Farbiges, schönes, romantisches Facebook-Land …

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Der TransGranCanaria Lauf war wichtig für mich, sehr wichtig.
Seit meinem Ausscheiden beim TdG im September bin ich keine Strecke über 56 K mehr gelaufen. Und vor allem waren bei den Läufen keine wirklich schwierigen Strecken dabei.
Ich bin im September ausgestiegen, weil ich leer war im Kopf, meine Gedanken nicht ausreichend kontrollieren konnte und auch, weil ich zu wenig Berge trainiert habe. Das sollte mir 2012 nicht wieder passieren, sagte ich mir zum Jahreswechsel und skizzierte ein Laufjahr, das ambitioniert, aber auch machbar scheint.

Die Highlights 2012 sind dabei sicher die „langen Kanten“, also die Läufe über 100 K. Der TransGranCanaria, der RheinBurgenWeg-Lauf, der Jurasteig, die TorTOUR de Ruhr und dann natürlich der SwissIronTrail. Und danach geht es Anfang September mit Herbert Paulus an den „extreme-run4life“, über die Heckmair-Route in sechs Tagen von Oberstdorf nach Riva di Garda. Zu Gunsten der Organisation JAM, die sich vor allem in Afrika für Kinder in Not einsetzt.
Mehr darüber gibt es in der nächsten Zeit hier und in einem eigenen Blog.

Wenn ich also schon bei der ersten Hürde, beim ersten Highlight, die Segel gestrichen, aufgegeben hätte, dann wäre die weitere Entwicklung des Jahres vorhersehbar gewesen. Das also durfte nicht passieren, sagte ich mir. Immer wieder.
Immer wieder, wenn ich zwischen den Kilometern 35 und 80 überlegt habe, ob der TransGranCanaria Lauf für mich noch zu einem guten Ende kommen könnte. Und es gab genügend Gründe zu zweifeln. genügend Gründe, stehen zu bleiben, zu jammern und der Hitze, den Organisatoren und der ganzen Welt die Schuld zu geben dafür, dass ich nicht finishte.
Nein, sagte ich immer, das darf einfach nicht sein.

Und so beginnt diese Geschichte mit den schönen Seiten dieses Laufs, aber ohne das eigentlich obligatorische „Es war einmal …“. Sie beginnt mit dem, was vorher, dabei und auch nachher etwas ganz Besonderes war.
Und das war der Lauf zweifelsohne. Schon die Anmeldeliste versprach ungeheuer viel Freude. Halb Facebook war scheinbar auf der Insel eingeschrieben und schon in den Wochen und Monaten zuvor wirbelten die Hotel- und die Ausrüstungstipps quer durch das romantische Facebook-Land. Und wenn am Ende einige Facebook-Bewohner dann doch passen mussten, so war es schön, mit meinem Freund Achim Knacksterdt in einem Hotelzimmer auf diese Reise zu gehen, im Hotel, beim Transfer, auf der Promende von Las Palmas oder wo auch sonst, Freunde und Bekannte zu treffen.
Mit Tanja Neumann und Kurt Süsser hatte ich dieses Abenteuer geplant, auf Rolf Kaufmann und seine Ulla, HaPe Roden und seine TransAlpineRun-Laufpartnerin Manuela, Julia und Jens Vieler und den kleinen Rest der TTdR-Truppe freute ich mich schon während des Fluges. Mohamad Ahansal, den Seriensieger des Marathon des Sables, traf ich gleich zwei Mal auf der Promenade.

Achim und ich hatten uns für die Hotelempfehlung von Rolf entschieden. Es hatte W-LAN, saubere und einigermaßen großzügige Zimmer, es lag nahe des Ziels und nahe der Promenade. Und wenn das Frühstück auch noch essbar gewesen wäre, dann wäre es wirklich perfekt gewesen. Aber für ein langes Wochenende war es insgesamt OK.

Am Donnerstag Nachmittag kam ich am Flughafen von Gran Canaria an. Dort traf ich gleich einen TorTOURisten, Oliver Arndt und seinen Freund. Die beiden halfen mir, mich zu orientieren, immerhin war es das erste Mal, dass ich auf Gran Canaria war.
Später dann war ich bei Tanja und Kurt im Hotel und aß mit den beiden zu Abend. Es gab dort im Hotel ein ausgiebiges Buffet. Es schmeckte herrlich.

Beim Abholen der Startunterlagen gab es zuerst drei wichtige Dinge.
Ein Leibchen, das wir über unsere Laufsachen zu ziehen hatten. Kein Traum in blau, viel zu weit, aber notwendig, wenn Du keine Disqualifikation riskieren wolltest.
Ein Rucksack in rot als Drop-Bag. Ein echter Fang, finde ich, immerhin hat er sogar ein separates Fach für Schmutzwäsche. Nur eine Lasche zum Schließen fehlt, das ist schade. Der Rucksack an sich ist aber wirklich toll.
Ein Rucksack in blau als Tasche für die Sachen, die Du im Ziel deponiert haben willst. Der gleiche Rucksack wie der rote, nur eben in einer anderen Farbe.

In der Zwischenzeit waren auch Achim. Julia und Jens eingetroffen, es war Freitag Mittag und wir alle trafen uns bei der Startnummernausgabe, um uns alle zu drücken, zu herzen und auch, um über unsere Heimat, das schöne Facebook-Land, zu reden. Und dann ging es ins Bettchen, etwas Ruhe vor dem Start mitten in der Nacht.
Erst trafen wir uns im Zielgebiet, dann ging der Bus Richtung Playa des Ingles, Richtung Start. Dort gönnten wir uns alle in großer Runde noch einen Kaffee oder eine Dose Red Bull, Hauptsache etwas, das uns ein wenig pushed.

Und dann ging es auch schon los. Ich bin noch nie in der Nacht am Strand entlang gelaufen. Und dieser Laufbeginn war wirklich großartig. Der Halbmond stand am Himmel und Du siehst die Wellen leicht erhellt. Es waren 14 angenehme Grad und überall vor Dir waren die rot blinkenden Rücklichter der anderen Läufer und überall hinter Dir leuchteten die Stirnlampen der Läufer hinter mir. Fünf wunderschöne Kilometer ging es so durch die Nacht bis hin zum Leuchtturm, wo wir dann nach rechts abgebogen sind, um die berühmte Passage durch das trockene Flussbett zu betreten.
Das war aber ganz anders wie ich es mir vorgestellt hatte. Ich dachte es mir eher so, wie ich es ganz am Ende erlebt hatte. Aber ich will ja nicht vorgreifen, auch wenn im schönen Facebook-Land vielleicht schon das eine oder andere Foto von dieser Passage zu sehen gibt.
Dieses Flussbett war im wesentlichen aus Beton mit eingelassenen großen Steinen. Alles war fest und es war trocken. Wenn das Bett aber Wasser führt und Du den Grund nicht mehr siehst, dann ist dieser Einstieg doch ganz erheblich schwieriger. Und dennoch waren wir alle froh, als wir wieder normale Trails belaufen durften. Zu dieser Zeit war ich mit Rolf unterwegs, ließ mich aber dann zurück fallen, um mein eigenes Tempo zu suchen.

Es ging immer nach oben, der Höhenmesser zeigte immer größere Zahlen. Und die Sterne leuchteten. Und die roten Rücklichter vor mir leuchteten. Und die Stirnlampen hinter mir leuchteten. Es war einfach perfekt dort. Ein großer Güllewagen versorgte uns bei Kilometer 30 mit Wasser und nach einem Marathon gab es zum ersten Mal etwas zu Essen. Die Auswahl empfinde ich auch rückblickend noch als eher bescheiden, vor allem, wenn man den sonstigen Aufwand bedenkt, der da getrieben wurde. Einige der Läufer haben sich komplett selbst versorgt, vielleicht wäre das richtig und sinnvoll gewesen.

Ungefähr schon bei der ersten Wasserstelle, dem großen Güllewagen, begannen meine Waden zu krampfen. Das war ein Grund, darüber nachzudenken, wie es für mich dort weiter gehen kann. Und als dann vielleicht zwanzig Kilometer später noch die Oberschenkel zu krampfen begannen, mal rechts, mal links, mal oben, da merkte ich gar nicht, wie die Krämpfe in den Waden einfach so verschwanden. Ich habe sie aber nicht wirklich vermisst.
Dann teilte sich die Strecke und die Läufer, die nur die 96 Kilometer Strecke ausgewählt haben, bogen nach rechts ab, wir aber durften nach links, um einen langen Bogen zu laufen. Einen langen Bogen, der vielleicht die schönsten Streckenabschnitte zusammen gefasst hat. Erst war es ein Höhenweg zwischen 1.100 und 1.200 Metern, der ständig hoch und runter führte. Längst war die Morgensonne heraus gekommen und ich lief mit einem Spanier, der auch 2008 beim TransAlpineRun dabei war. Der Seeberger-Buff hat es mir erzählt. Und als ich ihn darauf ansprach, war er stolz, schüttelte meine Hand und wir liefen dann im Geiste vereint schweigend hintereinander her, bis sich noch ein zweiter Spanier zu uns gesellte.

In einem Supermarkt in einem kleinen Dörfchen erstanden wir jeder zwei eiskalte Coca-Cola. Es war schon richtig heiß zu diesem Zeitpunkt und das Getränk tat jedem von so gut. Es ging nun wieder abwärts, vorbei an Stauseen durch wildes Gelände. Es war die Phase, in der mir, wenn ich mit verbundenen Augen dort ausgesetzt worden wäre, hätte suggeriert werden können, mich im amerikanischen Mittelwesten, im Grand Canyon oder in Canyonlands, zu befinden. Einfach wunderschön.
Und es war auch die Phase, wo wir den Blick auf eine der kanarischen Nachbarinseln, auf Teneriffa hatten. Und mächtig und erhaben thronte der 3.718 Meter hohe Teide über dieser Nachbarinsel. Lange, ganz lange, begleitete uns dieses Bild. Und es ging höher und höher herauf, immer höher Richtung höchstem Berg Gran Canarias, immer Richtung Pico de las Nieve mit seiner meterologischen Station auf dem Gipfel.

Davor schon gab es einen Aufstieg auf rund 1.750 Meter, supersteil und durch Fixseile gesichert, rauf auf eine Steinebene, über die sich der 1.813 Meter hohe Roque Nublo erhebt, das Wahrzeichen der Insel. Rauf, ran an die Matte und gleich wieder zurück. Und die Sonne brannte erbarmungslos auf uns herunter.
Und irgendwo dort wäre ich fast gestürzt. Ich meine dabei nicht die kleinen Aufreger, wo Du kurz die Bodenhaftung verlierst, das passierte bald jede Minute. Die Aufstiege waren steil, die Abstiege noch steiler. Sand, Geröll, Steine, alles was Deinen Halt nimmt, war da. Nein, es war eine der Situationen, die ganz übel hätten enden können.
Es ging steil nach unten, ich verlor die Haftung und warf instinktiv meine Stöcke weg. Aber ich sah, dass es neben dem Weg den Berg runter geht. Und ich lief, um mich zu halten, um wieder Führung zu bekommen. Kurz vor einem Felsen gelang es mir. Die beiden mich begleitenden Spanier waren kreidebleich und applaudierten spontan ob dieser kleinen Einlage. Ich aber war von diesem Moment an noch etwas vorsichtiger.

Der Roque Nublo wäre ein Felsen vom Geschmack der Kletterer auf meiner Ecuador-Tour gewesen. Majestätisch stand er da und genauso dominant stand die Sonne über ihm. Ein unglaubliches Bild, das eine Pause verdient gehabt hätte. Aber mir ging zu dieser Zeit dauernd das Lied von Ideal aus den 80er Jahren durch den Kopf:

„Jeder denkt das eine, doch dafür ist’s zu heiß! Sex! Sex in der Wüste.“

Für das Fotografieren aber war es auch zu heiß, so blieb es bei ganz wenigen Aufnahmen. Aber dafür gibt es ja das fantastisch bunte Facebook-Land. In dieser unserer Wahlheimat findest Du sicher vieles, von dem ich Dir hier nur erzählen kann. Ein hervorragendes Beispiel findest Du hier bei Hans-Peter Roden oder hier bei Jens Vieler.

Die letzten Schritte rauf auf den höchsten Punkt der Insel taten schon sehr weh. Bei jedem Schritt schmerzten und krampften die Oberschenkel. Wieder dachte ich kurz daran, hier auszuruhen oder auszusteigen, aber ich konzentrierte mich und versuchte, meine Gedanken zu lenken. Wenn ich gewusst hätte, wie eklig steil es gleich nach Teror herunter gehen würde, vielleicht hätte ich den destruktiveren Gedanken mehr Raum gegeben.
Die Menschen oben auf dem Pico de las Nieve aber waren großartig. Obwohl die meisten von uns, von der Sonne, den Kilometern und den Aufstiegen gezeichnet, enorm langsam waren, feierten sie uns da oben, als wären wir nicht gerade von müden, von hinten kommenden Schnecken bergauf überholt worden. Es war großartig.

In Teror gab es dann Pasta. Vor dem Berg wären sie zwar sinnvoller gewesen, aber besser spät, als gar nicht. Ich traf Kurt Süsser dort und fragte ihn, wann er mich überholt hätte. Aber er hatte das nicht. Er verließ das Rennen schon vor dem Berg, vielleicht, weil er einfach zu wenig getrunken hatte. Schade für ihn, aber die Hitze ist einfach nicht seine Stärke.
Kurti, sofern Du das liest, Du bist dennoch der stärkere Läufer von uns beiden, Du hast das oft genug bewiesen.
Die Pasta bekam ich nicht runter, aber Simone gab mir flüssiges Magnesium. Und das half zügig.
Noch waren es rund 40 Kilometer bis zum Ziel, hier in Teror war auch der Start des Marathons gewesen. Und noch waren wir auf 1.650 Metern Höhe. Las Palmas liegt auf 4 Metern, eigentlich ging es nur noch bergab.

Wie steil bergauf aber bergab sein kann, das bekamen wir an einigen Konteranstiegen gezeigt. Ich war mittlerweile mit Markus und einem Italiener unterwegs und wir kämpften uns tapfer Stück für Stück nach unten. Dann wechselte ich die Partner, weil sich meine Krämpfe immer mehr lösten und ich noch etwas schneller sein wollte. Meiner Gabi habe ich gesagt, dass ich auf 26 Stunden laufe, aber das von Rolf Kaufmann gesteckte Ziel, unter 24 Stunden zu bleiben, hat mich von Anfang an begleitet. Es war längst in Vergessenheit geraten, längst war klar, dass ich auch am Sonntag noch laufen werde.
Dabei hat Jens Vieler hat im informativen Facebook-Land vor dem Lauf geschrieben, dass er beantragt hätte, das Zeitlimit von 30 auf 25 Stunden herunter zu nehmen. Es war ein Scherz, den ich aber nicht aus meinen Gedanken verbannen konnte.
Aber der „worst case“ für mich war zu diesem Zeitpunkt, für jeden Kilometer noch 15 Minuten zu brauchen und das hätte in der Spitze bis zu knapp 27 Stunden geführt.

Ich lief nun also wieder mit einem Spanier und einem Finnen. Es kamen die berühmt-berüchtigten letzten 25 Kilometer. Der Weg durch das trockene Flussbett. Ein Stein neben dem anderen, einer lockerer als der andere. Es ist anstrengend, da zu laufen, es ist dunkel und die Stirnlampen drohen mit Streik, Du bist müde, musst aber vollkommen konzentriert sein. Du fluchst, Du jammerst und Du hoffst, dass es vielleicht am Ende doch besser werden würde.
Irgendwann kommst Du nach Las Palmas, durch die Stadt, die Promenade entlang … ein großer Traum, eine kleine Illusion.

Es stinkt nach Kloake am Ende des Flussbetts. Du wirst durch eine Gewerbegebiet geführt, weit weg von der Stadt Las Palmas. Aber wenigstens hast Du wieder festen Boden unter den Füßen. Georg Kunzfeld hatte uns schon vor den letzten 25 Kilometern gewarnt, Schonung habe ich also nicht erhofft.
Als es noch rund 13 Kilometer waren, dachte ich, dass wir doch eine Chance haben, wenigstens unter 25 Stunden zu bleiben. Aber mein spanischer und mein finnischer Freund sind etwas langsam. Wir verlieren Zeit auf meinen Plan.
Achim müsste mittlerweile schon lange im Hotelzimmer sein, dachte ich. Alle sind schon drin. Nur ich nicht.

Bei der letzten Versorgung trennen sich unsere Wege. Ich gehe alleine weiter, verzichte auf frisches Wasser oder etwas zu essen. Noch acht Kilometer, hieß es. Mit diesen acht Kilometern käme ich auf 126,6 K auf meiner Uhr. Und ich habe noch knapp über 80 Minuten dafür. Unter 25 Stunden, das ist zu packen.
Weitere 5, 4 Kilometer später steht auf dem Asphalt, ja, es war mittlerweile laufbar, die Krämpfe waren komplett verschwunden und ich konnte auf niedrigstem Niveau sogar wieder laufen, dass es noch 3 Kilometer seien, also doch 400 Meter weiter als berechnet.
Noch hatte ich 27 Minuten. Neun Minuten pro Kilometer. Das sollte reichen, dachte ich.

Weitere 700 Meter später stand da ein Schild: noch drei Kilometer! Ich rechnete neu. Ich musste schneller werden, deutlich schneller, wenn dieses Schild richtig war.
Und ich lief und lief und lief.
Erst einen Kilometer vor dem Ziel war ich mir sicher, dass es reichen würde, egal, ob die ominösen 700 Meter nun noch dazu kommen würden oder nicht.
Sie kamen nicht mehr dazu, ich finishte um 0:51 Uhr. Ich hätte noch vielleicht eineinhalb Kilometer mehr gehen können, bevor es 1 Uhr wurde. Ich war versöhnt mit dem Lauf, immerhin hatte ich es geschafft, Jens Vielers Zeitlimit zu unterbieten.

Ich nahm ein Taxi für die wenigen Hundert Meter zum Hotel und schlich mich humpelnd in unser Zimmer. Aber Achim war noch nicht da. Ich ließ mir viel warmes Badewasser ein, wärmte stets nach und schlief in der Wanne ein. Ich wachte auf, weil ich einen enormen Durst verspürte.
Aus der Wanne zu steigen war ein Erlebnis. Hätte jemand zugesehen, dann wäre ich sofort in die Kategorie der alten Männer gepackt worden. Und das Anziehen der Jeans und der Strümpfe war nicht weniger peinlich.
Warum sind auch die Füße und der Boden so tief unten?

An der Rezeption kaufte ich zwei Flaschen kalten Wassers, wankte nach oben und dann kam auch Achim ins Zimmer. Die Hände aufgerissen, die Knie blutig. Er hatte mehr Pech beim Laufen und stürzte einige Male, vor allem bei den steilen Bergabpassagen. Er kam rund 14 Minuten nach mir ins Ziel, allerdings gleich als nächster Läufer. Irgendwann muss ich ihn überholt haben, wahrscheinlich, als er für ein paar Meter einen falschen Weg nahm. Meine alten Mitläufer, der Finne und der Spanier, kamen erst nach Achim ins Ziel, alles richtig gemacht, dachte ich.

Am Sonntag frühstückten wir nicht, aßen nicht zu Mittag und gingen am Abend wieder zu Tanja und Kurt ins Hotel, um uns dort am Buffett zu bedienen. Es schmeckte fürchterlich.
Und auch am Rückflugtag, dem Montag, konnte ich bis zum Abend nichts essen. Nichts schmeckte, der Körper hatte sich verändert. Schon das war eine Erfahrung, die jeder missen muss, der nie so lange, so harte und so heiße Läufe gemacht hat.

Beim Abholen des Drop-Bags und der Rückgabe der Chips gab es dann die Finisher-Shirts und die Finisher-Weste. Beide waren superschön. Im Flugzeug war ich aber der Einzige, der das Shirt und die Weste trug. Achim flog schon zwei Stunden vor mir, Ulla und Rolf, Tanja und Kurt durften noch zwei Tage lang auf dieser schönen Insel bleiben.

Und weil es doch eine schöne Geschichte aus dem virtuellen Facebook-Land ist, soll sie auch wie eine schöne Geschichte enden:
… und wenn sie nicht gestorben sind, dann dürfen sie jetzt auch von dieser schönen Insel träumen …

Alles Käse mit der Askese …

… oder was man tun muss, um völlig losgelöst zu feiern.

Es ist Donnerstag Abend, der letzte Abend, den wir als Wander-, Kletter- oder Bergsteigergruppe zusammen erleben dürfen. Es gibt viel zu feiern an diesem Abend. Nicht nur den Umstand, dass wir uns danach so wahrscheinlich nie wieder sehen werden, sondern auch das Besteigen einiger Berge.
Da war zuerst der Fuja Fuja mit 4.205 Höhenmetern als Einstieg, noch ein besserer Hügel, grasbewachsen und irgendwie so wie die Hügel der Voralpen, nur eben viel höher gelegen.
Außerdem war da noch der Pasochoa mit 4.199 Höhenmetern. technisch schon etwas anspruchsvoller, aber noch immer ein Akklimatisierungsberg.
Der nächste Grund zum Feiern war der Gipfel des Pichincha, des Hausbergs von Quito, der mit 4.794 Höhenmetern über der zweitgrößten Stadt von Ecuador thront. Und da waren auch noch der Corazón mit seinen 4.782 Höhenmetern und der Iliniza Norte, unser erster Fünftausender mit seinen 5.116 Höhenmetern.

Zwischen den beiden Highlights gab es auch noch die Besteigung des Carihuairazo, ebenfalls eines Fünftausenders mit 5.018 Höhenmetern. Dort haben wir auch das Abseilen geübt.

Die zwei Gipfelbesteigungen aber, die es aber wirklich zu feiern gab, waren die des Cotopaxi, eines aktiven Vulkans, der nicht nur zwei Meter höher ist als der Kilimanjaro, sondern auch viel schwerer zu besteigen. Bergwandern da rauf ist nicht, das war mir bei der Buchung aber nicht klar. Aber auf den vielleicht schönsten aktiven Vulkan der Welt zu steigen war ein so tolles Erlebnis, dass mir das zweite Highlight dieser Reise, die Besteigung des Chimborazo, gar nicht mehr so wichtig war.

Und zuletzt gab es eben den Gipfelsturm auf den Chimborazo zu feiern, auf den „höchsten Berg der Welt“, zumindest vom Erdmittelpunkt aus gesehen. Und das Erlebnis, auf dem „höchsten Berg der Welt“ zu stehen, war wirklich eine Riesenparty wert.
8 Berge, davon zwei mit neuen Höhenrekorden für die meisten von uns, die vergangenen drei Wochen, die uns eng zusammen gebracht hatten, all das ließ uns alle Begrenzungen des Feierns vergessen, ließ uns ausgelassen feiern wie seit Jahren nicht mehr und es erhöhte dramatisch unseren Alkoholspiegel.
Und ich rauchte 7 Zigaretten. Nach so vielen Jahren wieder so ein Rückfall in alte Verhaltensweisen.
Aber an diesem Abend war es für mich OK, trotz der Aussicht auf den TransGranCanaria-Lauf nur eine Woche später.

Wir hatten uns schon sehr früh für den Ablauf des Abends entschieden. Auf Wunsch einiger Gruppenteilnehmer ging es zuerst in ein Steakhaus, wo es aber auch etwas Fleischloses für mich gab. Danach ging es in eine kubanische Bar, die wir schon am Anfang der Reise kennen gelernt hatten. Das Besondere an dieser Bar ist die Livemusik, die dort gespielt wird.
Das Beste aber waren die Gäste, also wir. Denn bis auf eine Dreiergruppe von Männern, einer aus Kuba, einer aus Deutschland und einer aus Kanada, waren nur noch zwei Paare da, die wir beide in unsere Tänze integriert haben. Außerdem haben wir den Bardamen keine Chance gelassen, uns auszuweichen, sich zu zieren.
Jeder durfte, jeder musste einfach dabei sein.

Und wir, das waren am Anfang der Reise außer mir noch 10 Personen, die mir in den drei Wochen ans Herz gewachsen waren.
Ein einzelnen waren das die Rosi, die als Bäuerin 140 Kühe zu melken hat, Mitglied im Vorstand des DAV, Sektion Kempten, ist, das Alphorn und die Posaune spielt und uns immer mit ihrer Fröhlichkeit angesteckt hat, Michael, der Trainer, der sich als der wohl beste Trommler unter Gottes Himmel entpuppt hat, Manuela und Martin aus dem südtiroler Brixen, unser Küken und der begnadete Tänzer, Hendrik, der in jeder Situation für einen Spruch gut war, Philipp aus dem schweizerischen Affoltern, der Bergspezialist, der mit dem Trainer als einziger schon den Aconcaqua bestiegen hat, Michaela, die Unermüdliche, die schon vor dem Frühstück stets eine private Sonderschicht eingelegt hat, Michael, der Sanfte, der sich von Deutschland aus liebevoll mit dem Verein Andenkinder e.V. um ecuadorianische Kinder kümmert und auf dem Hinweg nicht nur einen Laptop, sondern auch einen Koffer mit wichtigen Utensilien mitgebracht hat, die er seinen Korrespondenzpartnern übergeben hat und Andy, der „Bergfex“, der perfekt ausgestattet in dieses Abenteuer ging.

In Gedanken bei uns war noch Reinhard, der Professor von der Ostsee, dessen Bildung so groß war wie seine Herzenswärme, den aber leider eine so schwere Krankheit ereilt hat, dass er vorzeitig die Rückreise nach Deutschland antreten musste. Reinhard, diese Feier war auch für Dich, Danke für die Tage, in denen Du dabei warst, Danke, lieber Zimmergenosse!

Ausgesehen hat diese Wahnsinns-Feier dann beispielsweise so:


Und als wir dann das Trommeln teilweise selbst übernommen hatten, sah das Ganze dann so aus:

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Die wirklich gute Band spielte ohne Unterbrechung und mit steigender Begeisterung bis Mitternacht auf höchstem Niveau, immer wieder unsere Namen und unsere Herkunftsländer ins Mikrophon rufend, die ich ihnen auf einer Serviette geschrieben übergeben hatte.
Die Mojitos und die WodkaOrange kamen automatisch und wir alle hatten Spaß ohne Ende. Der Abend ging dann, bis das Lokal schließen musste. Danach haben wir im Hotel noch jeweils ein „grande Cerveza“ getrunken, mal wieder ein leckeres und großes „Pilsener“ aus Ecuador, und sind todmüde gegen 2 Uhr in unsere Bettchen gegangen, zumindest ich jedoch mit einem erheblich schlechten Gewissen.

Meine Askese wurde an diesem Abend ad absurdum geführt, aber ich dachte mir, dass es an so ganz seltenen und wichtigen Tagen auch mal gut ist., die Disziplin im Essen und Trinken an der Garderobe abzugeben und wieder so zu sein wie in den Jugendjahren.

Aber ab jetzt wird wieder asketischer gelebt.

Zumindest bis zum TransGranCanaria-Lauf!

Von Bergen, Sonne, Gletschern … und vom totalen Glück!

… und vom TransGranCanaria – Lauf

Meine Nacht war um 4:00 Uhr zu Ende, dann weckte mich mein schlechtes Gewissen, das mir einflüsterte, dass heute mein letzter Bürotag ist. Mein letzter Bürotag vor dem Abflug nach Quito, um von dort aus den Chimborazo und den Cotopaxi zu besteigen. Und es gibt an diesem letzten Tag im Büro noch so viel zu tun, noch so viel zu organisieren …

Ich freue mich sehr auf die Anden,  gleichzeitig aber habe ich einige Sorgen und Fragen. Die meisten der konfusen nächtlichen Gedanken drehen sich dabei um die eiskalten Nächte in großer Höhe. Bin ich dafür ausreichend gewappnet? Nichts wäre schlimmer, als wegen der Kälte jede Nacht wach zu liegen.
Sollte ich mich jetzt, wo es auch in Deutschland so kalt ist, „zum Üben“ im Schlafsack in den Vorgarten legen?

Und ich träume schon: wenn alle Fasching oder Karneval feiern, dann stehe ich oben auf dem „höchsten Berg der Welt“, am Faschingsdienstag! In Deutschland tragen die Menschen dann rote Nasen vom Restalkohol, wir werden rote Nasen haben von der Kälte des Aufstiegs. Aber wir werden glücklich sein.
Und wir wissen, wer an diesem Morgen neben uns liegt oder steht. Nicht jedem der Karnevalsjecken ist das vergönnt.

Einen der anderen Teilnehmer habe ich schon im Internet recherchiert. Michael Fode, Unternehmer – Berater – Abenteurer … ich bin tief beeindruckt. Ihm wird der Trip weniger ausmachen als mir, immerhin war er schon auf dem Aconcaqua, dem höchsten Berg Südamerikas, dem Berg, dem zuerst mein bergsteigerisches Interesse galt. Und er hat aus diesem Aufstieg auf den südamerikanischen Teil der „Seven Summits“ eine Spendenaktion gemacht, bei der er unglaubliche 30.000 EUR für einen guten Zweck erzielt hat.
Es scheint mich vieles mit ihm zu verbinden und so bin ich sehr gespannt, was ich in diesen drei Wochen von ihm lernen kann.

Aber ich wäre kein Läufer, wenn ich nicht schon den nächsten großen Lauf im Focus hätte. Und der wird ein hartes Stück Arbeit sein, der TransGranCanaria (TGC). Begleitet von einer Vielzahl Facebook-Läufern, RheinBurgenWeg-Lauf-Matadoren oder anderer Menschen, die mein kleines Leben in den letzten Monaten und Jahren wärmer und herzlicher gemacht haben werde ich die 30 Stunden Laufzeit in dem Bewusstsein genießen, dass so etwas Schönes nur uns Läufern gegönnt ist.

Ob es Julia ist, Jens, Achim, Hans-Peter, Georg, Tanja, Kurt, Didi, Michi, Rolf oder einer der vielen anderen TGC-Starter: ich freue mich schon jetzt so sehr auf diese 123 Kilometer wie sich ein kleines Kind auf Weihnachten freut.

Diese 123 Kilometer werden etwas ganz Besonderes sein, Du läufst in Gegenden, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Es werden Gebiete dabei sein, die uns an den klassischen Regenwald erinnern, es gibt weite vulkanische Öden, es gibt Sand, Wasser und ganz sicher auch Sonne satt.
Wenn wir um Mitternacht starten, dann werden wir den Sand und den Strand nicht würdigen können, über den wir zu Beginn laufen, wenn es aber in die Berge hinauf geht, dann sollte sich der Himmel aufhellen. Es wird hart werden, aber es wird auch schön werden.

Ein Beleg dafür? Schau Dir doch auch mal die Laufstrecke in diesem YouTube Filmchen an:


Bis dahin werde ich wohl nicht mehr zum langen Laufen kommen, nicht in Equador und vielleicht auch nicht an den wenigen Tagen nach der Landung in Deutschland, bevor es wieder weiter geht Richtung Kanarische Inseln.
In der Gruppe ist der Zeitplan meist eng gestrickt und in der wenigen verfügbaren Zeit ist es oft, dem Gruppenzwang geschuldet, nicht möglich, wirklich für sich zu sein und laufen zu gehen. Dennoch glaube ich, dass mir die vielen Höhenmeter, die wir auf dem Weg zu den insgesamt 11 Gipfeln erklimmen, gut tun werden, dass mir die zusätzlichen roten Blutkörperchen, die sich durch die Akklimatisation bilden, noch einen Schub geben, wenn es auf die Berge Gran Canarias geht.
Eingentlich ist die Zeitspanne zwischen dem Verlassen der Höhe von Equador und dem Lauf auf Gran Canaria fast zu lang, länger als eine Woche, sagt man, hält sich die besondere Situation im Blut nicht, die Situation, die es Dir ermöglicht, mit wenig Sauerstoff klar zu kommen, weil dieser eben, dank der Vermehrung der roten Blutkörperchen, besser verwertet werden kann.
Vielleicht bleibt aber dennoch ein kleiner Rest dieser Höhenanpassung übrig …

Julia, Jens, Achim, Hans-Peter, Georg, Tanja, Kurt, Didi, Michi, Rolf und Ihr anderen TGC-Starter: ich freue mich auf Euch und wenn Ihr nicht zu schnell lauft, dann habe ich wahrscheinlich auch Einiges zu erzählen.

Von Bergen, Sonne, Gletschern … und vom totalen Glück!

Null – Null – Zwei

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Schon etwas länger her ist der 50 K Lauf „Georgsmarienhütter Null“, aber ich will jetzt, bald zwei Monate später, doch eine kleine Hommage an diesen Lauf veröffentlichen, den ich allerdings noch im alten Jahr geschrieben habe:

Georgsmarienhütte? Ein Städtchen, das aus Läufersicht eher ungeeignet für große Läufe scheint, vor allem wegen des langen Namens. Denn entweder hast Du ein Kreuz wie ein Schrank, Du machst die Buchstaben auf dem Vereins-Shirt sehr klein oder – und das ist die Lösung, die die meisten Georgsmarienhütter Läufer bevorzugen – Du kürzst Georgsmarienhütte mich Gm’hütte ab.
Ob das aber alle Leser richtig interpretieren können bezweifle ich stark.

Aber Georgsmarienhütte hat auch zumindest zwei ganz hervorragende Sachen. So habe ich zum ersten Mal von Georgsmarienhütte gehört, als Winfried Bornemann in den 80er und 90er Jahren des letzten Jahrtausends, damals, als Briefe noch etwas zählten und noch nicht durch eMails oder SMS ersetzt wurden, mit seinen legendären „Briefmacken“ für viel Verwirrung und noch mehr Lacher gesorgt hat.

Sofern Dir Winfried Bornemann’s „Briefmacken“ bekannt sind, kannst Du den nachfolgenden Teil überspringen, falls nicht, so empfehle ich Dir, Dich mal mit diesen „Briefmacken“ auseinander zu setzen.
Winfried Bornemann schrieb diese Briefe teilweise unter seinem eigenen Namen, meist aber unter einem Pseudonym. Die in aller Form und mit der gebotenen Höflichkeit verfassten Briefe wurden hin und wieder beantwortet. Hatte man den passenden Anlass und die verlockende Gelegenheit gefunden, konnten die Antworten auf diese Briefe doch schon sehr entlarvend sein. Winfried Bornemann nervte damals Behörden, Firmen, Prominente und Amtsträger.
Die oft todernsten Antworten sind zum Lachen. Zumindest für uns Leser.

Ein Beispiel sei hier zitiert:

Anschreiben: Samenspende

Finanzamt Osnabrück
Beratungsstelle
Postfach
45 OSNABRÜCK

Betr.: SAMENSPENDE

Sehr geehrte Damen und Herren,

verzeihen Sie mir die peinliche Frage (ich möchte nicht persönlich erscheinen):
Muss ich mir im Falle einer Samenspende eine Spendenquittung geben lassen, um später Gemeinnützigkeit dieser Sache anerkannt zu bekommen?
Ich bin von einer Dame mittleren Alters um diese Spende gebeten worden und möchte diesem Ansinnen sehr gern nachkommen, wenn mir daraus keine steuerlichen Nachteile entstehen.

Hochachtungsvoll

Winfried Bornemann

Antwortschreiben: Samenspende

Finanzamt Osnabrück-Land
Az.: IX
Hannoversche Straße 12
4500 Osnabrück
Sprechstunden: Montag bis Freitag 9-12 Uhr

Herrn
Winfried Bornemann
Fillerschloß

4504 Georgsmarienhütte

Osnabrück, 30. April 1982

Betr.:Samenspende
Bezug: Ihre Schreiben vom 25.02. und 13.04.1982

Sehr geehrter Herr Bornemann!

Nach § 10 b EStG (Einkommensteuergesetz) sind bestimmte Ausgaben zur Förderung mildtätiger oder als besonders förderungswürdig anerkannter gemeinnütziger Zwecke als Sonderausgaben (Spenden) abzugsfähig.
Leider lassen Ihre recht kurzen Angaben keine eindeutige Stellungnahme zu. Wie Sie bereits andeuten, stellt in diesem Fall die Abwägung zwischen der gebotenen Zurückhaltung vor Ihrer Privatsphäre und den Erfordernissen einer erschöpfenden Aufklärung des Sachverhalts ganz besonders hohe Anforderungen.
Nach § 10 b Abs. 1 Satz 3 EStG gelten als Ausgaben auch die Zuwendungen von Wirtschaftsgütern (sog. Sachspenden). Wenn diese jedoch als unentgeltliche Arbeitsleistung angesehen werden müssten, so könnte eine Ausgabe nicht angenommen werden.
Falls Sie jedoch auf Ihnen bereits zustehendes Arbeitsentgelt verzichten, bildet der Verzicht auf die Auszahlung eine Verfügung über Ihr Vermögen und damit eine Ausgabe (Spende). Ich stelle anheim, Ihre Darlegungen insoweit zu präzisieren, insbesondere den Umfang Ihrer Leistungen anzugeben und auch Ihre persönliche Einschätzung mitzuteilen, ob Sie in Ihrer Spendenaktion eine Arbeit erblicken.
Eine Sachspende setzt außerdem voraus, dass das Wirtschaftsgut vor seiner Zuwendung zu Ihrem Vermögen gehört hat. Daran fehlt es nach Auffassung von Kommentatoren bei Bestandteilen des menschlichen Körpers, die beim Spenden entfernt werden und nach der Trennung unmittelbar in das Eigentum der entnehmenden Stelle gehen. Auf die Beurteilung Ihres Vermögens durch die Empfängerin der Spende kommt es dabei nicht an.
Obwohl nach Ihren Ausführungen mildtätige Beweggründe nicht von vornherein entfallen, zielt Ihre Frage wohl mehr auf die gemeinnützigen Aspekte der Spenden. Ich möchte nicht ausschließen, dass angesichts des stagnierenden Wachstums zumindest der einheimischen Bevölkerung Ihren Plänen gewisse gemeinnützige Momente nicht abzusprechen sind.
Nur kommt es in diesem Fall ausschließlich auf die Gemeinnützigkeit des Empfängers der Spende an, der eine gemeinnützige Personenvereinigung oder Körperschaft sein muss. Dabei ist zu bedenken, dass eine Personenvereinigung im steuerlichen Sinne nicht die Ihnen vorschwebende Tätigkeit, sondern eine Gesellschaft ist, bei der die Gesellschafter Unternehmer (Mitunternehmer) sind.
Nur vorsorglich weise ich darauf hin, dass bei Ihrem Vorhaben eine Personenvereinigung selbst dann nicht gegeben ist, wenn noch weitere Mitunternehmer beteiligt sein sollten. Gegebenenfalls müssten von Ihnen zur Unternehmereigenschaft der Spendenempfängerin nähere Angaben gemacht werden.
Auch eine Körperschaft mag sich der steuerliche Laie etwas anders vorstellen, als es nach den einschlägigen Vorschriften geboten ist. Da es sich überwiegend um Kapitalgesellschaften handelt, spielen sie hier keine Rolle.
Ich hoffe, Ihnen die steuerliche Problematik Ihres Vorhabens ein wenig näher gebracht zu haben. Falls Sie den Eindruck gewonnen haben, dass die Subsumption einer so ganz und gar elementaren Lebensäußerung unter die Steuergesetze allzu beschwerlich erscheint, bitte ich, die Komplikationen nicht Ihrem Finanzamt anzulasten, sondern Erleichterung beim Gesetzgeber zu suchen. Im übrigen können Sie sich stets vertrauensvoll und wirklich ohne Scheu an das Finanzamt wenden, da alle Ihre Verhältnisse durch das Steuergeheimnis geschützt werden.
In diesem Sinn möchte ich Sie freundlichst bitten, Ihre Einkünfte aus schriftstellerischer Tätigkeit, die Sie bisher erzielt haben und mit denen Sie in Zukunft rechnen können, dem Finanzamt mitzuteilen, damit aus Gründen der Steuergerechtigkeit Ihre Einkommensteuer in richtiger Höhe festgesetzt werden kann. Ihrer Antwort sehe ich bis zum 20.05.1982 entgegen.

Hochachtungsvoll

Im Auftrag
(Heiser)

Meine Lieblingsbriefe aber sind vor allem das Schreiben unter dem Pseudonym eine älteren Rentnerin an die RWE AG, die vier Wochen vor der Hauptversammlung der RWE AG eine Verlegung des Termins von Montag auf den darauf folgenden Dienstag erbittet, weil sie mit ihren beiden Aktien am Montag wegen ihres Stricknachmittags sonst nicht an der Hauptversammlung teilnehmen könnte.
Wie verhält sich ein Unternehmen in so einem Fall politisch korrekt?

Sensationell war auch sein Schreiben kurz nach dem Mauerfall unter dem Pseudonym eines Adligen, der den Bürgermeister einer thüringischen Kleinstadt als Vertreter der Dorfgemeinschaft mit den Worten „Liebe Untertanen“ anschrieb und das gesamte Dorf als sein Hab und Gut einforderte.
Die Kleinstadt-Bürger fanden das alles andere als lustig und wehrten sich vehement gegen diesen Scherz, den sie nicht als solchen erkennen wollten.

Zusammengefasst sind diese Schreiben und die dazu gehörigen Antworten in mehreren Büchern, die man auch heute noch erwerben kann. Dort liest Du auch, wie mancher Prominente vor Gier sabbernd sich auf das angekündigte Erbe der „Carola von Gästern“, immerhin ein Wasserschloss, gefreut hat. Mit jedem Schreiben wurde alles dann skurriler, vom Schlossgespenst angefangen bis hin zu „nassen Füßen“ des Schlosses.
Einmal zugestimmt und „angebissen“ sollten diese Einschränkungen dann die Entscheidung der Prominenten nicht wieder ändern.

Und Georgsmarienhütte hat noch ein Highlight, etwas ganz, ganz Uriges, ein kleines Juwel unter den persönlichen Landschaftsläufen und das nicht nur, weil die 50 K lange Laufstrecke wirklich attraktiv ist. Viele Trails, aber auch Straßenabschnitte, Anstiege und welliges Gelände gibt es da, aber auch das ist nicht das Besondere.

Besonders ist, dass es zwei offizielle Starts gibt, dass Du aber auch auf eigene Gefahr hin schon vorher starten kannst.
Besonders ist, dass es keinerlei Zeitnahme gibt. Es gibt nur die Vorgabe, spätestens um 16 Uhr wieder im Ziel zu sein. Es gibt auch keine Startnummern, keinen Streß und keine Kontrollen an den Verpflegungspunkten. Wie auch, wenn die Teilnehmer ohne Startnummern unterwegs sind.
Besonders ist auch, dass die, die einen der letzten 49 Läufe mitgemacht haben, offiziell danach „Nuller“ heißen.
Georg, der Organisator dieses skurrilen Laufs, nennt sich dabei die „Obernull“.
Und alle Läufer – und auch das ist etwas ganz Besonderes – haben dort „besondere Aufstiegsmöglichkeiten“.
Nach fünf Teilnahmen wird man Berg- und Talführer und auf dem Laibchen, das man dann erhält, steht: „Georg sagt, ich kenne die Strecke!“
Und nach zehn Teilnahmen darf der Läufer „jubilieren“, weil er zum „Magister bergum et talum“ befürdert wurde. Auf dem Laibchen, dass er nun bekommt, steht dann: „Georg sagt, ich verlauf‘ mich nicht!“

Bei diesem Lauf gibt es unglaublich viele Läufer in einem der beiden Laibchen, ein sicheres Zeichen, dass die meisten dort Wiederholungstäter sind.

Gehört habe ich schon oft von diesem Lauf, aber dieses Jahr wollte ich das Mitlaufen endlich wahr machen. Wenn ich schon altersbezogen „nulle“, dann sollte ich auch die zweite Null abholen und dort in Georgsmarienhütte „nullen“. Zwei Mal „nullen“ in einem Jahr ist doch auch etwas Besonderes, oder?

Beim Lauf selbst lief ich erst mit Thomas Hagel und Lars Schläger, beides Läufer, die mir sehr nahe sind, die ich aber beide schon länger nicht mehr gesehen habe. Danach lief ich lange mit Raimund Slabon, Stefan Beckmann und Peter Kaminski.
Bei km 27 aber musste ich die drei dann aber ziehen lassen, weil ich einen Hungerast bekam und fünf Kilometerchen lang gar nichts mehr ging. Aber was kommt, das geht auch schnell wieder und so erreichte ich nach 5:35 Stunden doch das Ziel, kumuliert mit 6:39 Minuten pro Kilometer, besser als erwartet und durchaus akzeptabel für einen so hügeligen und trailigen Lauf. Aber wer fragt danach?

Auf der Urkunde steht keine Zeit, es gibt weder eine Platzierung noch eine Einlaufliste. Das einzige, was es gibt, ist das gute Gefühl, an einem Lauf teilgenommen zu haben, der etwas ganz Besonderes ist.

Und wenn im nächsten Jahr die „Georgsmarienhütter Null“ auch selbst „nullt“ und zum 50. Mal stattfindet, dann sollte der 50-jährige TomWingo wohl wieder dabei sein, vielleicht nur, um zu testen, ob der Lauf wirklich echt ist.
Und dieser Aspekt führt wiederum zu dem Georgsmarienhütter Schriftsteller Winfried Bornemann, desses „Briefmacken“ so harmlos begannen, indem er ein Pfennigstück an die Deutsche Münzanstalt in Karlsruhe schickte mit der Bitte, nachzuprüfen, ob der denn echt sei. Der Ernst und die Akribie der Antwort Deutschen Münzanstalt verblüfften Bornemann damals:
Ja, so war die Antwort, der sei echt, Jahrgang 1978, mit einem Gewicht von 19,9992 Gramm, 16,55 Millimetern Durchmesser und 1,37 Millimeter dick.

Es zeigt sich: das Lustige und Skurrile ist in Georgsmarienhütte zu Hause, der „Bierernst“ aber ist im restlichen Deutschland verteilt.

Danke also an Winfried Bornemann und Danke an Georg, die „Obernull“, ich komme wieder!

Wer bis 2 zählen kann hat Vorteile …

Es war ein echtes Lauf- und Autofahrer – Wochenende für mich. 1.350 Kilometer Autobahn oder Bundesstraßen, ein Marathon und ein kleiner Ultra. Du kannst schnell zusammen rechnen, wie viel Zeit das alles in Anspruch nimmt:
Vielleicht 15 Stunden hinter dem Steuer und 9 bis 10 Stunden laufen, etwas Zeit für das Schlafen dazu rechnen, etwas Zeit für die Zeit vor den Starts …

Mein Wochenende begann also um 5.00 Uhr mit dem klingelnden Wecker. Am Abend zuvor haben wir noch den 18. Geburtstag unseres Sohnes Pascal gefeiert – im edlen Restaurant „Vieux Sinzig“ in Sinzig, dem Restaurant, das seine Bekanntheit nicht nur der expliziten Erwähnung in den berühmten Eifel-Krimis verdankt, sondern auch dem engagierten französisch-normannischen Patron Jean-Marie Dumaine, der auch selbst einige Koch- und Naturbücher geschrieben hat.
Vor allem die verschiedenen echten und falschen Trüffelpilze dieser Welt und auch die Naturkräuter haben es dem „Wildkräuter-Papst“ Jean-Marie Dumaine angetan. Dabei organisiert er noch Veranstaltungen wie das „Trüffel-Symposium“, Du kannst dort Kochkurse besuchen oder an Naturwanderungen teilnehmen.
Der Abend wurde auch deshalb lang, weil neben den drei Gängen des Menüs, dem obligatorischen „Amuse-Gueule“ und dem Brot mit Walnuss-Tapenade auch noch ein Apetizer für das Dessert gebracht wurde, damit sich der Gaumen schon langsam an die Süße gewöhnen kann.
Und die viele Zeit fehlte mir am nächsten Tag.

Schnell noch für die beiden kommenden Tage und Läufe packen hieß es also um 5 Uhr. eine kurze und eine knielange Laufhose, 1 Paar Kompressionsstrümpfe, 1 Paar kurze Laufstrümpfe, ein Paar Schuhe reichen, Laufshirt, lange Laufjacke, Laufweste, Laufuhr, 2 Buffs, eine Winter- und eine Sommermütze, dünne Laufhandschuhe …
… fehlte da nicht etwas?

Natürlich! Das zweite Laufshirt und auch die Entscheidung für nur ein Paar Schuhe war falsch, weil ich Leipzig nicht so schlammig und nass erwartet hatte, dass die Schuhe danach keinesfalls für einen zweiten langen Lauf hätten verwendet werden können.
Meine Lösungen waren zum einen, ohne Laufshirt nur mit der Laufweste zu laufen. Wie viele schmerzende Scheuerstellen das gab kann ich nicht sagen, aber ihc kann sicherlich bis über 10 zählen und die wunden Stellen auf beiden Seiten unter den Armen, am Schlüsselbein und auf der Brust waren mehr …
Und zum Laufen nahm ich die Brooks-Laufschuhe, die ich eigentlich nur als Zierde zu meinen Jeans als „casual wear“ trage. Für lange Läufe sind die nicht gemacht, vor allem haben sie nicht die zusätzliche Länge, die wir Marathonis oder Ultramarathonis stets unseren Laufschuhen gönnen. Das habe ich dann nach dem Ultra mit einer dicken und äußerst schmerzhaften großen Blutblase am zweiten rechten Zeh bezahlt.
Aber wer nicht bis zwei zählen kann …

Die beiden Läufe aber kompensierten all den Ärger, den ich über mich selbst hegte. In Leipzig war es ein 3-er Teamlauf, für den ich schon im November 2011 zwei ostdeutsche Laufpartner gefunden hatte. Matthias, ein Unternehmer mit bis dahin 8 Marathons in seiner persönlichen Statistik, mit einer PB, die fast exakt gleich ist wie meine aus Edinburgh und mit einer Biographie, die einige Parallelen zu meiner hat und Flo(rian), unser Küken, ebenfalls mit bis dahin 8 Marathons in seiner persönlichen Statistik und einem Beruf, der ihm Flügel verleiht.
Beim 3. Leipziger Winter! Marathon war einer der Sponsoren Red Bull. Gewöhnlich nutze ich die Kraft von Red Bull, um mich für lange Autofahrten wach und fit zu halten, in Leipzig erlebte ich dieser nach Gummibärchen schmeckende Flüssigkeit als Hot Bull, leicht angewärmt mit Orangensaft gemischt. Und das Red Bull – Promotionteam war auch super nett und jede der Ladies war unserem Teammitglied Flo(rian) bekannt.

Läuferisch war der Marathon wieder eine kleine Offenbarung. Wir sind im Gruppendruck natürlich zu schnell losgelaufen. Am liebsten hätte ich schon auf den ersten Kilometern auf die Laufbremse getreten, aber wer will schon der Bremser sein? Und wir Männer wollen das sowieso nicht zeigen, also geht es schnell weiter. Aber nach vielleicht 30 oder 32 Kilometern schmerzte Matthias seine Sehne sehr und Flo durfte mir seine Leidensfähigkeit beweisen. „Das war das Härteste, das ich bisher gemacht habe,“ sagte er am Ende und ich versuchte Kilometer für Kilometer die beiden zu motivieren.
Dennoch wurden wir vor allem auf den letzten eineinhalb Runden auch von Teams eingeholt, die wir längst hinter uns gelassen wähnten und auch das beste Damenteam passierte uns auf den letzten 1.000 Metern. Aber das sollte uns vollkommen egal sein, weil wir ja mit dem Ziel 4:30 Stunden unterwegs waren.
Mir aber wurde es am Ende schon richtig kalt. Am liebsten wäre ich wie ein junger Hund neben der Strecke hin- und hergelaufen, um meinen Kreislauf in Schwung zu halten, weil mein Rücken freundlich angeklopft hat und meinte, schmerzen zu müssen, zum Glück nicht im Bereich meines sensiblen Iliosakralgelenks, sondern etwas höher, knapp unter dem Rippenansatz, aber ich hätte am Samstag Abend eher gehen einen Start am Sonntag gewettet.

Der 3. Winter! Marathon war auch eine große Ansammlung von Marathon4U – Autoren. Klaus Duwe und seine Mannen waren omnipräsent und so gab es viele Hallos und Körperdrücker, nicht nur mit Klaus, Wolfgang und Bernie, sondern auch mit vielen der anderen M4U Jungs. Außerdem waren der MIAU-Organisator Bernd Kalinowski dabei, der ultraschnelle Ulf Kühne vom OEM (Oberelbe Marathon) Team und viele andere Lauffreunde, die mich Runde für Runde höher fliegen ließen.

Für das Wetter konnten die Leipziger Veranstalter nichts, nichts für das Schneetreiben, nichts für den Regen, nichts dafür, dass alles matschig, schlammig und überhaupt „usselig“ war. Aber das, wofür sie was konnten, war schon phänomenal. Für 45 EUR Startgebühr pro Team (!), also nur 15 EUR pro Starter, gab es einen gut organisierten Lauf, wo an jeder Ecke bedauernswerte Menschen in Neon-Schutzjacken herumstanden, um uns auf den richtigen Weg zu leiten, wo die Versorgung vorbildlich war, nicht nur wegen der Hot Bull Becherchen und nicht zuletzt gab es am Ende sogar noch kleine Geschenke für die Teams.
Leider war uns eine der wunderschönen Plastik-Schneekristalle am goldenen, silbernen oder bronzenen Band vergönnt, dafür waren wir einfach viel zu langsam, insgesamt gab es aber neben den Urkunden noch zwei Torten für unser Team.

Flo, Matthias und ich jedenfalls hatten uns viel zu erzählen, die Zeit verflog recht schnell und ich nutzte die mir durch das Red Bull – Team gewachsenen Flügel dann gleich noch, um nach Senftenberg zu fahren. Ich war ja schon im Vorjahr dort am Start des 50 K Hallen-Ultramarathons und damals erzielte ich eine neue persönliche Bestzeit über die 50K Distanz, jetzt, mit dem Marathon in den Beinen, wollte ich keinesfalls in die Nähe dieser Marke kommen, um auf keinen Fall doch motiviert zu sein, hier noch weiter „feilen“ zu wollen. Aber wenigstens unter 5 Stunden bleiben wollte ich schon.

In der X-BIONIC Laufweste ohne Laufshirt darunter sah ich einigermaßen gut aus, fand ich, und ich folgte als Schatten immer wieder anderen Läuferinnen und Läufern. Zwei, drei Runden gemütlich hinter einem anderen Läufer, dann wieder ein paar Runden allein mit etwas Druck aufs Tempo, so ging es letztendlich 4:56:10 Stunden lang, zuerst einfach, später dann zunehmend schmerzhaft. Das Entstehen und Wachsen der Blutblase bemerkte ich schon nach der Hälfte der 50 Kilometer auf der in den Kurven überbauten Indoor-Tartanbahn, das Scheuern der Weste kam dann etwas später in mein Bewusstsein.
Aber Weicheier sind wir Läufer ja alle nicht und so etwas muss halt jeder aushalten, der nicht bis zwei zählen kann, eine echte Lehre für das weitere Leben.

Der MIAU-Organisator Bernd Kalinowski, der auch in Leipzig gelaufen war, hatte zwischen den Senftenberger Ultra-Hallenmarathon und den Leipziger Winter! Marathon noch kurz den Senftenberger Hallen-Nachtmarathon eingeschoben, wahrscheinlich, weil auch Bernd nicht bis zwei zählen kann.
Und auch Marco Cych aus Bad Kreuznach lief außer in Leipzig noch in Senftenberg. Die Anzahl der „Verrückten“ nimmt also ständig zu …

In Senftenberg 2011 konnte ich meine Altersklasse gewinnen, 2012 erreichte ich nicht mehr als einen 6. Platz. Aber wer langsamer ist wie im Vorjahr, der kann auch nicht die Ergebnisse des Vorjahres erwarten. Es war mich auch egal, weil ich sowieso im Jänner nur viel Strecke laufen will, damit ich im Februar ohne Sorgenfalten auf das Laufen verzichten kann, wenn ich in Equador auf die hohen Berge wandere.
Und ein Glas der berühmten Spreewald-Gurken und eine Packung breiter Nudeln gab es dennoch für die Läufer.

Was ich aber wirklich unglaublich fand, war, dass selbst einige meiner Pacemaker noch fast eine Stunde nach meinem Zieleinlauf unterwegs waren, humpelnd, gehend, verzweifelt. Der Hallenboden und die Überbauung in den Kurven verlangen Dir schon einiges ab. Manche konnten schon nach 100 der zu laufenden 200 Runden nicht mehr richtig laufen, schoben Gehpausen ein oder änderten ihre Rennstrategie gänzlich auf das Walken oder Gehen.
Einen meiner Pacemaker vom Anfang des Laufs bewuderte ich, weil seine Runden immer exakt 1:30 Minuten lang waren, plus / minus eine einzige Sekunde.Ich lief so lange hinter ihm, bis er beim Verpflegungspunkt abgebogen ist. Später aber ging bei ihm nichts und meine ursprüngliche Annahme, es hier mit einem extrem erfahrenen und kontrollierten Läufer zu tun zu haben, schwand und ich bedauerte ihn, weil offensichtlich wurde, dass er dieses konstante Anfangstempo von exakt 6 Minuten pro Kilometer einfach nicht durchhalten konnte.

So skurril dieser Hallen-Ultra ist, so skurril ist auch die alte Niederlausitz-Halle, die noch den Charme der 70er und 80er Jahre verbreitet. Aber der Lauf dort ist einfach einzigartig, wenngleich man ihn leicht unterschätzen kann. Eine ganz besondere Erfahrung aber ist er auf jeden Fall.
Für mich aber war es nach 2011 der letzte Lauf dort, weil mich die rund 600 Kilometer bis Senftenberg immer wieder nerven.

Zumindest in diesem Punkt kann ich dann doch bis 2 zählen …