BRAVEHEART Battle – … durch die Hölle gehen!

15 Kilometer durch Matsch und Schlamm - aber mit den besten Freunden!

15 Kilometer durch Matsch und Schlamm - aber mit den besten Freunden!

BraveheartBattle 2010 – … durch die Hölle gehen:

Der 15-Kilometer-Höllenlauf für die Tapfersten der Tapferen! Der BraveheartBattle, ein höllischer 15-Kilometer-Fun-Lauf quer durch die fränkische Wildnis, wird es uns und jedem zeigen! Am 13. März 2010 steigt der spektakuläre Event, bei dem Weicheier definitiv nichts zu suchen haben und auch die härtesten Männer und Frauen an ihre physischen und psychischen Grenzen stoßen. Auf uns Teilnehmer wartet ein echter Höllenparcours. Bei dem mörderischen Lauf durch die präparierte Strecke fordert der Battle uns Bravehearts durch etliche natürliche und künstliche Hindernisse heraus. Wir müssen durch Schlamm und Dreck, tiefe Gräben und über hohe Barrikaden. Überall lauern Herausforderungen, die nur mit Mut, Ausdauer, Kraft, Härte und dem eisernen Willen anzukommen bewältigt werden können – der Veranstalter hat sich einiges ausgedacht. Schweiß, Schmerzen und Spaß garantiert!

Die Strecke muss in einer Zeit von maximal 3 Stunden bewältigt werden, wer das schafft, ist offiziell ein Braveheart und bekommt nach dem Battle die Medal of Honor, die das bestätigt. Wer später ins Ziel kommt, ist tough, aber kein Braveheart und wird in der Ergebnisliste nicht unter den offiziellen Bravehearts gelistet. Sieger ist, wer die kürzeste Zeit für die Strecke braucht.

Grace, Bernie, Kurt und ich sind schon angemeldet – aber Achtung: wenn auch Du teilnehmen willst, dann musst Du schnell sein, denn es können nur 4.996 weitere Bravehearts mitmachen! Die Startgebühr beträgt 54 Euro inklusive Starterpack und T-Shirt. Veranstaltungsort ist Münnerstadt in Unterfranken.

Anmelden kannst Du Dich hier!

Samstag, 09. Januar 2010 – Ergänzung – ich habe einen ergänzenden Artikel über dieses Event geschrieben. Lies ihn hier: Braveheart Battle 2010 – ich freue mich darauf!

Edit: ich habe am 27. Januar 2010 einen Artikel über die „Mutter des BraveheartBattle“, über den „ToughGuy“ geschrieben. Interessiert? Dann klicke hier …

Edit 2: ich habe am 13. Februar 2010 einen ergänzenden Artikel über das „BraveheartBattle“ geschrieben. Du willst ihn lesen? Dann klicke hier

Von Schmerzmitteln, vom reinen Glück, von Freunden und von mir …

Im Nachhinein ließt sich meine Geschichte zur Deutschen Meisterschaft im 100km Straßenlauf wie die reine Geschichte vom Glück.

Als ich im Frühjahr gehört hatte, dass der TuS Ahrweiler, also der Verein meines Sohnes, 2009 Ausrichter der Deutschen Meisterschaften wird, da wusste ich schon: DA MUSS ICH EINFACH HIN. Ich habe so viele Läufe in der Fremde gemacht, aber eben noch keinen langen Lauf in meiner Wahlheimat, dem Ahrtal. Dort, wo mich so viele Menschen kennen, wo ich als 2.Vorsitzender des SC07 Bad Neuenahr so glückliche Jahre verbracht habe, wo scheinbar jeder Unternehmer mir jedem Unternehmer eine loyale Einheit bildet – dort wollte ich laufen gehen.
Sabine Strotkamp von der LG Ahrweiler, meine Freundin und Pacemakerin bei der DLV-Challenge des 24-Stunden-Laufs in Delmenhorst, erfolgreiche Ultra-Läuferin im Nationalteam des DLV, war eine der treibenden Kräfte, dass dieser Wettbewerb vom Ultramarathon zum UltrAHRmarathon wurde, immerhin wohnt sie fast direkt an der Laufstrecke. Und ich wollte mich schon sehr früh anmelden, zu früh, wie ich merkte.
Eine Anmeldung über den DLV hatte ich noch nie gemacht und ich konnte erst eine Woche vor dem Lauf kontrollieren, dass ich auch wirklich auf der Starterliste stehe. Aber Sabines beruhigende Worte halfen mir, Vertrauen zu haben und zu wissen, dass dies „mein Tag“ werden sollte.

Cheerleader-Mädchen motivieren die Läufer

Cheerleader-Mädchen motivieren die Läufer

Aber wie bei allem, auf das man sich zu sehr freut, rächt sich das Leben. Du bekommst einen Termin in die Agenda gedrückt, der wichtiger ist als die private Freude – oder Du wirst krank. Das Leben kann manchmal grausam sein. Mich erwischte es ohne Vorwarnung am Dienstag vor dem Lauf, also 96 Stunden vor dem Start. Ich fühlte mich wohl, ich war nicht verkühlt und guter Dinge. Ich setzte mich auf den Rand unseres Bettes im Schlafzimmer, um mir die Hose auzuziehen, da stach es in den Rücken und ich wurde innerhalb von Sekunden zum alten Mann.
Mein Weg ins Büro, der nur vielleicht 50 Meter weit ist, dauerte ewig und ich lief tief gebeugt und von Schmerzen geplagt dorthin. Das muss für die Kolleginnen ein Bild gewesen sein! Noch am gleichen Tag ließ ich mir einen Termin bei meinem Lieblings-Sportarzt Dr. Roman Bauer in Bad Neuenahr geben. Dort ist alles perfekt, außer die Parkplatz-Situation. Immer schwanke ich zwischen einem Knöllchen und dem langen Fußweg bis in die Praxis. Und dieser Fußweg dauert!
Ich komme gleich dran, der Arzt ist mein Freund, schon aus alter Verbundenheit zu unserer gemeinsamen Zeit beim SC07 Bad Neuenahr, und ich bekomme eine Spritze in die linke Po-Backe und ein Rezept über Schmerzmittel, die ich drei Mal am Tag und ein Muskellösungsmittel, das ich jeweils am Abend nehmen soll.

Die Stunden vergingen und es wurde stets besser, ohne gut zu werden. Noch am Tag vor dem Start ging ich noch einmal zum Doc, ich bekam eine neue Spritze, wurde mit 10 schmerzhaften Stichen „gequaddelt“ und meine Chancen, zu starten, stiegen. Am Freitag Abend ging ich zur Startnummern-Ausgabe und ich überlegte, ob ich die Startnummer wirklich abholen sollte oder nicht. Und ich redete mit jedem, den ich kannte, über meinen Rücken.

Da gab es aber keine „Weicheier“. Niemand sagte, dass ich in der Situation vorsichtig sein solle und mich erst auskurieren möge. Die meisten sagten, ich solle es einfach versuchen, locker angehen und dann nach einer Stunde oder zwei entscheiden, ob ich dabei bleiben wolle. Und ein Freund aus dem DLV-Team sagte mir, dass auch das Gegenteil passieren könne: dass die Muskeln sich durch das Laufen entspannen könnten. Das hat mich überzeugt und ich beschloss, zu starten.

Der Samstag vor dem Start war richtig hektisch. Kennst Du das, dass diejenigen, die am wenigsten weit von einem Ereignis weg wohnen, stets die letzten sind?

Um 6.30 Uhr sollte der Start sein, ich stellte meinen Wecker auf 5.30 Uhr. Mein Frühprogramm ist schon Routine, das geht schnell. Die Brustwarzen müssen getaped werden, ein wenig Melkfett muss verschmiert werden, die Zehen bekommen ein paar COMPEED Streifen, der Pulsgurt darf genausowenig vergessen werden wie der GARMIN 305, der Buff am linken Arm, eventuell die Armlinge, die Mütze und die Sonnenbrille. Ob ich immer alles brauche? Eher nicht, aber ich fühle mich „nackt“, wenn davon etwas fehlt.

Die wichtigste Entscheidung aber treffe ich schon immer am Tag vor dem Lauf: worin willst Du laufen? Worin willst Du starten, wie oft ziehst Du Dich um und worin finished Du? Ich fühle mich häßlich und kann nicht gut laufen, wenn ich mich nicht auch „schön“ finde …

Für den Samstag habe ich mich entschieden, weitgehend mit einer SKINFIT-Oberjacke zu laufen, um den Rücken warm zu halten. Ich lief auch mit einem ABC-Pflaster und startete mit einem engen schwarzen NIKE-Oberteil, mit dem ich zurzeit sehr gerne laufe, weil es meinen Oberkörper so schön betont. Wenn einer wie ich schon keine Muskeln hat, dann muss man etwas tragen, das wenigstens so tut, als wäre das was …
Finishen wollte ich mit dem Finisher-T-Shirt des TransAlpine Run. Nur eine Runde lang trug ich dieses schwarze Shit mit dem tollen Aufdruck und am Ende lief ich dann auch ohne die SKINFIT-Jacke, die ich vor dem Einlauf in die Versorgungszone meiner Tochter zuwarf. So konnte man das Shirt hervorragend sehen.

Als ich nach der Vorbereitung auf die Uhr gesehen habe, war es schon 6:14 Uhr. Regulär nach Bad Neuenahr fahren hätte nicht mehr funktioniert, also griffen wir zu einem kleinen illegalen Trick und fuhren über einen Parkplatz direkt auf die Autobahn auf. Meine Frau Gabi fuhr so schnell es ging und sie setzte mich eine Minute vor dem Start vor der Schule ab. Als ich ankam konnte ich noch einen Freund begrüßen, der zufällig da stand, aber dann ging es auch gleich los. Zeitlich enger hätte es nicht sein können …

Gabi sagte, dass sie eine Runde lang auf mich warten würde, nur für den Fall, dass ich aussteigen wolle, aber die erste Runde war ein wenig schmerzhaft, aber es ging. Die zweite Runde war schlimmer und noch immer war sie da. Da ich aber nicht darauf eingestellt war, hatte ich keinen weiteren Gedanken auf das Aufgeben verwendet und nach der dritten Runde, zweifellos der schlimmsten, war sie erst einmal weg.

Ich hatte mir vorgenommen, alle drei Stunden je eine Schmerztablette und eine dieser Nachttabletten zur Muskellösung zu schlucken und meine Lauffreundin Huberta besorgte mir noch zwei weitere Schmerztabletten, die ich auch noch zu mir nahm. „Viel hilft viel“, dachte ich und die Rückenschmerzen waren weg, komplett weg. Ich merkte nicht einmal die wärmende Wirkung des ABC-Pflasters mehr, aber nach wenigen Runden spürte ich, wie mein linkes Bein komplett hart und steif wurde. Wahrscheinlich habe ich eine „Schonhaltung“ eingenommen, die dann auf den Bewegungsapparat gewirkt hat.

Um den Lauf kurz zu skizzieren: 50 Kilometer lang ging alles gut, 50 Kilometer tat alles weh. Ein paar Schritte gehen, wieder anlaufen, gehen, laufen, alles schön im Wechseln. Und dennoch verbesserte ich mich auf den letzten 50 Kilometern um über 20 Plätze. Es soll also Läufer gegeben haben, die noch mehr Probleme hatten wie ich.
Richtig schön war aber, dass ich nahezu jeden Streckenposten kannte – oder der zumindest mich. Und jeder feuerte mich an. Und bei keinem wollte ich Schwäche zeigen, auch nicht bei denen, die unmittelbar vor einer steilen Brücke standen. Da musste gelaufen werden …

Zwei Freunde vom LT Grafschaft kamen vorbei, viele private Freunde, die dann in der Versorgungszone warteten, die ehemalige Torhüterin des SC07 Bad Neuenahr, Andrea Schaller mit ihrer „besseren Hälfte“, der Geschäftsführer der Ahrtal-Touristik Andreas Wittpohl und auch mein Journalistenfreund Gerd Weigl, der auch zwei Fotos von mir machte und sie mir auch sofort mailte. Und viele Zuschauer am Rande nickten und winkten mir und ich war oft nicht sicher, ob die dem „unbekannten Läufer“ zuwinkten oder eben mir und ich erkannte sie einfach nicht …
Und der Moderator erwähnte gleich zwei Mal meinen „sensationellen Lauf“ über 166km mit 9.400 Höhenmetern, ohne das Wort „UTMB“ zu erwähnen. Trotzdem tat das richtig gut und die anderen Ultra-Läufer werden gewusst haben, wovon er sprach.

Dass ich mein ursprüngliches Ziel, unter 10:30:00 Stunden zu laufen, nicht schaffen werde, war mir schon klar, als ich das ABC-Pflaster aufklebte. Aber es musste ein Ergebnis unter 11:00:00 Stunden sein, weil bei der DM in den Kategorien M40 und M45 nur diese Ergebnisse gewertet werden. In Biel hatte ich beim ersten Mal 11:19 Stunden gebraucht, beim zweiten Mal 10:43 Stunden. Die 10:47:32 Stunden vom Samstag sind für mich also alles andere als schlecht – ich war zufrieden. Und meine Qualifikation für den Spartathlon muss ich jetzt eben bei der TorTOUR de Ruhr holen.
Die Forderung der Veranstalter des Spartathlon ist ja entweder ein 100km-Lauf in unter 10:30 Stunden oder ein Nonstop-Lauf über 200 Kilometer. Und da ist dan die Zeit egal. Ich glaube, dass ist eher meins.

Was bedeutet „quaddeln“?

Die roten Pustel (Quaddel) auf der Haut

Die roten Pustel (Quaddel) auf der Haut

Bist Du schon mal gequaddelt worden? Ich wurde heute bei meinem Lieblings-Sportarzt Dr. Roman Bauer, Bad Neuenahr, gequaddelt.

Wenn ich in einem thailändischen Massage-Studio gewesen wäre, dann wäre „quaddeln“ bestimmt eine sehr harmonische Sache gewesen, so aber hat es richtig weh getan. Schon als Dr. Bauer zu mir sagte, dass ich neben der üblichen Spritze gegen meine Muskelverspannung im Rücken, die mich zum gebeugten Mann gemacht hat, auch gleich noch gequaddelt werde, dachte ich, das wäre eine besondere Art der Massage. Vielleicht so ein Klopfen auf die verspannten Muskelpartien, um diese zu lösen?
Ich staunte nicht schlecht, als ich dann nach der bekannten Spritze in die linke Lende mich aufrecht auf den Tisch setzen sollte und hintereinander 10 Stiche in den Rücken erhielt, ein Stich schmerzhafter als der zuvor. Eingespritzt wurde ein Schmerzmittel, um mir das Laufen für morgen zu ermöglichen. Nachdem das erledigt war, wollte ich noch gequaddelt werden, aber ich erfuhr, dass diese Stiche das Quaddeln seien. Der Name käme daher, weil sich rote Pusteln (Quaddel) bilden können. Was ist aber der genaue Unterschied zwischen der ersten Spritze und den nachfolgenden Spritzen?

Ich habe also „Tante Google“ befragt und fand diese Frage:
„Hallo, ich habe Rückenschmerzen und der Arzt sagte mir, dass ich was am  Ischiasnerv habe. Dann sagte er, dass er jetzt gerne quaddeln würde um so den Schmerz zu stillen und meine Muskeln zu lockern. Er hat eine Spritze genommen und mir 3 mal unter die Haut gestochen. Was hatte das für einen Sinn? Die Schmerzen haben nicht nachgelassen. Und wieso hat er es nicht „spritzen“ genannt?“

Die Antwort:
„Erstmal zur eigentlichen Frage: Quaddeln ist, wenn der Arzt eine Spritze mehrmals (je nachdem wie groß die Spritze ist 2-10x) rund um den Erkrankungsherd spritzt. Bei Ischias kannst Du nur knapp unter die Haut spritzen, denn wenn Du dieses Nervlein triffst, kannst unter Umständen im Rollstuhl sitzen. Ich würde Dir mal die Röhre empfehlen – ich spreche aus Erfahrung -, denn ich habe mich 7 Monate rumgequält und dann wurde festgestellt, dass der Nerv durch einen Bandscheibenvorfall eingeklemmt war. Geh also auf „Nummer sicher“ und warte nicht länger. Natürlich kann es auch nur eine Entzündung sein, aber mit der Röhre bist auf jeden Fall mal auf der sicheren Seite.“

Quaddeln! Wieder etwas gelernt. Und wenn ich morgen früh laufen kann, dann werde ich das Quaddeln lieben!

Bitte, bitte, bitter, am bittersten …

Eigentlich sollte ich mich ja freuen.
Meine Morgenzeitung, die „RHEIN-ZEITUNG“ meinte es gut mit dem Ultra-Lauf. Und sie meinte es gut mit mir. Einen Vorbericht über die Deutschen Meisterschaften im 100km-Lauf hatte ich gar nicht erwartet, schon gar keinen so ausführlichen.
Und dann wurde ich sogar neben der National-Läuferin Sabine Strotkamp und meinem Lauffreund Hans-Peter Gieraths, die beide für die LG Ahrweiler laufen, sogar explizit und lobend erwähnt. Wie schon geschrieben: ich sollte mich eigentlich freuen!

Deutsche Meisterschaft im 100km-Staßenlauf in Bad Neuenahr-Ahrweiler

Deutsche Meisterschaft im 100km-Staßenlauf in Bad Neuenahr-Ahrweiler (zum Vergrößern bitte klicken!)

Wenn da nicht mein Rücken wäre! Gestern morgen hat mich „die Hexe geschossen“ und seither laufe ich vornübergebeugt schief und langsam durch die Gegend. Mein Lieblings-Sportarzt Dr. Roman Bauer, Bad Neuenahr, hat sich das gestern schon angesehen und mir noch eine Spritze gegeben, seither geht es besser.
Aber es geht halt noch nicht annähernd gut.

Noch habe ich 60 Stunden Zeit, um ein Wunder wirken zu lassen, aber meine Hoffnung schwindet von Stunde zu Stunde. Morgen nachmittag gibt es wieder eine Spritze und am Freitag werde ich meinen Lieblings-Physiotherapeuten Roger Steiner wirken lassen, alles in der Hoffnung, vielleicht doch noch starten zu können.

Ich erinnere mich an 2008, an die letzte Woche vor dem TransAlpineRun (TAR). Der startete am Samstag und ich musste am Samstag zuvor noch bei den internen Tennis-Clubmeisterschaften spielen. Mitten während des zweiten Spiels begann es zu regnen, der Rücken wurde kalt und ich wurde schief und krumm. Trotz der warmen Badewanne war alles zu spät: Das Höhentraining, zu dem ich am Sonntag aufgebrochen bin, fiel den Schmerzen zum Opfer, die ABC-Pflaster-Branche jubelte ob der steigenden Verkäufe und erst am Mittwoch konnte ich wenigstens wieder gehen.
Dann konnte ich leicht tippeln und abwärts laufen und – da gab es das Wunder – pünktlich zum Start war alles wieder gut. Ich lief zwar drei Tage lang sicherheitshalber mit einem wärmenden ABC-Pflaster auf dem Rücken, aber ich lief. So ein Wunder brauche ich jetzt wieder!

Und wenn nicht? Dann werde ich mir den Lauf als Zuschauer ansehen, ein paar Tränen vergießen und mir vorstellen, wie es wäre, wenn ich da laufen würde. Wie ich da versuchen würde, meine Qualifikation für den Sparthatlon zu erlaufen und wie ich in der Heimat so viele Zuschauer kennen würde …

Bitte, bitte, gib mir ein Wunder, bitte, bitte, sonst wäre es bitter …

Berlin: ein Marathon als Gruppenreise

Es ist schon ein paar Tage her, dass ich in Berlin den Marathon gelaufen bin. Längst hätte ich an dieser Stelle schon darüber berichten sollen, aber lieber spät als nie …

Im Vorjahr rief mich wenige Wochen vor dem Berlin-Marathon 2008 mein Lauffreund Peter Schmitz von den Rotwein-Runners aus Altenahr an und sagte, dass er in Berlin laufen wolle. Er ließ meinen Hinweis, dass Berlin schon seit Ewigkeiten ausgebucht sei, nicht gelten und meinte nur: „Du schaffst das schon!“

Der liebe Gott hat die Erde an 7 Tagen erschaffen, das scheint leichter zu sein als Startkarten für den Berlin-Marathon zu bekommen, der schon lange ausverkauft ist. Ich telefonierte und googelte, ich surfte und mailte. Keine gute Idee war es, den Versuch zu starten, mich als Journalist zu akkreditieren. Mein Presseausweis aus meiner politischen Zeit als junger Mann stammt aus dem Jahr 1983, das ist aufgefallen. „Haben Sie keinen Neuen?“
Aber am Ende hatte ich doch Glück: ich bekam die beiden letzten Startkarten vom Marathon-Reise-Service, den Olli Schmidt von der Volksbank Schlangen, einem Städtchen in der Nähe von Paderborn, betreibt – und das zu einem wirklich günstigen Preis, in dem die Busreise ab Paderborn, zwei Hotelübernachtungen und ein paar sonstige Extras wie der Transport zum Frühstückslauf und dem eigentlichen Marathon schon inbegriffen waren.
Es wurde ein wunderschönes Männer-Wochenende in Berlin, das ich nicht missen wollte.

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Die "Marathon-Reise-Service" Gruppe kurz vor dem "Frühstückslauf" am Samstag vor dem Berliner Schloß Charlottenburg

Nun wollte ich schon vor Monaten meine Frau Gabi zum Berlin-Marathon 2009 einladen. Aber selber buchen, ein Hotel suchen, die An- und Abreise zum Start und zum Ziel, selbst so weit mit dem Auto hin und, noch schlimmer, zurück fahren … und die Truppe aus dem Vorjahr war richtig nett! Also haben wir uns entschlossen, auch dieses Jahr wieder den Service vom Marathon-Reise-Service zu nutzen – und das war gut so.
Wieder waren es nette Menschen, Läufer eben, die sind ja alle nett und ein gutes Arrangement.

Am Anreisetag, am Freitag, hatte auch mein Berliner Bruder seinen 49. Geburtstag, den wir zünftig bei einem österreichischen Weißwein aus dem Kamptal im Restaurant „No Kangaroos“ in Berlin Kreuzberg feierten.

Es ist schon lustig, wenn man in Kreuzberg in einer Berghütte ist und in ausgedienten Sesselliften sitzt, Wolfgang Ambros hört und original österreichische Küche genießt. Ein echtes Erlebnis!

Am Samstag gab es zuerst den Frühstückslauf, an dessen Ende der Hauptsponsor real,- die Läufer mit vielen Ständen versorgt hat. Meiner Ansicht nach muss dieser Frühstückslauf jeden Vergleich mit dem „Continental Freedom Run“ in New York meiden. Weder sind die Teilnehmer so witzig verkleidet wie in der amerikanischen Metropole, noch hält die Organisation des Laufs, was er verspricht. Und das „Frühstück“ am Ende ist eher eine Katastrophe als ein Genuss. Schade drum, fand ich schon in 2008.

Aber der Berlin-Marathon war wieder schön. Rechtzeitig zum Start wurde es warm, nein, heiß, zu heiß für meine Begriffe. Aber ich hatte ja nur vor, locker zu traben, ohne mich anzustrengen. Vierzehn Tage vor den Deutschen Meisterschaften im 100km Straßenlauf und nur 21 Tage nach dem UTMB war ich froh, es hier mal locker angehen lassen zu können. Aber „unter 4 Stunden“ sollte die Zeit dann doch bleiben, fand ich.

Also hielt ich mich stets in Sichtweite zum gelben 4 Stunden Ballon, aber zwischen den km18 und 28 habe ich vergessen, den Ballon zu beobachten. Ich hing meinen Gedanken nach, träumte in den Tag hinein und verlor die Spur des Ballons. Ich realisierte nur, dass Haile keinen neuen Weltrekord geschafft hat, schade eigentlich.

Als es mir bewusst wurde, dass der Ballon nicht mehr zu sehen war, dachte ich, dass ich doch ein wenig Tempo zulegen sollte und bei km38 merkte ich, dass mir sogar rund 1 1/2 Minuten zum Zeitplan fehlten. Also musste ich mich doch noch anstrengen.

Mein Problem war, dass ich meinen GARMIN Forerunner 305 mit vier Sichtfeldern im Display bestückt habe: Pace/Geschwindigkeit, gelaufene Zeit, Herzfrequenz und zurückgelegte Strecke. Bei dieser Einstellung verlierst Du aber nach einer Stunde die Sekunden aus dem Blickfeld. Also wusste ich nicht, wo ich genau stand. Als ich dann durch das Brandenburger Tor lief, schlug die Uhr auf 3:59 Stunden um. Es waren schon noch ein paar Meter bis zum Ziel hinter dem Brandenburger Tor, vielleicht gute 200 Meter, vielleicht etwas mehr. Und nur noch eine Minute! Wie ärgerlich wäre es, wenn ich mit 4:00:02 Stunden finishen würde, also dachte ich mir: gib nochmal alles!
So wurde aus dem lockeren Trainingslauf am Ende doch noch eine recht anstrengende Angelegenheit, aber ich hätte noch viel Luft gehabt: mit 3:59:40 Stunden lief ich effektiv durch das Ziel, was hätte ich mit den 19 Sekunden noch alles anfangen können …
Dann gab es die wirklich schöne Medaille, ein paar Schlucke alkoholfreies Weizenbier (kann man wirklich ein ganzes Bier nach dem Lauf trinken?), der Rest wurde auf dem Rasen vor dem Reichstagsgebäude entsorgt, danach unter die viel zu warmen Duschen und dann ab in das Restaurant, in dem sich die Gruppe treffen und sammeln wollte. Weil die Dusche viel zu heiß war kühlt man nicht richtig runter und die Sonne stand heiß und steil am Himmel. Und ich schwitzte arg auf den wenigen Hundert Metern bis zum Restaurant.

Dort wartete ich sehr lange, bis meine Frau Gabi ihren 8. Marathon ebenfalls erfolgreich abgeschlossen hatte, aß mit ihr noch ein Häppchen und dann ging die Rückreise im Bus los. Gabis Zeit war erwartungsgemäß wenig spektakulär und auch die schlechteste von all ihren Marathons, aber dafür, dass sie überhaupt nicht trainiert hatte … durchgekommen, durchgekämpft, nicht aufgegeben und gefinisht – das ist alles, was zählt.

In Paderborn ging ich dann vom Busbahnhof bis zu unserem geparkten Auto. Es war 23.45 Uhr in der Nacht, keine Menschenseele war auf den Straßen zu sehen. Aber kaum hatte ich im Wagen gesessen und Richtung Busbahnhof gewendet, war eine Polizeistreife hinter mit und hatte eine rote Laufschrift auf dem Dach: BITTE FOLGEN!
Ich hatte gar keine Lust zu folgen und ich war nervös, müde und hektisch. Bei der üblichen Frage nach den Fahrzeugpapieren und dem Führerschein fand ich natürlich lange die Fahrzeugpapiere nicht. Und ich war nervös. Und ich war hektisch. Ich dachte daran, dass Gabi auf mich warten würde und sich sicher fragen würde, warum ich für die paar Meter so lange brauchen würde. Und ich war müde.

Der Polizist interpretierte das alles als „alkoholisiert“ und drängte auf einen Alkoholtest. Ich zeigte ihm die Medaille und fragte ihn, ob er tatsächlich der Ansicht wäre, dass ein Läufer sich so wenig unter Kontrolle haben würde, um sich mitten in der Nacht vor der zweistündigen Heimfahrt noch einen zu heben. Obwohl ich der Ansicht war, dass er dazu kein Recht auf eine Alkoholkontrolle hatte, weil die Verdachtsmomente fehlten, willigte ich schlussendlich ein, damit ich nicht noch mehr Zeit verlieren würde. Seine Kollegin ließ mich also pusten und das Ergebnis war klar: keinerlei Alkohol!

Das hätte ich ihm auch so sagen können. Hatte ich auch, aber er hat es mir ja nicht geglaubt.
Ich war immer noch nervös, müde und hektisch, aber ich durfte fahren. Es war kurz nach 2 Uhr, als wir dann endlich zu Hause waren.

Berlin ist immer eine Reise wert – aber Paderborn?