Glücklich gefinished …

14 Tage lang habe ich jetzt mein „raw vegan experiment“ erlebt.
14 Tage, in denen ich viele neue Menschen kennenlernen durfte, viele neue Denkweisen erlebte, viele Tipps und Rezepte gemailt bekam und auch allgemein sehr viel gelernt habe.

Ob es die Wirkung der Folsäure aus Obst auf die Leber ist oder auch, wie gesund in so einer Ernährungssituation eine frische Avocado ist, dass man eine Kiwi besser mit Schale und braune Champignons besser roh isst, alles brachte mich ein Stück weiter.
Und wer geglaubt hat, ich falle sofort nach dem Ende des Experiments über das nächstgelegene Brötchen her, das es nicht schnell genug ins Körbchen geschafft hat, der irrt gewaltig.
Einzig eine Honigwaffel gönnte ich mir auf dem ersten Weg ins Büro am Morgen nach dem Experiment.
Das richtige Frühstück aber wird es wieder roh vegan geben, auch nach den fest definierten 14 Tagen.
GoodByeIch schaue zurück und sage „Good Bye“ zu einer Ernährungsart, die mich hin- und hergerissen hat.
Da gibt es Dinge, die ich wirklich vermisst habe: einen duftenden Jasmin-Tee beispielsweise, ungesüßt, natürlich, aber so wohlig von innen wärmend. In der Pfanne gebratene Pilze, die, mit etwas Limetten-Salz gewürzt, Dir schon aus der Küche entgegen duften. Ich habe aber auch mal einen gekühlten Energy-Drink vermisst, obwohl ich weiß, dass der Zucker darin vieles kaputt macht, was man sich auf einer anderen Seite mühsam an- oder abtrainiert hat.
Da gibt es aber auch Dinge, die einfach fantastisch waren: es hat sich ein Körpergefühl eingestellt, das ich so lange vermisst habe.
Du fühlst Dich leicht und frei, das Leben scheint sich aus der Körpermitte auf den ganzen Körper zu verteilen. Du fühlst Dich verantwortungsbewusst und gut, weil Du nur Nahrung zu Dir nimmst, die unverdächtig ist, dem menschlichen Körper zu schaden, Nahrung, die auch unsere Vorfahren so hätten zu sich nehmen können.
Laktoseintoleranz, Allergien gegen Weizen und Roggen, Aufnahme von Antibiotika und anderen Giftstoffen durch den Konsum von Eiern und anderen tierischen Produkten, viele der bekannten problematischen Körperreaktionen entfallen, Körperreaktionen, die im besten Falle „nur“ Energie kosten, aber diesen Preis will ich nicht mehr bezahlen. Auch deshalb fühlst Du Dich frisch und vital, energiegeladen und frei. Und Du beteiligst Dich nicht mehr an der Ausbeutung der Tiere, trägst nichts bei zum Tierleid auf dieser Welt.

Ich schaue nach vorn und sage „Hello“ zu einem Lebensentwurf, der mich schon immer fasziniert hat.
Der Lebensentwurf, der uns tagtäglich vom Mainstream der Gesellschaft vorgebetet wird, über die Medien transportiert und in jedem Supermarkt zu erleben, der kann es für mich jedenfalls nicht sein. Und als wäre diese Einsicht nicht schon genug, liefen gestern Abend auf ARTE, zweifellos kein Sender für die Vielen, gleich zwei Sendungen hintereinander, die beide diesen faszinierenden Lebensentwurf unterstreichen.
„Weniger ist mehr“ und „Kein Müll“ waren zwei Sendungen, die mal wieder klar machten, dass es einfach nicht genug sein kann, auf der ewigen Jagd nach Geld und Besitz zu sein und auch nicht, dass unser Verbrauch so riesig sein muss, dass unzählige Müllhalden noch Generationen später Zeugnis ablegen von unserem aktuellen Wahnsinn auf diesem Planeten, diesem Planeten, der aber dann der Rohstoffe, die mal in Hülle und Fülle vorhanden waren, beraubt sein wird.
Verantwortung und Nachhaltigkeit sind da Stichworte, die mir einfallen. Und da passt der unkonventionelle Lebensentwurf des Vegetariers, der ich ja schon viele Jahre lang bin, des Veganers und des Rohkost-Veganers hervorragend dazu. Da bin ich sicher gefordert, eine für mich passende Antwort zu finden.Müll

Was hat sich körperlich bei mir getan?

Die erste Frage ist immer die nach der Fitness. Ich fühle mich da gut aufgestellt, schon deshalb, weil ich keine unnötigen Pfunde mit mir herumschleppen muss, na ja, zumindest nicht mehr so viele davon. Nun hatte ich ja spätestens nach dem Nepal-Darmvirus sowieso stark abgenommen, was mir aber vor allem sehr gut gefällt, ist, dass ich dort merklich Fett abbauen konnte, wo es am Schönsten ist: am „Schwimmring“ über den Hüften, ganz sicher meiner Problemzone Nummer 1. Der totale Entzug von zusätzlichem Zucker und industriellen Fetten hat den Körper schon nach so kurzer Zeit dazu gezwungen, sich an meine Fettreserven heran zu machen. Und es hat funktioniert, prima.

Ob und wie ich im Moment läuferische Herausforderungen meistern kann, weiß ich nicht. Ich bin wenig gelaufen in den letzten Wochen, es war ein Regenerationsmonat. Mein Gefühl aber sagt mir, dass sich da gar nicht so viel verändert haben dürfte. Überprüfen werde ich das heute Abend beim Lauf in Sinzig. Mal sehen, wie es klappt, wieder einen Marathon zu traben.
Interessant ist für mich auch gewesen, zu beobachten, wie sich das Gewicht verändert hat. Obwohl die reine Zahl, die man auf die Waage bringt, nur wenig aussagt, weil ich die Trennung zwischen Fettanteil, Wasseranteil und Muskelanteil nicht vornehmen kann. Aber ich habe etwas Gewicht verloren, nicht allzu viel. Und ich glaube, dass ich dieses Gewicht vor allem aus den Problemzonen geschnitten habe. Ein nennenswerter Muskelabbau hat hoffentlich nicht stattgefunden – und falls doch, dann kann ich diesen Mangel im Oktober, dem Monat, in dem wieder intensiver gelaufen werden wird, leicht und schnell wieder ausgleichen.

Der Stuhl und der Stuhlgang, sicher kein wirklich appetitliches Thema, ist auch ein paar Zeilen wert.
Am Anfang und jetzt auch wieder am Ende der Experimentierzeit war der Stuhl weich und die gute Regel, dass man, idealerweise täglich um die gleiche Uhrzeit, ein Mal pro Tag seinen Stuhlgang haben sollte, konnte nicht eingehalten werden. Manchmal waren es drei Mal am Tag, die ich auf das „stille Örtchen“ musste. Dabei waren die Konsistenz und Farbe ungewohnt, deutlich anders als bei der bisherigen Kost.
Interessant fand ich, dass die Menge, die ausgeschieden wurde, deutlich geringer war als früher, obwohl ich ja signifikant mehr gegessen habe als normal. Der verwertbare Anteil bei der Rohkost ist also offensichtlich erheblich höher als bei normaler vegetarischer Kost und mutmaßlich noch viel höher als bei der „Mainstream-Ernährung“. Vielleicht erklärt das den Umstand, dass man so mit erheblich weniger Kalorien auskommt als es die konventionellen Tabellen vorgeben.
Ich konnte sowieso nie wirklich die Frage beantworten, warum jemand, der dick ist und offensichtlich über Fettreserven verfügt, die ihn monatelang am Leben erhalten sollten, Hunger hat. Wozu legt der Körper denn Fettreserven an, wenn nicht für den Notfall? Aber wenn dieser dann eintritt, warum muss der Mensch dann dennoch etwas essen, weil die Fettreserven da nicht ausreichen? Dabei ist die Antwort so einfach: es sind die Nährstoffe, die im Essen enthalten sind, die fehlen.

Ein amerikanischer Ayurveda-Arzt, bei dem ich vor Jahren mal ayurvedische Anwendungen am schönen Starnberger See bekam, lebt beispielsweise von 800 – 900 kcal pro Tag. Und das seit Jahren und sehr glücklich. Er sagte mir, dass sein Geheimnis der Umstand wäre, viele Wildkräuter zu suchen und zu sammeln. Der Körper bräuchte ein gewisses Maß an Bitterstoffen und sei so lange hungrig, bis er diese bekäme. Gibst Du ihm die reichlich und früh, dann bist Du auch früh satt.

Ich glaube schon lange nicht mehr an die konventionelle Lehre vom Doofenspiel „Kalorienzählen“. Das ist ein Erklärungsmodell, das die komplizierte Wirklichkeit nur unzureichend und deutlich vereinfacht darstellt.
Es erklärt eben nicht den Umstand, dass ein Mensch in unterschiedlichen Situationen Kalorien unterschiedlich verwertet. Wenn Du beispielsweise eine Diät machst, dann lernt der Körper, mit weniger Kalorien auszukommen. Endet die Diät, vergisst der Körper aber das neu Gelernte nicht sofort. Das Resultat ist, dass Du mit der alten Menge an Nahrung noch dicker wirst, weil der Körper eben mehr rausholen kann aus jeder zugeführten Kalorie.
Oder andersherum: es gibt viele Menschen, die 4.000 kcal oder mehr täglich zu sich nehmen. 2.000 kcal – 3.000 kcal braucht der Mensch nach den gängigen Modellen pro Tag. Wenn Du nun die überschüssigen Kalorien nimmst und in eine daraus zu gewinnende Fettmenge umrechnest, dann müssten diese Menschen nicht nur dick sein, sondern auch permanent dicker werden. Das aber tun sie nicht, weil sich irgendwann ein neues Gleichgewicht auf hohem Niveau einstellt.
Nun suche ich mein neues Gleichgewicht auf niedrigerem Niveau.

Wie geht es für mich weiter?

Ganz sicher bin ich mir noch nicht. Ich will auf jeden Fall sehr viel von diesen zwei Wochen beibehalten. Ein vollwertiges Rohkostfrühstück, eine Avocado als Snack zwischendurch, möglichst wenig Zucker in der Nahrung, das sind gute Dinge. Die Milch habe ich ja schon sehr lange aus meinem Leben eliminiert und auch weitgehend die anderen „Dairy Products“. Nur der Verzicht auf Käse wird mir schwer fallen, befürchte ich.
Auch den Konsum von Weizen- und Roggenprodukten hatte ich schon seit Jahren minimiert, ich hoffe, dass er durch die Erfahrungen der letzten Tage fast auf Null sinkt.
Wenn ich aber sehr viel Rohkost in meinen Speiseplan integrieren will, so will ich dann doch hin oder wieder Pilze braten, zusammen mit einem Stück Tofu. Ich will auch mit meiner Familie gemeinsam mal wieder schön warm zu Abend essen, auch wenn es vielleicht nicht die reine Lehre ist.
Freiheit
Aber essen ist eben mehr als nur Nahrungsaufnahme. Essen ist auch ein gesellschaftlicher Akt, etwas, das Menschen verbindet. Essen ist auch Kultur und sogar etwas Kunst.
Auch deshalb freue ich mich, dass ich mich nun frei entscheiden kann, ohne durch die Medien erzeugte Vorurteile gegen vegane oder roh vegane Kost, aber auch ohne messiastische Reue, wenn ich mich mal für etwas entscheide, was eigentlich nicht auf dem Speiseplan stehen sollte.
Für diese Freiheit und diese Erfahrung bin ich dankbar und ich werde es immer sein.

Und noch etwas:
Es ist jetzt mehr als ein Jahr her, dass ich der „Veggie-Messias“ genannt wurde.
(Lies hier den Artikel „Veggie-Messias?“ von damals)
Obwohl ich nicht messiastisch sein will, frage ich mich, ob ich irgendwann der „Vegan-Messias“ genannt werde?

Mein „Raw Vegan Experiment“

Veggie-DayDer Vorschlag von Renate Künast, in öffentlichen Kantinen immer donnerstags einen „Veggie Day“ einzuführen, hat schon einiges gebracht: die Wählerzustimmung sank dramatisch ab. Natürlich wollen wir alle die Umwelt schützen und uns ein kleines grünes ökologisches Etikettchen anheften. Natürlich kaufen wir im Bio-Laden und wir unterstützen Fair Trade Organisationen. Und wir sind gegen Atomstrom, was denn sonst?

Aber manche Dinge dürfen sich keinesfalls ändern: Hände weg vom Grillrost und Fuß drauf auf das Gaspedal!

Wer uns unser geliebtes Fleisch infrage stellt, der kündigt einseitig die menschliche Verbindung zu ihm auf, auch wenn es nur ein Vorschlag war, auch wenn es viele gute Gründe gegen unseren immensen Fleischkonsum gibt und auch, wenn natürlich auch am „Veggie Day“ jeder in der heimischen Küche ein Frikadellchen essen kann. Er muss dafür weder die Vorhänge zuziehen noch verschwörerisch die Türen zusperren.
Und wer unsere gelebte Freiheit auf den Straßen und Autobahnen beispielsweise durch die Forderung eines Tempolimits infrage stellt, der versündigt sich nicht nur am Industriestandort Deutschland, sondern er outet sich auch als Mitglied oder Sympathisant der Verbieter, der Regulierer, der Freiheitsbeschneider, der Apfelsaftschorlenbubis … weg damit!

Dass ich seit über 10 Jahren vegetarisch lebe, ist den meisten bekannt. Dass ich auch seit zwei Jahren auf Alkohol verzichte, vielleicht nicht.
Ich habe es mir da in meiner Nische bequem gemacht und finde, dass ich Alkohol nicht brauche, dass fleischlos leben schön sein kann und dass ich meinen Teil zur Schonung der Umwelt leiste. Aber dennoch quälen mich oft Gedanken, die mir den Schlaf rauben. Vorbilder, die schon lange so leben, wie ich es auch gerne tun würde, bringen mich auf diese Gedanken:
– Sollte ich von nur vegetarischer Kost auf vegane Kost umstellen?
– Was ist mit Rohkost, warum kochen wir unser Essen?
– Was ist, wenn ich die Idee veganer Kost und die ungekochter Kost zusammen bringe?

Vegane Rohkost, das hat doch was – raw vegan living!

RVP

Grafik dankend von raw-vegan (dot) tumblr (dot) com

Am Mittwoch, den 18. September 2013 starte ich deshalb ein auf 14 Tage angesetztes Experiment, einen Selbstversuch gewissermaßen. Ich werde von diesem Tage an bis einschließlich dem 2. Oktober 2013 ausschließlich vegane Rohkost zu mir nehmen, Gemüse, Obst und Nüsse und trinken werde ich ausschließlich Wasser, Säfte und Smoothies.
Und ich werde das, was ich zu mir nehme, was ich esse und trinke also, akribisch aufschreiben und dann mal sehen, was sich dann in meinem Leben geändert haben wird.
Zwei Wochen ohne Cookies, sonstigen Süßigkeiten, ohne Energydrinks und sonstigen Energieräubern. Zwei Wochen lang will ich der Industrie die Gelegenheit versagen, mich mit Geschmacksverstärkern, Zuckerzusätzen und wohlgestalteten Produktbildern zu verführen und auch, mich nach diesen Produkten süchtig zu machen. Nach zwei Wochen, denke ich mir, sollte der Kreislauf der Sucht durchbrochen sein.

Sucht? Ist da ein Junkie am Werk, der zitternd nach dem nächsten Schuss verlangt? Nein, natürlich nicht. Aber dass Zucker ein Suchtmacher ist, ist unbestritten. Zuckerkonsum führt zum Wunsch des Körpers nach mehr Zucker, der Geschmack ändert sich, ungezuckerte Speisen und Getränke werden nicht mehr als wohlschmeckend erlebt und der Säure-/Base Haushalt des Körpers kippt mehr in die saure Richtung als das beim Menschen früher der Fall war.
Oder anders formuliert: ist es ein Zufall, dass kaum einer eine bereits geöffnete Chipstüte halbvoll stehen lassen kann? Nein, ist es nicht. Hier und bei vielen anderen Produkten haben die Nahrungsmitteldesigner ganze Arbeit geleistet. Es ist eine Mischung aus dem Geruch, den Geschmacksverstärkern, dem Knackgefühl im Mund beim Essen, der Konsistenz der Ware beim Verzehr, alles ist nur auf ein Ziel ausgelegt: Du sollst gleich noch mal zugreifen, mehr essen, mehr konsumieren, mehr Geld ausgeben, mehr Fett ansetzen. Runter von den Trails, raus aus den Laufschuhen und rein in den Jogginganzug und rauf aufs Sofa!

Vielleicht aber passiert auch etwas ganz Anderes. Vielleicht halte ich dieses 14-Tage-Experiment ja gar nicht durch? Vielleicht erkenne ich am Ende, dass die Idee zwar gut, die Durchführung aber schlecht ist. Essen ist ja auch eine der am stärksten gruppenbildenden Elemente unseres Lebens, kaum abzusehen, was passieren würde, wenn Familien nicht mehr zusammen essen. Es gibt Kulturen auf dieser Welt, wo das so ist. Man isst nicht nach einem Zeitplan, sondern genau dann, wenn man Hunger hat. Und dann nicht, wenn man eben keinen Hunger mehr hat. Die thailändischen Garküchen auf den Straßen haben daher ihre Ursache.

Ich werde jedenfalls alles möglichst zeitnah und detailliert auf der dafür neu gebastelten Unterseite dieses Blogs https://marathonundlaenger.wordpress.com/raw-vegan-experiment/ dokumentieren.
Und ich freue mich, wenn Du daran Anteil nimmst, mich kritisierst, mich korrigierst, mich motivierst.
Salat

Trauer auf rund 5.000 Metern Höhe …

Bevor ich die schöne Geschichte vom Trekking und vom Lauf in Nepal erzähle, schreibe ich etwas über Freundschaft, über Mitgefühl und über Abschied.

Henk Sipers, mein Zimmer- und Zeltkollege während der gesamten Reise, und Eberhard Schaaf (gestorben am 19. Mai 2012) waren Lauffreunde – und irgendwann auch mehr als das.
Sie waren Verwandte im Geiste und bewältigten Etappenläufe in Marokko, in Äthiopien, in der Mongolei, in Mali und in Costa Rica zusammen, stets auch als Zelt- und Zimmerpartner.
EberhardAber Eberhard war, außer Läufer zu sein, noch mehr. Bergsteiger, Abenteurer mit einem hohen Ziel, dem höchsten, dass man auf dieser Erde anstreben kann. Henk hatte keine hohen Ziele, seine Höhenangst hinderte ihn, von der Welt über den Wolken zu träumen.
Und so hatte Eberhard  für seine hohen Ziele andere Partner. Im Mai 2012 war es Paul Thelen gewesen. Das Ziel waren die 8.848 Meter des Mt. Everest gewesen und mit dem Gipfelsturm am 18. Mai nahmen die beiden die wohl letzte Gelegenheit wahr, diesen vor dem kommenden Monsoon zu wagen.
THEMAls der Nepalese Tenzing Norgay Sherpa und der Neuseeländer Sir Edmund Hillary 1953 den Gipfel zum wahrscheinlich ersten Mal in der Menschheitsgeschichte betraten, war die Regenzeit noch etwas später, seit Jahren aber kommt sie früher und früher, eine der vielen Folgen der Klimaerwärmung.
Und weil 2012 jener 18. Mai der letztmögliche Aufstiegstermin war, war es auch sehr voll da oben, sehr voll und auch sehr tödlich für gleich fünf dieser Bergsteiger.
Wenn sich am Hillary Step ein Stau bildet, weil immer nur ein Mensch dort passieren kann, dann werden Unterkühlungen unvermeidbar.

Am Morgen des 19. Mai waren die meisten der Bergsteiger dann oben auf dem Gipfel, auch Eberhard, jedoch ohne seinen Partner, der wegen Kopfschmerzen den Aufstieg absagte. Vielleicht zum Glück, denn ein sich entwickelndes Gehirnödem ließ Eberhard dann nicht mehr absteigen. Er starb an dessen Folgen etwa 100 Höhenmeter unterhalb des Gipfels. Er liegt noch immer dort.
Aber es wurde ihm, wie so vielen anderen Helden auch, ein Steindenkmal errichtet, als Mahnmal und zum Gedenken. Paul Thelen schmückte diese dann so gut es ging und Henk beschloss, seine Angst vor der Höhe zu überwinden und mit dem Trekking zum Mt. Everest Basecamp (EBC) diesen Ort der Stille zu besuchen, ihn weiter zu schmücken und auch, dort kleinere Erinnerungskarten an Eberhard abzulegen.
Eberhards Ehefrau wollte nicht an diesen Ort, zu beschwerlich schienen ihr der Weg und die Gedanken bis dorthin, aber sie hatte, wie viele andere auch, letzte Grüße geschrieben, die auch am Denkmal abgebracht werden sollten, zusätzlich zu den Blumen, die für Eberhard weiterleben sollten. Henk machte Fotos und kleine Filmsequenzen von dieser, seiner Verabschiedung und ich unterstützte ihn dabei nach Kräften.
DSC_1076 DSC_1061 DSC_1060 DSC_1051 DSC_1046
Nach Dingboche ging es zuerst einen steilen Weg hinauf und dann wären wir auf der Hochebene, die Zeugnis ablegt davon, dass es schon viele Frauen und Männer wären, die auf diesem höchsten Berg der Welt ihr Leben lassen mussten. Viele davon waren jung, viel zu jung zum sterben.
Schon beim Anblick der ersten dieser Steintürme begann ich, hemmungslos zu weinen. Ich war darin nicht alleine.
Die Besonderheit des Stücks Erde, das Bewusstsein um die hochdramatische Situation und der dort fühlbare Geist machten die meisten von uns erst traurig, dann schweigsam und endlich kamen die Tränen.
Dort an diesem Fleck gab es keine Distanz zwischen den Kulturen und Religionen, zwischen Frauen und Männern. Da erinnerten Steindenkmäler stets eindringlich und nachhaltig daran, dass der Mensch dort oben eigentlich nichts zu suchen hat.
Und dennoch zieht es Jahr für Jahr eine noch größere Zahl von Menschen auf das „Dach der Welt“ und mir war ein Trost, dass all diese Menschen nicht sinnlos gestorben sind, sondern sie sind alle abgestürzt bei Ihrem Traum vom Fliegen.
Lieber bei der eigenen Mission das Leben lassen als ganz profan bei einem Autounfall, dachte ich mir.
DSC_1111 DSC_1116 DSC_1127 (die Minifotos durch Klicken vergrößern … )
Etwas später, nachdem ich etliche Gedenkstätten fotografiert hatte, etliche kleine Gebete gesprochen und etliche Tränen vergossen hatte, ging ich weiter, zu Eberhards Mahnmal und zu Henk, der schon eifrig dabei war, die Blumen, die er für Eberhard nach oben trug, fest zu machen. Henk wirkte glücklich in diesem Moment der Anstrengung, nicht traurig und er fixierte die Erinnerungskärtchen, die man ihm mitgegeben hatte. Es war eine Viertelstunde der Arbeit, die Henk beflügelte und als alles fertig war, begann Henk zu weinen.
DSC_1121 DSC_1124 DSC_1125
Abschied nehmen tut doch mehr weh, als man denkt. Und in den Minuten der Trauer, des Weinens und des Gedenken erzählte er mir viel über die Männerfreundschaft, die vom Laufen her kam und die weiter ging, bis hin zu jenem Moment auf der Hochebene, rund 5.000 Meter über dem Meer.

Danke, Henk, für dieses Beispiel, danke, dass ich dabei sein durfte.

Rest in peace, lieber Eberhard Schaaf.

(Auswahl von Links zum Tod Eberhard Schaafs: Spiegel Online, Aachener Zeitung, Bild.de, weitere Links hier bei Google)

The Circle of Life …

Manchmal muss man einem Veranstalter einfach nur „DANKE“ sagen. Und zu diesen Veranstaltern gehört auch das Team des „THE NORTH FACE TRANSGRANCANARIA“.
Sie haben mir etwas beschert, das wahrlich sehr selten ist.

Mehr als 50 Jahre lang habe ich der Versuchung Gran Canaria, oder besser liebevoll „Gran Can“, widerstanden. Ich war wohl auf manch anderer der Kanarischen Insel, Gran Can aber war ein „no go“ für mich gewesen.
Meine liebe Gabi war als Kind drei Mal dort, für mich war Gran Can jedoch ein Touristenmoloch, eine Art „Ballermann light“. Wie man sich doch täuschen kann!
FBEs war also der TransGranCanaria 2012 (TGC), für den ich erstmals diese Insel betreten habe und unsere Bleibe in der viel zu schnell gewachsenen Betonstadt Las Palmas war auch das, was ich erwartet habe: eine Touristenburg wie viele andere auf der Welt. Welch ein Glück hatten Achim und ich damals, dort nur selten frühstücken zu müssen und sonst frei waren in der Wahl der Abendrestaurants.

Aber schon der Start des TGC in Playa del Inglés im Süden der Insel zeigte mir ein anderes Bild von Gran Can. Obwohl wir zu mitternãchtlicher Stunde im Dunklen starteten, obwohl die in den Kneipen und Cafés herumsitzenden Pauschaltouristen die Horde rucksackbewaffneter Läufer höchstens mit einer Mischung aus Bewunderung, Besorgnis und Argwohn ansahen und obwohl ich die Schönheit der dortigen Dünenlandschaft in der Nacht nicht vollstãndig realisieren konnte, war da plötzlich so etwas wie ein Zauber auf der Insel.

Fünf Kilometer am Strand, links die Wellen mit ihrem Getöse, vor mir eine lange Schlange mit Läufern, die ein rotes Blinklicht auf dem Rücken tragen und hinter mir eine lange Schlange mit Läufer, deren weiße Kopflichter ein Band der Einheit bilden.
In Maspalomas, zweifellos einer der schönsten Küstenstädte der Insel, dort, wo die Wohlhabenden ihre Sommerhäuser haben, direkt am wunderschönen Leuchtturm, ging es dann Richtung Inselmitte, den gefürchteten Flußlauf hinauf, der, wenn er wie 2011 Wasser führt, die Läufer auf eine harte Probe stellt.

Zu verlieben begann ich mich wohl, als ich die Silhouette des Teide auf Teneriffa sah.
So nah, so wunderbar, so stolz ragt er auf und bewacht alle der Kanarischen Inseln.

Strahlend blauer Himmel am Roque Nublo, dem Wahrzeichen der Insel, ein Bild für Kataloge. Kletterer bestiegen diesen Felsen gerade. Wie gerne hätte ich damals dort einfach angehalten, ich wäre am liebsten gleich dort geblieben.
Ein höllensteiler Anstieg unter sengender Sonne auf den Pico de las Nieves, dem höchsten Berg der Insel, jedoch kaum mehr als halb so hoch wie der Teide, folgte. Die Blicke auf die faltige Struktur der Insel, immer neue sich zeigende Canyon und immer wieder auch der Blick auf die Dünenlandschaft im Süden, all das verzauberte mich so, dass wir als Familie beschlossen, den Sommerurlaub auf Gran Can zu verbringen, im Süden, nahe der zauberhaften Dünen.

Es wurde ein schöner Familienurlaub, in dem ich Teile des TGC in umgekehrter Richtung (siehe alter Artikel dazu) ablief und viele Trainingseinheiten am Strand oder in den Dünen machen konnte.
Es war ein Urlaub mit Tapas, „Patates con Mojo“ und mit einigen Ausfahrten in die Inselmitte, zumindest so oft, wie alle Familienmitglieder das akzeptierten. Es war aber auch ein Urlaub in die Vergangenheit.
Gabi suchte und fand alle drei Häuser, in denen sie als Kind dort Ferien machte, das „Las Gondolas“ in einer 1B Lage, das „Reina Dunas“ und das „Horizonte“, beide direkt an der Strandpromenade in allerbester Lage. Alle drei gab es noch, nur eines davon wurde mittlerweile zu Eigentumswohnungen umgebaut.
Manches aber ging in diesem Urlaub auch nicht, ich musste daher also noch einmal auf diese Insel.

In den letzten drei Monaten des vergangenen Jahres arbeiteten wir unglaublich viel, so viel wie noch nie. Laufen war da nicht mehr drin, Laufevents besuchen schon gar nicht. Aber meine Gabi und ich beschlossen, uns mit drei Wochen Urlaub auf Gran Can zu belohnen. Der Winter ist wirtschaftlich sowieso für uns unattraktiv und gegen Wärme und Strand hat ja auch niemand etwas.
Welch ein Glück, dass da auch wieder der TGC 2013 anstand. Als Urlaubsabschluss, als Ziel und Höhepunkt!KMBT_C224-20130306131820

Als Urlaubsdomizil wählten wir das Appartementhaus „Horizonte“, direkt an den Dünen und keine 50 Meter vom Start des TGC 2012 entfernt. Das Domizil hatte aber noch eine weitere Eigenschaft: es war eines der drei Häuser, in denen Gabi als Kind war, in diesem Fall vor etwa 37 1/2 Jahren!

Gleich beim Einchecken zeigten wir dort Gabis alte Fotos, die damals vor dem „Horizonte“ gemacht wurden. Diese wurden dann begeistert abfotografiert und wir waren gewissermaßen „zu Hause bei Freunden“.

In diesem Urlaub, mal nur zu zweit und somit ohne die Notwendigkeit, ständig auch auf die Stimmungslage der großen Kinder Acht geben zu müssen, konnte ich nach Herzenslust trainieren. Ob langsam mit Gabi, ob schnell alleine, ob „rauf auf die Dünen, runter von den Dünen“, ob auf der Strandpromenade, dem Strand, einer langen Treppe oder auf den Trails des TGC, ob kurz oder sehr lang, ob vor dem Frühstück, tagsüber oder in der Nacht – alles ging! Und alles wurde auch gemacht.

Das Training war so schön für mich, dass es mich dann sogar nicht mehr störte, dass der Start des TGC von „vor der Haustüre“ auf den Nordosten, in die schöne Stadt Agaete, verlegt wurde. Ein Start beim „Dedo del Dios“, dem „Finger Gottes“, im grünsten Teil der Insel hat ja auch was, dachte ich. Und so war es dann auch.
DedoDrei wundervolle Wochen Urlaub sind jetzt vorbei und Gabi wundert sich noch immer, dass sie mit diesem Urlaub wieder in die kindliche Vergangenheit zurück kam, mit all den Erinnerungen an den früh verstorbenen Vater, der dort am Strand gerne mal eine Languste aß.
Außer für den Lauf ist dieser „Circle of Life“ eben ein weiterer Grund, in Demut „DANKE“ zu sagen.

Gran Can – wir kommen wieder!
Und THE NORTH FACE TRANSGRANCANARIA – ja, trotz allem Meckern meinerseits, ich komme auch wieder zu Dir.

Danke TGC, danke THE NORTH FACE, danke Gran Can!
KMBT_C224-20130306131820

Alles neu macht der Januar …

Drei Monate ohne Schreiben, drei Monate nahezu ohne Laufen, drei Monate, die ich so nicht wiederholen will. Aber „Alles neu macht der Januar …“ heißt es ja, also nicht nach hinten sehen, sondern voraus schauen. Und dort wieder anknüpfen, wo ich im Spätsommer 2012 aufgehört habe. Aber wie beginnt man den ersten Blog-Beitrag nach so einer langen Pause?

Reinhard Mey sang vor vielen Jahren:

„Ich weiß gar nicht, wie ich beginnen soll, so viel Gedanken und mein Herz ist übervoll, so viel Gefühle drängen sich zur selben Zeit:
Freude und Demut – und Dankbarkeit.“

Mir geht es da sehr ähnlich. Ich freue mich, dass Du trotz meiner langen Abstinenz noch da bist in meinem Leserkreis und ich empfinde Demut und ein wenig schlechtes Gewissen, dass ich noch nicht vorher wieder schreiben konnte, wieder schreiben wollte. Mancher von Euch hat mich schon gebeten, das wieder zu tun – und manchem von Euch habe ich einen früheren Wiedereinstieg versprochen.
Und da ist auch Dankbarkeit, gegenüber Dir und den anderen Lesern, den Läufern, den Veranstaltern, den Partnern!

clip_image001Es ist ja so viel passiert in dieser Zeit. Joe Voglsam hat mir schon Anfang November ein Musterpaket „FitRabbit“ zum Testen geschickt, nicht wissend, dass ich für Wochen nicht mehr zu Hause sein würde.
Ein BIO Sport Drink des führenden BIO-Fruchtsaftherstellers aus dem schönen Österreich, auf Basis meiner geliebten Rote Bete-Knolle, ob das etwas hilft?
Ich habe ihm nun versprochen, die Säfte ab morgen täglich zu probieren, also fünf Tage vor dem nächsten Lauf, um dann in Indien beim Ultra India, meine zu vielen Pfunde zu kompensieren.

Gesund und wohlschmeckend - die rote Knolle, die ich so sehr liebe!

Gesund und wohlschmeckend – die rote Knolle, die ich so sehr liebe!

Apropos „zu viele Pfunde“. Auch das ist passiert in den letzten Monaten: Ich habe Muskeln ab- und Fett aufgebaut. Nicht allzu tragisch, aber der kleine Rettungsring um die Lenden nagt soch sehr an meinem Selbstbewusstsein. Und deshalb habe ich beschlossen, dass ich mich von mindestens 5 meiner vielen Kilos trennen werde. Und ich habe gleich vorgestern mit der Diät begonnen. Mal wieder „BCM“, wie damals, als alles angefangen hat.

Auch andere haben mich kontaktiert und noch nicht jeden konnte ich zurückrufen, aber all das folgt noch in diesem Monat, auf den ich voraus schaue, voraus schauen muss, wenn ich auf das Jahr voraus sehe.
Und dieses Jahr hat es doch wirklich in sich. Entweder ich werde am Jahresende der frustrierteste Läufer der westlichen Hemisphäre sein oder ich kann die mir selbst gesteckten Hürden überwinden.

Indien ist da dabei, mein schon Jahre alter Traum, Nepal, auch ein Jahre alter Traum von mir, Gran Canaria, England, die schönen Länder Schweiz und Österreich sowie auch ein paar Wiederholungsläufe, die Treppe in Radebeul zum Beispiel, der JUNUT und … auch der UTMB.
Nach 2009 muss es 2013 doch mal wieder der UTMB sein!

Und auch das hat sich in diesen drei Monaten läuferischer Abstinenz getan. Dr. Reuther, der Arzt, der mir zuletzt einen Stapel von vier ärztlichen Bescheinigungen auf einmal unterschrieben hatte, ist in den Ruhestand getreten. Und der Neue in der Praxis, Dr. Thomas Kemkes, durfte mir gleich zwei dieser neuen Bescheinigungen unterschreiben, eine für das Ultra India Race, gepaart mit einem EKG und eine für den UTMB.
Und das Beste daran: Dr. Thomas Kemkes ist auch ein Marathoni. „Nur einem im Jahr,“ sagte er mir, aber besser als gar keiner. Wichtig für mich ist ja nur, dass wir hier eine gemeinsame Sprache sprechen. Wer Marathons läuft, der weiß halt, wie Marathonis ticken. Und Ultramarathonis ticken ja genau gleich, vielleicht noch ein wenig lauter und intensiver.

Reinhard Mey singt dann weiter über sein Kind:

„Du bist ein Licht in ungewisser Zeit, ein Ausweg aus der Ausweglosigkeit, wie ein Signal, den Weg weiterzugeh‘n, Herausforderung weiter zu besteh‘n.
Wo vieles voller Zweifel, manches zum Verzweifeln ist, da macht ein Kind, dass du alle Zweifel vergißt.
Es sind in einer Welt, die ziel- und ratlos treibt, die Kinder doch die einz‘ge Hoffnung, die uns bleibt!.“

Das gilt eben auch für das Laufen: nachdem die Kinder groß sind, sind in einer Welt, die ziel- und rastlos treibt, die Läufe doch die einz’ge Hoffnung, die mir bleibt.
Beim Laufen vergesse ich alle Zweifel und beim Laufen ist die Welt überschaubar, klein und fair.

Morgen gibt es dann etwas über meine Vorbereitungen zum Ultra India Race zu lesen.

Alles neu macht der Januar …