Eines Deutschen Laufweg II …

Der terroristische Angriff auf die Luftfahrt war also aufgeflogen und verhindert und so konnten wir beruhig Richtung Osten abheben.
Kaum hatten Susanne und ich einen Teil der Neuigkeiten untereinander ausgetauscht, landeten wir auch schon wieder. Eine gute Stunde kann doch sehr kurzweilig sein.
Wir wurden noch im Flughafen von Hauke König und Thomas, unserer „Mutter der Truppe“, abgeholt. Irgendwie findet man sich wichtig, wenn hinter der Absperrung jemand auf einen wartet.
Thomas ist ein interessanter Typ. Ich hätte ihn der rastlosen Kolonie der Harley-Davidson-Fahrer zugeschrieben, in Wahrheit liebt Thomas aber eine Ente. Mit dem 2CV von Citroen, eben der legendären „Ente“, hat er schon so einiges erlebt. So fuhr er damit quer durch die Vereinigten Staaten, durchquerte damit den Kontinent Australien und er dokumentiert seine stille Liebe auch dadurch, Mitglied in einem 2CV-Club zu sein. Sein größter Wunsch war es, am Mittwoch nach dem Lauf bei einem „Enten-Treffen“ in Süddeutschland vor Ort zu sein.
Und Thomas machte einen Vorschlag, nämlich den, zum Griechen zu gehen. Er habe dort, so sagte er, ein All-U-Can-Eat Buffet für kleines Geld gesehen.

Griechisches Essen ist eigentlich nicht wirklich meine Welt. Es ist extrem fleischlastig und zudem wird viel Knoblauch verwendet. Aus Rücksicht auf Haukes Wohnmobil habe ich mich beim Knoblauch sehr zurück gehalten, denn die Gerüche und die Ausdünstungen von vier mit Knoblauch vollgepumpten Personen können die Außenwände eines Wohnmobils schnell nach außen ausbeulen und dieses so zur Kugel werden lassen.
Und abgesehen davon, dass ich ja sowieso kein Fleisch esse, hätte es mich auch gewundert, wenn die Tiere, die für dieses Buffet ihr Leben lassen mussten, einigermaßen artgerecht gehalten worden wären. Noch ein Grund mehr, zumindest auf dieses Fleisch zu verzichten.

Aber ich kam auch so auf ein gutes und ein einigermaßen gesundes Abendessen mit viel Salat und viel mit Tomatensauce durchmischtem Reis, mit gefüllten Weinblättern und leckeren Oliven. Carboloading einmal ganz anders.

Beim anschließenden Tischgespräch mit dem „härtesten Sportler der Stadt“ (Hamburger MoPo) folgten dann bei Kerzenschein die „Geständnisse im weichen Licht“ (Ulla Meinecke).

Lyrics: Ulla Meinecke – Nie wieder
Ich hab‘ dich oft gesehen und hab‘ mich nie getraut
Mal waren wir nicht allein, mal die Musik zu laut
Ein Blick von dir, ich fang zu zittern an
Geh’n wir zu mir? Weiß nicht mal, ob ich laufen kann
Ich red‘ zu viel und lach‘ zu laut
Und spür‘, du hast mich längst durchschaut
Geständnisse im weichen Licht
Und du sagst leise „Ich dich nicht.“

Verliebt, verlor’n, verbrannt
Gelacht, geweint und weggerannt
Und dann im Regen steh’n
Das Herz in der Hand
Nie wieder, bis zum nächsten Mal
Du sagst „Sein wir Freunde“, ich hab‘ hoch verloren
Ohne Halt auf dünnem Eis, ich wär‘ fast erfroren
Roxy Music, tausend mal, Tränen in der Nacht
Und dann zurück im Turm versteckt, die Brücke ist bewacht
Die Wachen sind jetzt aufmarschiert, behüten meinen Schlaf
Drachen fressen Prinzen auf, bevor ihr Blick mich traf

So sagte Hauke, dass seine Addition der Einzelstrecken nicht 560 Kilometer von Dresden nach Hamburg ergeben hätte, sondern 623 Kilometer. 63 Kilometer mehr, 16 Kilometer mehr für jeden geplanten Lauftag. Dadurch können wir die Planung entsorgen, dachte ich spontan. Mir wurde schwindlig und schummrig vor den Augen.
Thomas ergänzte zudem, dass einige Abschnitte des Elberadwegs wegen der Erhöhung der Deiche gesperrt seien. Spätestens heute weiß ich, dass es die Alternativrouten in der Nacht waren, die zu Sucherei, zu längeren und doppelt gelaufenen Strecken und zu Psychofallen wurden.
Ich hatte mich organisatorisch überhaupt nicht auf den Lauf vorbereitet. Wenn ich es aber getan hätte, dann hätte ich bemerken müssen, dass man oft über den Fluß muss, dass man mal rechtselbisch (ist das ein Dialekt?) und mal linkselbisch läuft. Da es aber nur sehr wenige Brücken gibt, ist man auf die Fähren angewiesen. Und die fahren nicht in der Nacht und am Wochenende seltener und kürzer als in der Woche. Die fatalen Folgen spürte ich dann spätestens in der Nacht von Samstag auf Sonntag. Aber dazu mehr in einem der nächsten Blog-Beiträge.


Das nächste Geständnis kam dann von Thomas. Seine Internet-Recherche hatte zahlreiche Diskussionen gezeigt, die häufig den gleichen Tenor hatten: Da laufen Drei, die sich viel zu viel zumuten und die sich maßlos überschätzen.
So ein Frust. Da tauge ich schon nichts als Terrorist – und auch nichts als Langstreckenläufer!

Und das letzte Geständnis war dann, dass bereits um 5.30 Uhr am Freitag Morgen ein Redakteur der „Dresdner Morgenpost“ zum Wohnmobil kommen würde, um Fotos zu schießen und auch, um ein paar Fragen zu stellen.
Dass wir erst kurz vor 23.00 Uhr im Wohnmobil das Licht löschen konnten, war angesichts der Weckzeit von 5.00 Uhr sicher zu spät. Zum Schlafen zog ich mir schon die kompletten Laufklamotten an, außer die Strümpfe. Das spart Zeit am nächsten Morgen.
Gute Nacht.

Eines Deutschen Laufweg …

Am Ende waren es effektiv rund 530 Kilometer auf dem Elberadweg. Für Hauke, nicht für mich. Und dennoch bin ich für jeden Schritt dankbar, den ich mitlaufen durfte, vor allem aber für die Schritte, die ich durch die Nacht mit Hauke gegangen bin, ein besseres Training für den PTL, „La Petite Trotte à Léon“, hätte es für mich kaum geben können. Dort warten immerhin fünf harte Nächte auf die insgesamt 210 Verdammten, die sich auf diese Strecke weit herum um den „weißen Berg“ machen.

Eines Deutschen Laufweg, Hauke Königs „irrer Lauf“ von Dresden nach Hamburg (Hamburger Morgenpost, MoPo vom Samstag vergangener Woche) begann für mich mit einem hektischen Donnerstag.
Viel Arbeit hält das Büro zurzeit für mich bereit, eigentlich ein Grund, die Laufschuhe nicht zu schnüren und die Nachtetappen im Büro zu verbringen. Aber so verrückt bin ich dann doch nicht …
Erst auf den „letzten Drücker“ habe ich meine Siebensachen für die geplanten vier Lauftage gepackt und mein kleiner Koffer platzte fast vor all dem Inhalt, obwohl ich mich sehr beschieden habe. Fand ich jedenfalls.
Meine Gabi brachte mich dann zum Flughafen und unmittelbar vor der Ankunft rief Susanne Alexi schon besorgt an. Aber noch durfte sie ihren Koffer einchecken, ganz glücklich sah der Mann am Schalter aber nicht aus, immerhin musste er ein Mal mit der Flughafenlogistik telefonieren. Und dann ging es auch schon zur Sicherheitskontrolle. Die üblichen Fragen, die üblichen Antworten. Aber ich hatte nicht mit Susanne’s „Red Bull“ gerechnet. Natürlich wurde die Energydrink-Dose entdeckt und der Kollege, der sie inspizierte, fragte sie, ob sie diese noch austrinken wolle. Wollte sie aber nicht.

Und Susanne hat wohl nicht mit meiner gefährlichen Fracht gerechnet. Große Aufregung herrschte, mein übervoller Koffer musste aufgemacht und ausgepackt werden, um den vermeintlichen Anschlag auf „der Ehrenmänner Wohlergehen“ im Flugzeug zu verhindern. Eine Dose äußerst gefährlichen Melkfetts sollte in meinem Koffer an Bord geschmuggelt werden, 250 Gramm Gefahrgut. Während ich noch mit dem Kollegen, der mich inspizierte, über die nur geringe Explosionsgefahr von Melkfett diskutierte und den Vorschlag machte, diese suspekte Masse als Medizin einzustufen und durchgehen zu lassen, wurden zuerst Susanne und ich über die Lautsprecher persönlich aufgerufen, dann wurden wir entsprechend nervös und anschließend erklärte mir dieser Herr, dass diese Medizin nicht verschreibungspflichtig und daher nicht für den Flug zugelassen war.

Auf den Schreck wollte ich etwas trinken und nahm Susannes „Red Bull“ Dose, die sie ja weder ins Flugzeug mitnehmen durfe noch austrinken wollte.
„Das dürfen Sie aber nicht!“ sagte mein Herr und Gebieter auf der anderen Seite des Tisches. Warum ich das nicht öffnen und trinken durfte, der andere Kollege das aber zugelassen hätte, weiß ich nicht, aber wir mussten ja schnell zum Schalter. 250 Gramm hochgefährliches Melkfett und die ungeöffnete Energydrink-Dose verschwanden im Mülleimer.

Der Bus, der uns zum Flugzeug brachte, wartete nur noch auf uns, eine peinliche Situation. Aber wenn ich den mitfliegenden Menschen im Bus erklärt hätte, dass sie nur Dank des unerschrockenen Einsatzes des mutigen Sicherheitsbeamten gegen dubioses Melkfett sicher nach Dresden fliegen konnten, dann hätten die mir vielleicht ein Schild um den Hals gehängt:
„Hier ist einer, der Terrorist werden wollte. Zum Glück hat er es nicht geschafft!“
Fortsetzung folgt …

„Sind 560 km möglich?“

Ich staunte nicht schlecht, als Hauke König diese Frage über FACEBOOK stellte. „Sind 560 km möglich?“ stand da und weiter war zu lesen, dass er die Idee hatte, den Elberadweg von Dresden nach Hamburg zu laufen.
Ich weiß noch genau, wie verrückt ich diese Idee fand und habe auch gleich geschrieben, dass das so, wie er sich das vorstellt, „vollkommener Blödsinn“ sei.

Wenn ich mir die Laufzeiten bei der „TorTOUR de Ruhr“ ausrechne, dann komme ich auf rund 8 Minuten und 20 Sekunden pro Kilometer und das, wo es tendenziell bergab geht. Das, was Hauke sich da vorgenommen hat, eben jene 560 km an vier Tagen von Freitag, 06. August bis Montag 09. August, gestartet um 6.00 Uhr am Freitag morgen, bedeutet, dass man, unterstellt, man würde bei den Kilometern 230 bis 560 nicht noch langsamer sein wie bei den ersten 230 Kilometern, über 77 Stunden reine Laufzeit hätte.

Nun hatten wir bei der „TorTOUR de Ruhr“ nur drei Mal einen Kurzschlaf gemacht, der in diesen Zahlen enthalten ist, das wird aber bei einem Lauf über vier Tage kaum ausreichen. Und man hat insgesamt nur 90 Stunden Zeit, weil ja am ersten Tag 6 Stunden fehlen. Ich glaube, dass es einfacher ist, einen dicken Zwirn durch eine sehr dünnes Nadelöhr zu pressen als dieses Vorhaben, das Hauke da postuliert hat, zu bewältigen. Ein Lauf eines Verrückten für andere Verrückte!

Aber Hauke hat danach tatsächlich zwei weitere Verrückte gefunden, Susanne Alexi und – wer war noch mal der Andere? Lauter Spinner, sage ich, größenwahnsinnig mit einer enormen Selbstüberschätzung!

Wenn aber einer von Euch dennoch Lust hat, die Drei teilweise zu begleiten, dann käme dadurch etwas Vernunft an, etwas Intelligenz würde dort einziehen.

(Klicken zum Vergrößern!)

Wie wäre es damit?