Zuerst liefen wir durch das große Rund der Sprungschanze. Diese Garmischer Schanze ist schon ein beeindruckendes Bauwerk, das Dich ehrfürchtig erstarren lässt vor dem Mut der Skispringer, die sich da zu Tal stürzen. Dann ging es weiter Richtung Partnachklamm.
Wir wussten, dass sie noch geschlossen war. Sie wird seit einiger Zeit aus Sicherheitsgründen erst um 8.00 Uhr geöffnet. Früher konntest Du vor 8.00 Uhr einfach reingehen, heute hindert Dich eine Stahltüre daran, diese Option zu wählen.
Aber mit einigen Höhenmetern mehr gehst Du einfach vorher entweder über die steile Asphaltstraße hoch zur Kaiserschmarrn-Alm oder Du wählst die Strecke über die Eiserne Brücke. Wir haben uns für die Asphaltstrecke entschieden. Nach der Kaiserschmarrn-Alm geht es wieder runter, das kenne ich ja schon und denke bei diesem Abschnitt immer daran, dass ich nach dem Lauf diesen Abstieg wieder rauf gegangen bin, mit mehr als einem Marathon in den Beinen und dennoch die Masse der Touristen überholend.





Dieses Jahr war aber alles anders. Da war eine Wegsperrung und ein Schild: „Lebensgefahr“. Wir betrachteten dieses Hindernis als nicht existent und nahmen dennoch diesen Weg. Ein wenig ärgerten wir uns darüber, dass nicht bereits unten ein Hinweis darauf zu sehen war, dass der Auf- und Wiederabstieg hier nicht möglich sein würde.
Die „Lebensgefahr“ zeigte sich dann anhand einer entstehenden Brücke über einen tiefen Taleinschnitt. Die drei runden Stämme, die die Basis der Brücke bilden werden, waren schon gesetzt, aber es war halt noch nichts drauf. Michi balancierte über diese Stämme auf die andere Seite, ich gönnte mir die „Hasenfuß“-Variante. Ich sah mich auf den feuchten, runden Balken abrutschen und hatte mehr Angst als mir lieb war. Also setzte ich mich auf meinen Hintern und robbte wie Kleinkind über die Stämme.
Danach ging es das Reintal entlang, meistens laufend. Wir überholten einige Wanderer, aber im Wesentlichen war es ruhig auf dem Forstweg. Der Forstweg geht irgendwann über in einen Trail und mit ständigem Auf und Ab geht es immer weiter hoch, an der Bockhütte vorbei bis zur Reinangerhütte.
Es standen nun rund 15 Kilometer und knapp 2:30 Stunden auf der Uhr und diese Kilometer waren „easy going“, erst ab der Reinangerhütte beginnt der eigentliche Aufstieg.
Irgendwann lag auch Schnee neben dem Weg, gelegentlich mussten wir über Schneefelder gehen, manches Mal haben wir den Weg verlassen, um neben dem Weg auf Gras aufzusteigen, weil es bequemer ist als über den Schnee zu gehen.

Nach 1:20 Stunden, gerechnet ab der Reinangerhütte, erreichten wir die Knorrhütte. Vor der Knorrhütte gibt es „die Rinne“, ein wie ich finde besonders anstrengendes Stück Weg. Hast Du das hinter Dir, dann wird es leichter. Normalerweise. Im Sommer. Ohne Schnee. Nicht am 10. Mai 2024.
An der Knorrhütte dachte ich an einen Aufstieg im späten Oktober vor zwei oder drei Jahren. Tief verschneit endete mein Weg damals dort.
Aber es sollte weiter gehen. Aber von nun an gab es kein Gras mehr, nur noch tiefen Schnee. Zum Glück war ein Weg gespurt und dann trittst Du immer in diese Spur. Das nervt, das dauert, das strengt an.
Aber die Schneedecke hatte uns nicht getragen, also gab es dazu keine Alternative. Klar war aber in diesem Moment, dass wir Zeitziele vergessen konnten und dass wir an diesem Tag keinen Abstieg mehr gehen würden. Nur noch raufkommen und dann mit der Gondel runter, dachten wir.
Die Kilometer in der Spur dauerten immer knapp 30 Minuten. Dreißig Minuten! Pro Kilometer! Und das drei oder vier Mal hintereinander.
Als wir nach 5:40 Stunden beim Sonnalpin ankamen, rund 200 Höhenmeter unter dem Gipfel, war klar, dass wir die letzten Meter nicht mehr hochkommen würden. Alles war voller kleiner Schneebretter, ein Weg war nicht auszumachen. Ich war nicht enttäuscht, sondern sogar dankbar, dass der Berg sich einsichtig gezeigt hat, ich war physisch wirklich am Ende.









Aber wir sind mit der kleinen Gondel noch hoch gefahren, haben oben nach einem Schwammerlknödel Mittagessen noch gequatscht, Fotos gemacht, dann ging es mit der großen Gondel ganz nach unten.
Alles in allem bin ich sehr zufrieden. Mit dem Tag, mit meiner Situation, mit meiner Leistung.
Ich denke, dass ich nicht allzu weit weg bin von meiner Form der letzten Jahre.







Insgesamt war es ein genial schöner Tag. Danke für diesen Tag Michi!
Danke auch für das nachfolgende Video.
Für die Zugspitze heißt es: Auf ein Nächstes.
Für die TorTour heißt es: Die TTdR kann kommen, ich bin bereit!

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