Das Weihnachtswunder und die Kölnpfadfamilie!

Am Anfang war die Idee. Sie kam aus dem Kreis der Teilnehmenden und sie war noch sehr jung, noch ein sehr kleines Pflänzchen.
„Was wäre, wenn wir 2025 eine Wanderung durchführen würden, bei der Erlöse teilweise oder ganz dem „WDR2 Weihnachtswunder“ zugute kommen?“
Wir werden ja fast wöchentlich mit Ideen konfrontiert, was wir alles machen könnten oder sollten. Ideen gibt es viele, aber erst dann beginnt die eigentliche Arbeit.
– Passt diese Idee zu unserer Familienphilosophie?
– Sind wir personell und finanziell in der Lage, eine (bestimmt oft großartige) Idee umzusetzen?

Und erst wenn diese Fragen positiv beantwortet werden können, dann folgen die Fragen im Detail.
Im Fall der Wanderung für das „WDR2 Weihnachtswunder“ war zuerst zu klären, wie lange solch eine Wanderung sein soll. Da wir „aus Gründen“ die Zahlen 1, 7 und wieder die 1 lieben gelernt haben, entschieden wir uns für die Länge von 17,1km.
Danach entschieden wir die Frage, wo wir enden wollen, mit dem Kölner Dom, mit der Kölner Innenstadt. Für den Startpunkt haben wir dann zwei Szenarien entwickelt, entweder wir gehen vom Norden runter oder vom Süden rauf bis zur Hohenzollernbrücke, um diese wunderschöne Brücke mit den Tausenden von Liebesschlössern als Abschluss der Wanderung zu erleben. Wir entschieden uns für die zweite Variante und wählten die Endstation der Straßenbahn der Linie 7 in Köln Zündorf als Startpunkt.
Um aber nun wirklich 17,1km hinzubekommen mussten wir zwei Verlängerungen einbauen. Also zuerst ein paar Meter in den Süden gehen, das war das Eine. Und zwei zusätzliche Brücken einbauen war das Andere. Wir entschieden uns für die Südbrücke, eine reine Eisenbahnbrücke, bei der allein der Aufstieg durch die vielen Graffiti-Bilder ein Genuß ist und für die Deutzer Brücke, um auch eine längere Strecke linksrheinisch zu haben.

Die nächste Frage, die sich stellte war, wie wir es mit dem Spendengeld halten wollten. Wir haben die Möglichkeit diskutiert, einen festen Betrag jeder Anmeldung für das „WDR2 Weihnachtswunder“ zu verwenden, das schien uns aber nicht prägnant genug zu sein, kann da doch der Eindruck entstehen, dass man die Startgelder eben um jenen festen Betrag erhöht. Somit hätte man selbst keinen echten eigenen Beitrag geleistet.
Auch die Überlegung, „den Überschuss“ diesem sozialen Zweck zur Verfügung zu stellen, erschien uns nicht plausibel, weil es unser Ziel war, einen eigenen Beitrag zu dieser Veranstaltung zu leisten.
Also entschieden wir uns, das gesamte Startgeld als Spendenbetrag zu betrachten und die Kosten der Veranstaltung selbst zu tragen.
Um das Ganze für uns bezahlbar zu halten, entschieden wir uns, maximal 171 Teilnehmende zuzulassen.
Damit aber auch eine nennenswerte Summe für das „WDR2 Weihnachtswunder“ zusammenkommen konnte, baten wir um eine Mindestspende von 17,10 EUR pro Person. Dankenswerterweise haben die meisten Teilnehmenden diese Mindestspende aufgerundet, teilweise sogar signifikant. Das war ein Erlebnis, das ich wohl niemals vergessen werde.
Soweit, so gut.
Wir entschieden, einen VP einzurichten, der aber nicht im „Kölnpfadstandard“ ausgestattet sein sollte, sondern nur eine Grundversorgung ermöglichen sollte. Im Ziel sollte es einen Weckmann und ein Glas Glühwein für jeden Finisher geben.
Bei den benötigten maximal 171 Weckmännern fanden wir in der Bäckerei BOLTEN, Duisburg, einen Partner, der uns preislich entgegenkam, das war also einfach. Den Glühwein wollten wir selbst herstellen, so die Idee.
Nun kam aus dem Kreis der Kölnpfadfamilie die Nachfrage, ob wir diese Spendenwanderung auch virtuell anbieten könnten, damit hatten wir ursprünglich gar nicht gerechnet. Also neu überlegen und weitere 171 Startplätze zur Verfügung stellen.
Virtuelle Wanderer können aber keinen Weckmann und keinen Glühwein von uns bekommen, also müssen Urkunden her und Medaillen, damit der virtuelle Wanderer etwas „handfestes“ bekommt, um diese Veranstaltung gut in Erinnerung zu behalten. Beides musste designed und bestellt werden, aber das gehört dann eher in die Abteilung „macht doch Spaß“.

Und da war natürlich auch noch die Korrespondenz mit dem „WDR2 Weihnachtswunder-Team“. Die Teammitglieder mussten informiert und inspiriert werden, ein halbes Dutzend Mails gingen also Richtung WDR, bis wir die Zusage erhielten, dass eine Moderatorin des WDR, Katharina, sich bei uns wegen einen kleinen Interviews melden würde. Dieses Interview am Donnerstag, 11.12.2025, also zwei Tage vor dem Event, war großartig und brachte nochmal einen riesigen Schub in die Anmeldungen, vor allem für die virtuelle Wanderung. Vor allem aber brachte es Teilnehmende, die bisher noch nie ein Event von uns besucht hatten. Danke WDR2!
Den Mitschnitt dazu findest Du auf unserer Webseite https://koelnpfad.com/13-12-2025-die-koelnpfadfamilie-wandert-fuer-den-guten-zweck/.
Als Ziellocation hatten wir ein Hotel am Dom im Blick. Dort haben auch schon andere Laufveranstaltungen geendet. Wir waren also ziemlich sicher, dass das funktionieren würde.
Es war dann am Dienstag vor der Veranstaltung, dass uns dieses Hotel abgesagt hatte. Merde! Shit!

Was nun, dachten wir und ich begann „Klinken zu putzen“. An einem Adventssamstag kurz vor Weihnachten, zudem am Abend, war es schwer, überhaupt offene Ohren für solch eine Aktion zu finden ist schwierig, das habe ich bei den vielen Anfragen gelernt. Linksrheinisch in der ersten Reihe ging gar nichts, also weiter in der zweiten Reihe, vom Rhein aus gesehen. Auch hier – Fehlanzeige.
Der Blick ging dann über den Rhein, da gibt es den Landschaftsverband Rheinland mit einem großen Gebäude und … da ist doch ein Pop-up Glühweinstore. Da frage ich doch einfach mal nett nach.
Schnell wurden wir uns einig, wenngleich natürlich mit der Prämisse, dass der Shop seinen sehr guten Glühwein verkaufen kann, wir aber bekommen die Location mit einem atemberaubenden Blick auf die Hohenzollernbrücke und auf den Kölner Dom.

Die Bestätigung durch die Geschäftsleitung folgte einen Tag später – Bingo! So soll es sein.
Und als Belohnung für die Steckenänderung gab es für die Teilnehmenden der Präsenzwanderung einen neuen Track und die Zusage, ebenfalls eine Medaille zu erhalten.
Nun dachten wir über den VP nach und die Bestückung. „Nur ein Wasser-VP“ war ausgeschrieben, aber wer mich kennt, der weiß, dass es bei uns immer ein wenig mehr sein darf. Also gab es neben Wasser, still und mit Kohlensäure, auch einen warmen Zitronentee, Coca-Cola und weihnachtliche Spekulatius.

Was wir bekommen haben, das waren 280 Teilnehmende, davon 146 Teilnehmende in der Präsenzveranstaltung und stolze 134 Teilnehmende in der virtuellen Variante. Es gab eine Großspende einer befreundeten Wanderveranstaltung und es gab Personen, die zwar nicht wandern, aber helfend beitragen wollten. Großartig, wer hätte das gedacht?
Und diese 280 Teilnehmenden haben dann, zusammen mit der Großspende und den Gönnern, 7.079,20 EUR als Spendensumme eingebracht.

Für den 16. Dezember 2025 hatten wir geplant, den symbolischen Scheck an das „WDR2 Weihnachtswunder-Team“ zu übergeben. Also erst solch einen Riesenscheck besorgen, nach Essen fahren, ein wenig zeitliche Sicherheit einbauen. Aber wir waren pünktlich, sogar etwas überpünktlich.
Dort auf dem Bugplatz in Essen herrschte allerdings Karneval, Weihnachten und Ostern zusammen. So viele Menschen, Kameras, die das Ganze live ins Netz übertrugen, Schlangen von Menschen, die ihr Scherflein beitragen und einen Musikwunsch ergattern wollten und die Hauptschlange stand vor dem WDR2 Glashaus. Sie reichte über den ganzen Platz, um die Kurve herum und weit in die Nebenstraße hinein. 150 Minuten Anstehzeit waren vorhergesagt – und das mit einer bestenfalls minimalen Chance, im Radio wieder Gehör zu finden.
Also haben wir uns entschlossen, einen alternativen Plan zu entwickeln und wir haben uns mit der schönen Kölnpfad UltraWandern 2025 Rückwand vor eine große blaue „WDR2 Weihnachtswunder-Säule“ zu stellen, dort ein paar Fotos zu machen und machen zu lassen, die Überweisung des Geldes findet dann ganz banktechnisch mittels SEPA statt.

Was wirklich beeindruckend war, ist, wie viele Menschen, Gruppen, Vereine, Schulklassen dabei waren. Und welche Summen hier generiert wurden. Auf der Hinfahrt erzählte man im WDR2 von einer Schulklasse, die ein Sponsorenschwimmen veranstaltet hatte. Jede 25 Meter Bahn brachte Geld für das „WDR2 Weihnachtswunder“. Und die Kids schwammen mal 38 Bahnen, mal 45 Bahnen und sie schafften es, stolze 13.000+ EUR zusammenzuschwimmen.
All das zeigt, dass der WDR2 mit diesem Programm einen Nerv der Bevölkerung getroffen hat. Auch wenn wir uns eine schönere Scheckübergabe gewünscht hätten, angesichts dessen, dass wir nicht einmal ein Promille zur Gesamtspendensumme beitragen konnten, war es ein echtes Erlebnis, das Treiben auf dem Essener Bugplatz zu erleben, natürlich bei bestem „Frühlingswetter“ mit Sonne und 14 Grad Temperatur.
Alles richtig gemacht, denke ich und ich verneige mich in Demut vor allen Personen, die Teil dieser Spendenwanderung waren, ob als Teilnehmende, als Gönner oder auch als Partner.
Danke und auf ein Neues in 2026!

Einmal Zugspitze und wieder zurück

Im Anfang war …, nein, nicht der Wasserstoff, wie Hoimar von Ditfurth geschrieben hat.
Im Anfang war der Wetterbericht für das lange Wochenende mit Christi Himmelfahrt, also mit dem Vater- und dem Muttertag.
Und fast zwangsläufig fragt man sich, was man an einem solchen Wochenende denn anstellen will.
Mit dem Bollerwagen auf Sauftour gehen ist nicht so „mein Ding“ und zu Hause bleiben wollte ich auch nicht. Marita konnte einen Brückentag nehmen, alles war bereit für ein langes Wochenende draußen.
Und dieses „draußen“ sollte in Bayern stattfinden.

So lange schon wollte ich wieder mal auf die Zugspitze rennen. Von der Sprungschanze in Garmisch-Partenkirchen auf die Zugspitze und wieder zurück war also der Plan für den Freitag. Für den Vatertag stand nur die weite Anreise auf dem Plan. Und ein Anruf.
Ich wollte nach Möglichkeit nicht alleine auf den Berg gehen, also fragte ich den langjährigen Freund und Lauf- sowie Wanderveranstalter Michael „Michi“ Raab, der bei München wohnt, ob er nicht vielleicht spontan Lust hätte, mitzukommen.
Er hatte, aber er fragte mich, wie es denn mit dem Schnee aussehen würde. Schnee? Tja, dachte ich, die Wege werden frei sein, Schnee gibt es halt neben den Wegen. Ein Irrtum, wie sich herausstellen sollte.
Ich bin da dort zu viel „Flachland-Touri“, der sich die falschen Fragen stellt.
Wir haben uns für 6.00 Uhr vor der Sprungschanze vereinbart, aber verunsichert durch Michis Frage habe ich dann doch noch einmal die Webcams der Zugspitze angesehen, ich sah aber nur Nebel und viel Weiß.
Egal, dachte ich, ich brauche diesen Aufstieg für mein Selbstvertrauen, das mich ja am nächsten Wochenende auf dem Ruhr-Radweg begleiten soll. In meinem Trainingszustand läufst Du, wenn überhaupt, eine solche Monsterstrecke nur mit dem Kopf, mit dem Selbstvertrauen und der Gewissheit, diese 230 Kilometer schon zwei Mal gepackt zu haben. Zweifelst Du, gibst Du Deinen Gedanken Raum, dann wird das nichts geben.
Knapp 6 Stunden von Garmisch über die Partnachklamm auf die Zugspitze und knapp 5 Stunden für den Rückweg, das sind die Zeiten, die ich anstrebe und die ich „früher“ geschafft habe. Diese Zeiten waren auch letzten Freitag unsere Ziele. Aber es kam anders.

Mein Freiburg Marathon – eine Zeitreise …

Ich weiß gar nicht mehr genau, wann ich zum ersten Mal vom „Mein Freiburg Marathon“ gehört habe. Aber ich wusste sofort, dass ich auch diesen Marathon einmal absolvieren werde, trotz der zwei Runden. Zwei-Runden Marathons sind ja nicht unbedingt das, was sich ein Läufer wünscht, aber für manche Städte mache ich gerne eine Ausnahme. Für Freiburg, zum Beispiel.

Es war Winter, als ich das erste Mal in Freiburg war. Es war im Januar 1986, ich hatte gerade die ALDI Filialen in Freiburg und Freiburg-Land zu Betreuung erhalten, wohnte noch in der schönen Stadt Rottweil, sehr zentral am Schwarzen Tor, und ich fuhr täglich durch den Schnee des Höllentals, morgens runter, abends rauf.
Ich brauchte nicht lange, um mich in diese Stadt zu verlieben. Die Stadt mit den kleinen Bächlein, die die Fußgängerzone durchziehen, die Stadt mit den niedrigen Häusern auch in den Haupteinkaufsstraßen. Gut, dass man dort in den Fünfzigern dem Drang widerstanden hat, schnell, billig und hoch wiederaufbauen zu lassen. Die Stadt im Dreiländereck, dort, wo mediterranes Klima herrscht, wo guter Wein wächst und wo die Uhren immer noch ein wenig anders gehen als anderswo, auch im Fußball. Freiburg, die grüne Stadt, die deutsche Großstadt, die als erste grün regiert wurde, schon damals, 2002, lange vor Fukushima.
Zwar regiert aktuell ein parteiloser Bürgermeister die Stadt, die Grünen stellen aber noch immer mit 14 der 48 Sitze die stärkste Fraktion im Freiburger Gemeinderat.
So viele Gründe also, warum Freiburg nach München die beliebteste Wohnstadt Deutschland ist.

Wir suchten damals eine neue Bleibe, auch um der täglichen Fahrerei zu entkommen und wir sahen uns nach Eigentumswohnungen rund um den Freiburger Seepark um. Das war damals auch das Gelände der Landesgartenschau. Dass wir letztlich dort doch nicht gekauft haben, das bedauere ich bis heute. Stattdessen haben wir uns eine Maisonette-Wohnung in der „Villa Palladio“ in Bad Krozingen gekauft, einfach, weil viel weniger Geld zu finanzieren war. Heute weiß ich, dass 1a Lagen immer besser sind und sich besser entwickeln als andere, reproduzierbare, Lagen.

Aber als ich letzten Sonntag den „Mein Freiburg Marathon“ als Pacer für 4:45 Stunden lief, da kamen wir ziemlich früh am Seepark vorbei. Natürlich hat sich vieles verändert in den fast 40 Jahren, die seither vergangen sind, über 35 Jahre, seit ich dort nicht mehr arbeite und in den Westen gezogen bin, aber dennoch erwischten mich die Erinnerungen, auch, als wir die Günterstalstraße überquerten, dort war auch einer meiner Läden und auch bei zwei weiteren Adressen. Was war das doch dort für eine schöne Zeit gewesen!
In etwa bei Kilometer 17 ging es dann durch das Stadttor in die kopfsteingepflasterte Innenstadt, die vielen Geschäfte, von denen ich kaum noch welche wiederfand.
Die Enoteca, in der mein Bruder eine Weile gearbeitet hatte, gibt es noch, aber vieles ist eben auch verschwunden. Wie schnell sich doch die Geschäftswelt in 35 Jahren verändert!
Aber der Charme der Stadt hat sich nicht verändert, obwohl ich schon immer mehr ein Fan der kleinen Gassen neben den Haupteinkaufsstraßen war, wo kleine Läden, pittoreske Restaurants und schräge Kneipen zu Hause sind.

Aber zum Freiburg Marathon … 9.30 Uhr ist der Start, so die Ausschreibung. Aber es wurde in Blöcken gestartet und selbst der Block A durfte nicht pünktlich los, weil noch zwei Autos abgeschleppt werden mussten. Das Lesen ist halt nicht jeder Person gegeben, die einen Parkplatz sucht.
Dann, als Block A gestartet war, geschah erst mal lange nichts mehr. Wir sahen die schnellen Läuferinnen und Läufer etwas entfernt zu unserer Rechten, weil die Strecke gleich zwei Mal nach rechts abbog. Es war ein schönes Bild, das diese schnelle Läuferschar abgegeben hat.
Dann startete der Block B, wieder eine lange Pause, dann startete der Block C. In diesem Block standen alle, deren Zeitziel unter 4 Stunden lag. Und nach der nächsten Pause, es war schon ein paar Minuten nach 10.00 Uhr, durfte Block D starten. Block D, das sind die Marathonis mit einer Zielzeit von über 4 Stunden, der „Partyblock“ wie der Moderator es despektierlich nannte.
Hier darf durchaus Kritik an dieser Moderation geäußert werden, denn für viele ist ein „sub 5h“ Marathon schon ein hehres Ziel und es hat weiß Gott nichts mit „Party“ zu tun.
Da ich als Pacer für 4:45 Stunden erst die Gruppe um die 4:00 Stunden Pacer abwarten musste, auch die Gruppe der 4:15 Stunden Pacer und der 4:30 Stunden Pacer, konnten wir uns im „Partyblock“ erst spät auf die Reise machen.

Wir waren zu dritt als Pacer für die 4:45 Stunden unterwegs und das war gut so, denn ab Kilometer 30 etwa tat ich mich sehr schwer. Ich musste immer mehr tun, um das Tempo zu halten, obwohl 6:45 Minuten pro Kilometer ja eigentlich keine große Sache für mich sein sollten.

In meiner Erinnerung bin ich noch schneller, eine Grundgeschwindigkeit von 5:20 Minuten pro Kilometer ist perfekt, ich bin noch gut in den 50ern und noch 8 Kilogramm leichter – in der Erinnerung halt.

In der Realität angekommen ist es schon so, dass ich froh bin, nicht mehr für schnellere Pacings als 4:30 Stunden zur Verfügung zu stehen. Und auch die sind weder „Party“ noch „Ponyhof“ für mich.
Die Strecke ist schnell beschrieben: Es sind 21,1 interessante, wunderschöne, Kilometer mit ziemlich vielen Zuschauern, mit 38 Bands an der Strecke, mit einer hervorragenden Marathonverpflegung (Wasser, Iso, später auch alkoholfreies Weizen – Bananen, Dextro Energy Flüssiggel), aber einer wirklich entscheidenden Schwäche.
In etwa bei Kilometer 16 gab es Dextro Energy Flüssiggel, ich nahm mir eines, spritzte es mir in den Mund und freute mich 21 Kilometer lang darauf, in der zweiten Runde erneut ein Päckchen nehmen zu können.
In der zweiten Runde aber war da … nichts mehr.
Warum, liebes Orga-Team, gebt Ihr das den Halbmarathonis für die letzten 5 Kilometer, vergesst aber, dass die Marathonis fünf Kilometer vor deren Ziel nicht weniger kaputt sind?

Überhaupt, Halbmarathonis und Marathonis. In Freiburg ist es wie in den anderen Städten, wo zwei gleiche Runden angeboten werden: 7.710 Halbmarathonis standen rund 1.124 Marathonis entgegen.
Dass die zweite Runde, dann ohne Halbmarathonis, erheblich ruhiger und leerer war, ist damit schon klar. Zu diesen Zahlen addierten sich 10 km Läufer, die Personen der Marathonstaffeln und die vielen Mädchen und Jungen der Schülerstaffeln, man tut halt alles, um der Öffentlichkeit und den Sponsoren möglichst hohe Teilnehmerzahlen nennen zu können, in diesem Fall waren es „über 14.000 Teilnehmer“.
Fakt ist aber, dass es also nur rund 8% der Teilnehmenden beim „Mein Freiburg Marathon“ waren, die wirklich den Freiburg Marathon gelaufen sind, ein Trend, den es auch in Bonn, in Mainz und bei den letzten Marathons von Mönchengladbach zu sehen gab.

Der „Mein Freiburg Marathon“ ist ein sehr schöner Lauf, aber kein schneller Lauf. Der Sieger brauchte 2:25:30 Stunden für den Kurs, die Siegerin 2:43:47 Stunden, häufige und teils enge Kurven, insgesamt mehr als 200 Höhenmeter und das Kopfsteinpflaster in der Innenstadt bremsten die Teilnehmerschar aus. Kein Marathon also, um an seiner „PB“ (persönlichen Bestzeit) zu schrauben, aber ein Marathon, um seinen Schatz an schönen Erinnerungen zu erweitern.

Es war dann in etwa bei Kilometer 38, als meine Mitpacer mich von hinten überholten, ich befand mich gerade in einem physischen und psychischen Loch, als ich Robin, einen der Mitpacer, bat, meine Fahne aus dem Rucksack zu ziehen. Ich nahm sie dann auseinander und trug sie in der Hand Richtung Ziel.
Ich wollte einfach nicht, dass sich noch jemand an mir orientierte und ich rechnete mit einer Verlangsamung auf über 7 Minuten pro Kilometer, das Zeitziel 4:44:59 Stunden schien nicht mehr erreichbar.
Aber dann, ohne den psychischen Druck des Pacers, ging es plötzlich wieder. Erst hielt ich den Abstand zu den Mitpacern, der durch das Auseinanderbauen und Einwickeln der Fahne entstanden ist, dann verkürzte ich den Abstand und schließlich passierte ich die beiden irgendwann.
„Nur noch rein ins Ziel“, dachte ich. Langsamer werden wollte ich nicht mehr, nur noch rein, nur noch rein, nur noch rein ins Ziel …
Meine Zielzeit von 4:43:06 Stunden war letztlich knapp zwei Minuten „zu schnell“, meine Mitpacer Allyn und Robin kamen mit 4:45:06 Stunden etwas genauer ins Ziel – und sicherlich mit weniger Schmerzen.

Im Ziel gab es dann die Medaille, eine große, sehr schöne Medaille, mit einem Innenteil, das man rotieren lassen kann. Vielen Dank dafür.
Und es gab alkoholfreies Bier, alkoholfreies Weizen, leicht alkoholhaltiges Radler und noch einmal ein alkoholfreies Weizen.
Mehr wollte ich nicht. Nicht die Bananen, nicht den Joghurt, nicht die Maultaschen mit Kartoffelsalat, wobei ich sowieso nicht wusste, ob es überhaupt vegetarische Maultaschen gab. Ich wollte möglichst schnell nach Hause, immerhin waren ja noch rund 500 Kilometer zu fahren.
Das aber übernahm dankenswerterweise Marita, sodass ich mich auf der Autofahrt ein wenig entspannen konnte, auch eine kleine „Mütze Schlaf“ war drin.

Mein Fazit: Freiburg ist eine Reise wert, Freiburg ist einen Lauf wert, ob hier der Halbmarathon genügt, muss jeder selbst entscheiden. Für mich war der „Mein Freiburg Marathon“ aber auch eine Reise in meine frühen Erwachsenenjahre.
Es war eine sehr, sehr schöne Reise.

Because the night belongs to … Runners

Ein Blog bleibt ein Blog, auch wenn er schon lange nicht mehr beschrieben wurde. Es gab ja auch nicht viel zu schreiben. „Marathon und länger“, das sagt ja schon, dass ich eben einen Marathon oder etwas Längeres Laufen muss, um überhaupt etwas zum Schreiben zu haben.
Und ich musste meine Schreibblockade hinter mich bekommen.
So entgingen Dir meine wenigen „Marathon und länger“ Episoden seit meinem Marathon „M 275“ in Idar-Oberstein, dem „Bärenfels Marathon“. Aber Du kannst Dir das alles zumindest ergebnismäßig hier ansehen:
https://marathonundlaenger.wordpress.com/201-mul-lauf-lebenslauf/

Aber nun zu meiner Nummer 292, einem kleinen Ultra.
Eigentlich war ich ja für die 75km des „Dutch Coast Ultra by night“ gemeldet. Ich wusste von dem Lauf, weil mein alter Laufkumpan Chris von Minden mal aus dem Kreisverkehr heraus wollte, um einfach nur geradeaus zu Laufen.
Den Helder liegt in den Niederlanden ganz weit oben, dort war der Start am 9. Februar, Abends um 21.00 Uhr. Und das Ziel war in „Castricum aan Zee“, deutlich südlicher als Den Helder.
Ich hatte meine Absicht, dort zu Laufen, kurz auf Facebook erwähnt, da meldete sich mein Freund Carsten Senst, dass er gerne mitkommen würde. Das hat mich gefreut, aber wir konnten nicht zusammen hinfahren. Zumindest aber konnte er sein Auto im Ziel stehen lassen und wir fuhren gemeinsam zum Start nach Den Helder.
Marita Polat kümmerte sich erst um das Auto, dann ein wenig um sich und anschließend um mich.
Dass das nötig wurde, tut mir leid. Und ohne „spoilern“ zu wollen: Später im Text erfährst Du, warum es nötig war. Bis dahin verrate ich Dir diese Binsenweisheit: Gehe auf den Wegen, die Du kennst oder die Dir angegeben wurden und versuche nicht, irgendwie anders durchzukommen. Glaube mir hier, ich habe es bewiesen.

Der „Wienerhof“ in Den Helder ist ein nettes Hotel mit einer urigen Kneipe. Auf den Holzträgern, die das Dach halten, stehen lustige Sprüche drauf, zujmindest mutmaße ich das. Aber mein Niederländisch ist aber auf einige wenige Worte begrenzt, sodass ich nicht jeden Spruch übersetzen konnte. Aber die vielen Teilnehmenden, teils Läuferinnen und Läufer der 75km, meist aber Teilnehmende der 50km, waren allesamt gut drauf und der Umgang miteinander war herzlich und von gegenseitigem Respekt geprägt.
Chris startete für die 50km, Carsten und ich für die 75km.
Es gab die Option, beim einzigen VP bei Kilometer 31,5 „downzugraden“ auf die 50km Strecke. Der Vorteil davon war nicht nur, dass Du weniger weit zu Laufen hast, sondern auch, dass Du am Strand bleiben konntest, während die 75km Läufer noch ein wenig durch die Dünen geschickt wurden.
„Downgraden ist nicht gut für die Psyche,“ sagte ich zu Carsten und ich war mir sicher, vor der Herausforderung „Dünen“ nicht zu kapitulieren, obwohl mir der Dünenpart doch Sorgen bereitete.

21.00 Uhr, Startschuss vor dem „Wienerhof“ und alle rannten los, als gäbe es am VP nichts mehr zu futtern, wenn man dort zu spät ankommen würde. 31,5km auf Sand, in der Nacht, ich ging davon aus, dass Carsten und ich den VP nach vier Stunden erreichen würden.
Aber dafür waren wir viel zu schnell. Überhaupt nicht mein Tempo. Und dennoch waren wir eher die Nachhut und wir wunderten uns, ob die Leute vor uns so fit waren oder sich einfach verzocken würden.
Nach zwei Stunden „für mich zu schnell“ bat ich Carsten, mich doch alleine zu lassen, damit ich mein Tempo reduzieren konnte, ohne mich dabei vom Laufpartner unter Druck gesetzt zu fühlen. Zudem war der Gedanke „downgraden ist nicht gut für die Psyche“ irgendwo auf dem sandigen Untergrund verloren gegangen.
Wir rannten, rechts von uns das Meer. Eigentlich schön, aber ein Meer, dass Du hörst, aber nicht siehst – es war irgendwie schade drum. Links von uns waren die Dünen, ganz schön hoch, fand ich. Und der Strand war unglaublich breit, bestimmt 100 oder sogar 150 Meter.
Wenn Du diese Gegend nicht kennst, dann lasse Dir gesagt sein, dass dies ein Manko ist. Fahre hin, schaue es Dir an, am Besten aber nicht in der Nacht und nicht im Winter.

23.00 Uhr, ich war nun alleine. Wer vor mir war, war vorne, wer hinter mir war, der blieb es auch. Das Feld hatte sich doch deutlich auseinander gezogen, auch Carsten sah ich bald nicht mehr, so schnell war er nach vorne geeilt. Ich lief, aber ich gönnte mir auch gelegentliche Gehpausen. Die Muskeln schmerzten, erst nur die Oberschenkel, dann links auch die Unterseite des Oberschenkelmuskels, später auch die linke Wade. Dennoch war ich nach 4 Stunden und 7 Minuten am VP.
Wenn ich aber bedenke, wie schnell wir in den ersten beiden Stunden waren, dann war mir klar, dass ich mit der Zeitvorgabe (8.00 Uhr am nächsten Morgen) die 75km nicht werde bewältigen können. Zudem wurden in meinem Kopf die Dünen immer höher, der Sand immer weicher und die körperlichen Schmerzen nahmen weiter zu. Also zog ich die „Notbremse“ und erklärte dort am VP, auf 50km „downgraden“ zu wollen.

Also nicht rein in die Dünen, sondern einfach weiter den Strand entlang rennen. Es lief dann wieder besser, ich wurde etwas schneller, aber dann glaubte ich, auf meiner Garmin den Track nach links abbiegen zu sehen. Ein Städtchen, wie schön. Aber konnte das schon Castricum aan Zee sein?
Bestimmt nicht, dachte ich, aber die Uhr … und ich hatte keine Brille dabei, um mir das auf dem kleinen Display besser ansehen zu können.
Also bog ich ab, schaute mal, welches Örtchen das denn ist. Es war mittlerweile deutlich nach 3.00 Uhr und die schönen Strandlokale waren zwar noch beleuchtet, aber leer und verschlossen.
Also nahm ich mein Smartphone, schaltete alles ein, was ich brauchte, um mal bei Google Maps nachzusehen, wo ich denn war. Aber ich bekam kein Netz, auch nicht nach etlichen Versuchen.
Ich ging immer weiter weg vom Strand, bis ich ein großes Gebäude fand, wo der Hausflur beleuchtet und die Türe offen war. Aber auch da war niemand, aber ich „Blindfisch“, ohne Brille, die für „ältere Herren“ leider notwendig ist, brauche halt Helligkeit, um kleine Zeichen sehen zu können. Dank der Beleuchtung des Treppenhauses sah ich, dass ich irgendwie übersehen habe, auch „Mobile Daten“ anzuklicken. Kein Wunder, dass da das INet nicht geht. Also habe ich die „mobilen Daten“ eingeschaltet und Maps zeigte mir, dass ich in „Egmond an Zee“ war.
Egmond, ich dachte an Goethes Trauerspiel „Egmont“ und ich fühlte auch so etwas wie Enttäuschung in diesem Moment. Aber Maps zeigte mir einen kurzen Weg quer zum Strand, bei dem ich nicht den Weg zurückgehen musste, den ich gekommen war, sondern so wenigstens ein wenig Weg einsparen konnte.
Später dann stand da auch ein Hinweisschild „Strand“ mit einem Pfeil. Noch 7,5 Kilometer bis Castricum, ein knappes Stündchen noch, dachte ich.
Ich dachte … falsch.

Die beiden Veranstalter, Henri Thunnissen und Rinus Running, hatten im Vorabbriefing geschrieben, dass sie die Strecke ein wenig geändert haben, damit wir nicht durch kniehohes Wasser waten müssen.
Durch Wasser waten? Am Strand? Verstehe ich nicht …
Ich war also auf dem kurzen Weg zum Strand und sah ein mit rot/weißen Balken gesperrten Weg. Aber was soll das denn sein, dachte ich mir. Ich ging daran vorbei, bis ich einen kleinen Tümpel auf dem Weg sah und so wusste ich gleichzeitig, was Henri und Rinus gemeint haben und auch, warum der Weg eigentlich gesperrt war. Also zurück zur letzten Kreuzung der Dünenwege, die ich überquert hatte und dann nach Gefühl und etwas Maps eine Alternative wählen, die nicht gesperrt war. Ich fand eine. Etwas länger der Weg bis zum Strand, aber zum Zurückgehen nach Egmond hatte ich auch keine Lust.

Und so begann meine private Dünenreise. Nach zwei Kilometern kam wieder ein Tümpel auf dem Weg. Aber nun dachte ich mir, dass ich da durch muss. Knöchelhoch stand das kalte Wasser, aber was so ein Läufer ist, der schafft das. Und es waren ja nur vielleicht 50 Meter und es ging weiter.
Der nächste Tümpel war schon tiefer und länger, ich sah das Ende weiter weg am Horizont. Auch da musst Du durch, Herr Läufer, dachte ich mir und watete durch die Flut. Dann ging es über einen Hügel und ich kam zu einem See.
Nun war die Größe unabsehbar und das Wasser, in das ich mich wieder begeben habe, ging mir bis zur Hüfte. Ich versuchte, nach Maps dem Weg zu folgen. Sehen konnte ich keinen Weg mehr und als es immer tiefer ging, verließ ich die Maps Route, um nicht vollkommen einzugehen. Aber irgendwann sah ich eine Wegmarkierung, watete dorthin und ging trockenen Fußes am Seeufer zurück, bis ich den Weg wieder fand.
Nun ging es nur noch bergauf, also kein Wasser mehr! Und der Strand war nur noch einen Steinwurf entfernt!
Ich ging also hoch auf die Düne und sah den Strand. Und einen Läufer, der da von rechts nach links an mir vorbei lief. Einzig die Höhe und die Gefährlichkeit der Steilküste waren das Problem, das ich nicht lösen konnte, also ging ich oben an der Kante weiter. Dann musste ich wieder weg vom Strand, weil da ein sehr steiles Tal war, das umlaufen werden wollte.
Es ging über Stacheldrähte hinweg, immer wieder musste ich die letzten Meter zurück gehen, weil „das Gute so nah“ war, also der Strand, dennoch aber unerreichbar. Bis ich zum einem Stück kam, das sandig aussah und ich die Chance sah, dort zum Strand runter zu kommen.
Die Laufhose klitschnass, auf den Hosenboden gesetzt und zum Strand runtergerutscht. Ich sah aus wie ein paniertes Schnitzel, aber ich war am Strand.
Nur noch 3,6 Kilometer am Strand. Dank der Kälte des Wassers waren meine Beinmuskeln wieder fit, ich konnte wieder durchlaufen, auch schneller als zuvor.

So skurril dieses kleine Dünenerlebnis war, so schön war es auch. Es war tatsächlich mein Highlight auf der Gesamtstrecke und ich war dort die ganze Zeit über glücklich, auch im tiefen Wasser.

Kurz vor fünf Uhr lief ich also ins Ziel. Vorher rief ich Marita an, dass sie doch etwas früher zum Abholen kommen möge. Drei Stunden Schlaf für sie musste einfach ausreichen. Das sind drei Stunden mehr als ich, oder?

Später schrieb mir Carsten dann, dass ich die Zeitvorgabe bei den 75km wohl nicht geschafft hätte. Prima, dachte ich. Ich hatte meinen Dünenlauf ja auch ohne die Schleife durch die Dünen. Und ich hatte Wasser, Sand und sehr viele Dornen.
Zwei davon habe ich mitgebracht, versenkt in meiner rechten Hand. Mal sehen, ob die irgendwann irgendwie rausgehen. Aber mit solch einem „Piercing“ bin ich ja auch hip und modern.
Zusammenfassend sei noch erwähnt, dass dieser sehr persönliche und kleine Lauf ein kleines Schmuckstück ist, das in keiner Sammlung fehlen sollte.
Ob Du dort die kurzen Strecken bis 25km wählst, die 50km, die 75km oder sogar die „volle Dröhnung“ mit 100km, das ist egal. „Hauptsache Italien„- hätte wohl die frühere Nationalspieler Andreas Möller gesagt.
Hauptsache Meer, Dünen, Sand, Wasser und Dornen, sage ich.

What a Beautiful Noise!

Lyrics: Beautiful Noise von Neil Diamond

What a beautiful noise
Comin‘ up from the street
Got a beautiful sound
It’s got a beautiful beat

It’s a beautiful noise
Goin‘ on everywhere
Like the clickety-clack
Of a train on a track
It’s got rhythm to spare

It’s a beautiful noise
And it’s the sound that I love
And it fits me as well
As a hand in a glove
Yes it does
Yes it does

What a beautiful noise
Comin‘ up from the park
It’s the song of the kids
And it plays until dark

It’s the song of the cars
On their furious flights
But there’s even romance
In the way that they dance
To the beat of the lights

It’s a beautiful noise
And it’s the sound that I love
And it makes me feel good
Like a hand in a glove
Yes it does
Yes it does

What a beautiful noise
It’s a beautiful noise…

https://www.youtube.com/watch?v=UVLv1El1vh4

Hey Trailers, what a beautiful noise!
Endlich mal wieder einmal die Geräusche der Trailpiste genießen, endlich mal wieder das Gefühl, eine Startnummer durch die Landschaft tragen, endlich mal wieder die vertrauten Geräusche der guten und langjährigen Läuferfreund*innen erleben und endlich mal wieder einer Begleitung zuhören, neben der die Stunden wie im Flug vergehen und wirklich keine Langeweile aufkommt!

Betty und der Rest der Trailwelt

Eigentlich gelang mir läuferisch ja nichts mehr seit dem genialen Lauf im Oman, an den ich so gerne zurück denke. Es war Ende November auf Anfang Dezember 2018, kurz nachdem meine kleine Welt zusammengebrochen war und ich ins tiefe Tal der Tränen absteigen musste, ein Tal, dass ich jetzt endlich auf der anderen Talseite wieder verlassen konnte.

Ein Start beim MaXi Race in Annecy, das ich ebenso wenig beenden konnte wie manch andere Rennen in 2019 und einige DNS in der Schweiz, in Italien und in Frankreich, das war „nix“, das war „gar nix“.

Und dann fehlten Training, Höhenmeter, Zeit und Motivation. Und es folgten Umzüge und Corona. Und dann kam der Bärenfels-Trail.
Gemeldet hatten sich Anna und ich ambitioniert für die 54 km Strecke, obwohl ich schon lange nicht mehr so weit gelaufen bin. Aber es war ja unser erster gemeinsamer Auftritt in der beschaulichen Trailrunner-Welt, außerdem hatte ich überhaupt nicht realisiert, dass man sich auch für kürzere Distanzen hätte anmelden können.
Für kürzere Distanzen anmelden? Kennst Du das, dass da die Augen beim Lesen versagen, die Finger die entsprechende Maustaste nicht finden und Dein Doktor dann stets eine akute und vor allem ansteckenden Langdistanzitis diagnostiziert?

Aber wenn man schon zwei Lieben hat, eine Liebe neben sich, eine Liebe unter den Laufschuhen, dann sollte man schon wagen, so lange zu laufen, bis beiden Lieben gerecht wurde.

Also raus aus den Federn um 3.15 Uhr, Schlaf wird ja stets überbewertet, das wissen wir alle und rein ins Auto um 4.00 Uhr und aus Viersen über Düsselstadt Richtung Idar-Oberstein gefahren.
Es war eine kleine Gemeinde von Läufer*innen, die sich dort für die 21, 42 oder 54 Kilometer versammelten, aber es war ein Gutteil bester Freund*innen da, sodass die Wiedersehensfreude groß war und sich manche Münder vor lauter Redeschwall nicht mehr schließen wollten.
Auch in Zeiten von Corona konnten wir Fotos voneinander machen, lachen, scherzen und Spaß haben. Dann ging es mit einer kleinen Verspätung auf die Piste.

10,8 km sollte jede Runde lang sein und die ersten beiden Runden waren tatsächlich fast exakt so lange. Erst die dritte Runde wurde etwas länger und die vierte Runde fühlte sich dann noch länger an, so lange, dass Anna und ich beschlossen, dass ein Marathon zum Wiedereinstieg mindestens genauso wichtig und richtig wäre wie ein Ultra. Nach vier Runden und gut 44 km raus, als Marathoni gewertet werden – alles war gut.
Vier Mal am Seil durch den Fluß geführt – vom Brückenbau versteht man glücklicherweise dort nicht viel, das macht den Trail spannender, die Füße nasser und die Blasen wahrscheinlicher.
Dazu hatte der Kurs etliche Höhenmeter gehabt, das sei auch erwähnt, insbesondere folgten nach dem ersten VP (Verpflegungspunkt) eineinhalb Kilometer, die Dich ständig nach oben führten. Trainingsdefizite wurden dort mehr als offensichtlich. Und von diesen Defiziten hatten Anna und ich reichlich.

Apropos Verpflegungspunkte: es gab zwei Stück davon, aber leider waren sie recht spartanisch ausgestattet, es gab Wasser, etwas Cola, es gab zum Glück Bananen und Zuckerzeug en masse. Und die Menschen, die uns dort betreuten, die taten mir leid, vor allem nach den zwei Runden, als die Halbmarathonis weg waren und die Wartezeiten lang wurden.
Stelle Dir einfach vor, Du stehst in der Mitte von Nirgendwo und wartest minutenlang auf Deinen nächsten Läufergast … aber bei all dem blieb die Laune gut und die Ladies waren überaus freundlich, wenn Du brav die Corona-Regeln eingehalten hast:
– Tuch vor Mund und Nase schon Meter vor dem VP
– Desinfektion der Hände am VP
– dann Essen und Trinken.
Es ist halt vieles anders geworden in der neuen schönen Coronawelt, in der neuen Normalität.
Aber was schreibe ich, Hauptsache, wir können wieder Laufen, Walken, Wandern. Hauptsache, wir können wieder unsere Läuferfreund*innen treffen, wieder Spaß haben, wieder scherzen und wieder etliche der gemeinsamen Erinnerungen austauschen.
Hauptsache, wir können immer wieder die schönen Geräusche der Trailpiste genießen!

#fuckcorona – so wie dieses Jahr hat uns noch nie ein Jahr durchgewirbelt. Aber jetzt heißt es für mich wieder:
Back on Trail!
Wir sehen uns!