Heilfasten – Tag 3

Der dritte Tag meiner Heilfasten-Kur war ohne große Höhepunkte. Es geht mir sehr gut und ich habe mein Programm neben der Arbeit konsequent durchgezogen. Am Morgen erst der Einlauf, den ich sogar über 15 Minuten lang in mir gehalten habe und dann wurde getrunken, getrunken und wieder getrunken.
Zuerst gab es eine Kanne Pfefferminz-Tee, richtig heiß, weil mir allgemein eher kalt ist. Das Kältegefühl resultiert übrigens aus dem Heilfasten, weil der Blutdruck gesenkt ist und daher der Körper nicht so gut durchblutet wird.

Anschließend habe ich viel Wasser getrunken und gegen Mittag habe ich mir ein warmes Süppchen gegönnt. Ein warmes Süppchen heißt beim Heilfasten, dass Du ein wenig Gemüsesaft nimmst, diesen mit viel heißem Wasser verlängerst und das Ganze dann genüsslich Löffelchen für Löffelchen schlürfst. Durch die Verdünnung bleibt nichts als buntes warmes Wasser, aber dennoch tut das so gut, dass ich mir am Nachmittag noch solch ein Süppchen gemacht habe.

Und ich war einkaufen. Ich bin sehr stolz auf mich, weil mich der Bäcker im Laden genausowenig angemacht hat wie die anderen Lebensmittel im Laden. Aber alles hat sehr intensiv gerochen, intensiver als ich es bislang kannte. Gefunden habe ich beim Einkauf im EDEKA endlich den Rote-Bete-Saft, den ich gestern im REWE nicht bekommen konnte. Und auch diesen Saft habe ich sehr stark verdünnt gleich noch getrunken.

Gesund und wohlschmeckend - die rote Knolle, die ich so sehr liebe!

Gesund und wohlschmeckend - die rote Knolle, die ich so sehr liebe!

In der Heilfasten-Gruppe haben wir uns lange über die Wirkung des Heilfastens im Körper unterhalten. Die Heilpraktikerin Barbara Retterath, die Leiterin der Gruppe, erzählte von dem durch den Entzug von Nährstoffen gierigen Blut, das dann im ganzen Körper auf die Suche nach Nährstoffen geht. Dabei werden aus dem Bindegewebe und den Fettzellen auch die Gifte herausgelöst, die über die Haut und über den Urin ausgeschieden werden. Das wiederum bedeutet, dass Reinlichkeit ganz besonders wichtig ist, aber Du weißt, dass die Gifte, Schlacken und Schadstoffe ihren Weg aus dem Körper heraus finden.

Und wir haben über die Ernährung im Allgemeinen geredet. Ich war mit meiner Einstellung zum Kaffee trinken, zum Fleischkonsum, zum Zuckerkonsum und zu Molkereiprodukten ziemlich alleine. Barbara Retterath aber versteht mich gut und teilt viele meiner Ansichten, aber sie ist erheblich diplomatischer in der Formulierung dieser Ansichten, während ich mich leicht in eine messiastische Rolle rede. Es ist halt eines meiner Lieblingsthemen. Also sind unter anderem die Themenkomplexe Geschmacksverstärker, Suchtmacher, Säure/Basen-Haushalt und die Verwertung von Abfällen diskutiert worden.

Auf jeden Fall habe ich mich heute Abend dazu entschlossen, ab morgen früh wieder etwas anzufangen, was ich früher lange Monate lang gemacht habe, das ich aber in den letzten Jahren vergessen habe.
Noch erzähle ich nichts davon, da musst Du Dich noch bis morgen gedulden. Andeuten will ich aber, dass es sich um eine alte russische präventive Heilmethode handelt.

Zum Abschluss des Tages habe ich mir noch zwei Gläser des verlängerten Rote-Bete-Safts gegönnt, um dann früh zu Bett zu gehen …

Morgen gibt es mehr!

Heilfasten – Tag 2

Der zweite Tag meiner Heilfasten-Kur war wirklich gut, was das Wohlfühl-Gefühl betrifft. Geschäftlich hatten wir zwar einigen Ärger, weil unser MS Exchange Server über das Wochenende beschlossen hat, es anders zu wollen als wir, dennoch war das ein guter Tag für mich.

Ich begann wieder mit dem Einlauf mittels des Irrigators, für den ich mir recht viel Zeit gelassen habe, weil ich sowieso sehr früh wach war und nicht mehr in Bettchen liegen bleiben wollte. Dann kochte ich und mischte mir meine Getränke für den Bürotag. Zwei Kannen Tee, eine Kanne mit einem frischen Pfefferminztee und eine mit einem kräftigen Malventee und 3 Liter einer Wasser/Saft-Mischung, die zu 70% aus stillem Wasser und zu 30% aus biologischem Gemüsesaft besteht. Noch habe ich einen Liter zu trinken, wahrscheinlich muss ich mir heute Abend einen neuen Krug anmischen.

Du sollst während des Heilfastens täglich zwei bis drei Liter trinken, gerne auch vier Liter. Da ich auch im normalen Leben sehr viel trinke, denke ich, dass ich auch diese Heilfasten-Trinkmenge ein wenig erhöhen darf. Fünf bis sechs Liter sollten es am Ende des Tages also schon sein, finde ich.
Das exzessive Trinken hält auch den Magen voll und den Hunger klein. Eigentlich habe ich überhaupt keine nennenswerten Hungergefühle und die gefürchteten Kopfschmerzen, von denen oft berichtet wird, habe ich auch nicht, weder heute noch in der letzten Heilfasten-Kur. Alles ist wirklich entspannt und harmonisch.
Nur wenn ich meinen Sohn einen gedeckten Apfelkuchen essen sehe, dann will das jahrelang eingeübte Ritual wieder Besitz von meinen Gedanken nehmen: „Iss, TOM, iss!“ Aber meine Hand zuckt nicht nach herumliegenden Keksen und ich kann meiner Familie entspant beim Essen zusehen – und mein Wasser dabei trinken.

Heilfasten nach Buchinger - das Erlebnis für Körper und Geist

Heilfasten nach Buchinger für ein neues Lebensgefühl und für mehr Vitalität - ein Erlebnis für Körper und Geist

Bei meiner ersten und letzten Heilfasten-Kur habe ich sehr von dem täglichen Newsletter des Heilpraktikers René Gräber profitiert, denn Du Dir hier bestellen kannst, nur für den Fall, dass Du auch überlegst, Deinem Körper eine Woche Urlaub vom Essen und vom Verdauen zu gönnen. Der Newsletter ist kostenfrei und informiert Dich jeden Morgen, was an dem Tag „X“ Deiner Heilfasten-Kur passiert, wie der Körper und der Geist reagiert und was René Gräber Dir empfiehlt, um den Tag gut hinter Dich zu bekommen. Mir hat dieser Newsletter damals bei Durchhalten sehr geholfen und ich habe ihn schon oft weiterempfohlen, vielleicht hast Du schon von diesem Newsletter gelesen oder gehört.

Schön ist auch, dass René Gräber ein toller Mensch ist, dessen Interessen nicht ausschließlich dem eigenen Vorteil dienen. Seinen Artikel über die „Grippe-Lüge“ habe ich ja schon mal gepostet und beizeiten werde ich auch etwas über zu Artikel über „Die Grüne Gentechnik-Lüge“ schreiben. Auf der Ernährungsseite meiner Webseite www.marathonundlaenger.de habe ich auch einiges über die Probleme des Zuckerkonsums geschrieben, vieles davon stammt aus der Feder von René Gräber.

Heute Abend werden wir uns als Gruppe zum zweiten Mal treffen. Es ist das erste Treffen nach dem Entlastungstag, dem „Tag 1“ und dem „Tag 2“ des Heilfastens. Ich bin gespannt, was die anderen Gruppenteilnehmer zu berichten haben. Da ungefähr ein Drittel der Teilnehmer noch nie eine Heilfasten-Kur mitgemacht haben, bin ich vor allem auf diese Berichte gespannt. Vorher werde ich aber erst noch einkaufen gehen und ich hoffe, dass ich auch einen Rote-Bete-Saft bekomme. Ich liebe ja Rote Bete auch im normalen Leben, jetzt beim Heilfasten denke ich, dass Rote-Bete-Saft, verdünnt mit zwei bis drei Teilen stillem Wasser, eine köstliche Alternative ist zu den Tees.

… ich berichte weiter!

Heilfasten – Tag 1

Ich habe mich in Bad Neuenahr einer Heilfasten-Gruppe angeschlossen. Es ist das zweite Mal in meinem Leben, dass ich heilfaste. Das erste Mal war im Frühjahr 2008 und ich erinnere mich noch gut daran. Damals wollte ich die Heilfasten-Kur in jedem Frühjahr wiederholen, aber dann habe ich es heuer doch nicht geschafft.
Als ich dann aber in der Zeitung eine Einladung der KVHS (Kreis-Volkshochschule) gelesen habe, dass da ein neuer Kurs angeboten wird, habe ich mich sofort angemeldet.
Heilfasten

Statt zu laufen werde ich jetzt heilfasten ...

Am Freitag Abend haben wir uns zum ersten Mal getroffen und die theoretischen Bedingungen des Heilfastens besprochen. Das ist vor allem für diejenigen, die zum ersten Mal heilfasten wichtig. Wir haben darüber gesprochen, wie lange eine Heilfasten-Kur dauern sollte und dauern kann. Ich habe mich für die „klassische“ Länge von 7 Tagen entschieden, so lange habe ich auch in 2008 gefastet.
Es wurde festgelegt, was man in dieser Zeit zu sich nehmen darf: Wasser, viel Wasser, Gemüsebrühe, abgeseiht und Gemüsesäfte, stark verdünnt und ohne feste Bestandteile. Manchmal hilft es, auch warmes Wasser zu trinken, um den Körper zu beruhigen.

Ganz wichtig ist aber, dass der Darm entleert ist bzw. entleert wird. Ich werde mir dafür einen täglichen Einlauf mit dem Irrigator gönnen, denn das Glaubersalz oder die Alternativen dazu schmecken fürchterlich und Du kommst einen halben Tag nicht mehr von der Toilette runter. Einen Einlauf mit schön warm temperiertem Wasser empfinde ich als sehr angenehm und die 12 Minuten, in denen Du das Wasser in Dir halten sollst, kamem mir immer kurz und unproblematisch vor. Außerdem hast Du am Morgen wirklich Zeit, über Dich nachzudenken und „in Dich zu gehen“. Gerade aus diesem Grund werden Heilfasten-Kuren häufig mit einer Woche im Kloster verbunden, dort kommen die innere Einkehr, das Heilfasten und das Meditieren zusammen. Ich habe leider keine Zeit, um mich aus dem Beruf heraus zu ziehen, also mache ich das Heilfasten berufsbegleitend.

Gerade für uns Sportler ist es zudem wichtig zu wissen, dass der Körper nach zwei, drei Tagen des Fastens (zwei, drei Tage, die durchaus auch weniger angenehm sein können, wenn das Hungergefühl nicht besiegt werden kann), auf die „innere Ernährung“ umschaltet. Danach ist das Fasten leicht, es gibt keine Hungergefühle mehr, Dir macht es nicht einmal mehr etwas aus, wenn Dein Partner neben Dir die leckersten Sachen ist. In dieser Phase finde ich es erstaunlich, dass ich ohne Probleme an offen herumliegenden Süßigkeiten vorbei komme, im normalen Leben gelingt mir das leider viel zu selten, was meine Gewichtsprobleme trotz des vielen Laufens erklärt. Die „innere Ernährung“ führt aber dazu, dass die Muskelmasse angegriffen wird, weil sie leichter abzubauen ist wie beispielsweise Fette. Also nimmst Du ab, aber eben an Muskelmasse.

Um dieses Problem zu verringern, solltest Du Dein normales Sportprogramm weiter führen. Ich habe in 2008 sogar das Programm enorm ausgeweitet und so war ich täglich zumindest auf dem Tennisplatz. Ich erinnere mich noch, dass ich am letzten Tag des Heilfastens, am Samstag, sogar noch einen 13km Wettkampf gelaufen bin, den Ahruferlauf. Ich hatte aber mit hochroter Birne enorm leiden müssen und bin bei weitem nicht an die Zeit herangekommen, die ich mir vorgestellt habe.

Vor den eingentlichen Heilfasten-Tagen kommt ein Entlastungstag. Der war gestern. Gestern aß ich nur eine Birne zum Frühstück und noch einen Salat zum Abend. Beim Löwen-Marathon in Hachenburg nahm ich nur Äpfel zu mir und auch die habe ich nur ausgekaut und dann ausgespuckt. Dass ich so ganz ohne feste Grundlage keinen guten Marathon hinbekommen habe, ist klar. Dass ich aber so „rumgememmt“ habe, wie es nachher passiert ist, das hätte ich doch nicht gedacht.

Heute ist also der Heilfasten-Tag Nummer 1. Ich sitze mit einem heißen Kräutertee vor dem Laptop und bereite mich mental auf das Fasten vor. In einer guten halben Stunde werde ich zum Tennis fahren und meinen Sonntagmorgen-Tenniskreis besuchen. Seit Jahren spiele ich immer in der Wintersaison am Sonntag Vormittag zwei Stunden Doppel in einer Meckenheimer Tennishalle mit interessanten, meist etwas älteren Herren. Nur wenn ich einen Lauf mache, fällt dieser Termin gelegentlich aus. Ich versuche aber in der Wintersaison, möglichst die Läufe am Samstag zu wählen, damit ich mit meinem Tennis im Winter nicht zu kurz komme.

Direkt im Anschluss an das Tennis werde ich mir den Einlauf machen. Ich habe leider zu lange geschlafen, um ihn noch vor dem Tennis, also gleich nach dem Aufstehen, hinzubekommen. Am ersten Tag ist es aber nicht schlimm, wenn ich das um ein paar Stunden verschiebe.

In 15 Stunden ist dann der Heilfasten-Tag Nummer 1 vorbei, dann folgen noch 6 weitere Tage … ich informiere täglich!

AFRIKA – der schönste Kontinent …

Ich bin ein Afrika-Fan!

Es begann vielleicht mit den ersten Worten von Karen Blixen (geboren als Karen Christenze Dinesen, in  Deutschland unter dem Pseudonym „Tania Blixen“, in den angelsächsischen Ländern als „Isak Dinesen“ bekannt) in „Jenseits von Afrika“:

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„Ich hatte eine Farm in Afrika, am Fuße der Ngong Berge …“

Sehnsuchtsvolle Worte, gesprochen zu wunderschönen ruhigen Bildern und elegischer Musik in einem Film, der noch immer zu meinem Lieblingsfilmen zählt, auch wegen des großartigen Robert Redford und der bezaubernden Meryll Streep.

Aber richtig fasziniert hat mich Afrika bei meinem Trip auf den 5.895 Meter hohen Kilimanjaro (Kilimandscharo-Massiv), den Kili, die ehemalige „Kaiser Wilhelm Spitze“, das „Dach Afrikas“.
Wir fuhren durch Kenia und durch Tanzania, wir besuchten Krankenstationen, in denen AIDS das Thema schlechthin war und wo Kinder regelmäßig mit Verbrühungen lagen, weil häufig noch immer traditionell die Töpfe auf einem Feuer in der Rundhütte auf drei Steinen steht und die Kinder den Topf dann beim Spielen umwerfen. Und wir besuchten afrikanische Kirchen, wir erlebten eine christliche Messe dort wurden anschließend von den Frauen eines Dorfes zu unserem Auto getragen, einem offenen Pick-Up, auf dessen Ladefläche wir alle standen. Ein tolles Festbankett wurde für uns veranstaltet, bei dem eine Ziege über dem offenen Feuer gegrillt wurde und die dann als ganze Einheit mit Kopf und Gemächt vor uns auf dem Tisch stand. Ein wenig anders wurde mir bei dem Anblick schon und ich war noch nie so froh, kein Fleisch zu essen. Aber die Begeisterung, der Lebenswille und die Hilfsbereitschaft dort war in echtes Erlebnis und das, obwohl wir wirklich in Problemregionen unterwegs waren.

Wir sahen unglaublich reiche Afrikaner, hektische und florierende Städte, Verkehrsstockungen wie in Asien und gleich neben all dem stand ein Massai, der, in traditionelle Tracht gekleidet, das Treiben der Menschen skeptisch beobachtete. Und wir gingen auf Fotosafari in zwei unglaublich schöne Nationalparks, in den „Ngorongoro Krater“ (Ngorongoro Conservation Area)  und in den „Tarangire Nationalpark“ (Tarangire National Park). Diese Eindrücke haben mich sehr bewegt, vor allem, als ein nur wenige Tage altes Löwenbaby schnurstracks auf unseren Safari-Wagen zugelaufen kam. Leider darf man da nicht aus dem Wagen raus und das Streicheln des Babies hätte die Löwin wohl auch nicht so toll gefunden, aber ich stellte mir vor, wie weich und knuddelig dieses Löwenbündel doch sein müsse. Dort habe ich auch gelernt, dass das Bild von Afrika, das uns „Westlern“ von Kindesbeinen auf eingetrichtert wurde, nur sehr bedingt stimmt. Ein kleines Beispiel: da lagen die Löwen faul in der Sonne, obwohl die Zebras nur wenige Meter weit weg waren und es war Frieden. Kein Löwe jagt, wenn es nicht unbedingt sein muss. Und kein Löwe hat ein Konto, auf das er seine Beute, die er nicht verspeisen kann oder will, einzahlt, um für später vorzusorgen. Nur das „HEUTE“ zählt.

Im vergangenen Jahr haben wir uns dann Namibia angesehen und sind dort von Süd nach Nord, von der Mitte nach Osten, nach Westen und wieder zurück gefahren. Wir sind in die Vorstädte gefahren, auch dorthin, wo gemeinhin kein Tourist sich blicken lässt. Überall haben wir nette, freundliche und aufgeschlossene Menschen kennen gelernt und wir fühlten uns stets sicher und behütet.

Warum schreibe ich all das?

Eigentlich nur, um klar zu machen, dass Afrika ein Kontinent ist, kein Land. Eine Sammlung verschiedenster Menschen, Reiche und Arme, Stadt und Land, Intellektuelle und Native, alle Vegetationsstufen von der Wüste bis zu den Tropen, hohe Berge, endlose Weiten. Und doch denken wir in Europa häufig in Klischees über Afrika. Wir denken an Armut, an korrupte Politiker, an AIDS, Malaria und andere Krankheiten. Um diese Vorurteile weiter zu pflegen, hat Binyavanga Wainaina, ein kenianischer Schriftsteller, der in Nairobi lebt, eine entsprechende Anleitung für uns Europäer verfasst, nicht ohne Süffisanz, wie ich ergänze. Binyavanga Wainaina ist der Gründer und Leiter der Literaturzeitschrift „Kwani“ in Nairobi. Der Artikel wurde in der Süddeutschen Zeitung abgedruckt, ich finde ihn lesenswert, interessant und absolut zutreffend:

Schreiben Sie so über Afrika! Stöhnen ist gut: Eine Anleitung!

Verwenden Sie im Titel die Worte „Afrika“, „Finsternis“ oder „Safari“, im Untertitel können außerdem Begriffe wie „Sansibar“, „Nil“, „Groß“, „Himmel“, „Schatten“, „Trommel“ oder „Sonne“ auftauchen. Immer hilfreich sind Wörter wie „Guerillas“, „zeitlos“, „ursprünglich“ oder „Stamm“.

Zeigen Sie niemals das Bild eines modernen Afrikaners auf dem Buchumschlag, es sei denn, er hätte den Nobelpreis gewonnen. Verwenden Sie stattdessen: eine Kalaschnikow, hervortretende Rippen, nackte Brüste. Falls Sie tatsächlich einen Afrikaner abbilden müssen, nehmen Sie einen Massai, Zulu oder Dogon.

In Ihrem Text sollten Sie Afrika als ein einziges Land behandeln. Es sollte heiß und staubig sein mit wogenden Weiden, riesigen Tierherden und großen, dürren Menschen, die Hunger leiden. Oder heiß und schwül mit sehr kleinen Menschen, die Affen essen. Verzetteln Sie sich nicht in detaillierten Beschreibungen. Afrika ist groß: 54 Länder und 900 Millionen Menschen, die viel zu sehr damit beschäftig sind, zu hungern, zu sterben, zu kämpfen und auszuwandern, als dass sie Zeit hätten, Ihr Buch zu lesen. Der Kontinent ist randvoll mit Wüsten, Regenwald, Savanne und vielem anderem, aber Ihrem Leser ist das egal, deshalb beschränken Sie sich am besten auf romantische, raunende und eher unspezifische Darstellungen.

Betonen Sie, wie tief Musik und Rhythmus in der afrikanischen Seele verwurzelt sind, und bemerken Sie, dass Afrikaner Dinge essen, die niemand sonst runterbringt. Kein Wort über Reis, Rindfleisch oder Weizen. Zur afrikanischen Cuisine gehört Affenhirn, außerdem Ziege, Schlange, Würmer, Larven und jede Sorte Wild. Lassen Sie den Leser wissen, wie Sie gelernt haben, alles dies zu essen und sogar zu genießen. Weil Ihnen daran liegt.

Enden Sie mit Mandela

Tabu-Themen sind Alltag, Liebe (es sei denn, es ginge auch um Tod), afrikanische Schriftsteller oder Intellektuelle, Schulkinder, die nicht unter Ebola oder anderen schlimmen Krankheiten leiden. Der Ton Ihres Buches sollte gedämpft sein und eine gewisse Komplizenschaft mit dem Leser zum Ausdruck bringen. Ihre Haltung ist ein betrübtes „Ich-hatte-so-viel-erwartet“. Erwecken Sie früh den Eindruck einer zutiefst liberalen Grundeinstellung, und kommen Sie rasch auf Ihre unerschütterliche Liebe zu Afrika zu sprechen. Afrika ist der einzige Kontinent, den Sie lieben dürfen – machen Sie was draus! Wenn Sie ein Mann sind, werfen Sie sich dem jungfräulichen Regenwald in die Arme. Sind Sie eine Frau, betrachten Sie Afrika als Mann mit Buschjacke auf dem Weg in den Sonnenuntergang. Afrika muss man bemitleiden, ihm huldigen oder es beherrschen. Aber ganz egal, wofür Sie sich entscheiden – ohne Ihr Engagement und Ihr Buch würde Afrika vor die Hunde gehen. Lassen Sie daran keinen Zweifel.

Zu den afrikanischen Figuren Ihres Buches könnten nackte Krieger, treue Diener, Wahrsager und Seher gehören, weise alte Männer in phantastischer Einsamkeit. Außerdem korrupte Politiker, polygame Reiseleiter und Prostituierte, mit denen Sie geschlafen haben. Der Treue Diener benimmt sich in der Regel wie ein Siebenjähriger und braucht eine strenge Hand. Er fürchtet sich vor Schlangen, ist kinderlieb und verwickelt Sie ständig in seine häuslichen Streitereien. Der Weise Alte Mann gehört immer zu einem edlen Stamm (nicht zu den geldgierigen Gikuju, Igbo oder Shona). Er hat triefende Augen und ist innig mit der Erde verbunden.

Der Moderne Afrikaner ist ein raffgieriger Fettsack, der in einem Visabüro arbeitet und sich weigert, qualifizierte Mitarbeiter aus dem Westen einreisen zu lassen, obwohl ihnen wirklich an Afrika liegt. Er ist ein Feind jeder Entwicklung und nutzt sein Regierungsamt, um pragmatische und gutherzige Ausländer daran zu hindern, eine Nicht-Regierungs-Organisation aufzuziehen. Vielleicht ist er aber auch ein ehemaliger Oxford-Absolvent, der in der Politik zum Serienkiller wurde und feine Anzüge trägt. Ein Kannibale mit einer Vorliebe für eine bestimmte Champagner-Marke und einer Hexe als Mutter, die in Wahrheit das Land regiert.

Auf keinen Fall darf die Hungernde Afrikanerin fehlen, die sich halbnackt von Lager zu Lager schleppt. Ihre Kinder haben Fliegen in den Augenwinkeln und Hungerbäuche, ihre Brüste sind leer. Sie hat keine Geschichte, keine Vergangenheit, das würde nur die Dramatik des Augenblickes stören. Stöhnen ist gut.

Bringen Sie außerdem irgendwie eine warmherzige, mütterliche Frau mit tiefem Lachen unter. Sie nennen sie Mama. Ihre Kinder sind Kriminelle. Gruppieren Sie diese Figuren um Ihren Helden. Der Held sind Sie selbst (Reportage) oder eine gut aussehende tragische Berühmtheit, die sich im Tierschutz engagiert (Roman). Zu den Bösewichtern aus dem Westen könnten die Kinder konservativer Abgeordneter gehören oder Afrikaner, die für die Weltbank arbeiten. Falls Sie die Ausbeutung durch ausländische Investoren erwähnen möchten, denken Sie an Chinesen und Inder. Geben Sie dem Westen die Schuld an der Misere in Afrika. Aber bleiben Sie vage.

Vermeiden Sie es, lachende Afrikaner zu beschreiben oder Menschen, die einfach nur ihre Kinder erziehen oder irgendetwas Banales tun. Die Afrikaner in Ihrem Buch sollten bunt, exotisch, überlebensgroß sein – aber hohl, ohne Entwicklungen und Tiefe. Das würde die Sache nur verkomplizieren.

Beschreiben Sie detailliert nackte Brüste (junge, alte, vor kurzem vergewaltigte, große, kleine), verstümmelte Genitalien oder geschmückte Genitalien. Jede Art von Genitalien. Und Leichen. Nein, noch besser: nackte Leichen. Am besten: nackte verwesende Leichen. Denken Sie daran, dass schmutzige, unglückliche Menschen als das „wahre Afrika“ gelten. Sie müssen sich deshalb nicht schlecht fühlen. Sie versuchen ja nur, Hilfe aus dem Westen zu mobilisieren. Keinesfalls sollten Sie allerdings jemals tote oder leidende Weiße zeigen.

Tiere wiederum beschreiben Sie als hochkomplexe Charaktere. Tiere sprechen oder grunzen, sie haben Namen, Ziele und Sehnsüchte. Und sie legen Wert auf ihre Familien: Haben Sie bemerkt, wie schön die Löwen mit ihren Jungen spielen? Elefanten sind liebevoll, sie sind gute Feministinnen oder eindrucksvolle Patriarchen. Gorillas ebenfalls. Sagen Sie nie, nie, nie etwas Schlechtes über einen Elefanten oder einen Gorilla. Selbst wenn ein Elefant Häuser niedertrampelt und vielleicht Menschen tötet.

Neben Prominenten und Helfern sind Umweltschützer die wichtigsten Menschen in Afrika. Legen Sie sich nicht mit ihnen an, schließlich wollen Sie sie mal auf ihrer riesigen Ranch interviewen. Jeder sonnengebräunte Weiße in Khaki-Shorts, der mal eine Hausantilope hatte, ist ein Tierschützer, der um Afrikas reiches Erbe ringt. Fragen Sie nie, wie viel Geld er wirklich für Afrika ausgibt. Fragen Sie nie, wie viel er mit seiner Safari-Ranch verdient. Fragen Sie nie, was er seinen Angestellten zahlt.

Vergessen Sie nicht, das Licht in Afrika zu erwähnen, Ihre Leser wären enttäuscht. Den großen, roten Sonnenuntergang. Den weiten Himmel. Weite leere Räume und wilde Tiere sind unverzichtbar. Afrika ist geradezu das Land weiter leerer Räume. Sollten Sie allerdings über die Vielfalt von Pflanzen und Tieren schreiben, erwähnen Sie die Überbevölkerung. Sollte sich Ihr Held in der Wüste oder im Dschungel bei irgendeinem indigenen Volk befinden (Hauptsache, es ist klein), dürfen Sie erwähnen, dass Aids und Kriege Afrika entvölkern.

Beenden Sie Ihr Buch mit einem Nelson-Mandela-Zitat, am besten mit irgendetwas über Regenbögen oder Wiedergeburt. Weil Ihnen daran liegt.