Der UTMB – Norman Büchers und mein Bericht für das XING-Forum

Es ist fast eine Woche her, dass Norman Bücher und ich in Chamonix beim UTMB ins Ziel eingelaufen sind. Und noch immer denken wir an diesen großartigen Zieleinlauf, an die vielen begeisterten Menschen in diesem schönen französischen Mont Blanc – Städtchen und hören die aufmunternden Wortez: „Courage!“ oder „Allez! Allez!“, die uns schon die vielen vergangenen Stunden getragen haben.

Einerseits sehnen wir uns die Ziellinie herbei. Nach 166 Kilometern bei rekordverdächtigen 9.400 positiven und auch negativen Höhenmetern wollen wir endlich aufhören zu laufen. Aber es geht noch durch die ganze Stadt Chamonix durch und wieder um einen Häuserblock und noch einmal um eine Straßenbiegung. Die Beine sind müde, der Kopf noch mehr, aber wir laufen, weil uns die Begeisterung trägt und pushed.

Andererseits hoffen wir aber auch, dass die Ziellinie nie kommen möge. Zu imposant ist dieses Erlebnis, durch diese Menschenmengen zu laufen, die ungeheuer sachkundig sind und alle genau wissen, dass jeder, der hier läuft, ein Held ist.

Ob man wie Norman nach 42:30:14 Stunden ins Ziel kommt, wie ich nach 41:53:22 Stunden oder erst mit dem Cut-Off nach 46:00:00 Stunden ist unerheblich, entscheidend ist nur, dass man diesen Lauf gesund und glücklich bewältigt hat.
Jeder ist ein Sieger, ein Sieger über sich selbst, über die Strecke und über den eigenen Willen.

UTMB1

Für Norman ist es schon der dritte Einlauf in Chamonix, ein „Hattrick“ gewissermaßen, für mich ist es der bisher größte sportliche Erfolg als Läufer. Für uns beide aber ist es ein weiterer Mosaikstein, um das eigene Bild eines Extremläufers weiter zu malen, wenngleich es auch ein recht großer Mosaikstein ist.

2.300 Läufer aus Ländern aller Kontinente dieser Welt waren am Freitag um 18.30 Uhr gestartet, um diesen härtesten Berglauf der Welt zu wagen. Schon weil jeder einzelne Läufer für den Start beim UTMB Qualifikationsläufe nachweisen muss, ist das Starterfeld hochkarätig und die Läufer sind durchweg bergerfahren.
Und dennoch werden 46 Stunden später nur 1.378 Läufer in Chamonix ankommen, die anderen werden selbst aufgeben oder wegen des Nicht-Erreichens der Cut-Off Zeiten vom Veranstalter aus dem Rennen genommen werden. Dabei sein im Ziel ist also schon sehr, sehr viel.

Das schlimmste für mich waren die Abstiege, nicht die Aufstiege. Rauf kommt man immer irgendwie – und wenn man extrem langsam wird. Aber runter schiebt der ganze Körper nach vorne, die Oberschenkel brennen und die Füße rutschen in den Schuhen so weit nach vorne, dass Schmerzen unvermeidlich sind. Nie sind es Ziehwege, die die Läufer des UTMB nach unten führen, sondern mit Steinen bewehrte und mit Wurzeln durchwachsene, fast immer senkrecht nach unten führende, Trails. Und diese Trails bringen uns insgesamt 10 Mal 700 bis 1.100 Höhenmeter nach unten. Und das in dem Bewusstsein, dass es auf der anderen Seite nach der Wasserstelle gleich wieder genauso steil nach oben geht.

„Ein Königreich für eine Brücke,“ denkt man noch und weiß, dass man in 90 Minuten unten im Tal sein wird, in dem kleinen Dorf, das als winziger Punkt von oben schon zu ahnen ist. Und man weiß, dass man weitere zwei, zweieinhalb Stunden später wieder oben sein wird, wieder spektakuläre Blicke auf den „weißen Berg“ bekommt und wieder in großer Höhe kühle, aber reine Luft atmen darf.
Und das wiederholt sich dann, das eine um das andere Mal.

Knapp 1.700 Höhenmeter am Stück ist der längste, der zweite Aufstieg auf 2.479 Höhenmeter lang und der längste Abstieg geht vom höchsten Punkt des Laufen auf 2.537 Höhenmeter herab bis auf etwa 1.100 Höhenmeter, steil und unerbittlich.

Zwei Nächte laufen wir durch, Nächte, die kalt sind und windig. Die Stirnlampen leisten echte Spitzenarbeit und der Rucksack ist spätestens in Chamonix Dein bester Freund.
Aber nach dem letzten Abstieg durch die heiße Sonne des frühen Sonntag Mittags will man nur noch in Ziel, die letzten Kilometer Laufen und den Zieleinlauf genießen.

Aber die Ziellinie soll doch noch nicht gleich kommen, es ist so schön hier zwischen den grölenden Menschen, den Fotografen, den anderen Helden …

UTMB2

Norman Bücher und Thomas Eller

Das Neueste gibt es heute auf der HP …

… ich habe meine normale Laufseite www.marathonundlaenger.de schon lange ein wenig vernachlässigt.
Deshalb habe ich meinen ersten Bericht über den UTMB dort eingestellt und nicht hier im Blog.

Dort habe ich auch eine Unterseite speziell für den UTMB, die Du Dir ansehen solltest: UTMB.html

Hier im Blog will ich von morgen an möglichst täglich einen kurzen Beitrag über meine Lauffreunde und Lauffreundinnen beim UTMB schreiben, weil ich glaube, dass Du schon genug Berichte darüber gelesen hast, wie der Weg war, wer gewonnen hat, wie kalt es in der Nacht war und wie heiß am Tag. Aber die persönlichen Erfolge und das persönliche Leid, das meine Freunde erfahren und erlitten haben, davon gibt es zu Hauf zu erzählen. Das will ich tun.

Jetzt erst mal viel Freude mit meinem ersten Bericht auf: UTMB.html

Lange 166 Kilometer, steile 9.400 HM Aufstieg und Schmerz verursachende 9.400 HM Abstieg …

UTMB-Ziel

Foto: Klaus Duwe - http://www.marathon4you.de

Ein großes Erlebnis ist vorbei und ich schwebe noch immer auf „Wolke 7“. Ich kann zwar kaum mehr aus dem Stuhl aufstehen und beim Treppen steigen sehe ich aus wie ein alter Mann, aber ich bin stolz und beseelt von dem Gefühl, ein UTMB-Finisher zu sein.

Noch habe ich nicht ausreichend Zeit, den detaillierten Bericht über den UTMB zu schreiben, aber das Wichtigste schon vorab: Ja, ich habe gefinished!
Und ich habe es in einer fantastischen Zeit gepackt, was will ich mehr?

777. von allen 2.300 Startern, 340. meiner Altersklasse, 41:53:22 Stunden bei einem Zeitlimit von 46:00:00 Stunden und das trotz 150 Minuten Schlaf in Trient, einfach ein super Gefühl!

Keine 60 Stunden mehr bis zur Abfahrt …

Mit jeder Minute, die der UTMB näher rückt, wird meine Nervosität größer.
Und dabei ist noch so viel zu erledigen bis dahin. Ich muss noch unsere „Mannschafts-T-Shirts“ drucken und den Rucksack packen.
Nichts darf vergessen werden, nicht die beiden Uhren, die GARMIN 305 und die Polar 625X, die ich eigentlich schon längst meinem Sohn Pascal geschenkt habe.
Aber die GARMIN 305 hält maximal 14,5 Stunden durch, dann ist der Akku leer und ich würde blind durch die Zeitkorridore laufen.

Auch den doppelwandigen Alubecher, den ich mir speziell für diesen Lauf noch beim Globetrotter im Kölner Olivandenhof gekauft habe und den Karabinerhaken, an dem ich den Becher festmachen will, darf ich nicht vergessen. Was packe ich sonst noch ein?

Heute habe ich mich zuerst einmal mit dem Profil des Laufs und den Cut-Off Zeiten beschäftigt.
Eigentlich liest sich das ganz angenehm. 19 Minuten Zeit pro Kilometer auf den Steilstücken sollte mehr als ausreichend sein, denke ich. Hoffentlich denke ich das auch noch nach mehr als 40 Stunden Lauf …

Die Cut-Off Zeiten beim UTMB - das sieht machbar aus! Klicken zum Vergrößern!

Und das ist das dazugehörige Profil: 10 Anstiege in unterschiedlichster Ausprägung!

Auf jeden Fall bin ich froh, wenn es vorbei ist – im Guten oder im Schlechten, aber die monatelange Anspannung wird nach dem Wochenende Geschichte sein. Aber bis dahin sind noch viele Entscheidungen zu treffen, viele Kilometer zu laufen und viele Hundert Höhenmeter aufzusteigen.

Noch knapp 60 Studen und wir sitzen im Auto Richtung Chamonix!

23:23 am 23.

Nachdem ich ja gestern den langen Lauf „geschwänzt“ habe, haben meine Frau Gabi, mein Triathlon-Sohn Pascal und ich uns entschlossen, noch am kurzen ABTEI-LAUF in Brauweiler teil zu nehmen.
Die 10 Kilometer Distanz konnten wir nicht laufen, weil Gabi einen Anschlusstermin hatte. Also nur die kurze Distanz von 5 Kilometern. Wie ich die Kurzstrecke hasse!

Pascal Ruppichteroth

Pascal auf der Strecke zur persönlichen Bestzeit (19:02 Min. auf 5.000 Mtr.) in Ruppichteroth 2009 (Archivfoto)

Zwischen den 171 Kilometern des KÖLNPFADS und den 166 Kilometern des UTMB eben mal ein kurzer Lauf, der mir zeigen soll, dass ich einfach nicht mehr schnell sein kann.

Der Lauf begann schon wenig verheißungsvoll. Nicht nur, dass ich das Startband, die GARMIN Uhr, das Singlet, die Brille und die Kappe vergessen habe, ohne die ich wirklich selten unterwegs bin, es war auch mal wieder vor allem eines, nämlich heiß, sehr heiß sogar! Aber im Hinblick auf den MdS muss ich ja froh sein um jeden Lauf in der Hitze, oder?
Und es ging wenig verheißungsvoll weiter. Nach dem Aufwärmen waren die vorderen Startplätze alle belegt, rappelvoll war es da vorne. Glücklicherweise hat Pascal einen Platz an der Sonne erobert, das hat mich sehr gefreut, weil für ihn dieser Lauf naturgemäß wichtiger war als für mich.
Also von hinten starten. „Dann aber wirklich ganz von hinten“, dachte ich mir und tippelte so langsam los, dass noch vor der ersten Startzeitnahme alle anderen vor mir waren.

Das Hauptproblem des Laufs war gleich nach etwa 50 Metern der Knick nach rechts. Und dann folgten enge und volle Wege im Stadtpark. Es staute sich schon in der ersten Kurve und ich musste immer wieder den Körper einsetzen, um ein kleines Stück weiter nach vorne zu kommen. Etliche Ellenbogen hatte ich im Gesicht oder auf der Brust gefühlt, aber ich kam nach vorne, sukzessive, Stück für Stück.
Und ich rief: „Mitte!“ oder „Rechts!“, wenn ich passieren wollte.

Es war ein Lauf über zwei Runden mit jeweils 2.500 Metern. Mitte der ersten Runde wurde die Situation mit den vollen Wegen erträglicher, das Feld zog sich zunehmend auseinander und die zweite Runde war dann fast ohne Behinderungen zu laufen. Aber wegen des holprigen Starts, der verlorenen Zeit am Anfang und der Motivationsprobleme für diesen kleinen Lauf brauchte ich deutlich länger, als ich es erhofft hatte.
Ich wollte unter 21 Minuten bleiben, das war aber nicht drin heute.

Mein Trost ist, dass Pascal, der schon zwei Mal die 5.000 Meter in 19:02 Minuten gelaufen ist auch mehr als eine Minute hinter „seiner“ Zeit geblieben ist. Trostreich war zudem, dass ich immerhin noch einen 40. Platz erlaufen konnte und sogar 3. Sieger der Altersklasse M45 geworden bin, bei insgesamt rund 220 männlichen Teilnehmern ein akzeptables Resultat. Das trägt mich dann am Freitag Abend locker und leicht auf die bescheidenen Anhöhen des MontBlanc.

Lustig fand ich aber dann die Endzeit, auf der bei mir die offizielle Uhr des Veranstalters stehen geblieben ist: 23 Minuten, 23 Sekunden – und das am 23. August!

Abtei-Lauf

Als dann einige Minuten später Gabi eingelaufen kam, da war auch sie mehr als eine Minute hinter ihrem Zeitziel zurück geblieben. Für uns drei war es also der Tag der verlorenen 75 Sekunden, 15 Sekunden pro Kilometer, ganz schon viel!

Pascal erreichte insgesamt einen hervorragenden 7. Platz von allen, aber ich wei ja längst, dass ich zu ihm den Anschluss längst verloren habe, zumindest auf der Kurzstrecke. Sein Sieg in der Altersklassen-Wertung war ja fast schon erwartet worden. Chapeau, junger Mann, weiter so!

Auch Gabi kann mit ihrem 5. Platz in der AK W45 zufrieden sein, ein schönes Event also für den läuferischen Teil der Familie.