Der Kater nach dem MIAU

Es ist bald Mitternacht, irgendwo vielleicht 25 Kilometer vor Innsbruck.
Österreich hat viele wunderschöne Stellen, diese Stelle hier in dem Tal vor Innsbruck gehört sicherlich nicht dazu. Schon gar nicht, wenn es dunkel ist.

„Warum tust Du Dir das an?“ frage ich mich. „Brauchst Du so viel Frust und Pein wirklich?“

Ich habe mich ein paar Mal schon fast verlaufen, aber bisher war das noch akzeptabel. Mein Glück war, dass ich sehr früh gestartet bin, schon um drei Uhr, statt der beiden normalen Starts um 5 Uhr für die anderen und um 7 Uhr für die schnellen Läufer.
Ich war zwar nach der langen Trainingspause nicht so unfit wie ich es befürchtet hatte, aber ich habe zu diesem Zeitpunkt in der österreichischen Nacht längst vom Laufen auf eine Mischung aus schnellem Gehen, meinem gefürchteten Stechschritt, und Laufen umgeschaltet, wobei das Gehen das Laufen immer stärker überwiegt.
Ich weiß genau, dass die Wegmarkierungen über diese Brücke geführt haben, aber jetzt finde ich keinen Weg mehr, keinen Anschluss und ich habe keine Idee, wie es weiter gehen könnte.

Zu meinem Glück kommt mir der Nürnberger Armin Roucka entgegen. Er sucht auch das, was ich nicht finden konnte. Wenn man aber gemeinsam verloren ist, dann beruhigt das ein wenig und wir entscheiden uns, einfach der Bundesstraße 171 zu folgen, einfach Richtung Innsbruck. Keine schlechte Idee eigentlich, wenn da Bürgersteige gewesen wären. Die aber gab es immer nur in den Örtchen, um danach wieder zu verschwinden.


Also laufen wir hintereinander auf der linken Seite, bewaffnet mit einer Sicherheitsweste, dem Kopflicht und der Erkenntnis, dass es so weit nicht mehr sein kann, nicht mehr sein darf.
Wie aus dem Nichts erscheint dann aber irgendwann doch wieder ein Richtungspfeil. Ich könnte jubeln, aber dafür bin ich zu müde und zu kaputt.
Armin lässt sich jetzt wieder etwas zurück fallen, vielleicht war ihm mein Stechschritt zu schnell oder meine immer seltener werdenden Ausflüge ins Laufen. Armin ist schon in einem Zustand, in dem er ausschließlich noch gehen will, es sei ihm gegönnt, denke ich, immerhin ist er zwei Stunden nach mir gestartet.
Vielleicht wollte Armin aber auch nur meiner Konversation entgehen. Oder Ruhe haben.
Der Radweg nach Innsbruck nimmt überraschende Wendungen, die ich glücklicherweise alle sehe. Nur Armin sehe ich nicht mehr und so hoffe ich, dass er diese Tücken ebenfalls erkennt.

Aber irgendwann erwischt es mich doch wieder, das Verlaufstierchen.
Ich schwanke und rate und nehme das Roadbook zur Hand, das, nebenbei bemerkt, extrem schlecht gemacht war.
Aber ich brauche in diesem Moment doch keine Hilfe, weil mir geholfen wird. Eine der Betreuerinnen eines längst vergangenen Verpflegungspunktes sieht mich und erklärt mir, dass ich am einfachsten wieder die Bundesstraße entlang gehen sollte bis zum Kreisverkehr, dort die erste Ausfahrt nach rechts nehmen, dann wäre es gleich bei den „Kristallwelten“.
Es ist weit bis zum Kreisverkehr und es gibt wieder keinen Bürgersteig und so trotte ich vor mir her, versuche, die PKW-Fahrer mir meinem Kopflicht nicht allzu sehr zu stören, hoffe, nicht von den hell aufgeblendeten Fernlichtern irritiert zu werden und beschließe, jeden Autofahrer irgendwann auch einmal anzufahren, der das in den nächsten Stunden mit mir tun will.
Will aber keiner.

Der Kreisverkehr kommt näher, die Ausfahrt kommt, ich frage mich, ob die Ausfahrt für mich eher ein Ausgang ist, ich fahre ja nicht – und ein Auslauf kann es auch nicht sein, weil ich kaum noch laufe und so trotte ich Schritt für Schritt weiter, bis ich ein Schild sehe, auf dem steht: „Kristallwelten“ nach links. Und links sind auch diese „Kristallwelten“, das Imperium der Swarovski-Steine. Ich schaue noch einmal auf dem Roadbook nach. „Gegenüber den „Kristallwelten““ steht da, also hat die Kollegin, die mir vorhin den Weg erklärt hat, diese Abbiegung vergessen.
Ich schlurfe nach links und wieder nach rechts und befinde mich auf dem großen Parkplatz von Swarovski, niemand sonst ist da, vor allem aber kein Verpflegungspunkt. Da glitzert und funkelt auch nichts. Der Parkplatz vor dem Kristall-Imperium ist öde und staubig wie der Parkplatz vor einem örtlichen Bauhof.


Das einzige, was blinkt, ist Daddy Kalinowski, ganz weit hinten, auf der Straße, auf der ich wäre, wenn ich nicht nach links abgebogen wäre. Er hat mich gesehen und so versuche ich, diesen letzten Verpflegungspunkt, den VP7, zu erreichen.
Susanne Alexi war auch da, mal wieder. Und Julia Vieler.
Ein Stück Vertrautheit.
Ich muss im Himmel sein.

Ich nehme nur wenig zu mir, weil ich weiß, dass ich für die restlichen 20 Kilometer noch über 12 Minuten pro Kilometer Zeit hätte, um wenigstens unter de2 24-Stunden-Marke zu bleiben. Da geht noch was, denke ich.
Keine 6er-Zeit mehr, aber so eine 8er Zeit, die sollte schon drin sein. Bis dahin bin ich immer in 5-Kilometer-Einheiten gelaufen und ich habe darauf geachtet, dass ich nie mehr als 40 Minuten dafür gebraucht habe. Auch nicht am Berg, auch nicht, wenn ein Verpflegungspunkt etwas Zeit gekostet hatte.
Auf ebenem und asphaltiertem Geläuf sollte das also möglich sein.

Susanne hilft mir noch, meine Batterien des Kopflichts erst in der Bauchtasche zu finden und dann zu wechseln. Diese Lektion habe ich beim RheinBurgenWeg-Lauf gelernt. Wenn Du versuchst, in stockdunkler Nacht die Batterien zu wechseln, dann bist Du verloren. Nur bei Vollmond kannst Du auf eine zweite Lampe oder einen Lauffreund, der Dir leuchtet, verzichten.

Ein schneller Läufer, wohl einer von denen, die vier Stunden nach mir gestartet sind, begleitet mich ein Stück. Ich weiß nicht wer, ich weiß nicht warum, aber ich weiß, dass mir das sehr gut tut. Nach einer Weile aber ist er vor mir. Mein „Slowtab“ hat ihm wohl nicht gefallen. Und ich musste auch wieder ein paar Schritte gehen.
Er bleibt aber in Sichtweite. Lange.

Genau so lange, bis ich mich wieder verlaufe.
Rechts? Links? Geradeaus? Niemand ist zu sehen, keine Wegmarkierung ist zu erkennen, aber ein Licht. Eine Tankstelle. Dort bekommst Du mehr als nur Benzin, dort gibt es auch Rat.
Drei Männer sitzen dort in dem durch dickes Glas abgetrennten Teil, stark rauchend, um dem Namen dieser Raucherecke Ehre zu machen. Ganz kurz frage ich mich, ob Raucher nur deshalb rauchen, damit sie nicht für eine Viertelstunde zu den Nichtrauchern gehören.
Aber sie sind sehr nett und begrüßen mich wie einen alten Freund, das macht Mut und sie fragen mich, ob ich auch zum „Goldenen Dachl“ will. Da waren wohl schon mehrere auf die gleiche Idee gekommen wie ich.

Aber warum können die Drei nicht einfach eine klare Frage beantworten? Wo, Sacklzementnocheinmal, geht es auf den Radweg nach Innsbruck?
Was ich aber erlebe, ist, dass zwei der drei sich streiten. Der eine will mir wohl den Weg zum Radweg erklären, der andere hat einen viel einfacheren und sichereren Weg, auf den die beiden sich einigen. Sekunden fühlen sich an wie Minuten, wie Stunden gar, bis ich mit der Botschaft aus dem verqualmten Glaskäfig gehen darf, die Straße entlang zu laufen, dann beim „Red Zack“ Elektrohändler nach rechts einzubiegen, anschließend über das Feld auf dem Feldweg zu gehen und dann wäre ich auch schon im nächsten Örtchen.
Dort dann direkt nach links und dann „einfach die Bundesstraße entlang“. Ich wusste es!
Die Bundesstraße 171 nach Innsbruck hat es auf mich abgesehen.


Ich will nur noch nach Innsbruck, will mich nicht erneut verlaufen und so folge ich diesem Rat und der Bundesstraße und spare.
Insgesamt wohl so um die 2 Kilometer, denn meine GPS-Uhr, auf der beim VP7 noch rund 2 Kilometer mehr standen als auf dem Roadbook, zeigt einen Abschlusswert von 159,1 Kilometern, fast exakt das, was im Roadbook als Endstand angekündigt war.

Sogar zwei Polizeistreifen fahren ohne Meckern an mir vorbei, Bürgersteige gibt es wieder hauptsächlich nicht und PKW-Fahrer blenden zwar für entgegen kommende PKWs ab, nicht aber für entgegen kommende Läufer. Vielleicht tun sie das nicht, weil der PKW Fahrer sich mit seinem Fernlicht rächen könnte, mein Kopflicht vermag so viel Licht nicht herzugeben.
Ich bin im Tran, als ich in Innsbruck ankomme, ich fühle mich ausgelaugt und leer. Stolz sieht anders aus.

So viel zum Kater nach dem MIAU.

Selbst laufen?

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„Halte Dir ja den 3. September frei,“ sagte „Eule“ zu mir.

„Eule“ ist ein lieber und auch recht schneller Lauffreund aus Altenahr, der aber, bis ich ihn mit nach Luxemburg zum „Trail Uewersauer“ mitgenommen hatte, noch nie über die Grenze des Marathons gelaufen war. Überhaupt waren ihm Gedanken an Entfernungen jenseits der Marathon-Markierung fremd, fast sogar suspekt.
Und dann lief er einen – und jetzt organisiert er einen.
So kann es gehen …

„Eule“ ist ein interessanter Typ. Er ist einer der wenigen, die es geschafft haben, ihren kultivierten Spitznamen sogar ins Telefonbuch zu bekommen. Vorname: „Eule“ steht da, den richtigen Vornamen kennt er wahrscheinlich selbst auch nicht mehr.
Gerne gehe ich mit ihm zum Laufen, ob nun auf einen Wettkampf, wo er mir immer schon das Finisher-Getränk anreichen kann, bis ich im Ziel bin oder einfach auf eine der schönen Trainingsstrecken rund um das wunderschöne Städtchen Altenahr.
„Eule“ wiederum verfolgte meine Ultra-Läufe zuerst mit Argwohn, später dann mit Interesse und irgendwann, da bin ich mir sicher, wird auch im der Marathon alleine nicht lang genug sein, spätestens dann, wenn er irgendwann langsamer wird.

„Wir haben extra eine Strecke oberhalb der Marathon-Grenze ausgesucht – für Dich. Und für Deine Freunde. Informiere die bitte alle darüber!“ Lieber „Eule“, das tue ich hiermit gerne.

Gestartet wird dort, wo wir („Eule“, die anderen Altenahrer Läufer der Laufgruppe „Selbstläufer Altenahr“, meine Gabi und ich) in der Sylvesternacht von oben auf das Altenahrer Feuerwerk sehen konnten, wo wir bei einem schönen Buffet und guter Stimmung im Kreise dieser Alt-Achtundsechziger das neue Jahr willkommen geheißen haben, an der Martinshütte bei Altenahr.
Wenn an diesem Abend in diesem Kreis ein Meinungsforscher nachgefragt hätte, dann hätte es wohl nach einer Zwei-Drittel-Mehrheit für „Die Grünen“ ausgesehen.

Viele Vegetarier waren da, Veganer, aber dennoch gab es auch „totes Tier“ auf dem Buffet, eine sensationellen Weinkollektion, natürlich von der Ahr, natürlich von einem Läufer, der ein recht großes Weingut hat und ein ganz besonderes Händchen für Kuvees hat, es war als farbenfroh, aber mit Tendenz grün.
Und so grün sollen auch diese Läufe sein, vom Schülerlauf angefangen bis hin eben zu dem einzigen Lauf, der uns interessiert, dem 47K Ultralauf.

Hügelig wird es sicher sein, dort geht es ja auch nicht anders, aber eben nicht bergig, das geben die Weinberge aus Schiefergestein nicht her. Ich selbst kenne keine Streckenführung, aber ich bin sicher, dass „Eule“ genau weiß, was wir Läufer wollen. Es sollte also trailig sein, viel durch den Wald gehen, nur wenige Straßenetappen haben – ich bin sehr gespannt, wie diese Wünsche berücksichtigt werden.

Die „Selbstläufer Altenahr“ sind eben auch die Organisatoren dieser Läufe, die für ganz kleines Geld (der Ultra kostet auch nur Mitte 20 EUR) bestimmt ein ganz großes Event starten. Es ist immer gut, wenn die Organisatoren eines Laufs selbst Läufer sind, die wissen dann, was wir für unsere zarten Körper brauchen.
Und bei so vielen Argumenten für das Laufen am 3. September 2011 werde ich dann wohl dort auch selbst laufen müssen.

Ach ja, Anmeldungen? Gerne über mich, die Webseite gibt noch nichts her …

Die Lehre von der Leere …

Von Nürnberg in das Eifelstädtchen Nürburg, so hatte ich es angekündigt.

Es war eine Idee, die mir spontan kam, als ich von dem Schreibfehler eines Mitarbeiters der Agentur erfuhr, die den StrongManRun durchführt und der die Eifelstadt mit der Frankenmetropole verwechselt hat. Zwar hat man das schon nach zwei, drei Tagen korrigiert, bei mir allerdings sind Fragen entstanden.
Fragen nach mir und meinem Leben.

In Nürnberg wurde ich geboren, nahe dem Eifelstädtchen Nürburg wohne ich seit mittlerweile über 20 Jahren. Am vergangenen Montag hatten meine Gabi und ich unseren 25. Hochzeitstag und so ungewöhnlich, wie wir geheiratet haben, so ungewöhnlich wollte ich auch diesen ganz besonderen Tag verbringen. Wäre der Start eines großen Laufs nicht ungewöhnlich genug für so einen Jubeltag?
Und 2011 ist auch deshalb ein für mich besonderes Jahr, weil ich in diesem Jahr zum fünften Mal „nulle“.

An das erste Mal erinnere ich mich gar nicht mehr, das zweite Mal war der Eintritt in das selbständige, fast erwachsene Leben.
Mit dem dritten Mal begann meine Identitätskrise, weil ich plötzlich nicht mehr jugendlich-jung war und beim bisher letzten Mal verabschiedete ich mich endgültig von der Illusion, noch irgendwie zu den jungen Menschen zu gehören.

Noch bietet man mir in der U-Bahn keinen Seniorensitzplatz an, aber der Umgang mit jungen Menschen ist zweifellos schwieriger geworden. Manche Freunde meiner Tochter siezen mich, obwohl ich das explizit anders erbitte und ich begreife die Sorgen und Nöte junger Menschen nur noch bedingt.

Beim dritten Mal „nullen“ begann ich, mein eindimensionales, langweiliges und ausschließlich auf die berufliche Arbeit ausgerichtetes Leben zu ändern. Ich begann, Tennisstunden zu nehmen, um wenigstens etwas Sport zu treiben und ich begann, auch Klavierstunden zu nehmen, um meine musische Seite weiter zu entwickeln.
Tennis spiele ich noch immer, das Klavierspiel aber fiel nach gut sieben Jahren dem beruflichen Stress zum Opfer, vielleicht ergibt sich jetzt, da ich mein Leben neu ordnen muss, wieder eine Möglichkeit, daran erneut anzuknüpfen.

Beim vierten Mal „nullen“ sah ich in den Spiegel und ich war erschrocken von dem, was ich sah. Aus dem schlanken jungen Mann, der mit Ende 20 noch Jeans in der Größe 28/34 gekauft hat, war ein saturierter Mann geworden, dem die Natur gedroht hat, auch mit 34/34 nicht mehr hin zu kommen, ein Alarmzeichen.
„Wenn die erste Zahl bei den Jeans höher ist als die zweite, wenn Du breiter wie hoch bist, dann stimmt etwas nicht in Deinem Leben,“ dachte ich mir und ich begann zuerst mit einer BCM-Diät und dann, 2 ¼ Jahre später, mit dem Laufen. Das war im April 2004.
Heute bin ich mir sicher, dass diese Entscheidung die vielleicht bedeutendste Entscheidung war, die ich in den letzten 20 Jahren getroffen habe.
Ich bin zum Glück nicht so geworden, wie ich mich damals, mit 40 Jahren, gesehen habe, wenn ich irgendwann 50 Jahre alt sein werde. Ich bin nicht träge und dick, ich bin auch nicht satt und selbstgefällig. Mir geht da nie die Szene aus Asterix „Obelix GmbH & Co. KG“ aus dem Kopf, wo der junge Technokratus über den dicklichen Senator Sozialstatus sagt, was aus diesem jungen und schlanken Tribun geworden ist. Er sei träge und fett geworden und denke nur noch ans Essen. Darauf fragt der halb schlummernde Sozialstatus: „Ist schon angerichtet?“
Nein, so wollte ich wirklich nicht werden!


Was aber passiert mit mir, wenn ich Mitte November wirklich zum 5 Mal „nulle“?

All diese Überlegungen führten mich zu der Überlegung, dass ein Lauf von meiner Geburtsstadt gewissermaßen „nach Hause“ Sinn macht, dass der Starttag der Tag der Silberhochzeit sein sollte und dass der Abschluss des Laufs der StrongManRun sein sollte. Die Kölner Agentur war spontan begeistert und sagte mir viel Unterstützung zu.
Ich suchte dann weitere Unterstützer, die ich in Udo Schick als Starttages-Mitläufer und in Torsten Riemer als Supporter in der ersten Nacht, der Nacht, in der ich durchlaufen wollte, fand. Auf die beiden habe ich mich am meisten gefreut und den beiden absagen zu müssen, hat mich tief bewegt und schwer getroffen.
Ich fand Unterstützung bei meinem besten Laufkumpel Achim Knacksterdt, bei dem ich, so das Ziel, in der zweiten Nacht, also der ersten Nacht mit Schlaf, verweilen wollte und ich fand spontane Unterstützung bei den „Runningfreaks“ Steffen und Melanie, bei denen ich planmäßig am dritten Lauftag zum zweiten Frühstück gewesen wäre.
Und ich war dankbar, dass Florian mir die Chance gab, auf diesem Lauf die superflachen INOV8 – Schuhe zu testen, von denen ich so viel Gutes gelesen habe. INOV8 hat nun also „etwas gut“ bei mir und so verschiebe ich den ausgiebigen Test also auf Mitte Oktober.

Mit dem Konzept der INOV8 Schuhe beschäftige ich mich schon, seit dem ich Florian auf einem „Survival Trainings Wochenende“ im Herbst 2010 kennen gelernt hatte. Da gibt es ja die unterschiedlichsten Theorien zu Laufschuhen. Vorderfußläufer, Fersenläufer oder eben, wie INOV8 das sieht, Mittelfußläufer.
Es gibt dicke Sohlen mit ungeheurer Dämpfung einerseits, andererseits gibt es auch das Konzept von INOV8, das Dir nur superdünn, dünn und maximal 8 mm Sohlenstärke anbietet. Wie ich damit klar kommen würde, das wollte ich bei diesem langen Lauf testen.
Im Grunde ist es so wie bei Schuhen, die speziell für Überpronierer wie mich gemacht sind. Die einen schwören darauf, weil der Fuß stabilisiert wird, die anderen verweisen auf die Faulheit des Körpers und stellen fest, dass Muskeln nicht entstehen oder gar zurück gebildet werden, wenn sie nicht gebraucht werden. In dem Maß, in dem Du also die Füße entlastest, in dem Maß verminderst Du auch die Notwendigkeit für Deinen Körper, hier durch die Bildung von Muskeln und Stützgewebe aktiv gegenzusteuern, warum sollte der Körper das auch tun?
Und da denke ich oft an die bedauernswerten Frauen dieser Welt, die einem skurrilen Schönheitsideal folgend, sich ständig Ringe um die Hälse legen. Auf Dauer getragen darfst Du die dann nie wieder abnehmen, weil die Halsmuskeln, die ja keine Leistung mehr vollbringen müssen, sich soweit zurück bilden, dass sie nicht mehr in der Lage sind, den Kopf zu tragen.
Oder die frühere perverse Situation, dass den Chinesinnen die Füße stramm eingewickelt wurden. Schon nach wenigen Jahren war ein Leben ohne die einschnürenden Bänder nur mit Höllenqualen zu ertragen.
Ob also eine dauerhafte Entlastung des Körpers tatsächlich Sinn macht, ist durchaus zweifelhaft. Und das werde ich im Oktober dann detailliert testen.

All diesen Menschen, die mich unterstützen wollten, danke ich von Herzen. Wenn ich diesen Menschen durch das Streichen des Events weh getan habe, dann entschuldige ich mich auf diesem Weg bei ihnen. Einzig die Kölner Agentur, die den StongManRun für Fisherman’s Friend durchführt, war eine einzige Enttäuschung.
Wenn Du in Köln in der Altstadt innerhalb von Minuten mit jedem Deiner Nachbarn besten Kontakt bekommst und Du von jedem für einen der nächsten Tage zu einem Besuch eingeladen wirst, dann weißt Du, dass das Floskeln sind. Erscheine bloß nicht am nächsten Tag bei diesen Menschen zu Hause, Du würdest Unverständnis ernten. Zumindest eine Kölner Agentur hat dieses Lebensgefühl auch in die eigene Arbeit übernommen und war ständig darum bemüht, am Tag nach einem Telefonat oder nach einer eMail den Inhalt des Gesprächs und den Inhalt der eMail schnell zu vergessen. Ich aber vergesse das nicht.

Und so stand ich vergangene Woche plötzlich deprimiert und enttäuscht da. Durch die viele Arbeit der letzten Wochen, durch die vielen Reisen durch ganz Deutschland fühlte ich mich untertrainiert, durch die Erklärung der Agentur, ganz elementare Dinge vergessen zu haben, fühlte ich eine innere Leere, richtig leer und perspektivlos.
So griff ich nach dem Telefon und rief den Läufer an, dessen Urteil mir besonders wichtig war. Achim sagte dann nicht nur, dass allein der Grund, einen Lauf im Blog angekündigt zu haben, nicht bedeuten kann, dass diese Ankündigung nicht reversibel ist, wenn es eben nicht passt. „Gerade Läufer wissen, dass nicht alles nach Plan gehen kann,“ sagte Achim. Er kam sogar auch noch mit dem Vorschlag, dass er mir helfen würde, ab dem 12. Oktober gemeinsam die entstandene Scharte auszuwetzen. Ein toller Vorschlag, ein gemeinsamer langer Lauf, der mir wieder Kraft und Mut gab und so freue ich mich auf die Tage ab dem 12. Oktober.

Udo Schick und Torsten Riemer nahmen meine Absage auch ohne Probleme an und mit Florian werde ich die entstandene Situation spätestens Ende April besprechen.

Und die Lehre von der Leere?
Es ist gut, Freunde zu haben. Freunde, die Dich auch unterstützen, wenn es Dir schlecht geht, wenn Du Deine Ziele nicht erreichst und wenn Du Zuwendung und neue Ziele brauchst.
Und noch etwas habe ich gelernt: die Welt hat nach der Event-Absage nicht aufgehört, sich zu drehen, mein Kopf ist noch immer am alten Platz und die Lauffreunde, mit denen ich gestern läuferisch unterwegs war, haben mein scheinbares Problem überhaupt nicht thematisiert.

Läufer sind eben die besseren Menschen.

Wenn Marathon einfach nicht reicht

Rhein-Burgen-Weg-Ultralauf über 108 Kilometer und 4.000 Höhenmeter

Was ist schon ein Marathon über 42,195 Kilometer gegen die Leistung, die 19 laufbegeisterte Extremsportler am vergangenen Wochenende auf dem Rhein-Burgen-Weg vollbracht haben? Insgesamt 108 Kilometer und 4.000 Höhenmeter galt es für die Ultraläufer um die beiden Initiatoren  Thomas Eller und Achim Knacksterdt zu bewältigen.

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„Ein bisschen verrückt sind wir schon“, lautet der Tenor der Gruppe. Verrückt aufs Laufen halt, und das über alle Grenzen hinaus. Beginnend in Koblenz um 13.40 Uhr am Samstag, schafften es die ersten der 18 Läufer bereits um 8.50 Uhr am Sonntag ins Ziel nach Bingen. Vier stiegen unterwegs aus.

Ausgerüstet mit GPS und Stirnlampen stellten sie sich der Herausforderung, den Rhein-Burgen-Weg auch nachts zu laufen. Begleitet vom Rhein, als schwarzes Band ständiger Begleiter, ging es über Stock uns Stein. Über breite Wege, schmale Pfade und alpine Trails. Der Lauf war psychisch wie physisch eine große Herausforderung.

Viele der Läufer haben schon an ähnlichen Events teilgenommen. Besonders stolz sind die Organisatoren über die Teilnahme von Michael Irrgang, einem der Top-Langstreckenläufer Deutschlands.

Erschöpft, aber glücklich erreichten die Ultraläufer das Ziel in Bingen. „Wir haben unsere Grenzen kennengelernt“, zog die Gruppe ihr Resümee, „wir hatten optimales Laufwetter, eine super Strecke, drei tolle Verpflegungspunkte und motivierte Läufer“ sagte Thomas Eller zum „Trainingslauf unter Freunden“.


active
-Tipp: Es muss ja nicht gleich ein solcher Gewaltmarsch sein. Aber Wanderungen am Rhein stehen hoch im Kurs. Spezielle Angebote dazu gibt es hier.

active-Info:
Romantischer Rhein Tourismus, Loreley-Besucherzentrum, St. Goarshausen, Tel.: 06771/9593819, www.rheinburgenweg.com, www.romantischer-rhein.de.

Der RBW – besser kann man ihn nicht beschreiben …

Im Forum „Trail Running“ auf „Wer-kennt-Wen“ (WKW) hat Thomas Hagel einen Kurzbericht über den RheinBurgenWeg-Lauf (RBW) geschrieben, den ich einfach unkommentiert weitergeben will.
Besser, finde ich, kann man diesen Lauf wirklich nicht beschreiben …

Thomas Hagel – 15.03.11, 00:45

Der beeindruckendste Lauf den ich bisher gemacht habe!!!!

Einen Riesendank an die Organisatoren Tom Eller und Achim Knacksterdt, Wahnsinn, was ihr da auf die Beine gestellt habt!!!! Die Organisation, einfach Extraklasse!!!! Alle und ich meine ALLE!!! die uns an der Strecke verpflegt haben und sich für uns da die Nacht um die Ohren geschlagen haben, ich danke euch im Namen aller Teilnehmer!!!

Das Teilnehmerfeld von 15 Läufern und 3 Läuferinnen, es hat Spaß gemacht und ich habe mich gefreut, ein paar neue Ultraläufer kennengelernt zu haben!!!

Nach 21 Stunden kam ich als Sechster glücklich ins Ziel, empfangen von Achim, der nicht nur organisiert und betreute hatte, nein, er war selbst gelaufen, hatte immer telefonisch verirrten Läufern auf den rechten Weg gewiesen und war vor mir im Ziel.
Er hat !!!JEDEN!!! empfangen.

Beim gemeinsamen Essen dann der nächste Hammer, wir bekamen Urkunden, Hochglanz und mit Gruppenfoto, Panorama von der Strecke und Grafiken von Höhenprofil und Strecke. Die überreichte uns ein Lauffreund der uns nachts noch bei KM 72 an VP3 verköstigt hatte.
Ich habe viele Urkunden aber das ist mit Abstand die Schönste und die bekommt einen Rahmen!!

Hier der 1. Pressebericht vom Lauf:

http://www.allgemeine-zeitung.de/region/bingen/bingen/10323351.htm

Fotos von Biggi und Sascha: https://picasaweb.google.com/Laufzecke/2011_03_12_RBWLauf#

Bericht, Bilder und Video von Melanie und Steffen: http://runningfreaks.de/

Eigentlich sollte der Zugspitzultra für 2011 mein Jahreshöhepunkt werden, wird schwer, das vergangene Wochenende zu toppen!!

Und natürlich der Link vom Lauf selbst, puh, den hatte ich vergessen: http://rheinburgenweg.wordpress.com/

Danke Thomas, für so viel Lob …