
Morgen, Kinder, wird’s was geben,
Morgen werden wir uns freu’n!
Welch ein Jubel, welch ein Leben
Wird in unsrem Hause sein!
Einmal werden wir noch wach,
Heissa, dann ist Neujahrstag!


Morgen, Kinder, wird’s was geben,
Morgen werden wir uns freu’n!
Welch ein Jubel, welch ein Leben
Wird in unsrem Hause sein!
Einmal werden wir noch wach,
Heissa, dann ist Neujahrstag!

Es ist der 24. Dezember, der Tag, an dem es Geschenke gibt.
Ich bin freudig gespannt, obwohl meine Gabi und ich uns fest versprochen haben, uns dieses Mal gegenseitig wirklich nichts zu schenken. Die großen Kinder werden nicht vergessen, wir selbst aber haben eigentlich alles, was wir brauchen.
Zumindest sagt das meine „beste Ehefrau von allen“.
Ob ich das glauben soll?

Also habe ich mich kurzerhand selbst beschenkt und ich habe mir 100 Geschenke auf einmal gegönnt. So einfach, lieber Weihnachtsmann, kommst Du hier nicht an mir vorbei …
Am 26. September habe ich beim 24-h Lauf in Brugg meinen 100. „Marathon und länger“ gelaufen, nein, ich habe ihn zelebriert!
Ich war stundenlang der Speaker der Veranstaltung und durfte die großen Namen immer und immer wieder verkünden, stets aufs Neue ein paar persönliche Worte an die Läufer richten und mich mit den Jungs und Mädels dort freuen, die Runde um Runde durch den schweizerischen Regen gedreht haben.
Und ich war knapp drei Stunden lang der Guide von Jeffrey Norris. Nachdem ich wegen der Nachtruhe um 21 Uhr als Speaker die Nachtruhe verordnet bekommen habe, bin ich gemütlich mit Jeffrey einige Kilometer gelaufen, ohne Wertung und ohne Startnummer, um dann, eigentlich zu Mitternacht, effektiv aber in etwa 20 Minuten später, tatsächlich mit Startnummer beim 12-h Lauf zu starten.
Immer noch sehr gemütlich und nur mit dem Ziel, einen Marathon, meinen Marathon Nummer 100, zu laufen.
Ich habe dabei mit einigen der Läufer ein paar Runden gedreht und da die schon 12 Stunden auf den Beinen war, war das Tempo insgesamt doch sehr, sehr moderat. Mir war es egal. Und dann, so nach weiteren drei Stunden, habe ich mich erneut Jeffrey und seinem neuen Guide angeschlossen und dann wurde es noch langsamer, wir haben häufig Gehpausen eingelegt, es war entspannt und entspannend, ein echter Jubiläumslauf.
Nachdem ich den Marathon voll und die nächste Runde beendet hatte, ging ich unter die Dusche, schlief ein Stündchen und nahm dann meine Arbeit als Speaker wieder auf. Ein ganz besonderes Wochenende, das ich mit meiner „Nummer 100“ verbinde.
Danach aber hatte ich wenig Zeit, vielleicht auch einfach wenig Lust. Ich sollte …, ich müsste …, aber diese Woche ganz bestimmt … mich endlich dafür anmelden, wofür ich so lange gekämpft habe. Aber ich war wie ein schwerer Stein und ich bewegte mich nicht.
Nicht kurz vor meinem Geburtstag, um mich mit der Mitgliedschaft im „100 Marathon Club“ („100MC“) zu belohnen und auch nicht in den vier Wochen danach.
Aber jetzt vor Weihnachten sollte es denn sein: ich meldete mich an und hatte vorgestern diesen Brief in der Post:
Meine Mitgliedsnummer im „100MC“ ist als die 304 – ein Zeichen?
Ich hatte in einem der früheren Blogbeiträge geschrieben, dass mir vielleicht nach dem Erreichen der 100er Marke die Ziele ausgehen würden – jetzt habe ich ein Neues: die nächste Hürde, die nächste Messlatte, die ich habe, ist das Erreichen der 304er Marke – 107 davon habe ich schon.
Für mich kommt dieser Brief natürlich genau zur richtigen Zeit, es sind 100 Geschenke auf einmal und das zur Weihnachtszeit.
Gott muss ein Läufer sein …
Der wichtigste Mensch bei einem schwierigen Bergaufstieg wie dem auf den Kilimanjaro, auf den Uhuru Peak, den Freiheitsgipfel, ist stets Dein Guide. Der Guide zeigt Dir nicht nur den Weg, er bestimmt auch Dein Tempo, damit Du keine Höhenkrankheit bekommst, damit Du nicht überfordert bist, er sieht aber auch, wenn Du unterfordert bist.
Der Guide kontrolliert und dirigiert auch die Träger, die Köche, die Assistant Guides, er regelt die Einschreibung bei den Nationalparks und er ist auch der, der dafür Verantwortung trägt, dass die Truppe bei Laune bleibt.
Unser Guide hieß Yohana.

Yohana ist ein klasse Typ. Lustig, aber dennoch aufmerksam. Und zudem ist er sehr großzügig. Er bot uns schon früh an, dass wir, sofern wir nach der Gipfelbesteigung noch Kraft und Lust hätten, mit ihm runter gehen dürften zum „Ash pit“, zum kreisrundesten Krater der Welt, ein Privileg, das Kilimanjaro-Besteiger nur höchst selten bekommen.
Es war auch auf dem Weg vom Uhuru Peak zu jenem Asche Eimer („Ash pit“), wo ich das nachfolgende Foto von Yohana machen konnte. Mitten in der Sandwüste des Kraters stehen fast senkrecht Gletscherwände, an die Du Dich lehnen kannst.
Yohana hat das mit besonderer Leidenschaft getan.
Es war heiß, anstrengend und mühselig, zum Krater zu kommen, aber für Andreas Klotz und mich war dieses Erlebnis etwas, von dem wir lange zehren können. Fotos vom „Ash pit“ gibt es aber erst später …
Der Arikel wird im Kanadischen Magazin „Running Room“ veröffentlicht.
Danke, Carsten, für die Mühe des Berichts und Dir wünsche ich ein vergnügliches Lesen!
Liebe Steffi, Julia, Andrea, … , lieber Lars, Thomas, Dennis …
… Du tust mir ja so leid.
Zuerst sah es so aus, als ob Du ein Glückskind wärst. Du hast Dich bei der Lotterie mit 2.299 anderen gegen weitere ca. 1.300 weniger Glückliche durchgesetzt, die bei der Lotterie keinen Startplatz für den UTMB ergattern konnten. Vielleicht hast Du dieses Glück dann ausgiebig gefeiert und Du hattest das Gefühl, fliegen zu können.
Ich weiß, was es heißt, dann fast ein Jahr lang zu trainieren, diesen Lauf als Saison-Höhepunkt zu definieren und sich wie ein kleines Kind darauf zu freuen.
Sich zu freuen auf den Abend in Chamonix, auf den Abend, an dem traditionell der UTMB beginnt.

Und dann, kurz vor dem UTMB, hast Du Dich auf die Reise vorbereitet. Und ich kenne die Sorgen, die Du haben musstest, ob Du alles notwendige eingepackt hast, ob Deine Rennstrategie zu offensiv oder zu defensiv ist und auch die Sorgen, die Du Dir um Deine Gesundheit gemacht hast. Ich sehe förmlich Deine Begeisterung, mit der Du mit dem Auto, mit der Bahn oder mit dem Flugzeug Richtung Chamonix gefahren bist, vielleicht einen Tag vor dem Lauf, vielleicht auch erst am Tage des Laufs. Du hast dann ein Hotelzimmer gebucht, wahrscheinlich schon vor Monaten, ein Appartement oder sonst eine wie auch immer geartete Schlafgelegenheit.
Du hast Dir dann die Startunterlagen abgeholt, einige der vielen Stände auf der Marathon-Messe angesehen und dann hast Du Dich noch einmal im Hotelzimmer hingelegt, um für die erste Nacht, die Du durchlaufen wolltest, fit zu sein. Und dann gingst Du noch in ein Restaurant, um Dir eine heiße Pizza oder eine Portion Pasta zu bestellen. Du hast Dich dann für den Lauf fertig gemacht und hast die nächsten Stunden aufgeregt und euphorisiert hinter Dich gebracht.
Und endlich war Freitag Abend, 22 Uhr. Du standest mit über 2.000 anderen Läufern aufgeregt und nervös hinter dem Startportal. Du hast letzte Gespräche geführt, noch ein paar Fotos geschossen und dann hast Du mit den anderen Läufern die letzten Sekunden bis zum Start herunter gezählt.
Und dann, liebe Steffi, Julia, Andrea, … , lieber Lars, Thomas, Dennis … ging es endlich los.
Die ersten Meter konntest Du nur langsam gehen, so voll war der schmale Weg, der von Abertausend Zuschauern gesäumt wurde. Die Begeisterung der Zuschauer hat Dir ein Kribbeln auf dem Rücken verursacht und Du hast etliche Kinderhände abgeklatscht, die sich Dir entgegen gestreckt haben. Und Du hast diesen Kindern ins Gesicht geblickt und Du hast gesehen, dass Du in diesem Moment die Welt wieder ein wenig besser gemacht hast.
Bis weit hinter Chamonix säumten die Zuschauer die Strecke und auch später hast Du noch Zuschauer an allen wichtigen Stellen bis Les Houches gesehen. Gerade die ersten, eher flachen 8 Kilometer haben Dich besonders bewegt. Du wolltest keinesfalls zu schnell starten, immerhin folgen ja noch fast 160 Kilometer nach Les Houches, Du wolltest aber auch nicht zurück fallen und hast hier Deinen Kompromiss gesucht und gefunden.
Und dann ging es weiter Richtung St. Gervais und Du warst in Gedanken schon auf den Bergen. Deine Hoffnung ging dahin, am Samstag in sonnigem Wetter wunderschöne Alpenpässe zu bezwingen, Spaß zu haben und die wunderschöne Landschaft rund um den Mont Blanc zu genießen. Du träumtest noch, als Du St. Gervais hinter Dir gelassen hast.
Aber dann träumtest Du nicht mehr. Die ersten Gerüchte waren Dir zu Ohren gekommen, dass der Lauf abgebrochen werden sollte, aber Du wolltest es nicht glauben. Du wolltest es solange nicht glauben, bis es zur bitteren Gewissheit wurde: wegen einer Schlammlawine, dem schlechten Wetter und wegen einer immensen Menge im Gletschereis gefangenem Wassers, das zu Tal zu rauschen droht ist nach nur 31 Kilometern Schluss mit dem UTMB.
Liebe Steffi, Julia, Andrea, … , lieber Lars, Thomas, Dennis …
… Du tust mir ja so leid.
Ein ganzes Jahr der Vorfreude ist vertan, der Frust ist groß und wer weiß. was im nächsten Jahr sein wird, ob Du die notwendigen Qualifikationspunkte haben wirst, ob Du gesund sein wirst, ob der Termin passen wird und ob Du Dir die Mühe und die Kosten der Anreise nach Chamonix wieder antun willst.
Liebe Steffi, Julia, Andrea, … , lieber Lars, Thomas, Dennis …
… Chamon-NIX.