Der Sportlehrer

Einen langen Lauf in den Bergen machen kann so schön sein. Du nimmst zwei, drei Tage Urlaub vorher, fährst frühzeitig zur Akklimatisation in die Höhen der Alpen, Du studierst den Lauf so intensiv, dass Du die Lage jedes Verpflegungspunktes im Schlaf aufsagen kannst, genau weißt, wo und wie lange die einzelnen Anstiege sind und auf welche Cut-Off Zeiten Du zu achten hast.
Du lädst Dir den GPX-Track für Deinen Garmin herunter, druckst Karten aus, laminierst sie, druckst die Höhenprofile aus, um alle wichtigen Informationen trotzdem noch einmal am Körper zu haben, wenn es dann wirklich los geht.
Und dann isst Du am Vorabend ordentlich, schläfst ausgiebig und bist bestens präpariert, wenn dann endlich der Startschuss fällt.

Es geht aber auch anders ...

Das habe ich nun bei meinen beiden letzten Läufen bewiesen. Beim Ticino-Trail beschloss ich am Freitag vor dem Start, dass ich es doch irgendwie in die schöne Schweiz schaffen könnte. Wichtig war nur, dass ich um 6.30 Uhr am Start sein musste, um mich noch schnell nachmelden zu können. Einzig meinem Lauffreund Achim Knacksterdt erzählte ich von meinem Spontan-Plan und hielt ihn per SMS auf dem Laufenden.
Mein Plan war, spätabends in Airolo zu sein, mir noch schnell ein Hotelzimmer zu nehmen und dann in der Frühe zu packen, nachzumelden und zu frühstücken. Kein schlechter Plan, fand ich.
Aber jeder Plan ist eben nur Theorie und so schreibt das Leben oft Geschichten, die Du eigentlich gar nicht erzählen willst.

Ich wählte einen DACIA Logan vom Hof als Transportmittel. Zugegeben, ein Abblendlicht war schon ein paar Wochen defekt, das wusste ich, ansonsten war aber alles in Ordnung damit. Die Klimaanlage funktioniert, das Auto fährt sparsam auf LPG und Musik ist auch drin. Alles im Plan also.
Ich war ungefähr 100 Kilometer vor dem Gotthard-Tunnel, als es dunkel zu werden begann. Und auch dunkel blieb. Ich brauchte zwar eine kleine Weile, um zu merken, dass nun auch das zweite Abblendlicht ausgefallen war, aber je dunkler es wurde, desto mehr wurde mir klar, dass ich so unmöglich noch bis Airolo fahren kann. Etwa 40 Kilometer vor dem Gotthard-Tunnel fand ich dann ein Hotel, das noch ein Zimmerchen für mich frei hatte und wo auch die Küche noch offen hatte.
Der Beilagensalat, für den man eine Lupe brauchte und die Nudeln mit Gemüse, die zwar nicht auf der Karte standen, die man mir aber anbot, waren lecker, allerdings auch sehr, sehr teuer. Ich glaube nicht, dass ich in meinem Leben schon jemals ein so teures vegetarisches Gericht bekommen habe. Und definitiv auch kein so mengenmäßig kleines …
Aber es musste ja sein, dass ich dort blieb und so kann ich nicht sagen, welch üppiges Frühstücksbuffet mir dort entgangen ist, als ich um 5.30 Uhr, als es endlich so hell wurde, dass ich ohne allzu große Angst weiterfahren konnte, Richtung Gotthard-Tunnel aufbrach.
Nur 40 Kilometerchen bis dorthin, noch vor 6 Uhr dort – und dennoch gab es schon eine Blockabfertigung. Und die Zeit lief herunter, erbarmungslos. Und ich wurde nervöser und nervöser, hektischer und hektischer …

Ich simste Achim, dass ich wohl nur den Semi Trail machen kann. Kaum geschlafen, noch nicht vorbereitet, wahrscheinlich zu spät ankommend …
Aber dann ging es doch irgendwann durch den Tunnel und ich war dann gegen 6.45 Uhr am Ziel. Achim wartete schon auf mich und ich erzählte ihm erst einmal meine blöde Licht-Geschichte. Ich schrieb mich schnell ein und war dankbar, dass ich das trotz meiner Verspätung noch tun durfte. Und dann bin ich in den Frühstücksraum des Hotels gegangen, in dem die meisten unserer Familienmitglieder logierten.
Thomas Ehmke, Niels Grimpe-Luhmann, Didi Beiderbeck und viele mehr, um nur einige zu nennen. Dort bekam ich dann wenigstens etwas für den Magen, zwei Croissants und ein wenig Pfefferminztee.
Dann sah ich mir noch den Start des langen Trails an, begann, meine Sachen zu packen und begab mich in Ruhe zur Busstation, die uns zum Start des Semi Trails brachte. Beim langen Trail hätte ich sicher nicht starten können, so zeitlich eng wie alles war.

Im Ziel des Semi Trail Ticino.

Oder am vergangenen Wochenende. Da hatte ich vor, am Samstag mit dem Zug nach Lindau zu fahren, dort in einem nahegelegenen Dörfchen ein Auto zu übernehmen, nach Sonthofen zu fahren, um dann am Sonntag am Allgäu Panorama Ultra teilzunehmen. Birger Jüchter war da und dabei zu sein, wie seine „Birgit“ eine kleine Schwester bekam, das hätte schon etwas gehabt.
Aber da war doch noch der Mountain Man am Samstag. A bisserl höher, a bisserl schöner. Und dort lief Norman Bücher. Das wäre doch auch etwas, dachte ich und als ich die Chance hatte, schon am Freitagmittag mit einer Mitfahrgelegenheit (www.mitfahrgelegenheit.de) nach Ulm zu fahren, dort einen Zug nach Lindau zu nehmen, dann ein Taxi nach Hergensweiler, dort etwas Carboloading zu machen, um dann in die Schweiz zu düsen, immer Richtung Luzern bis nach Engelberg, da ergriff ich die Chance und wählte diese Variante.
Eine kurze Mail an den Veranstalter, der zurück schrieb, dass ich mich Samstag in der Frühe um 5 Uhr in der Talstation in Engelberg noch nachmelden dürfte, immerhin.

Mit Tankstopps, Verfahrern bei Luzern und sonstigen Hindernissen kam ich dann um 1.30 Uhr in Engelberg an. Zu spät für ein Hotel, also nur ein Nickerchen im Auto. Den Wecker hatte ich dann auf 4.45 Uhr gestellt, um mich dann umzuziehen und um dann pünktlich bei der Einschreibung zu sein. Diese Hektik, dieser ständige Zeitdruck und der Umstand, so wohl nicht meine innere Mitte gefunden zu haben, vielleicht waren es diese Punkte, die zu meinem Sturz kurz hinter der 20K Markierung führten.
Die rechte Seite aufgerissen, das ging ja noch. Aber ich hatte mir die Rippen so stark geprellt, dass ich nicht mehr tief atmen konnte. Und es wurde nicht mehr besser. Ich probierte es noch zwei Verpflegungspunkte lang, dann gab ich auf und stieg aus. Schade, ich wäre schon gerne auch ein „Mountain Man“ geworden …

Vielleicht würdest Du mir raten, etwas zu entspannen, um gut vorbereitet in die Events zu gehen? Ich würde Dir zustimmen, sicherlich. Aber wer mich näher kennt, der weiß, dass hektische Betriebsamkeit zu mir gehört wie die Schmeißfliege zur Kuh. Leider, daran darf ich noch arbeiten und wachsen …

Aber bei manchen Geschichten ist eben der Anfang der schönste Teil. So auch am vergangenen Wochenende. Ich suchte ja nach einer Mitfahrgelegenheit nach Ulm und fand etliche Angebote, von denen drei Stück zeitlich einigermaßen in meinen Plan passten. Die beiden ersten wären mir am Liebsten gewesen, weil sie schon am frühen Freitag morgen in Köln bzw. Erftstadt losgefahren wären. Aber der Eine meldete sich nicht, der Andere sagte mir ab.
Blieb also noch der Dritte. Abfart in Kerpen gegen 13.00 Uhr, spät, aber eben nicht zu spät, um noch nach Trübsee zu gelangen.
Daniel F. war schon am Telefon freundlich, herrlich unkompliziert und unser Deal war schnell besiegelt. Zwei weitere Mitfahrer nach Pforzheim und Stuttgart hatten wir auch noch an Bord.

Das Schönste dabei war: Daniel und die Mitfahrerin waren beides Läufer. Keine Ultras, aber immerhin. Etwas, was verbindet. Also redeten wir vom Kölner Women’s Run , ich zeigte die schönen rosa Fotos von Betti Mecking aus dem wunderbaren Facebook-Land und wir quatschten von anderen schönen Dingen bis hin zum Halbmarathon. Daniel hat sich den Halbmarathon in München für 2012 zum Ziel gesetzt.
Und ich erzählte auch ein wenig von den etwas längeren Läufen.

Daniel arbeitet bei der Bundeswehr und bildet dort Rekruten aus, auch in sportlicher Hinsicht. Und er hat selbst einen Coach, der die Rekruten-Ausbilder ausbildet und auf dem Stand der Wissenschaft hält. Und von diesem Coach erzählte er mir. Weil der auch läuft. Und auch die schmutzigen, langen und schmerzhaften Dinger wagt.
„Das muss auch ein interessanter Typ sein,“ dachte ich. Er hatte den Rekruten-Ausbildern erzählt und Fotos gezeigt vom TransAlpineRun, vom Marathon des Sables, er erzählte von Qualifikationspunkten und vielem mehr. Alles hat Daniel nicht richtig auf die Reihe bekommen, aber mir war schon klar, welches der Teamlauf war, wofür man die Qualifikationspunkte braucht und welcher Wüstenlauf das nur sein konnte.

Ich suche ja immer nach Gemeinsamkeiten bei den Menschen um mich herum. Und da bietet es sich doch an, auch zu erwähnen, dass man selbst einen Lauffreund hat, der sogar der Teampartner beim TransAlpineRun war, der zwar kein Soldat, aber eben Zivilangestellter bei der Luftwaffe in Fürstenfeldbruck ist. Und während ich das erzählte, schlug Daniels Herz höer und er sagte mir, dass der, genau der, sein Coach sei. Der, von dessen Läufen er die letzte Viertelstunde erzählt hatte.
Heiko Bahnmüller, „der Sportlehrer“.
Ich war sprachlos.

Wie klein ist denn diese Welt?

Und dann erzählte ich ihm von Heiko, von unseren gemeinsamen Läufen, vom TAR, dem MdS und auch davon, dass ich ihn Ende August zu seiner größten Herausforderung begleiten darf, wenn es für ihn zum ersten UTMB geht.

Ob die abschreckenden Fotos von Füßen beim MdS meine waren oder die von Dr. Tilmann Markert weiß ich nicht, ich weiß nur, dass das eine Geschichte war, die wirklich nur das Leben schreiben kann. Ich fühlte Dankbarkeit und ein Glücksgefühl, das mich jetzt die Tage abzählen lässt, bis ich mich in den Flieger nach München / Genf setzen darf.

THE NORTH FACE ULTRA TRAIL DU MONT BLANC, ich darf Dich zwar nicht laufen, aber ich freue mich auf Dich, wie verrückt … !

Die TracKING App …

Erst Anfang Mai geboren ist die TracKING App von THE NORTH FACE schon ein Hit, nicht nur, weil man dort relativ leicht etwas gewinnen kann.
Vergleichen von Daten, Verknüpfen mit interessanten Details von Wikipedia und vieles mehr.

Nach dem Motto „Wer läuft, der fliegt …“ hat auch schon einer von unserer Familie etwas Großartiges gewonnen.

Wer und wo und was liest Du hier auf meiner Seite THE NORTH FACE UTMB.

Die Zeit rast …

Noch drei Wochen bis zum THE NORTH FACE UTMB 2012, die Zeit rast.
Da ich ja mehr beobachten und berichten will als laufen, habe ich mir mal ein paar Gedanken über den UTMB gemacht, über die „Mörderhitze“ (inklusive eines lustigen Videos einer Sascha-Persiflage von SWR3 von vor einigen Monaten, über die Ausrüstung und auch darüber, warum ein Folienschweißgerät in keinem Läuferschrank fehlen sollte:

https://marathonundlaenger.wordpress.com/the-north-face-utmb/

Viel Spaß beim Lesen …

Mein kleiner privater airanaCnarGsnarT

Vielleicht hatte ich meine Familie nur deshalb davon überzeugt, den diesjährigen Sommerurlaub erstmals auf Gran Canaria zu verbringen, weil ich den TransGranCanaria Ultra noch einmal laufen wollte. OK, dachte ich, Marokko wäre noch eine Alternative gewesen. Ein wenig durch die Sahara laufen, das Atlasgebirge unter meine Fußsohlen bringen – das hätte auch etwas Flair gehabt.

Aber Gran Canaria hatte für alle etwas.

Für meine Gabi, dass sie seit rund 38 Jahren (upps, ist sie denn schon so alt?) nicht mehr dort war und ihre eigene kleine Zeitreise machen konnte. Drei Mal war sie als junges Mädchen auf der Insel gewesen, zwei Mal davon noch mit ihrem leider viel zu früh verstorbenen Vater, einmal nur mit ihrer Mutter und ihrer Tante.
Die drei Hotelnamen von damals waren auch nach den vielen Jahren noch bei ihr präsent – und wir haben tatsächlich jedes dieser Hotels auch wiedergefunden. Manchmal bleibt die Zeit halt einfach stehen. Gabi erinnerte sich an die Büdchen am Strand, an denen ihr Vater am liebsten Langusten gegessen hatte und an viele weitere Kleinigkeiten, die sie für 10 Tage wieder viele Jahre zurück gebeamt haben.

Für unsere großen Kinder, dass dort viel Leben ist. Bergsteigen, Wassersport, Schwimmen, Paintball, Tennis und noch viel mehr ist auf so einer Insel möglich. Bisher hatten wir ja Touristenparadiese immer gemieden, dieses Mal aber wollten wir auch mal dabei sein, vor allem auch deshalb, weil der Urlaub ja auch ganz besonders kurz war. 10 Tage, was ist das schon?

Und für mich bot die Insel eben auch eine kleine Zeitreise, wenn auch nur zurück in die ersten Märztage. Den TransGranCanaria (TGC) noch einmal laufen, was für eine tolle Vorstellung. Während sich manche Anderen stundenlang am Swimmingpool krebsrot rösten lassen und am Abend in der Disco „Ringelpietz mit Anfassen“ spielen, kommt bei mir ein Urlaubsgefühl auf, wenn ich ganz alleine lange laufen darf, am liebsten durch die Nacht – dachte ich zumindest.

Und da passte es gar nicht, dass sich am Tag vor dem Abflug auf die Sonneninsel mein Rückenproblem weiter verschärft hatte! Der lange Lauf geriet in weite Ferne. In der Notfallklinik auf Gran Canaria, in die mich die Schmerzen getrieben hatten, hätte ich nicht gewagt, jemandem zu erzählen, dass ich vor nur viereinhalb Monaten tatsächlich einmal quer über die Insel gelaufen bin. Niemand hätte mir das dort zugetraut, wo schon der Weg vom Wartezimmer in das Sprechzimmer eine Herausforderung war.
Aber dann wurde es von Stunde zu Stunde besser und besser und nach insgesamt fast drei vollkommen lauffreien Wochen lief ich irgendwann das erste Mal wieder – fünf Kilometer über die Dünen von Maspalomas nach Playa des Inglés, immerhin. Mein kleiner privater TransGranCanaria Lauf rückte wieder näher, das Urlaubsende allerdings auch.
Die einzelnen Familieninteressen waren dann nicht anders zu koordinieren, als dass ich die Strecke anders herum laufen sollte, also von Las Palmas über den Pico  de las Nieves und über Maspalomas nach Playa des Inglés. Aber ich hatte keine Ahnung, wie ich mich während des Laufs versorgen sollte, vor allem die Flüssigkeitsaufnahme war ein Problem. Und ich hatte weniger Zeit als im März, weil wir für den Abend einen Tisch im schönsten Hotel von Maspalomas gebucht hatten, um den Urlaub standesgemäß ausklingen zu lassen.

Ich entschied mich also, mir auch die Möglichkeit einzuräumen, ein wenig abzukürzen. Hauptsache rauf auf den Berg und dann irgendwo wieder runter an die Küste, dachte ich. Und ich legte meinen Start auf 19 Uhr am Abend, sodass ich noch etwas Zeit im Hellen hatte und doch im Wesentlichen durch die Nacht laufen konnte, so wie ich es liebe.

Jeder, den Du fragst, sagt Dir, dassder TGC ein toller Lauf ist, nur die letzten 21 Kilometer sind doof. Ich aber dachte, dass diese Kilometerchen, zu Beginn und im Hellen gelaufen, vielleicht doch nicht so schlimm sind. Aber das war ein fataler Irrtum.
Ich freute mich zwar manchmal, dass die Strecke am Anfang näher an der Küste verlief als ich mir das in der Nacht gewahr wurde, aber die Gegend hinter Las Palmas blieb öde, die Ausblicke auf Autoschrottplätze unromantisch und die Strecke war auch im Hellen besehen schlecht. Lockere Steine lockern Deinen Willen, der Gestank in dem ausgetrockneten Flussbett war auch nicht in die Ferien gefahren, Du verläufst Dich ein Dutzend Mal, trotz des auf dem Garmin gespeicherten Tracks, und eines hatte ich nach dem Lauf total vergessen oder verdrängt. Aber das war auch noch da. Und das war sogar noch schlimmer und lauter als beim eigentlichen Event.
Während ich das schreibe, höre ich es auch noch, das Jaulen und das Bellen unzähliger Hunde, vor allem auf jenen letzten, für mich ersten 21 Kilometern. Mitten in der Nacht sind die Hunde wohl nicht so wach, am frühen Abend aber wirst Du verbellt, bis Dir die Ohren klingeln. Und nicht nur das.
Die Hunde zu hören ist nämlich das Eine, sie zu sehen ist das Andere. Und von diesen Anblicken hatte uns die laue Nacht im März verschont.

Das schöne Städtchen Teror auf 600 Metern über N.N., etwa auf dem halben Weg zwischen Las Palmas und dem Pico de las Nieves, auch der Platz eines Versorgungspunktes beim TGC.

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Die alte demokratische Forderung: „One House – one dog!“ gilt nicht in Spanien. Wie es bei uns hierzulande vielleicht starken Ohrkneiferbefall im Badezimmer gibt, sind dort die großen und kleinen Häuser von Hundemeuten regelrecht befallen. Und alle, alle bellen Dich aus, rennen an den Zaun, wedeln mit dem Schwanz oder fletschen die Zähne und bellen! Manche sind aber auch im Zwinger, andere stehen hoch über Dir auf Mauern und verbellen Dich von dort aus.
Und zwei Hunde, die ganz besonders wild und gefährlich aussahen, standen vielleicht 10 Meter neben mir. Und das Tor zum Hof war weit offen. Und mein Herz in der Hose.
Die beiden Hunde sahen mich, kläfften, bleckten die Zähne und rannten auf mich zu. Ich bekam richtige Angst, ein Umstand, der bei mir aber sehr leicht geht, weil ich Hunden nun wirklich nicht vertrauen kann und ich überlegte mir, wie ich meine Stöcke zur Selbstverteidigung einsetzen könnte.
Nach vielleicht drei, vier Metern wurden die Hunde dann jäh zurück gerissen. Es tat sogar mir körperlich weh, das anzusehen. Die Hunde waren angeleint, zum Glück, und das Ende der Kette war erreicht, meine Stöcke mussten keinen Nahkampf bestehen und ich schaute, nun ein wenig schneller von diesem Ort weg zu kommen.
Insgesamt müssen es wohl Hundert Hunde oder mehr gewesen sein, die sich gedacht haben, dass ich ein gutes Ziel und meine Angst ein netter Abendzeitvertreib wäre.

Ein einziges Mal konnte ich meinen Flüssigkeitsvorrat wieder auffüllen. Das war eben nach jenen 21 Kilometern, wo ich neben Wasser zum Auffüllen auch noch zwei Dosen eines EnergyDrinks kaufen konnte und wo beim TGC der Halbmarathon beginnt. Ich füllte meinen neuen Salomon S-Lab Rucksack wieder auf, das Teil, das ich eigentlich gar nicht mehr bekommen sollte, weil es ja bis Ende August ausverkauft ist. Aber nicht bei Rolli und seinem Laden „Wat läuft“, das jedes Läuferherz höher schlagen lässt. Er schickte mir sofort noch diesen 12 Liter Rucksack, der sich wirklich wie eine zweite Haut anschmiegt, ganz so, wie es die Werbung dafür versprochen hat. Was ich mir speziell für den SwissIronTrail gegönnt hatte, durfte jetzt also auf Gran Canaria eingeschwitzt werden.
Ein Mal ist aber nicht allzu viel, wenn auch die Nachttemperaturen noch sehr hoch sind und so begann ich gegen Mitternacht, meine Flüssigkeitsaufnahme zu reduzieren, damit ich in jedem Fall noch so viel Reserve gehabt hätte, um ein richtiges korperliches Problem zu lösen. Optimal aber ist das nicht.

Gelaufen bin ich mit nagelneuen und daher gut gedämpften Asics Gel Kayano, in der schicksten Farbe, die es so gibt: in strahlendem schwarz. Ganz neu ist dabei auch nicht optimal, aber die gute Dämpfung eines brandneuen Schuhs, sagte ich mir, kann nicht schlecht für meinen Rücken sein. Auch diese Schuhe hatte ich mir eigentlich für die Schweiz gekauft.

Außer den Hunden gibt es auf dieser kleinen Kanareninsel auch andere Tiere. Irgendwann mitten in der Nacht, ich war kurz unterhalb des Gipfels des Pico  de las Nieves, klingelte in der dunklen Nacht ein helles Glöckchen. Ich drehte mich um und schaute in vielleicht drei Dutzend leuchtende Augen, vermutlich von Schafen, die viel mehr Angst vor mir hatten wie ich vor den Hunden Stunden zuvor. Sie stoben auseinander und drei Dutzend Glöckchen spielten ein spontanes Nachtliedchen. Und ein Hund bellte aus der Ferne dazu, natürlich.
Irgendwo flog dann ein wahrscheinlich größerer Vogel im Dunklen auf und ich erschreckte mich. Immer wieder hörte ich Geräusche, die ich nicht zuordnen konnte und fragte mich, ob es auf Gran Canaria wilde Tiere gibt. Und neben allen Sorgen vor den wilden Tieren musst Du Dich auch noch um den Weg sorgen. Im Kegel Deines Kopflichts findest Du den Weg oft nicht, weil dort irgendwie alles so aussah, als wäre es der Weg. Und ich verlief mich – wieder und wieder.
Es begann, hell zu werden, als ich endlich ganz oben auf dem Dach der Insel war. Ich hatte mir Blasen gelaufen, war dehydriert, müde und demotiviert und so beschloss ich, wirklich „nur“ noch nach Ingenio abzusteigen, einem Örtchen kurz vor dem Flughafen, um mich dann dort abholen zu lassen. Da ich dann aber meiner Familie nicht erreichen konnte, ging ich weiter bis zu Flughafen, um dort einen Bus zum Faro von Maspalomas, zu dem Leuchtturm, zu besteigen. Es war dann für mich auch wirklich genug gewesen. Ich konnte dann noch schön schlafen, hatte noch etwas vom letzten Urlaubstag und das Abendessen war dann auch noch ein echter kleiner Traum.

Vielleicht waren meine ursprünglichen Ziele etwas hoch gesteckt, weil eine Strecke bei einem Event immer leichter und kürzer ist als sonst, weil Du versorgt wirst, motiviert wirst, mit Menschen quasseln kannst und auch, weil Dich der Läufer vor Dir immer ein wenig mitzieht.
Und vor dem Hundegebell hast Du auch weniger Angst, wenn Du nicht alleine bist.

Schön war mein kleiner privater airanaCnarGsnarT aber trotzdem.

Was macht eigentlich … Heiko Bahnmüller?

Sodele, der erste Schritt in Sachen THE NORTH FACE UTMB 2012 ist getan.
Heiko und ich haben uns auf eine Fassbrause zusammen gesetzt und etwas geredet.
Seine Antworten auf meine Fragen findest Du hier:

https://marathonundlaenger.wordpress.com/the-north-face-utmb/

Mehr Fotos und mehr Informationen folgen bald …