Hinterm Horizont geht`s weiter …

Mit Dietmar Mintgen ging uns ein ganz Großer voraus

Gleich zwei Mal durfte ich Abschied nehmen von einem der ganz Großen im Lauf- und im Ultrawandersport. Dietmar Mintgen, geboren am 2. Juni 1954, erlag am 29. November 2025 bei einer Weitwanderung einem Herzfehler, als dieses einfach stehenblieb, trotz aufwändiger Versuche der Reanimation.
Letzten Sonntag, am 14. Dezember 2025 machten sich die Helferinnen und Helfer, die diese Reanimation versucht hatten, gemeinsam auf, um den Ort noch einmal aufzusuchen, an dem die Tragödie passiert ist. Ich war dazu eingeladen und ich wiederum lud meinen Freund, Christoph Mintgen, Dietmars Sohn, ebenfalls dazu ein.
Ziel war es, noch einmal Dietmar zu gedenken und an dieser Stelle ein kleines Kreuz aufzustellen.
Es war eine ruhige, besinnliche, Viertelstunde im Wald von Herdecke. Ein paar Worte wurden zu Ehren von Dietmar gesagt und Christoph dankte sichtlich bewegt dafür.

Und gestern, am Donnerstag, den 18. Dezember 2025, fand die Beisetzung der Urne von Dietmar statt. Christoph hatte mich dazu eingeladen, eine Einladung, die ich sehr gerne angenommen habe. So hatte ich ausgiebig Zeit, mich gedanklich und körperlich von Dietmar zu verabschieden. Zudem lernte ich Dinge aus Dietmars Leben, die mir bislang unbekannt waren.

Die Trauerrede hielt die Trauerrednerin Sophia Dietrich, mit der ich einen Tag zuvor noch telefoniert hatte. Sie verglich Dietmars Leben mit einem Marathonlauf, den man voller Euphorie beginnt und der dann Höhen und Tiefen bringt. Welcher Läufer kennt das nicht?
Und sie erwähnte die Handgelenkbänder, die bei den meisten Weitwanderungen vergeben werden. Und als persönliche Erinnerung daran bekam jeder Trauergast ein weißes Handgelenkbändchen. Eine wirklich schöne Geste, die ich in Erinnerung behalten werde.

Ich kannte Dietmar zuerst von Zeitungsberichten her, in denen der „Dauerläufer“ Dietmar gewürdigt wurde, immerhin hatte er im Juni 2024 zu seinem 70. Geburtstag auch seinen 1.000sten Marathon bewältigt und wurde dafür bewundert und geehrt. Für mich ist es alleine schon ein kleines Wunder, dass ein Körper diese immense Leistung bewältigen kann.
Einmal um die Erde herum, zusätzlich zu allen Trainingskilometern, den Läufen unterhalb der Marathonschwelle und den täglichen Kilometern im privaten Bereich.
Später dann habe ich viele Läufe mit Christoph bewältigt. Da waren große Dinge dabei wie die Tage auf dem GR221 auf Mallorca, dem GR20 auf Korsika, aber auch kleine Dinge wie der Quellenlauf, den wir ganz einfach zu zweit gegangen sind. Dabei haben wir oft über Dietmar gesprochen.
Ich erinnere mich noch gut daran, dass ich es als eine große Ehre angesehen hatte, als sich Dietmar zum ersten Mal bei einer unserer Veranstaltungen in und um Köln angemeldet hatte.
Eine Anmeldung, die er danach oft wiederholte.

Dietmar wurde also 2019 zum ersten Mal Mitglied der „Kölnpfadfamilie“, er ging damals auf die 100km Strecke und natürlich konnte er finishen.

Was ich jedoch nicht wusste und was ich gestern gelernt habe, ist, dass er ein unermüdlicher Helfer war, immer dort, wo Hilfe benötigt wurde.
So wurde er ein wichtiger Baustein der Ahrtal-Hilfe. Nach der Katastrophe, die das Ahrtal heimgesucht hatte, wurden Hilfen organisiert und systematisiert. Über die Seite www.helfer-shuttle.de wurden die Helfer zu Abholpunkten gebeten und zielgerichtet zu Hilfsprojekten im Ahrtal gefahren und anschließend auch wieder abgeholt.

Es waren überwiegend junge Menschen, die dort Hilfe leisteten und Dietmar stach schon durch sein Alter heraus. Und diese jungen Menschen entdeckten einen Dietmar, der Wände gestemmt hat und in seiner Arbeit ein Vorbild für den Rest der Helfenden dargestellt hat.
„Ihr ballert aber ganz schön wild“ hieß es dann. Und so wurde ein Name geboren, das „Team Ballern“.

Bildunterschrift: Dietmar findest Du rechts hinten in der blauen Jacke.

Und viele Menschen aus dem „Team Ballern“ fanden sich auch gestern ein, bei der Andacht, bei der Beisetzung und danach noch beim Zusammensein im Rittersaal in Nickenich.
Ich bin froh, diese Menschen gestern kennengelernt zu haben. Darunter war auch eine junge Dame, auf die ich irgendwann einmal separat eingehen möchte.

Dietmar war Ehemann, Vater von zwei Jungs, bodenständig und verlässlich.
Und Dietmar hatte ein Hobby: Das Laufen, das für ihn schon in sehr jungen Jahren begann. Die Strecken wurden dann immer länger und irgendwann war die Marathonstrecke die Streckenlänge, die ihn am meisten fasziniert hat. Zwar lief er auch einige Ultras, aber der Marathonlauf war das Größte für ihn.
Nach seinem 1.000sten Marathon aber riet ihm der Arzt, mit dem Marathonlauf aufzuhören und er wechselte zu den Märschen, die er zwar auch schon vorher besucht hatte, aber sie wurden nun sein neuer Lebensinhalt.
Vormittags ging er lange mit dem Hund durch sein Heimatareal und am Wochenende ging er meist auf eine lange Wanderung, wenn es nirgendwo etwas zu reparieren oder zu helfen gab.
Und sein Leben endete bei seinem Hobby auf einem Waldstück oberhalb von Herdecke.

Dietmar, Du bleibst unvergessen. Für die Läufer- und Wandererszene, für die Kölnpfadfamilie und für mich. In mir verbleiben Demut und Trauer, aber auch der Glaube, dass es gut ist, sich für die Gesellschaft zu engagieren. Wir wissej ja, dass ein Tod ja nicht das Ende ist, es ist nur eine Transformation in ein neues Kapitel des ewigen Lebens. Denn hinterm Horizont geht’s weiter …


Einmal Zugspitze und wieder zurück

Im Anfang war …, nein, nicht der Wasserstoff, wie Hoimar von Ditfurth geschrieben hat.
Im Anfang war der Wetterbericht für das lange Wochenende mit Christi Himmelfahrt, also mit dem Vater- und dem Muttertag.
Und fast zwangsläufig fragt man sich, was man an einem solchen Wochenende denn anstellen will.
Mit dem Bollerwagen auf Sauftour gehen ist nicht so „mein Ding“ und zu Hause bleiben wollte ich auch nicht. Marita konnte einen Brückentag nehmen, alles war bereit für ein langes Wochenende draußen.
Und dieses „draußen“ sollte in Bayern stattfinden.

So lange schon wollte ich wieder mal auf die Zugspitze rennen. Von der Sprungschanze in Garmisch-Partenkirchen auf die Zugspitze und wieder zurück war also der Plan für den Freitag. Für den Vatertag stand nur die weite Anreise auf dem Plan. Und ein Anruf.
Ich wollte nach Möglichkeit nicht alleine auf den Berg gehen, also fragte ich den langjährigen Freund und Lauf- sowie Wanderveranstalter Michael „Michi“ Raab, der bei München wohnt, ob er nicht vielleicht spontan Lust hätte, mitzukommen.
Er hatte, aber er fragte mich, wie es denn mit dem Schnee aussehen würde. Schnee? Tja, dachte ich, die Wege werden frei sein, Schnee gibt es halt neben den Wegen. Ein Irrtum, wie sich herausstellen sollte.
Ich bin da dort zu viel „Flachland-Touri“, der sich die falschen Fragen stellt.
Wir haben uns für 6.00 Uhr vor der Sprungschanze vereinbart, aber verunsichert durch Michis Frage habe ich dann doch noch einmal die Webcams der Zugspitze angesehen, ich sah aber nur Nebel und viel Weiß.
Egal, dachte ich, ich brauche diesen Aufstieg für mein Selbstvertrauen, das mich ja am nächsten Wochenende auf dem Ruhr-Radweg begleiten soll. In meinem Trainingszustand läufst Du, wenn überhaupt, eine solche Monsterstrecke nur mit dem Kopf, mit dem Selbstvertrauen und der Gewissheit, diese 230 Kilometer schon zwei Mal gepackt zu haben. Zweifelst Du, gibst Du Deinen Gedanken Raum, dann wird das nichts geben.
Knapp 6 Stunden von Garmisch über die Partnachklamm auf die Zugspitze und knapp 5 Stunden für den Rückweg, das sind die Zeiten, die ich anstrebe und die ich „früher“ geschafft habe. Diese Zeiten waren auch letzten Freitag unsere Ziele. Aber es kam anders.

Im Bienwald – immer geradeaus!

Ich hatte in den letzten Jahren viel gehört vom Bienwald-Marathon. Und ich hatte mir im Kopf auch schöne Bilder gemacht. Bilder von Trails durch einen weitgehend naturbelassenen Wald, überall finden sich Bienenstöcke, die Wege sind voller Tannennadeln, aber weich und voller Wurzeln.
Und dann wurde ich gefragt, ob ich als Pacer für die Zeit „Sub 4:45 Stunden“ zur Verfügung stehen würde.
3 1/2 Stunden Anfahrt, Start um 10:00 Uhr, also den Wecker auf 5:00 Uhr stellen, sich auf „Katzenwäsche“ einstellen, mit Ellah kurz rausgehen, dann ab ins Auto und runter nach Kandel, zur Bienwaldhalle.
Passt, geht.

Und das Pacing macht mir immer wieder große Freude. Du kontrollierst jeden Kilometer und versuchst, Dich schnell auf die geforderte Laufzeit einzugrooven. Für mich ist es immer so, dass ich die Geschwindigkeit der ersten 10 Kilometer dann nicht mehr ändern kann, außer ich würde einbrechen, dann muss ich Gehpausen einschieben. Es gelingt mir dann aber nicht mehr, einfach langsamer zu Laufen.
Da ist die eingestellte Geschwindigkeit und der Körper will sie haben.
Dass ich mit 4:42:46 Stunden ins Ziel kam, ist OK, gerne hätte ich mir noch zwei Minuten mehr Zeit gelassen. Dabei habe ich auf den letzten vier Kilometern schon ein wenig eingebremst, zumindest wollte ich das. Mein Körper allerdings wollte das nicht, er war ja schon so eingestellt, wie ich das oben beschrieben habe.

Der Bienwald-Marathon geht aber fast gar nicht durch den Bienwald, sondern eben nur daran vorbei. Die Laufstrecke ist zu 100% asphaltiert und es sind die elend langen Geraden, die Dich verwirren. Ein Kurz zum „ballern“, für ziemlich schnelle Zeiten, wenn man das will.
Einzig die beiden 360 Grad Wenden sind Zeitkiller, ansonsten geht es immer schnurstracks geradeaus.
2.200 Teilnehmende waren da, mehr geht nicht, weil die Genehmigungen der Stadt nicht mehr hergeben. Davon war die überwiegende Zahl der Teilnehmenden beim Halbmarathon gemeldet, mehr als 1.600 Personen. Knapp 600 Personen hatten sich für die Marathonstrecke eingetragen.
Das Aufgebot an Pacern war dafür immens, die Organisation des Events war herausragend, die Verpflegungsstände waren reichlich bestückt, meist mit Elektrolyt-Getränken, Wasser, Tee, später auch mit Cola. Es gab Bananen und Orangen, einmal sogar Schokoladenstückchen. Wie nett ist das denn?

Die ersten 14 Kilometer ging es für die Halbmarathonis und die Marathonis auf der gleichen Strecke los. Die Strecke war natürlich ziemlich voll, das Feld hatte sich noch nicht allzu weit auseinander gezogen, bis dann die Halbmarathonis ihren Wendepunkt hatten. Vorher kamen uns natürlich schon die ersten Halbmarathonis entgegen. Schnelligkeit, Kraft und Eleganz war zu bestaunen, kein Vergleich mit dem elefantenartigen Trampeln von mir, leider geht es halt bei mir nicht besser. Aber wer langsam geht, der kommt auch ans Ziel und die Lasterjahre, nee, die Last der Jahre, hat mich ja auch deutlich langsamer, aber auch gewichtsmäßig schwerer, gemacht.

Das Fehlen von über 1.600 Teilnehmenden machte sich nach dem Wendepunkt deutlich bemerkbar, die Strecke wurde übersichtlich leer. Irgendwann kam dann ein Streckenteil, wo uns die schnelleren Marathonis entgegen kamen, das passierte später dann noch einmal- Dabei waren es da nicht die Cracks, die Allerersten, die uns entgegen kamen, die waren schon weiter und wieder abgebogen, es waren die LäuferInnen, die zwischen 3:30 Stunden und 4:15 Stunden ankommen wollten.
Einige Freunde waren dabei, Georg Hilden, mit dem ich im Ziel noch gefachsimpelt habe, Holger Hedelt, unverkennbar mit seinem weißen Bart, Thomas Rößler, mit dem ich über das Kölnpfad-Event im Juni gesprochen habe.

Zwei Wendepunkte auf der Marathonstrecke waren es also, alles genau durch RaceResult Matten und mobile Zeitnahmesysteme kontrolliert. Gut so, dachte ich.
Wir Pacer für 4:45 Stunden, das war außer mir noch Arnt Scheidler aus Aschaffenburg, haben ein recht konstantes Tempo vorgeben können. Rechnerisch 6:45 Minuten pro Kilometer, aber immer ein klein wenig schneller, um Zeit für die Verpflegungsstände und auch mal für eine Toilettenpause zu haben. Diese war aber nicht notwendig, vielleicht der Grund, dass wir etwas zu früh eingelaufen sind?
Aber die kleine Truppe, die sich anfangs um uns geschart hatte, wurde immer kleiner und am Ende war eben niemand mehr dabei, schade eigentlich.
Aber auf den letzten Metern stockten wir noch einmal kurz, um einem sehr engagierten Läufer noch die Gelegenheit zu geben, durch unsere Mitte zu rennen, um in einem fulminanten Schlussspurt noch all dass gut zu machen, was bis dahin versäumt wurde.
4 Stunden, 42 Minuten und 42 Sekunden, so die offizielle Zeitmessung, ich war sehr zufrieden.

Und nach dem Motto „Run now – Beer later“ gab es im Ziel für mich zwei Flaschen Bitburger 0,0, eine mit Grapefruit, eine neutral, aber beide sowas von lecker und erfrischend.
Und mit dem Bier in der Hand, selbstredend alkoholfrei, ging der Blick voraus zum nächsten Pacing, dann für 4:30:00 Stunden, in Freiburg beim Freiburg-Marathon.
Arnt wird wieder mein Partner im Pacing sein und ich hoffe, dass wir wieder die gleiche Schrittfolge hinbekommen, das es wieder so perfekt rundlaufen wird, nur dass die langen Geraden nicht mehr da sind, dafür vielleicht der eine oder andere Zuschauer mehr.

Ab in den Süden, der Sonne hinterher …

Ich wollte schon lange nach La Gomera, auf die zweitkleinste Insel der Kanaren. Spätestens, seit mir mein langjähriger Freund Michi Raab von www.laufcoaches.com erzählt hat, wie schön es dort ist.
Als bekennender Fan kanarischer Inseln, allen voran natürlich Gran Canaria, wollte ich La Gomera also kennenlernen.
Michi bot seit einigen Jahren ein langes Laufwochenende dort an, ähnlich locker wie ich es bei ihm auf Mallorca (GR221) und auf Korsika (GR20) erlebt habe. Kein Wettkampf, dafür Gemeinschaft und gemeinsames Erleben schöner Laufrouten.
Es hat aber zeitlich bislang nie gepasst. Da waren der Job, die vier Takte des „Kölnpfadwandern im 4/4 Takt“, private Termine …
Aber manche Menschen machen halt schöne Dinge, andere Menschen haben Ausreden.

2024 hatte ich keine Ausreden mehr, vor allen nicht, weil erstmals zum Lauf (https://www.laufcoaches.com/gr132-around-la-gomera) auch Wanderungen (https://www.xn--knigsmarsch-rfb.de/la-gomera) angeboten wurden.
Also stand ich vor der „Gretchenfrage“: Wandern oder Laufen?

Das hatte ich dann auf Facebook gefragt, viele Antworten erhalten und ich habe dann abgewogen, was mir wichtiger ist, was ich mir eher zutraue und worauf ich mehr Lust hätte.
Und die Antwort war: Beides.
Also erst fünf Tage lang wandern, danach drei Tage lang Laufen, inklusive eines kleinen Bergultras.
Und auf diese insgesamt 8 Sporttage auf der Insel freue ich mich sehr.

Heute ist mein Anreisetag.
La Gomera liegt nicht gerade „kurz hinter Kassel“, sondern Du fliegst erst entweder nach Teneriffa Süd und nimmst dann eine Fähre nach St. Sebastian auf La Gomera oder Du machst es wie ich es für mich entschieden habe. Du fliegst nach Gran Canaria und nimmst dann einen Binter-Flug nach La Gomera.

6.00 Uhr morgens, der Wecker klingelt, der Zeitplan ist eng.
Der Koffer ist schon weitgehend gepackt – und das war schon eine riesige Aufgabe. Was nimmt man mit auf solch einen Trip. Es ist warm auf La Gomera, natürlich. Die Insel liegt neben der Sahara, neben Afrika. Aber es gibt auch Berge dort, nicht allzu hoch, rund 1.470 Meter hoch ist der ___ , die höchste Erhebung der Insel.
500 Höhenmeter niedriger als der Pico de las Nieves auf Gran Canaria, aber dort bin ich im Februar auch schon in dickem Schnee gelaufen.
Für die Wanderung also eine Wanderhose, aber nicht die dickere, die ist zu warm. Dazu die Socken, zur Sicherheit Sport-Unterhemden, die Funktionsshirts. Ein Fließpulli muss mit, eine Regenjacke, eine Laufjacke. Zwei Paar Laufschuhe, auch zum Wandern. Bei der Größe meiner Schuhe sind drei Paar Treter einfach nicht drin.
Und noch die Laufhosen, drei kurze Höschen, zur Sicherheit aber auch zwei Dreiviertelhosen, man weiß ja nicht, wie es kommt, weitere Socken, noch mehr Laufshirts. Armlinge, ganz wichtig. Und Pflaster, schon um die Brustwarzen abzukleben.
Zwei Kappen, Sonnenmilch, Sonnenbrille, Sportbrille, ein paar Riegel gegen den kleinen Hunger auf den Strecken, die leichten Laufstöcke – es hört nicht auf.
16,5 Kilogramm zeigt die Waage, super. 23 Kilogramm darf ich nach Gran Canaria mitnehmen, aber nur 20 Kilogramm erlaubt Binter. Da ist ja gewichtsmäßg noch viel Luft nach oben.
Also noch mal nachsehen, es gibt doch noch Dinge, die Du am liebsten bei Dir hättest.
Am Ende sind es 21,2 Kilogramm und ich hoffe, dass Binter da deswegen keinen Stress macht.
Duschen, anziehen, den Koffer fertig packen und ab damit ins Auto.

6.45 Uhr, Abfahrt. Es geht zum P+R Parkplatz des Bahnhofs Erkelenz. Um 7.21 Uhr den Zug nehmen nach Mönchengladbach, dort umsteigen nach Düsseldorf HBF, erneut umsteigen nach Düsseldorf Flughafen.
Alles klappt planmäßig, in den Flieger eingecheckt hatte ich schon, nur noch eine Gepäck-Banderole erstellen, anstehen, Koffer aufgeben. Das mit dem Koffer ist mein „Problem des Tages“, weil ich hoffe, auf Gran Canaria nicht allzu lange auf den Koffer warten zu müssen, sonst wäre mein Weiterflug in Gefahr. Eine Stunde und 10 Minuten Zeit habe ich nur, wahrlich kein Luxus. Wenn dann schon ein paar Minuten für die Verspätung draufgehen und dann musst Du bei ca. 240 Fluggästen noch lange auf Deinen Koffer warten musst, dann rennt die Zeit nochmal schneller.

11.00 Uhr, Abflug, fast pünktlich. Ich hatte mich für Eurowings entschieden, wie schon so oft. Verspätet gelandet, wie schon so oft. Und wie schon so oft bekamen wir nur einen Landeplatz außerhalb, also mit einem Bustransfer. Und herrje, bis mal die ersten Koffer kamen – und bis meiner kam! Warten kann nervenzerfetzend sein, wenn Du Zeitdruck hast.
Als der Koffer dann kam, etwas mehr als 60 Minuten nach dem Touchdown, schnappte ich ihn mir und rannte los. Aus dem Baggage Claim heraus, an den Zöllnern vorbei, nach rechts, bis endlich die Rolltreppe nach oben kam. Und dann den gesamten Flughafen entlang bis in die hinterste Ecke.
Noch 12 Minuten bis zum Start. Ich stelle meinen Koffer beim Check-In aufs Band, der Kollege dort lächelt und nickt. Ich denke, alles wird doch noch gut. Aber dann schüttelt er mit dem Kopf, ruft seinen Supervisor, der sieht sich das an und sagt, dass man nichts mehr für mich tun kann, außer den Flug auf morgen zu verschieben.
„Morgen, wann dann?“ frage ich. Es sollte der gleiche Flug sein, das aber ist mir viel zu spät. Also verhandeln. Ich wäre ja über Teneriffa geflogen, wäre dort umgestiegen, es gibt aber einen Direktflug nach La Gomera, um 8.30 Uhr morgen früh. Perfekt, sage ich, den nehme ich.
Also zum Schalter, das Organisatorische abgewickelt, über WhatsApp die Wandertruppe informiert, bei Booking.com eine Bleibe gesucht, ein Taxi genommen und ab nach Agüimes.

Ich kannte das Städtchen schon, ich bin oft da durchgefahren, mal mit dem Auto, mal mit dem Fahrrad. Aber wenn Du nur die Hauptstraße kennst, dann weißt Du nicht, was für eine zauberhafte Altstadt dieses Städtchen hat. Bronzefiguren überall, Bars, Restaurants, große Plätze mit wunderschönen Bäumen – und all das bei perfekten Temperaturen. Nicht heiß, aber warm, perfekt für einen Stadtbummel. Was war der schön!
Auf dem Marktplatz an der Rosario Kirche sind viele Buden aufgebaut, aber es sieht verlassen aus. Ob das der Rest vom Karneval ist? Oder geht da heute Abend noch was? Ich werde sehen …
Egal, auf jeden Fall habe ich mir aus der „Zitrone“, die das Leben mir serviert hat, eine „Limonade“ gemacht.
Und werde mich auf morgen früh freuen. Um 7.00 Uhr werde ich abgeholt, deutsche Zeit 6.00 Uhr. Wieder früh aufstehen, aber kein Risiko eingehen, erneut zu spät zu kommen.
Und morgen geht es dann auf den Trail.
What a wonderful world! Qué mundo tan hermoso!

Prognose Juni 2020

Ich werde zurzeit öfters angesprochen, um eine Meinung zu äußern, ob die Veranstaltungen des KÖLNPFAD UltraLauf 2020 und des KÖLNPFAD UltraWandern 2020 wie geplant durchgeführt werden können. Oder besser noch, ich soll definitiv sagen, ob oder ob nicht.

„Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen.“

Diese Erkenntis wird u.a. Karl Valentin, Mark Twain, Winston Churchill, Niels Bohr, und Kurt Tucholsky zugeschrieben. Egal, wer sie tatsächlich in die Welt gesetzt hat, die Erkenntnis ist leider wahr.
Niemand von uns hat eine Kristallkugel, niemand von uns ist ein Seher, also halten wir uns doch an die Fakten.

Fakt ist, dass Österreich als erster Staat eine Exitstrategie aus den Beschränkungen der Corona-Pandemie vorgelegt hat. Die ersten Regelungen daraus machen Mut, am Ende aber steht der Satz, dass es „Veranstaltungen nicht vor dem 30. Juni“ geben wird. Dabei ist nicht klar, was man in Wien unter „Veranstaltungen“ definiert.
Sollte sich Berlin aber dieser Exitstrategie anschließen, dann könnten eventuell die wenigen Tage im Juni unser Verhängnis sein.

Wie wir in diesem Falle reagieren würden? Verschiebung um eine Woche, um zwei Wochen? Verschiebung in den September, wie es so viele Veranstalter tun? Was würde das bedeuten für die Teilnehmer, für die vielen Menschen an den Verpflegungspunkten und in der Trailcity? Und was für die Sponsoren, die uns Material leihen, das ja schon seit Monaten verplant ist? Was wäre mit dem Vertrag mit der Stadt Köln über die Überlassung der Bezirkssportanlage?

Aber … Stadt Köln. Von dort werde ich von den zuständigen Kollegen ermuntert, am Termin festzuhalten, auch wenn noch niemand weiß, was Berlin entscheiden wird. Dazu kommt, dass auch ein positiver Entscheid über das Eventwochenende bei einer Verschlechterung der Corona Situation in Deutschland jederzeit per Ordnungsverfügung gekippt werden kann.

Nächste Woche, in der Woche nach Ostern, werden wir wohl Klarheit bekommen. Die Exitstrategie der Bundesregierung wird veröffentlicht werden, so ist es uns allen zugesagt worden. Außerdem nimmt der politische Druck auf Berlin ständig zu. Das alles sind Mutmacher.

Also … bitte noch eine gute Woche Geduld. Darum bitte ich.

Japanische Kalligraphie „Geduld“