Hat sich die Sahara schon bis Köln ausgedehnt?

Eigentlich sollte ich Anke Molkenthin anrufen und meine Zusage für den „Marathon des Sables“ in der südmarokkanischen Wüste absagen!

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... immer dem weißen Kreis nach!

Als wir am Samstag um 8.00 Uhr früh beim KÖLNPFAD starteten, wusste ich schon, dass es ein sehr heißer Tag werden würde. Aber dass es so wenig Schatten geben würde, dass die Temperaturen so hoch steigen würden, das ahnte ich nicht. Und so gehörten die krampfenden Oberschenkel wohl zu den notwendigen Übeln dieses 171 Kilometer langen Laufs.

„Laufen mit Freunden“ war ja meine Devise für diesen Lauf. Meine Lauffreunde Michael Eßer und Hans-Peter Gieraths waren da, der Lauffreund Florian Bechtel betreute eine der vier Versorgungspunkte. Nur vier Versorgungspunkte, im Schnitt alle 43 Kilometer! Viel zu wenig, wenn da nicht auch noch meine Frau Gabi als Betreuerin mit ihrem Van gewesen wäre, der mit so viel Essen und Trinken vollgeladen war, dass Gabi mühelos alle 17 Starter über die gesamte Strecke hätte verpflegen können.
Trotzdem waren die vorher ausgemachten Treffpunkte an der KÖLNPFAD-Strecke oft zu wenig und der Durst war manchmal so groß wie die Sehnsucht nach moralischem Beistand.

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... noch lächeln alle, aber 17 x 171km stehen noch vor den Läufern!

Dass Michael am Ende nicht im Ziel ankam ist sehr schade und Hans-Peter, mit dem ich sehr lange zusammen gelaufen bin, schaltete irgendwann noch seinen Turbo ein und schloss um zwei Plätze besser ab als ich. Aber Hans-Peter ist auch zweifellos der bessere Läufer von uns beiden.
Auf jeden Fall war es hilfreich, einen Freund an der Seite zu haben, vor allem in den heißen Feldpassagen.

Anfangs haben wir uns noch verquatscht und dabei zwei Mal die Weggabelungen übersehen, später dann war es eher still um uns und wir sprachen nur noch das, was wirklich wichtig war. Die Sonne hat uns so zugesetzt, dass ich mich teilweise fragte, wie das dann in der Sahara werden solle. Aber das kann kaum schlimmer sein, denke ich, weil die Distanzen wesentlich kürzer sind und die Luft zwar heißer, aber auch trockener ist. Also muss ich doch bei dem Ursprungsplan bleiben und den April-Anfang in Marokko erleben. Kein Grund für Ausreden … !

Als Hans-Peter und ich am zweiten Versorgungspunkt hörten, dass wir auf dem 5. und 6. Platz liegen würden, haben wir es nicht geglaubt. Aber es hat uns fast so sehr motiviert wie die kalte Dusche aus dem Gartenschlauch, die dort angeboten wurde. Kein Versorgungspunkt war mehr ersehnt wie dieser „VP2“, der von den Troisdorfer M.U.T.-lern (Marathon Ultra Team) des Siegers Michael Irrgang betreut wurde. Das lag natürlich vor allem daran, dass wir eine sehr lange extrem heiße und vollkommen schattenfreie Feldpassage in der Mittagshitze erdulden mussten.

Aber am dritten Versorgungspunkt begannen wir, zu glauben, zu hoffen und zu rechnen und als wir kurz danach den viertplatzierten überholen konnten, da wusste ich, dass ein 5. Platz möglich sein würde, viel mehr als erhofft! Und so kam es dann auch und ich war zudem sehr erfreut, noch unter der 24-Stunden-Marke geblieben zu sein.

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... endlich ein wenig Schatten!

Weißt Du eigentlich, wie schön die Kölner Ecke ist? Vor allem Bergisch Gladbach und da primär Bergisch Gladbach Bensberg sind so schöne Orte mit zuckersüßen alten Häusern, mit einem traumhaft schönen Schloß und – ganz wichtig – mit dem direkten Blick auf den Kölner Dom.
Nur die vielen Menschen im Bergisch Gladbacher Freibad, die sich dort vergnügt haben, wirkten etwas störend. Neid auf das Eintauchen in kaltes Wasser war da sicher mit im Spiel.

Auch der Königsforst war schön zu belaufen, schattig und romantisch, aber danach kamen eben die baumfreien und schattenfreien Feld- und Uferweg-Passagen, die unsere Flüssigkeit aus dem Körper gesogen haben wie hungrige Stechmücken, die Blut sehen und saugen wollen. Wir froh war ich, als es Abend und damit auch kühler wurde.
Nach der Einnahme von viel Magnesium, viel Salz und den abnehmenden Temperaturen wurden auch meine Krämpfe weniger, bis sie dann irgendwann ganz aufhörten.

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... jetzt abbiegen, bloß keine zweite Runde mehr! Nur noch 500 Meter!

Als mich ab der „VP3“ mein „Real Life“ Freund Detlev begleitete waren die Krämpfe schon Geschichte. Aber dennoch fühlte ich mich gefordert, ihn moralisch zu unterstützen, weil er eigentlich nur Halbmarathons läuft und auch dafür nur wenig trainiert hat. Sein Ziel war es, die 34 Kilometer vom „VP3“ bis zum „VP4“ mit zu laufen – und er hat es geschafft. Respekt, Detlev, „Hut ab“!
Aber er war viel zu früh am „VP3“, wahrscheinlich, weil er sich irgendwo verrechnet hat, als er wusste, dass wir in Köln-Porz-Wahn sind. Die Wege des KÖLNPFADS sind doch verworrener als man glaubt. Glück für ihn war, dass er so viel mit Florian Bechtel reden konnte, den ich schon vorher auf die Ankunft und die Anwesenheit von Detlev vorbereitet habe. Und die beiden hatten Spaß miteinander. Mehr will ich ja gar nicht!

Apropos Spaß: zumindest zwei Geschichtchen finde ich wert, erzählt zu werden.

Als erstes die Geschichte, als uns ein Hobbyjogger kurz vor der zweiten Verpflegung eingeholt hat. Er sah uns und die Startnummern und frage, was wir tun würden. Und wir erzählten vom KÖLNPFAD und davon, dass wir schon 50 der 171 Kilometer hinter uns hätten. Und Jörg, so heißt der Läuferkollege, sagte uns, dass er im Dezember einen langen Lauf planen würde. Auf meine Frage hin, welcher Lauf das denn sei, antwortete Jörg, dass es ein Spendenlauf sei.
„Spendenläufe kenne ich fast alle“, dachte ich und so hakte ich nach und erfuhr, dass es der „Eisweinlauf“ von Offenburg nach Baden-Baden sei, den ich schon drei Mal absolviert habe. Organisiert von Rudolf Mahlburg ist das einer der romantischten Höhepunkte des Läuferjahres, wenn Du gegen 17.30 Uhr, wenn schon alles dunkel ist, vom Berg runter kommst und das erleuchtete Baden-Baden und den schönen Weihnachtsmarkt siehst, wenn dann der Bürgermeister eine kleine Willkommensrede hält und die Weihnachtsmarkt-Besucher applaudieren, weil die Horde verschwitzter Körper aus dem 65 Kilometer entfernten Offenburg über die Hügel des beginnenden Schwarzwald gelaufen sind. Das ist immer wirklich schön!
Jörgs Bruder wiederum wohnt in Baden und ist ein enger Freund von Rudolf Mahlburg – so klein ist die Welt, wenn man miteinander spricht! Ich freue mich schon jetzt, ihn Mitte Dezember wieder zu sehen und ein wenig mehr mit ihm zu plauschen.

Als zweites die Geschichte, als ein Fahrradfahrer mich auf der Rheinuferpromenade überholt hat. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt mein drittes Laufshirt an, das Finisher-Trikot des „Swiss Alpine Marathon“ von Mitte Juli. Hübsch, schwarz und mit der stilisierten Alpen-Gemse. Zwanzig Meter vor mir bremst er plötzlich, wendet und fragt mich, ob ich bei dem „Swiss Alpine Marathon“ dabei gewesen wäre. Seine Schwester wohnt wohl in Bergün und er kannte jeden Winkel dieses Laufs. Wir waren einige Zeit zusammen, so lange, dass die Streckenkontrolleure, die uns gesehen haben, geglaubt haben, das er meine Fahrradbegleitung gewesen sei.

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... 7 Uhr 47 in Deutschland ... wenn der kleine Hunger kommt!

Laufen ist eben auch immer das Aufspüren und Entdecken neuer interessanter Menschen. Und von denen habe ich an diesem Wochenende wieder viele kennen gelernt.
Als meine Frau Gabi mich dann etwa 500 Meter vor dem Ziel erwartet hat, da fiel der ganze Druck ab und ich war einfach nur noch glücklich.

Ergebnisse? Na hier!

Orangen im Rucksack und Sonne im Herzen …

April 2010 … nur noch 231 Tage!

Es wird endlich wahr!

Schon jetzt fühle ich den knirschenden Sand zwischen den Zähnen und ich sehe alles nur verschwommen. Ich ekle mich vor dem warmen Trinkwasser und ich fühle die heiße Sonne, die unerbittlich vor allem auf meine kahle Stelle auf dem Hinterkopf scheint.
Und alles tut weh: die Schultern vom Sonnenbrand, der Nacken vom schweren Rucksack, der alle lebenswichtigen Dinge beinhalten muss, die Füße, die alle Rekorde in Sachen „Blasenbildung“ schlagen wollen, die Muskeln, die nicht mehr wollen …

Halt, halt! Noch ist es nicht so weit. Noch kommen 231 Tage, bis die Reise in die Sahara beginnt.
Zum „MARATHON DES SABLES“, dem 25. MdS in der südmarokkanischen Sahara-Wüste. 230 Kilometer Hitze, Sandsturm und wüstenkalte Nächte unter provisorischen Leinendächern. 6 Etappen an 7 Tagen, ein echtes Abenteuer eben. Und all das natürlich mit meinem Laufpartner des TransAlpineRuns 2008, mit Heiko Bahnmüller.
Ich weiß nicht recht, ob ich mich schon freuen darf? Oder ob bei mir nicht die Angst überwiegt, mich zu überschätzen? Wenn ich nur an die vielen Trainingsläufe über den Winter denke, die ich mit 15 Kilogramm Orangen im Rucksack absolvieren muss, dann wird mir schon ganz anders. Ist dieses Abenteuer all das Wert?

MDS

Aber ich wollte ja dort hin. Schon, als ich das erste Mal von dieser Veranstaltung gehört habe, wusste ich: Du musst dort hin!

Und ich hatte diesen Lauf schon dieses Jahr auf der Agenda. Nur die Einladung des StrongManRun-Teams in den Blog des StrongManRun 2009 hat mich davon abgehalten. Und noch mal „kneifen“ geht nicht, wenn ich nicht vor mir selbst als „Weichei“ oder „Warmduscher“ erscheinen will. Jemand, der zwei Mal den StrongManRun gemacht hat und vor allem im eisigen Wasser Englands am 1. Februar 2009 ein ToughGuy geworden ist, der darf einfach nicht mehr warm duschen. Zumindest nicht im April 2010!

Als ich das erste und bisher einzige Mal in Marokko war, war es der zweite gemeinsame Urlaub mit meiner Frau Gabi. Das war im Touristengebiet Agadir, ich war noch kein Läufer und ich dachte, dass ich nie wieder Marokko betreten werde, trotz der schönen Stadt Marrakesch. Und jetzt droht mir die Wüste.

Und Dir drohen einige Berichte über mein Training bis dahin. Die werden bestimmt schwerer zu lesen sein als meine Läufe mit den Orangen im Rucksack.
Aber da musst Du durch. Das schaffst Du schon …

MdS

Geralds Ultra-Blog: Von Genf nach Basel …

Mein Lauffreund Gerald Baudek, neben dem ich beim SwissJuraMarathon drei Nächte meine Matte aufgeschlagen hatte, hat auch einen sehr lesenswerten BLOG geschrieben, den ich Dir nicht vorenthalten will:

Von Genf nach Basel in 7 Tagen

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(hier klicken für den Originalbeitrag)

Der rote Faden, der sich hier durch unser schönes Nachbarland zieht, ist 350 km lang, und soll innerhalb von 7 Tagen aufgerollt werden. Dieser Aufgabe stellen sich heuer 60 Laufverrückte.
Die Deutschen stellen mal wieder die größte Gruppe, dazu kommen noch Spanier, Dänen, Niederländer, sogar Mexiko und Kanada sind dabei. Daneben gibt es einen „Bambini-Lauf“ mit halber Tagesration, bei dem weitere 15 Aktive gemeldet sind. Am Vorabend trifft man sich in St. Cerque, zum Kennenlernen bei einem gemütlichen Abendprogramm.
Der Ungar Nemeth Csaba hat diesen Lauf in den vergangenen zwei Jahren gewonnen, und gilt als Favorit. Die Tatsache, dass ich trotz meiner Arm-Bandage an den Start gehen will, wird mehrfach hinterfragt, aber ich bleibe stur: „Ja, ich will, und ich werde!“

TAG 1:
Dieser beginnt mit der Busfahrt vom ersten Zielort direkt an das Ufer des Genfer Sees. Die große Fontäne am Beau Rivage wird uns zu Ehren eine Stunde früher als gewohnt in Gang gesetzt, damit wir diese noch vor dem Start bestaunen können. Aber schon geht es los, zum Einrollen auf 20 flachen Kilometern. Hier bin ich mit dem Spanier Banard Zubillaga und dem Dänen Kartheeban Nagentiraja (der sieht genauso dänisch aus, wie sein Name klingt – er hat indische Wurzeln) unterwegs.
Doch als es dann in den Berg geht, sind die beiden schneller weg, als ich gucken kann. Der Aufstieg ist super knackig, mit 1.100 Metern auf 10 km der dickste Brocken im gesamten Streckenverlauf, aber immerhin ist der Weg halbwegs bequem zu beschreiten, dicke Steine gibt es erst im oberen Bereich, die glatten und wurzeldurchsetzten Strecken sind heute noch nicht im Angebot. Auch bei dem folgenden Abstieg gibt es für mich eine erste Kostprobe, mit der ich mich an die steinigen Alpin-Pfade herantasten kann, während andere Läufer mit mehr Berg-Erfahrung an mir vorbeitanzen. Am Nachmittag setzt ein ordentlicher Dauerregen ein, der aber nur die langsameren Läufer trifft. Für mich gibt es nach der ersten Etappe einen trockenen Zieleinlauf und obendrein den guten 7. Platz für mich zu verbuchen.

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TAG 2:
Dieser Abschnitt soll mit 45 km Länge und nur 1.300 Steigungsmetern der Leichteste sein. Nach der frischen Bewässerung sind die Wege aber schön glatt und seifig. Oft geht es quer über Kuhweiden, die knöcheltief unter Wasser stehen. So bleibt die Uhr am Ende sogar einige Minuten später stehen als am gestrigen Tage.
Zu Beginn bin ich ein ganzes Stück mit dem Schweizer Felix Benz unterwegs, aber es wird mir bald zur Gewohnheit: Die Leute, mit denen ich im normalen Gelände locker mithalte, von denen kann ich mich verabschieden, wenn die Landschaft mit ein paar Gemeinheiten gespickt wird. Dafür kann ich wieder Boden gut machen, wenn ich auf glatten Wegen meine (in diesem Feld) gute Grundschnelligkeit ausnutzen kann. Leider ist es nicht an jedem Tag der Fall, dass solche Streckenabschnitte überhaupt vorhanden sind. Heute stehe ich an Position 8 in der Tagesliste, dennoch komme ich in der Gesamtwertung einen Platz vor und stehe nun auf 6. Heute gibt es den Regen erst später am Abend, als alle trocken im Ziel sind.

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TAG 3:
So langsam geht mir der Tagesablauf in Fleisch und Blut über: Früh aufstehen – Frühstücken – Sachen packen – Laufen – Essen – Massage – Essen – Ruhen – Abendessen – noch ein Bierchen – und ab in den Schlafsack.
So stellt man sich doch den Wellness-Urlaub vor!
Heute mit der längsten Etappe von 56 km sind die übrigen Tagesordnungspunkte leicht zusammengerückt. Immerhin gibt es auf der ersten Hälfte eine recht laufbare Strecke. Am mittleren Posten komme ich gerade rechtzeitig zum Start der Bambini-Läufer an. Nachdem ich Verpflegung gefasst habe, überhole ich einen großen Teil der Halbdistanzler. Als wir aber den Gipfel des Le Suchets überklommen haben, kommt ein für mich ganz böses Stück: Ganz steil bergab, Steine, Wurzeln, nasser Lehmboden, das heißt wieder gaaanz vorsichtig sein.
Die ersten 3 Frauen der 175-km-ies, die noch zusammen laufen, lasse ich gern passieren. Aber natürlich nur für kurze Zeit, die Strecke wird 3 km später wieder ein Weg und ich rolle locker an den Mädels vorbei. Nur kurze Zeit später gerate ich ein wenig ins Träumen und laufe an einer Weg-Biegung vorbei. Bald stehe ich auf einem Bauernhof, den ich nur auf dem gleichen Weg verlassen kann, auf dem ich gekommen bin.
Grrmpf, retour.
Als ich zurück auf Strecke komme, wen habe ich wohl wieder vor mir ?? Also wieder vorbei an den Mädels. Was diesmal nicht so einfach ist, denn schon geht es in den Anstieg zum Chasseron, wo Lidia mit mir mithält und sogar wieder etwas Abstand gewinnt. Nach dem Gipfel (toller Blick in die Ebene) noch über ein paar Wiesen und Weiden, dann endlich wieder Wirtschaftsweg, so dass ich die gewünschte Reihenfolge herstellen und bis ins Ziel halten kann.

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TAG 4:
Das wird meine persönliche Königs-Etappe: Auf der ersten Hälfte zwei richtig dicke Anstiege, dazwischen der Abstieg in das Val de Travers. Seit 3 Uhr Nachts prasselt der Regen und hört exakt mit den Startschuß wieder auf. Nix, aber auch gar nix mit Wegen, die mir entgegenkommen. Auf dem ersten Anstieg hole ich mir mühsam einige Minuten Vorsprung vor der direkten Konkurrenz, die sich abwärts schon auf dem ersten paar 100 Metern wieder erledigt haben. Zack, zack, sind die anderen Jungs nicht nur vorbei, sondern gleich wieder außer Sichtweite.
Nach dem Dorf Noiraique geht es fast direkt die Felswand hoch, dann noch im Wald weiter bergauf. Oben angekommen soll ich unbedingt die Felswand begucken, sehe aber nichts als Nebel. Mir kommt es vor als würd‘ ich gar nicht vorwärts kommen und ich habe Recht: Die 14 Kilometer zwischen den ersten beiden Versorgungstellen lege ich in 140 Minuten zurück! Ein glatter 10er Schnitt!
Die zweite Hälfte ist dagegen ein Zuckerschlecken, wenn auch nicht wirklich einfach. Obwohl die Etappe 9 Kilometer kürzer ist als die gestrige, brauche ich einige Minuten länger und stehe damit nicht alleine. Simon, der mich an der ersten Tagen zuverlässig bei 2/3 der Strecke überholt hat, ist heute ausgestiegen und am anderen Ende hat es einige erwischt, die das Zeitlimit nicht eingehalten haben und deshalb nur noch als 175er weiterlaufen dürfen.

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TAG 5:
Das Schlimmste haben wir eigentlich jetzt schon hinter uns: Natürlich bieten auch die letzten 155 km der Veranstaltung noch einige Berge mit unwegsamen Passagen. Aber zum Einen sind die schweren Passagen nicht mehr so extrem, zum Anderen stellt sich jetzt sogar bei mir ein Übungseffekt ein und ich komme etwas besser durch diese Stücke. Und nicht zuletzt gibt es endlich mal eine 24-stündige Regenpause, die den Wegen merklich gut bekommt.
Auf der ersten Hälfte ist die heutige Strecke richtig griffig, man weiß schon vor einem Schritt, dass dieser nicht im knöcheltiefen Schlamm (oder Kuhfladen) endet. Doch das ist zu früh gefreut. Direkt am höchsten Punkt der heutigen Strecke bekommen wir einen kräftigen Schauer ab und hinter dem Chasseral hat es wohl, den Wegen nach zu urteilen, noch mehr geregnet. Also wieder durch die Matsche und über den glitschigen Lehm. Bis zur dritten Verpflegung haben meine Socken längst die gewohnte Feuchtigkeit und den braunen Farbton. Dort läuft Samuel Arroyo zu mir auf, der hatte mich auf den letzten Etappen in der Gesamtwertung überholt und ich wollte doch heute wieder kontern. Daher haue ich auf dem Weg hinab nach Biel noch mal ordentlich auf den Putz. Gute Wege, bergab, aber nicht zu steil, erlauben mir noch ein paar flotte Kilometer. Direkt vor Biel geht es noch durch die Taubenloch-Schlucht. Schön zum Angucken, aber auch nett, dass ein weiterer Schauer mich hier kaum erreicht und ich halbwegs trocken die 100km-Stadt erreiche.

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TAG 6:
Die Nacht mit echten Bettgestellen hat eigentlich keiner als besondere Annehmlichkeit empfunden, eher wird die Enge und die schlechte Luft im Zivilschutzbunker „Sahligut“ beklagt. Erst mal geht es wieder durch die Taubenloch-Schlucht, dann zackig den Berg hinauf. Bisher waren die ersten vier Läufer eine Klasse für sich und schnell den Fußvolk entfleucht. Diesmal reiht sich der Zweitplatzierte Thorsten Gratzel wegen Sehnenproblemen weiter hinten ein, kommt dann aber an der Steigung doch in Fahrt und stellt die Hierarchie wieder her.
Ich laufe heute den größten Teil des Tages mit Jörg Schreiber zusammen, auf den Wegen harmonieren wir gut, wo es nicht so gut ausgebaut ist, kann ich mich immerhin noch an ihn ranhängen. Zur Mitte des Tagesabschnittes überholen wir Thorsten noch einmal, er versichert aber, dass er zumindest heute das Ziel erreichen wird. Wir kommen noch vor dem 175 km Start an der 2. Versorgung vorbei, und so werden wir ein Stück später von den beiden Führenden des Bambini-Laufes überholt. Nicht für allzu lange Zeit.
An einer Abzweigung fehlen plötzlich die sonst vorbildlich angebrachten Markierungsbänder. Das Duo steht etwas ratlos da und erkundigt sich, ob ich den Weg kenne. „Nein, kenne ich nicht,“ sage ich, aber wir laufen ja schon seit Tagen den Wanderweg mit der gelben Raute entlang und der geht geradeaus.
Kaum einhundert Meter hinter mir läuft Jörg und der ist bekannt dafür, dass er im letzten Jahr beim Lauf die GPS-Daten aufgezeichnet hat und somit stets wegkundig ist. Auch er plädiert für geradeaus. Und so geht es weiter. Fast zwei km lang fehlen die Bändl, wir lesen noch Jan Bergmann auf, der zwar zunächst richtig gelaufen ist, dann aber unsicher wurde, weil keine Markierung kam. Auch ich bin erleichtert, als wir endlich wieder die Bestätigung haben, dass wir wirklich auf dem richtigen Weg sind und schon einen Kilometer weiter kommt uns ein ORGA-Mitglied mit einer Markierungsrolle entgegen. Nach der letzten Verpflegung das umgekehrte Phänomen: Jörg läuft auf dem Bergpfad kurz vor mir, als dieser auf eine Straße mündet. Jörg biegt zielstrebig nach links, doch als ich an diese Ecke komme, geht die Markierung eindeutig nach rechts. Ich rufe ihm hinterher „Hey, hier geht’s lang“ und nehme den richtigen Weg. Ich bin mir recht sicher, dass er mich gehört haben sollte, er kommt aber nicht wieder zu mir auf. Erst als ich schon langsam die Witterung des Ziels aufgenommen habe, höre ich hinter mir Fußgetrappel, doch das ist Thorsten, der sich wieder berappelt hat. Jörg erreicht etliche Minuten nach mir das Ziel, hat mich aber gehört, sagt aber, im vergangenen Jahr sei es anders herum gegangen.

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Kurze Bestandsaufnahme vor dem letzten Lauf: An dem 6. Platz, den ich inne habe, scheint nicht mehr viel zu rütteln zu sein: Jörg ist eine halbe Stunde vor mir, keine Chance für mich. Samuel liegt 11 Minuten hinten, einen Einbruch kann ich mir nicht leisten, dann sollte auch da nichts anbrennen.
Heute gibt es einen Blockstart: Wer gestern über 7 Stunden unterwegs war, darf heute 30 Minuten eher loslaufen, diejenigen, die unter 6 Stunden geblieben sind, gehen erst eine halbe Stunde nach dem Hauptfeld auf die Strecke. Mit meinen 5:57 bin ich also der letzte, der mit den Top 4 und Jan noch zur Elite zählt. Meine Befürchtung, dass ich nun erstmal das ganze Feld vor mir hertreibe, ist unbegründet. Bis auf Nemeth und Benat, die sich absetzen, laufen wir halbwegs geschlossen los und nach 10 Kilometern ist es dann Thorsten, der, mit seiner Sehne kämpfend, den Anschluss verliert.

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Ab rund Kilometer 17 beginnt dann das große Überholen. Mit den Meisten wechsle ich ein paar kurze Sätze, eine angenehme Abwechslung. Wir sind schon im Dunstkreis Basels, als ich auch Samuel überhole. Damit sind alle Bedenken bezüglich der Platzierung ad acta gelegt und ich kann die ersten Ausläufer der Stadt in der Vorfreude auf den Zieleinlauf genießen. Entlang des Flüsschen Birs kommen wir zum Rhein, dann noch unter einer Brücke hindurch und wir können mit dem Münster das Ziel all unserer Anstrengungen vor uns sehen.
Die letzten zwei Kilometer sind entsprechend gefühlvoll. Etwas verschwommen sehe ich das Zieltransparent, da ich etwas mehr Flüssigkeit in den Augen habe als gewohnt. Knappe 39 Stunden war ich auf diesen 350 Kilometern unterwegs. Auch wenn ich gelegentlich über die Strecke geflucht habe, hatte ich nur auf der 4. Etappe einen echten Hänger, an das Aufgeben habe ich während der ganzen Woche aber keinen einzigen Gedanken verschwendet.
In Basel war eigentlich eine Dusch-Möglichkeit eingeplant, aber der Hausmeister war schon im Urlaub, sodass uns nur der Brunnen auf dem Münster-Platz als Waschstelle bleibt. Spannend wird es noch einmal, als wir auf unseren Freund Thorsten warteten. Zunächst hieß es, er sei mit einer Gruppe am Ende des Feldes, dann wird gesagt, er sei mit den Markierungsentfernern unterwegs, würde aber das Zeitlimit schaffen. Aber letztendlich hat auch er sich durchgekämpft und erscheint pünktlich zum Abschiedsbuffet.
Damit haben sich 40 der 60 Starter die vollen 350 Kilometer von Genf nach Basel absolviert, aber auch die Finisher der 175 km sind echte Siegertypen.

Hinweis: Fotos von Felix Benz, Jan Bergmann und Arnold van der Kran

Danke, Gerald, für den interessanten Blog-Beitrag!

Der KÖLNPFAD nonstop

– oder  „Der KÖLNPFAD – Einmol öm Kölle röm“

„Der KÖLNPFAD – was ist denn das schon wieder?“

Koelnpfad

Als ich von der Veranstaltung des fleißigen Ultraläufers Wolfgang Olbrich zum ersten Mal hörte, ging mir genau diese Frage durch den Kopf: „Der KÖLNPFAD – was ist denn das schon wieder?“

Also, der KÖLNPFAD ist ein 171 km langer Wanderweg rund um Köln. Er wurde im Herbst 2008 durch den Kölner Eifelverein offiziell eröfffnet und eigentlich sind es 11 Wanderungen zwischen 9 und 22 Kilometern.Für die Läufer unter uns die Chance, all das in 28 Stunden zu packen.

Was liegt für einen „gefühlten“ Kölner Ultraläufer also näher, als diesen Weg selbst einmal in einem Rutsch zu laufen? Vor allem, weil von den voraussichtlich 17 Teilnehmern zwei Läufer enge Lauffreunde von mir sind:

Michael Eßer aus Wesseling, mit dem ich schon zwei Wochen später die 166 Kilometer des UTMB („Ultra Trail de Mont Blanc“)  bewältigen will und Hans-Peter Gieraths aus Königsfeld bei Bad Neuenahr, mit dem ich im Vorjahr gemeinsam zum GONDO EVENT gefahren bin und mit dem ich unzählige Läufe gemeinsam bestritten habe, zuletzt auch den SwissAlpine in Davos. Er ist ja gewissermaßen mein direkter Nachbar als Ultra-Läufer und ich bewundere ihn und seine Laufergebnisse sehr.

Aber 171 Kilometer? Schon wieder so viel?

Noch immer erinnere ich mich an die äußerst schmerzhaften Blasen der 177,520 km DLV Challenge in Delmenhorst, an den Zehennagel des kleinen linken Zehs, den ich dort verloren habe und an die Sehnenscheiden-Entzündungen in beiden Füßen, die ich beim 350 km SwissJuraMarathon bekommen habe. Und jetzt schon wieder so weit, nur zwei Wochen vor dem UTMB?

Aber Michael traut sich das auch zu – und Ultraläufer sein ist eben kein „Kindergeburtstag“. Finde ich jedenfalls. Nach kurzer Überlegung stand dann mein Entschluss fest: ja, das mache ich!

Und so laufe ich am Samstag den Lauf, den ich vor drei Monaten noch kaum aussprechen konnte.

KölnpfadKarte

Karte des Kölnpfades, Maßstab 1:25.000 Quelle: J. P. Bachem Verlag, Köln 2008. 1. Auflage Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber Stadt Köln, Amt für Liegenschaften, Vermessung und Kataster, Nr.: KT 121/2007 Datum: 22.09.2008 Genehmigung: J.P. Bachem Verlag GmbH, Ursulaplatz 1, D-50668 Köln Anmerkungen: Niedrigauflösende Kopie aus Kölnpfad - Der Kölner Rundwanderweg, Copyright beim J. P. Bachem Verlag

Natürlich freue ich mich und bin sehr dankbar, dass mein Tennis-, Lauf- und RealLife-Freund Detlev B. aus Leichlingen mich läuferisch ein paar Kilometer durch die dunkle Kölner Nacht begleitet und dass meine Frau Gabi die Autobegleitung übernimmt. Ohne diese Hilfe wäre dieser Lauf nicht machbar!
Immerhin gibt es nur vier Verpflegungspunkte – viel zu wenig, um ohne Begleitung autark zu sein.

Und noch immer hoffe ich, dass sich noch der eine oder andere Läuferfreund bei mir meldet, der ein paar Kilometer „schönes Köln“ mit mir laufen will. Langsam, extrem langsam und bedächtig, versteht sich …
Wäre das nichts für Dich, was meinst Du?

Noch etwas ganz zum Schluß: in der „Kölnischen Rundschau“ vom 29. Juli 2009 erschien auf Seite 30 dieser Bericht über den KÖLNPFAD: hier klicken!