„Gülü seven dikenine katlanır.“

„Wer die Rose liebt, der erträgt auf ihren Dorn,“ heißt es ja landläufig.
Und Dornen gab es einige beim IZNIK ULTRA 140 am 21. April 2018. Erstaunlich aber war, dass ich mich an die Dornen überhaupt nicht erinnern konnte, obwohl ich diesen Lauf 2016 schon hinter mich bringen durfte.
Türkei
Selten erinnerte ich mich öfter an den Satz „Die Erinnerung ist gnädig, die Realität ist grausam.“ Oder anders formuliert: Hinter der Ziellinie beginnt die Verklärung.
Schönes bleibt in Erinnerung, weniger Schönes wird vom Mantel der Dankbarkeit und des Vergessens überdeckt.

Ich bin ein Sonnenscheinkind, ein Warmduscher, ein Schattenparker.
Bei mir muss, damit ein langer Lauf funktioniert, idealerweise alles stimmen. Die Realität muss deckungsgleich sein wie die Bilder, die ich mir vorab von einem Lauf in meinem Kopf schon gemacht habe, die Laufklamotten müssen optisch passen, nichts darf vergessen sein und auch das „Drumherum“ sollte so sein, wie ich es haben will, sonst wird es schwer für mich.

Bei meinem Trip nach Iznik zum IZNIK ULTRA 140 stimmte aber einiges nicht. Es begann damit, dass ich mich noch gut daran erinnern konnte, auf der Wiese neben der Start-/Zielzone zelten zu können, inmitten drei Dutzend anderer Camper. Direkt daneben war ein grün gestrichenes Badehaus mit Toiletten und einer Waschmöglichkeit, ausreichend für die kurze Zeit vor dem Lauf, jedoch nicht ausreichend für das Säubern des Körpers nach dem Lauf.
2016 hatte ich deshalb im Grand Nicea Hotel, korrekt Grand Hotel Belekoma 2, direkt an der Strandpromenade, angefragt und ich durfte damals eine der dortigen Duschen benutzen. Der Gast, der dieses schöne Zimmer gemietet hatte, hatte schon ausgecheckt, das Reinigungsteam aber war dort noch nicht fertig gewesen.

Ich packte also meinen (Hand)Koffer …
Ich packte ein:
Ein Zelt
Einen Schlafsack
Einen Innenschlafsack aus dünnem Seidengewebe
Meine Stöcke
Mein gesamtes Laufequipment.

Ich wusste, dass ich erst spät Abends in Iznik eintreffen würde, deshalb buchte ich noch ein Zimmer für die erste Nacht von Donnerstag auf Freitag in einer „Pansyion“ nahe dem See, dem Iznik Gölü. Das Zimmer war mit 22 EUR inklusive einem kleinen Frühstück recht günstig und ich dachte, dass ich vielleicht dort sogar noch zwei weitere Nächte bleiben könnte, falls das mit dem Campen nicht klappen sollte.

Und „wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen“, heißt es in Urians Reise um die Welt von Matthias Claudius. Und ich reiste. Von Köln aus nach Istanbul zum Flughafen Sabiha Gökçen, dem Flughafen im asiatischen Teil dieser turbulenten Metropole. Von dort aus ging es weiter mit dem Bus nach Bursa und von Bursa mit dem Minibus nach Iznik. Längst war es dunkel geworden und wir fuhren eine Ewigkeit am Iznik Gölü entlang. Und all diese Strecke sollen wir Laufen und das auf beiden Seeseiten?

Der Iznik Gölü (Gölü = See) ist der fünftgrößte See der Türkei. In der Antike wurde er auch Askania-See (Askania Limne, latinisiert Ascania Lacus) genannt. Seinen gegenwärtigen Namen verdankt er der Stadt Iznik (ehemals Nikaia). Seine Fläche misst 298 km². Zum Vergleich: Der Bodensee misst mit Ober- und Untersee zusammen 536 km², der Genfer See misst 580 km².
Kein kleiner Tümpel also. Und weil ja nicht die Seepromenade entlang gelaufen wird, die es sowieso nicht gibt, zumindest nicht um den gesamten See herum, sondern weil über die umliegenden Höhen und Berge gelaufen wird, misst die komplette Runde um den See eben 138,6 km.

Ich bezog mein Zimmerchen, nicht ohne vorher zu fragen, ob man denn noch ein freies Zimmerchen für die nächsten beiden Nächte hätte, was aber nicht der Fall war. Ich schlief früh ein und wachte zeitig auf. Es war Zeit, sich schon für den Lauf am Abend anzuziehen, so spart man sich das Umziehen am Nachmittag.
Beim Anziehen bemerkte ich, dass ich die zu den Armlingen und dem Laufshirt passenden Spykers für die Waden zu Hause vergessen hatte, welche Katastrophe. Ich bin schon lange keinen langen Ultra mehr ohne Wadenkompression gelaufen. Ob das gut gehen kann?
Nach dem Frühstück wollte ich mein Zelt aufbauen gehen. Der Wetterbericht, den ich in Deutschland angesehen hatte, versprach absolut trockenes Wetter, 13 Grad am Tag und 5 Grad in der Nacht, ideal eigentlich für einen Lauf.
Die Wirklichkeit an jenem Freitag aber sah ganz anders aus. 10 Grad warm, Regen, Regen und … schrieb ich das schon? Regen!

So trottete ich mit meinem Handköfferchen erst zum See und dann nach links zum Start-/Zielgebiet. Alles war anders. Es war eine riesige „Construction area“, Bäume wurden gepflanzt, eine Luxuspromenade soll dort entstehen und ich fand nichts wieder, nicht das Start-/Zielgebiet, nicht das kleine grüne Toilettenhäuschen, das längst hätte da sein müssen. Irgendwann kamen mir Morgenläufer vorbei, die ich kurz anhielt und nachfragte. „Mitten in der Stadt ist der Start jetzt,“ also die rund drei Kilometer mit dem Köfferchen zurück rollen. Nun sah ich auch das kleine grüne Toilettenhäuschen, eingebaut in riesige Erdhaufen, mittendrin in der „Construction area“.
Das wird wohl nichts mit dem Zelten, dachte ich. Und ich hatte Recht.
Iznik
Ich fand das Start-/Zielgebiet, anschließend klapperte ich nach und nach die einzelnen Hotels ab. Absage folgte auf Absage – und ich frage auch in den übelsten Kaschemmen nach. Meine Laune sank wie das Quecksilber in einem Thermometer in der Kühltruhe und ich sagte mir, dass ich wieder nach Istanbul fahren würde, wenn ich nirgendwo mehr unterkommen würde.
Zuletzt fiel mir wieder das feine Grand Nicea Hotel ein. Fragen kostet nichts, die Chancen sind gering, immerhin sind solche exponierten Hotels ja meist die ersten, die voll sind, weil sie eben in allen Führern und auf allen Portalen präsent sind.

Zimmer? Ja, eines war noch da. Und Geld? 180 türkische Lira die Nacht, 360 Lira für die beiden Nächte, umgerechnet 72,64 EUR, als Sonderpreis für die beiden Nächte. „Deal!“ sagte ich und reichte dem Consierge die Hand, bezog mein Zimmer und verließ es gleich wieder, um meine Startnummer abzuholen.

„Deinen Pass bitte,“ hieß es da. „Äh, … im Hotel!?“ Und, ach ja, es gibt beim IZNIK ULTRA auch eine Materialkontrolle! Das hatte ich vollkommen vergessen. Ich hatte auch vergessen, in Deutschland zu schauen, ob und was gefordert war.
Also wieder ins Hotel, die Sachen gepackt und wieder zur Startnummernausgabe.
Sicherheitsweste? Igitt!
Handschuhe? Ej, wir sind in der Türkei, da ist es warm!
Trinkbecher? Ich habe doch meine Flaschen …
Aber die Türkei ist billig und so kaufte ich für insgesamt 40 Lira, also für gut 8 EUR, diese drei Sachen nach. Zumindest die Handschuhe sind dabei ein echtes Schnäppchen gewesen und Handschuhe sind wie heißes Wasser – kann man immer brauchen.

Ich versuchte dann, im Hotel zu ruhen und schlief tatsächlich den halben Nachmittag durch. Um 18.30 Uhr (17.30 Uhr deutsche Zeit) gab es das Briefing. Ich ging hin, um zu schauen, wer denn von meinen türkischen Bekannten da wäre. Das Briefing war in Türkisch, macht nichts, ich war ja auch neben einem südafrikanischen Päarchen der Einzige, der kein Türkisch spricht.
Die beiden bekamen danach noch ein Kurzbriefing in Englisch, kurz, weil sie ja auch mit 30 km nur die Kurzstrecke liefen, ich brauchte das nicht, kannte die Zeichen und den Weg ja noch aus dem Vorvorjahr.
Danach gab es Pasta mit Tomatensauce und Ayran, ganz simpel und unspektakulär aus einem riesigen Topf. Ich sah und sprach Ruby und ihren Mann. Die beiden kenne ich von fast allen meiner türkischen Läufe. Sie war Deutsche, ist dann nach Kanada umgesiedelt und hatte den deutschen gegen den kanadischen Pass getauscht. Später dann haben die beiden ihre Firma in Kanada verkauft, seither leben sie in der Türkei, genießen das Leben und Laufen, was da zu Laufen ist.
Noch ein paar Fotos mit einigen türkischen Freunden, ein paar Worte mit dem Chef der Veranstaltung, mit Caner Odabaşoğlu, gemeinsame Erinnerungen teilen (ich verteilte mit ihm an der Warteschlange für den UTMB 2016 Flyer für den IZNIK ULTRA 2017) und ab ins Hotel. Ruhe, Schlaf, Entspannung.

Das Quecksilber des Laune-Thermometers war ein wenig gestiegen, von Begeisterung oder Vorfreude allerdings konnte keine Rede sein. Der Regen hatte weitgehend aufgehört, aber alles war pitschenass, ich hatte viel mehr Bekannte erwartet, es sollte einfach nicht mein Tag, nicht mein Rennen sein.
Ich stellte den Wecker des Handys auf 23.25 Uhr und ich war mir nicht sicher, ob der Wecker nach der türkischen oder nach der deutschen Zeit wecken würde. Wäre es die deutsche Zeit gewesen, dann wären die Läufer längst weg gewesen und ich hätte einen Grund gehabt, nicht Laufen zu müssen. „Höhere Gewalt,“ Du verstehst?

Aber ich wollte Laufen, ich musste Laufen, schon wegen des „Doppelpacks“ TTdR (TorTOUR de Ruhr), 230 km von der Quelle der Ruhr bei Winterberg bis zur Mündung der Ruhr in den Rhein bei Duisburg Rheinorange an Pfingsten und des GUCR (Grand Union Canal Races), 245 km am Grand Union Canal von Birmingham nach London Little Venice eine Woche später.
Ich dachte, wenn ich erst den JUNUT 170 packe, eine Woche später den GR 221 auf Mallorca mit den Lauffreunden von Michi Raabs Laufcoaches.com in drei Etappen bewältige und dann eine Woche später eben jene 140 km des IZNIK ULTRA einigermaßen innerhalb des Zeitlimits hinbekomme, dann zwei Wochenenden pausiere, dann einen Marathon laufe, dann sollte ich für den „Doppelpack“ gerüstet sein.

21 Stunden und 4 Minuten brauchte ich 2016 für die Strecke. Das war heuer nicht wieder drin. Der Boden war matschig und rutschig wegen des andauernden Regens, ich bin schlapp und nach dem JUNUT und dem GR 221 noch nicht vollständig wiederhergestellt und vollkommen untermotiviert.
Zielschluss ist 1 Uhr am Sonntag, also 25 Stunden Zeit. Aber ich wollte schon unter 24 Stunden bleiben, mindestens. Lieber wäre es mir jedoch, vor 22 Uhr zu finishen, mal sehen, ob mir das gelingen kann, dachte ich.

Da weder Gott noch Allah, weder Brahma, Shiva, Vishnu oder Saraswati und schon gar nicht Siddharta Gautama (Buddha) einen Fall von „höherer Gewalt“ mit meinem Wecker produziert hatten, trabte ich rechtzeitig zur Startlinie, gab den DropBag ab und sah wieder Ruby und ihren Mann.
An ihr wollte ich dran bleiben, er lief dieses Mal gar nicht und war als Edel-Supporter eingeteilt. Es wurde heruntergezählt: „On, dokuz, sekiz, yedi, alti, beş, dört, üç, iki, bir … sifir!“ Und die Meute setzte sich in Bewegung, Ruby und ich sicherten das Feld nach hinten ab.

Und das Anfangstempo war ungeheuer schnell …

Irgendwo in den Bergen …

3 1/2 Monate habe ich an dieser Stelle nichts mehr geschrieben. Umso unsicherer bin ich, ob heute der richtige Tag für den Wiedereinstieg ist.


Es ist aber in dieser Zeit nicht allzu viel passiert bei mir, zumindest nicht läuferisch. Einzig die 63km auf dem Kölner Grüngürtel, dem G1, war erwähnenswert. Weil wirklich alles gepasst hat.
Entstanden ist der Lauf aus einer „Schnapsidee“, in Vorbereitung auf den JUNUT und die TTdR noch einen langen und flachen Lauf in unser Programm einzubauen, ohne dafür allzu weit reisen zu müssen.
Und „25 Läufer*innen“ finden, die da dabei sind, das sollte doch nicht allzu schwer sein, dachten wir.
Und wir trafen einen Nerv der Läuferfamilie und aus einer Maximalteilnehmerzahl von 25 wurden bald 30, 50, 60 und am Ende sogar 100!

Da ich ja meine zarte Gesichtshaut während der gesamten Vorbereitung auf Gran Canaria dunkel einfärben durfte, blieb die meiste Arbeit an meinem Partner Thorsten hängen. Und er hat das großartig gemacht. Alles passte am Eventtag perfekt, auch das Wetter.
Reichlich Sonne, nicht allzu kühl, der 24. Februar, er war tatsächlich ein perfekter Wintertag, perfekt zum Laufen.
Auch die Finisher-Präsente waren etwas ganz Besonderes. Personalisierte Kacheln im Rahmen, persönlicher geht es kaum. Und die Reaktionen der Läufer*innen waren durchweg großartig, motivierend, inspirierend.
Auf jeden Fall freue ich mich da auf eine Wiederholung, aber dann werde ich einen größeren Teil der Arbeit auf meine schmalen Schultern legen.

Ansonsten habe ich mich relativ intensiv mit der Planung des Laufjahres 2018 beschäftigt. Da fielen Läufe raus, die ich gerne auf der Agenda gesehen hätte. Dazu gehört der „Hertog Limburgpad Ultra – Helipad 148km“ am 28. April, einem Datum, an dem ich wohl arbeiten muss.
Und auch das „DreamTeam“ mit Michi Raab und Christian Hofmann auf der Spitzhaustreppe in Radebeul wird es so nicht geben, weil Michi Raab sich eine Muskelfaser gerissen hat. Aber wir haben schon Ersatz gefunden, ich selbst muss mich nur noch geistig mit der neuen Situation anfreunden.
Auch das Elbrus Race, das ich 2017 schon verpasst habe, wird wahrscheinlich nicht auf meiner Laufagenda bleiben können, das kann ich heuer weder zeitlich noch finanziell stemmen, leider. Also hoffe ich in dieser Sache auf das Jahr 2019.
Und zuletzt musste ich auf mein Losglück verzichten und den möglichen Startplatz beim TOR („Tor des Géants„) im italienischen Aostatal sausen lassen. Dafür wurde ich auch gescholten, bis hin zum Vorwurf, gar nicht in der Lage zu sein, ein 200 Meilen Berglauf wie den TOR zu stemmen.
Die Wahrheit aber ist, dass ich nur dann leiden kann, wenn ich unbelastet laufen kann. Und das geht weder aktuell durch den Unfall meiner Gabi noch voraussichtlich Anfang September, wenn wir wieder mit Wochenendarbeiten zugestopft werden.
Und falls das nicht so sein sollte, dann fehlen halt die entsprechenden Einnahmen. Und das ist auch keine beruhigende Aussicht.

Ich habe aber in den letzten Wochen auch noch einige Bergläufe dazu genommen.
Es werden also auf jeden Fall ausreichend Höhenmeter sein, auf denen ich heuer schwitze.
Der JUNUT ist da noch mittelgebirgsflach, der GR-221 in mallorquinischen Tramuntanagebirge schon nicht mehr. Auch der GR-20 auf Korsika geht kaum als „topfeben“ durch. Und da ist auch noch der Mitic in Andorra mit seinen 9.700 HM, der Dolomiti Extreme mit seinen 7.150 HM und, ganz neu, auch noch der TDS von Courmayeur nach Chamonix, auch 7.600 HM stark.
Der TDS ist ein Bewerb der UTMB Berglaufbewerbe, mit 119 Kilometern eher „Mittelmaß“.
Dass ich dafür noch einen Rest-Startplätzchen bekommen habe, dafür danke ich herzlich. Und ich bin darüber sooooo glücklich …
Irgendwo in den Bergen, da sollte ich sein, da gehör‘ ich hin. Zwar finde ich nicht, dass der Satz „Flat is boring“ die einzige Wahrheit ist, dennoch gibt es für mich kaum etwas Schöneres, als abgekämpft irgendwann endlich oben auf dem Grat zu sein, auf dem Gipfel, auf dem Pass. Um von dort aus ins Tal runter schauen zu können. Und um zu wissen, dass es ab jetzt erst mal etwas einfacher wird und das geht dann solange, bis der nächste Berg kommt.
Und damit ich mir meiner Wahrheit sicher bin, muss ich immer wieder nach Hause, um das zu überprüfen, immer so lange, bis die Sehnsucht nach Bergen wieder so groß ist, dass es mich dort wieder hin zieht, rauf auf diese Grate, diese Gipfel, diese Pässe. Weil runter schauen so schön ist.
In den Bergen lernte ich die Natur lieben. In den Bergen lernte ich mich selbst kennen. Und in den Bergen lernte ich, zu fühlen und zu lieben. Und dieses Gefühl, diese Liebe, will ich nicht vermissen, zumindest nicht für eine längere Zeit.

Aber jetzt schaue ich erst mal auf die nächsten zwei Monate und auf elend lange und relativ flache Läufe. Dieser April und jener Mai werden zeigen, wo ich zurzeit rein läuferisch stehe.
Der JUNUT, den ich 2014 zuletzt ganz finishen konnte – auch schon wieder vier Jahre her – und bei dem im 2017 den „bequemen Ausstieg“ als Finisher 170 nach 170 km gewählt hatte, ist dabei die erste große Hürde.
Ohne ein Finish dort würde mein Selbstbewusstsein weiter erodieren. Das wären sehr schlechte Voraussetzungen für die beiden Hürden, die danach kommen, für die TorTOUR de Ruhr (TTdR), zuletzt gefinished 2010 und für das Grand Union Canal Race (GUCR), zuletzt gefinished 2014.
Die bergige Strecke des GR-221 auf Mallorca wird dabei zwischen dem JUNUT und der TTdR eine willkommene und die Muskeln entspannende Übung sein. Und da ich dort nur mit guten Lauffreunden unterwegs bin, wird dieser Weg auch meinen Geist entspannen.

Ab dem GR-221 auf Mallorca heißt es dann wieder:
Irgendwo in den Bergen, da sollte ich sein, da gehör‘ ich hin …

Viele Sterne über Mallorca …

24174286_1741072135936702_2599474567096704434_nIch sitze im Flieger nach Hause, die Sicht nach unten ist außergewöhnlich frei und schön. Ich sehe schneefreie Täler und schneebedeckte Berge. Und ich beginne, nachzudenken, was mir am vergangenen Wochenende denn so alles passiert ist.

Alles begann eigentlich schon mit meiner Entscheidung, statt an einem Lauf in der Türkei im April 2018 doch lieber mit Michi Raabs Laufcoaches.com Truppe den GR 221 auf Mallorca zu rocken.
Der GR 221 ist einer der besonders schönen Lauf- und Wanderstrecken durch das Tramuntana Gebirge auf „Malle“, Deutschlands „Bundesland Nummer 17“.
Im Gegensatz zum GR 20 auf Korsika, der ja mittlerweile Kultstatus und Weltruhm erlangt hat, ist der GR 221 noch weitgehend unbekannt, er ist auch nach vielen Jahren der Existenz noch nicht durchgehend markiert und er ist auch durch die Existenz von etlichen Alternativstrecken auch nicht abschließend festgelegt.
Aber der Weg durch das Tramuntana Gebirge, der „Weg der Trockenmauern“, die teilweise auf die Römer zurückgehen, ist einfach traumhaft schön.

Ich hatte den GR 221 vor einigen Jahren durch Michi Raab kennen gelernt, als er mich zum damaligen Lauf „Ultra Tramuntana“ mitnahm, 112 Kilometer von Andratx nach Pollenca, (Pollenca mit einem „c“ mit einer kleinen Schlangenlinie drunter, damit es statt „z“ als „s“ ausgesprochen wird. Und weil nicht nur mein Rechner nicht über diesen Buchstaben verfügt, deshalb schreiben Manche sicherheitshalber auch lieber „Pollensa“), einen Lauf, den ich danach noch zwei weitere Male wieder besuchen durfte, bis er sich zu einem meiner Lieblingsläufe entwickelt hatte, um dann leider eingestellt zu werden.
Der Lauf fand immer im April statt und ich werde nie die steil und heiß über den Läufern thronende Sonne vergessen, die uns jeden Schritt des steilen, s-förmig geschwungenen, längsten Anstiegs von Soller aus rauf bis zum Stausee schwer gemacht hat. Allein dieser Anstieg hat insgesamt mehr als 1.200 Höhenmeter und der gesamte GR 221 wartet mit knapp 5.000 Höhenmetern auf, keine „leichte Kost“ also. Kindergeburtstag geht eben anders, will aber keiner haben.

Aber zurück zum Anfang. Als ich mich also entschied, im April die Laufcoaches.com 3-Tage-Version des Laufs durch das Tramuntana Gebirge zu laufen, rief mich Michi an und berichtete, dass er zufällig einen fast ganz neuen Lauf auf nahezu gleicher Strecke gefunden hätte, ebenfalls von Andratx nach Pollenca, nun aber mit 124 Kilometern etwas länger. Das Zeitlimit war gleich wie beim „Ultra Tramuntana“, trotz der 12 Mehrkilometer, das sollte aber eigentlich passen, waren meine Finisherzeiten doch immer zwischen 19:40 Stunden und 21:40 Stunden.
„Tramuntana Travessa“ heißt dieser Lauf, der 2016 erstmals ausgeführt wurde und für den es nur eine Webseite auf Spanisch und eine auf Mallorquinisch gibt. Eine nur sehr sporadische Beteiligung ausländischer Gäste war also vorauszusehen.
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Kaum hatte ich mich dank der Übersetzung durch „Google Translate“ in die Details eingelesen, war ich Feuer und Flamme – und angemeldet. Und ich träumte und stellte mir einen letzten Lauf 2017 in der Sonne vor, mit kurzer Hose, kurzem Laufshirt, Mallorca eben.
Wie man sich doch täuschen kann! Weiterlesen

Euphorie für Andorra

2017-07-06 12.04.49Der Titel hing mir schwer wie ein Mühlstein um den Hals. „Our Emissary“ hieß es da auf dem Schreiben aus dem wunderschönen Andorra, von meiner Freundin Valérie und meinem Freund Gérard, den Köpfen, den Motoren und den Seelen von Cims Magics, die seit Jahren den legendären Andorra Ultra Trail ausrichten.
Was für eine Ehre, dachte ich. In einer Reihe mit Laufpersönlichkeiten wie Harriet Kjaer aus Dänemark, die aber in Barcelona lebt und Geigen und Cellos baut, wie Jorge Serrazina aus Portugal, den ich auf Gran Canaria kennenlernen durfte oder wie „Trailschnittchen“ Julia Böttger genannt zu werden, das baute mich auf.
Gleichzeitig aber belastete es mich.
Alle anderen „Markenbotschafter“ sind nationale Spitze, ich jedoch bin vielleicht so etwas wie Durchschnitt.

Aber ich liebe die Läufe der Andorra Ultra Trail Serie, vielleicht mehr als jeder Andere. Und ich habe aus dieser Liebe auch nie einen Hehl gemacht, vielleicht war das der Grund, warum die Organisatoren mir diese Ehre zukommen ließen. Weiterlesen

Ich hätte auf das Schicksal hören sollen … oder eine Medaille für einen Marathon ist doch auch nicht schlecht!

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„For which distance you want to sign in?“ fragte mich Özge Usta Doğan, die Chefin über das Unternehmen UZUNETAP, bei einem kurzen Telefonat. Das wäre meine Chance gewesen, vernünftig zu sein und mich „nur“ für die 84 Kilometer Distanz zu entscheiden.
Aber ich war nicht vernünftig. Ich machte den gleichen Fehler, der mir oft passiert. Ich entschied mich für die längste Distanz, für die 100 Meilen.

Aber ich hatte doch schon so oft geschrieben: „Du sollst Dir kein Bild(nis) machen …“. Und dennoch mache ich das viel zu oft, leider. Mag es der mangelnden Zeit in der Vorbereitungsphase geschuldet sein oder mag es an den oft nicht perfekten englischen Übersetzungen der lokalen Homepages liegen – oder schlichtweg daran, dass ich Dinge voraus gesetzt habe, die ich gar nicht überprüft habe.
Ja, es stimmt schon, gerade bei kurzfristigen Anmeldungen fehlt mir oft die Zeit, alle Details abzufragen, wenn die Homepage die nicht erläutert oder sie dort so versteckt sind, dass ich die Informationen nicht finden kann.

Aber das Schicksal versuchte, mich doch noch zur richtigen Entscheidung zu lenken. Zuerst mit dem Startort. Der Startort der brandneuen Garmin Runfire Salt Lake Races war so ein Detail, dass ich vielleicht hätte vorab klären dürfen. Das Camp und der Start waren nicht, wie ich das aus den beiden letzten Jahren kannte, bei Şereflikoçhisar, sondern in einem Vorort von Aksaray, der Geburtsstadt meines leiblichen Vaters. Aber der neue Startort bedeutete rund eine Stunde Bus fahren mehr. Das Schicksal bemühte sich also, meinen Zeitplan enger zu machen, damit ich es vielleicht doch noch begreifen könnte und die Distanz ändern würde.
Tat ich aber nicht.

Das Schicksal ist jedoch halsstarrig und bemüht, mich zur Einsicht zu zwingen. Weiterlesen