Mit Dietmar Mintgen ging uns ein ganz Großer voraus
Gleich zwei Mal durfte ich Abschied nehmen von einem der ganz Großen im Lauf- und im Ultrawandersport. Dietmar Mintgen, geboren am 2. Juni 1954, erlag am 29. November 2025 bei einer Weitwanderung einem Herzfehler, als dieses einfach stehenblieb, trotz aufwändiger Versuche der Reanimation.
Letzten Sonntag, am 14. Dezember 2025 machten sich die Helferinnen und Helfer, die diese Reanimation versucht hatten, gemeinsam auf, um den Ort noch einmal aufzusuchen, an dem die Tragödie passiert ist. Ich war dazu eingeladen und ich wiederum lud meinen Freund, Christoph Mintgen, Dietmars Sohn, ebenfalls dazu ein.
Ziel war es, noch einmal Dietmar zu gedenken und an dieser Stelle ein kleines Kreuz aufzustellen.
Es war eine ruhige, besinnliche, Viertelstunde im Wald von Herdecke. Ein paar Worte wurden zu Ehren von Dietmar gesagt und Christoph dankte sichtlich bewegt dafür.



Und gestern, am Donnerstag, den 18. Dezember 2025, fand die Beisetzung der Urne von Dietmar statt. Christoph hatte mich dazu eingeladen, eine Einladung, die ich sehr gerne angenommen habe. So hatte ich ausgiebig Zeit, mich gedanklich und körperlich von Dietmar zu verabschieden. Zudem lernte ich Dinge aus Dietmars Leben, die mir bislang unbekannt waren.







Die Trauerrede hielt die Trauerrednerin Sophia Dietrich, mit der ich einen Tag zuvor noch telefoniert hatte. Sie verglich Dietmars Leben mit einem Marathonlauf, den man voller Euphorie beginnt und der dann Höhen und Tiefen bringt. Welcher Läufer kennt das nicht?
Und sie erwähnte die Handgelenkbänder, die bei den meisten Weitwanderungen vergeben werden. Und als persönliche Erinnerung daran bekam jeder Trauergast ein weißes Handgelenkbändchen. Eine wirklich schöne Geste, die ich in Erinnerung behalten werde.

Ich kannte Dietmar zuerst von Zeitungsberichten her, in denen der „Dauerläufer“ Dietmar gewürdigt wurde, immerhin hatte er im Juni 2024 zu seinem 70. Geburtstag auch seinen 1.000sten Marathon bewältigt und wurde dafür bewundert und geehrt. Für mich ist es alleine schon ein kleines Wunder, dass ein Körper diese immense Leistung bewältigen kann.
Einmal um die Erde herum, zusätzlich zu allen Trainingskilometern, den Läufen unterhalb der Marathonschwelle und den täglichen Kilometern im privaten Bereich.
Später dann habe ich viele Läufe mit Christoph bewältigt. Da waren große Dinge dabei wie die Tage auf dem GR221 auf Mallorca, dem GR20 auf Korsika, aber auch kleine Dinge wie der Quellenlauf, den wir ganz einfach zu zweit gegangen sind. Dabei haben wir oft über Dietmar gesprochen.
Ich erinnere mich noch gut daran, dass ich es als eine große Ehre angesehen hatte, als sich Dietmar zum ersten Mal bei einer unserer Veranstaltungen in und um Köln angemeldet hatte.
Eine Anmeldung, die er danach oft wiederholte.

Dietmar wurde also 2019 zum ersten Mal Mitglied der „Kölnpfadfamilie“, er ging damals auf die 100km Strecke und natürlich konnte er finishen.
Was ich jedoch nicht wusste und was ich gestern gelernt habe, ist, dass er ein unermüdlicher Helfer war, immer dort, wo Hilfe benötigt wurde.
So wurde er ein wichtiger Baustein der Ahrtal-Hilfe. Nach der Katastrophe, die das Ahrtal heimgesucht hatte, wurden Hilfen organisiert und systematisiert. Über die Seite www.helfer-shuttle.de wurden die Helfer zu Abholpunkten gebeten und zielgerichtet zu Hilfsprojekten im Ahrtal gefahren und anschließend auch wieder abgeholt.

Es waren überwiegend junge Menschen, die dort Hilfe leisteten und Dietmar stach schon durch sein Alter heraus. Und diese jungen Menschen entdeckten einen Dietmar, der Wände gestemmt hat und in seiner Arbeit ein Vorbild für den Rest der Helfenden dargestellt hat.
„Ihr ballert aber ganz schön wild“ hieß es dann. Und so wurde ein Name geboren, das „Team Ballern“.


Bildunterschrift: Dietmar findest Du rechts hinten in der blauen Jacke.
Und viele Menschen aus dem „Team Ballern“ fanden sich auch gestern ein, bei der Andacht, bei der Beisetzung und danach noch beim Zusammensein im Rittersaal in Nickenich.
Ich bin froh, diese Menschen gestern kennengelernt zu haben. Darunter war auch eine junge Dame, auf die ich irgendwann einmal separat eingehen möchte.
Dietmar war Ehemann, Vater von zwei Jungs, bodenständig und verlässlich.
Und Dietmar hatte ein Hobby: Das Laufen, das für ihn schon in sehr jungen Jahren begann. Die Strecken wurden dann immer länger und irgendwann war die Marathonstrecke die Streckenlänge, die ihn am meisten fasziniert hat. Zwar lief er auch einige Ultras, aber der Marathonlauf war das Größte für ihn.
Nach seinem 1.000sten Marathon aber riet ihm der Arzt, mit dem Marathonlauf aufzuhören und er wechselte zu den Märschen, die er zwar auch schon vorher besucht hatte, aber sie wurden nun sein neuer Lebensinhalt.
Vormittags ging er lange mit dem Hund durch sein Heimatareal und am Wochenende ging er meist auf eine lange Wanderung, wenn es nirgendwo etwas zu reparieren oder zu helfen gab.
Und sein Leben endete bei seinem Hobby auf einem Waldstück oberhalb von Herdecke.
Dietmar, Du bleibst unvergessen. Für die Läufer- und Wandererszene, für die Kölnpfadfamilie und für mich. In mir verbleiben Demut und Trauer, aber auch der Glaube, dass es gut ist, sich für die Gesellschaft zu engagieren. Wir wissej ja, dass ein Tod ja nicht das Ende ist, es ist nur eine Transformation in ein neues Kapitel des ewigen Lebens. Denn hinterm Horizont geht’s weiter …












































