Hinterm Horizont geht`s weiter …

Mit Dietmar Mintgen ging uns ein ganz Großer voraus

Gleich zwei Mal durfte ich Abschied nehmen von einem der ganz Großen im Lauf- und im Ultrawandersport. Dietmar Mintgen, geboren am 2. Juni 1954, erlag am 29. November 2025 bei einer Weitwanderung einem Herzfehler, als dieses einfach stehenblieb, trotz aufwändiger Versuche der Reanimation.
Letzten Sonntag, am 14. Dezember 2025 machten sich die Helferinnen und Helfer, die diese Reanimation versucht hatten, gemeinsam auf, um den Ort noch einmal aufzusuchen, an dem die Tragödie passiert ist. Ich war dazu eingeladen und ich wiederum lud meinen Freund, Christoph Mintgen, Dietmars Sohn, ebenfalls dazu ein.
Ziel war es, noch einmal Dietmar zu gedenken und an dieser Stelle ein kleines Kreuz aufzustellen.
Es war eine ruhige, besinnliche, Viertelstunde im Wald von Herdecke. Ein paar Worte wurden zu Ehren von Dietmar gesagt und Christoph dankte sichtlich bewegt dafür.

Und gestern, am Donnerstag, den 18. Dezember 2025, fand die Beisetzung der Urne von Dietmar statt. Christoph hatte mich dazu eingeladen, eine Einladung, die ich sehr gerne angenommen habe. So hatte ich ausgiebig Zeit, mich gedanklich und körperlich von Dietmar zu verabschieden. Zudem lernte ich Dinge aus Dietmars Leben, die mir bislang unbekannt waren.

Die Trauerrede hielt die Trauerrednerin Sophia Dietrich, mit der ich einen Tag zuvor noch telefoniert hatte. Sie verglich Dietmars Leben mit einem Marathonlauf, den man voller Euphorie beginnt und der dann Höhen und Tiefen bringt. Welcher Läufer kennt das nicht?
Und sie erwähnte die Handgelenkbänder, die bei den meisten Weitwanderungen vergeben werden. Und als persönliche Erinnerung daran bekam jeder Trauergast ein weißes Handgelenkbändchen. Eine wirklich schöne Geste, die ich in Erinnerung behalten werde.

Ich kannte Dietmar zuerst von Zeitungsberichten her, in denen der „Dauerläufer“ Dietmar gewürdigt wurde, immerhin hatte er im Juni 2024 zu seinem 70. Geburtstag auch seinen 1.000sten Marathon bewältigt und wurde dafür bewundert und geehrt. Für mich ist es alleine schon ein kleines Wunder, dass ein Körper diese immense Leistung bewältigen kann.
Einmal um die Erde herum, zusätzlich zu allen Trainingskilometern, den Läufen unterhalb der Marathonschwelle und den täglichen Kilometern im privaten Bereich.
Später dann habe ich viele Läufe mit Christoph bewältigt. Da waren große Dinge dabei wie die Tage auf dem GR221 auf Mallorca, dem GR20 auf Korsika, aber auch kleine Dinge wie der Quellenlauf, den wir ganz einfach zu zweit gegangen sind. Dabei haben wir oft über Dietmar gesprochen.
Ich erinnere mich noch gut daran, dass ich es als eine große Ehre angesehen hatte, als sich Dietmar zum ersten Mal bei einer unserer Veranstaltungen in und um Köln angemeldet hatte.
Eine Anmeldung, die er danach oft wiederholte.

Dietmar wurde also 2019 zum ersten Mal Mitglied der „Kölnpfadfamilie“, er ging damals auf die 100km Strecke und natürlich konnte er finishen.

Was ich jedoch nicht wusste und was ich gestern gelernt habe, ist, dass er ein unermüdlicher Helfer war, immer dort, wo Hilfe benötigt wurde.
So wurde er ein wichtiger Baustein der Ahrtal-Hilfe. Nach der Katastrophe, die das Ahrtal heimgesucht hatte, wurden Hilfen organisiert und systematisiert. Über die Seite www.helfer-shuttle.de wurden die Helfer zu Abholpunkten gebeten und zielgerichtet zu Hilfsprojekten im Ahrtal gefahren und anschließend auch wieder abgeholt.

Es waren überwiegend junge Menschen, die dort Hilfe leisteten und Dietmar stach schon durch sein Alter heraus. Und diese jungen Menschen entdeckten einen Dietmar, der Wände gestemmt hat und in seiner Arbeit ein Vorbild für den Rest der Helfenden dargestellt hat.
„Ihr ballert aber ganz schön wild“ hieß es dann. Und so wurde ein Name geboren, das „Team Ballern“.

Bildunterschrift: Dietmar findest Du rechts hinten in der blauen Jacke.

Und viele Menschen aus dem „Team Ballern“ fanden sich auch gestern ein, bei der Andacht, bei der Beisetzung und danach noch beim Zusammensein im Rittersaal in Nickenich.
Ich bin froh, diese Menschen gestern kennengelernt zu haben. Darunter war auch eine junge Dame, auf die ich irgendwann einmal separat eingehen möchte.

Dietmar war Ehemann, Vater von zwei Jungs, bodenständig und verlässlich.
Und Dietmar hatte ein Hobby: Das Laufen, das für ihn schon in sehr jungen Jahren begann. Die Strecken wurden dann immer länger und irgendwann war die Marathonstrecke die Streckenlänge, die ihn am meisten fasziniert hat. Zwar lief er auch einige Ultras, aber der Marathonlauf war das Größte für ihn.
Nach seinem 1.000sten Marathon aber riet ihm der Arzt, mit dem Marathonlauf aufzuhören und er wechselte zu den Märschen, die er zwar auch schon vorher besucht hatte, aber sie wurden nun sein neuer Lebensinhalt.
Vormittags ging er lange mit dem Hund durch sein Heimatareal und am Wochenende ging er meist auf eine lange Wanderung, wenn es nirgendwo etwas zu reparieren oder zu helfen gab.
Und sein Leben endete bei seinem Hobby auf einem Waldstück oberhalb von Herdecke.

Dietmar, Du bleibst unvergessen. Für die Läufer- und Wandererszene, für die Kölnpfadfamilie und für mich. In mir verbleiben Demut und Trauer, aber auch der Glaube, dass es gut ist, sich für die Gesellschaft zu engagieren. Wir wissej ja, dass ein Tod ja nicht das Ende ist, es ist nur eine Transformation in ein neues Kapitel des ewigen Lebens. Denn hinterm Horizont geht’s weiter …


Das Weihnachtswunder und die Kölnpfadfamilie!

Am Anfang war die Idee. Sie kam aus dem Kreis der Teilnehmenden und sie war noch sehr jung, noch ein sehr kleines Pflänzchen.
„Was wäre, wenn wir 2025 eine Wanderung durchführen würden, bei der Erlöse teilweise oder ganz dem „WDR2 Weihnachtswunder“ zugute kommen?“
Wir werden ja fast wöchentlich mit Ideen konfrontiert, was wir alles machen könnten oder sollten. Ideen gibt es viele, aber erst dann beginnt die eigentliche Arbeit.
– Passt diese Idee zu unserer Familienphilosophie?
– Sind wir personell und finanziell in der Lage, eine (bestimmt oft großartige) Idee umzusetzen?

Und erst wenn diese Fragen positiv beantwortet werden können, dann folgen die Fragen im Detail.
Im Fall der Wanderung für das „WDR2 Weihnachtswunder“ war zuerst zu klären, wie lange solch eine Wanderung sein soll. Da wir „aus Gründen“ die Zahlen 1, 7 und wieder die 1 lieben gelernt haben, entschieden wir uns für die Länge von 17,1km.
Danach entschieden wir die Frage, wo wir enden wollen, mit dem Kölner Dom, mit der Kölner Innenstadt. Für den Startpunkt haben wir dann zwei Szenarien entwickelt, entweder wir gehen vom Norden runter oder vom Süden rauf bis zur Hohenzollernbrücke, um diese wunderschöne Brücke mit den Tausenden von Liebesschlössern als Abschluss der Wanderung zu erleben. Wir entschieden uns für die zweite Variante und wählten die Endstation der Straßenbahn der Linie 7 in Köln Zündorf als Startpunkt.
Um aber nun wirklich 17,1km hinzubekommen mussten wir zwei Verlängerungen einbauen. Also zuerst ein paar Meter in den Süden gehen, das war das Eine. Und zwei zusätzliche Brücken einbauen war das Andere. Wir entschieden uns für die Südbrücke, eine reine Eisenbahnbrücke, bei der allein der Aufstieg durch die vielen Graffiti-Bilder ein Genuß ist und für die Deutzer Brücke, um auch eine längere Strecke linksrheinisch zu haben.

Die nächste Frage, die sich stellte war, wie wir es mit dem Spendengeld halten wollten. Wir haben die Möglichkeit diskutiert, einen festen Betrag jeder Anmeldung für das „WDR2 Weihnachtswunder“ zu verwenden, das schien uns aber nicht prägnant genug zu sein, kann da doch der Eindruck entstehen, dass man die Startgelder eben um jenen festen Betrag erhöht. Somit hätte man selbst keinen echten eigenen Beitrag geleistet.
Auch die Überlegung, „den Überschuss“ diesem sozialen Zweck zur Verfügung zu stellen, erschien uns nicht plausibel, weil es unser Ziel war, einen eigenen Beitrag zu dieser Veranstaltung zu leisten.
Also entschieden wir uns, das gesamte Startgeld als Spendenbetrag zu betrachten und die Kosten der Veranstaltung selbst zu tragen.
Um das Ganze für uns bezahlbar zu halten, entschieden wir uns, maximal 171 Teilnehmende zuzulassen.
Damit aber auch eine nennenswerte Summe für das „WDR2 Weihnachtswunder“ zusammenkommen konnte, baten wir um eine Mindestspende von 17,10 EUR pro Person. Dankenswerterweise haben die meisten Teilnehmenden diese Mindestspende aufgerundet, teilweise sogar signifikant. Das war ein Erlebnis, das ich wohl niemals vergessen werde.
Soweit, so gut.
Wir entschieden, einen VP einzurichten, der aber nicht im „Kölnpfadstandard“ ausgestattet sein sollte, sondern nur eine Grundversorgung ermöglichen sollte. Im Ziel sollte es einen Weckmann und ein Glas Glühwein für jeden Finisher geben.
Bei den benötigten maximal 171 Weckmännern fanden wir in der Bäckerei BOLTEN, Duisburg, einen Partner, der uns preislich entgegenkam, das war also einfach. Den Glühwein wollten wir selbst herstellen, so die Idee.
Nun kam aus dem Kreis der Kölnpfadfamilie die Nachfrage, ob wir diese Spendenwanderung auch virtuell anbieten könnten, damit hatten wir ursprünglich gar nicht gerechnet. Also neu überlegen und weitere 171 Startplätze zur Verfügung stellen.
Virtuelle Wanderer können aber keinen Weckmann und keinen Glühwein von uns bekommen, also müssen Urkunden her und Medaillen, damit der virtuelle Wanderer etwas „handfestes“ bekommt, um diese Veranstaltung gut in Erinnerung zu behalten. Beides musste designed und bestellt werden, aber das gehört dann eher in die Abteilung „macht doch Spaß“.

Und da war natürlich auch noch die Korrespondenz mit dem „WDR2 Weihnachtswunder-Team“. Die Teammitglieder mussten informiert und inspiriert werden, ein halbes Dutzend Mails gingen also Richtung WDR, bis wir die Zusage erhielten, dass eine Moderatorin des WDR, Katharina, sich bei uns wegen einen kleinen Interviews melden würde. Dieses Interview am Donnerstag, 11.12.2025, also zwei Tage vor dem Event, war großartig und brachte nochmal einen riesigen Schub in die Anmeldungen, vor allem für die virtuelle Wanderung. Vor allem aber brachte es Teilnehmende, die bisher noch nie ein Event von uns besucht hatten. Danke WDR2!
Den Mitschnitt dazu findest Du auf unserer Webseite https://koelnpfad.com/13-12-2025-die-koelnpfadfamilie-wandert-fuer-den-guten-zweck/.
Als Ziellocation hatten wir ein Hotel am Dom im Blick. Dort haben auch schon andere Laufveranstaltungen geendet. Wir waren also ziemlich sicher, dass das funktionieren würde.
Es war dann am Dienstag vor der Veranstaltung, dass uns dieses Hotel abgesagt hatte. Merde! Shit!

Was nun, dachten wir und ich begann „Klinken zu putzen“. An einem Adventssamstag kurz vor Weihnachten, zudem am Abend, war es schwer, überhaupt offene Ohren für solch eine Aktion zu finden ist schwierig, das habe ich bei den vielen Anfragen gelernt. Linksrheinisch in der ersten Reihe ging gar nichts, also weiter in der zweiten Reihe, vom Rhein aus gesehen. Auch hier – Fehlanzeige.
Der Blick ging dann über den Rhein, da gibt es den Landschaftsverband Rheinland mit einem großen Gebäude und … da ist doch ein Pop-up Glühweinstore. Da frage ich doch einfach mal nett nach.
Schnell wurden wir uns einig, wenngleich natürlich mit der Prämisse, dass der Shop seinen sehr guten Glühwein verkaufen kann, wir aber bekommen die Location mit einem atemberaubenden Blick auf die Hohenzollernbrücke und auf den Kölner Dom.

Die Bestätigung durch die Geschäftsleitung folgte einen Tag später – Bingo! So soll es sein.
Und als Belohnung für die Steckenänderung gab es für die Teilnehmenden der Präsenzwanderung einen neuen Track und die Zusage, ebenfalls eine Medaille zu erhalten.
Nun dachten wir über den VP nach und die Bestückung. „Nur ein Wasser-VP“ war ausgeschrieben, aber wer mich kennt, der weiß, dass es bei uns immer ein wenig mehr sein darf. Also gab es neben Wasser, still und mit Kohlensäure, auch einen warmen Zitronentee, Coca-Cola und weihnachtliche Spekulatius.

Was wir bekommen haben, das waren 280 Teilnehmende, davon 146 Teilnehmende in der Präsenzveranstaltung und stolze 134 Teilnehmende in der virtuellen Variante. Es gab eine Großspende einer befreundeten Wanderveranstaltung und es gab Personen, die zwar nicht wandern, aber helfend beitragen wollten. Großartig, wer hätte das gedacht?
Und diese 280 Teilnehmenden haben dann, zusammen mit der Großspende und den Gönnern, 7.079,20 EUR als Spendensumme eingebracht.

Für den 16. Dezember 2025 hatten wir geplant, den symbolischen Scheck an das „WDR2 Weihnachtswunder-Team“ zu übergeben. Also erst solch einen Riesenscheck besorgen, nach Essen fahren, ein wenig zeitliche Sicherheit einbauen. Aber wir waren pünktlich, sogar etwas überpünktlich.
Dort auf dem Bugplatz in Essen herrschte allerdings Karneval, Weihnachten und Ostern zusammen. So viele Menschen, Kameras, die das Ganze live ins Netz übertrugen, Schlangen von Menschen, die ihr Scherflein beitragen und einen Musikwunsch ergattern wollten und die Hauptschlange stand vor dem WDR2 Glashaus. Sie reichte über den ganzen Platz, um die Kurve herum und weit in die Nebenstraße hinein. 150 Minuten Anstehzeit waren vorhergesagt – und das mit einer bestenfalls minimalen Chance, im Radio wieder Gehör zu finden.
Also haben wir uns entschlossen, einen alternativen Plan zu entwickeln und wir haben uns mit der schönen Kölnpfad UltraWandern 2025 Rückwand vor eine große blaue „WDR2 Weihnachtswunder-Säule“ zu stellen, dort ein paar Fotos zu machen und machen zu lassen, die Überweisung des Geldes findet dann ganz banktechnisch mittels SEPA statt.

Was wirklich beeindruckend war, ist, wie viele Menschen, Gruppen, Vereine, Schulklassen dabei waren. Und welche Summen hier generiert wurden. Auf der Hinfahrt erzählte man im WDR2 von einer Schulklasse, die ein Sponsorenschwimmen veranstaltet hatte. Jede 25 Meter Bahn brachte Geld für das „WDR2 Weihnachtswunder“. Und die Kids schwammen mal 38 Bahnen, mal 45 Bahnen und sie schafften es, stolze 13.000+ EUR zusammenzuschwimmen.
All das zeigt, dass der WDR2 mit diesem Programm einen Nerv der Bevölkerung getroffen hat. Auch wenn wir uns eine schönere Scheckübergabe gewünscht hätten, angesichts dessen, dass wir nicht einmal ein Promille zur Gesamtspendensumme beitragen konnten, war es ein echtes Erlebnis, das Treiben auf dem Essener Bugplatz zu erleben, natürlich bei bestem „Frühlingswetter“ mit Sonne und 14 Grad Temperatur.
Alles richtig gemacht, denke ich und ich verneige mich in Demut vor allen Personen, die Teil dieser Spendenwanderung waren, ob als Teilnehmende, als Gönner oder auch als Partner.
Danke und auf ein Neues in 2026!

Wunderbar Wandern auf La Gomera

Fünf Tage Wandern auf La Gomera – Wahnsinn, was für eine Insel! Mit Europas letztem Urwald, den riesigen Nebelwaldflächen, ein wenig Madeira. Mit den Lavafeldern ein wenig Lanzarote und mit dem Wüstenflächen ein wenig Gran Canaria. Alles in Einem und das auf kleinstem Raum.
Ob es die „rote Erde“ war, oben beim Aussichtspunkt Mirador, der weit hinüberhängt über das Tal, wo die Felsen fast senkrecht Hunderte von Metern runtergehen, so steil, dass ich erst gar nicht glauben wollte, dass wir dort hinunter gehen können oder ob es die Flechten waren im Nebelwald, die mir halfen, mich in diese zweitkleinste der sieben Hauptinseln der Kanaren zu verlieben, weiß ich nicht. Vielleicht war es aber auch einfach die hoch auf dem Berg, stolz auf einer riesigen Säule stehende, Skulptur von Cristobal Colon (Christopher Kolumbus), die in der Nacht weiß auf die Hauptstadt San Sebástian de La Gomera herunterscheint, so, als ob sie schweben würde. Diese Statue erinnert daran, dass Kolumbus zum letzten Mal vor der großen Atlantiküberquerung nach „Indien“ vor La Gomera lagerte, um dort Wasser und Proviant zu laden. Das war am 12. August 1492, die Älteren unter uns werden sich vielleicht daran erinnern.

Auf jeden Fall ist es eine großartige, wunderschöne und begeisternde Insel, auch, weil die 25.000 Einwohner, mehr Einwohner hat die Insel nämlich nicht, die pure Lebensfreude ausstrahlen und jede Gelegenheit feiern, die sich ihnen bietet. Ob das auch schon 1492 so war?
Heute jedenfalls ist es ein Anziehungspunkt auch für viele deutsche Aussteiger, von denen es vor allem in der Stadt Valle Gran Rey immens viele gibt. Sie dominieren das Stadtbild, ob sie nun einfach trommeln, Gitarre spielen, singen, Schmuck verkaufen oder einfach nur chillen. Viele dieser Aussteiger sind älter, aber eben nicht alle. Vielleicht sollte man hier neidisch werden, weil es eben diese Menschen gibt, die Dir zeigen, wie einfach das Leben sein kann und die immer nur den Augenblick leben.

Ich mag ja die Veranstaltungen von Michi Raab und seiner Webseite www.laufcoaches.com. Da tickt keine Uhr, es gibt keine Wettkämpfe, das Erreichen der täglichen Etappenziele ist der Erfolg. Deshalb ticken die Teilnehmenden dort auch anders als bei den anderen Stage Races. Lachen, fotografieren, die Aussichten genießen, auch mal auf eine Palme klettern oder wie blöd auf einem Rundkurs auf dem höchsten Berg der Insel, dem 1.487 Meter hohen Alto de Garajonay, rumrennen. Alles wird getan, um die Tagesetappen mit Freude zu füllen.
Und Freude hatten wir jeden einzelnen Tag.

Schade war nur, dass es aufgrund mehrerer Absagen nur eine sehr kleine Truppe war, die sich die fünf Wandertage gegönnt haben. Direkt danach im Anschluss waren es immerhin 10 Läufer, die die Insel an drei Lauftagen zu entdecken versuchten. Ich sollte und wollte der Elfte sein, aber daraus wurde leider nichts. Micha und Linda waren also meine ständigen Begleiter und „Höschenfotos“ von Happy Undies wurden permanent geschossen. Und auch das Stoff-Faultier „Fauli“ wollte oft fotografiert werden, soweit zu der Truppe der Wanderer.

Fünf Wandertage also, einer schöner als der vorhergegangene Tag, wunderschöne Strecken, steile Aufstiege mit ebenso steilen Abstiegen. Flach gibt es nichts auf La Gomera, außer vielleicht meine wenigen Witze. Wir hatten, wie bei Michi Raab üblich, immer nur unseren Daypack dabei, ein oder zwei Mal pro Tag stand er uns liebevoll betreuend an der Strecke, damit wir Wasser auffüllen konnten. Das geriet immer zu einer willkommenen Pause, für die ich stets dankbar war.
Ganz besonders war der Gang durch den schmalen und niedrigen Tunnel, hoch oben in den Bergen. Dass ich mich bücken musste, vor allem zu Beginn, das dachte ich mir. Dass Wasser im Tunnel steht, ebenfalls. Ich dachte aber nicht, dass selbst mir das Wasser teilweise bis zur Hüfte reichen würde und auch nicht, dass an vielen Stellen 30 Zentimeter tiefer Morast lag, durch den es zu waten ging. Wir hatten uns für Flip-Flops entschieden, was bedeutete, dass Du bei jedem Schritt das hintere Bein mit dem Flip-Flop aus dem Morast ziehen musstest, angestrengt darauf achtend, dass die Schuhe an den Füßen blieben. Wer hätte denn in dem Morast nach den Schuhen suchen wollen?
Zum Glück waren nicht die ganzen 800 Meter, die der Tunnel lang ist, so schwierig und auch dieser Weg, der kein leichter war, endete irgendwann. Im Nachhinein war es dennoch ein Highlight, auch weil irgendwann eine kleine Steinlawine den Durchgang so klein gemacht hat, dass wir ohne unsere Rucksäcke und nur auf allen Vieren da durchkamen.

Ich erspare Dir die Beschreibung der einzelnen Etappen, Du wirst sie sicher auch mal Wandern wollen. Gute Entscheidung, sage ich dann dazu, wenn Du Dich dafür entscheidest, Du wirst es nicht bereuen. Und wenn Du Dich für die Veranstaltung von Michi Raab entscheidest, dann bist Du gut aufgehoben, gut betreut und Du genießt auch die täglichen gemeinsamen Abendessen. Wir hatten dabei das besondere Glück, einmal die „Beerdigung und Verbrennung der Sardine“ mit anschließendem Feuerwerk und großer Party auf den Straßen erleben zu dürfen, es war ja auch der Aschermittwoch, das Ende des Karnevals. Aber am darauf folgenden Samstagabend war schon wieder Party angesagt, wieder waren die Leute verkleidet mit liebevoll gestalteten Kostümen, meist selbst gemacht, ob als Cupcake, als Bantu-Frau oder als Matrone. Dazu Livemusik der besseren Art, sodass Du die Lebensfreude der Insulaner fast mit Händen greifen konntest.

Aber auch diese fünf wunderschönen Tage sind vorbei gegangen und nach dem Highlight des Wanderns und Genießens kommt dann „der Blues“, wenn Du realisierst, dass es wieder nach Hause geht. Weg von den heißen Temperaturen hin ins usselige kühle Regenwetter Deutschlands.
Aber eines weiß ich gewiss: La Gomera ist ein Wanderparadies, das ich bestimmt nochmal sehen werde.

Es bleibt mir nur noch, Dank zu sagen an Michi Raab für die Organisation und Betreuung des Events, an meine zauberhaften Mitwanderer und erneut an Michi Raab, weil seine Drohnenaufnahmen einfach fantastisch sind und er mir damit eine Idee in den Kopf gesetzt hat, der ich vielleicht irgendwann nachgehen werde.

Halt, zwei Dinge noch:
Am Aschermittwoch aßen wir im Restaurant La Taska. Der Sohn des Inhabers ist Skyrunning Weltmeister gewesen und er hat so ziemlich alles gewonnen oder auf einem Podestplatz abgeschnitten, was man gewinnen kann. Unzählige Trophäen stehen im Restaurant herum und Du kommst aus dem Staunen nicht mehr heraus.
Und es soll auch erwähnt sein, dass es auf der Insel eine einzigartige Pfeifsprache gibt („El Sibo“), die vermutlich einst auf allen Kanarischen Inseln zur Verständigung diente und heute nur noch auf La Gomera gepflegt wird. Sie ist auf La Gomera sogar seit Jahren Unterrichtsfach an Schulen. Begünstigt durch die schallreflektierende Wirkung der Bergwände ist hier Verständigung über Distanzen von bis zu 10 Kilometern möglich, die mit Rufen oder Schreien nicht überbrückt werden können.
Als ich mit dem Taxi zum Flughafen am Playa Santiago fuhr, berichtete und zwitscherte der deutsche Radiosender davon. Ich jedenfalls konnte die einzelnen gepfiffenen Sätze nicht unterscheiden, umso bemerkenswerter, dass die Insulaner dies beherrschen.

Das Finale: https://www.facebook.com/michael.raab.566/videos/1133178904357431/

Ab in den Süden, der Sonne hinterher …

Ich wollte schon lange nach La Gomera, auf die zweitkleinste Insel der Kanaren. Spätestens, seit mir mein langjähriger Freund Michi Raab von www.laufcoaches.com erzählt hat, wie schön es dort ist.
Als bekennender Fan kanarischer Inseln, allen voran natürlich Gran Canaria, wollte ich La Gomera also kennenlernen.
Michi bot seit einigen Jahren ein langes Laufwochenende dort an, ähnlich locker wie ich es bei ihm auf Mallorca (GR221) und auf Korsika (GR20) erlebt habe. Kein Wettkampf, dafür Gemeinschaft und gemeinsames Erleben schöner Laufrouten.
Es hat aber zeitlich bislang nie gepasst. Da waren der Job, die vier Takte des „Kölnpfadwandern im 4/4 Takt“, private Termine …
Aber manche Menschen machen halt schöne Dinge, andere Menschen haben Ausreden.

2024 hatte ich keine Ausreden mehr, vor allen nicht, weil erstmals zum Lauf (https://www.laufcoaches.com/gr132-around-la-gomera) auch Wanderungen (https://www.xn--knigsmarsch-rfb.de/la-gomera) angeboten wurden.
Also stand ich vor der „Gretchenfrage“: Wandern oder Laufen?

Das hatte ich dann auf Facebook gefragt, viele Antworten erhalten und ich habe dann abgewogen, was mir wichtiger ist, was ich mir eher zutraue und worauf ich mehr Lust hätte.
Und die Antwort war: Beides.
Also erst fünf Tage lang wandern, danach drei Tage lang Laufen, inklusive eines kleinen Bergultras.
Und auf diese insgesamt 8 Sporttage auf der Insel freue ich mich sehr.

Heute ist mein Anreisetag.
La Gomera liegt nicht gerade „kurz hinter Kassel“, sondern Du fliegst erst entweder nach Teneriffa Süd und nimmst dann eine Fähre nach St. Sebastian auf La Gomera oder Du machst es wie ich es für mich entschieden habe. Du fliegst nach Gran Canaria und nimmst dann einen Binter-Flug nach La Gomera.

6.00 Uhr morgens, der Wecker klingelt, der Zeitplan ist eng.
Der Koffer ist schon weitgehend gepackt – und das war schon eine riesige Aufgabe. Was nimmt man mit auf solch einen Trip. Es ist warm auf La Gomera, natürlich. Die Insel liegt neben der Sahara, neben Afrika. Aber es gibt auch Berge dort, nicht allzu hoch, rund 1.470 Meter hoch ist der ___ , die höchste Erhebung der Insel.
500 Höhenmeter niedriger als der Pico de las Nieves auf Gran Canaria, aber dort bin ich im Februar auch schon in dickem Schnee gelaufen.
Für die Wanderung also eine Wanderhose, aber nicht die dickere, die ist zu warm. Dazu die Socken, zur Sicherheit Sport-Unterhemden, die Funktionsshirts. Ein Fließpulli muss mit, eine Regenjacke, eine Laufjacke. Zwei Paar Laufschuhe, auch zum Wandern. Bei der Größe meiner Schuhe sind drei Paar Treter einfach nicht drin.
Und noch die Laufhosen, drei kurze Höschen, zur Sicherheit aber auch zwei Dreiviertelhosen, man weiß ja nicht, wie es kommt, weitere Socken, noch mehr Laufshirts. Armlinge, ganz wichtig. Und Pflaster, schon um die Brustwarzen abzukleben.
Zwei Kappen, Sonnenmilch, Sonnenbrille, Sportbrille, ein paar Riegel gegen den kleinen Hunger auf den Strecken, die leichten Laufstöcke – es hört nicht auf.
16,5 Kilogramm zeigt die Waage, super. 23 Kilogramm darf ich nach Gran Canaria mitnehmen, aber nur 20 Kilogramm erlaubt Binter. Da ist ja gewichtsmäßg noch viel Luft nach oben.
Also noch mal nachsehen, es gibt doch noch Dinge, die Du am liebsten bei Dir hättest.
Am Ende sind es 21,2 Kilogramm und ich hoffe, dass Binter da deswegen keinen Stress macht.
Duschen, anziehen, den Koffer fertig packen und ab damit ins Auto.

6.45 Uhr, Abfahrt. Es geht zum P+R Parkplatz des Bahnhofs Erkelenz. Um 7.21 Uhr den Zug nehmen nach Mönchengladbach, dort umsteigen nach Düsseldorf HBF, erneut umsteigen nach Düsseldorf Flughafen.
Alles klappt planmäßig, in den Flieger eingecheckt hatte ich schon, nur noch eine Gepäck-Banderole erstellen, anstehen, Koffer aufgeben. Das mit dem Koffer ist mein „Problem des Tages“, weil ich hoffe, auf Gran Canaria nicht allzu lange auf den Koffer warten zu müssen, sonst wäre mein Weiterflug in Gefahr. Eine Stunde und 10 Minuten Zeit habe ich nur, wahrlich kein Luxus. Wenn dann schon ein paar Minuten für die Verspätung draufgehen und dann musst Du bei ca. 240 Fluggästen noch lange auf Deinen Koffer warten musst, dann rennt die Zeit nochmal schneller.

11.00 Uhr, Abflug, fast pünktlich. Ich hatte mich für Eurowings entschieden, wie schon so oft. Verspätet gelandet, wie schon so oft. Und wie schon so oft bekamen wir nur einen Landeplatz außerhalb, also mit einem Bustransfer. Und herrje, bis mal die ersten Koffer kamen – und bis meiner kam! Warten kann nervenzerfetzend sein, wenn Du Zeitdruck hast.
Als der Koffer dann kam, etwas mehr als 60 Minuten nach dem Touchdown, schnappte ich ihn mir und rannte los. Aus dem Baggage Claim heraus, an den Zöllnern vorbei, nach rechts, bis endlich die Rolltreppe nach oben kam. Und dann den gesamten Flughafen entlang bis in die hinterste Ecke.
Noch 12 Minuten bis zum Start. Ich stelle meinen Koffer beim Check-In aufs Band, der Kollege dort lächelt und nickt. Ich denke, alles wird doch noch gut. Aber dann schüttelt er mit dem Kopf, ruft seinen Supervisor, der sieht sich das an und sagt, dass man nichts mehr für mich tun kann, außer den Flug auf morgen zu verschieben.
„Morgen, wann dann?“ frage ich. Es sollte der gleiche Flug sein, das aber ist mir viel zu spät. Also verhandeln. Ich wäre ja über Teneriffa geflogen, wäre dort umgestiegen, es gibt aber einen Direktflug nach La Gomera, um 8.30 Uhr morgen früh. Perfekt, sage ich, den nehme ich.
Also zum Schalter, das Organisatorische abgewickelt, über WhatsApp die Wandertruppe informiert, bei Booking.com eine Bleibe gesucht, ein Taxi genommen und ab nach Agüimes.

Ich kannte das Städtchen schon, ich bin oft da durchgefahren, mal mit dem Auto, mal mit dem Fahrrad. Aber wenn Du nur die Hauptstraße kennst, dann weißt Du nicht, was für eine zauberhafte Altstadt dieses Städtchen hat. Bronzefiguren überall, Bars, Restaurants, große Plätze mit wunderschönen Bäumen – und all das bei perfekten Temperaturen. Nicht heiß, aber warm, perfekt für einen Stadtbummel. Was war der schön!
Auf dem Marktplatz an der Rosario Kirche sind viele Buden aufgebaut, aber es sieht verlassen aus. Ob das der Rest vom Karneval ist? Oder geht da heute Abend noch was? Ich werde sehen …
Egal, auf jeden Fall habe ich mir aus der „Zitrone“, die das Leben mir serviert hat, eine „Limonade“ gemacht.
Und werde mich auf morgen früh freuen. Um 7.00 Uhr werde ich abgeholt, deutsche Zeit 6.00 Uhr. Wieder früh aufstehen, aber kein Risiko eingehen, erneut zu spät zu kommen.
Und morgen geht es dann auf den Trail.
What a wonderful world! Qué mundo tan hermoso!