im Niemandsland mitten in der dunklen Nacht, frierend und alleine und muss schauen, wie ich wieder zum Start/Ziel komme. Mir war klar: das geht einfach nicht, noch nicht an diesem Wochenende.

Als Alternative habe ich mir den 6-Stunden-Lauf in Troisdorf ausgesucht. Dieser Lauf war 2005 mein allererster Ultra, der kein Gruppenlauf war. Es war damals der längste vorstellbare Lauf der Welt: 6 Stunden!
Aber die Troisdorfer M.U.T.-ler um den großartigen Michael Irrgang herum belehrten mich damals schnell eines Besseren. Als ich, ganz sicher, die längste denkbare Strecke zu laufen, mal wieder durch das schöne Aggertal-Stadion lief, stellte der Mann am Mikrophon den Zuschauern einen der anderen Läufer als den Deutschen Meister im 24-Stunden-Lauf vor, just erreicht mit weit über 240 Kilometern in Basel.
Ich muss gestehen: ich war damals schockiert und fasziniert zugleich. Ist es tatsächlich möglich, so lange zu laufen?

Mein „längster denkbarer Lauf“ von 2005 war also am vergangenen Wochenende die kürzere Variante, die Alternative zu den 50 Meilen des KiLL50. Irgendwie ist das schon lustig, oder?

Schon am Freitag habe ich den Veranstalter des KiLL50, meinen lieben Freund Michael Neumann, angeschrieben und um Vergebung gebeten und um Verständnis, dass ich, trotz permanenter anderer Zusagen nun doch nicht nach Hildesheim kommen würde. Leid tat es mir nicht nur um ihn, sondern auch um seine bezaubernde Freundin Su, deren Kochkünste ich gerne einmal kennengelernt hätte.
Leid tat es mir aber auch um die Lauffreunde, deren Namen auf der Startliste des KiLL50 standen. Jeder einzelne dieser Namen steht für eine kleine Geschichte und ein kleines Stück meines Lebens. Andreas, Jochen, Michael, Joachim, Torsten, Robert, Thomas und all ihr anderen, Euch sei gesagt, dass ich wirklich gerne dabei gewesen wäre.
Nie werde ich die schöne Nacht im Vorjahr vergessen, wo ich an der Seite von Martin Raulf auf die Wildsauen dieser Gegend Acht geben musste.

Der Samstag begann schon mit einer kleinen Merkwürdigkeit. Beim Anziehen der X-SOCKS Kompressionsstrümpfe habe ich mich gefragt, ob die ausgeleiert seien. Sie gingen so einfach anzuziehen, das war schon merkwürdig. Dass Muskelabbau so schnell gehen kann …

Und trotzdem freute ich mich wie ein kleines Kind auf diesen Lauf. Nicht wegen des zu erwartenden Regens, der noch viel heftiger ausfiel wie ich es befürchtet hatte, …


… sondern, weil ich das erste Mal bewusst die Runningfreaks Melanie und Steffen treffen würde. Und auch mein Freund Helmut Hardy hatte ich auf der Anmeldeliste entdeckt.
Ich war früh dran in Troisdorf, auch deshalb, weil ich ja noch nachmelden musste und ich traf Melanie und Steffen dann draußen auf dem Weg zum Auto, wo ich noch ein paar Sachen verstauen wollte. Ein wenig Sorge hatte ich schon, ob ich die beiden im RL auch wirklich gleich erkennen würde. Fotos, vor allem Avatare, haben nicht immer viel mit dem Aussehen im „real life“ zu tun, aber ich irrte hier gewaltig. Ein Blick und gleich war klar, wer die Freaks sind.

Aber der CDU-Mann Axel E. Fischer, der uns alle zu kleinen Witzchen herausgefordert hat, hat vielleicht doch Recht. Klarnamen haben Vorteile, eindeutig. Als es plötzlich hieß: „Hi, ich bin die Eva!“ war ich schon erstaunt. Miss Monster hatte ich mir anders vorgestellt. Der Avatar erinnerte mich stets an Frankenstein, in Wahrheit war Eva bezaubernd und räumte mit all meinen Vorurteilen, die ich bislang Monstern gegenüber hatte, auf.
Dabei war es nur der Fehler der Visagistin, die vor dem Foto-Shooting dafür gesorgt hat, dass das Avatarfoto so wenig mit der Realität zu tun hatte. Was doch so eine Visagistin alles verändern kann …

Ich war froh, mit Miss Monster laufen zu dürfen. Unser gemeinsamer Plan, zwei, drei gemeinsame Stunden mit einer knapp über 6:00 er Zeit zu laufen, um dann von meiner Frau Gabi abgelöst zu werden, misslang. Gabi war es zu nass, zu kühl, einfach viel zu eklig.
Also war ich nach gut zwei Stunden allein mit mir, aber nach dreieinhalb oder vier Stunden begleiteten mich Schmerzen in den Oberschenkeln. Ich war so schlapp, so schwach, so untertrainiert …

Aber ich träumte ein wenig. Immer wenn Daniel Schwitter mich überrundete dachte ich, dass ich gerne schneller wäre, fitter, dass ich gerne nicht meine Probleme mit dem Rücken hätte, nicht die mit den beiden rechten Zehen am rechten Fuß und dass ich eigentlich überhaupt gerne ein wenig anders wäre. Es ist eben nicht immer leicht, ich zu sein …

Ich lief wohl zum siebzehnten Mal den aus einer einzigen Schlammpfütze bestehenden Damm hinter dem Stadion entlang, als die Veranstalter das Lied spielten, dessen Text mir gerade durch den Kopf ging. Die Wise Guys sangen: “ Es ist nicht immer leicht …“
Mein Gesicht war schon vom Regen und dem Schweiss klitschnass, das war gut, denn niemand sah, dass da nun auch noch ein paar Tränchen kamen.

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Am Ende war ich froh, nach dem Punkt 42.195 Meter noch die Runde zu beenden und dann auszusteigen. Mein „Marathon und länger Nummer 103“ war erledigt, ich habe nette Menschen kennen gelernt und viel über mich nachdenken können.
Und ich habe eine Entscheidung getroffen: ab sofort wird wieder täglich gelaufen, die Wochenkilometer müssen wieder rauf.

Gestern habe ich damit angefangen. Die Lauffreunde vom TV Altendorf-Ersdorf haben mich auch gleich wieder erkannt, vielleicht nur am Nummernschild des Autos, vielleicht aber auch, weil sie mich wirklich vermisst haben.

MissMonster hat einen kleinen Film mit mir gedreht und Steffen hat auch etwas über unser Treffen geschrieben, alles ist gut.

Das Schweigen der Lämmer …

„Du machst dich rar auf deinem Blog. Nun lese ich da regelmäßig und kaum mach ich das, schreibst du nix!“

Letzte Woche riss mich Michael Neumann aus einer tiefen Agonie, als er feststellte, dass ich nicht mehr schreiben würde. Das stimmte leider, aber es drängte über Wochen nichts mehr von innen nach außen, nichts, das meine Finger auf der Tastatur hätte bewegen können. Ich überlegte ein paar Tage, wann das alles begonnen hat und warum das so gewesen war.
Es war der Schock des Aussteigens beim PTL, das mehr Gründe hatte als nur das Wetter und die teilweise unvollkommene Materialliste. Es gab da die Spannungen innerhalb des Teams, das sich schnell vom Dreier- zum Zweierteam reduziert hatte. Und es gab mein „Kopfkino“, das seit bald 49 Jahren in bestimmten Situationen ständig den gleichen Film zeigt. Kein NLP, kein Seminar, keine Literatur, nichts konnte bisher diesen Film absetzen.
Und der Film handelt von Respekt und Zurückweisung, von Achtung und Beachtung und er bringt mich immer wieder in ein tiefes Gefühlstal, wenn er auf dem Spielplan steht.

Klicken zum Ansehen und bitte: SOUND ON, es ist eine wunderbare Musik!

Dabei ist so viel Schönes passiert dort und auch danach. Beim PTL hatten wir zwei wunderschöne Sonnentage in einer Landschaft, die teilweise so skurril ist, dass ich mir wünschte, dort leben zu dürfen, in großer Höhe in einer der hübschen Almen kurz unterhalb der jeweiligen Berggipfel. Und wir hatten aufregende Nächte dort.
„Ballermann 6“ Kandidaten werden den Begriff „aufregende Nacht“ anders definieren wie Bergläufer, für mich war vor allem die Nacht ein echter Genuss, als wir kurz unter einem Gipfel die drei PTL-Freunde Michael Eßer, Eric Türlings und Andreas Spieckermann trafen und einige Zeit mit den Dreien dann auch den Berg herunter gelaufen sind.
Und später dann, beim späten Frühstück auf einer Jause, mittlerweile in gleißender Sonne und großer Hitze, kamen die Drei genau in dem Moment an, wo wir unsere Pause beenden wollten. Es ist so schön, vertraute Gesichter zu treffen, ein paar Worte wechseln zu können und zu wissen, dass wir alle beim PTL die gleichen Sorgen und Nöte hatten.
Aber ganz am Ende war da nur noch Wut und Trotz und das Gefühl, für Carsten wenig wichtig zu sein und so wurde ich bockig und geißelte mich selbst, in der Hoffnung, so doch wieder die Beachtung zu bekommen, die ich zuvor stets hatte. Und nichts hat in den letzten fast 49 Jahren dazu beigetragen, dass TomWingo endlich lernt, dass diese Reaktion besser durch eine andere Reaktion ersetzt werden sollte.
Der Film in meinem „Kopfkino“ heißt schon immer: „Das Schweigen der Lämmer, Teil XX …“

Mancher hat mich gefragt, warum mein Nickname Tom Wingo ist.
Tom Wingo, wer ist das eigentlich?

Vielleicht hast Du Dich das auch schon gefragt, möglicherweise aber kennst Du sogar den Film „Herr der Gezeiten“ (Originaltitel: „The Prince of Tides“). Die männliche Hauptfigur darin ist Tom Wingo, ein kantiger Football-Trainer und Lehrer, der in weiten Bereichen aufgewachsen ist wie ich mir meinen „angeheirateten“ Geschwistern. Auch bei mir gibt es eine Schwester Savannah, die sich hinter einer falschen Identität versteckt und mit einer schwierigen Psyche ausgestattet ist, einen Bruder, der, die Familieninsel rettend, für mich für Jahre tot war. Es gab den despotischen Vater, das verdrängte Familienerlebnis und das Abtauchen von uns Dreien mit dem Kreis aus Blut und Fleisch, das uns für eine gewisse Zeit vergessen ließ, wo wir waren und was wir waren.

Im zweiten Teil des Film sagt Tom Wingo, überzeugend gespielt vom großartigen Nick Nolte: „Ich kann ein verschlossener Scheißkerl sein!“ Ich auch, meine Frau Gabi kennt das zur Genüge. Ich kann so schweigen, dass es den Menschen um mich körperlich weh tut.
Wie Tom Wingo im Film löse ich meine Probleme auch häufig durch Schweigen auf und jeder, der mich näher kennt, weiß, dass ich mich, wenn ich sehr mitteilsam bin, besonders wohl fühle.
Vielleicht neigen wir Männer generell nicht dazu, einen „besten Freund“ oder eine „beste Freundin“ zu haben, wo wir unsere Problem abladen und diskutieren können. Mit unserem „besten Freund“ gehen wir zum Sport oder in die Kneipe, reden aber tun wir nicht miteinander, zumindest nicht über uns und unsere Probleme.

Am Ende steht Tom Wingo zwischen der Psychaterin Dr. Susan Lowenstein, gespielt von Barbra Streisand, die ich so sehr bewundere wie nur wenige im Show-Business, und seiner Ehefrau Sallie, mit der er drei Kinder hat. Er entscheidet sich – natürlich – für seine Ehefrau und Susan Lowenstein sagt zu ihm: „An Dir schätze ich am meisten, dass Du der Typ Mann bist, der immer zu seiner Familie zurück kehren würde.“
Später dann ergänzt sie: „Gib‘ zu: Du liebst sie mehr als mich!“

Tom Wingo antwortet darauf mit dem Satz, der mich tief bewegt hat: „Nein, nur länger.“
Und dann fährt er von New York zurück in seine Südstaaten-Heimat nach South Carolina und der Film schließt mit Tom Wingos einfühlsam gehauchten Worten:

„Aber es ist das Mysterium des Lebens, das mir jetzt Kraft gibt. Und ich sehe nach Norden. Und wieder wünschte ich, jeder Mann hätte zwei Leben zu seiner Verfügung, und jede Frau.
Am Ende eines jeden Tages fahre ich durch die Stadt Charleston – und wenn ich die Brücke überquere, die mich nach Hause bringen wird, fühle ich, wie sich die Worte in mir bilden. Ich kann sie nicht aufhalten, noch kann ich erklären, warum ich sie spreche.
Aber wenn ich die Mitte der Brücke erreiche, kommen diese Worte als ein Flüstern zu mir. Ich spreche sie als Gebet. Als Bedauern. Als Lobpreisung. Ich sage Lowenstein, Lowenstein.“

Zufall – nur für Bedienstete …

… oder die PHOTOKINA für mich.

Heute war ein interessanter Tag. Ein Tag voller Pläne, denn heute hat die PHOTOKINA, die weltgrößte Messe für alles rund ums Foto und Video, die Tore geöffnet. Traditionell ist das die Zeit in Köln, in der die Asiaten, allen voran die Japaner und Chinesen, die Mehrheit der Kölnbesucher bilden.
Als Fotograf muss ich natürlich auch auf die PHOTOKINA, wenigstens für einen Tag. Und ich wollte nicht alleine dorthin, sondern ich wurde begleitet von der Leiterin unserer Fun-Artikel Produktion, von der Kollegin, die für die grafische Abteilung verantwortlich ist und natürlich auch von meiner Gabi.

Wir sind um 9 Uhr losgefahren und ich habe etwas nach Köln mitgenommen, das mir sehr wichtig war, ein kleines, aber sehr nützliches Paket.


Gesehen haben wir nicht viel Neues, nur das Mega-Thema „Fotobuch“ in allen Varianten, teils im digitalen Offsetdruck erstellt oder eben auf hochwertigem Fotopapier belichtet, war omnipräsent. Vor allem die Italiener und Spanier haben hier einen Vorsprung in der grafischen Umsetzung, die phänomenal und bewundernswert ist. Na ja, denke ich, das liegt wohl auch daran, dass in Südeuropa ein Hochzeitspaar nicht gleich die Alarmglocken klingeln hört, wenn so ein hochwertiges Hochzeits-Fotobuch mal 2.000 EUR und mehr kostet. Dann aber klingelt wenigstens die Kasse des Hochzeitsfotografen.
Natürlich müssen wir nun auch endlich da mitspielen und so haben wir uns für ein relativ simples Sytem entschieden, mit dem wir wohl schon in wenigen Tagen arbeiten können. Ich jedenfalls freue mich darauf.

Gesehen haben wir aber auch, dass diese PHOTOKINA die wohl kleinste größte Messe im Fotobereich ist, die es je gegeben hat. Die Hallen 7 und 8, 10 und 11 sind erst gar nicht belegt, noch vor einigen Jahren wäre das ein echtes „no go“ gewesen. Zwar musste man keine Wartelisten einhalten, aber einen Platz auf der PHOTOKINA bekommen war für kleinere Unternehmen früher zwar möglich, aber eben ohne jeglichen Anspruch auf eine besondere Platzierung. Heute kannst Du über alles verhandeln und Deine Wünsche werden erhört. Die Fotowelt der Wunder also.

Um 16.30 Uhr waren wir mit allem fertig, was wir sehen wollten, haben mit allen gesprochen, mit denen wir reden wollten. Ich hatte bis dahin die erstaunliche Entdeckung gemacht, dass ich früher immer gehofft habe, auf der PHOTOKINA oder einer der anderen Messen dieser kleinen Welt möglichst viele Menschen zu treffen, die ich kenne. Heute habe ich gehofft, möglichst einige Menschen, die ich kenne, dort nicht zu treffen und habe diese Hoffnung dadurch unterstützt, dass ich um manche Stände einen weiten Bogen gemacht habe. Ich will einfach mit manchem von früher nichts, aber auch gar nichts mehr zu tun haben.

Wir gingen also zurück zum Auto oder besser: wir wurden im Bus zum Parkplatz 22 gefahren, der mit Sicherheit mehr als einen Kilometer vom Eingang Nord entfernt liegt. Solche Distanzen können ohne eine funktionierende Busverbindung unmöglich überwunden werden, das verstehe ich sehr gut.
Ich war ja so unzufrieden in den letzten Wochen und ich hatte ein richtig schlechtes Gewissen. Nach dem Breitscheider Lauf durch die Nacht habe ich nichts mehr getan, teilweise, weil ich so viel gearbeitet habe, teilweise aber auch, weil ich einfach keine Lust auf das Laufen hatte. Ich war einfach leer und ziellos, aber das schlechte Gewissen nagte an mir und an meinem Selbstbewusstsein. Da kam dann der Marathon in Münster gerade recht.
Am darauf folgenden Montag wollte ich dann eine Pause machen, am Dienstag hatte ich dann keine Lust und nachdem Michael Neumann mich an dem Dienstag Abend zu einem „Manager Survival Training“ im fränkischen Münnerstadt eingeladen hatte, das leider den Erwartungen nicht gerecht werden konnte (ich berichte an dieser Stelle bald darüber) und ich so den Freitag Nachmittag auch nicht im Büro sein konnte, musste ich an den Abenden des Mittwochs und am Donnerstags Sonderschichten schieben. Wieder nichts mit Laufen.
Beim „Manager Survival Training“ entdeckten wir die Langsamkeit und taten läuferisch eher nichts als wenig und mein schlechtes Gewissen nagte weiter. Und weil ich gestern Abend schon wieder den „Couchpotato“ gegeben habe, habe ich mir nach Köln das kleine, aber sehr nützliches Paket mitgenommen.

In dem Paket waren eine kurze Laufhose, ein kurzes Laufshirt, eine Windjacke, die ich aber nicht brauchte, die GARMIN 310, ohne die ich keinen Schritt mehr machen will, meine Ersatzlaufschuhe, die Kompressionsstrümpfe, eine Kappe und natürlich ein kleiner Trinkrucksack. Ich hatte so ziemlich an alles gedacht, nur nicht an eine Stirnlampe und auch nicht an eine Kamera und das am Tag der PHOTOKINA!
Und dann lief ich vom Parkplatz 22 beim Messegelände Köln-Deutz erst einmal an den Rhein, über die Brücke und dann immer den Rhein entlang. Kurz hinter der Innenstadt sah ich dann rechts ein weißes Schild: „Zufall – nur für Bedienstete!“ Ich habe keine Ahnung, was das Schild aussagen will, aber irgenwie fand ich den Text lustig und ich lief weiter. Das Schild fotografieren war ja in Ermangelung einer Kamera leider nicht möglich.
Bald kam ich auf einen Teil des KÖLNPFADS, dem ich sehr lange folgte, bis er weit hinter Köln-Rodenkirchen nach rechts abknickte und ich geradeaus weiter lief.
Obwohl ich langsam laufen wollte, überholte ich insgesamt fünf Läufer und ich lief einen Schnitt, der, wie ein Läufer beim Münster Marathon sagte, war wie sein Notenschnitt: eine glatte 6.

In Köln-Godorf erledigt sich das mit dem Laufen am Rhein und Du machst einen großen und wahrlich nicht schönen Bogen um den Hafen und die dortigen Industrieanlagen. Wenn die Häuser Köln-Godorfs und Wesselings, zumindest die an der Durchgangsstraße, nicht so hässlich wären, dann hätten diese Industrieanlagen beste Voraussetzungen für die Kür zum „Schandfleck des Ortes“. So aber müssen sich die Fünfziger Jahre Bauten an der Durchgangsstraße um diesen wichtigen Titel streiten.


In Wesseling machte ich dann eine kleine Pause in einem Kiosk, in dem ich ordentlich trank und danach zwei Riegel zu mir nahm. Etwas mehr als ein Halbmarathon waren gelaufen, knapp über 2 Stunden hatte ich dafür gebraucht, ich war zufrieden. Ich hatte keine Lust, wieder an den Rhein zu laufen und wollte einfach an der Straße bleiben. Der Fahrradweg war breit und in einem sehr guten Zustand. Aber schon kurz hinter Wesseling ärgerte ich mich über meine Idee. Der Fahrradweg war nämlich plötzlich weg. Ein Fahrradweg weg  gewissermaßen.
Aber zurück gehen wollte ich auch nicht, also lief ich ganz links auf der Bundesstraße, während es immer etwas dunkler wurde. Jeweils nach zwei Kilometern kam wieder ein Ort und damit wieder ein Bürgersteig, aber nach dem Ort war eben vor dem Ort, also wieder der Lauf auf der linken Straßenseite.
Was sich die Autofahrer wohl gedacht haben mögen?

Erst in Bornheim-Widdig fand ich eine parallele Straße, die Gartenstraße, die ewig lang war und sich durch Bornheim-Hersel fortsetzte. Dort, am Ende von Hersel, sah ich dann einen Lidl an der Hauptstraße und ich schloss messerscharf, dass dort, wo ein Lidl ist, auch ein Fahrradweg sein müsste. Und das stimmte. Noch einen Kilometer bis Bonn. Inzwischen war es schon richtig dunkel und ich rief meine Gabi an, damit sie mich abholen kommt.
Dann erreichte ich die Kölnstraße in Bonn und ich lief sie immer geradeaus. Die Kölnstraße in Bonn ist wirklich sehr lang, ich habe das als Autofahrer schon immer bemerkt, als Läufer ist sie schier unendlich. Ganz am Ende, direkt an der Kreuzung zum Kaiser-Karl-Ring, traf ich mich dann mit Gabi und so war mein Lauf nach rund 36 Kilometern zu Ende.
Das schlechte Gewissen ist für heute erst einmal weg und ich fühle mich ein wenig besser vorbereitet für den Lauf in Brugg am kommenden Wochenende. Aber einen langen Lauf will ich vorher noch machen, wahrscheinlich am Donnerstag.

Dann hat das schlechte Gewissen endgültig verloren.