Jenseits von Afrika …


Morgen früh geht es los nach Afrika, genauer zum Kilimanjaro Airport in Tanzania. Genau 5 Jahre und 8 Monate nach meiner Gipfelbesteigung am 12. Februar 2005, damals noch über die leichte Marangu-Route, die spöttisch häufig die „Coca-Cola Route“ genannt wird, fliege ich wieder nach Tanzania, dem ehemaligen Deutsch Ostafrika, in eines der Länder, die mich von allen Ländern, die ich bisher gesehen habe, am meisten fasziniert hat.
Dieses Mal geht es über die etwas schwierigere Machame-Route nach oben, ohne die angenehmen festen Hütten und den komfortablen Versammlungsraum an jeder Nachtstation. Zelten soll bei – 20 Grad ja auch besonders romantisch sein …

Und mir gehen Bilder durch den Kopf und Melodien und die Bilder und die Melodien stammen natürlich von Tania Blixens „Jenseits von Afrika …“ und ich höre die Anfangsworte dieses großartigen Films durch mich fließen: „Ich hatte eine Farm in Afrika, am Fuße der Ngong Berge …

Robert Redford, der „Pferdeflüsterer“, der „große Gatsby“, hat im Mai 2004 über den Film „Jenseits von Afrika (Out of Africa)“ diese Zeilen geschrieben, die nur bei CIAO.DE und bei Yopi veröffentlicht wurden:

Liebe Filmfreunde in Deutschland,

mein Name ist Robert Redford. Viele von Ihnen werden mich vielleicht kennen aus so manchem Film, den ich in den letzten Jahrzehnten gedreht habe. „Jenseits von Afrika (Out of Africa)“ aus dem Jahre 1985 war nur einer von vielen, aber es war einer der wunderbarsten Filme, in denen ich mitspielen durfte.

Dieser Film wurde gleich 7mal mit dem Oscar ausgezeichnet. Nein, ich selbst hatte dieses Mal keinen bekommen, im Gegensatz zu meinen Kollegen Meryl Streep und Klaus Maria Brandauer wurde ich nicht mal dafür nominiert. Die beiden waren ganz gewiss großartig, und, glauben Sie mir, liebe Filmfreunde, natürlich hätte ich ihnen die Trophäe von ganzem Herzen gegönnt. Aber offengestanden muss ich auch einräumen, und vielleicht werden Sie mir dabei recht geben, dieser Film lebt nicht in erster Linie von seinen menschlichen Darstellern. So ging der Oscar an Sidney Pollack für den Film als Ganzes und dessen Regie.
U.a. wurden auch das Drehbuch und vor allem natürlich die Kameraführung prämiert. Denn dieser Film ist vor allem etwas fürs Auge. Aber natürlich nicht nur das, lassen Sie mich später darauf zurückkommen.

Was blieb in diesem Film für einen wie mich? Natürlich das, was viele von Ihnen von mir erwarten mögen, auch hier durfte ich einen Frauenheld spielen, der dazu auserkoren war, das Herz von Karen Blixen zu gewinnen. Dazu musste ich ihr nicht einmal ein unmoralisches Angebot machen. Dabei war sie ja verheiratet. Aber lesen Sie selbst noch mal das Wichtigste zum Inhalt:

Wir schreiben das Jahr 1914, der erste Weltkrieg steht vor der Tür. Da ist die reiche Dänin Karen Dinesen (Meryl Streep), der zu ihrem Glück nur ein Adelstitel zu fehlen scheint. Als die Hochzeit mit einem schwedischen Baron platzt, ist sie es, die dessen Bruder sozusagen ein unmoralisches Angebot macht. Sie bittet Bror Blixen (Klaus Maria Brandauer), für seinen Bruder als Ehemann einzuspringen. Er habe den Titel, auf den sie so erpicht ist und sie das Geld, das ihm fehle. Somit bleiben die Gefühle in diesem Konstrukt von vornherein außen vor.

Die Hochzeit findet jedoch in Kenia statt, wohin das Zweckbündnis auswandert, um dort Viehzucht und einen Molkereibetrieb zu betreiben. Bror, der vorausgeeilt ist, hat jedoch längst andere Pläne. Ohne Absprache mit Karen hat er längst Vorkehrungen getroffen, eine Kaffeeplantage zu eröffnen, obwohl es diesbezüglich in den Höhenlagen Kenias zu dieser Zeit noch keinerlei Erfahrungen gibt. Als es deswegen zum Disput kommt, erklärt er Karen unmissverständlich, dass nicht er es ist, der käuflich ist, sondern nur sein Adelstitel.

Trotzdem beginnen die beiden langsam, Gefühle für einander zu entwickeln, was jedoch durch die ständigen längeren und nicht angekündigten Abwesenheiten Brors, der der Großwildjagd frönt, immer wieder zu Rückschlägen führt.

Sie ahnen schon, geneigte Leser, so Sie diese Geschichte noch nicht kennen sollten, dass es für einen wie mich dann ein Leichtes ist, das Herz der Baronin zu gewinnen. Bror, der hier kein echter Gegner ist, sagt im Film lediglich zu mir: „Denys, du hättest ja wenigstens vorher fragen können…“

Ach so, ich habe mich ja noch gar nicht richtig bei Ihnen vorgestellt, jedenfalls, was meine Filmrolle betrifft. Auch Denys Finch Hutton, ein Engländer, ist Großwildjäger. Ich jage Elefanten und handele mit Elfenbein. Damals war das noch kein Tabu. Das erste Mal treffe ich Karen, als sie mit dem Zug und ihrem ganzen Hab und Gut nach Kenia kommt. Als sie sich mir da als Baronin Blixen vorstellt, lasse ich sie gleich unbeeindruckt wissen, dass das doch noch gar nicht der Fall sei. Bei unserem Wiedersehen werde ich Zeuge, wie Karen ein Rendezvous mit einer Löwin hat, die aber zu Karens Glück ihr Frühstück bereits hinter sich hat.

In folgendem lernt Karen, die hierzulande meist Tania genannt wird, Afrika von allen Seiten kennen, da sind auf der einen Seite die Herausforderungen, Naturgewalten und Gefahren und auf der anderen die Schönheit der Natur und der Charme dieses Kontinents. Sie selbst erkrankt an Syphilis, was eine Behandlung in ihrer Heimat notwendig macht und bei ihr Unfruchtbarkeit hinterlässt, ein gemeinsamer Freund von ihr und Denys fällt dem Schwarzwasserfieber zum Opfer. Dazu kommt der Ausbruch des Ersten Weltkriegs, von dem auch Afrika nicht verschont bleibt.

Einige Szenen, die für den Film symbolisch sind und die im Gedächtnis des Zuschauers lange erhalten bleiben, möchte ich Ihnen nicht vorenthalten. Die Begegnung mit der Löwin habe ich bereits erwähnt. Brüskierend für Karen auch die Szene, als sie eine Bar betritt und dort aber sofort die Rote Karte erhält, weil Frauen zu damaliger Zeit so etwas nicht gestattet war. Oder auch die Szene der Trauungszeremonie, als der Standesbeamte nicht einmal Karens Namen weiß. Nicht nur hier zeigt sich der Zeitgeist jener Tage, sondern auch bei der Frage, auf welcher Seite das kleine Land Dänemark im Falle des Kriegsausbruchs stehen würde. Aber es gibt auch heitere Szenen in einem Film, der gemeinhin als Melodram bezeichnet wird. Etwa dann, als afrikanische Eingeborenenkinder gebannt eine Kuckucksuhr anstarren.

Die Geschichte der Karen Blixen ist übrigens autobiographisch. Karen Dinesen wurde 1885 in Kopenhagen geboren und lebte, wie beschrieben, 17 Jahre in Afrika. In den 30er Jahren kehrte sie nach Dänemark zurück und schrieb dann ihre Geschichte auf, die als Romanvorlage zu Pollacks Film diente.

So beginnt der Film mit den Erinnerungen Karens an den Mann, der sogar ein Grammophon und die Musik Mozarts mit auf Safari nahm. Ihre Erinnerungen an mich, Denys. Und vielleicht reicht Ihnen ja bereits der nachhaltige Satz „Ich hatte eine Farm in Afrika“, um als Zuschauer unweigerlich in den Bann dieses außergewöhnlichen Films gezogen zu werden. Für viele werden es die großartigen Aufnahmen von Landschaft und Tierwelt sein, die einen den Film nicht vergessen machen, andere stehen vielleicht mehr auf die Love-Story, auch wenn sie mit keinem Happy End verbunden ist, oder es ist einfach der Charme Afrikas, der hier eindrucksvoll in Bild und Ton umgesetzt wurde. Und nicht zuletzt verfügt der Film über einen der schönsten Soundtracks aller Zeiten. John Barry hat dazu die Musik geschrieben, was ebenfalls mit einem Oscar honoriert wurde.

Und irgendwann sagte sie zu mir: „If you say anything now I’ll believe it”. Ich hoffe, ich muss Ihnen diese Zeilen nicht übersetzen. Als Mann werden Sie mich in dem Moment vielleicht um Meryl Streep beneiden. Als Frau werden Sie vielleicht Ihren Mann fragen, ob er die Szene später nicht mit Ihnen nachspielen möchte. Irgendwann wollte sie mich sogar heiraten. Da habe ich lieber erst mal nichts mehr gesagt.

Der Film geht etwa zweieinhalb Stunden. Ich empfehle Ihnen, kaufen Sie sich ihn als DVD, sofern Sie über eine geeignete Abspielmöglichkeit verfügen. Dann haben Sie die Möglichkeit, sich ihn nicht nur in deutscher Synchronisation, sondern auch im englischen Original oder auch auf Französisch anzuschauen. Mein Kollege Brandauer leiht seine Stimme sowohl der deutschen wie auch der englischen Version. Damit hat er sich als englischsprechender Österreicher womöglich schon für einen Gouverneursposten in den USA qualifiziert.

Vielleicht wird dieser Film auch Ihr Lieblingsfilm werden, wenn er es nicht längst ist. „Jenseits von Afrika“ ist weit mehr als 7 Oscars. Sie seien Ihnen gegönnt.

Ihr
Robert Redford

Wir werden die ersten Tage in der Meru View Lodge wohnen, bis es am Freitag hoch hinauf geht auf den Uhuru Peak, der „Freedom Peak“, schnell noch, bevor der Schnee auf dem Kilimanjaro endgültig geschmolzen sein wird. In 15 bis 20 Jahren wird es so weit sein, ein Wimpernschlag für die Erdgeschichte.

Ich reise mit einer Fotografen-Gruppe und hoffe sehr, dass ich viele schöne Fotos von diesem Berg mitbringen kann. Bis dahin tröste ich mich und ich tröste Dich mit drei Zeitungsberichten über Afrika, Tanzania und dieses Hotel (jeweils klicken zur entsprechenden PDF), lies die Berichte, es lohnt sich wirklich:




Ich liebe Afrika, ich liebe Tanzania, ich liebe diesen Berg.

Das Schweigen der Lämmer …

„Du machst dich rar auf deinem Blog. Nun lese ich da regelmäßig und kaum mach ich das, schreibst du nix!“

Letzte Woche riss mich Michael Neumann aus einer tiefen Agonie, als er feststellte, dass ich nicht mehr schreiben würde. Das stimmte leider, aber es drängte über Wochen nichts mehr von innen nach außen, nichts, das meine Finger auf der Tastatur hätte bewegen können. Ich überlegte ein paar Tage, wann das alles begonnen hat und warum das so gewesen war.
Es war der Schock des Aussteigens beim PTL, das mehr Gründe hatte als nur das Wetter und die teilweise unvollkommene Materialliste. Es gab da die Spannungen innerhalb des Teams, das sich schnell vom Dreier- zum Zweierteam reduziert hatte. Und es gab mein „Kopfkino“, das seit bald 49 Jahren in bestimmten Situationen ständig den gleichen Film zeigt. Kein NLP, kein Seminar, keine Literatur, nichts konnte bisher diesen Film absetzen.
Und der Film handelt von Respekt und Zurückweisung, von Achtung und Beachtung und er bringt mich immer wieder in ein tiefes Gefühlstal, wenn er auf dem Spielplan steht.

Klicken zum Ansehen und bitte: SOUND ON, es ist eine wunderbare Musik!

Dabei ist so viel Schönes passiert dort und auch danach. Beim PTL hatten wir zwei wunderschöne Sonnentage in einer Landschaft, die teilweise so skurril ist, dass ich mir wünschte, dort leben zu dürfen, in großer Höhe in einer der hübschen Almen kurz unterhalb der jeweiligen Berggipfel. Und wir hatten aufregende Nächte dort.
„Ballermann 6“ Kandidaten werden den Begriff „aufregende Nacht“ anders definieren wie Bergläufer, für mich war vor allem die Nacht ein echter Genuss, als wir kurz unter einem Gipfel die drei PTL-Freunde Michael Eßer, Eric Türlings und Andreas Spieckermann trafen und einige Zeit mit den Dreien dann auch den Berg herunter gelaufen sind.
Und später dann, beim späten Frühstück auf einer Jause, mittlerweile in gleißender Sonne und großer Hitze, kamen die Drei genau in dem Moment an, wo wir unsere Pause beenden wollten. Es ist so schön, vertraute Gesichter zu treffen, ein paar Worte wechseln zu können und zu wissen, dass wir alle beim PTL die gleichen Sorgen und Nöte hatten.
Aber ganz am Ende war da nur noch Wut und Trotz und das Gefühl, für Carsten wenig wichtig zu sein und so wurde ich bockig und geißelte mich selbst, in der Hoffnung, so doch wieder die Beachtung zu bekommen, die ich zuvor stets hatte. Und nichts hat in den letzten fast 49 Jahren dazu beigetragen, dass TomWingo endlich lernt, dass diese Reaktion besser durch eine andere Reaktion ersetzt werden sollte.
Der Film in meinem „Kopfkino“ heißt schon immer: „Das Schweigen der Lämmer, Teil XX …“

Mancher hat mich gefragt, warum mein Nickname Tom Wingo ist.
Tom Wingo, wer ist das eigentlich?

Vielleicht hast Du Dich das auch schon gefragt, möglicherweise aber kennst Du sogar den Film „Herr der Gezeiten“ (Originaltitel: „The Prince of Tides“). Die männliche Hauptfigur darin ist Tom Wingo, ein kantiger Football-Trainer und Lehrer, der in weiten Bereichen aufgewachsen ist wie ich mir meinen „angeheirateten“ Geschwistern. Auch bei mir gibt es eine Schwester Savannah, die sich hinter einer falschen Identität versteckt und mit einer schwierigen Psyche ausgestattet ist, einen Bruder, der, die Familieninsel rettend, für mich für Jahre tot war. Es gab den despotischen Vater, das verdrängte Familienerlebnis und das Abtauchen von uns Dreien mit dem Kreis aus Blut und Fleisch, das uns für eine gewisse Zeit vergessen ließ, wo wir waren und was wir waren.

Im zweiten Teil des Film sagt Tom Wingo, überzeugend gespielt vom großartigen Nick Nolte: „Ich kann ein verschlossener Scheißkerl sein!“ Ich auch, meine Frau Gabi kennt das zur Genüge. Ich kann so schweigen, dass es den Menschen um mich körperlich weh tut.
Wie Tom Wingo im Film löse ich meine Probleme auch häufig durch Schweigen auf und jeder, der mich näher kennt, weiß, dass ich mich, wenn ich sehr mitteilsam bin, besonders wohl fühle.
Vielleicht neigen wir Männer generell nicht dazu, einen „besten Freund“ oder eine „beste Freundin“ zu haben, wo wir unsere Problem abladen und diskutieren können. Mit unserem „besten Freund“ gehen wir zum Sport oder in die Kneipe, reden aber tun wir nicht miteinander, zumindest nicht über uns und unsere Probleme.

Am Ende steht Tom Wingo zwischen der Psychaterin Dr. Susan Lowenstein, gespielt von Barbra Streisand, die ich so sehr bewundere wie nur wenige im Show-Business, und seiner Ehefrau Sallie, mit der er drei Kinder hat. Er entscheidet sich – natürlich – für seine Ehefrau und Susan Lowenstein sagt zu ihm: „An Dir schätze ich am meisten, dass Du der Typ Mann bist, der immer zu seiner Familie zurück kehren würde.“
Später dann ergänzt sie: „Gib‘ zu: Du liebst sie mehr als mich!“

Tom Wingo antwortet darauf mit dem Satz, der mich tief bewegt hat: „Nein, nur länger.“
Und dann fährt er von New York zurück in seine Südstaaten-Heimat nach South Carolina und der Film schließt mit Tom Wingos einfühlsam gehauchten Worten:

„Aber es ist das Mysterium des Lebens, das mir jetzt Kraft gibt. Und ich sehe nach Norden. Und wieder wünschte ich, jeder Mann hätte zwei Leben zu seiner Verfügung, und jede Frau.
Am Ende eines jeden Tages fahre ich durch die Stadt Charleston – und wenn ich die Brücke überquere, die mich nach Hause bringen wird, fühle ich, wie sich die Worte in mir bilden. Ich kann sie nicht aufhalten, noch kann ich erklären, warum ich sie spreche.
Aber wenn ich die Mitte der Brücke erreiche, kommen diese Worte als ein Flüstern zu mir. Ich spreche sie als Gebet. Als Bedauern. Als Lobpreisung. Ich sage Lowenstein, Lowenstein.“