Null – Null – Zwei

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Schon etwas länger her ist der 50 K Lauf „Georgsmarienhütter Null“, aber ich will jetzt, bald zwei Monate später, doch eine kleine Hommage an diesen Lauf veröffentlichen, den ich allerdings noch im alten Jahr geschrieben habe:

Georgsmarienhütte? Ein Städtchen, das aus Läufersicht eher ungeeignet für große Läufe scheint, vor allem wegen des langen Namens. Denn entweder hast Du ein Kreuz wie ein Schrank, Du machst die Buchstaben auf dem Vereins-Shirt sehr klein oder – und das ist die Lösung, die die meisten Georgsmarienhütter Läufer bevorzugen – Du kürzst Georgsmarienhütte mich Gm’hütte ab.
Ob das aber alle Leser richtig interpretieren können bezweifle ich stark.

Aber Georgsmarienhütte hat auch zumindest zwei ganz hervorragende Sachen. So habe ich zum ersten Mal von Georgsmarienhütte gehört, als Winfried Bornemann in den 80er und 90er Jahren des letzten Jahrtausends, damals, als Briefe noch etwas zählten und noch nicht durch eMails oder SMS ersetzt wurden, mit seinen legendären „Briefmacken“ für viel Verwirrung und noch mehr Lacher gesorgt hat.

Sofern Dir Winfried Bornemann’s „Briefmacken“ bekannt sind, kannst Du den nachfolgenden Teil überspringen, falls nicht, so empfehle ich Dir, Dich mal mit diesen „Briefmacken“ auseinander zu setzen.
Winfried Bornemann schrieb diese Briefe teilweise unter seinem eigenen Namen, meist aber unter einem Pseudonym. Die in aller Form und mit der gebotenen Höflichkeit verfassten Briefe wurden hin und wieder beantwortet. Hatte man den passenden Anlass und die verlockende Gelegenheit gefunden, konnten die Antworten auf diese Briefe doch schon sehr entlarvend sein. Winfried Bornemann nervte damals Behörden, Firmen, Prominente und Amtsträger.
Die oft todernsten Antworten sind zum Lachen. Zumindest für uns Leser.

Ein Beispiel sei hier zitiert:

Anschreiben: Samenspende

Finanzamt Osnabrück
Beratungsstelle
Postfach
45 OSNABRÜCK

Betr.: SAMENSPENDE

Sehr geehrte Damen und Herren,

verzeihen Sie mir die peinliche Frage (ich möchte nicht persönlich erscheinen):
Muss ich mir im Falle einer Samenspende eine Spendenquittung geben lassen, um später Gemeinnützigkeit dieser Sache anerkannt zu bekommen?
Ich bin von einer Dame mittleren Alters um diese Spende gebeten worden und möchte diesem Ansinnen sehr gern nachkommen, wenn mir daraus keine steuerlichen Nachteile entstehen.

Hochachtungsvoll

Winfried Bornemann

Antwortschreiben: Samenspende

Finanzamt Osnabrück-Land
Az.: IX
Hannoversche Straße 12
4500 Osnabrück
Sprechstunden: Montag bis Freitag 9-12 Uhr

Herrn
Winfried Bornemann
Fillerschloß

4504 Georgsmarienhütte

Osnabrück, 30. April 1982

Betr.:Samenspende
Bezug: Ihre Schreiben vom 25.02. und 13.04.1982

Sehr geehrter Herr Bornemann!

Nach § 10 b EStG (Einkommensteuergesetz) sind bestimmte Ausgaben zur Förderung mildtätiger oder als besonders förderungswürdig anerkannter gemeinnütziger Zwecke als Sonderausgaben (Spenden) abzugsfähig.
Leider lassen Ihre recht kurzen Angaben keine eindeutige Stellungnahme zu. Wie Sie bereits andeuten, stellt in diesem Fall die Abwägung zwischen der gebotenen Zurückhaltung vor Ihrer Privatsphäre und den Erfordernissen einer erschöpfenden Aufklärung des Sachverhalts ganz besonders hohe Anforderungen.
Nach § 10 b Abs. 1 Satz 3 EStG gelten als Ausgaben auch die Zuwendungen von Wirtschaftsgütern (sog. Sachspenden). Wenn diese jedoch als unentgeltliche Arbeitsleistung angesehen werden müssten, so könnte eine Ausgabe nicht angenommen werden.
Falls Sie jedoch auf Ihnen bereits zustehendes Arbeitsentgelt verzichten, bildet der Verzicht auf die Auszahlung eine Verfügung über Ihr Vermögen und damit eine Ausgabe (Spende). Ich stelle anheim, Ihre Darlegungen insoweit zu präzisieren, insbesondere den Umfang Ihrer Leistungen anzugeben und auch Ihre persönliche Einschätzung mitzuteilen, ob Sie in Ihrer Spendenaktion eine Arbeit erblicken.
Eine Sachspende setzt außerdem voraus, dass das Wirtschaftsgut vor seiner Zuwendung zu Ihrem Vermögen gehört hat. Daran fehlt es nach Auffassung von Kommentatoren bei Bestandteilen des menschlichen Körpers, die beim Spenden entfernt werden und nach der Trennung unmittelbar in das Eigentum der entnehmenden Stelle gehen. Auf die Beurteilung Ihres Vermögens durch die Empfängerin der Spende kommt es dabei nicht an.
Obwohl nach Ihren Ausführungen mildtätige Beweggründe nicht von vornherein entfallen, zielt Ihre Frage wohl mehr auf die gemeinnützigen Aspekte der Spenden. Ich möchte nicht ausschließen, dass angesichts des stagnierenden Wachstums zumindest der einheimischen Bevölkerung Ihren Plänen gewisse gemeinnützige Momente nicht abzusprechen sind.
Nur kommt es in diesem Fall ausschließlich auf die Gemeinnützigkeit des Empfängers der Spende an, der eine gemeinnützige Personenvereinigung oder Körperschaft sein muss. Dabei ist zu bedenken, dass eine Personenvereinigung im steuerlichen Sinne nicht die Ihnen vorschwebende Tätigkeit, sondern eine Gesellschaft ist, bei der die Gesellschafter Unternehmer (Mitunternehmer) sind.
Nur vorsorglich weise ich darauf hin, dass bei Ihrem Vorhaben eine Personenvereinigung selbst dann nicht gegeben ist, wenn noch weitere Mitunternehmer beteiligt sein sollten. Gegebenenfalls müssten von Ihnen zur Unternehmereigenschaft der Spendenempfängerin nähere Angaben gemacht werden.
Auch eine Körperschaft mag sich der steuerliche Laie etwas anders vorstellen, als es nach den einschlägigen Vorschriften geboten ist. Da es sich überwiegend um Kapitalgesellschaften handelt, spielen sie hier keine Rolle.
Ich hoffe, Ihnen die steuerliche Problematik Ihres Vorhabens ein wenig näher gebracht zu haben. Falls Sie den Eindruck gewonnen haben, dass die Subsumption einer so ganz und gar elementaren Lebensäußerung unter die Steuergesetze allzu beschwerlich erscheint, bitte ich, die Komplikationen nicht Ihrem Finanzamt anzulasten, sondern Erleichterung beim Gesetzgeber zu suchen. Im übrigen können Sie sich stets vertrauensvoll und wirklich ohne Scheu an das Finanzamt wenden, da alle Ihre Verhältnisse durch das Steuergeheimnis geschützt werden.
In diesem Sinn möchte ich Sie freundlichst bitten, Ihre Einkünfte aus schriftstellerischer Tätigkeit, die Sie bisher erzielt haben und mit denen Sie in Zukunft rechnen können, dem Finanzamt mitzuteilen, damit aus Gründen der Steuergerechtigkeit Ihre Einkommensteuer in richtiger Höhe festgesetzt werden kann. Ihrer Antwort sehe ich bis zum 20.05.1982 entgegen.

Hochachtungsvoll

Im Auftrag
(Heiser)

Meine Lieblingsbriefe aber sind vor allem das Schreiben unter dem Pseudonym eine älteren Rentnerin an die RWE AG, die vier Wochen vor der Hauptversammlung der RWE AG eine Verlegung des Termins von Montag auf den darauf folgenden Dienstag erbittet, weil sie mit ihren beiden Aktien am Montag wegen ihres Stricknachmittags sonst nicht an der Hauptversammlung teilnehmen könnte.
Wie verhält sich ein Unternehmen in so einem Fall politisch korrekt?

Sensationell war auch sein Schreiben kurz nach dem Mauerfall unter dem Pseudonym eines Adligen, der den Bürgermeister einer thüringischen Kleinstadt als Vertreter der Dorfgemeinschaft mit den Worten „Liebe Untertanen“ anschrieb und das gesamte Dorf als sein Hab und Gut einforderte.
Die Kleinstadt-Bürger fanden das alles andere als lustig und wehrten sich vehement gegen diesen Scherz, den sie nicht als solchen erkennen wollten.

Zusammengefasst sind diese Schreiben und die dazu gehörigen Antworten in mehreren Büchern, die man auch heute noch erwerben kann. Dort liest Du auch, wie mancher Prominente vor Gier sabbernd sich auf das angekündigte Erbe der „Carola von Gästern“, immerhin ein Wasserschloss, gefreut hat. Mit jedem Schreiben wurde alles dann skurriler, vom Schlossgespenst angefangen bis hin zu „nassen Füßen“ des Schlosses.
Einmal zugestimmt und „angebissen“ sollten diese Einschränkungen dann die Entscheidung der Prominenten nicht wieder ändern.

Und Georgsmarienhütte hat noch ein Highlight, etwas ganz, ganz Uriges, ein kleines Juwel unter den persönlichen Landschaftsläufen und das nicht nur, weil die 50 K lange Laufstrecke wirklich attraktiv ist. Viele Trails, aber auch Straßenabschnitte, Anstiege und welliges Gelände gibt es da, aber auch das ist nicht das Besondere.

Besonders ist, dass es zwei offizielle Starts gibt, dass Du aber auch auf eigene Gefahr hin schon vorher starten kannst.
Besonders ist, dass es keinerlei Zeitnahme gibt. Es gibt nur die Vorgabe, spätestens um 16 Uhr wieder im Ziel zu sein. Es gibt auch keine Startnummern, keinen Streß und keine Kontrollen an den Verpflegungspunkten. Wie auch, wenn die Teilnehmer ohne Startnummern unterwegs sind.
Besonders ist auch, dass die, die einen der letzten 49 Läufe mitgemacht haben, offiziell danach „Nuller“ heißen.
Georg, der Organisator dieses skurrilen Laufs, nennt sich dabei die „Obernull“.
Und alle Läufer – und auch das ist etwas ganz Besonderes – haben dort „besondere Aufstiegsmöglichkeiten“.
Nach fünf Teilnahmen wird man Berg- und Talführer und auf dem Laibchen, das man dann erhält, steht: „Georg sagt, ich kenne die Strecke!“
Und nach zehn Teilnahmen darf der Läufer „jubilieren“, weil er zum „Magister bergum et talum“ befürdert wurde. Auf dem Laibchen, dass er nun bekommt, steht dann: „Georg sagt, ich verlauf‘ mich nicht!“

Bei diesem Lauf gibt es unglaublich viele Läufer in einem der beiden Laibchen, ein sicheres Zeichen, dass die meisten dort Wiederholungstäter sind.

Gehört habe ich schon oft von diesem Lauf, aber dieses Jahr wollte ich das Mitlaufen endlich wahr machen. Wenn ich schon altersbezogen „nulle“, dann sollte ich auch die zweite Null abholen und dort in Georgsmarienhütte „nullen“. Zwei Mal „nullen“ in einem Jahr ist doch auch etwas Besonderes, oder?

Beim Lauf selbst lief ich erst mit Thomas Hagel und Lars Schläger, beides Läufer, die mir sehr nahe sind, die ich aber beide schon länger nicht mehr gesehen habe. Danach lief ich lange mit Raimund Slabon, Stefan Beckmann und Peter Kaminski.
Bei km 27 aber musste ich die drei dann aber ziehen lassen, weil ich einen Hungerast bekam und fünf Kilometerchen lang gar nichts mehr ging. Aber was kommt, das geht auch schnell wieder und so erreichte ich nach 5:35 Stunden doch das Ziel, kumuliert mit 6:39 Minuten pro Kilometer, besser als erwartet und durchaus akzeptabel für einen so hügeligen und trailigen Lauf. Aber wer fragt danach?

Auf der Urkunde steht keine Zeit, es gibt weder eine Platzierung noch eine Einlaufliste. Das einzige, was es gibt, ist das gute Gefühl, an einem Lauf teilgenommen zu haben, der etwas ganz Besonderes ist.

Und wenn im nächsten Jahr die „Georgsmarienhütter Null“ auch selbst „nullt“ und zum 50. Mal stattfindet, dann sollte der 50-jährige TomWingo wohl wieder dabei sein, vielleicht nur, um zu testen, ob der Lauf wirklich echt ist.
Und dieser Aspekt führt wiederum zu dem Georgsmarienhütter Schriftsteller Winfried Bornemann, desses „Briefmacken“ so harmlos begannen, indem er ein Pfennigstück an die Deutsche Münzanstalt in Karlsruhe schickte mit der Bitte, nachzuprüfen, ob der denn echt sei. Der Ernst und die Akribie der Antwort Deutschen Münzanstalt verblüfften Bornemann damals:
Ja, so war die Antwort, der sei echt, Jahrgang 1978, mit einem Gewicht von 19,9992 Gramm, 16,55 Millimetern Durchmesser und 1,37 Millimeter dick.

Es zeigt sich: das Lustige und Skurrile ist in Georgsmarienhütte zu Hause, der „Bierernst“ aber ist im restlichen Deutschland verteilt.

Danke also an Winfried Bornemann und Danke an Georg, die „Obernull“, ich komme wieder!

Wer bis 2 zählen kann hat Vorteile …

Es war ein echtes Lauf- und Autofahrer – Wochenende für mich. 1.350 Kilometer Autobahn oder Bundesstraßen, ein Marathon und ein kleiner Ultra. Du kannst schnell zusammen rechnen, wie viel Zeit das alles in Anspruch nimmt:
Vielleicht 15 Stunden hinter dem Steuer und 9 bis 10 Stunden laufen, etwas Zeit für das Schlafen dazu rechnen, etwas Zeit für die Zeit vor den Starts …

Mein Wochenende begann also um 5.00 Uhr mit dem klingelnden Wecker. Am Abend zuvor haben wir noch den 18. Geburtstag unseres Sohnes Pascal gefeiert – im edlen Restaurant „Vieux Sinzig“ in Sinzig, dem Restaurant, das seine Bekanntheit nicht nur der expliziten Erwähnung in den berühmten Eifel-Krimis verdankt, sondern auch dem engagierten französisch-normannischen Patron Jean-Marie Dumaine, der auch selbst einige Koch- und Naturbücher geschrieben hat.
Vor allem die verschiedenen echten und falschen Trüffelpilze dieser Welt und auch die Naturkräuter haben es dem „Wildkräuter-Papst“ Jean-Marie Dumaine angetan. Dabei organisiert er noch Veranstaltungen wie das „Trüffel-Symposium“, Du kannst dort Kochkurse besuchen oder an Naturwanderungen teilnehmen.
Der Abend wurde auch deshalb lang, weil neben den drei Gängen des Menüs, dem obligatorischen „Amuse-Gueule“ und dem Brot mit Walnuss-Tapenade auch noch ein Apetizer für das Dessert gebracht wurde, damit sich der Gaumen schon langsam an die Süße gewöhnen kann.
Und die viele Zeit fehlte mir am nächsten Tag.

Schnell noch für die beiden kommenden Tage und Läufe packen hieß es also um 5 Uhr. eine kurze und eine knielange Laufhose, 1 Paar Kompressionsstrümpfe, 1 Paar kurze Laufstrümpfe, ein Paar Schuhe reichen, Laufshirt, lange Laufjacke, Laufweste, Laufuhr, 2 Buffs, eine Winter- und eine Sommermütze, dünne Laufhandschuhe …
… fehlte da nicht etwas?

Natürlich! Das zweite Laufshirt und auch die Entscheidung für nur ein Paar Schuhe war falsch, weil ich Leipzig nicht so schlammig und nass erwartet hatte, dass die Schuhe danach keinesfalls für einen zweiten langen Lauf hätten verwendet werden können.
Meine Lösungen waren zum einen, ohne Laufshirt nur mit der Laufweste zu laufen. Wie viele schmerzende Scheuerstellen das gab kann ich nicht sagen, aber ihc kann sicherlich bis über 10 zählen und die wunden Stellen auf beiden Seiten unter den Armen, am Schlüsselbein und auf der Brust waren mehr …
Und zum Laufen nahm ich die Brooks-Laufschuhe, die ich eigentlich nur als Zierde zu meinen Jeans als „casual wear“ trage. Für lange Läufe sind die nicht gemacht, vor allem haben sie nicht die zusätzliche Länge, die wir Marathonis oder Ultramarathonis stets unseren Laufschuhen gönnen. Das habe ich dann nach dem Ultra mit einer dicken und äußerst schmerzhaften großen Blutblase am zweiten rechten Zeh bezahlt.
Aber wer nicht bis zwei zählen kann …

Die beiden Läufe aber kompensierten all den Ärger, den ich über mich selbst hegte. In Leipzig war es ein 3-er Teamlauf, für den ich schon im November 2011 zwei ostdeutsche Laufpartner gefunden hatte. Matthias, ein Unternehmer mit bis dahin 8 Marathons in seiner persönlichen Statistik, mit einer PB, die fast exakt gleich ist wie meine aus Edinburgh und mit einer Biographie, die einige Parallelen zu meiner hat und Flo(rian), unser Küken, ebenfalls mit bis dahin 8 Marathons in seiner persönlichen Statistik und einem Beruf, der ihm Flügel verleiht.
Beim 3. Leipziger Winter! Marathon war einer der Sponsoren Red Bull. Gewöhnlich nutze ich die Kraft von Red Bull, um mich für lange Autofahrten wach und fit zu halten, in Leipzig erlebte ich dieser nach Gummibärchen schmeckende Flüssigkeit als Hot Bull, leicht angewärmt mit Orangensaft gemischt. Und das Red Bull – Promotionteam war auch super nett und jede der Ladies war unserem Teammitglied Flo(rian) bekannt.

Läuferisch war der Marathon wieder eine kleine Offenbarung. Wir sind im Gruppendruck natürlich zu schnell losgelaufen. Am liebsten hätte ich schon auf den ersten Kilometern auf die Laufbremse getreten, aber wer will schon der Bremser sein? Und wir Männer wollen das sowieso nicht zeigen, also geht es schnell weiter. Aber nach vielleicht 30 oder 32 Kilometern schmerzte Matthias seine Sehne sehr und Flo durfte mir seine Leidensfähigkeit beweisen. „Das war das Härteste, das ich bisher gemacht habe,“ sagte er am Ende und ich versuchte Kilometer für Kilometer die beiden zu motivieren.
Dennoch wurden wir vor allem auf den letzten eineinhalb Runden auch von Teams eingeholt, die wir längst hinter uns gelassen wähnten und auch das beste Damenteam passierte uns auf den letzten 1.000 Metern. Aber das sollte uns vollkommen egal sein, weil wir ja mit dem Ziel 4:30 Stunden unterwegs waren.
Mir aber wurde es am Ende schon richtig kalt. Am liebsten wäre ich wie ein junger Hund neben der Strecke hin- und hergelaufen, um meinen Kreislauf in Schwung zu halten, weil mein Rücken freundlich angeklopft hat und meinte, schmerzen zu müssen, zum Glück nicht im Bereich meines sensiblen Iliosakralgelenks, sondern etwas höher, knapp unter dem Rippenansatz, aber ich hätte am Samstag Abend eher gehen einen Start am Sonntag gewettet.

Der 3. Winter! Marathon war auch eine große Ansammlung von Marathon4U – Autoren. Klaus Duwe und seine Mannen waren omnipräsent und so gab es viele Hallos und Körperdrücker, nicht nur mit Klaus, Wolfgang und Bernie, sondern auch mit vielen der anderen M4U Jungs. Außerdem waren der MIAU-Organisator Bernd Kalinowski dabei, der ultraschnelle Ulf Kühne vom OEM (Oberelbe Marathon) Team und viele andere Lauffreunde, die mich Runde für Runde höher fliegen ließen.

Für das Wetter konnten die Leipziger Veranstalter nichts, nichts für das Schneetreiben, nichts für den Regen, nichts dafür, dass alles matschig, schlammig und überhaupt „usselig“ war. Aber das, wofür sie was konnten, war schon phänomenal. Für 45 EUR Startgebühr pro Team (!), also nur 15 EUR pro Starter, gab es einen gut organisierten Lauf, wo an jeder Ecke bedauernswerte Menschen in Neon-Schutzjacken herumstanden, um uns auf den richtigen Weg zu leiten, wo die Versorgung vorbildlich war, nicht nur wegen der Hot Bull Becherchen und nicht zuletzt gab es am Ende sogar noch kleine Geschenke für die Teams.
Leider war uns eine der wunderschönen Plastik-Schneekristalle am goldenen, silbernen oder bronzenen Band vergönnt, dafür waren wir einfach viel zu langsam, insgesamt gab es aber neben den Urkunden noch zwei Torten für unser Team.

Flo, Matthias und ich jedenfalls hatten uns viel zu erzählen, die Zeit verflog recht schnell und ich nutzte die mir durch das Red Bull – Team gewachsenen Flügel dann gleich noch, um nach Senftenberg zu fahren. Ich war ja schon im Vorjahr dort am Start des 50 K Hallen-Ultramarathons und damals erzielte ich eine neue persönliche Bestzeit über die 50K Distanz, jetzt, mit dem Marathon in den Beinen, wollte ich keinesfalls in die Nähe dieser Marke kommen, um auf keinen Fall doch motiviert zu sein, hier noch weiter „feilen“ zu wollen. Aber wenigstens unter 5 Stunden bleiben wollte ich schon.

In der X-BIONIC Laufweste ohne Laufshirt darunter sah ich einigermaßen gut aus, fand ich, und ich folgte als Schatten immer wieder anderen Läuferinnen und Läufern. Zwei, drei Runden gemütlich hinter einem anderen Läufer, dann wieder ein paar Runden allein mit etwas Druck aufs Tempo, so ging es letztendlich 4:56:10 Stunden lang, zuerst einfach, später dann zunehmend schmerzhaft. Das Entstehen und Wachsen der Blutblase bemerkte ich schon nach der Hälfte der 50 Kilometer auf der in den Kurven überbauten Indoor-Tartanbahn, das Scheuern der Weste kam dann etwas später in mein Bewusstsein.
Aber Weicheier sind wir Läufer ja alle nicht und so etwas muss halt jeder aushalten, der nicht bis zwei zählen kann, eine echte Lehre für das weitere Leben.

Der MIAU-Organisator Bernd Kalinowski, der auch in Leipzig gelaufen war, hatte zwischen den Senftenberger Ultra-Hallenmarathon und den Leipziger Winter! Marathon noch kurz den Senftenberger Hallen-Nachtmarathon eingeschoben, wahrscheinlich, weil auch Bernd nicht bis zwei zählen kann.
Und auch Marco Cych aus Bad Kreuznach lief außer in Leipzig noch in Senftenberg. Die Anzahl der „Verrückten“ nimmt also ständig zu …

In Senftenberg 2011 konnte ich meine Altersklasse gewinnen, 2012 erreichte ich nicht mehr als einen 6. Platz. Aber wer langsamer ist wie im Vorjahr, der kann auch nicht die Ergebnisse des Vorjahres erwarten. Es war mich auch egal, weil ich sowieso im Jänner nur viel Strecke laufen will, damit ich im Februar ohne Sorgenfalten auf das Laufen verzichten kann, wenn ich in Equador auf die hohen Berge wandere.
Und ein Glas der berühmten Spreewald-Gurken und eine Packung breiter Nudeln gab es dennoch für die Läufer.

Was ich aber wirklich unglaublich fand, war, dass selbst einige meiner Pacemaker noch fast eine Stunde nach meinem Zieleinlauf unterwegs waren, humpelnd, gehend, verzweifelt. Der Hallenboden und die Überbauung in den Kurven verlangen Dir schon einiges ab. Manche konnten schon nach 100 der zu laufenden 200 Runden nicht mehr richtig laufen, schoben Gehpausen ein oder änderten ihre Rennstrategie gänzlich auf das Walken oder Gehen.
Einen meiner Pacemaker vom Anfang des Laufs bewuderte ich, weil seine Runden immer exakt 1:30 Minuten lang waren, plus / minus eine einzige Sekunde.Ich lief so lange hinter ihm, bis er beim Verpflegungspunkt abgebogen ist. Später aber ging bei ihm nichts und meine ursprüngliche Annahme, es hier mit einem extrem erfahrenen und kontrollierten Läufer zu tun zu haben, schwand und ich bedauerte ihn, weil offensichtlich wurde, dass er dieses konstante Anfangstempo von exakt 6 Minuten pro Kilometer einfach nicht durchhalten konnte.

So skurril dieser Hallen-Ultra ist, so skurril ist auch die alte Niederlausitz-Halle, die noch den Charme der 70er und 80er Jahre verbreitet. Aber der Lauf dort ist einfach einzigartig, wenngleich man ihn leicht unterschätzen kann. Eine ganz besondere Erfahrung aber ist er auf jeden Fall.
Für mich aber war es nach 2011 der letzte Lauf dort, weil mich die rund 600 Kilometer bis Senftenberg immer wieder nerven.

Zumindest in diesem Punkt kann ich dann doch bis 2 zählen …

Troisdorf oder warum ein 6-Stunden-Lauf schon nach 90 Minuten zu Ende war …

Am Morgen des vorigen Samstags, am Morgen vor dem 6-h Lauf in Troisdorf, der wie immer liebevoll von den engagierten M-U-T’lern organisiert wurde, fühlte ich schon wenig Motivation, diesen Lauf zu machen.
Vom Vortag taten mir die Oberschenkel noch weh, ein Handicap, das meinem akuten Trainingsrückstand geschuldet war, ich war nicht wirklich ausgeschlafen, und hatte so ein Grummeln im Magen, genug Gründe, die Bettdecke wieder über den Kopf zu ziehen und noch ein paar Schlafstündchen dran zu hängen.
Aber die vermeintliche Pflicht siegte.

Der Troisdorfer 6-h Lauf, immerhin 2005 mein Einstieg in die Welt der Ultras, wenn ich von dem Gruppenlauf rund um Ratingen, den „Ratinger Rundlauf“ am 3. Oktober 2005 absehe, stand sowieso nicht auf meiner Laufagenda, weil es eigentlich das letzte Wochenende war, an dem ich hätte arbeiten müssen, dieses Mal in der Drei-Flüsse-Stadt Passau.
Da meine Gabi mir aber für dieses letzte Wochenende frei gegeben hatte, erinnerte ich mich an die freundliche Einladung von Michael Irrgang, der mich via Facebook zu diesem Lauf hatte überreden wollen, was ich unter dem Verweis auf den Arbeitseinsatz ablehnte.
Außerdem hat mich der XING-Lauffreund Thorsten Stelter gefragt, ob wir dort in Troisdorf ein paar Worte miteinander wechseln könnten. Live hatte ich ihn seit einem nur wenige Minuten dauernden Treffen vor dem Rennsteiglauf Anfang dieses Jahres nicht mehr gesehen, alles Gründe, doch nach Troisdorf zu fahren.

Zu Troisdorf sei für diejenigen, die noch nie in diesem Städtchen waren, erklärt, dass man das „i“ im Namen nicht mitspricht. Troisdorf heißt also eher Trosdorf, hier in der Region wird Tro(i)sdorf auch liebevoll „Trostlos“ genannt. Es ist eben eine eher gesichtslose Wohnstadt für Bonn und Köln, eine der vielen Wohnstädte, die sich rund um diese schönen Städte gebildet haben.
Troisdorf ist vor allem für mich sehr nah. Und Nahes hat von jeher nur einen bedingten Charme, finde ich. Eine gesichtslose Stadt in Sachsen-Anhalt oder in Bayern ist allemal besser als etwas, das nahezu direkt vor der Haustüre liegt.

Dazu kommt, dass es in Troisdorf eine Tradition gibt, fast schon eine Gleichung. Wenn der Lauf in Troisdorf ist, dann ist auch das Wetter schlecht. Immer. Schlecht, nass, kalt.
Im Vorjahr hat es fast permanent geregnet, es begann nur wenige Minuten nach dem Startschuss, steigerte sich gegen Mittag zum Wolkenbruch und endete auch erst wieder kurz vor dem Ende des Rennens. Noch immer sehe ich die unermüdlichen Helferinnen und Helfer, die versucht haben, die schlimmsten Wasserpfützen auf dem Damm hinter dem Aggertal-Stadion weg zu wischen. Ich erinnere mich an den verzweifelten Versuch, sogar die Cola anzuwärmen, damit uns die nasse Kälte nicht allzu sehr zusetzte.
Ich erinnere mich an meinen ersten Lauf dort, damals, 2005. Beim Lauf selbst war es einigermaßen trocken, aber der Weg war noch nass vom Regen am Vortag und vom Regen in der Nacht vor dem Start.
Wenn Du dort vom Damm herunter kommst und auf die Straße trittst, dann gibt es da mitten im Laufweg eine kleine Senke im Asphalt, in der sich immer das Wasser sammelt. Damals bin ich drei oder vier Stunden lang brav um diese Senke herum gelaufen, in den letzten beiden Stunden aber war mir der Umweg zu weit und meine innere Abwägung „nasse Füße“ oder „Umweg“ wurde anders beantwortet wie in den ersten Laufstunden.
Damals hatte ich mich von den Lauffreunden des TV Altendorf-Ersdorf begleiten lassen. Ein paar Runden mit Rainer, ein paar Runden mit Katrin, ein paar Runden mit Dietmar, ein paar Runden mit meiner Gabi – und natürlich viele Runden alleine, vor allem in den ersten beiden Laufstunden.
Damals hat es aber nicht gereicht für die 60 Kilometer – und auch beim zweiten 6-h Lauf, ein halbes Jahr später in Stein/NL nicht. Erst dann, ein weiteres Jahr später, beim dritten Versuch, in Steenbergen/NL, kam ich mit ca. 64,5 Kilometern auf ein zufrieden stellendes Ergebnis. Seither habe ich keinen 6-h Lauf mehr mit Engagement gelaufen.
Im Vorjahr hatte ich in Troisdorf nach einem Marathon noch die Runde beendet und bin dann gegangen, nass und kalt wie ich war.
Und das war auch mein Plan für 2011 an diesem Morgen, wo ich unmotiviert war und besser im Bettchen geblieben wäre.

Auf der Starterliste aber hatte ich neben Melanie und Steffen Kohler auch Birger Jüchter gesehen. Melli und Steffen hatte ich schon Monate lang nicht mehr live gesehen und auch mit Birger bin ich zuletzt beim Allgäu Panorama Ultra gemeinsam gelaufen. Seine Finishertrophäe, ein Metall-Läufer auf einem Pflasterstein, steht noch immer bei uns.
Er hatte Gabi und mir seine Trophäe mitgegeben, weil ihn sein Weg weiter geführt hat zu Hauke Königs höchst privatem Frubiase TransGermany Lauf und Birger war dorthin mit dem Fahrrad unterwegs. Da hätte so eine Trophäe sicher eher gestört.
Nicht zuletzt freute ich mich auch, den stets freundlichen Michel Irrgang mal wieder zu sehen.

Mein erstes Ziel war, gut auszusehen. Ich erinnte mich bei der Beantwortung meiner Frage, in welcher Farbe ich wohl laufen würde, an das Zitat von Henry Ford.
Jens Vieler erwähnt dieses Zitat auch sehr oft und vieles bei seiner TorTOUR de Ruhr basiert auf diesem Zitat.

„Egal welche Farbe – Hauptsache: schwarz!“

Als Wintertyp steht mir schwarz sowieso am besten. Und das, was X-BIONIC in schwarz produziert, habe ich schon beim ersten Ansehen in mein Herz geschlossen.
Das Outfit war also schnell klar, eine ganz kleine Motivationsspritze war das schon. Aber eben nur eine  kleine, die nicht allzu lange anhält.

Schon an der Startlinie habe ich gemerkt: ohne eine ausreichende Portion Motivation laufen ist einfach Mist. Du haderst an allem, Du spürst Deinen Körper schon, bevor Du losgelaufen bist und Du fragst Dich von Anfang an: „Was soll ich hier?“
Noch freute ich mich über die vielen anderen Lauffreunde, darüber, Conny und Sigi Bullig, zu sehen. Und ich startete mit Thorsten Stelter und auch Birger, Melanie und Steffen waren lange bei mir.
Aber wer mich nicht begleitete, war die Begeisterung. Es war Pflicht von Anfang an, Pflicht und Zwang. Selbst auferlegt, zweifellos, aber eben dennoch Pflicht und Zwang.

Das Wetter war fantastisch, überhaupt nicht Troisdorf-typisch. Es war mild, sonnig, ein wunderbarer Tag. Ein Tag, an dem man, wie Michael Irrgang mir irgendwann sagte, auch mal Gehpausen einlegen könnte, sich intensiv versorgen lassen könnte, alles langsam angehen lassen könnte. Stimmt.
Stimmt aber irgendwie auch nicht. Denn an so einem Tag kannst Du auch etwas anderes Schönes machen als Dich von anderen Läufern überholen zu lassen. Wenn Du anfängst, das peinlich zu finden, was Du da ablieferst, dann ist es Zeit, aufzuhören.

Melanie und Steffen Kohler waren mittlerweile einhundert oder zweihundert Meter vor mir. Ich gab mir noch Mühe, die beiden einzuholen, lief noch den Rest der Runde mit den Beiden, um dann meine Startnummer abzunehmen und mit meiner Entscheidung zufrieden das Terrain zu verlassen.
Ein Drittelmarathon, immerhin. Etwas zum Auslaufen, immerhin.

Nun bleiben noch zwei Wochen Zeit, mein Pensum wieder deutlich nach oben anzupassen, lange Einheiten zu probieren, damit der KoBoLT nicht hinter einem der Tausend Bäume hervorlugt und mir eine lange Nase zeigt.

Aber zwei Wochen sind ja auch wirklich noch eine sehr lange Zeit …

11-11-11-11-11

Beim Karnevalsmarathon in Bad Driburg gab es fünf „Elfer“ zu feiern. So ein Datum kommt nur alle 100 Jahre, die Älteren unter uns mögen sich an den letzten entsprechenden Tag erinnern. Und kaum einer von uns wird den nächsten entsprechenden Tag erleben.

Aber es gab neben diesem Datum und dem Beginn der diesjährigen Session auch noch zwei weitere Jubiläen zu feiern. Markus Pitz, der Veranstalter des Karnevalsmarathons, hatte Geburtstag und wurde endlich „marathonalt“. 42 Jahre ist er geworden aber vielleicht hätte er mit dem Lauf doch noch 71 Tage warten sollen, um dann 42,195 Jahre alt zu sein.
Aber von dieser Rundung abgesehen gab es für ihn ja noch einen weiteren Grund zu feiern.

Es war sein 50. Marathon, den er, als Bäcker verkleidet, engagiert knapp unter vier Stunden bewältigte.

Mein Weg zu diesem Lauf war einigermaßen schwierig. Schon vor Monaten hat mich mein Freund Wolfgang Bernath aus Waldbreitbach, einem Örtchen gleich bei uns, nur auf der anderen Rheinseite, der falschen Rheinseite, der „Schäl Sick“, so nebenbei bemerkt, zu einem Karnevalsmarathon eingeladen. Ich war spontan begeistert und habe meine Teilnahme in Aussicht gestellt. Jetzt, so Wolfgang, wären wir schon vier!
Andreas Butz, der Organisator des „Decke Tönnes“, ein mir nicht bekannter Freund von Wolfgang, er und eben ich. Dabei blieb es für eine sehr lange Zeit.

Nun hatte ich ja in den letzten Wochen jedes Wochenende gearbeitet und während der Woche weder Zeit noch Muße zu trainieren. Seit dem Ausscheiden beim TdG bin ich keinen Wettkampf mehr gelaufen und habe nur zwei Mal die Halbmarathondistanz im Training bewältigt und zudem vielleicht drei Läufe um die 10 Kilometer hinter mich gebracht.
Das ergibt durchschnittlich knapp 10 Wochenkilometer als Trainingsleistung. Keine optimale Vorbereitung im Hinblick auf die Läufe, die nun kommen sollen.
Und da ein Lauf unter Freunden mit mir als Bremsklotz hinten dran?
Das kann nicht gut sein, dachte ich und so suchte ich nach einer Alternative.

Dank „Tante Google“ wurde ich eben in Bad Driburg fündig. Ein Marathon nicht als Gruppenlauf, aber auf einer 400-Meter-Bahn, Start um 11 Uhr 11 an jenem Tag, auf den die Jecken sehnsüchtiger warten als auf Weihnachten, das alles klang viel versprechend. Aber ich kam in einen Gewissenskonflikt. Sollte ich nun mit Wolfgang und Andreas laufen gehen oder die vernünftige Lösung wählen, die, die meinem katastrophalen Fitnesszustand entsprach?

Ein Blick auf die bislang 22 Teilnehmer löste meinen Konflikt. Ich fand da neben Wolfgang Bernath auch Andreas Butz, zudem durfte ich mich auf Rainer Wachsmann und Bernd Kalinowski freuen. Der Lauf im fernen Bad Driburg war also der Lauf, von dem Wolfgang berichtet hatte. Wunderbar!


Ich fuhr also um 8 Uhr am Morgen des Freitag die 250 Kilometer Richtung Bad Driburg, um rechtzeitig vor Ort zu sein. Schon am Vortag hatte ich die eigentlich schon lange geschlossene Meldeliste mittels eines Telefonats mit Markus Pitz elegant umschifft und so gab es sogar eine Startnummer, die meinen Namen trug.
Als letzter Gemeldeter erhielt ich die Startnummer 23 bei 23 Startern, ein Umstand, der es mir leicht machte, zumindest mein Minimalziel, eine Platzierung niedriger als meine Startnummer zu erreichen, realisierbar erscheinen ließ.

Eine Verkleidung war an diesem Tag und bei diesem Lauf erwünscht, ich hatte aber nur eine edle Weihnachtsmütze zur Hand, die ich also die ganze Zeit trug. Das war nichts gegen das Nonnenkostüm von Bernd Kalinowski oder den Schotten-Outfit von Wolfgang Bernath. Rainer Wachsmann behalf sich mit einem an die Hawaii-Inseln erinnernden Plastik-Blumenkranz, den er sich um den Hals hängte und Andreas Butz machte einen auf „Pippi Langstrumpf“.
Rothaarige Perücke, einen grünen und einen orangenen Kompressionsstrumpf, ein Pippi-Laibchen – eine echte Augenweide! Da Andreas/Pippi sowieso immer sehr schnell unterwegs ist, wird es ihm/ihr leicht gefallen sein, die Damenwertung zu gewinnen.
Eberhard Ostertag trug eine old fashioned Ladies Underwear und eine entsprechende Nachtmütze und Markus war, wie oben schon erwähnt, unser Bäcker.

Bemerkenswert war schon, dass Markus eine recht ansehnliche Truppe von Volunteers zusammen trommeln konnte, die die Zeitnahmen machten, die sich um den Verpflegungspunkt gekümmert haben und die uns alle immer wieder aufs Neue zu motivieren versuchten.
Und das war, zumindest in meinem Fall, ab der Runde 85 auch dringend notwendig.

Ich startete zwei der 105 1/2 Runden recht langsam mit Bernd Kalinowski, um dann etwas zu beschleunigen. Ich wollte mein „langsames Marathontempo“ laufen, so um die 4 Stunden als Zielzeit. Dabei wusste ich, dass ich dieses Tempo nicht durchhalten konnte, aber ich wollte so lange wie möglich versuchen, auf diesem Kurs zu bleiben. Bis km 35 gelang es mir. danach war Beißen und langsamer werden angesagt.
Am Ende waren es 4:10:46 Stunden, immerhin knapp unter der „Sechser-Zeit“. Unter dem Strich OK, finde ich.


105 1/2 Runden auf der Bahn laufen ist ermüdend. Zwar ist die Strecke zweifellos flach, aber das Geläuf liebe ich zumindest nicht. Trotz des kalten, aber sonnigen Wetters war der Spaß am Laufen also recht begrenzt. Als Trailläufer liebe ich es ja, möglichst viele neue Gegenden, viele neue Impressionen zu sehen – einVergnügen, dass uns in Bad Driburg nicht zuteil werden konnte.
Nur die Kirchturmuhr, die Runde für Runde eine andere Uhrzeit zeigte, bewies uns, dass sich doch irgend etwas geändert hatte.

Dennoch war es ein tolles Erlebnis für mich – mein erster Marathon seit eine kleinen Ewigkeit. Dieser Umstand hat mich nervös gemacht wie einen Marathon-Novizen. Wenn es also einen für mich perfekten Wiedereinstieg ins Laufen gegeben hat, dann war es dieser Lauf in Bad Driburg, auch wegen der anderern Läufer, die ich zum Teil schon sehr lange nicht mehr live erlebt habe.

Andreas Butz zuletzt vor einem guten Jahr bei einer Veranstaltung im Phantasialand in Brühl, Rainer Wachsmann beim Treppenmarathon in Radebeul 2010, Bernd Kalinowski beim MIAU im April 2011 und Wolfgang Bernath vor eineinhalb Jahren im schönen Dernau.

Schön war es also auch in Bad Driburg, ncht nur wegen dieses Datums mit den fünf „Elfern“ 11-11-11-11-11…