Mein kleiner privater airanaCnarGsnarT

Vielleicht hatte ich meine Familie nur deshalb davon überzeugt, den diesjährigen Sommerurlaub erstmals auf Gran Canaria zu verbringen, weil ich den TransGranCanaria Ultra noch einmal laufen wollte. OK, dachte ich, Marokko wäre noch eine Alternative gewesen. Ein wenig durch die Sahara laufen, das Atlasgebirge unter meine Fußsohlen bringen – das hätte auch etwas Flair gehabt.

Aber Gran Canaria hatte für alle etwas.

Für meine Gabi, dass sie seit rund 38 Jahren (upps, ist sie denn schon so alt?) nicht mehr dort war und ihre eigene kleine Zeitreise machen konnte. Drei Mal war sie als junges Mädchen auf der Insel gewesen, zwei Mal davon noch mit ihrem leider viel zu früh verstorbenen Vater, einmal nur mit ihrer Mutter und ihrer Tante.
Die drei Hotelnamen von damals waren auch nach den vielen Jahren noch bei ihr präsent – und wir haben tatsächlich jedes dieser Hotels auch wiedergefunden. Manchmal bleibt die Zeit halt einfach stehen. Gabi erinnerte sich an die Büdchen am Strand, an denen ihr Vater am liebsten Langusten gegessen hatte und an viele weitere Kleinigkeiten, die sie für 10 Tage wieder viele Jahre zurück gebeamt haben.

Für unsere großen Kinder, dass dort viel Leben ist. Bergsteigen, Wassersport, Schwimmen, Paintball, Tennis und noch viel mehr ist auf so einer Insel möglich. Bisher hatten wir ja Touristenparadiese immer gemieden, dieses Mal aber wollten wir auch mal dabei sein, vor allem auch deshalb, weil der Urlaub ja auch ganz besonders kurz war. 10 Tage, was ist das schon?

Und für mich bot die Insel eben auch eine kleine Zeitreise, wenn auch nur zurück in die ersten Märztage. Den TransGranCanaria (TGC) noch einmal laufen, was für eine tolle Vorstellung. Während sich manche Anderen stundenlang am Swimmingpool krebsrot rösten lassen und am Abend in der Disco „Ringelpietz mit Anfassen“ spielen, kommt bei mir ein Urlaubsgefühl auf, wenn ich ganz alleine lange laufen darf, am liebsten durch die Nacht – dachte ich zumindest.

Und da passte es gar nicht, dass sich am Tag vor dem Abflug auf die Sonneninsel mein Rückenproblem weiter verschärft hatte! Der lange Lauf geriet in weite Ferne. In der Notfallklinik auf Gran Canaria, in die mich die Schmerzen getrieben hatten, hätte ich nicht gewagt, jemandem zu erzählen, dass ich vor nur viereinhalb Monaten tatsächlich einmal quer über die Insel gelaufen bin. Niemand hätte mir das dort zugetraut, wo schon der Weg vom Wartezimmer in das Sprechzimmer eine Herausforderung war.
Aber dann wurde es von Stunde zu Stunde besser und besser und nach insgesamt fast drei vollkommen lauffreien Wochen lief ich irgendwann das erste Mal wieder – fünf Kilometer über die Dünen von Maspalomas nach Playa des Inglés, immerhin. Mein kleiner privater TransGranCanaria Lauf rückte wieder näher, das Urlaubsende allerdings auch.
Die einzelnen Familieninteressen waren dann nicht anders zu koordinieren, als dass ich die Strecke anders herum laufen sollte, also von Las Palmas über den Pico  de las Nieves und über Maspalomas nach Playa des Inglés. Aber ich hatte keine Ahnung, wie ich mich während des Laufs versorgen sollte, vor allem die Flüssigkeitsaufnahme war ein Problem. Und ich hatte weniger Zeit als im März, weil wir für den Abend einen Tisch im schönsten Hotel von Maspalomas gebucht hatten, um den Urlaub standesgemäß ausklingen zu lassen.

Ich entschied mich also, mir auch die Möglichkeit einzuräumen, ein wenig abzukürzen. Hauptsache rauf auf den Berg und dann irgendwo wieder runter an die Küste, dachte ich. Und ich legte meinen Start auf 19 Uhr am Abend, sodass ich noch etwas Zeit im Hellen hatte und doch im Wesentlichen durch die Nacht laufen konnte, so wie ich es liebe.

Jeder, den Du fragst, sagt Dir, dassder TGC ein toller Lauf ist, nur die letzten 21 Kilometer sind doof. Ich aber dachte, dass diese Kilometerchen, zu Beginn und im Hellen gelaufen, vielleicht doch nicht so schlimm sind. Aber das war ein fataler Irrtum.
Ich freute mich zwar manchmal, dass die Strecke am Anfang näher an der Küste verlief als ich mir das in der Nacht gewahr wurde, aber die Gegend hinter Las Palmas blieb öde, die Ausblicke auf Autoschrottplätze unromantisch und die Strecke war auch im Hellen besehen schlecht. Lockere Steine lockern Deinen Willen, der Gestank in dem ausgetrockneten Flussbett war auch nicht in die Ferien gefahren, Du verläufst Dich ein Dutzend Mal, trotz des auf dem Garmin gespeicherten Tracks, und eines hatte ich nach dem Lauf total vergessen oder verdrängt. Aber das war auch noch da. Und das war sogar noch schlimmer und lauter als beim eigentlichen Event.
Während ich das schreibe, höre ich es auch noch, das Jaulen und das Bellen unzähliger Hunde, vor allem auf jenen letzten, für mich ersten 21 Kilometern. Mitten in der Nacht sind die Hunde wohl nicht so wach, am frühen Abend aber wirst Du verbellt, bis Dir die Ohren klingeln. Und nicht nur das.
Die Hunde zu hören ist nämlich das Eine, sie zu sehen ist das Andere. Und von diesen Anblicken hatte uns die laue Nacht im März verschont.

Das schöne Städtchen Teror auf 600 Metern über N.N., etwa auf dem halben Weg zwischen Las Palmas und dem Pico de las Nieves, auch der Platz eines Versorgungspunktes beim TGC.

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Die alte demokratische Forderung: „One House – one dog!“ gilt nicht in Spanien. Wie es bei uns hierzulande vielleicht starken Ohrkneiferbefall im Badezimmer gibt, sind dort die großen und kleinen Häuser von Hundemeuten regelrecht befallen. Und alle, alle bellen Dich aus, rennen an den Zaun, wedeln mit dem Schwanz oder fletschen die Zähne und bellen! Manche sind aber auch im Zwinger, andere stehen hoch über Dir auf Mauern und verbellen Dich von dort aus.
Und zwei Hunde, die ganz besonders wild und gefährlich aussahen, standen vielleicht 10 Meter neben mir. Und das Tor zum Hof war weit offen. Und mein Herz in der Hose.
Die beiden Hunde sahen mich, kläfften, bleckten die Zähne und rannten auf mich zu. Ich bekam richtige Angst, ein Umstand, der bei mir aber sehr leicht geht, weil ich Hunden nun wirklich nicht vertrauen kann und ich überlegte mir, wie ich meine Stöcke zur Selbstverteidigung einsetzen könnte.
Nach vielleicht drei, vier Metern wurden die Hunde dann jäh zurück gerissen. Es tat sogar mir körperlich weh, das anzusehen. Die Hunde waren angeleint, zum Glück, und das Ende der Kette war erreicht, meine Stöcke mussten keinen Nahkampf bestehen und ich schaute, nun ein wenig schneller von diesem Ort weg zu kommen.
Insgesamt müssen es wohl Hundert Hunde oder mehr gewesen sein, die sich gedacht haben, dass ich ein gutes Ziel und meine Angst ein netter Abendzeitvertreib wäre.

Ein einziges Mal konnte ich meinen Flüssigkeitsvorrat wieder auffüllen. Das war eben nach jenen 21 Kilometern, wo ich neben Wasser zum Auffüllen auch noch zwei Dosen eines EnergyDrinks kaufen konnte und wo beim TGC der Halbmarathon beginnt. Ich füllte meinen neuen Salomon S-Lab Rucksack wieder auf, das Teil, das ich eigentlich gar nicht mehr bekommen sollte, weil es ja bis Ende August ausverkauft ist. Aber nicht bei Rolli und seinem Laden „Wat läuft“, das jedes Läuferherz höher schlagen lässt. Er schickte mir sofort noch diesen 12 Liter Rucksack, der sich wirklich wie eine zweite Haut anschmiegt, ganz so, wie es die Werbung dafür versprochen hat. Was ich mir speziell für den SwissIronTrail gegönnt hatte, durfte jetzt also auf Gran Canaria eingeschwitzt werden.
Ein Mal ist aber nicht allzu viel, wenn auch die Nachttemperaturen noch sehr hoch sind und so begann ich gegen Mitternacht, meine Flüssigkeitsaufnahme zu reduzieren, damit ich in jedem Fall noch so viel Reserve gehabt hätte, um ein richtiges korperliches Problem zu lösen. Optimal aber ist das nicht.

Gelaufen bin ich mit nagelneuen und daher gut gedämpften Asics Gel Kayano, in der schicksten Farbe, die es so gibt: in strahlendem schwarz. Ganz neu ist dabei auch nicht optimal, aber die gute Dämpfung eines brandneuen Schuhs, sagte ich mir, kann nicht schlecht für meinen Rücken sein. Auch diese Schuhe hatte ich mir eigentlich für die Schweiz gekauft.

Außer den Hunden gibt es auf dieser kleinen Kanareninsel auch andere Tiere. Irgendwann mitten in der Nacht, ich war kurz unterhalb des Gipfels des Pico  de las Nieves, klingelte in der dunklen Nacht ein helles Glöckchen. Ich drehte mich um und schaute in vielleicht drei Dutzend leuchtende Augen, vermutlich von Schafen, die viel mehr Angst vor mir hatten wie ich vor den Hunden Stunden zuvor. Sie stoben auseinander und drei Dutzend Glöckchen spielten ein spontanes Nachtliedchen. Und ein Hund bellte aus der Ferne dazu, natürlich.
Irgendwo flog dann ein wahrscheinlich größerer Vogel im Dunklen auf und ich erschreckte mich. Immer wieder hörte ich Geräusche, die ich nicht zuordnen konnte und fragte mich, ob es auf Gran Canaria wilde Tiere gibt. Und neben allen Sorgen vor den wilden Tieren musst Du Dich auch noch um den Weg sorgen. Im Kegel Deines Kopflichts findest Du den Weg oft nicht, weil dort irgendwie alles so aussah, als wäre es der Weg. Und ich verlief mich – wieder und wieder.
Es begann, hell zu werden, als ich endlich ganz oben auf dem Dach der Insel war. Ich hatte mir Blasen gelaufen, war dehydriert, müde und demotiviert und so beschloss ich, wirklich „nur“ noch nach Ingenio abzusteigen, einem Örtchen kurz vor dem Flughafen, um mich dann dort abholen zu lassen. Da ich dann aber meiner Familie nicht erreichen konnte, ging ich weiter bis zu Flughafen, um dort einen Bus zum Faro von Maspalomas, zu dem Leuchtturm, zu besteigen. Es war dann für mich auch wirklich genug gewesen. Ich konnte dann noch schön schlafen, hatte noch etwas vom letzten Urlaubstag und das Abendessen war dann auch noch ein echter kleiner Traum.

Vielleicht waren meine ursprünglichen Ziele etwas hoch gesteckt, weil eine Strecke bei einem Event immer leichter und kürzer ist als sonst, weil Du versorgt wirst, motiviert wirst, mit Menschen quasseln kannst und auch, weil Dich der Läufer vor Dir immer ein wenig mitzieht.
Und vor dem Hundegebell hast Du auch weniger Angst, wenn Du nicht alleine bist.

Schön war mein kleiner privater airanaCnarGsnarT aber trotzdem.

I’m Your Anti Hero

Pfingstsamstag, abends gegen 19 Uhr. 100 Kilometer sind gelaufen oder gegangen und seit einigen Stunden habe ich einen Druck auf den Ohren, als wäre ich schnell von einem Berg ins Tal gefahren. Ich halte mir öfters die Nase zu und versuche, auszuatmen, damit die Ohren wieder frei werden, aber es hilft nur Sekunden lang. Der Hypochonder in mir macht sich Sorgen. Der Hypochonder in mir macht sich immer Sorgen. Soll es, kann es so noch über 24 Stunden weiter gehen? Die TorTOUR de Ruhr war eine Tortour für mich an diesem Tag, mutmaßlich wie für viele.
Es war extrem heiß an diesem Pfingstwochenende, aber das war es 2010 auch gewesen. Und doch war vieles anders als zwei Jahre zuvor.

Mein Trainingszustand ist zurzeit nicht so wie 2009 und 2010, aber Läufe wie die TTdR werden definitiv nicht mit den Beinen entschieden. Ob Du finished oder nicht entscheidest Du im Kopf, bewusst oder unbewusst. Und ich wollte nicht wirklich finishen. Sämtliche Ausreden hatte ich mir schon vor dem Start zurecht gelegt gehabt.
„Die TTdR 2012 wird schwerer für mich als die TTdR 2010,“ sagte ich mir immer. 2010 ging es darum, ob ich es schaffen kann. 2012 ging es darum, ob ich es wirklich schaffen will.
Motiviert bis in die Haarspitzen startete ich 2010, 2012 startete ich mit dem guten Gefühl, Teil zu sein einer großen und lieben Lauftruppe, Teil eines fantastischen Events und Teil eines großen gemeinsamen Ziels.

Aber das reicht nicht, kann nicht reichen. Nicht für solche extremen Läufe wie die TTdR. Du musst leiden wollen, Du musst bereit sein, an nichts anderes zu denken wie daran, irgendwann am nächsten Tag diese verdammte orangene Stele zu küssen. Schmerzen müssen sein und Du musst sie aushalten wollen. Am besten ist es, sich einen externen Grund zu suchen, warum Du unbedingt finishen musst. Der Runningfreak Steffen Kohler hat es da richtig gemacht. Seine Spendenaktion, seine öffentlichen Auftritte im Fernsehen und im Radio, der ganze Hype um die gute Tat zu Gunsten der Ingelheimer Platte, all das lässt Dich Schmerzen leichter ertragen und jeden Gedanken an das Aussteigen sofort verfliegen.

Ich hatte diese externen Motivatoren nicht und war allein gelassen mit meinen Gedanken. Und ich bin nun mal kein Held. Ich dusche warm und schätze das Treffen von Lauffreunden und das Kennenlernen von Menschen höher als das Finish an sich.

Der Sänger Marlon Rudette singt das so schön: „I’m your Anti Hero.“ Und genau so fühle ich mich. Ich wäre gerne anders, stärker und schneller. Härter zu mir selbst und besser zu den Menschen um mich herum. Dieses Anti Hero sein habe ich jetzt ein paar Mal geübt. Meist war es eine echte Tragödie.

Und Marlon Rudette stellt in diesem Lied diese Frage: „Kannst Du Deine Rolle spielen in dieser Tragödie?“
(Klicken zum Vergrößern)Nein, denke ich da, diese Rolle kann ich nicht gut spielen.

Zwar gibt es tatsächlich einen kurzen Moment der Befriedigung, eine Entscheidung treffen zu können, die viele nicht treffen wollen. „Death before DNF“ ist mehr als nur eine Lebenseinstellung. Aber nach diesem kurzen Gefühl der Zufriedenheit folgt bei mir das tiefe und lange Tal der Tränen, der wochenlange Frust und die andauernde Angst vor dem nicht mehr geliebt werden.
Und es folgt das Abtauchen, das Verstecken. Darin bin ich wirklich gut, leider.

Manche von Euch haben in den letzten drei Wochen nachgefragt, haben bemerkt, dass nach der TTdR manches anders war für mich wie davor. Dafür bin ich dankbar. Es hat mir Kraft und Mut gegeben und auch Ansporn, aus meinem Käfig heraus zu kommen.

Und jetzt ist es genau so, wie Westernhagen gesungen hat:

Ich bin wieder hier, in meinem Revier,
war nie wirklich weg, hab mich nur versteckt.
Ich rieche den Dreck, ich atme tief ein
und dann bin ich mir sicher, wieder zu Hause zu sein.

Gestern lief ich spontan bei Ulla und Rolf den Biggesee-Marathon. Es war eine richtig nette Familienveranstaltung. Julia Vieler war da und eine ganze Truppe von TorTOURisten, viele, die es wurden, manche, die es gerne geworden wären. Es war ein großes „Hallo“ an der Startline im Attendorner Dauerregen. Und es war auch richtig schön, wann man sich auf der Laufstrecke gesehen hat.
Und keiner zeigte mit Fingern auf mich, kein TorTOURist und keiner der anderen Lauffreunde, niemand erweckte den Eindruck, dass mein Ausscheiden bei der TTdR ein Problem für ihn war. Ich bin immer noch ein Teil der großen Familie der Ultraläufer.

Auch deshalb bin ich jetzt wieder hier, ich verstecke mich nicht mehr und finde mich wieder zufrieden in meinem Revier, in unserem Revier, dem kleinen und feinen Laufkosmos.

Ich schmeckte den vielen Regen, der während des Laufs auf uns herniederprasselte und genoß den Dreck der vom Regen aufgeweichten Singletrails. Und ich bin froh, wieder zu Hause zu sein.

Schon letzte Woche habe ich in Amstelveen bei Amsterdam einen 50K Lauf absolviert, ganz still und heimlich, nachdem ich seit der TTdR mit dem Laufen ausgesetzt hatte. Und dann habe ich eine Woche lang wieder vernünftig trainiert, fast so wie früher. Und beides hat mir am Biggesee geholfen.
Nachdem ich ja lange kaum mehr innerhalb einer Woche trainiert habe, habe ich gestern gesehen, dass ein strukturiertes Training durchaus helfen kann. Und so habe ich eine Entscheidung getroffen. Ich werde nun eine Woche lang vernünftig trainieren, am kommenden Wochenende lange laufen gehen, vielleicht in Brühl, vielleicht woanders.

Und dann geht es anschließend in die Alpen. Eine Woche Berge und Täler genießen, einfach einen Track von GPSies laden und die Strecke ablaufen. Um Höhenmeter zu sammeln. Um die Oberschenkel auf 200 Höhenmeter rauf und runter pro Stunde vorzubereiten. Und auch, um wieder Selbstvertrauen zu tanken. Für die Herausforderungen, die dieses Jahr noch anstehen.

Aber weil ich eben ein Anti Hero bin, werde ich mich bis Ende August vor allem mit einer Sache beschäftigen. Ich werde mich damit beschäftigen, zuzusehen und zu kommentieren, wie Andere trainieren, wie Andere laufen gehen. Ich werde mich damit beschäftigen, jemanden zu portraitieren, der das genaue Gegenteil eines Anti Heros ist, einem Menschen, der klare Ziele hat und bereit ist, dafür Einschränkungen zu akzeptieren. Einem Menschen, den ich menschlich wie läuferisch bewudere, der für mich ein echtes Vorbild ist.

Darauf freue ich mich sehr. Aber davon erzähle ich in den nächsten Tagen …

55 Namen – ein Ziel

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55 Namen …

(Markus Flick, Rainer König, Bernd Rohrmann, Susanne Alexi, Gunter Rothe, Hajo Palm, Hauke König, Oliver Arndt, Alissa Draper, Steffen Kohler, Tom Kuschel, Torsten Riemer, Günther Bergs, Peter Kaminsky, Dirk Vinzelberg, Helmut Hanner, Achim Knacksterdt, Oliver Schoiber, Thomas Eller, Eckhard Rump, Michael Hechler, Günther Bruhn, Frank Schacht, Ulrich Meininger, Roland Riedel, Andre Lange, Herbert Weingärtner, Jens Hilpert, Hans-Christoph Weiß, Jörg Kupfer, Michael Geske, Rolf Kaufmann, Lutz Schweizer, Bettina Mecking, Werner Hölscher, Stefan Beckmann, Mark Becker, Martin Ottersbach, Norbert Fasel, Michael Frenz, Peter Ludden, Jörg Eberling, Chris Wolfe, Ricarda Bethke, Jürgen Baumann, Raimund Slabon, Thomas Strohmeyer, Peter Neumann, Alois Wimmer, Christian Pflügler, Dietmar Rosenau, Harald Retzlaff, Said Kahla, Marco Cych, Tanja Höschele)

… dazu 13 weitere Namen über die 100 Meilen (161 Kilometer) und 5 weitere Namen über diese Distanz in einer Sonderwertung und auch noch 20 weitere Namen über die „Bambinidistanz“ von 100 Kilometern …

… alle hin zu einem Ziel: der Steele Rheinorange in Duisburg, dort, wo die Ruhr in den Rhein fließt, die „orangene Steele der Begierde“.

Selten war ich vor einem Lauf so aufgeregt, selten habe ich die Läufer-Kollegen so aufgeregt erlebt. Jeder kruschtelt, kramt und packt. Jeder postet, schreibt und kommentiert. Jeder zweifelt an, hadert mit und jammert über sich.

Und am Ende, ganz am Ende, wenn die Füße wund sind, der Wille gebrochen ist und ein dümmlich vergeistigtes, seliges Lächeln auf jedem Gesicht liegt, wenn die „orangene Steele der Begierde“ in Duisburg geküsst ist, wenn das erste kalte Belohnungsbierchen getrunken wurde, alkoholfrei, natürlich, und wenn jeder Umstehende im Ziel, bekannt oder unbekannt, Läufer, Organisator oder Zuschauer, Mann, Frau, Kind, Hund oder Kaninchen gedrückt und geherzt ist, dann ist die TorTOUR vorbei.

Oh Schicksal, lass mich einer derjenigen sein, der dieses dümmliche Lächeln haben wird, lass mich küssen, drücken und herzen. Lass mich gesund und einigermaßen gut gelaunt in Duisburg einlaufen. Dieses Finish wird mir dann mehr bedeuten als das vor zwei Jahren.
Damals war ich motiviert bis in die Haarspitzen, ein Scheitern war keine Option, ich war fit und voller Euphorie und nicht so zweifelnd wie im Moment.
Aber ich weiß mich mit meinen Zweifeln nicht alleine und so werde ich auch nicht der Einzige sein, der den letzten Willen aufbringen muss, um dieses Ziel, diese „orangene Steele der Begierde“ zu erreichen.

Auf, Mädels und Jungs, wir packen das! Jeder für sich und alle für Jens Vieler!
Danke Jens, für diesen Lauf!

32 x SM

 … oder warum ich so gerne nach Schmiedefeld laufe

„32x SM“ stand auf einem Schild, das sich ein älterer Läufer vor mir auf den Rücken geheftet hat. 32x SM? Was macht denn der Herr an einsamen Samstagabenden denn so?

Dieses SM aber steht nicht, wir Läufer wissen das alle, für ungewöhnliche Partnerspiele, die in Leder und Nieten gepackt, oft gespielt werden, sondern es steht für einen ausgeprägten Hang zu Unkonventionellem, für einen oft schmerzhaften Hang zum Ultralaufen, für den „Supermarathon“ auf dem Rennsteig von Eisenach nach Schmiedefeld.
Und wo kann man das seit nunmehr 40 Jahren lustvoller tun als auf der ultimativen Kultveranstaltung in Thüringen, dem Rennsteiglauf?

Bevor ich aber vom Rennsteiglauf erzähle, muss ich erst eine Geschichte erzählen, die etwas älter ist:
Verena G. ist die Sandkastenfreundin meiner Gabi. Sie hat auch zwei mittlerweile fast erwachsene Kinder, wohnt noch immer am Niederrhein und ist seit vielen Jahren mit ihrem Rainer verheiratet.
Und mit Rainer verbinden mich zwei Dinge.

Zum Ersten ist da die gemeinsame, leidenschaftliche Ablehnung des Fußballtrainers Dietmar Schacht. Für mich war Schacht der Grund, meine Arbeit als Vereinsvorstand beim bundesligaerfahrenen Frauenfußballvereins SC07 Bad Neuenahr aufzugeben. Im offenen Kampf „Mann gegen Mann“ habe ich mir so viele Stichverletzungen eingefangen, bis der Verein sich zwischen den Rivalen entscheiden musste. Ich wagte damals den Machtkampf und verlor. Haushoch.
Aber das gab mir dafür viel mehr Zeit zum Laufen.

Für Rainer war Schacht der Grund, mit den aktiven Fußball aufzuhören. Schachts bewundernswert unnachahmliche Art, Zwietracht zu säen führte innerhalb nur eines Jahres als Trainer in Moers zur Selbstauflösung von Rainer’s damaligem Fußballverein.
Andererseits, wenn ich es recht bedenke, dann könnte „Didi“ Schacht in Tullius Destructivus aus dem Asterix-Heft „Streit um Asterix“ seinen Meister finden. Er schafft es sogar noch besser, Menschen gegeneinander aufzubringen, aber im Gegensatz zu Schacht ist Destructivus Fiktion. Rainer und ich jedenfalls waren viel zu harmoniebedürftig, um gegen solche Menschen bestehen zu können.
Schade ist nur, dass Rainer und ich erst über das gemeinsame Erleben redeten, als die entsprechende Lebensphase für beide schon vorbei war.

Zum Anderen verbindet uns das Laufen. Aber auch darüber haben wir bei den seltenen Grillabenden in Moers leider nicht geredet. Ich für meinen Teil war ja damals auch noch ein Laufanfänger, Rainer aber war schon damals Laufleiter bei der sympathischen Laufgruppe „Die Stolperer“ aus Moers.

Beide Verbindungen zueinander kamen dann 2007 zusammen, als ich nach 8:31:30 Stunden meinen ersten Rennsteiglauf beendet hatte und im Ziel überraschend Rainer und seine Verena traf.
Ohne die beiden hätten meine Gabi und ich vielleicht nie erfahren, dass es im Ziel von Schmiedefeld jährlich eine kultige Party gibt, bei der schnell auf den Bänken getanzt wird. Wir mussten damals also unsere Planung ändern und seither freuen wir uns alljährlich erneut auf den Rennsteig und auf die Party im Zelt. Mehr noch als für mich gilt das für Gabi.
Suche mal auf YouTube nach „Party“ und „Schmiedefeld“ und Du weißt, was ich meine.

Dass diese Veranstaltung traditionell mit dem „Rennsteiglied“ beginnt, ist klar. Spätestens aber wenn die Band am Abend mit ihrem Programm anfängt, stehen die Zeltgäste auf den Tischen, es wird geschunkelt, getanzt und mitgesungen. Oft wird aber auch nur noch mitgelallt.
Viele der Zeltgäste sind keine Läufer. Begleiter eben oder Thüringer, die die Gunst der Stunde nutzen, an einem der für Schmiedefeld herausragenden Tag das eigene Jammertal zu verlassen und so richtig abzufeiern.
„Wie weit bist Du denn gerannt?“ lallte mich ein enorm angetrunkener junger Mann gegen 23 Uhr von der Seite an, um anschließend seine Bewunderung ob der kaum menschenmöglich erscheinenden 72,7K in mehreren Schlucken Bier zu ertränken.

Saufen, rauchen und feiern sind aber nicht die Dinge, die ich am Rennsteiglauf liebe. Es ist eher die Versorgung und da vor allem der legendäre Haferschleim, natürlich – oder mit Heidelbeer-Geschmack. Andere bekommen glasige Auge beim Gedanken an die Ebertswiese, ziemlich exakt in der Mitte der Gesamtstrecke gelegen, weil die Thüringer Bratwürste dort ein echtes Alleinstellungsmerkmal darstellen.
Wenn dort gegrillte oder gebratene vegetarische Tofu-Würstchen angeboten würden, dann würde ich mich da wohl auch anstellen.

Der Rennsteig ist für mich aber auch der fantastische Blick schon nach wenigen Kilometern auf die über Eisenach thronende Wartburg, der stramme Anstieg auf den Inselsberg und unzählige großartige Aussichten über die Täler und Städte Thüringens.

Das allerwichtigste aber sind die vielen anderen Läufer. Du kommst vor dem Start kaum aus dem Hände schütteln und dem Freunde begrüßen heraus. Allein der vielfach definierte Treffpunkt „kurz vor 6 Uhr am Brunnen“ sorgt dafür, dass Du keine Chance hast, um den Brunnen herum zu gehen, um all die vielen Gesichter zu scannen, so voll ist es da.
Meistens warte ich dann mit Rolf Mahlburg’sLaufend helfen“ Truppe auf den Startschuss, auch dieses Jahr. Also triffst Du viele von denen, die Du auch „kurz vor 6 Uhr am Brunnen“ zu treffen gehofft hast, dann noch auf der Laufstrecke. Das klappt recht gut, weil ich meist weit hinten und stets verhalten in die Läufe starte.
Dieses Jahr waren das beispielsweise Karin Walder aus der schönen Schweiz, Steffen Kohler, dersich spontan entschlossen hat, Didi Beiderbeck zu führen, nachdem Didis Guide nicht beim Start erschienen ist, Günter Bruhn, Gerhard Börner, Thorsten Stelter und dem Suhler Mirco Leffler, mit dem ich ganz am Ende ein paar Kilometerchen gelaufen bin.

Gestartet aber bin ich mit Michi Raab von X-BIONIC, auch aus der schönen Schweiz und seinem Münchner Sandkastenfreund, dem Sport-Allrounder Bernhard Seidl. Ein Golf Handicap von 8 in seiner besten Zeit spricht da Bände.
Michi hatte sein X-BIONIC Shirt und Hose in weiß gewählt, ich war wie fast immer in dezentem Schwarz gekleidet. War es nicht Henry Ford, der sagte: „Egal welche Farbe – Hauptsache schwarz“?
Bis zur Hälfte konnte und wollte ich mit Michi und Bernhard mithalten. Danach ließ ich mich etwas zurück fallen, um am Ende knapp 9 Minuten nach Michi zu finishen. Die beiden schafften also das Finish unter 8 Stunden, ich brauchte 7 1/2 Minuten länger. Aber eine Zeit von 7 Stunden und 67 Minuten ist auch nicht so schlecht, für mich immerhin mein bisher zweitbestes Ergebnis.

Im Ziel erwartete mich wie fast jedes Mal meine Gabi. Sie ist mal wieder den Halbmarathon gelaufen, hatte schon geduscht und ihr zauberhaftes Lächeln aufgesetzt. Und ich traf auch Verena’s Rainer dort. Er ist allerdings dieses Jahr den normalen Marathon gelaufen. Die Sonne schien warm vom Himmel, alle bekamen eine Medaille umgehängt, alle waren glücklich, alles passte also für die Party im Zelt von Schmiedefeld am Abend.

Und so wird es auch 2012 auf YouTube wieder Filmchen zu sehen geben. Ich werde mal danach suchen und „Party“, „Schmiedefeld“ und „2012“ eingeben …
Und 2013 geschieht das alles dann zum 41. Mal und zum 6. Mal für mich …

Als Mainzelmännchen unterwegs …

Auf manche Marathonundlänger bereitet man sich lange vor, teilweise sogar sehr lange.
So steht meine Teilnahme an der TorTOUR de Ruhr (TTdR) schon seit Anfang 2011 fest, mehr als ein Jahr vor dem eigentlichen Event.
Aber manchmal geht es auch sehr schnell. Ohne große Vorbereitung, ohne großes Recherchieren, ohne große Vorfreude auf das, was da kommen wird. Und bei diesen Läufen finde ich dann besonders spannend, eben nichts über die Strecke zu wissen und über die Teilnehmer, die dort wohl laufen werden.

So eine Überraschungstüte war der Mainz Marathon am vergangenen Sonntag. An den Startplatz gekommen bin ich erst eine Woche zuvor, als Jan Mihrmeister, auch ein Bewohner des wunderbaren Facebook-Landes, dort gepostet hat, dass er seinen Startplatz vergeben will. In einem Punkt erfüllte ich seine Vorgabe nicht, aber sonst offensichlich schon. Und da hat es mich schon gefreut, dass Jan geschrieben hat, dass er so den Startplatz in guten Händen weiß. Oder in guten Füßen?
Vom Mainz Marathon habe ich schon oft und viel gehört. Es war nicht immer das Beste, zugegeben. Aber es war auch viel Gutes dabei.
Beim Projekt „Von Null auf 42“ vor einigen Jahren, damals, 2004, in dem Jahr, in dem ich auch das Laufen begonnen und meinen ersten Marathon hinter mich gebracht habe, bei dem Projekt des SWR, an dem auch ein Moderator von SWR3 teilgenommen hat (Michael Reufsteck), war der Mainz Marathon eine Etappe auf dem Weg zum angestrebten NewYork Marathon. Die etwas kräftig gebaute Läuferin in der Truppe, Anna Pal-Singh aus Hamburg, die damals immerhin 90 Kilogramm auf die Waage gebracht hatte und die zum Abschluss mit ihrem indischen Ehemann Hand in Hand nach rund 7 Stunden den NewYork Marathon finishen konnte, erlitt in der Hitze von Mainz nach dem Finish des Halbmarathons einen Kreislaufkollaps.

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Später scheiterte dann ein Versuch von mir, beim Mainz Marathon zu starten, schlichtweg daran, dass der Lauf mal wieder sehr schnell ausgebucht war. Das ist er eigentlich immer und das wiederum ist ein Zeichen dafür, dass es nicht so schlecht sein kann im Land der Mainzelmännchen.
Mein RBW-Mitorganisator Achim Knacksterdt wiederum erzählte mir mal, dass Mainz gut beraten wäre, statt des Marathons nur den Halbmarathon anzubieten, weil die zweite Laufrunde, die übrigens nicht exakt wie die erste Runde ist, nur sehr wenig genutzt wird. Fast ausnahmslos meldet man sich in Mainz zum Halbmarathon an, nicht zum Marathon. Und so erlebt man ungerne, dass Stände schon abgebaut werden, während Du noch in der zweiten Runde bist.
Dass die Zielverpflegung fast nur noch aus Bier bestand, zwar alkoholfrei, aber dennoch flüssig, das durfte ich live in Mainz erleben. In dieser Situation kam ich mir vor, als wäre ich derjenige, der, vom Besenwagen getrieben, als Letzter über die Ziellinie getrabt sei. Aber ganz ehrlich, ein oder zwei Läufer müssen doch noch hinter mir gewesen sein …

Mit so einer Startkarte auf falschem Namen ist das so eine Sache. Die Frist für die Ummeldung im Internet war schon längst abgelaufen, so blieb nur die Ummeldung am Samstag vor dem Lauf in Mainz in der Rheingold-Halle. Und dies musste noch vor 18 Uhr geschehen. Nun hatte ich um 14 Uhr noch ein Medenspiel meines Tennisvereins und da ist es so, dass Du auf hoher See und auf Außenplätzen beim Tennis einfach in Gottes Hand bist. Regenpausen können alles immens verschieben, so war mir das Risiko zu groß, nicht rechtzeitig vor dem Schluss der Anmeldung in Mainz sein zu können. Also entschied ich, zuerst am Morgen des Samstags nach Mainz zu fahren, die Ummeldung vorzunehmen, danach nach Rübenach, einem Stadtteil von Koblenz, zu fahren, dort Tennis zu spielen und danach der Einladung der Runningfreaks Melanie und Steffen Kohler Folge zu leisten, den Abend und die Nacht bei den beiden im schönen Ingelheim zu verbringen. Birger Jüchter und Raimund Slabon waren auch für den Abend angesagt, es versprach also, ein interessanter Läuferabend zu werden.

Wenn Du aber so etwas planst und postest, dann hast Du Dich schon verrechnet. Mit Steffen ist so etwas nicht zu machen. „Ökologischer Blödsinn“ und „Zeitverschwendung“ nannte er meine Überlegungen und er schlug vor, dass ich das Anmeldeschreiben einscannen sollte, eine Vollmacht dazu schreiben sollte und dann ging beides per Mail nach Ingelheim. Melanie und Steffen übernahmen dann die Anmeldung für mich. Was für eine tolle Lösung, ich hätte mich nie getraut, danach zu fragen!
Aber so sind sie halt, die Runningfreaks. Immer in Gedanken, wie sie Dir helfen können. Einfach gute Menschen. Gut, wie auch Steffens aktuelles Projekt, seine 230 Kilometer der TTdR zu Gunsten der Ingelheimer Platte in Kilometerhäppchen zu verkaufen.
Laufe und tue Gutes. Körperlich und psychisch für Dich und finanziell für Andere, die es nötig haben.
Danke Melanie, danke Steffen, das ist alles vorbildlich!

Es war ein wunderbarer Abend bei den Ingelheimern, auch wenn Birger und Raimund erst sehr spät dazu kamen. Wir genossen kannenweise Tee, aßen hervorragend, wobei es wie immer bei den Kohlers von Steffen gekocht wurde. Und wir redeten viel. Über die Ernährung und über das, was im Leben wichtig ist. Und dieses Wichtige entdeckten wir immer deutlicher in uns selbst und nicht mehr im alten Traum der Menschheit von Luxus, teuren Autos und Stehrümchen, dem Traum, der so viele Jahre meine Ersatzmotivation war. Das Buch, das ich als nächstes lesen werde, ist dabei auch ein Tipp von Steffen, aber dazu irgendwann einmal hier an dieser Stelle …

Der Mainz Marathon an sich war eigentlich ganz nett. Der Wettergott hat es richtig gut mit uns gemeint. Der Regen, den ich für den ganzen Lauf befürchtet hatte, endete fast direkt mit dem Startschuss und ganz am Ende kam sogar noch die Sonne heraus. Es war ideal kühl, nicht kalt, wirklich ein Wetter, das für das Laufen wie geschaffen war.
Ich lief die ersten Kilometer mit Melanie, Birger und mit Steffen. Wir begannen verhalten, aber das war auch der Enge auf der Laufstrecke geschuldet. Trotzdem liefen wir eine schlechte 6er Zeit, die sich dann in eine gute 6er Zeit gesteigert hatte.
Eigentlich waren Birger und ich vollkommen unmotiviert und nur in Trainingslaune, aber während so eines Laufs ändert sich dann doch manches. Birger vergass seine Rippenprellung und wir beide vergaßen unsere Zielzeitvorstellung von „um die 4:30 Stunden“. Irgendwann fielen die Runningfreaks etwas zurück, aber nur sehr wenig. Und ich bekam ein schlechtes Gewissen, weil ich ja seit Mitte 2005 keinen City-Marathon mehr über vier Stunden abgeschlossen hatte. Sollte das nun in Mainz anders sein?
Aber ich hatte ja Ausreden genug. Ich lief ja nicht für mich, sondern in Begleitung. Und dann kannst Du schon manches auf diesen Umstand schieben.

Als Birger und ich die Halbmarathon-Zwischenzeit aber mit 2:00:30 Stunden erreichten – und das mit so einem langsamen Start, so lässig und locker – da klickte es bei mir im Oberstübchen und ich wusste, dass ich diesen Lauf nicht über vier Stunden absolvieren wollte. Und so schaffte ich es wahrscheinlich zum allerersten Mal, in der zweiten Hälfte schneller zu sein wie in der ersten. Aber am Ende musste ich dann doch ein wenig beißen. Birger ließ mich dann alleine laufen, allerdings ohne mehr als eine Minute auf mich zu verlieren. Und ich endete ganz kontrolliert deutlich unter der 4 Stunden – Marke. Alles war gut.

Da ich aber nach dem Marathon noch ein Tennis-Doppel in meiner Grafschafter Heimat zu bestreiten hatte, blieb keine Zeit zum Warten, keine Zeit zum Feiern. Es ging gleich zum Auto und sofort nach Hause. Beim Tennis angekommen konnte ich mich gerade noch umziehen, zum Duschen blieb keine Zeit mehr, es ging direkt auf den Platz. Die Einzel waren gerade alle durch, ich kam perfekt zum Start der Doppel. Dass ich mein Doppel mit einem meiner beiden Lieblingspartner nach einer 1:6 Klatsche im ersten Satz dann doch noch mit 6:2 im zweiten Satz und mit 10:7 im darauf folgenden Champions-Tiebreak gewinnen konnte, rundete den Tag positiv ab.

Nur mit einem bin ich ein wenig unzufrieden. Ich vergaß, in das Ingelheimer Gästebuch zu schreiben.
Und das will ich nun auf diesem Weg nachholen:

Liebe Melanie, lieber Steffen,

Wärme durchströmt Euer schönes Haus. Aber es ist nicht nur die Wärme der Heizung und der Sonnenstrahlen, die durch die Fenster scheinen, es ist auch die Wärme Eurer Herzen. Es ist für jeden Gast so angenehm, bei Euch zu sein, so angenehm, diese Wärme zu spüren. Und zu wissen, dass es diesen warmen Herd guter Gedanken in dieser Welt gibt. Danke, dass Ihr Euch so sehr um mich gekümmert habt. Danke, dass ich bei Euch sein durfte.