Nach 350 anstrengenden Kilometern …

Das sind die nackten Zahlen:

350 Kilometer in der Horizontale,
11.000 Höhenmeter im Auf- und im Abstieg,
35 männliche und 5 weibliche Finisher,
49:17:04 Stunden unterwegs, das bedeutet
Platz 29 bei den Männern für mich,
1 SwissJuraMarathon Funktionsshirt für alle Starter und
1 SwissJuraMarathon Armbanduhr für jeden Finisher
(die wird einen Ehrenplatz bei mir bekommen!)

SJM

SJM - Ausschnitt aus der Ergebnisliste 2009 (zum Vergrößern klicken!)

Die kleinen und großen Geschichten rund um den SJM 2009 aber sind weniger kühl, teilweise sogar richtig dramatisch.
Einige davon werde ich in den nächsten Tagen hier erzählen, weil ich ja sowieso momentan nicht mehr laufen kann und soll.

Besonders dramatisch war die Geschichte des talentierten Finishers Thorsten Gratzel aus Bayern. Ihn habe ich vom ersten Tage an bewundert, nicht nur, weil er ein wirklich schneller Läufer ist, sondern, weil er auch ein netter Mensch ist, der sich fürsorglich um die anderen Läufer gekümmert hat.

Thorsten Gratzel
Vom ersten Tag an lief er nach dem fantastischen Seriensieger und „Überflieger“ Nemeth Csaba die zweitbesten Zeiten, bis ihn am 6. Etappentag eine Sehnenscheidenentzündung an beiden Beinen erst ein wenig und am letzten Tag sogar sehr behindert hat.
So verlor er am 6. Tag seinen 30-minütigen Vorsprung auf den 3. Platz und alleine am Abschlusstag verlor er rund drei Stunden auf die vordersten drei Läufer. Während wir alle längst in Basel im Ziel gefeiert haben und dabei sorgenvoll auf Thorsten gewartet haben, lief er mit weitem Abstand erst fünf Minuten vor Zielschluss noch ein.
So fiel er im Schlussranking auf den 4. Platz zurück, aber er hielt durch – die ganze 7. Tagesetappe, mit Binden um die Fußfesseln, mit Schmerzen bei jedem einzelnen Schritt und dabei ganz besonders brennenden Schritten, wenn es bergab ging.
Für mich war er insgesamt einer der großen Helden des Swiss Jura Marathon 2009.

Chapeau, Thorsten, Hut ab für diese Leidensfähigkeit, damit wirst Du Dein Ziel, den Deutschlandlauf 2010 zu meistern, sicherlich erreichen!

Die Tour der Pannen und Probleme …

… aber dennoch habe ich nach der sechsten und vorletzten Etappe Glück.
Ich habe ein ungesichertes, wenngleich sehr schwaches, WLAN-Netz gefunden.

Eine Tour der Pannen und Probleme ist der SJM für mich. Schon nach dem ersten Tag wollte meine KODAK Kamera nicht mehr – schade, aber bis auf heute wären es ja sowieso hauptsächlich Regenfotos geworden.

Seit dem Morgen vor der vierten Etappe lädt mein geliebter GARMIN Forerunner 305 nicht mehr. Die vierte Etappe habe ich noch fast komplett mit dem Restakku laufen können, seither laufe ich mit einer ganz normalen Stoppuhr. Kein Puls, keine Entfernung, keine Kontrolle über die Laufgeschwindigkeit und die restliche Zeit bis zum Ziel. Das macht die Sache nicht wirklich einfacher, aber ich bin meinem Lauffreund Achim sehr dankbar, dass ich diese Uhr verwenden darf.

Seit vorgestern ist auch mal wieder das Mikrofon in meinem NOKIA Communicator E90 ausgefallen. Ich höre, aber ich werde nicht mehr gehört.
Hoffentlich bekomme ich auch diese Reparatur als Garantiefall durch, immerhin hat NOKIA mein Handy schon Anfang des Jahres durch ein neues Modell ersetzt, weil beim alten das gleiche Problem zu beklagen war.

Zuletzt funktioniert plötzlich auch der Kopfhörer des MP3-Players nicht mehr, den ich am ersten Tag noch verwendet habe. Seither ist es still geworden um mich …

Aber all das ist egal: unter großen Schmerzen sind jetzt 298 von 350 Kilometern abgelaufen und morgen ist es mir egal, wenn ich die Soll-Zeit überziehe. Die Sehne im linken Fuß zwischen Schienbein und Fußansatz schmerzt, eine Muskelverhärtung im linken Oberschenkel hätte mich gestern fast aufgeben lassen und nur die Wunderhände des Masseurs Urs und die Tape-Kunst von Ramona haben dafür gesorgt, dass ich heute überhaupt laufen konnte. Möge es morgen auch noch gehen …

Mehr nächste Woche, wenn ich wieder zu Hause bin …

Genf

SJM, die 1. Etappe ist geschafft!

Regen

So ein Glück! Ich habe ein passenses WLAN gefunden. Ob ich nach der nächsten Etappe das gleiche Glück noch einmal habe?

Nach 28 flachen Kilometern, 12 unglaublich steilen Kilometzern und 7 Kilometern, die zwar abwärts gingen, aber so heftig waren, dass meine Durchschnittsgeschwindigkeit weiter sank, weil es glitschig war, nass, schlammig und eben auch super steil.

Es begann heiß und sonnig, eigentlich sogar extrem heiß. Und nach 3:30 Stunden kam der Regen. Mal weniger, aber zunehmend mehr.
Teilweise goss es wie aus Kübeln – unglaublich und für mich wirklich ungewohnt. Noch nie habe ich so starken Regen bei einem Wettkampf erlebt.
Aber nach einer warmen Dusche, einer leckeren Portion Spaghetti und einem kleinen Bier sieht die Welt wieder besser aus.

Das Resultat: 6:20 Stunden gelaufen, dabei 47 Kilometer hinter mich gebracht, nasse Schuhe, die übermorgen wieder gebraucht werden und Laufklamotten, die ich glücklicherweise nicht mehr tragen muss.
Nur die Laufhose und den Buff brauche ich übermorgen wieder.
Ein aufgequollener Hügel auf dem rechten Fuß macht mir Sorge und die Hoffnung, dass wir morgen trockener bleiben, macht mir Mut. Das war es für heute.

E1

Mit Antje und Achim hier zu sein ist sehr schön, aber ich kenne doch etliche Läufer vom GONDO EVENT oder vom GoreTex TransAlpineRun 2008.

Mein Lauffreund Heiko hätte seine wahre Freude hier.

Auf zu neuen Taten!
Auf zu neuen Etappen!
Auf Richtung Basel!

Vor dem SwissJuraMarathon …


N.T. carbon
Morgen Abend packe ich meine Sachen für den bis dahin längsten Lauf meines kleinen Lauflebens: 350 Kilometer an 7 Tagen mit 11.000 Höhenmetern.

Das sind noch 50 Kilometer mehr als beim GoreTex TransAlpineRun 2008 und das bei einem Lauftag weniger. Mal sehen, wie das wird.

Über die Veranstalter geärgert habe ich mich aber schon drei Mal: zuerst, als ich hörte, dass es seit zwei Jahren kein Funktions-Shirt mehr gibt, sondern nur noch eines aus Baumwolle. Und das kannst Du nicht bei Deinen Läufen tragen … tragisch, finde ich.
Und dann wieder, als der Speiseplan erschien. Da findest Du Fleisch, Fleisch, Fleisch. Für mich ist das eine kleine Katastrophe. Einzig die Supermärkte der einzelnen Orte werden sich freuen, dort werde ich täglicher Gast sein. Also wieder eine Stunde, die weg ist.
Besonders ärgerlich aber fand ich die Reaktion auf meine Bitte, doch auch ein vegetarisches Gericht anzubieten. So kalt und gleichgültig bin ich selten abgefertigt worden.
Und seit gestern habe ich ein weiteres Problem mit dem Veranstalter. Ich habe mich beim GoreTex TransAlpineRun 2008 so daran gewöhnt, die Bergpassagen mit meinen superleichten Comperdell Carbonsticks zu bewältigen. Beim SJM aber ist das vorgestern verboten worden.
Die Begründung: Stöcke hätte ja nicht jeder und so sei es eine Bevorteilung derer, die mit Stöcken laufen würden. Zudem sei das sowieso nur eine Mode, die vorbei gehen würde. Na ja, selbst die „Mutter aller Bergläufe“, der UTMB, empfiehlt Stöcke sogar ausdrücklich. Vielleicht sollten die Schweizer hier mal Nachhilfe nehmen und für 2010 etwas ändern.

Ich habe mir aber vorgenommen, ohne negative Assoziationen nach Genf zu fahren, deshalb habe ich mir heute ein Funktions-Shirt designed, das morgen in den Druck geht. Da freue ich mich drauf und ich werde das bei der ersten und bei der letzten Etappe tragen.

Bald geht es los: schon vom SJM träumen …

Am Samstag in einer Woche beginnt die Anreise nach Genf zum SwissJuraMarathon (SJM). Wirklich nicht mehr lange hin …
Zeit, dass ich mir Gedanken mache über das, was da vor mir liegt.
Insgesamt sind es 350 Kilometer an 7 Tagen.

Klar ist für mich, dass ich mich ausschließlich an den Cut-Off Zeiten bewegen will. Ich will viele Fotos machen und mir keinen unnötigen Stress machen.
Noch vor zwei Tagen habe ich gezweifelt, ob ich überhaupt mitlaufen könnte, mittlerweile sind die Füße soweit abgeheilt, dass ich Hoffnung habe, dass es gehen wird.
Aber auf eine „gute Zeit“ gehen und eine gute Position im Ranking anstreben? Nein, ganz bestimmt nicht.

Tag 1 – Sonntag: es beginnt nicht einfach. 47 Kilometer und ein richtig hoher Berg.

Swiss Jura Marathon Etappe 1

Tag 2 – Montag: die Etappe scheint nicht allzu hart. Nur 1.290 Höhenmeter.

Swiss Jura Marathon Etappe 2

Tag 3 – Dienstag: die längste Etappe, immerhin 56 Kilometer lang.

Swiss Jura Marathon Etappe 3

Tag 4 – Mittwoch: auch ein harter Tag, 47 Kilometer und über 2.000 Höhenmeter.

Swiss Jura Marathon Etappe 4

Tag 5 – Donnerstag: wieder eine lange Etappe mit vielen Abstiegen, schlecht für meine Knie, aber auf Biel freue ich mich.

Swiss Jura Marathon Etappe 5

Tag 6 – Freitag: glatte 50 Kilometer, aber die Strecke kenne ich.

Swiss Jura Marathon Etappe 6

Tag 7 – Samstag: die Abschluss-Etappe hat es noch einmal in sich, aber ich freue mich, in Basel meinen Bruder zu sehen und mit ihm zu feiern.

Swiss Jura Marathon Etappe 7

Ich bin meinem Lauffreund Achim und seiner Frau sehr dankbar, dass ich mit ihm nach Genf fahren darf.  So erspare ich es mir, mich ohne Begleitung vorbereiten zu müssen. Wir können uns unterhalten, vielleicht kann ich im Auto noch etwas lesen.
Ein richtig schöner Ruhetag bevor es richtig losgeht.