Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen …

… Du weißt nie genau, was Du bekommst, heißt es ja.

Aber es geht auch anders, nämlich dann, wenn Du Dich beispielsweise für die Pralinen „Rocher“ entscheidest. Da ist dann jede Praline gleich. Gleich gut und gleich lecker …
Und so wie im Leben, so wie bei der Pralinenpackung ist es auch bei den Läufen, Du weißt auch da oft nicht genau, was Du bekommst.

Und dennoch gibt es auch bei den Läufen solch eine „Rocher“ Praline. Und diese Praline heißt Eisweinlauf. 65 Kilometer mit rund 1.800 Höhenmeter vom Bahnhof in Offenburg auf den erleuchteten Weihnachtsmarkt in der Baden-Badener Innenstadt, als Gruppenlauf durchgeführt, mit viel Zeit für alle möglichen Gespräche und das mit Anfangs 100 und zum Ende hin 200 Mitläufern.

R(ud)olf Mahlburg, der Chef des Events

Dabei ist die beste Werbung für diesen Lauf, dass ich seit 2006, mit einer einzigen Ausnahme im Jahr 2011, wo ich unbedingt an der letzten Austragung der berühmten „Georgsmarienhütter Null“ teilnehmen musste, wollte, jedes Jahr aufs Neue dem Ruf von Brigitte und R(ud)olf Mahlburg folge, folgen muss. Es war heuer also das achte Mal, dass ich diese schöne Strecke über die Höhen des Schwarzwaldes gelaufen bin. Kein anderer Lauf hat mich öfters als vier Mal gesehen … Weiterlesen

Zwei Ameisen aus Bonn …

In Hamburg lebten zwei Ameisen,
Die wollten nach Australien reisen.
Bei Altona auf der Chaussee,
Da taten ihnen die Beinchen weh,
Und da verzichteten sie weise
Dann auf den letzten Teil der Reise.

Joachim Ringelnatz

(1883 – 1934), eigentlich Hans Bötticher, deutscher Lyriker, Erzähler und Maler

OWDie Idee war schon groß. Und ich erfuhr von ihr schon recht frühzeitig.
Schon im Frühjahr 2014 fragte mich Oliver Witzke, ob ich ihn bei seinem Plan, vom 01. November bis zum 09. November 2014 von Bonn nach Berlin zu laufen, begleiten würde.
Bonn? Berlin? 9. November? Da war doch was …

Der 9. November, einst einer der schrecklichsten Tage der Deutschen, hat ja vor 25 Jahren eine ganz neue, dieses Mal positive Bedeutung gewonnen. Während am 9. November 1938 noch eingeschlagen wurde, wurde am 9. November 1989 endlich eingerissen. Und statt „Kristall“, statt Scheiben und Glas, fiel stahlharter Beton der Geschichte zum Opfer und statt unschuldiger Juden wurde eine gesamte Staatsführung an diesem Tag attackiert.
Und so wurde genau 51 Jahre nach dem bitterbösen Unrecht auf deutschem Boden die frohe Botschaft geschrieben, die unsere Welt in eine friedlichere Zukunft führen sollte.
Ob wir diese friedlichere Zukunft aber tatsächlich leben, das jedoch steht leider auch 25 Jahre nach dem Mauerfall noch auf einem anderen Blatt.

Und zu diesem Jahrestag des Mauerfalls wollte Oliver also aus der alten Bundeshauptstadt Bonn nach Berlin, in die neue Bundeshauptstadt, laufen.
Irgendwann versprach ich ihm, ihn wenigstens an den ersten beiden Tagen zu begleiten, mehr schien mein Terminplan im Vorweihnachtsgeschäft nicht herzugeben.

Doch dann kam alles anders. Weiterlesen

Laufen in Lappland

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Lappland ist der Landesteil von Skandinavien, der nördlich des Polarkreises liegt, dachte ich immer. Lappland ist das Land der Rentiere, dachte ich und da gibt es auch die Lemminge, den Vielfraß und die Elche.
Und nicht zuletzt ist Lappland sehr dünn besiedelt, extrem dünn besiedelt sogar.
Dachte ich. Bis gestern.
Gestern war ich also in Lappland laufen.
„Laufen in Lappland“, so sagte Daniel Heideck vor der Veranstaltung.

Aber dieses Lappland liegt nun mal doch weniger weit nördlich wie gedacht, eher auf den Eifelhöhen eine Biel-Lauflänge von meinem Heim entfernr.
Und statt Rentieren sah ich ungeheuer viele Renntiere, die wie Lemminge hintereinander her liefen. Ich war einer dieser Lemminge. Und ich war es gerne.
DSC_3922Aber dünn besiedelt ist diese Gegend auf den Eifelhöhen auch, wenngleich nicht ganz so dünn wie das Lappland im Norden Europas, wo ja nur rund 2 Einwohner auf jeden Quadratkilometer kargen Landes kommen.
Lappland in der Eifel ist also das Lauf- und Lebensgebiet von Holger Lapp, „Asics Frontrunner“ und Held von „Trailrunning Eifel“ und dem Blog www.trampelpfadlauf.de.
Ach so, Daniel, dachte ich und verstand, warum Lappland so weit nach Süden verschoben scheint.
Und weil Holger Lapp und die Seinen im Gebiet rund um Monschau jeden Stein auf den Trails beim Vornamen kennen, weil sie dort zuhause sind, wo die Strecke des Monschau-Marathons zu finden ist und weil Holger Lapp und die Seinen gleichsam schnell und eifeltrailerfahren sind, waren sie alle schneller als ich, Daniel Heideck inklusive.

Aber das war ja klar. Ich wollte ja gemütlich ein paar finale Kilometer vor dem SwissIronTrail in die Beine bekommen und das gelang mir auch einigermaßen, zumindest bis zum Halbmarathon-Punkt. 2:16 Stunden für die erste Hälfte des „MM“, des Monschau Marathons, fast exakt 6:30 Minuten für jeden der durchaus anspruchsvollen Kilometer runter und meist rauf auf die Hügel der Eifel.
DSC_3946Aber dann war es das mit der Gemütlichkeit, mit der Kontrolle und ich wurde schneller. Erst nur, weil ich dachte, dass zwei Mal 2:16 Minuten doof sind und ich gerne unter der Marke von 4:30 Stunden für den Marathon bliebe. Also musste die zweite Hälfte schneller sein als die erste.
Dann aber auch, weil ich sehen wollte, ob ich überhaupt noch laufen kann nach dem vielen Speedhiken in England, Andorra und in Kirgistan.
DSC_3921Und wenn Du, wie ich am Sonntag, weit hinten startest, dann wird so ein Marathon besonders interessant. Du hast ständig neue Läuferkollegen! Das ist wirklich richtig interessant.
Bei manchen Läufen hast Du vom Start bis zum Ziel die gleichen Leute um Dich herum. Das ist das Zeichen, dass Du Dich im Pulk richtig eingeordnet hast. Die Schnellen sind vorne und entfernen sich immer mehr von Dir und die Langsamen sind hinten und auch die entfernen sich immer mehr von Dir, wenngleich das in die andere Richtung geschieht.
Den ganz eifrigen Läufern, denen, die sich mutig und frech vorne bei den Cracks einordnen, geht es dabei oft so, dass sie ständig nach hinten durchgereicht werden. Auch die laufen immer mit neuen Kollegen um sie herum.
Und ich startete nun wirklich weit hinten und arbeitete mich sukzessive nach vorne. Und der Umstand, ständig auf neue Läufer aufzulaufen, motivierte mich derart, dass ich in der zweiten Hälfte des Rennens keinesfalls wieder eben gewonnene Plätze verlieren wollte.
DSC_3958Dazu kam, dass Du auch regulär die Vielzahl der Walker, die schon bis zu zwei Stunden vor den Marathonis gestartet waren, überholst. Und Du überholst auch noch einen Gutteil der Ultra-Marathonis, die mit einem Vorsprung von 1:55 Stunden zuerst die 14 Kilometer-Schleife liefen, um dann auf die Marathonstrecke einzubiegen. Die meisten Ultras hatten dann noch rund 15 Minuten Vorsprung auf die Marathonläufer. Und die waren dann irgendwann auch weg.

Und so kam ich dazu, regelmäßig zu grüßen, zu drücken und zu herzen. Ob es der typische Laufstil eines Bernd Rohrmanns war oder die schöne bunte Welt eine Bettina Mecking, es war einfach schön, auf diesem wunderschönen Lauf sich nicht alleine zu fühlen.
Schon vor dem Start waren da einige, die ich schon lange nicht mehr auf den Laufstrecken dieser Welt gesehen hatte. Willi Mütze mit seinen niederländischen Freunden, Helmut Hardy und andere Aachener Läufer.
Und ich traf auch mal wieder Daniel Heideck, mit dem ich gerade in diesem Jahr recht viel Gemeinsames hatte und ich traf eben auch Holger Lapp und seine Freunde.
DSC_3951Die Strecke des Monschau-Marathons ist schnell beschrieben. Da gibt es die historische Altstadt von Monschau, die ist so schön, so romantisch, die müsste unbedingt erfunden werden, wenn es sie noch nicht gäbe. Und durch diese schöne Stadt geht der Weg durch, vorbei an der historischen Senfmühle (Senf aus Monschau ist so berühmt wie die Stadt Monschau) und an anderen historischen und liebevoll restaurierten Gebäuden.

Der Rest der Strecke ist die Landschaft der Eifel pur. Hügel rauf, Hügel runter, grüne Landschaft, so weit das Auge blickt. Nichts für Bestzeitenjäger, aber auch kein Hardcore-Lauf und meine 4 Stunden und 18 Minuten für den Marathon erzählen genau davon. In der flachen City wären es vielleicht 3 Stunden 45 Minuten gewesen, in den Bergen hätte ich wohl eine deutliche Weile mehr gebraucht.
DSC_3928Eines aber fällt jedem auf, wenn man in Monschau läuft. Es ist ein Lauf von Leuten, die das Laufen lieben, von Leuten, die die Läufer lieben.
Und diese Liebe geht bis ins Detail.
Der Monschau-Marathon findet mitten im deutschen Sommer statt. Und oft ist es dort heiß, manchmal brüllend heiß. Und deshalb gibt es alle 3,5 Kilometer zumindest etwas zu trinken, meist sogar noch etwas zwischen die Zähne. Es ist leicht, von diesem Marathon schwerer nach Hause zu kommen wie man vor dem Marathon war, weil es eben so viele Verpflegungspunkte gibt, an denen man die verbrauchten Kalorien mehr als vielfach wieder ausgleichen kann. Lappland – Vielfraß, da war doch was …
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Und dennoch gab es neben den guten Leckereien auch zwei Sachen, die mich wirklich beeindruckt haben. Ich lamentiere ja gerne darüber, dass es selten Salz und noch seltener Salztabletten gibt. Selbst bei harten Ultraläufen vermisse ich dieses Wundermittel häufig und deshalb habe ich meine Tablettchen eigentlich immer dabei.
In Monschau wäre das nicht notwendig gewesen, endlich ein Lauf, bei dem man an diese wichtige Kleinigkeit gedacht hat.
DSC_3959Und ganz am Ende, am letzten Verpflegungspunkt, rund 3,5 Kilometer vor dem Ende, da reicht Dir dann jemand einen kleinen Plastiklöffel, an dem ein Batzen Honig hängt. Als „natural shot“ für die letzten Meter.
Klar, das ist nichts für Veganer, aber Agavendicksaft wäre hier einfach zu flüssig. Ich jedenfalls fand diese Idee klasse und wünschte mir, auch andere Läufe würden diese Liebe zu den Läufern zeigen.
Und dann, vielleicht zwanzig Minuten später, bist Du dann drin. Am Ende geht es immer mal wieder rauf und Dich trägt noch immer der Gedanke an den Honig-Shot über die Strecke. Es gibt ein paar warme Worte des Moderators, der seine Sache sehr gut gemacht hat, sehr schnell Deinen Namen und Deine Daten präsent hat, auch wenn Du, wie ich, die Startnummer so unglücklich hängen hast, dass der „Vorgucker“, der dem Moderator schon vorab die Nummern der einlaufenden Helden mitteilt, diese nicht lesen kann.
DSC_3929Wenn Du dann schnell noch versuchst, diese Nummer nach vorne zu drehen und der Moderator tatsächlich nur wenig Zeit hat, auf der Teilnehmerliste nach Dir zu suchen, selbst dann findet er Dich, Dein Name hallt über die überfüllte Partymeile im Ziel, Deine Freunde hören, dass auch Du auf dieser Strecke unterwegs warst und dann wirst Du Dutzendfach angesprochen und immer wieder mit der gleichen Frage konfrontiert, der Frage, die mir auch schon die lieben und fleißigen Ultraläufer auf der Strecke gestellt haben:

„Hey Tom, was machst Du denn auf der Kurzstrecke?“

Aber Kurzstrecke laufen in der Eifel, in Land Holger Lapps, auf anspruchsvollen, aber nicht übermäßig fordernden Trails, in so viel Natur, wie es sich manche Städter gar nicht vorstellen können, das reicht dann auch, finde ich.
Nur ganz vielleicht werde ich beim nächsten Besuch dort doch auch mal den Ultra probieren, das aber nur, weil sie alle so nett sind, dort oben im Norden, im Lappland der EifelDSC_3927
Den entsprechenden Bericht auf www.laufspass.com gibt es hier …

SIT – „Ich mag es, lange unterwegs zu sein.“

Eine starke Woche noch, genauer noch acht kurze Tage, dann heißt es mal wieder „Gruezi Schwiitz!“
Oder etwas moderner: „Davos calling … !“

Auf jeden Fall rufen 201.800 Meter Trail, 11.480 Höhenmeter uphill und 11.480 Höhenmeter downhill, eine wunderbare Landschaft in der Zentralschweiz durch die Bünder Bergwelt, es rufen 18 Verpflegungspunkte, zuzüglich dem Verpflegungs-. Start- und Zielpunkt in Davos,  und es rufen wunderschöne Peaks wie der Sertigpass, der Furcola, der Lunghinpass, dass Weisshorn und der Strelapass, um nur einige der zu belaufenden oder zu „speedhikenden“ Spitzen zu nennen.

162 männliche Starter finde ich auf der Startliste für den SIT 201, davon 26 Deutsche, aber den Namen nach kenne ich nur den Chef und Herausgeber des TRAIL-MAGAZINs, Denis Wischniewski.
17 weibliche Starter garnieren diese „Königsetappe“, davon 2 Deutsche, dem Namen nach kenne ich nur die Lady, die eigentlich schon alles gelaufen hat, was sich laufen lässt, Anke Drescher. Mit ihr habe ich damals beim TdG ein paar gemeinsame Kilometer absolviert.

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Auf den kürzeren Strecken sind es 63m und 17w Teilnehmer beim SIT 141, 131m und 20w Teilnehmer beim SIT 81, 125m und 28w Teilnehmer beim SIT 41 und die Strecke, nach der es sich kaum lohnt, das Laufshirt wieder zu waschen, der SIT 21, wird von 119m und 62w Teilnehmern besucht.
Zusammen sind das 734 LäuferInnen, immerhin. Und es werden auch nicht mehr mehr werden, da die Online-Registration geschlossen ist und Nachmeldungen nicht angemommen werden können.

Und für diese 734 LäuferInnen hat sich Tuffli Events schon jetzt sehr viel Mühe gegeben. So gibt es eine Swiss Irontrail Sonderbeilage, die Du Dir bei ISSUU.com ansehen kannst, vielleicht sogar ansehen solltest. Darin ist das moderne und ausgefeilte GPS-Tracker-System beschrieben (Seite 7), das uns aus Sicherheitsgründen mitgegeben wird und über das die Betreuer, die Freunde und auch Dritte nachvollziehen können, wo beispielsweise ich mal wieder Pause mache.
Einige Läuferinnen und Läufer kommen zu Wort, so auch Anke Drescher (Seite 9) und auf den Seiten 4 und folgende findest Du ausgewählte Streckenabschnitte, die uns Bergläufern gleichsam das „läuferische Wasser im Munde zusammenlaufen“ lassen, die uns eher langsamen Läufern aber auch klar machen, dass es schon einem Stück Grenzdebilität bedurfte, dass unsereins sich da eingeschrieben hat.

Mal ganz ehrlich: Manchmal frage ich mich auch, was mich antreibt und ob ich wirklich immer richtig beraten bin, stets die langen Strecken auszuwählen?
Anstatt hier sicher den T 81 zu finishen, drängt mich irgendwas in mir, den T 201 auszuwählen, nicht immer die richtige Entscheidung, befürchte ich. Aber was soll’s, wir leben nur ein Mal und wenn ich es nicht versuchen würde, dann könnte ich auch das „Gefühl vom Scheitern“ nicht erleiden.
Und wenn es denn dann gut ausgehen sollte, dann labe ich mich am süßen Gift des Erfolgs, zumindest auf meinem bescheidenen Niveau.

Oder anders gefragt: habe ich überhaupt ein Recht, an ein Finish beim PTL mit meinen beiden „Franken-Express“-KollegInnen Gabi Kenkenberg und Jörg Konfeld zu glauben, wenn ich dieses Ding hier nicht packe?

Auf jeden Fall zähle ich schon die Tage bis Davos, die Spannung und die Vorfreude steigt, gepaart jedoch mit einer gehörigen Portion Skepsis und Selbstzweifeln. Gelaufen bin ich nur wenig in den letzten Wochen, gewandert aber bin ich dafür sehr viel.
„Ich mag es, lange unterwegs zu sein,“ sagte Anke Drescher. Ich mag das auch, sehr sogar …DavosFür die 4 UTMB-Punkte laufe ich nicht in der schönen Schweiz, ich laufe, um mal wieder eine „Story to be told“ zu erleben, eine Geschichte, die es wert ist, erzählt zu werden.
Aber nach den kleinen und großen Pannen dieses Jahres und in Anbetracht dessen, was da an Problemchen dieses Jahr noch kommen kann … vielleicht würde ich genau diese 4 UTMB-Punkte irgendwann mal dringend brauchen.
Für die nächste Geschichte, die es wert ist, erzählt zu werden, dann aber in und um Chamonix …
2015

Allmächt, der Frankenweg!

Interaktiver SKatalog über den Frankenweg - hier klicken!

Interaktiver SKatalog über den Frankenweg – ins Bild klicken!

533,10 Kilometer ist er lang, erst 2004/2005 wurde er komplett markiert, er bietet offiziell 21 Etappen und er liegt in Bayern. Einmal musste er einfach ins Leben gerufen werden, der Frankenweg, der sich zwischen der Grenze zu Thüringen und dem Tal der Wörnitz in Schwaben durch die großartige Natur- und Kulturlandschaft Ober- und Mittelfrankens erstreckt.
„Allmächt“ würde jetzt ein Franke sagen, „doch nicht in Bayern. In Franken!“ Na ja, zumindest im Wesentlichen liegt der Frankenweg tatsächlich in Franken, die Oberpfalz lassen wir da mal unberücksichtigt. Um also nicht den Zorn der Franken zu erregen, verschwindet das Wort Bayern ab jetzt aus diesem Bericht.

In Franken also, das selbst wiederum in das vom Weinbau beherrschte Unterfranken und das vom Gerstensaft beherrschte Oberfranken unterteilt ist, in zwei Teile, die sich nicht wirklich lieben. Ohne diese Trink- und Mentalitätsrivalität wäre das kleine, von großen grobschlächtigen Oberfranken zart gehauchte Gebet nach oben zum „Allmächt(igen)“ sonst wohl auch nicht zu verstehen:

„Man muss Gott für alles danken. Selbst für einen Unterfranken!“

Gerüchteweise beten aber die Unterfranken dann doch auch das gleiche Gebet, wenngleich sie Unterfranken durch Oberfranken ersetzen.
Ich selbst, gebürtiger Nürnberger, Franke also, Mittelfranke zwischen allen Stühlen, verstehe dabei gut, warum Franken nur ungern mit dem Freistaat in einem Atemzug genannt werden wollen und heuer, wo der fränkische Fußball die Regnitz, Pegnitz oder den Main runtergeht, der Fußball im Restfreistaat aber immer mehr „Sterne des Südens“ produziert, ist eine Annäherung der ungleichen Landesteile noch schwerer vorstellbar, Zeit, dass das „Radio freies Franken“, von dem immer wieder die Rede ist, kommt …

42,2 Kilometer dieses Frankenwegs bilden dabei die Strecke des Frankenweg-Marathons und es sind wunderschöne, nicht einfach zu laufende, aber aufregende Kilometer zwischen Streitberg und Obertrubach. Kilometer mit Höhlendurchquerungen, bei denen jeder, der größer ist als 150 cm, den Kopf einziehen muss, vorbei an Felsformationen, die Lust aufs Klettern machen und mit Treppenpartien, die gleichsam großartige Ausblicke und pulsbeschleinigende Schwierigkeiten bieten.
Vor allem der längere Aufstieg über die Treppen zur Gößweinsteiner Burg hat mir sehr gut gefallen, die Burg selbst und der Ort Gößweinstein, selbst ein echtes Juwel in der „Fränkischen Schweiz“, taten dann ihr übriges.
FW7 FW2 FW3 FW5 FW6Häufig folgt der Frankenweg auch dem Verlauf der Wiesent, einem kleinen Fluß, der gesäumt ist von Burgen und Schlössern. Einen „Burgenweg“ gibt es dort auch, es wäre ein netter Abstecher vom Frankenweg, wenn man dafür Zeit hat.
Und während der Weg des Frankenwegs und der Weg des Frankenweg-Marathons durch die Durchgangshöhle Oswaldshöhle geht, eine Höhle, bei der es einen kleinen optimalen Punkt gibt, an dem man das Licht des Höhleneingangs und das des Höhlenausgangs sehen kann, führt der Frankenweg irgendwann geradewegs auf die berühmte Teufelshöhle zu, die aber leider nicht belaufen wird, sondern der Weg biegt unmittelbar vor der Höhle nach links ab.
Schade, dachte ich. Aber die Teufelshöhle wäre dann eben auch ein netter Abstecher, wenn man, wie oben schon erwähnt, die Zeit dafür hat.

Dieses Stück des Frankenwegs, das wir da laufen durften, ist zweifellos ein Stück perfekter Natur. Enge Waldstücke, trailige Steigungen, kaum Asphaltpassagen, die Höhlen, die Felsen, die Brauereien an der Strecke, die Brücken am Fluß, die Dörfer, die Burgen und Ruinen, es ist ein Stück Deutschland, das es wert ist, noch bekannter zu werden.
FW1Es ist dabei gleichgültig, ob Du diesen Teil des Frankenwegs, gerne auch noch mehrere Teilstücke, mit dem Mountainbike durchquerst, ob Du wanderst, walkst, ob Du spazieren gehst oder eben, ob Du da läufst, Du wirst in jedem Fall „gut Freund“ mit der Strecke werden.
Wenn Du aber läufst, dann ist der Frankenweg-Marathon (http://www.frankenweg-lauf.de) ein guter Anlass dafür. Und weil nicht jeder einen Marathon laufen will, gibt es dazu noch eine Mitteldistanz von 24 Kilometern und die Kurzstrecke von gerade mal 15 Kilometern. Da soll keiner sagen, dass da nichts für ihn dabei sei …

Nur wenn ich das nächste Mal zum „Allmächt(igen)“ bete, dann bete ich noch für eine zusätzliche Ultrastrecke, Franken würden „an Ulldra“ dazu sagen, so etwas mit 80 Kilometern oder auch mit etwas mehr. Denn wenn eine Strecke so schön ist wie die des Frankenwegs, dann ist der Genuß länger, wenn die Strecke länger ist. Was Herbert Peter, die gute Seele und das Herz des Laufs, hier geschaffen hat, dass ist schon aller Ehren und definitiv ein Mitlaufen wert.
FW4Ich bin ja mit meinem PTL-Partner des „Franken-Express“, mit Jörg Kornfeld zum Start gekommen und ich habe auch mit ihm die erste Hälfte des Laufs gemeinsam bestritten, eher gemütlich, aber dennoch nicht ohne Anspruch. Gabi Kenkenberg, die Zugmaschine unseres „Franken-Express“ PTL-Teams, die an diesem Tag sehr, sehr schnell 3. Frau bzw. 1. Deutsche beim Fürth-Marathon wurde, fehlte jedoch. Mit ihr besprachen wir am Abend zuvor in meinem Nürnberger Lieblingsrestaurant „CHESMU“ bei schwarzem Reis mit Früchten, bei vegetarischem „Züricher Geschnetzeltes“ und bei braunen Spaghetti in Kokossauce mit knackigem Gemüse unsere gemeinsame Strategie für diesen Ende August stattfindenen 141-Stunden Lauf, der mal so weit weg war und der nun schon der fünftnächste Lauf für mich ist.
Allmächt‘, wie die Zeit vergeht!

Nach der halben Strecke des Frankenweg-Marathons lief ich dann mit Andreas Weiser etwas schneller, mit dem ich mich hervorragend verstand und mit dem ich über einige gemeinsame Lauffreunde reden konnte, vor allem natürlich über die der „Coolrunners Germany“. Knapp 11 Kilometer vor dem Ziel rechneten wir aus, wenigstens noch unter die Marke von 5:30 Stunden kommen zu können und so versuchte ich, all das, was ich vorher versaubeutelt hatte, in einem längeren Schlußspurt noch aufzuholen. Mehr als ein 55. Platz aber war dann nicht mehr drin.
Aber diese höchst mäßige Zeit, 5:24:24 Stunden, zeigt schon, dass es sich nicht um eine Strecke handelte, bei der persönliche Bestwerte möglich sind. Und wie angesichts der läuferischen Schwierigkeiten eine Zeit von 3:36:12 Stunden möglich war, die Jürgen Winkler vom DJK LC Vorra hingelegt hat, das entzieht sich wie immer meiner Vorstellung.
Vorstellen aber kann ich mir in jedem Fall, noch einmal dort in Streitberg zu sein und noch einmal dort zu starten. Die Frankische Schweiz, der Frankenweg, die überaus nette Organisation dieses wunderbaren Landschafts-Laufs, all das lässt meine fränkischen Wurzeln erblühen und ich sage: „Allmächt‘, was für ein Lauf!“Fraenkische_Schweiz
Und war sagen Andere dazu?
Fürst Pückler-Muskau
schrieb 1834 in Muggendorf, dem damaligen Tourismuszentrum:

„Franken ist wie ein Zauberschrank, immer neue Schubfächer thun sich auf und zeigen bunte, glänzende Kleinodien, und das hat kein Ende. Wer Deutschlands geheimste jungfräuliche Reize genießen will, muß nach Franken reisen.“

Also nichts wie hin, wenn am Sonntag, den 14. Juni 2015 die nächste Austragung dieses schönen Naturpark-Marathons stattfindet!