100 x 397 = ?? – noch ist eine Rechnung offen …

Es ist Sonntag, früher Morgen, kurz vor 6 Uhr: 60 Runden habe ich in den vergangenen 14 Stunden gedreht und meine Rundenzeiten haben das erste Mal die 15-Minuten-Marke überschritten.

Was ich weiß ist, dass ich keine Lust mehr habe, was ich nicht weiß ist, dass ich auch während eines Rennens regenerieren kann. Dass ich keine Lust mehr habe, liegt daran, dass ich mir ausgerechnet habe, mit der letzten Rundenzeit die geforderten 100 Runden bis zum Nachmittag nicht schaffen zu können, aber dennoch ist es doof, aufzuhören.

Am liebsten würde ich sofort nach Hause fahren, aber Gabi, meine allerliebste Gabi, steht noch nicht an der Strecke, sondern ist noch im Zimmer in ihrer Pension und träumt vielleicht noch den Albtraum aller Supporter: das Essen für den Läufer vergessen, den Start verpasst, die falsche Ausfahrt genommen oder die Wechselklamotten zu Hause gelassen …

Ich lasse mich jetzt 20 Minuten lang massieren, das hilft immer, zumindest hilft es, die Zeit tot zu schlagen. Aber Gabi ist auch danach noch nicht an der Strecke, also beginne ich langsam wieder mit dem Lauf und nach der 61. Runde steht sie oben am Wendepunkt und winkt mir fröhlich zu.

„Ich höre jetzt auf,“ sage ich und sie antwortet entgeistert, dass ich noch frisch und gut aussehen würde. Aber weil ich denke, dass ich irgendwo zwischen 92 und 98 Runden den 24-h Lauf abschließen würde, will ich nicht mehr laufen. Ich will nur noch heim und möglichst viel von dem sonnigen Sonntag genießen.

All das ist jetzt knapp ein Jahr her und der Stachel, den ich mir damals ins Fleisch getrieben habe, sitzt noch immer tief. Und er schmerzt. Noch nie habe ich ein wichtiges Rennen abgebrochen, noch nie habe ich ein mir wichtiges Ziel nicht geschafft, außer damals, im Mai 2010 auf der Spitzhaustreppe im sächsischen Radebeul.

Ich habe also noch eine Rechnung offen mit den 397 Stufen dieser Treppe und diese Rechnung wird am kommenden Wochenende beglichen! Im direkten Duell, die Treppe gegen mich …

Egal, was kommt, es wird mein letzter Start beim „Sächsischen Mt. Everest Treppenmarathon“ sein und wenn ich wieder scheitere, dann soll es auch eine offene Wunde fürs Leben sein. Aber ich werde nicht scheitern! Trotz der noch immer wunden Füße und trotz der mangels Zeit kaum möglichen Regeneration nach dem „Marathon des Sables“ (MdS) werde ich nicht scheitern, sondern langsam, aber stetig Stufe für Stufe nehmen und dabei leise mitzählen:
„Noch 39.699, noch 39.698, noch 39.697 …“

Auf keinen Fall werde ich vorzeitig aufgeben, auch nicht, wenn ich realisiere, dass ich die geforderten 100 Runden innerhalb der gesetzten Laufzeit von 24 Stunden nicht erreichen kann. Dann ende ich halt bei 87 Runden oder bei 94 Runden oder wegen mir auch bei 99 Runden, aber ich gebe nicht auf, denn ich will, dass mein Name in das Gipfelkreuz der Spitzhaustreppe gehauen wird. Es wäre dort in guter Gesellschaft mit all den bisherigen Finishern dieses Laufs, zu denen ich momentan nur ehrfürchtig aufschauen kann.

... mein Ziel, der Eintrag im Gipfelkreuz der Spitzweg-Treppe in Radebeul

Vielleicht sollte ich den „Ausbilder Schmidt“ vom StrongManRun mitnehmen, damit er mir ein paar passende Worte in der Nacht zubrüllt, wenn ich schwach und weich werden sollte. Oder ich leihe mir Bernie Conradt’s Frau Sabine aus, die ihn 2008, mitten in der regnerischen und kalten Nacht von Radebeul, wieder mit den Worten auf die Strecke schickte: „Ich denke, Du bist zum Laufen hier?“ Auch ließ Sabine Bernie’s Hinweis darauf, dass es schwer sei, da zu laufen, nicht gelten und antwortete: „Wenn es leicht wäre, wärest Du nicht hier, Bernie!“

Bernie hatte Sabine tief gefrustet und unterkühlt in der Nacht angerufen, um aufzugeben und um ins warme Bettchen abgeholt zu werden. Ihre „Gardinenpredigt“, sein wiedererwachter Siegeswille und Dutzende von Salamibroten haben es dann bewirkt, dass mein Lauffreund Bernie Conradt einer von denen ist, zu denen ich ehrfürchtig aufschauen muss. Bernie’s Laufbericht über diese Nacht ist auch heute noch wirklich lesenswert.

Und wie wird mein Bericht nächste Woche ausfallen?

… noch 39.700 …

BRAVEHEART-BATTLE: die letzten Updates vor der Schlacht …

BraveheartBattle 2010 – hart, härter, Braveheart!

Die heiße Phase der Schlachtvorbereitungen für den Braveheart Battle 2010 hat begonnen, denn es sind nur noch 3 Tage bis zum Start dieses Extremlaufs.
Langsam bekommen wir Klarheit über das Wetter – es wird richtig gut: eiskalt, windig, eklig, vielleicht wird es in Franken sogar schneien, soll doch keiner sagen, dass wir es kuschelig warm hatten!
Und wir kennen jetzt die Strecke: es ist ein 18,64 km langer Laufparcours ausgewiesen und wir Läufer des Braveheart Battle 2010 müssen uns warm anziehen:


an 33 Folterstationen müssen wir beweisen, dass wir wahrlich echte Bravehearts sind und wir müssen uns mit Tapferkeit, Mut, Ausdauer und absolutem Siegeswillen durch den Höllentrip kämpfen. Ab dem Startschuss am Samstag um 12:00 Uhr bleiben genau 6 Stunden Zeit, um die Strapazen des Rockstar Braveheart Battle 2010 zu bewältigen und die „Medal of Honor“ zu erkämpfen.

6 Stunden? Beim ToughGuy, der ähnlich lang ist, habe ich kaum mehr als 120 Minuten gebraucht! Wenn ich mich also auf 360 Minuten einstellen muss, dann bedeutet dies, dass ich noch mehr frieren werde. Vielleicht sollte ich heute Abend und auch noch bis zum Start am Samstag ordentlich essen, um mir noch eine wärmende Speckschicht anzufuttern, damit ich diesem Problem Herr werde?
Beim Zielfoto allerdings sollten die Speckröllchen wieder weg sein, immerhin könnte ja jemand die Fotos ansehen und erstaunt rufen: „Schau mal da, Dickie Tom!“

Bereits jetzt freue ich mich auf die die Braveheart Battle-Partys vor und nach dem Lauf. Wenn diese nur halb so professionell sind wie die des StrongManRuns, dann werde ich mich doppelt freuen, dass ich auch noch von Samstag auf Sonntag in Münnerstadt schlafen werde. Schade nur, dass ich – entgegen dem StrongManRun – hier wohl nicht in die VIP-Zelte gehen darf. Oder hat einer der vielen Götter im Himmel ein Einsehen mit mir und lässt eine VIP-Karte vom Himmel fallen?

Ich werde schon am Freitag Nachmittag ins Frankenland fahren und habe mir für zwei Nächte eine Bleibe gebucht. So kann ich mich am Samstag früh gut auf die Schlammlöcher vorbereiten, auf den 6,5 m hohen Wall und auf die rutschigen Seilstege. Aber ich hoffe doch, dass die 6,5 Meter optimistisch gemessen wurden und wir alle nach dem Lauf feststellen, dass das „keine 20 Zentimeter“ waren, die 32,5 Mal diese 6,5 Meter ergeben sollten.

Ich werde mich dann mit einer ganzen Dose Melkfett einreiben, meine ToughGuy Handschuhe reaktivieren und mich in alte Laufklamotten werfen, bei denen es nicht schade ist, wenn ich hier oder da ein Löchlein ins Gewebe reiße.
Den Lauf selbst werde ich sehr bedächtig angehen, um Zeit zu haben, vor den Kameras zu posieren. Außerdem muss ich meine Kraft einteilen, weil ich am Sonntag ja noch einen kleinen „Bonbon“-Lauf absolvieren möchte.

Die Reihenfolge der Hindernisse des Braveheart Battle 2010:

1. Schäferswand „Brave Wall“: Ein höllisch hohes Kletterhindernis eröffnet den Braveheart Battle 2010 Parcours und macht uns Braveheart-Anwärter sogar insgesamt 4 mal schwindelig.
2. Direkt danach zwingt uns der „Creep Trench“ für 50 m auf die Knie. So schön haben wir noch nie gebetet!
3. Schweißtreibend sein wird es sein, wenn wir uns durch das Kriech- und Kletterhindernis „Hell Pipes“ / Seger-Tunnel kämpfen. Wir Kampf-Säue werden dort ein ständiges „Auf und Nieder“ erleben.
4. Das Stufenhindernis „Step Peel“ bringt uns Himmelsstürmer dann dem Braveheart Battle Himmel entgegen und dem Sieg einen Schwertschlag näher. Schlimmer als der „Sächsische Mt. Everest Treppenmarathon“ kann das nicht werden!
5. Danach wird endlich ein wenig gelaufen. Nach einer längeren Strecke an der Lauer entlang, auf der wir richtig Tempo machen können, müssen wir den Fluss über die „Soapy Ropes“ von überqueren – wer hier fällt, holt sich mehr als nur nasse Füße. Aber wer fällt, der fällt wenigstens auf.

Dann ist Halbzeit des Braveheart Battle 2010. Bestimmt bekommen wir dann einen Pausentee und vom Inspektor einen ordentlichen Einlauf. Schon jetzt höre ich die melodische Stimme des Drill Inspektors, der, um die säuselnde Stimme zu schonen, durch ein auf „extrem laut“ gestelltes Megaphon ruft: „Los Ihr Luschen!“. Und damit sich diese freundliche Botschaft bis in die Zehenspitzen verteilt, hält der Coach jedem einzelnen der ermatteten Tee-Trinker dieses röhrende Megaphon direkt ans Ohr. Das Klingeln im Kopf wird uns dann in die gesamte zweite Hälfte begleiten …

Dann wird die Kampflaufstrecke auf der anderen Flussseite ohne weitere Hindernisse zurückgelaufen, wie schade. Aber zum Glück droht an der Verpflegungsstation der Kampf um Wasser, Obst und isotonische Getränke. Wer Glück hat und etwas davon abbekommt, der darf am Ende dieser Braveheart Battle Etappe noch einmal die Hindernisse 3, 2 und 1 bezwingen.

6. Mit einem „Riverdance“ – Tanz über den Fluss – geht es weiter bei Station 6: nur wer seine innere Balance erlangt, kommt trocken über die rutschige Dünisch-Brücke. Ich glaube, ich setze mich dort im Schneidersitz auf das Holz, falte meine Hände zur Meditation auseinander, lasse ein tiefes „Ommm“ durch den Körper jagen und stehe erst wieder auf, wenn ich so viel innere Balance gefunden habe, dass ich über diese Hürde fliegen kann.
7. Direkt danach folgen die „Straw Hump“ Swinger-Barrikaden: Münnerstadts „rote Meile“ besteht aus mehreren Strohballen verschiedener Höhen. Offensichtlich wissen die Münnerstädter also nicht, dass Swinger ihr Glück nicht unbedingt in Strohballen suchen.
8. Bis wir Braveheart-Möchtegerns uns wieder bei einer langen, geraden und hindernisfreien Sprint-Strecke erholen können, kommen wir erst noch zum „Hoop Tomb“, der „Knochenbrecher“-Hürde.
9. Eine wahrlich große Herausforderung des Braveheart Battle 2010 wird der enorm kräftezehrende Quad-Schwarz-Graben, „Death Valley“ genannt, bei dem es durch einen unwegsamen Hohlweg 3,5 km steil bergauf geht. Dagegen wird mein Juni-Trip zum „Canyon du Verdon“ ein wahres Zuckerschlecken sein. Aber Zucker kann sehr gefährlich sein …
10. Zum Abkühlen dürfen wir dann durch die „Sludge Zone“ kriechen, durch 50 m Schlamm. Das klingt irgendwie eklig. Zwar hat Mutti gesagt: „Dabei sein ist alles!“, aber sie hat auch gesagt, dass ich mich nicht schmutzig machen soll.

11. Danach wartet das  „Straw Hump“ Strohhindernis, die Reichenbacher Barrikaden, errichtet von der Reichenbacher Dorfjugend, auf uns, der ideale Hautkitzel, bevor wir anschließend durch den Reichenbacher Schlammsee getrieben werden. Den Schlamm seh’n im Schlammsee …, aber „Dabei sein ist alles!“
12. Das „Loch Ness“ ist nur für Braveheart-Schwimmer geeignet. Mitte März bietet es sicher eine erholsame Badetemperatur, zumindest wird das Wasser ein halbes Grad wärmer sein als die umgebende Luft – diese Schikane wird von den Fischfreunden aus Reichenbach betreut. Vielleicht sollte ich mir von meinem Vater doch die Angelrute leihen und dort nach Fischen und Ertrinkenden fischen?
13. Beim Outdoor-Extrem-Berglauf „Hamburger Hill“ auf 380 m quer durch den Wald wird es uns Braveheart Battle 2010 „fast schon“ Bezwingern sicher schnell wieder warm werden – der eine oder andere wird aber vermutlich auf der Strecke bleiben, das ist aber auch wichtig, damit die Nachfolgenden die Gestrauchelten nach dem Weg fragen können …
14. Die Bad Kissinger Höhe wird masochistischen Läufern mit Sicherheit „ein königliches Vergnügen“ bereiten. Hier verteilt der Slalomparcours „Iron Curtain“ leichte elektrische Schläge an ungeschickte Braveheart Battle Torkler. Beim ToughGuy gab es diese Stromschläge auch. Sie sind preiswerter als die Qual im örtlichen S/M – Studio, also ran an die Fäden: „Gimme more, more, more, more, more …“
15. Zu guter Letzt geht der Spaziergang wieder in das beschauliche fränkische Städtchen Münnerstadt zurück, doch muss erneut ein Braveheart Battle 2010 Schlammhindernis durchquert werden, die „Funk Holes“ der Gessner-Gräben. Langsam glaube ich doch, dass ich nicht vollkommen sauber bleiben kann. Mutti wird sich ärgern …

Bevor der kräftezehrende Rückweg beginnt gibt es noch eine erneute „Schlacht am kalten Buffet“. Zwar gilt da: „All U Can Eat“, aber nicht jeder wird zwei, drei Stündchen verweilen können, um dieses Angebot auch ausgiebig zu nutzen. Vielleicht, ganz vielleicht, haben die Betreuer der Verpflegungsstelle auch einen DELIVERY SERVICE? Sicherheitshalber schreibe ich die Adresse und die Zimmernummer meines Hotels mal auf ein Zettelchen, das ich dort liegen lasse. Wer weiß, am Ende bekomme ich noch abendlichen Besuch vom Pizza-Buffet-Man?

Nach der ausgedehnten Mittagspause am „All U Can Eat“-Stand geht es über die Folterkammern 11 – 6 zurück nach Münnerstadt und noch einmal am Fluss entlang über die Stationen 2, 3, 4, 5 sowie 3 und 2. Wenn ich es dann, noch vollgefuttert von dem Mittags-Buffet, erneut über die mörderisch hohe Schäferswand „Brave Wall“ schaffe, dann bin ich verdient im Braveheart Battle 2010 Himmel angelangt, schnappe mir die begehrte „Medal of Honor“ und trinke den Veranstaltern den ganzen Rest an ROCKSTAR-EnergyDrink leer.

Und ich werde feiern und mich derart daneben benehmen, damit die Veranstalter mich im nächsten Jahr auf keinen Fall erneut einladen.
Der gute Eindruck, den ich noch vor dem Lauf gemacht habe, wird dann weg sein, die „Medal of Honor“ aber wird bleiben!

Was will ich mehr?

Noch 369,6 Kilometer – dann wäre im März gut gesät

März 2010, die letzten 31 Tage vor dem Abflug nach Casablanca zum MdS. Und wieder habe ich zwei Tage verstreichen lassen, ohne etwas zu tun. Und wieder hat mein schlechtes Gewissen dafür gesorgt, dass ich schlecht geschlafen habe. Und wenn ich schlecht schlafe, dann träume ich mehr. Oder ich merke mir meine Träume besser.
Heute Nacht habe ich von Kamelen geträumt, Kamele, die eng verwandt mit Schafen waren. Voller Wolle, aber in der Wüste.

Nach dieser Nacht, nach diesem Traum habe ich eine Entscheidung getroffen: ich will im März 2010 insgesamt 400 Kilometer laufen, Training und Wettkampf zusammen. Das sind rund 13 Kilometer pro Tag, also durchaus nicht allzu viel. Und weil ich gestern und vorgestern keine Zeit fürs Laufen hatte – oder mir das zumindest eingeredet habe – musste ich heute etwas länger ran. Da traf es sich gut, dass mich mein Söhnchen Pascal gefragt hat, ob ich ihn auf 18.00 Uhr zum Training fahren könnte. Weiter fragte er, ob ich ihn von seiner „Herz-Dame“ um 21.00 Uhr abholen kann.

Das passt doch perfekt, dachte ich und nutzte diese Zeit, um in 2:41 Stunden 30,4 Kilometer abzuspulen. Und das war so schön. Ich habe mich für die Strecke von Bad Neuenahr Richtung Altenahr entschieden, wieder über den engen Bergtrail, der laut der Warnschilder „sehr gefährlich“ ist. Sehr gefährlich ist er aber nur für ältliche Kurgäste, für unsereins ist der Trail geradezu ideal.
Beim Laufen erinnerte ich mich an die beiden letzten Male, als ich diesen Trail gelaufen bin. Das war bei den beiden Schneeläufen an den Wochenenden vor nicht allzu langer Zeit. Damals war ich nach 35,5 Kilometern vollkommen fertig gewesen, sicher auch dem tiefen Schnee geschuldet.
Und ich war langsam, sehr, sehr langsam.

Aber heute konnte ich endlich wieder große Schritte machen, Tempo genießen und sehr konstant laufen. Nach einer Stunde hatte ich 11,4 Kilometer auf dem Garmin 310, nach zwei Stunden hatte ich 22,7 Kilometer hinter mir. Wenn das keine Konstanz ist … ich war begeistert. Es war noch hell, als ich startete und kurz vor dem Wendepunkt wurde es dunkel. Insgesamt lief ich genau 13 Kilometer Richtung Altenahr, bis ich zur Wende ansetzte. Weil ich aber viel zu früh wieder am Auto gewesen wäre und ich meinem Lieblings-Sohn keine der kostbaren Minuten bei der „Herz-Dame“ rauben wollte, andererseits hatte ich auch keine Lust, vor dem Haus auf ihn zu warten. Also lief ich am Auto vorbei und lief noch gute zwei Kilometer weiter bis in die Bad Neuenahrer Innenstadt und eben wieder zurück.
Mein Ziel war es, die 30 Kilometer voll zu machen, da ich aber noch bis zum Bad Neuenahrer Steigenberger Hotel laufen wollte, kam ich am Ende 400 Meter weiter und damit sinkt mein März-Soll auf 369,6 Kilometer.

Sorge hatte ich, als während des Rückwegs mitten auf dem Trail, mitten im dunklen Wald auf einem engen Trail, wo es links steil bis zur Ahr heruntergeht, das Kopflicht anfing zu blinken, wahrscheinlich, um mir zu sagen, dass die Batterien bald leer sind. Ich stellte mir vor, was passieren würde, wenn es plötzlich dunkel würde. Nicht, dass ich nicht nach Hause gekommen wäre, aber ich hätte auf „gehen“ schalten müssen und das hätte ich, so kalt wie es war und so nass geschwitzt wie ich war, mit Frieren bezahlen müssen. Aber die Batterien hielten und ab Ahrweiler war die Strecke auch wieder beleuchtet.

Morgen werde ich nicht laufen können, also muss ich am Freitag zumindest die 26 Kilometer für morgen und übermorgen und die 9 Kilometer, die ich aktuell noch hinter dem Soll bin, laufen, also 35 Kilometer. Aber die werde ich deutlich langsamer laufen als heute.

Hurra, ich freue mich darauf!

Der Dienstag war der Freutag …

… der „Marathon des Sables“ (MdS) beschäftigt mich schon sehr.

Jeder Trainingskilometer dient dazu, dort gut durch die Sahara zu kommen, jedes Schneefeld, das durchlaufen wird, wird im Geiste zu einer Sanddüne, weil das Laufen durch Schnee sehr ähnlich sein soll wie das Laufen durch den Sand. Zumindest belasten beide Untergründe die Sehnen und Bänder gleichermaßen stark, auf beiden Untergründen musst Du permanent die Fußstellung ausgleichen und eine gewisse Vorsicht walten lassen.

Der Mittelrhein-Marathon von Oberwesel nach Koblenz, immer mit Blick auf den Rhein! (http://www.mittelrhein-marathon.de)

Und Stück für Stück wird die Ausrüstung für den MdS komplettiert.
Begonnen hat das alles mit einem extrem langen Titanlöffel, mit einem superleichten Taschenmesser und mit Einmalhandtüchern, die aussehen wie Reinigungspads für die Geschirrspülmaschine, alles Dinge, die mir mein Freund und MdS-Mitstreiter Achim Knacksterdt zum Geburtstag geschenkt hat; und es ging weiter mit einer Kopfbedeckung, die tatsächlich nach australischem Standard UV-abweisend ist und mit dem Horten von Mahlzeiten, an die ich schon langsam anfange, mich zu gewöhnen. „Travellunch“ heißen diese Tütchen, die es für das Frühstück, das Mittagessen, das Abendessen und auch als Dessert gibt, glücklicherweise gibt es die auch in einer vegetarischen Version. Für mich.

Die Ausstattungsliste geht weiter mit einem speziellen Schlafsack, einem Rucksack, der das Gewicht besser verteilt und vieles mehr. Teuer ist das ganze in jedem Fall, aber so hat man wenigstens schon Monate vor dem MdS die Gelegenheit, Stück für Stück das Leiden zu üben. Zwar schwitzt Du nicht unter der heißen Wüstensonne, aber Du schwitzt beim Begleichen der entsprechenden Rechnung und leidest bei der Vorstellung, wie teuer etwas sein kann. Teuer vor allem deshalb, weil es weniger ist!
Weniger Gewicht vor allem – und jedes Gramm zählt! Und wie bei Fahrrädern, insbesondere bei Straßenmaschinen, steigen die Preise höher, je leichter das Teil ist.

Schön, dass ich beim MdS wenigstens nicht auch noch die Running Sportswear kaufen muss, sondern stolz mit meiner Lieblingsmarke ERIMA auf der Brust durch Marokko traben darf. Und die neue Kollektion kam am Dienstag, am Freutag. Und die Sachen sind so schön!
Die kurze Laufhose ist etwas anders als die vorherigen und sie hat jetzt einen seidig anmutenden schwarzen Streifen eingenäht. Aber das, was ich am meisten liebe, ist geblieben: das Netz im Schritt.

Jetzt werden die Sachen noch beflockt bzw. beflext und alles passt.
Den neuen Prospekt kannst Du hier einfach downloaden:

Und weil ERIMA ganz neu ein Partner des Mittelrhein-Marathons vom 29. Mai 2010 ist und ich ja zwei Marathons hinter meinem Zeitplan bin, habe ich mich dort auch gleich angemeldet.

Aber bis dahin bin ich ja schon wieder aus Marokko zurück, hoffentlich behängt mit der Medaille, nach der ich schon so lange sehnsüchtig giere …

Schlapp, schlapp, schlapp …

„Ich bin so schlapp, schlapp, schlapp … „

Am gestrigen Dienstag bin ich rund 2 Stunden gelaufen und das relativ schnell – aber danach war ich müde und kaputt und die Oberschenkel haben „gezogen“.
Nach nur einem Monat mit nahezu keinem Training bin ich wieder auf dem Boden der Tatsachen angekommen, am Bodensatz meiner Fitness. Und mir ging ein Bild durch den Kopf, das Bild des fetten Präfekten „Gracchus Überdrus“ aus dem „Asterix Band V – Die goldene Sichel“, der müde, vollgefressen und träge zu Tische liegt:


Ich startete exakt um 17.00 Uhr und ich hatte keine Pulsuhr dabei, um mich nicht durch den ständigen Blick auf die aktuelle Herzfrequenz zu bremsen, daher weiß ich auch nicht wirklich, ob ich in diesen zwei Stunden 22 oder 24 Kilometer weit gelaufen bin. Aber ich bin von zu Hause erst auf der Landstraße nach Eckendorf gelaufen, durch Eckendorf durchgelaufen und dann bin ich über die Felder bis zur „Burg Münchhausen“ gekommen.
Der Weg über die Felder war nicht sehr angenehm. Der Feldweg war noch verschneit, aber der Schnee war eher eine Art festes Wasser und bei jedem Schritt spritzte der Schnee, das Wasser und der Dreck hoch und die Füße waren schon nach wenigen Schritten klatschnass.
Macht ja nichts, bei rund Null Grad ist das ja auch eine Art der Erfrischung!

Weiter ging der Weg dann über die Töpferstadt Adendorf nach Meckenheim und dort lief ich den Berg hoch bis zur Gesamtschule in Merl, hinter der dann das Preuschoff-Stadion liegt, wo immer meine Laufgruppe von Montags und Mittwochs, der Lauftreff des TV Altendorf-Ersdorf, im Winter die Bahnrunden zieht. Als ich beim Preuschoff-Stadion ankam, war es genau 17.45 Uhr. Ich weiß das, weil ich einen dick eingepackten Spaziergänger nach der Uhrzeit gefragt hatte.
Er wirkte wegen meiner überaus starken Petzl-Kopflampe etwas irritiert, wegen der Kopflampe, die mir beim UTMB schon so gute Dienste geleistet hatte. Aber der Spaziergänger war überaus freundlich und hilfsbereit.

Da der Lauftreff erst um 18.00 Uhr startet, musste ich den hohen Zaun des Stadion überwinden, um dann, wiederum mit Kopflicht, dort ein paar Runden zu drehen, bis ich mit den Lauffreunden laufen konnte und mich ein wenig eingebremst hatte. Es tat mir aber auch sehr gut, nun etwas langsamer unterwegs zu sein, vor allem, weil nun mein Wunsch auf Kommunikation erfüllt wurde.
Und so lief ich 45 Minuten mit den Lauffreunden des TV Altendorf-Ersdorf und dann verabschiedete ich mich, um wieder nach Meckenheim in die Altstadt hinunter zu laufen, stets auf dem Radweg der um die ganze Stadt herumführenden Umgehungsstraße. Es war 19.04 Uhr, als ich im Meckenheimer „Kaiser’s Markt“ eintraf und ein paar Minuten später traf auch meine liebe Frau Gabi ein, um mit mir noch ein wenig einkaufen zu gehen.

Ich liebe es, ein wenig verschwitzt in Laufklamotten im Supermarkt zu sein und meinen Einkaufswagen zu schieben. Die Blicke der anderen Kunden schwanken zwischen Irritation, Befremden und einer leichten Bewunderung, weil diese Kunden daran erinnert werden, dass heute der richtige Tag gewesen wäre, um den eigenen Körper für ein paar Kilometer laufend zu bewegen. Und dass sie es heute mal wieder nicht getan haben …

Aber ich war wirklich froh, dass der Lauf zu Ende war und ich denke, ich hätte keine weiteren zwei Stunden ausgehalten. Und wenn ich an die „langen Kanten“, an die Herausforderungen des Jahres 2010 denke, dann erkenne ich, dass ich gnadenlos scheitern werde, wenn ich meinen Fitness-Zustand nicht signifikant verbessere.

Noch knapp 10 Wochen habe ich Zeit bis zum „Marathon des Sables“ (MdS), noch knapp über vier Monate bis zur „TorTOUR de Ruhr“ (TTdR) und noch über 7 Monate bis zum „La Petite Trotte à Léon“ (PTL).
Los, los, TOM, los, jeder Schritt zählt …