Im Bienwald – immer geradeaus!

Ich hatte in den letzten Jahren viel gehört vom Bienwald-Marathon. Und ich hatte mir im Kopf auch schöne Bilder gemacht. Bilder von Trails durch einen weitgehend naturbelassenen Wald, überall finden sich Bienenstöcke, die Wege sind voller Tannennadeln, aber weich und voller Wurzeln.
Und dann wurde ich gefragt, ob ich als Pacer für die Zeit „Sub 4:45 Stunden“ zur Verfügung stehen würde.
3 1/2 Stunden Anfahrt, Start um 10:00 Uhr, also den Wecker auf 5:00 Uhr stellen, sich auf „Katzenwäsche“ einstellen, mit Ellah kurz rausgehen, dann ab ins Auto und runter nach Kandel, zur Bienwaldhalle.
Passt, geht.

Und das Pacing macht mir immer wieder große Freude. Du kontrollierst jeden Kilometer und versuchst, Dich schnell auf die geforderte Laufzeit einzugrooven. Für mich ist es immer so, dass ich die Geschwindigkeit der ersten 10 Kilometer dann nicht mehr ändern kann, außer ich würde einbrechen, dann muss ich Gehpausen einschieben. Es gelingt mir dann aber nicht mehr, einfach langsamer zu Laufen.
Da ist die eingestellte Geschwindigkeit und der Körper will sie haben.
Dass ich mit 4:42:46 Stunden ins Ziel kam, ist OK, gerne hätte ich mir noch zwei Minuten mehr Zeit gelassen. Dabei habe ich auf den letzten vier Kilometern schon ein wenig eingebremst, zumindest wollte ich das. Mein Körper allerdings wollte das nicht, er war ja schon so eingestellt, wie ich das oben beschrieben habe.

Der Bienwald-Marathon geht aber fast gar nicht durch den Bienwald, sondern eben nur daran vorbei. Die Laufstrecke ist zu 100% asphaltiert und es sind die elend langen Geraden, die Dich verwirren. Ein Kurz zum „ballern“, für ziemlich schnelle Zeiten, wenn man das will.
Einzig die beiden 360 Grad Wenden sind Zeitkiller, ansonsten geht es immer schnurstracks geradeaus.
2.200 Teilnehmende waren da, mehr geht nicht, weil die Genehmigungen der Stadt nicht mehr hergeben. Davon war die überwiegende Zahl der Teilnehmenden beim Halbmarathon gemeldet, mehr als 1.600 Personen. Knapp 600 Personen hatten sich für die Marathonstrecke eingetragen.
Das Aufgebot an Pacern war dafür immens, die Organisation des Events war herausragend, die Verpflegungsstände waren reichlich bestückt, meist mit Elektrolyt-Getränken, Wasser, Tee, später auch mit Cola. Es gab Bananen und Orangen, einmal sogar Schokoladenstückchen. Wie nett ist das denn?

Die ersten 14 Kilometer ging es für die Halbmarathonis und die Marathonis auf der gleichen Strecke los. Die Strecke war natürlich ziemlich voll, das Feld hatte sich noch nicht allzu weit auseinander gezogen, bis dann die Halbmarathonis ihren Wendepunkt hatten. Vorher kamen uns natürlich schon die ersten Halbmarathonis entgegen. Schnelligkeit, Kraft und Eleganz war zu bestaunen, kein Vergleich mit dem elefantenartigen Trampeln von mir, leider geht es halt bei mir nicht besser. Aber wer langsam geht, der kommt auch ans Ziel und die Lasterjahre, nee, die Last der Jahre, hat mich ja auch deutlich langsamer, aber auch gewichtsmäßig schwerer, gemacht.

Das Fehlen von über 1.600 Teilnehmenden machte sich nach dem Wendepunkt deutlich bemerkbar, die Strecke wurde übersichtlich leer. Irgendwann kam dann ein Streckenteil, wo uns die schnelleren Marathonis entgegen kamen, das passierte später dann noch einmal- Dabei waren es da nicht die Cracks, die Allerersten, die uns entgegen kamen, die waren schon weiter und wieder abgebogen, es waren die LäuferInnen, die zwischen 3:30 Stunden und 4:15 Stunden ankommen wollten.
Einige Freunde waren dabei, Georg Hilden, mit dem ich im Ziel noch gefachsimpelt habe, Holger Hedelt, unverkennbar mit seinem weißen Bart, Thomas Rößler, mit dem ich über das Kölnpfad-Event im Juni gesprochen habe.

Zwei Wendepunkte auf der Marathonstrecke waren es also, alles genau durch RaceResult Matten und mobile Zeitnahmesysteme kontrolliert. Gut so, dachte ich.
Wir Pacer für 4:45 Stunden, das war außer mir noch Arnt Scheidler aus Aschaffenburg, haben ein recht konstantes Tempo vorgeben können. Rechnerisch 6:45 Minuten pro Kilometer, aber immer ein klein wenig schneller, um Zeit für die Verpflegungsstände und auch mal für eine Toilettenpause zu haben. Diese war aber nicht notwendig, vielleicht der Grund, dass wir etwas zu früh eingelaufen sind?
Aber die kleine Truppe, die sich anfangs um uns geschart hatte, wurde immer kleiner und am Ende war eben niemand mehr dabei, schade eigentlich.
Aber auf den letzten Metern stockten wir noch einmal kurz, um einem sehr engagierten Läufer noch die Gelegenheit zu geben, durch unsere Mitte zu rennen, um in einem fulminanten Schlussspurt noch all dass gut zu machen, was bis dahin versäumt wurde.
4 Stunden, 42 Minuten und 42 Sekunden, so die offizielle Zeitmessung, ich war sehr zufrieden.

Und nach dem Motto „Run now – Beer later“ gab es im Ziel für mich zwei Flaschen Bitburger 0,0, eine mit Grapefruit, eine neutral, aber beide sowas von lecker und erfrischend.
Und mit dem Bier in der Hand, selbstredend alkoholfrei, ging der Blick voraus zum nächsten Pacing, dann für 4:30:00 Stunden, in Freiburg beim Freiburg-Marathon.
Arnt wird wieder mein Partner im Pacing sein und ich hoffe, dass wir wieder die gleiche Schrittfolge hinbekommen, das es wieder so perfekt rundlaufen wird, nur dass die langen Geraden nicht mehr da sind, dafür vielleicht der eine oder andere Zuschauer mehr.

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