Hinterm Horizont geht`s weiter …

Mit Dietmar Mintgen ging uns ein ganz Großer voraus

Gleich zwei Mal durfte ich Abschied nehmen von einem der ganz Großen im Lauf- und im Ultrawandersport. Dietmar Mintgen, geboren am 2. Juni 1954, erlag am 29. November 2025 bei einer Weitwanderung einem Herzfehler, als dieses einfach stehenblieb, trotz aufwändiger Versuche der Reanimation.
Letzten Sonntag, am 14. Dezember 2025 machten sich die Helferinnen und Helfer, die diese Reanimation versucht hatten, gemeinsam auf, um den Ort noch einmal aufzusuchen, an dem die Tragödie passiert ist. Ich war dazu eingeladen und ich wiederum lud meinen Freund, Christoph Mintgen, Dietmars Sohn, ebenfalls dazu ein.
Ziel war es, noch einmal Dietmar zu gedenken und an dieser Stelle ein kleines Kreuz aufzustellen.
Es war eine ruhige, besinnliche, Viertelstunde im Wald von Herdecke. Ein paar Worte wurden zu Ehren von Dietmar gesagt und Christoph dankte sichtlich bewegt dafür.

Und gestern, am Donnerstag, den 18. Dezember 2025, fand die Beisetzung der Urne von Dietmar statt. Christoph hatte mich dazu eingeladen, eine Einladung, die ich sehr gerne angenommen habe. So hatte ich ausgiebig Zeit, mich gedanklich und körperlich von Dietmar zu verabschieden. Zudem lernte ich Dinge aus Dietmars Leben, die mir bislang unbekannt waren.

Die Trauerrede hielt die Trauerrednerin Sophia Dietrich, mit der ich einen Tag zuvor noch telefoniert hatte. Sie verglich Dietmars Leben mit einem Marathonlauf, den man voller Euphorie beginnt und der dann Höhen und Tiefen bringt. Welcher Läufer kennt das nicht?
Und sie erwähnte die Handgelenkbänder, die bei den meisten Weitwanderungen vergeben werden. Und als persönliche Erinnerung daran bekam jeder Trauergast ein weißes Handgelenkbändchen. Eine wirklich schöne Geste, die ich in Erinnerung behalten werde.

Ich kannte Dietmar zuerst von Zeitungsberichten her, in denen der „Dauerläufer“ Dietmar gewürdigt wurde, immerhin hatte er im Juni 2024 zu seinem 70. Geburtstag auch seinen 1.000sten Marathon bewältigt und wurde dafür bewundert und geehrt. Für mich ist es alleine schon ein kleines Wunder, dass ein Körper diese immense Leistung bewältigen kann.
Einmal um die Erde herum, zusätzlich zu allen Trainingskilometern, den Läufen unterhalb der Marathonschwelle und den täglichen Kilometern im privaten Bereich.
Später dann habe ich viele Läufe mit Christoph bewältigt. Da waren große Dinge dabei wie die Tage auf dem GR221 auf Mallorca, dem GR20 auf Korsika, aber auch kleine Dinge wie der Quellenlauf, den wir ganz einfach zu zweit gegangen sind. Dabei haben wir oft über Dietmar gesprochen.
Ich erinnere mich noch gut daran, dass ich es als eine große Ehre angesehen hatte, als sich Dietmar zum ersten Mal bei einer unserer Veranstaltungen in und um Köln angemeldet hatte.
Eine Anmeldung, die er danach oft wiederholte.

Dietmar wurde also 2019 zum ersten Mal Mitglied der „Kölnpfadfamilie“, er ging damals auf die 100km Strecke und natürlich konnte er finishen.

Was ich jedoch nicht wusste und was ich gestern gelernt habe, ist, dass er ein unermüdlicher Helfer war, immer dort, wo Hilfe benötigt wurde.
So wurde er ein wichtiger Baustein der Ahrtal-Hilfe. Nach der Katastrophe, die das Ahrtal heimgesucht hatte, wurden Hilfen organisiert und systematisiert. Über die Seite www.helfer-shuttle.de wurden die Helfer zu Abholpunkten gebeten und zielgerichtet zu Hilfsprojekten im Ahrtal gefahren und anschließend auch wieder abgeholt.

Es waren überwiegend junge Menschen, die dort Hilfe leisteten und Dietmar stach schon durch sein Alter heraus. Und diese jungen Menschen entdeckten einen Dietmar, der Wände gestemmt hat und in seiner Arbeit ein Vorbild für den Rest der Helfenden dargestellt hat.
„Ihr ballert aber ganz schön wild“ hieß es dann. Und so wurde ein Name geboren, das „Team Ballern“.

Bildunterschrift: Dietmar findest Du rechts hinten in der blauen Jacke.

Und viele Menschen aus dem „Team Ballern“ fanden sich auch gestern ein, bei der Andacht, bei der Beisetzung und danach noch beim Zusammensein im Rittersaal in Nickenich.
Ich bin froh, diese Menschen gestern kennengelernt zu haben. Darunter war auch eine junge Dame, auf die ich irgendwann einmal separat eingehen möchte.

Dietmar war Ehemann, Vater von zwei Jungs, bodenständig und verlässlich.
Und Dietmar hatte ein Hobby: Das Laufen, das für ihn schon in sehr jungen Jahren begann. Die Strecken wurden dann immer länger und irgendwann war die Marathonstrecke die Streckenlänge, die ihn am meisten fasziniert hat. Zwar lief er auch einige Ultras, aber der Marathonlauf war das Größte für ihn.
Nach seinem 1.000sten Marathon aber riet ihm der Arzt, mit dem Marathonlauf aufzuhören und er wechselte zu den Märschen, die er zwar auch schon vorher besucht hatte, aber sie wurden nun sein neuer Lebensinhalt.
Vormittags ging er lange mit dem Hund durch sein Heimatareal und am Wochenende ging er meist auf eine lange Wanderung, wenn es nirgendwo etwas zu reparieren oder zu helfen gab.
Und sein Leben endete bei seinem Hobby auf einem Waldstück oberhalb von Herdecke.

Dietmar, Du bleibst unvergessen. Für die Läufer- und Wandererszene, für die Kölnpfadfamilie und für mich. In mir verbleiben Demut und Trauer, aber auch der Glaube, dass es gut ist, sich für die Gesellschaft zu engagieren. Wir wissej ja, dass ein Tod ja nicht das Ende ist, es ist nur eine Transformation in ein neues Kapitel des ewigen Lebens. Denn hinterm Horizont geht’s weiter …


Mein Freiburg Marathon – eine Zeitreise …

Ich weiß gar nicht mehr genau, wann ich zum ersten Mal vom „Mein Freiburg Marathon“ gehört habe. Aber ich wusste sofort, dass ich auch diesen Marathon einmal absolvieren werde, trotz der zwei Runden. Zwei-Runden Marathons sind ja nicht unbedingt das, was sich ein Läufer wünscht, aber für manche Städte mache ich gerne eine Ausnahme. Für Freiburg, zum Beispiel.

Es war Winter, als ich das erste Mal in Freiburg war. Es war im Januar 1986, ich hatte gerade die ALDI Filialen in Freiburg und Freiburg-Land zu Betreuung erhalten, wohnte noch in der schönen Stadt Rottweil, sehr zentral am Schwarzen Tor, und ich fuhr täglich durch den Schnee des Höllentals, morgens runter, abends rauf.
Ich brauchte nicht lange, um mich in diese Stadt zu verlieben. Die Stadt mit den kleinen Bächlein, die die Fußgängerzone durchziehen, die Stadt mit den niedrigen Häusern auch in den Haupteinkaufsstraßen. Gut, dass man dort in den Fünfzigern dem Drang widerstanden hat, schnell, billig und hoch wiederaufbauen zu lassen. Die Stadt im Dreiländereck, dort, wo mediterranes Klima herrscht, wo guter Wein wächst und wo die Uhren immer noch ein wenig anders gehen als anderswo, auch im Fußball. Freiburg, die grüne Stadt, die deutsche Großstadt, die als erste grün regiert wurde, schon damals, 2002, lange vor Fukushima.
Zwar regiert aktuell ein parteiloser Bürgermeister die Stadt, die Grünen stellen aber noch immer mit 14 der 48 Sitze die stärkste Fraktion im Freiburger Gemeinderat.
So viele Gründe also, warum Freiburg nach München die beliebteste Wohnstadt Deutschland ist.

Wir suchten damals eine neue Bleibe, auch um der täglichen Fahrerei zu entkommen und wir sahen uns nach Eigentumswohnungen rund um den Freiburger Seepark um. Das war damals auch das Gelände der Landesgartenschau. Dass wir letztlich dort doch nicht gekauft haben, das bedauere ich bis heute. Stattdessen haben wir uns eine Maisonette-Wohnung in der „Villa Palladio“ in Bad Krozingen gekauft, einfach, weil viel weniger Geld zu finanzieren war. Heute weiß ich, dass 1a Lagen immer besser sind und sich besser entwickeln als andere, reproduzierbare, Lagen.

Aber als ich letzten Sonntag den „Mein Freiburg Marathon“ als Pacer für 4:45 Stunden lief, da kamen wir ziemlich früh am Seepark vorbei. Natürlich hat sich vieles verändert in den fast 40 Jahren, die seither vergangen sind, über 35 Jahre, seit ich dort nicht mehr arbeite und in den Westen gezogen bin, aber dennoch erwischten mich die Erinnerungen, auch, als wir die Günterstalstraße überquerten, dort war auch einer meiner Läden und auch bei zwei weiteren Adressen. Was war das doch dort für eine schöne Zeit gewesen!
In etwa bei Kilometer 17 ging es dann durch das Stadttor in die kopfsteingepflasterte Innenstadt, die vielen Geschäfte, von denen ich kaum noch welche wiederfand.
Die Enoteca, in der mein Bruder eine Weile gearbeitet hatte, gibt es noch, aber vieles ist eben auch verschwunden. Wie schnell sich doch die Geschäftswelt in 35 Jahren verändert!
Aber der Charme der Stadt hat sich nicht verändert, obwohl ich schon immer mehr ein Fan der kleinen Gassen neben den Haupteinkaufsstraßen war, wo kleine Läden, pittoreske Restaurants und schräge Kneipen zu Hause sind.

Aber zum Freiburg Marathon … 9.30 Uhr ist der Start, so die Ausschreibung. Aber es wurde in Blöcken gestartet und selbst der Block A durfte nicht pünktlich los, weil noch zwei Autos abgeschleppt werden mussten. Das Lesen ist halt nicht jeder Person gegeben, die einen Parkplatz sucht.
Dann, als Block A gestartet war, geschah erst mal lange nichts mehr. Wir sahen die schnellen Läuferinnen und Läufer etwas entfernt zu unserer Rechten, weil die Strecke gleich zwei Mal nach rechts abbog. Es war ein schönes Bild, das diese schnelle Läuferschar abgegeben hat.
Dann startete der Block B, wieder eine lange Pause, dann startete der Block C. In diesem Block standen alle, deren Zeitziel unter 4 Stunden lag. Und nach der nächsten Pause, es war schon ein paar Minuten nach 10.00 Uhr, durfte Block D starten. Block D, das sind die Marathonis mit einer Zielzeit von über 4 Stunden, der „Partyblock“ wie der Moderator es despektierlich nannte.
Hier darf durchaus Kritik an dieser Moderation geäußert werden, denn für viele ist ein „sub 5h“ Marathon schon ein hehres Ziel und es hat weiß Gott nichts mit „Party“ zu tun.
Da ich als Pacer für 4:45 Stunden erst die Gruppe um die 4:00 Stunden Pacer abwarten musste, auch die Gruppe der 4:15 Stunden Pacer und der 4:30 Stunden Pacer, konnten wir uns im „Partyblock“ erst spät auf die Reise machen.

Wir waren zu dritt als Pacer für die 4:45 Stunden unterwegs und das war gut so, denn ab Kilometer 30 etwa tat ich mich sehr schwer. Ich musste immer mehr tun, um das Tempo zu halten, obwohl 6:45 Minuten pro Kilometer ja eigentlich keine große Sache für mich sein sollten.

In meiner Erinnerung bin ich noch schneller, eine Grundgeschwindigkeit von 5:20 Minuten pro Kilometer ist perfekt, ich bin noch gut in den 50ern und noch 8 Kilogramm leichter – in der Erinnerung halt.

In der Realität angekommen ist es schon so, dass ich froh bin, nicht mehr für schnellere Pacings als 4:30 Stunden zur Verfügung zu stehen. Und auch die sind weder „Party“ noch „Ponyhof“ für mich.
Die Strecke ist schnell beschrieben: Es sind 21,1 interessante, wunderschöne, Kilometer mit ziemlich vielen Zuschauern, mit 38 Bands an der Strecke, mit einer hervorragenden Marathonverpflegung (Wasser, Iso, später auch alkoholfreies Weizen – Bananen, Dextro Energy Flüssiggel), aber einer wirklich entscheidenden Schwäche.
In etwa bei Kilometer 16 gab es Dextro Energy Flüssiggel, ich nahm mir eines, spritzte es mir in den Mund und freute mich 21 Kilometer lang darauf, in der zweiten Runde erneut ein Päckchen nehmen zu können.
In der zweiten Runde aber war da … nichts mehr.
Warum, liebes Orga-Team, gebt Ihr das den Halbmarathonis für die letzten 5 Kilometer, vergesst aber, dass die Marathonis fünf Kilometer vor deren Ziel nicht weniger kaputt sind?

Überhaupt, Halbmarathonis und Marathonis. In Freiburg ist es wie in den anderen Städten, wo zwei gleiche Runden angeboten werden: 7.710 Halbmarathonis standen rund 1.124 Marathonis entgegen.
Dass die zweite Runde, dann ohne Halbmarathonis, erheblich ruhiger und leerer war, ist damit schon klar. Zu diesen Zahlen addierten sich 10 km Läufer, die Personen der Marathonstaffeln und die vielen Mädchen und Jungen der Schülerstaffeln, man tut halt alles, um der Öffentlichkeit und den Sponsoren möglichst hohe Teilnehmerzahlen nennen zu können, in diesem Fall waren es „über 14.000 Teilnehmer“.
Fakt ist aber, dass es also nur rund 8% der Teilnehmenden beim „Mein Freiburg Marathon“ waren, die wirklich den Freiburg Marathon gelaufen sind, ein Trend, den es auch in Bonn, in Mainz und bei den letzten Marathons von Mönchengladbach zu sehen gab.

Der „Mein Freiburg Marathon“ ist ein sehr schöner Lauf, aber kein schneller Lauf. Der Sieger brauchte 2:25:30 Stunden für den Kurs, die Siegerin 2:43:47 Stunden, häufige und teils enge Kurven, insgesamt mehr als 200 Höhenmeter und das Kopfsteinpflaster in der Innenstadt bremsten die Teilnehmerschar aus. Kein Marathon also, um an seiner „PB“ (persönlichen Bestzeit) zu schrauben, aber ein Marathon, um seinen Schatz an schönen Erinnerungen zu erweitern.

Es war dann in etwa bei Kilometer 38, als meine Mitpacer mich von hinten überholten, ich befand mich gerade in einem physischen und psychischen Loch, als ich Robin, einen der Mitpacer, bat, meine Fahne aus dem Rucksack zu ziehen. Ich nahm sie dann auseinander und trug sie in der Hand Richtung Ziel.
Ich wollte einfach nicht, dass sich noch jemand an mir orientierte und ich rechnete mit einer Verlangsamung auf über 7 Minuten pro Kilometer, das Zeitziel 4:44:59 Stunden schien nicht mehr erreichbar.
Aber dann, ohne den psychischen Druck des Pacers, ging es plötzlich wieder. Erst hielt ich den Abstand zu den Mitpacern, der durch das Auseinanderbauen und Einwickeln der Fahne entstanden ist, dann verkürzte ich den Abstand und schließlich passierte ich die beiden irgendwann.
„Nur noch rein ins Ziel“, dachte ich. Langsamer werden wollte ich nicht mehr, nur noch rein, nur noch rein, nur noch rein ins Ziel …
Meine Zielzeit von 4:43:06 Stunden war letztlich knapp zwei Minuten „zu schnell“, meine Mitpacer Allyn und Robin kamen mit 4:45:06 Stunden etwas genauer ins Ziel – und sicherlich mit weniger Schmerzen.

Im Ziel gab es dann die Medaille, eine große, sehr schöne Medaille, mit einem Innenteil, das man rotieren lassen kann. Vielen Dank dafür.
Und es gab alkoholfreies Bier, alkoholfreies Weizen, leicht alkoholhaltiges Radler und noch einmal ein alkoholfreies Weizen.
Mehr wollte ich nicht. Nicht die Bananen, nicht den Joghurt, nicht die Maultaschen mit Kartoffelsalat, wobei ich sowieso nicht wusste, ob es überhaupt vegetarische Maultaschen gab. Ich wollte möglichst schnell nach Hause, immerhin waren ja noch rund 500 Kilometer zu fahren.
Das aber übernahm dankenswerterweise Marita, sodass ich mich auf der Autofahrt ein wenig entspannen konnte, auch eine kleine „Mütze Schlaf“ war drin.

Mein Fazit: Freiburg ist eine Reise wert, Freiburg ist einen Lauf wert, ob hier der Halbmarathon genügt, muss jeder selbst entscheiden. Für mich war der „Mein Freiburg Marathon“ aber auch eine Reise in meine frühen Erwachsenenjahre.
Es war eine sehr, sehr schöne Reise.

Ab in den Süden, der Sonne hinterher …

Ich wollte schon lange nach La Gomera, auf die zweitkleinste Insel der Kanaren. Spätestens, seit mir mein langjähriger Freund Michi Raab von www.laufcoaches.com erzählt hat, wie schön es dort ist.
Als bekennender Fan kanarischer Inseln, allen voran natürlich Gran Canaria, wollte ich La Gomera also kennenlernen.
Michi bot seit einigen Jahren ein langes Laufwochenende dort an, ähnlich locker wie ich es bei ihm auf Mallorca (GR221) und auf Korsika (GR20) erlebt habe. Kein Wettkampf, dafür Gemeinschaft und gemeinsames Erleben schöner Laufrouten.
Es hat aber zeitlich bislang nie gepasst. Da waren der Job, die vier Takte des „Kölnpfadwandern im 4/4 Takt“, private Termine …
Aber manche Menschen machen halt schöne Dinge, andere Menschen haben Ausreden.

2024 hatte ich keine Ausreden mehr, vor allen nicht, weil erstmals zum Lauf (https://www.laufcoaches.com/gr132-around-la-gomera) auch Wanderungen (https://www.xn--knigsmarsch-rfb.de/la-gomera) angeboten wurden.
Also stand ich vor der „Gretchenfrage“: Wandern oder Laufen?

Das hatte ich dann auf Facebook gefragt, viele Antworten erhalten und ich habe dann abgewogen, was mir wichtiger ist, was ich mir eher zutraue und worauf ich mehr Lust hätte.
Und die Antwort war: Beides.
Also erst fünf Tage lang wandern, danach drei Tage lang Laufen, inklusive eines kleinen Bergultras.
Und auf diese insgesamt 8 Sporttage auf der Insel freue ich mich sehr.

Heute ist mein Anreisetag.
La Gomera liegt nicht gerade „kurz hinter Kassel“, sondern Du fliegst erst entweder nach Teneriffa Süd und nimmst dann eine Fähre nach St. Sebastian auf La Gomera oder Du machst es wie ich es für mich entschieden habe. Du fliegst nach Gran Canaria und nimmst dann einen Binter-Flug nach La Gomera.

6.00 Uhr morgens, der Wecker klingelt, der Zeitplan ist eng.
Der Koffer ist schon weitgehend gepackt – und das war schon eine riesige Aufgabe. Was nimmt man mit auf solch einen Trip. Es ist warm auf La Gomera, natürlich. Die Insel liegt neben der Sahara, neben Afrika. Aber es gibt auch Berge dort, nicht allzu hoch, rund 1.470 Meter hoch ist der ___ , die höchste Erhebung der Insel.
500 Höhenmeter niedriger als der Pico de las Nieves auf Gran Canaria, aber dort bin ich im Februar auch schon in dickem Schnee gelaufen.
Für die Wanderung also eine Wanderhose, aber nicht die dickere, die ist zu warm. Dazu die Socken, zur Sicherheit Sport-Unterhemden, die Funktionsshirts. Ein Fließpulli muss mit, eine Regenjacke, eine Laufjacke. Zwei Paar Laufschuhe, auch zum Wandern. Bei der Größe meiner Schuhe sind drei Paar Treter einfach nicht drin.
Und noch die Laufhosen, drei kurze Höschen, zur Sicherheit aber auch zwei Dreiviertelhosen, man weiß ja nicht, wie es kommt, weitere Socken, noch mehr Laufshirts. Armlinge, ganz wichtig. Und Pflaster, schon um die Brustwarzen abzukleben.
Zwei Kappen, Sonnenmilch, Sonnenbrille, Sportbrille, ein paar Riegel gegen den kleinen Hunger auf den Strecken, die leichten Laufstöcke – es hört nicht auf.
16,5 Kilogramm zeigt die Waage, super. 23 Kilogramm darf ich nach Gran Canaria mitnehmen, aber nur 20 Kilogramm erlaubt Binter. Da ist ja gewichtsmäßg noch viel Luft nach oben.
Also noch mal nachsehen, es gibt doch noch Dinge, die Du am liebsten bei Dir hättest.
Am Ende sind es 21,2 Kilogramm und ich hoffe, dass Binter da deswegen keinen Stress macht.
Duschen, anziehen, den Koffer fertig packen und ab damit ins Auto.

6.45 Uhr, Abfahrt. Es geht zum P+R Parkplatz des Bahnhofs Erkelenz. Um 7.21 Uhr den Zug nehmen nach Mönchengladbach, dort umsteigen nach Düsseldorf HBF, erneut umsteigen nach Düsseldorf Flughafen.
Alles klappt planmäßig, in den Flieger eingecheckt hatte ich schon, nur noch eine Gepäck-Banderole erstellen, anstehen, Koffer aufgeben. Das mit dem Koffer ist mein „Problem des Tages“, weil ich hoffe, auf Gran Canaria nicht allzu lange auf den Koffer warten zu müssen, sonst wäre mein Weiterflug in Gefahr. Eine Stunde und 10 Minuten Zeit habe ich nur, wahrlich kein Luxus. Wenn dann schon ein paar Minuten für die Verspätung draufgehen und dann musst Du bei ca. 240 Fluggästen noch lange auf Deinen Koffer warten musst, dann rennt die Zeit nochmal schneller.

11.00 Uhr, Abflug, fast pünktlich. Ich hatte mich für Eurowings entschieden, wie schon so oft. Verspätet gelandet, wie schon so oft. Und wie schon so oft bekamen wir nur einen Landeplatz außerhalb, also mit einem Bustransfer. Und herrje, bis mal die ersten Koffer kamen – und bis meiner kam! Warten kann nervenzerfetzend sein, wenn Du Zeitdruck hast.
Als der Koffer dann kam, etwas mehr als 60 Minuten nach dem Touchdown, schnappte ich ihn mir und rannte los. Aus dem Baggage Claim heraus, an den Zöllnern vorbei, nach rechts, bis endlich die Rolltreppe nach oben kam. Und dann den gesamten Flughafen entlang bis in die hinterste Ecke.
Noch 12 Minuten bis zum Start. Ich stelle meinen Koffer beim Check-In aufs Band, der Kollege dort lächelt und nickt. Ich denke, alles wird doch noch gut. Aber dann schüttelt er mit dem Kopf, ruft seinen Supervisor, der sieht sich das an und sagt, dass man nichts mehr für mich tun kann, außer den Flug auf morgen zu verschieben.
„Morgen, wann dann?“ frage ich. Es sollte der gleiche Flug sein, das aber ist mir viel zu spät. Also verhandeln. Ich wäre ja über Teneriffa geflogen, wäre dort umgestiegen, es gibt aber einen Direktflug nach La Gomera, um 8.30 Uhr morgen früh. Perfekt, sage ich, den nehme ich.
Also zum Schalter, das Organisatorische abgewickelt, über WhatsApp die Wandertruppe informiert, bei Booking.com eine Bleibe gesucht, ein Taxi genommen und ab nach Agüimes.

Ich kannte das Städtchen schon, ich bin oft da durchgefahren, mal mit dem Auto, mal mit dem Fahrrad. Aber wenn Du nur die Hauptstraße kennst, dann weißt Du nicht, was für eine zauberhafte Altstadt dieses Städtchen hat. Bronzefiguren überall, Bars, Restaurants, große Plätze mit wunderschönen Bäumen – und all das bei perfekten Temperaturen. Nicht heiß, aber warm, perfekt für einen Stadtbummel. Was war der schön!
Auf dem Marktplatz an der Rosario Kirche sind viele Buden aufgebaut, aber es sieht verlassen aus. Ob das der Rest vom Karneval ist? Oder geht da heute Abend noch was? Ich werde sehen …
Egal, auf jeden Fall habe ich mir aus der „Zitrone“, die das Leben mir serviert hat, eine „Limonade“ gemacht.
Und werde mich auf morgen früh freuen. Um 7.00 Uhr werde ich abgeholt, deutsche Zeit 6.00 Uhr. Wieder früh aufstehen, aber kein Risiko eingehen, erneut zu spät zu kommen.
Und morgen geht es dann auf den Trail.
What a wonderful world! Qué mundo tan hermoso!

What a Beautiful Noise!

Lyrics: Beautiful Noise von Neil Diamond

What a beautiful noise
Comin‘ up from the street
Got a beautiful sound
It’s got a beautiful beat

It’s a beautiful noise
Goin‘ on everywhere
Like the clickety-clack
Of a train on a track
It’s got rhythm to spare

It’s a beautiful noise
And it’s the sound that I love
And it fits me as well
As a hand in a glove
Yes it does
Yes it does

What a beautiful noise
Comin‘ up from the park
It’s the song of the kids
And it plays until dark

It’s the song of the cars
On their furious flights
But there’s even romance
In the way that they dance
To the beat of the lights

It’s a beautiful noise
And it’s the sound that I love
And it makes me feel good
Like a hand in a glove
Yes it does
Yes it does

What a beautiful noise
It’s a beautiful noise…

https://www.youtube.com/watch?v=UVLv1El1vh4

Hey Trailers, what a beautiful noise!
Endlich mal wieder einmal die Geräusche der Trailpiste genießen, endlich mal wieder das Gefühl, eine Startnummer durch die Landschaft tragen, endlich mal wieder die vertrauten Geräusche der guten und langjährigen Läuferfreund*innen erleben und endlich mal wieder einer Begleitung zuhören, neben der die Stunden wie im Flug vergehen und wirklich keine Langeweile aufkommt!

Betty und der Rest der Trailwelt

Eigentlich gelang mir läuferisch ja nichts mehr seit dem genialen Lauf im Oman, an den ich so gerne zurück denke. Es war Ende November auf Anfang Dezember 2018, kurz nachdem meine kleine Welt zusammengebrochen war und ich ins tiefe Tal der Tränen absteigen musste, ein Tal, dass ich jetzt endlich auf der anderen Talseite wieder verlassen konnte.

Ein Start beim MaXi Race in Annecy, das ich ebenso wenig beenden konnte wie manch andere Rennen in 2019 und einige DNS in der Schweiz, in Italien und in Frankreich, das war „nix“, das war „gar nix“.

Und dann fehlten Training, Höhenmeter, Zeit und Motivation. Und es folgten Umzüge und Corona. Und dann kam der Bärenfels-Trail.
Gemeldet hatten sich Anna und ich ambitioniert für die 54 km Strecke, obwohl ich schon lange nicht mehr so weit gelaufen bin. Aber es war ja unser erster gemeinsamer Auftritt in der beschaulichen Trailrunner-Welt, außerdem hatte ich überhaupt nicht realisiert, dass man sich auch für kürzere Distanzen hätte anmelden können.
Für kürzere Distanzen anmelden? Kennst Du das, dass da die Augen beim Lesen versagen, die Finger die entsprechende Maustaste nicht finden und Dein Doktor dann stets eine akute und vor allem ansteckenden Langdistanzitis diagnostiziert?

Aber wenn man schon zwei Lieben hat, eine Liebe neben sich, eine Liebe unter den Laufschuhen, dann sollte man schon wagen, so lange zu laufen, bis beiden Lieben gerecht wurde.

Also raus aus den Federn um 3.15 Uhr, Schlaf wird ja stets überbewertet, das wissen wir alle und rein ins Auto um 4.00 Uhr und aus Viersen über Düsselstadt Richtung Idar-Oberstein gefahren.
Es war eine kleine Gemeinde von Läufer*innen, die sich dort für die 21, 42 oder 54 Kilometer versammelten, aber es war ein Gutteil bester Freund*innen da, sodass die Wiedersehensfreude groß war und sich manche Münder vor lauter Redeschwall nicht mehr schließen wollten.
Auch in Zeiten von Corona konnten wir Fotos voneinander machen, lachen, scherzen und Spaß haben. Dann ging es mit einer kleinen Verspätung auf die Piste.

10,8 km sollte jede Runde lang sein und die ersten beiden Runden waren tatsächlich fast exakt so lange. Erst die dritte Runde wurde etwas länger und die vierte Runde fühlte sich dann noch länger an, so lange, dass Anna und ich beschlossen, dass ein Marathon zum Wiedereinstieg mindestens genauso wichtig und richtig wäre wie ein Ultra. Nach vier Runden und gut 44 km raus, als Marathoni gewertet werden – alles war gut.
Vier Mal am Seil durch den Fluß geführt – vom Brückenbau versteht man glücklicherweise dort nicht viel, das macht den Trail spannender, die Füße nasser und die Blasen wahrscheinlicher.
Dazu hatte der Kurs etliche Höhenmeter gehabt, das sei auch erwähnt, insbesondere folgten nach dem ersten VP (Verpflegungspunkt) eineinhalb Kilometer, die Dich ständig nach oben führten. Trainingsdefizite wurden dort mehr als offensichtlich. Und von diesen Defiziten hatten Anna und ich reichlich.

Apropos Verpflegungspunkte: es gab zwei Stück davon, aber leider waren sie recht spartanisch ausgestattet, es gab Wasser, etwas Cola, es gab zum Glück Bananen und Zuckerzeug en masse. Und die Menschen, die uns dort betreuten, die taten mir leid, vor allem nach den zwei Runden, als die Halbmarathonis weg waren und die Wartezeiten lang wurden.
Stelle Dir einfach vor, Du stehst in der Mitte von Nirgendwo und wartest minutenlang auf Deinen nächsten Läufergast … aber bei all dem blieb die Laune gut und die Ladies waren überaus freundlich, wenn Du brav die Corona-Regeln eingehalten hast:
– Tuch vor Mund und Nase schon Meter vor dem VP
– Desinfektion der Hände am VP
– dann Essen und Trinken.
Es ist halt vieles anders geworden in der neuen schönen Coronawelt, in der neuen Normalität.
Aber was schreibe ich, Hauptsache, wir können wieder Laufen, Walken, Wandern. Hauptsache, wir können wieder unsere Läuferfreund*innen treffen, wieder Spaß haben, wieder scherzen und wieder etliche der gemeinsamen Erinnerungen austauschen.
Hauptsache, wir können immer wieder die schönen Geräusche der Trailpiste genießen!

#fuckcorona – so wie dieses Jahr hat uns noch nie ein Jahr durchgewirbelt. Aber jetzt heißt es für mich wieder:
Back on Trail!
Wir sehen uns!

Prognose Juni 2020

Ich werde zurzeit öfters angesprochen, um eine Meinung zu äußern, ob die Veranstaltungen des KÖLNPFAD UltraLauf 2020 und des KÖLNPFAD UltraWandern 2020 wie geplant durchgeführt werden können. Oder besser noch, ich soll definitiv sagen, ob oder ob nicht.

„Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen.“

Diese Erkenntis wird u.a. Karl Valentin, Mark Twain, Winston Churchill, Niels Bohr, und Kurt Tucholsky zugeschrieben. Egal, wer sie tatsächlich in die Welt gesetzt hat, die Erkenntnis ist leider wahr.
Niemand von uns hat eine Kristallkugel, niemand von uns ist ein Seher, also halten wir uns doch an die Fakten.

Fakt ist, dass Österreich als erster Staat eine Exitstrategie aus den Beschränkungen der Corona-Pandemie vorgelegt hat. Die ersten Regelungen daraus machen Mut, am Ende aber steht der Satz, dass es „Veranstaltungen nicht vor dem 30. Juni“ geben wird. Dabei ist nicht klar, was man in Wien unter „Veranstaltungen“ definiert.
Sollte sich Berlin aber dieser Exitstrategie anschließen, dann könnten eventuell die wenigen Tage im Juni unser Verhängnis sein.

Wie wir in diesem Falle reagieren würden? Verschiebung um eine Woche, um zwei Wochen? Verschiebung in den September, wie es so viele Veranstalter tun? Was würde das bedeuten für die Teilnehmer, für die vielen Menschen an den Verpflegungspunkten und in der Trailcity? Und was für die Sponsoren, die uns Material leihen, das ja schon seit Monaten verplant ist? Was wäre mit dem Vertrag mit der Stadt Köln über die Überlassung der Bezirkssportanlage?

Aber … Stadt Köln. Von dort werde ich von den zuständigen Kollegen ermuntert, am Termin festzuhalten, auch wenn noch niemand weiß, was Berlin entscheiden wird. Dazu kommt, dass auch ein positiver Entscheid über das Eventwochenende bei einer Verschlechterung der Corona Situation in Deutschland jederzeit per Ordnungsverfügung gekippt werden kann.

Nächste Woche, in der Woche nach Ostern, werden wir wohl Klarheit bekommen. Die Exitstrategie der Bundesregierung wird veröffentlicht werden, so ist es uns allen zugesagt worden. Außerdem nimmt der politische Druck auf Berlin ständig zu. Das alles sind Mutmacher.

Also … bitte noch eine gute Woche Geduld. Darum bitte ich.

Japanische Kalligraphie „Geduld“