Gemiddelde snelheid: 8,2 km/u

Thomas Eller – 2908
Afgelegde afstand: 100 km; Gemiddelde snelheid: 8,2 km/u

Controlepost Afstand Tijd Km/u

01 Start (Kruisberg) 0,00 21:13
02 Weert – Kerk 7,40 21:54 10,8
03 Roddam – Friesland Foods 17,32 22:58 9,3
04 Wintam – Parochiezaal 24,39 23:45 9,0
05 Ruisbroek – Parking 30,42 00:27 8,6
06 Breendonk – Duvel 39,33 01:27 8,9
07 Steenhuffel – Palm 49,51 02:44 7,9
08 Merchtem – Sporthal 56,78 03:40 7,8
09 Buggenhout – Sporthal 64,96 04:46 7,4
10 Opdorp – Capelderij 70,36 05:27 7,9
11 Lippelo – School 74,61 06:03 7,1
12 Puurs – Sporthal 80,34 06:53 6,9
13 Oppuurs – De Mispel 84,26 07:23 7,8
14 Sint-Amands – Sporthal 89,29 08:02 7,7
15 Branst – Zates 94,15 08:39 7,9
16 Aankomst 100,00 09:20 8,4

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Er ist jetzt also auch Geschichte, der Dodentocht, der Totenkopf, die urige, vielleicht einzigartige Veranstaltung für jedermann.
Ein 100 Kilometer Lauf für jedermann, geht denn das überhaupt?

Bevor ich zum Läufer mutierte wusste ich gar nicht, dass Menschen überhaupt so eine Strecke nonstop bewältigen können und schon als Kind war mir beim Wandern mit den Geschwistern und den Eltern klar: mehr als 30 Kilometer am Tag geht einfach nicht!

Und im belgischen Bornem versammeln sich Jahr für Jahr bis zu 12.500 Menschen, um diese lange „geht einfach nicht“ – Strecke zu bewältigen, es ist wahrlich unglaublich. Und wenn Du von anderern Großveranstaltungen her weißt, dass diese Menschen vor allem viel buntes Polyester tragen und darauf für andere Großveranstaltungen werben, wo die Teilnehmer auch, in viel buntes Polyester gekleidet, auf weitere Großveranstaltungen hinweisen, dann weißt Du nicht, wie die Menschen in Bornem dort vor dem Start aussehen.

Hunderte trugen eine Militäruniform, aber auch das kennt man noch aus dem schweizerischen Biel, wo ja neben dem Lauf parallel auch die Schweizerische Militärmeisterschaft ausgelobt ist, Tausende aber trugen ganz normale Wanderkleidung, einen großen Rucksack auf dem Rücken, oft mit Campingtischen und Campingstühlen verziert.
Ich habe mir immer die Geduld dieser Teilnehmer vorgestellt, wie sie bei einem Kontrollpunkt in aller Ruhe den Campingtisch und die Campingstühle aufbauen, ein Tischdeckchen auf den Tisch legen, ein paar Blümchen drapieren, Servietten heraussuchen, um dann genußvoll erst zu essen und dann noch ein wenig Karten zu spielen.
Ich bewundere die Ruhe dieser Menschen!

Interessant waren auch die vielen Wanderer, die mit riesigen Fahnen bewaffnet waren oder Wanderer, die äußerlich eher an die Obdachlosen im „Bonner Loch“ erinnerten, die aber gleichzeitig mit ihrem neuen iPhone den aktuellen persönlichen Status updateten.
Da war aber auch die Gruppe dickbäuchiger Wanderer, die ich gleich nach dem Parken kennengelernt habe. Alle trugen ein azurblaues T-Shirt mit weißer Aufschrift, zudem waren alle Bartträger, meist mit sehr, sehr langen Bärten. Ein Hauch von ZZ Top wehte ihnen um die Stirn und Harley-Davidson wäre über solche Frontmänner glücklich. Bestimmt hatten die jeweils so ein Kult-Motorrad in der belgischen Garage. Ich hätte danach fragen sollen …
Sie halfen mir, mich in dem Dickicht von Scanning-Station, Start und Einschreibezelt zurecht zu finden. Ich glaube, ohne dieses Dutzend wilder Belgier hätte ich mehr Probleme gehabt, alles noch halbwegs rechtzeitig zu erreichen, zudem erfuhr ich manches Wissenswerte rund um den Lauf, den diese Jungs natürlich schon viele Male absolviert haben.
Den Satz „Der Weg vom Einschreibungszelt bis zum Start zählt mit“ hielt ich anfangs für einen Witz. Dass es aber richtig war, erfuhr ich spätestens bei der 50 K Markierung, die auf meiner GPS Uhr bei 48,67 K stand.
Die 12 verrieten mir auch, dass es keinen Grund für meine Hektik gäbe. Der Start um 21 Uhr würde nichts besagen, bis ich wirklich über die Startlinie laufen würde wären mindestens weitere 30 Minuten vergangen.
Damit haben sich die wilden Belgier aber getäuscht. Dank meiner Ellenbogen passierte ich die Startlinie um 21.13 Uhr, gefühlt allerdings war es viel später.

Der Start

Ich bin eigentlich ein bekennender Spät-Ankommer. Wer mich kennt, der weiß, dass ich der Reisezeit-Voraussage des Navigationsprogrammes hörig bin wie Tom Cruise den Scientologen. Warum also früher losfahren?
Vor dem Dodentocht allerding hatte ich so viel Zeit, dass ich so losgefahren bin, dass ich rund drei Stunden Zeit vor dem Start haben würde.
Aber kurz vor „Antwerpen am Stau“ korrigierte sich dann das Navigationssystem, doch es versprach mir immer noch zwei ruhige Stunden vor dem Start. Noch 40 Kilometer vor dem Ziel Bornem lachte ich über die 48 Minuten, die mir dann vorausgesagt wurden.
Ich lachte und hatte zum Teil Recht: das Navigationssystem hat sich geirrt.
Es waren sogar fast 80 Minuten für diese kurze Reststrecke!
Dabei ließ mich vor allem der Stau, der sich ab der Abfahrt Bornem bildete, in das Lenkrad beißen. So etwas hatte ich zuletzt beim StrongManRun in Weeze erlebt.

Zweispurig warteten die Dodentocht-Teilnehmer geduldig auf ihren Platz auf einem der vielen Parkplätze vor der Stadt. Da waren sogar Shuttle-Busse eingerichtet, die die Teilnehmer zum Einschreibezelt brachten. Nur ich war wieder ungeduldig und fuhr dann an der Schlange vorbei, als es endlich möglich wurde. Ich fuhr Richtung Start, sah dann irgendwann die Scanning-Station und suchte mir einen Parkplatz vor dem Bornemer Sportzentrum. Dort traf ich dann auch die 12 langbärtigen Belgier.
Von der Scanning-Station ging es dann erst einmal zur Einschreibung. Das war gut organisiert und ging daher schnell. Ich bekam die Startnummer 2908.
Damit war mein ersten Ziel bei den meisten Läufen erreicht: ich hatte die Chance auf eine niedrigere Platzierung als meine Startnummer!
Immerhin.

Es gab spezielle Papierbendel, die Du Dir um die Schnürsenkel klebst, mit Hilfe derer Deine Zeit geonmmen wird. Dass es aber schon beim Massenstart eine persönliche Zeitnahme gab habe ich gar nicht bemerkt und deshalb schon mit mir gehadert. Aber alles, was die Zeitnahme anging, war prima. Aber dann musste ich noch einmal zum Auto zurück, um mich umzuziehen und dann ging es wieder zur Scanning-Station und dann zum Start.
Scanning-Station und Start waren zwar weit auseinander, aber komplett mit Läufern und vor allem mit Wanderern vollgestellt. Zum Glück gab es da einen Teilnehmer, der per Handy seine Kumpel suchte und deshalb näher an des Start musst und ich hängte mich eng an seinen Rücken. Das verschaffte mir einige Hundert Meter durch die Menschenmassen bis ungefähr ins Halbfeld, dennoch war es unerträglich, dort auf den Start zu warten.

Den Startschuss, sofern es ihn überhaupt gab, habe ich nicht gehört. Vielleicht haben sich die Bier liebenden Belgier auch darauf verständigt, dass der Chef des Rennes als Startsignal eines der „Tripel Bornem“ Starkbiere öffnet und den Läufern zuprostet.
Eines dieser „Tripel Bornem“ Starkbiere gab es dann sogar in der Finisher-Tüte. 9% Alkohol hat dieses stark nach Malz schmeckende Bier, selbst manche Weine kommen über diesen Wert kaum drüber.

Irgendwann jedenfalls setzten sich die vielen Tausend Menschen vor mir in Bewegung und nach 13 langen Minuten des langsamen Gehens war ich an den Startflaggen und aktivierte meinen Garmin.

Nun beschleunigte sich das langsame Gehen in ein zügiges Gehen, immer noch viel zu langsam für einen mit den Hufen scharrenden Läufer, also machte ich das, was eigentlich vollkommen falsch war: ich überholte.
Auf schmalen Wegen ging ich rechts um die Leute herum, links herum, über die nassen und peitschenden Grasstreifen neben den Wegen, durch tiefe Pfützen und eben überall dort, wo die meisten Menschen nicht laufen wollen.
Der Lohn dafür war, dass ich bis zur ersten Zeitnahme meine mit Abstand beste Geschwindigkeit des ganzen Laufs erreicht habe, trotz des permanenten Abbremsens und Beschleunigens und die Strafe dafür war, dass ich jegliche Kontrolle über den Lauf verlor.
Gerade ich als 24-h Läufer müsste doch wissen, wie wichtig die Kontrolle über die Geschwindigkeit gerade in den ersten beiden Stunden ist!
Aber für mich musste das dort unbedingt so sein.

Der Lauf als solches

Irgendwann war dann tatsächlich ein einigermaßen kontrolliertes Laufen möglich. Aber wer denkt, dass es leicht ist, in Belgien auf ebenem Gelände zu laufen, der irrt. Der viele Asphalt hinterließ Spuren, vor allem auch deshalb, weil ich mich für Trailschuhe entschieden hatte. Belgien, so dachte ich, ist ein Trailgebiet!
So kann man sich täuschen.
Ansonsten liefen wir auf Wiesenwegen, die unruhig und anstrengend waren, alles Gründe, warum mir dieser 100 K Lauf die schlechteste Laufzeit einbrachte, die ich bei solchen Läufen je hatte. Sogar meine Durchgangszeiten für 100 K bei den beiden Delmenhorster 24-h Läufen waren besser!
Aber auf Belgisch-holländisch klingt das, was mich so enttäuscht hat, noch richtig nett: Gemiddelde snelheid: 8,2 km/u

Weil ich jedoch relativ weit hinten gestartet bin, habe ich so viele Menschen überholt. In der ersten Stunde vor allem die Wanderer, dann kamen die Läufer dazu. Und ab der 50 Kilometer-Marke war bei vielen Läufern trotzdem ein „Wandertag“ angesagt. Obwohl ich von der 60 Kilometer-Marke bis zur 80 Kilometer-Marke frustiert und langsam war, schob ich mich Stück für Stück nach vorne und auf den letzten Kilometern lieferte ich mir mit den Läufern um mich herum sogar noch kleine Laufduelle, die waren allerdings so langsam, dass es mehr an ein Schneckenrennen erinnern musste als an ein Rennen der Formel 1 in Spa.
Die Strecke war aber insgesamt annehmbar und sie bot etwas, was ich überhaupt nicht erwartet hatte: viele wunderschöne Einfamilienhäuser mit oft riesigen und supergepflegten Grundstücken.
Ich liebe ja die belgische Version des Verklinkerns. In Norddeutschland wirkt das häufig einfach, billig und rotbraun, die belgischen Klinker sind hell, gelblich und strahlen ein Harmonie aus, um die ich die Häuslebauer beneide.
Und von diesen wunderschönen Häusern gab es so viele, dass der Eindruck entstehen konnte, dass Belgien das Nobelviertel Deutschlands ist.
Schade eigentlich, dass ich nicht die Zeit hatte, diese Schmuckstücke zu fotografieren.

Die Verpflegungsstellen

Die Verpflegungsstellen waren immer mit den Zeitnahmestellen kombiniert. Einige dieser Verpflegungsstellen befanden sich in den großen lokalen Brauereien, die meist die Laufwege mit Tausenden von Bierkisten abgetrennt hatten. Natürlich gab es überall den belgischen Gerstensaft, aber ich war dafür kein Kunde. Ich trinke ja sowieso nur sehr wenig Alkohol und wenn, dann gönne ich mir eher ein Glas Wein als ein Bierchen.

Vermisst habe ich allerdings eine vernünftige Läufernahrung. Gut war, dass es am zweiten VP ganze Äpfel gab und an zwei VPs Orangenstücke. Es gab sporadisch Bananen und zwei Mal ein akzeptables und trinkbares Süppchen. Aber das war es schon mit den guten Dingen.
Ansonsten gab es viel Süßkram. Belgische Waffeln, die richtig im Mund vor Zucker knirschten, Spekulatius-Kekse, allerlei süße Industriekuchen, sogar EFEM Produkte wie Mars, Snickers und Bounty – aber welcher Läufer isst das?
Aber eines gab es kaum: Salz war Mangelware. Zwar lagen unendlich viele Zuckerwürfel herum, aber Salz konne ich nur ein Mal entdecken.

Zu trinken gab es Wasser und Kaffee in unglaublichen Mengen, an zwei Sonderständen gab es als Promotion ein „Aquarius“-Drink, der richtig gut tat und ein Mal gab es sogar für jeden Läufer einen kleinen Tetrapack voller Orangensaft. Wasser konnte ich irgendwann nicht mehr sehen, immerhin brauchten wir bei über 20 Grad in der Nacht einige Liter zu trinken.
Bei dem VP kurz vor der 50 Kilometer-Marke sagte ein älterer Läufer, der lange mit mir gelaufen ist, dass er jetzt Lust auf eine Cola hätte. Ich auch, dachte ich.
Wir bekamen dann jeder eine Dose Cola, für 1,50 EUR das Stück. Zum Glück hatte ich etwas Kleingeld dabei, die restriktive Politik mit dem Cola-Getränk allerdings hat mich zumindest gewundert.
Zwei VP’s später, der ältere Läuferkollege war immer noch neben mir, gönnten wir uns wieder eine Cola. Dieses Mal gab es eine mittelgroße PET-Flasche für 2,50 EUR das Stück. Und am vorletzten VP gab es sogar ganz offiziell ein Fläschchen Coca-Cola, ein winziges, 0,25 Liter, aber ich fühlte mich wie an dem Donnerstag in der Wüste beim MdS, als es auch ein Mal, dieses einzige Mal, ein Döschen Cola gab.
Zucker essen will ich ja nicht allzu viel bei den Läufen, aber hin und wieder eine Cola trinken ist doch ein echter Genuss, vor allem, wenn sie einigermaßen kalt ist.
Insgesamt gibt es für die Organisatoren an den VP’s die Chance, etwas zu lernen und zu verbessern.

Das Gleiche gilt auch für den Start. Ich wäre dafür, die Wanderer von den Läufern zu trennen und die Läufer vielleicht drei Stunden später starten zu lassen. Dann musst Du zwar immer noch durch die Horden von Wanderern durch laufen, aber das Teilnehmerfeld hat sich nach dann vielleicht vier bis viereinhalb Stunden deutlich entzerrt, die Wege sind breiter und Du hast von Anfang an die Chance auf einen einigermaßen kontrollierten Lauf. Vielleicht wäre das eine Idee für die Organisatoren des Dodentocht?

Die Laufzeit kannst Du aber dennoch beim Dodentocht vergessen. Nicht wegen der Bierchen, die sich viele Teilnehmer gönnten, sondern auch deshalb, weil Du, wenn Du wirklich schnell bist, schneller als ich, Dich bremsen musst, denn Du darfst nicht vor 7 Uhr in der Frühe, also nach frühestens 10 Stunden, im Ziel sein. Und die Verpflegungspunkte öffen und schließen genau so, dass Du irgendwo zwischen den 10 Minimalstunden und den 24 Maximalstunden gescannt werden kannst.
Manchen schnellen Läufer mag das stören, mir war das Dank der Gnade des langsamen Laufens eigentlich völlig egal. Die Marke, an der ich hier arbeite, sind 10 Stunden 30 Minuten. Die will ich irgendwann unterbieten.

Aber nicht beim Dodentocht.
Dahin komme ich zurück, um Fotos der schönen Häuser zu machen.

Wo bin ich?

Einen ganz tollen Service bieten die Veranstalter des DODENTOCHT Laufs heute Nacht.
Hier kannst Du die einzelnen Läufer tracken, superschön, oder?

Eine Startnummer habe ich natürlich noch nicht, aber mit Thomas oder Eller sollte es genauso einfach sein …

Und für die visuellen Menschen unter uns, also für alle Visionäre, gibt es vier Webcams zum Zuschauen …

Und zuletzt noch ein Link auf die News von DODENTOCHT , die laufen permanten hier ab …

100 Kilometer DODENTOCHT …

Morgen um 21 Uhr starten Horden wilder Belgier und ebenso wilder Nicht-Belgier, um jeweils 100 Kilometer belgisches Land zu erobern.
Dabei darfst Du wandern oder joggen, Du darfst nur nicht schneller sein als 10 Stunden (die Gefahr besteht bei mir sowieso nicht …) und Du darfst nicht langsamer sein als 24 Stunden (die Gefahr besteht bei keinem von uns …) – und ich starte mit.

Ich freue mich – kommt jemand mit?

Der Ottonenlauf von Stiege nach Quedlinburg

Es sollte eingentlich das GONDO EVENT Wochenende sein, dafür jedoch zwei Bürotage opfern konnte ich nicht.  Aber die beiden Lauffreunde, die mich dorthin mitnehmen wollten, HaPe Gieraths und Eule Frings, fuhren schon am Freitag früh um 6 Uhr in die Schweiz und wollten erst am Montag danach nach dem Frühstück wieder in die Heimat aufbrechen. Vor dem späten Montagnachmittag wäre diese Reise also nicht zu Ende gewesen.


Also musste eine Alternative her und die fand ich im 69 km Ottonenlauf in Sachsen-Anhalt. Ein kurzer Blick in die Starterliste freute mich. Lars Schläger und Hans Würl waren dort verzeichnet. Vor allem Lars hatte ich lange nicht mehr gesehen, mit ihm aber verbinde ich Läufe wie den TransAlpineRun 2008, die Unter-Tage-Marathons in Sondershausen, die Mt. Everest Treppenmarathons in Radebeul, den 24-Stunden-Lauf in Delmenhorst, den UTMB und den Brocken-Ultramarathon von Braunschweig über den Brockengipfel nach Schierke.
Für den Ottonenlauf sprachen auch das außergewöhnlich niedrige Startgeld von 20 EUR und der günstige Rücktransport von Quedlinburg zum Start für nur 6 EUR.
Dass mich aber das Profil des Laufs, es geht mehr runter als rauf, zu der Annahme verleitet hat, ich könnte schnell sein, war einer der Irrtümer am Samstag.


Das einzige Problem, das ich sah, war, dass dieser Lauf am Samstag schon frühmorgens um 7.00 Uhr beginnen sollte. Dass ich am Freitag noch im Büro sein wollte war dabei nur ein Aspekt. Ich wollte auch beim wöchentlichen Freitagabend-Tennisspiel mit meinen „Herren40“-Mannschaftskollegen dabei sein und außerdem wollte ich noch das Eröffnungsspiel der Bundesliga ansehen.
Was also machst Du, wenn Du um 22.30 Uhr noch zu Hause bist, aber spätestens um 6.30 Uhr am nächsten Morgen rund 435 Kilometer weit weg angekommen sein willst?

Ich packte also meine Sachen in aller Eile in der Halbzeitpause des Fußballspiels und verließ Haus und Familie direkt nach dem Abpfiff. Wenn ich dann durchgefahren wäre, wäre ich um 3 Uhr in Stiege gewesen, also gönnte ich mir nach einer Stunde Autofahrt kurz hinter Wuppertal dreieinhalb Stunden Schlaf im Auto. Ich hatte meine mollig warme Bettdecke mitgenommen, schlief gut und tief und wäre sicherlich nicht aufgewacht, wenn ich den Wecker nicht auf 3.00 Uhr gestellt hätte.
Und dann ging es wieder weiter und so war ich um 6.10 Uhr in dem schönen Städtchen Stiege, direkt an der Touristinformation am Stiegener See. Ich meldete mich nach, bereitete mich auf den Lauf vor und bemerkte, dass ich neben dem Startnummernband auch mein Handtuch und das Duschgel vergessen hatte.
Da hast Du schon über 100 Mal Deine Läufertasche gepackt und dennoch fehlt Dir die Routine, das ordentlich und komplett zu tun …

Ein paar warme Worte vom Veranstalter, etwas Offizielles vom Bürgermeister und eine kurze Ansprache eines Läuferkollegen, der dem Veranstalter dafür dankte, dass es noch so schöne Landschaftsläufe von Läufern für Läufer gibt, garniert mit dem Hinweis, dass dieser Lauf mehr Läufer verdient hätte.
Ich war also hoch gespannt auf die Strecke und schon ging es los.

Lars, Hans und ich starteten locker im Mittelfeld, orientierten uns an einer 6er Zeit, quatschten über gemeinsame Freunde und gemeinsame Ziele und so hätte es noch lange weiter gehen können, wenn nicht nach 6,5 km etwas passiert wäre, was ich bei all meinen bisherigen Läufen noch nicht erlebt hatte.
Ich hatte mich mal wieder für das geliebte X-Bionic Visor Headband als Kopfbedeckung entschieden, weil es leicht ist und nirgendwo drückt. In der einen Situation aber hätte mir ein richtiges Basecap mehr Schutz geboten, weil ich ganz überraschend und plötzlich einen großen, stechenden Schmerz am Hinterkopf spürte, direkt oberhalb des Headbands.
Ich schrie: „Shit, was ist das denn?“ und riss mir das Headband und die Laufbrille vom Kopf. Ich sah dann noch, dass etwas Großes wegflog.
„Was war das denn?“ fragte ich erneut und ich erfuhr von dem Läufern um mich herum, dass es der Angriff einer Hornisse war, die offensichtlichin meinen immer kahler werdenden Hinterkopf mochte.


Der Schmerz war riesig und hörte den ganzen Tag und die folgende Nacht nicht mehr auf und die erste Angst war groß. So schön Sachsen-Anhalt ist, keine Region ist schön genug, um dort ein gravierendes medizinisches Problem zu erleben.

Der eine Läufer fragte mich, ob ich auf Hornissengift allergisch reagieren würde, aber ich konnte das nicht beantworten, weil ich noch nie von einer Hornisse angegriffen wurde.
Der andere Läufer erzählte mir, was im schlimmsten Fall hintereinander passieren würde. „Wenn Du allergisch reagierst, dann wirst Du erst schwarze Flecken im Sichtfeld haben, danach wird Dir schlecht, dann wirst Du Dich übergeben und dann kippst Du um.“
Dann milderte er die Aussichten noch etwas ab: „Aber Du lebst dann noch immer.“

Ich beschloss, auf mich und auf die angekündigten Symptome aufzupassen und solange weiter zu laufen, so lange mir nicht schlecht würde. Aber ich bat die Supporter am ersten Wasserstand, sich mal meinen Hinterkopf anzusehen.
Hornissen beißen mehr als dass sie stechen und ein kleines Hautstück, das aus der Kopfhaut herausgerissen wurde, fehlte. Es blutete, sah aber eher beruhigend aus. Und Schmerzen halten wir ja alle aus, nur Sorgen um das körperliche Wohlbefinden wären ein Lauf nicht wert, also ging es weiter.

Ich lief dabei mit zwei Jungs, von denen mir einer sehr bekannt vorkam. Ich kam ihm auch bekannt vor und er fragte mich, woher wir uns kennen könnten. Nun ist es bei den vielen Läufen nicht allzu leicht, den richtigen herauszufinden. Er fragte mich nach der Brocken-Challenge und ich antwortete, dass ich dort dabei war. Aber ich sei ganz schlecht drauf gewesen und kam erst oben an, als es schon schneite, nach 10 Stunden und 43 Minuten.
Das war aber nicht der gesuchte gemeinsame Lauf, aber dann kamen wir später zusammen auf den Brocken-Ultralauf vom Mai 2010, wo ich richtig gut drauf war.
Er erzählte mir, dass er damals mit Lars Schläger und einem „älteren Mann“ ins Ziel gelaufen sei. Ich erinnerte mich, dass ich mit Lars Schläger auf dem Brocken-Gipfel einen anderen Läufer motivieren und mitnehmen musste und dass wir dann gemeinsam zu dritt in Schierke ins Ziel gelaufen sind.

Es war der unausgesprochene Moment, in dem er bemerkte, dass ich damals der „ältere Mann“ gewesen war und sein Lauffreund erwähnte, dass er schon die Fettnäpfchen gesehen hätte, in die Björn Gnoyke, so heißt der Laufkollege, hinein tappen sollte.
Jetzt gehöre ich also zu den „älteren Männern“, das war mir noch gar nicht bewusst.
Eine Weile lang lachten wir noch über die neu gewonnene Erkenntnis, redeten über Ultraläufe, dann beschleunigte ich etwas, um mich den nächsten Läufern anzuschließen.

Die Laufstrecke als solche ist durchweg wunderschön, trailig, fast ausschließlich auf Wald- und Forstwegen, nur die letzten vier Kilometer läufst Du leider auf Asphalt. Es geht durch Wälder, vorbei an kleinen Seen, die am Morgen noch von den Nebeln des Sonnenaufgangs verziert waren. Die Dörfer, die man sieht, sind, typisch für Ostdeutschland, natürlich schön und ursprünglich und manche Großimmobilie am Weg, die in exponierter Lage gebaut wurde, ist entweder stilvoll restauriert und renoviert worden oder sie gammelt langsam vor sich hin und dokumentiert so auch noch 20 Jahre nach dem Mauerfall ungeklärte Eigentumsfragen oder SED-  und Volksarmee-Nachwehen.
Sehenswert ist die Strecke allemal und laufenswert ist sie sowieso.

Das Profil allerdings täuscht sehr. Wer einen „leichten“ Ultra erwartet, der sieht sich genauso getäuscht wie der, der an persönlichen Bestzeiten arbeiten will. Dieses Jahr kamen noch die hohe Temperatur von immerhin 28 Grad genauso dazu wie die extrem hohe Luftfeuchtigkeit. Ich schwitzte, litt und bereute meine Entscheidung, ohne eigene Wasservorräte zu laufen.
Kurz nach der 40 km Marke war ich deutlich dehydriert, konnte nur teilweise nur noch gehen und trug ab dann immer eine ganze Wasserflasche von Verpflegungspunkt zu Verpflegungspunkt in der Hand, damit ich stets so viel trinken konnte wie ich  wollte.
Die Kilometer 40 bis 50 blieben allerdings schwierig, weil Dein dehydrierter Körper dann gar nicht mehr so viel Wasser aufnehmen kann wie er bräuchte.

Die Verpflegung an sich aber war vollkommen ausreichend, fast üppig, variantenreich und geschmackvoll, genug Auswahl auf für uns Vegetarier. Besonders bemerkenswert fand ich aber, dass überall ausreichend Salz vorhanden war. Das hat bei den besonderen Bedingungen vom Samstag wirklich sehr geholfen, es wurde auch ausgiebig von allen genutzt.

Mein Glück am Samstag war, dass die anderen Läufer offensichtlich genauso litten wie ich. Wo ich befürchtete, nach hinten durchgereicht zu werden, konnte ich meine Position im Rennen trotzdem wenigstens behaupten. Und auf den letzten neun Kilometern, als mich der „Heim-in-den-Stall“-Trieb packte und ich den Bündener Läufer Sascha, einen Freund von Lars und Hans, mit dem ich lange gelaufen und gegangen war, stehen ließ, konnte ich sogar noch etwas Positives für die Endplatzierung tun, aber das war wirklich nicht wichtig.

Für mich entscheidend war, dass ich die ersten 40 Kilometer in 4 Stunden und einer Minute laufen konnte, für die offiziell folgenden 29 Kilometer, die allerdings 31,5 Kilometer waren – Männer vermessen sich doch oft – brauchte ich jedoch bedrückende 3 Stunden und 44 Minuten. Eine gute Rennaufteilung sieht natürlich vollkommen anders aus.

Im Ziel in Quedlinburg angekommen bewiesen die anderen Läufer mal wieder, dass Ultraläufer einfach nettere Menschen sind. Dann hatte ich ein Handtuch zur Verfügung und auch ein Duschgel. Die Dusche war warm und angenehm.
Die Rückreise nach Stiege war nur rund 30 Kilometer lang, was bewies, dass wir zwar nicht die kürzeste, wohl aber die schönste Strecke von Stiege nach Quedlinburg erlebt hatten.

Nach der schwierigen Anreise folgte noch die lange Rückreise in die Grafschaft. Eine Vollsperrung der B49 zwischen Gießen und Limburg zerrte an den Nerven, der insgesamt lange Tag sorgte für eine latente Müdigkeit, gegen die nur sehr viel „Red Bull“ half.
Und trotz allem war ich zu köstlichen Spaghetti mit gebratenen Pilzen sogar noch vor 21 Uhr wieder zu Hause.
Nur mich der Familie widmen konnte ich nicht mehr, so laut rief das Bettchen nach mir …

Bella Donnas

Das Aosta-Tal beginnt in Reichweiler.
Das kleine Örtchen an der Grenze zum Saarland kannte ich schon von den beiden Starts beim K-UT, aber ich bin noch nicht über die erste Kurve nach dem Ortseingang hinaus gekommen. Dieses Mal ging es aber durch das Örtchen bis zum Ende. Und dort, wo Reichweiler aufhört, da fängt Eric Tuerlings Reich an.
Ein sensationell schönes Haus mit einem unverbaubaren tollen Blick über die Hügel, so weit das Auge reicht. Ich muss sagen: ich war beeindruckt.

Uwe Herrmann und ich trafen uns also am Donnerstagabend vor zwei Wochen bei Eric, um uns von ihm rund 800 Kilometer weit bis nach Italien chauffieren zu lassen. Unser Ziel war die Stadt Donnas im Aosta-Tal, weil dort die vierte von sieben Etappen des Tor des Géants (TdG) beginnt.

Eric ist von uns Dreien der Planer. Er hat nahezu alle Erlebnisberichte über den TdG 2010 im Internet gelesen und wenn diese in einer fremden Sprache verfasst wurden, dann wurde Tante Google mit ihrem Übersetzungsprogramm zu Hilfe gebeten. Eric kennt jeden Berg, jede Etappenstadt und er hat schon einen detaillierten Zeitplan erarbeitet, der uns drei in 149 Stunden 59 Minuten und 59 Sekunden über die 330 Kilometerstrecke führt.
„Auf der vierten Etappe sind die meisten Läufer ausgestiegen, die vierte Etappe ist diejenige, die die Psyche der Läufer am meisten belastet hat und sie bietet mit 5.200 Höhenmetern im Aufstieg und 4.200 Höhenmetern im Abstieg mehr als ein Fünftel der Gesamt-Höhenmeter“ sagte Eric. Einige Gründe, die Besichtigung der Strecke in „bella“ Donnas zu beginnen.

Wir starteten am Freitagmorgen etwas später als geplant und fuhren Richtung Lausanne, Martigny und dann durch den Tunnel des St. Bernhard Massivs. Mit jedem Kilometer wurde es wärmer und wärmer. Während in Deutschland ein kühles regnerisches Wetter herrschte, hatten wir dort immerhin 28 Grad auf dem Thermometer.
Nach dem netten Besuch im Fremdenverkehrsbüro von Donnas, dem Umziehen und dem Packen der Rucksäcke war es schon 16.30 Uhr bis wir starten konnten, also entschieden wir uns, nur bis zu dem Örtchen Marine zu laufen und dort zu übernachten. Ein einziger Berg mit 400 Höhenmetern und nur wenige Laufkilometer waren bis dorthin zu bewältigen.

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Nach dem abendlichen „Schwarzbrotfest“ ging es am nächsten Morgen um 6.30 Uhr wirklich los, erst runter und dann lange bergauf, hoch zum „Rifugio Coda“ auf 2.242 Metern.
Dort kamen wir gut gelaunt und hungrig an und der „Athletenrabatt“, der uns angeboten wurde, erhellte unsere Stimmung weiter. All das nur, weil wir den TdG laufen wollen …
Vom TdG 2010 hingen Fotos und Plakate an der Hüttenwand und viele Augen schätzten uns ein und packten uns in irgendeine Schublade. Ob wir in die Schublade „Finisher“ gepackt wurden oder in die Schublade „Nee, die Jungs auf keinen Fall …“ weiß ich nicht, ich bin aber sicher, dass wir noch einiges dafür tun müssen, alle in die Schublade „Finisher“ zu gelangen.

Danach ging es wieder steil bergab, herunter zum Lago Vargno, zu dem Stausee, an den wir Drei noch oft denken werden. Nicht weil Uwe, unser Frontläufer, kurz davor gestürzt ist und sich dort auch gleich verlaufen hat, sondern weil wir uns dort unfreiwillig getrennt haben.
Eric und ich wunderten uns zuerst, warum Uwe nicht auf uns warten wollte und so gingen wir, uns als Nachhut wähnend, unseres Wegs über die provisoirische Staumauer, nach links, gleich nach rechts hoch Richtung Col Marmontana herauf und nach einigen Minuten steilen Anstiegs kam rechter Hand ein Haus und dort kläffte ein aufgeregter und wenig nett dreinblickender Hund, der uns, weil er die Sicht auf ein Schild auf einen anderen Weg versperrte, uns unfreiwillig richtig führte.
Uwe, der durch den Sturz und das Verlaufen hinter uns war, hat sich jedoch dort mit dem Hund angefreundet und der hat ihm, zum Dank gewissermaßen, den Blick auf das andere Schild Richtung Col Marmontana herauf erlaubt. Die Folge war ein Verwirrspiel, wie ich es selten erlebt habe.

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Beide Wege hätten ja auf den Col Marmontana geführt, aber mein Vorschlag, dass wir uns dort oben treffen, blieb unbeachtet.
Also warteten wir erst rund 90 Minuten auf Uwe, der irgendwie versucht hat, zu uns zu kommen. Aber mach‘ das mal, wenn Du nicht weißt, ob Du rechts oder links des richtigen Weges bist!
Manche unserer Telefonate grenzten an debile Seniorengespräche. Ob da Bäume bei uns seien, ob da ein See war, ob es dort eine Geröllwüste gab … alles Fragen, die man an fast jedem Punkt der Strecke alle mit „ja“ beantworten könnte.
Dann gingen wir doch einige Hundert Höhenmeter nach oben, allerdings auch das ohne Erfolg und nach weiteren 60 Minuten haben sich meine beiden Mitstreiter dann auf meinen Vorschlag eingelassen, dass wir uns alle zum letzten gemeinsamen Punkt, also zum Lago Vargno zurückbewegen sollten.
So fanden wir uns also wieder, eine kleine Ewigkeit allerdings war bis dahin vergangen.

Auf den Col Marmontana herauf war es einigermaßen annehmbar, aber die Suchaktion nach einander hatte Spuren hinterlassen in unserer Psyche und so sank die Stimmung mit der Sonne ein wenig ab.


Noch einmal runter und rauf, was schwer und bedrückend war und dann sollte es „schnell“ runter gehen zu einem Refugio, um noch etwas zu essen. Es war mittlerweile schon recht spät und die Hütten bieten nicht allzu lange noch ein Nachtessen an. Bald war klar, dass wir bis zum nächsten Ort nach Niel herunter müssen in der vagen Hoffnung, dass dort noch ein Restaurant geöffnet sein würde.
„Italiener essen spät,“ dachten wir, aber wir kamen rund eine Stunde später in Niel an wie erhofft.
Die Getränkeflaschen waren bei allen leer und die Essensvorräte gegessen. Es war also der ideale Zeitpunkt, an dem Eric einfiel, dass da doch noch vor dem Etappenende in Gressoney ein Berg, der Col di Lazoney, zu bewältigen sei!
900 Höhenmeter bis zum Gipfel auf 2.387 Metern über N.N. ohne Wasser und Nahrung sind ja ein Kinderspiel!
Ich war jetzt richtig sauer, weil wir Niel vollkommen tot vorfanden, die Bürgersteige waren schon lange hochgeklappt, alles war sauber und schön, aber eben menschenleer, eben richtig tot.

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Uwe suchte im Dorf eine Wasserstelle, natürlich erfolglos. Ich wiederum sah ein Haus, vor dem ein Schild „aperto“ hing. Es war kein Restaurant und es war auch kein Hotel. Ich dachte: „Schau da doch mal rein, vielleicht gibt es wenigstens einen Wasserhahn dort, den wir anzapfen können.“
Ohne Nahrung laufen geht ja, ohne Wasser laufen geht aber gar nicht.

Die Türe war nicht abgeschlossen und ich ging ins Haus. Die ersten Zimmer waren allesamt zugeschlossen, kein Toilettchen war zu sehen. Aber es war etwas zu hören. Von ganz oben kamen Geräusche und so ging ich vorsichtig hinauf.
Eine Handvoll Menschen kam mir im Treppenhaus entgegen und oben fand ich einen wunderschöner Raum vor, in dem ein Mann Nudeln mit grünem Pesto aß. Eine hübsche Frau stand in angemessener Entfernung neben ihm und ich frage sie: „Is this a restaurant?“
Die Dame bejahte das. Und sie bejahte auch meine Frage, ob wir dort noch etwas zu essen bekommen würden. Ich erzählte ihr von uns drei Unglücklichen, die auf der Suche nach dem Glück den TdG laufen würden und dass wir unglaublich hungrig seien.

Die Küche wollte gerade schon sauber machen und schließen, ließ sich aber auf drei Portionen vegetarische Pesto-Lasagne ein. Die war wirklich lecker. Noch leckerer aber waren die beiden Bierchen, die sich Eric genehmigte. Uwe und ich gönnten uns zwei Coca-Cola und ich mir noch ein Red Bull – Döschen.
Wir waren im Himmel – und der Himmel war zweifellos italienisch!

Die Dame erzählte uns, dass viele diese vierte Etappe als Test auswählen würden und dann, bei ihr angekommen, erklären würden, dass sie den TdG auf keinen Fall laufen würden. Wenn ich vor dem Essen und vor der Cola ähnliche Gedanken gehabt haben sollte, dann waren diese durch diese Aussage wie weggewischt.
Beim TdG wird dann sogar ein Verpflegungspunkt direkt unten am Hauseingang sein.

Es war aber auch noch ein Riesen-Schokokuchen übrig, den wir uns zu dritt einverleibt haben. Und der war so lecker!

Wir füllten noch unsere Getränkeflaschen auf und setzten den Weg fort, hoch auf den Col di Lazoney. Ob es die verbesserte Laune, das Essen oder die Gedanken an dies nette Italienerin war: so leicht sind mir 900 Höhenmeter nach oben noch nie gefallen.
Es könnte aber auch an dem Umstand gelegen haben, dass der Weg lange richtig gut gepflastert war.

Abwärts ging es dann sehr flach und lange, immer weiter Richtung Gressoney. Uns war schon klar, dass wir zu einer „unchristlichen“ Zeit dort ankommen würden, also liefen wir relativ langsam und gemütlich die Wiesen und Wege herab ins Tal, dorthin, wo beim TdG dann eine „Base Vita“ sein wird.
Bei uns aber gab es all das nicht, nur die Notwendigkeit, 90 Minuten auf den ersten Bus nach Donnas zu warten. Wir waren müde, kaputt und verdreckt. Wir rochen wie ein Moschus-Ochse am Hinterteil und wir wussten nicht, ob wir uns freuen sollten oder ob wir uns ob der vielen Laufstunden Sorgen für den TdG machen sollten. Ein wenig schneller sollten wir im September dann doch sein.

Wir waren dann alleine im Bus, so störte sich niemand an unserem Geruch und das erste, was wir nach der Ankunft am Auto taten war, uns ein italienisches Frühstück zu gönnen.
Auf der Rückfahrt nahmen wir den Weg über den Pass des Großen St. Bernhard, den Tunnel wollten wir vermeiden und wir waren froh, diesen Pass wieder zu sehen, den Pass, der Teil vieler Läufe ist. Ob es der Lauf Verbier / St. Bernard ist oder der PTL, immer wieder kommst Du auf diesen Berg. An die Gedanken an diese Läufe wollten wir alle uns erinnern.

Und an dieses wunderschöne „Männer-Laufwochenende“ werden wir uns auch noch lange erinnern. Es wird uns dann auch helfen auf unserem langen Weg von Courmayeur wieder nach Courmayeur.

Man könnte fast meinen, dass es im September einfach ein verkürzter „CCC“ wird, ein „CC“ eben.
Und der kann einfach nicht wirklich schwer sein.