Am Wochenende gibt es original fränkischen Pfefferkarpfen …

Pfefferkarpfen mit Polenta – Muffins

Pfefferkarpfen:
Die Karpfenstücke mit Knoblauch einreiben, salzen und pfeffern und in eine feuerfeste Auflaufform legen, dazwischen die Erdäpfelscheiben, Zwiebel- und Paprikaringe und die Karottenstücke geben.
Das Ganze mit Wasser aufgießen, sodass die Filetstücke bedeckt sind. In weiterer Folge den Saft der Zitrone, einige Pfefferkörner, 1 EL Butter und den halben Suppenwürfel dazugeben.
Zum Schluß alles mit gehackten Kräutern bestreuen, mit Alufolie abdecken und ins Backrohr bei 200 Grad Celsius für 40 bis 50 Minuten geben.

Polenta – Muffins:
1/2 Liter Milch, 1/2 Liter Wasser, 3 Eckerlkäse und Salz zum Kochen bringen.
250 g Maisgrieß einrieseln lassen und ca. 10 Minuten auf kleiner Stufe quellen lassen, öfters umrühren. Danach gehackte Kräuter und 50 g Parmesan dazugeben und etwas stehen lassen.
Zwischenzeitlich ein Muffinsbackblech einfetten und mit Brösel ausstreuen, die Polentamasse dann einfüllen und bei ca. 200 Grad 20 bis 25 Minuten im Rohr backen.

Schwierigkeitsgrad: leicht
Personen: 4
Zubereitungszeit: 50 Minuten
Vorbereitungszeit: 30 Minuten
Zutaten:
2 St Karpfenfilets in portionsgroße Stücke geschnitten, Salz, Pfeffer nach Geschmack
1/2 St Suppenwürfel, Knoblauch, 1 St Zwiebel (in Scheiben/Ringe geschnitten)
2-3 St kleinere Erdäpfel (in Scheiben geschnitten)
1 EL Butter, Saft einer Zitrone, gehackte Kräuter, Pfefferkörner
je 1 St roter Paprika, Karotte (geschnitten)


Du weißt ja vielleicht, dass ich ein gebürtiger Franke bin, ein Nürnberger, um genau zu sein. Ich weiß aber nicht, ob ich an einem Freitag geboren wurde, aber falls es ein Freitag gewesen sein sollte, dann gab es zu Mittag bestimmt eine typisch fränkische Spezialität: den fränkischen Pfefferkarpfen.

Als Baby hatte ich sicherlich auf den Pfefferkarpfen wenig Lust, wahrscheinlich war mir ein Gläschen mit Karottenmus oder Griesbrei lieber. Und am Wochenende, wenn es wieder fränkischen Pfefferkarpfen gibt, werde ich wohl auch nicht mitschlemmen, sondern einen vegetarischen Gemüseauflauf bevorzugen. Die fränkischen Pfefferkarpfen überlasse ich den 29 anderen Läufern und den 5 Helfern, sie werden sich das Essen durch fleißiges Laufen redlich verdient haben.

Wobei wir beim Laufen wären, beim Pfefferkarpfen-Lauf. Im Steppenhahn-Forum habe ich zuerst von diesem Lauf gelesen, als sich ein paar Läufer darüber gestritten haben, ob es nun der Pfefferkarpfen-Lauf oder der Pfefferkrapfen-Lauf sei. Als Franke war mir natürlich klar, dass es sich um den Fisch handeln musste, aber einen Krapfen (Berliner), gefüllt mit frischem scharfen Pfeffer, inspiriert auch sehr. Ich liebe ja bittere Schokolade, die mit Chili gefüllt ist, vielleicht wäre ich auch ein Fan dieser neuen Backspezialität?
Mitte der Woche erzählte mir dann mein lieber Laufkumpel Kurt Süsser, dass er am Wochenende beim Pfefferkarpfen-Lauf dabei wäre. Er war es auch, der mir die entsprechende Einladung besorgt und so mein Mitlaufen möglich gemacht hat.

So geht es am Samstag 54 Kilometer lang als Gruppenlauf von Nürnberg-Schnepfenreuth Richtung Pommersfelden. Dort gibt es im Pommersfeldener Hotel „Grüner Baum“ für die Läufer und die Helfer eben diesen fränkischen Pfefferkarpfen. Und nach einer wahrscheinlich kurzen Nacht geht es dann am Sonntag wieder die 54 Kilometer zurück nach Nürnberg. Aber am Sonntag heißt es dann, sich zu sputen, damit ich mein Tennisspiel um 20 Uhr in Bad Neuenahr nicht verpasse.

Die ganz besondere Freude aber hatte ich heute, als die Teilnehmer-Liste per Mail erhielt. Außer dem Veranstalter Olaf Schmalfuß und Kurt Süsser sind weitere 27 Läuferinnen und Läufer dabei. Nicht alle Namen sagen mir etwas, aber auf manche freue ich mich ganz besonders.
Vor allem freue ich mich auf den lieben Gottfried „Gotti“ Oel, den ich 2009 beim SwissJuraMarathon kennen- und schätzen gelernt habe, lies dazu mal meinen Bericht „Vom ersten bis zum letzten Tag“. Wir werden sicher viel zu tratschen haben …

Klaus Neumann, der König der Ultra-Marathons, ist auch dabei. Ihn habe ich zuletzt beim Sondershausener „Unter-Tage-Marathon“ gesehen. Bewundernswert und rekordverdächtig sind seine 109 Ultra-Marathons im Jahr 2009, einfach sensationell.
Als Teilnehmer des „TransEurop-FootRace“ kamen alleine dadurch letztes Jahr 72 Ultras auf sein Konto und so beschloss er, in 2009 die 100 Ultras voll zu machen und da muss er sich wohl irgendwann ein wenig verzählt haben …
Ich erinnere mich bei Klaus auch seine Antwort auf meine erste Frage an ihn. Es war beim Eisweinlauf vor einigen Jahren und ich hatte eben erst erfahren, dass Klaus drei Mal Spartathlon und zwei Mal Badwater erfolgreich hinter sicht gebracht hat. Ich nannte das „cool!“ Klaus aber antwortete: „Nein, nicht cool. Das war heiß, extrem heiß!“

Den letzten Mitläufer, den ich erwähnen will, ist Alexander von Uleniecki aus Berlin. Mit ihm habe ich mich in den letzten Wochen ein paar Mal per Mail ausgetauscht, weil er der Ausrichter der „Berliner Mauerläufe“ ist. Ich bin sehr froh, ihn bei dieser Gelegenheit auch persönlich kennen zu lernen. Interessant ist es übrigens, die Teilnehmerliste der Mauerläufe anzusehen. Viele der Läuferinnen und Läufer des kommenden Wochenendes finden sich dort wieder. Ich bin also umgeben mit hervorragenden Läuferinnen und Läufern, Menschen mit viel Erfahrung und interessanten eigenen Geschichten.

Vielleicht erzähle ich an dieser Stelle die eine oder andere davon in den nächsten Wochen, aber nur, wenn die Läufer nicht so still sind wie die fränkischen Pfefferkarpfen, die am Samstag Abend bei den meisten von uns auf dem Speiseplan stehen.

Andreas Klotz und sein Projekt mondberge.com

Ich kenne meinen Freund Andreas Klotz schon ziemlich lange. Aber ich werde nie ganz vergessen, wie ich ihn kennen gelernt hatte.
Es war ein privates Treffen von Läufern des TV Altendorf-Ersdorf, meines Lauftreffs, irgendwann Mitte 2004, jedenfalls noch lange vor meinem ersten Marathon. Ich war ganz frisch Mitglied des Lauftreffs und war von den beiden Läufern im Lauftreff, die schon einmal einen Marathon gelaufen waren, sehr beeindruckt und saugte jedes Wort der beiden tief in mich ein. Schließlich wollte ich ja auch mal ein Marathoni werden …

Andreas Klotz war einer der beiden. Und er war mehr. Er war auch Besteiger des Kilimanjaro, des Kilis, des Uhuru Peaks. Er trug an jenem Abend ein T-Shirt mit dem einschlägigen Kili-Motiv und er erzählte mir von der Besteigung und dem Weg durch die unterschiedlichen Klimazonen hindurch bis hoch ins ewige Eis. Die Klimazonen dort scheinen schichtartig angeordnet, scheinbar von jetzt auf gleich beginnt die nächste Klimazone. Er war davon sehr beeindruckt.
Und ich erinnerte mich an das, was Jahre zuvor mein Vater mir erzählt hat. Mein Vater ist bestimmt kein Vorzeigeexemplar, wenn es um Begeisterung für Dinge geht, die andere machen, aber eines Tages kam er von einem professionellen Dia-Abend zurück, den man heute wohl Multi-Media-Show nennen würde. Dort hat der Vortragende von seiner Kilimanjaro-Besteigung erzählt. Und mein Vater brannte …
Der Vortragende erzählte und mein Vater repetierte genau das Gleiche wie später Andreas Klotz, von den Klimazonen, von der Herausforderung und von dem unglaublichen Glück, das man empfindet, wenn man auf diesem Berg steht und im Morgengrauen auf die gut 4.000 Höhenmeter unter Dir liegende Hochebene schaut.

Das war der Abend, als ich Andreas Klotz kennen lernte. Und ich buchte meine Kilimanjaro-Reise noch in der darauf folgenden Woche. Ein paar Jahre später bin ich dann mit meiner Frau Gabi und ihm in Venezuela auf den Auyan Tepui, den wohl berühmtesten der vielen Tafelberge gestiegen, den Tafelberg, von dem aus der höchste Wasserfall der Welt, der ANGEL FALL, rund 1.000 Meter in freiem Fall herabstürzt. Andreas hatte damals über diese Reise ein Buch geschrieben, Gabi hat ein paar der Fotos dafür geliefert und ich war beeindruckt von der verlegerischen Leistung.

Der Auyan Tepui - eine abenteuerliche Trekking-Tour zu den Tafelbergen in Venezuela (bei Amazon als gebundene Ausgabe erhältlich, einfach auf das Foto klicken!)

Dieses Buch war aber nur die Übung für sein nächstes, weitaus größeres Projekt.
Direkt nach der Herausgabe dieses Buches begann er mit den Vorbereitungen zu einer Reise, die seinen wirklichen Zielen im Leben entspricht. So ist Andreas ein ambitionierter und wirklich guter Landschaftsfotograf und er liebt die Natur.

„Wenn wir in der Natur etwas bewahren können, dann retten wir auch ein Stück weit unsere eigene Welt!“ hat Andreas einmal zu mir gesagt. Und so widmete er sich einer aussterbenden Tierart, die uns Menschen genetisch so nahe steht wie keine andere, die Berggorillas des ugandischen Ruwenzori-Gebirges.

(klicken zum Vergrößern)

Die Berge des Ruwenzori-Gebirges werden auch die „Mondberge“ genannt. Noch streitet man sich, ob dort der Nil entspringt, sicher ist aber, dass wenigstens ein Teil des Nils dort seinen Ursprung hat. Und wen wundert das, gibt es doch dort mindestens unglaubliche 320 Regentage im Jahr, dort, in den höchsten Bergen Afrikas, vom Kilimanjaro abgesehen.

Genannt hat er dieses Projekt: MONDBERGE.COM, ein passender Name für ein derart ambitioniertes Projekt.

Die Leitideen waren dabei, Geld für die bedrohten Berggorillas zu sammeln. So gehen mindestens 10% der Projektumsätze und 100% der Spenden direkt und zweckgebunden an die Berggorilla & Regenwald Direkthilfe e.V.„.
Ein weiterer Aspekt war das Trekking auf die drei über 5.000 Meter hohen Berggipfel der Mondberge und der dritte Aspekt war, daraus eine Reise für ambitionierte Landschaftsfotografen zu machen, die danach ihre Bild- und Videoaufnahmen in einen gemeinsamen Pool stecken, aus dem dann ein Buch hervor gehen sollte, eine Multi-Media-Show und andere Dinge, die dem Zweck der Rettung der Berggorillas dienlich sind.

Das Buch ist schon lange erschienen und ich bin stolz, eines davon Mitte November zu meinem Geburtstag erhalten zu haben.

(klicken zum Vergrößern) Perle Afrikas - Impressionen aus Uganda

Klicke hier und Du findest das Buch im Shop von www.mondberge.com. Direkt nach der ISBN-Nummer gibt es einen Link, wo Du Dir das Buch online durchblättern kannst (JavaScript vorausgesetzt). Du siehst 212 aufregende Seiten voller Farbe, Abenteuer und Tiere in der natürlichen Umgebung. Ein Muss, finde ich!

Oder Du lädst Dir hier eine Leseprobe als PDF herunter:

hoch aufgelöst, ca. 21,5 MB
geringer aufgelöst, ca. 7,4 MB

Du kannst Dich übrigens stundenlang auf der ausführlichen und mit interessanten Informationen gespickten Webseite www.mondberge.com aufhalten und etwas über die Teilnehmer lesen, über die Sponsoren des Projekts, über den Central Circuit Trail durch das Ruwenzori-Gebirge, über die Berggorillas und über vieles mehr …
Es lohnt sich wirklich.

Genauso lohnt es sich, die professionelle Multi-Media-Show anzusehen. Bei der Premiere in Rheinbach Ende Januar 2010 war ich dabei, es war ein großartiges Erlebnis. Ich hätte mir am liebsten die Trekking-Schuhe geschnürt und wäre am liebsten gleich hingeflogen. Die nächste Multi-Media-Show wird am 20. April in der Bonner Beethovenhalle (Forum Süd) ab 19:00 Uhr gezeigt. Tickets für nur 14 EUR kannst Du hier buchen.

Das Projekt statete übrigens in dem Jahr (2009), das die UNO zum „Jahr des Gorillas“ ausgerufen hatte …

Braveheart Battle in Münnerstadt – mehr Arbeit für die Bestatterschule?

In der fränkischen Stadt Münnerstadt befindet sich nicht nur das Bundesausbildungszentrum Bestatter, sondern dort gibt es auch 30 Gräber, an denen niemals Trauernde stehen ...

Ob die Veranstalter des Braveheart Battle gerade Münnerstadt als Schlachtfeld ausgewählt haben, weil es dort eine Bestatterschule gibt? Im Zweifel hat das für uns Teilnehmer ja Vorteile, es entstehen nur geringe Wartezeiten, um nach dem Scheitern auf dem „Battlefield“ in die weiche, warme Erde zur letzten Ruhe gebettet zu werden. Was in diesem Fall wohl auf den Grabsteinen stehen würde?
Andererseits kann eine Beerdigung in Münnerstadt auch ein echtes Problem werden. Wenn die Schüler der Bestatterschule sich nicht sicher sind in dem, was sie tun, kann das übel enden.

Nicht übel enden aber wird unser Kampf auf dem Schlachtfeld gegen die Barrikaden, gegen kaltes Wasser, zähen Schlamm und gegen uns selbst. Und härter als die „langen Kanten“ im derzeitigen Schnee kann es ja eigentlich auch nicht werden. Gespannt bin ich, wie die Abschnitte sein werden, wo wir durch den Schlamm robben müssen. Beim ToughGuy sind nur wenige Zeitimeter über Dir Metalldrähte gespannt, gute Gründe, den Kopf auch tief unten zu halten und immer wieder von dem teigigen Schlamm zu kosten.

Beim ToughGuy gab es auch etwas höher gehängte Netze, die scheinbar leichter zu bewältigen sind. Sind sie aber nicht, weil ruckzuck eine Schnur des Netzes einen roten Striemen auf der Stirn hinterlässt und Dein Kopf gleichzeitig in den Nacken gestoßen wird. Noch nach mehr als einem Jahr denke ich an den Schmerz, den schon das erste Netz bei mir verursacht hat. Danach habe ich mir immer einen groß gewachsenen Vorläufer ausgesucht und bin hauteng hinter ihm unter den Netzen durchgelaufen, das hat geholfen.
Das Risiko aber war, dass sich Deine Nase, wenn der Vorläufer überraschend stehen geblieben ist, mitten in der Po-Ritze dieses Läufers bohrt und Deine Wangen nehmen unangenehmen Kontakt mit den Po-Backen von ihm auf. Aber besser als einen weiteren Striemen zu riskieren. Es riecht zwar, aber es tut nicht weh.

Gespannt bin ich auch darauf, ob wir durch Wasser laufen, im Wasser schwimmen oder sogar im Wasser tauchen müssen. Sicherlich wird dieses, bestimmt unappetitlich schmutzige Wasser Mitte März nicht nur wenige Grad über dem Gefrierpunkt kalt sein, das wird den Kontakt mit dem kühlen Nass angenehmer machen.

Ob aber die Veranstalter angenehmer sein werden als Mr. Mouse vom ToughGuy oder die professionellen Kollegen vom StrongManRun wage ich zu beweifeln. Während die Veranstaltungsagentur des StrongManRuns mit dem „Ausbilder Schmidt“ einen kabarettistischen Bundeswehr-General engagieren, der Dich mit liebevollen Worten wie „Los Du Lusche!“ motiviert, sind die Veranstalter des Braveheart Battle selbst und wirklich Drill-Inspektoren der „Truppe“.
Die Liegestützen, die wir machen müssen, wenn eine Übung misslingt, machen mir schon jetzt Kopfschmerzen und sie sind wohl noch die geringsten Strafen, die uns blühen, wenn wir schwach und ausgelaugt wirken.

Noch müssen wir harte 28 Tage, exakt einen Monat, warten, bis wir erst auf dem Schlachtfeld in Münnerstadt Erfolg haben und siegen werden, um dann eines der dreißig räber in Münnerstadt zu besichtigen, an denen niemals getrauert wird, weil es ja nur Übungsgräber sind.

Wir jedenfalls werden auch nicht trauern, sondern ein oder zwei der leckeren oberfränkischen Biere im Ziel austrinken, nicht um diese zu genießen, sondern, um denen zu gedenken, die am 13. März 2010 auf dem Schlachtfeld in Münnerstadt aufgeben müssen …
Und wir trinken auf die Sinnsprüche, die im Bundesausbildungszentrum Bestatter an der Wand hängen, so beispielsweise zwischen Raum 1.16 und der Übungskapelle:

„Den eigenen Tod immer ein bisschen im Auge behalten: das beruhigt und erfrischt zugleich.“ Oder:
„Meine Tante antwortete mir neulich auf die Frage, ob sie Angst vor dem Tode habe: ›Nein, nein. Nur ein bisschen Reisefieber.‹“

Das hässliche Entlein …

Es war der 02. März 2008 in Stein/NL, kurz vor dem Start zum 6-Stunden-Lauf.
Mein Lauffreund und Lauf-Urgestein Günter Meinhold kniff mir in die Seite und sagte: „Du hast gut gegessen über den Winter, TOM!“

Ein kleiner Satz und sofort spulte sich das alte Gedanken-Programm wieder ab. Und ich sah wieder den kleinen, dicken, hässlichen TOM mit seiner Hornbrille, den unvermeidlichen Knickerbocker-Lederhosen mit den Hosenträgern, die über der Brust die traditionelle bayrische Lederspange hatten, auf der ein weißer Plastik-Edelweiß befestigt war.
Und ich hörte wieder die anderen Kinder rufen: „Dicker fetter Pfannenkuchen!“
Und ich erinnerte mich an meinen schlanken blonden Bruder, der mich gegen diese Kinder verteidigt hatte.
Für einen kurzen Moment fühlte ich mich wieder jung, hässlich und ungeliebt. Dass ich direkt nach diesem 02. März 2008 mal wieder eine Diät machte, kannst Du wahrscheinlich nachvollziehen.

(klicken zum Vergrößern) - Meine Schwester, mein Bruder und ich im Wohnzimmer in den 60er Jahren. Erst mit 12 Jahren wurde ich schlanker.

Es war der 07. Februar 2010 in Herten-Bertlich, kurz vor dem Start zum Marathon der Bertlicher Straßenläufe.
Günter Meinhold war auch unter den Startern, glücklicherweise, nachdem er wegen körperlicher Probleme seinen Laufumfang eine Weile lang deutlich reduzieren musste. Günter schaute mich an und sagte: „Du bist zu dünn, TOM! Für den Ultralauf brauchst Du mehr Kraft – und die kommt aus dem Körpergewicht!“
Also war es wieder nicht richtig, wie ich war, aber ich gehe lieber als „zu dünn“ durch als dass ich mich wieder dick und hässlich fühle.

In der Tat habe ich in den letzten 12 Monaten deutlich Gewicht verloren. Das Gesicht ist länger geworden und die Laufshirts bekomme ich jetzt alle fast zwei Nummern kleiner. Aus XL wurde L und wenn die Armlänge kein Problem wäre, dann würde ich mir sogar M geben lassen. Niemals hätte ich mir so etwas träumen lassen …

Dabei war der 07. Februar 2010 ein für mich durchaus guter Tag. Denn nach 57 (!) Tagen ohne Marathon und nach einer ebenso langen Zeit ohne nennenswertes Training, ohne wirklich lange Läufe, fühlte ich mich schlapp und demotiviert und ich zweifelte sogar, ob ich auf der Marathonstrecke überhaupt noch akzeptable Zeiten hinbekommen würde. Seit dem Berlin-Marathon im September 2009 bin ich keinen Marathon mehr unter 4 Stunden gelaufen und auch beim diesem wunderschönen Lauf duckte ich mich im Stile eines Mambo-Tänzers nur äußerst knapp unter der 4-Stunden-Schwelle durch.
Die „langen Kanten“ vom Sommer 2009 haben Spuren hinterlassen, die Grundschnelligkeit schien genauso verloren wie die Motivation, relativ wenig attraktive Laufstrecken noch mit einem gewissen Druck anzugehen.

Da ist ein Lauf wie der „Unter-Tage-Marathon“ in Sondershausen natürlich anders, da motiviert Dich schon das Event und die Location an sich. Bei Bergläufen mit grandiosen Blicken ist es ähnlich. Aber drei Runden durch Bertlich und die wenig attraktive Umgebung laufen, ständig auf vom Winter stark beschädigten Nebenstraßen? Und das ohne Training, ohne rechte Lust und bei wenig attraktivem Wetter?
Aber ich wollte es wissen, ich wollte sehen, wie lange ich brauche, bis mein Körper müde wird.

Neben Günter Meinhold waren zuhauf erfahrene und bekannte Läufer am Start und außerdem waren ein paar Starter aus dem Freundeskreis dabei. Der „Ultrayogi“ Jörg Schranz zum Beispiel, mit dem ich mir am Ende der dann hoffentlich erfolgreich bestrittenen „TorTOUR de Ruhr“ ein „Erdinger Weißbier alkoholfrei“ teilen will und auch der „Extremsportler“ Gerhard Kotman, bei dem ich viele Parallelen in der läuferischen Karriere sehe. Ich erinnere mich an den Marathon in Glimmen/NL im Winter des Vorjahres, bei dem Gerhard und ich einige Zeit gemeinsam gelaufen sind und wo wir uns ausgiebig ausgetauscht haben.

Motiviert hat mich auch ein anderes Lauf-Urgestein, der mir gesagt hat, dass er jeden Marathon mit einer „3“ vorne abschließt. Großartig, dachte ich, bis er fortfuhr, dass es machmal auch eine 3:89 wäre. Welch fantastische Idee!
Sofort wusste ich in diesem Moment, dass ich diesem Lauf den Titel 3:68 Stunden gegeben hätte, wenn ich die 4-Stunden-Marke „gerissen“ hätte. Habe ich aber nicht.
3:55:23 Stunden war am Ende die Laufzeit und ich hätte durchaus besser sein können. Aber ich war nicht motiviert genug, mich anzustrengen, als mir klar war, dass ich auf jeden Fall unter 4 Stunden enden würde. 2:39:30 Stunden für die ersten 30 Kilometer und 1:15:53 Stunden für die 12,195 Kilometer danach. Aber hätte ich mich besser gefühlt, wenn ich mit 3:52:00 eingelaufen wäre? Sicher nicht. Und mehr wäre in meinem Trainingszustand und in der aktuellen mentalen Verfassung auch nicht drin gewesen.

Also freute ich mich daran, dass ich wohl nett anzusehen war. Ganz in schwarz gekleidet, sehr schlank und als Farbklecks eine orangene Laufbrille – mächtig cool. Da war nichts mehr von dem hässlichen Entlein, das ich mal war.

Und „Dicker fetter Pfannenkuchen!“ ruft mir schon seit 35 Jahren niemand mehr nach, nur manchmal, ganz manchmal, kann ich es noch hören …

Der Dienstag war der Freutag …

… der „Marathon des Sables“ (MdS) beschäftigt mich schon sehr.

Jeder Trainingskilometer dient dazu, dort gut durch die Sahara zu kommen, jedes Schneefeld, das durchlaufen wird, wird im Geiste zu einer Sanddüne, weil das Laufen durch Schnee sehr ähnlich sein soll wie das Laufen durch den Sand. Zumindest belasten beide Untergründe die Sehnen und Bänder gleichermaßen stark, auf beiden Untergründen musst Du permanent die Fußstellung ausgleichen und eine gewisse Vorsicht walten lassen.

Der Mittelrhein-Marathon von Oberwesel nach Koblenz, immer mit Blick auf den Rhein! (http://www.mittelrhein-marathon.de)

Und Stück für Stück wird die Ausrüstung für den MdS komplettiert.
Begonnen hat das alles mit einem extrem langen Titanlöffel, mit einem superleichten Taschenmesser und mit Einmalhandtüchern, die aussehen wie Reinigungspads für die Geschirrspülmaschine, alles Dinge, die mir mein Freund und MdS-Mitstreiter Achim Knacksterdt zum Geburtstag geschenkt hat; und es ging weiter mit einer Kopfbedeckung, die tatsächlich nach australischem Standard UV-abweisend ist und mit dem Horten von Mahlzeiten, an die ich schon langsam anfange, mich zu gewöhnen. „Travellunch“ heißen diese Tütchen, die es für das Frühstück, das Mittagessen, das Abendessen und auch als Dessert gibt, glücklicherweise gibt es die auch in einer vegetarischen Version. Für mich.

Die Ausstattungsliste geht weiter mit einem speziellen Schlafsack, einem Rucksack, der das Gewicht besser verteilt und vieles mehr. Teuer ist das ganze in jedem Fall, aber so hat man wenigstens schon Monate vor dem MdS die Gelegenheit, Stück für Stück das Leiden zu üben. Zwar schwitzt Du nicht unter der heißen Wüstensonne, aber Du schwitzt beim Begleichen der entsprechenden Rechnung und leidest bei der Vorstellung, wie teuer etwas sein kann. Teuer vor allem deshalb, weil es weniger ist!
Weniger Gewicht vor allem – und jedes Gramm zählt! Und wie bei Fahrrädern, insbesondere bei Straßenmaschinen, steigen die Preise höher, je leichter das Teil ist.

Schön, dass ich beim MdS wenigstens nicht auch noch die Running Sportswear kaufen muss, sondern stolz mit meiner Lieblingsmarke ERIMA auf der Brust durch Marokko traben darf. Und die neue Kollektion kam am Dienstag, am Freutag. Und die Sachen sind so schön!
Die kurze Laufhose ist etwas anders als die vorherigen und sie hat jetzt einen seidig anmutenden schwarzen Streifen eingenäht. Aber das, was ich am meisten liebe, ist geblieben: das Netz im Schritt.

Jetzt werden die Sachen noch beflockt bzw. beflext und alles passt.
Den neuen Prospekt kannst Du hier einfach downloaden:

Und weil ERIMA ganz neu ein Partner des Mittelrhein-Marathons vom 29. Mai 2010 ist und ich ja zwei Marathons hinter meinem Zeitplan bin, habe ich mich dort auch gleich angemeldet.

Aber bis dahin bin ich ja schon wieder aus Marokko zurück, hoffentlich behängt mit der Medaille, nach der ich schon so lange sehnsüchtig giere …